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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Panik im Anmarsch



Inaktiver User
02.02.2007, 19:58
Was macht ihr, wenn eine Panikattacke im Anmarsch ist? Ich meine, man weiß ja selbst, dass es vorbei geht, aber man kann es schlecht unterbinden, wenn es losgeht und wenn es da ist, dann ist es eben da. Bei mir fängt es gerade an und ich weiß nicht, wohin das wieder führt. Habe mich schon mehr als einmal beim Notarzt wiedergefunden. Will das nicht schon wieder, aber ich habe null Ahnung, wie ich das unterbinden soll, dass ich Dinge tue, die ich nicht tun will. :heul:

meike_d
02.02.2007, 21:06
Hallo Kashmir, wovor hast Du denn Angst?
Lohnt es sich, davor Angst zu haben?

Inaktiver User
02.02.2007, 21:35
Einsamkeit. Vergessen werden. Ungewissheit. Dass sich Menschen von mir abwenden. Bis jetzt läuft es verhältnismäßig ruhig, habe "nur" Heulkrämpfe und Magenschmerzen. :heul:

Lizzie64
02.02.2007, 21:43
hallo liebe kashmir,

was für dinge sind das, die du tust, aber nicht willst?

Inaktiver User
02.02.2007, 22:26
Hallo Kashmir,

mich hat "es" vor 4 Jahren so unerwartet und heftig erwischt, daß
ich 2 Wochen im Krankenhaus war. Ich wurde komplett ruhig gestellt, durfte in den ersten Tagen nicht mal auf die Toilette gehen, denn sobald ich den Finger hob, hatte ich einen Puls von 180. Ich wurde komplett durchgecheckt und am Ende stand die Diagnose Panikattacken und generalisierte Angststörung.
Die Gründe werde ich jetzt hier nicht ausführen.
Aber, nach meiner Erfahrung ist das mit einem guten Therapeuten-Team(idealerweise Internist/Neurologe/Psychotherapeut)gut in den Griff zu kriegen:
Sie haben mich dann sehr schnell hochdosiert auf Trevilor (Anti-Depressivum vorw. bei Angststörungen) eingestellt und ich muß sagen, das hat mich wirklich schnell wieder "auf die Beine" gebracht.(mein Sohn war 8 Monate alt, meine Tochter 2 Jahre, wurde also dringend gebraucht). Nach 2 Wochen ging ich also mit einer Flasche Diazepam und Anti-Depressiva nach Hause.....und hatte immer noch Panikattacken. So ungefähr stündlich.....und das schlimmste ist dann, die Angst vor der Angst....ist es bei Dir auch so?
Ich hab mir dann sofort eine Psychotherapeutin gesucht und eine Verhaltenstherapie gemacht.
Weiterhin habe ich mich ambulant neurologisch betreuen lassen, habe weitere 2 Sorten Anti-Depressiva "ausprobiert".
Das ganze umfassend überwacht von meiner Internistin(die auch meine beste Freundin ist) und 2 Straßen weiter wohnt, somit immer greifbar war, was natürlich sehr zu meiner "Beruhigung" beigetragen hat.
Den "Rest" habe ich selbst gemacht.
Nehme seit 2 Jahren keine Medikamente mehr und bin "anfallsfrei".
Also ganz konkret (nach meiner persönlichen Erfahrung):

Laß Dir (in Absprache mit Arzt) Beruhigungsmittel verschreiben(Tropfen, nur bei Bedarf zu nehmen,fang nicht an mit regelmäßiger Einnahme, um vorzubeugen), damit Du "es" vergißt und locker wirst(wie gesagt: die Angst vor der Angst - das ist sonst ein Teufelskreis) Und laß Dir nicht einreden, das ist Mist, weil es Abhängig macht etc.
Bei einem vernünftigen Umgang, entsprechender Dosierung(siehe oben) etc. passiert das nicht (das kann Dir Dein Arzt genau erklären)
Solche Mittel sind genau für solche Akut-Situationen da! Mit der Zeit erkennst Du ja auch schon vor einer Attacke, ob was kommt...
Das gleiche gilt für die Anti-Depressiva. Benutze sie als "Krücke" solange, bis Du selbst wieder gehen kannst. Aber hierfür mußt Du etwas tun. Finde raus, was die Ursache bei Dir ist.
Ganz konkret hat mir geholfen: Bauchatmung, Laufen(schnelles gehen) direkt in der Attacke, also nicht hinlegen(oh gott, mein Herz...etc) sondern aktiv gegen steuern! Im Auto: Radio voll aufdrehen und aus voller Kehle singen/schreien!
Oder: richtig abtanzen/springen/hüpfen etc.

Inaktiver User
02.02.2007, 22:52
Ich wollte heute tanzen gehen eben weil ich befürchtet hatte es haut mich heute wieder um. Freitag und Samstag sind die gefährlichen Tage. Habe am Montag auf einer lokalen Seite eine Anzeige eingestellt, dass ich nette Leute zum tanzen gehen suche. Keine Meldung, absolut keine Meldung und ich hocke nun fest, Freunde auch keine Lust.

Ich habe nicht direkt Angst vor der Angst sondern davor, dass ich in solchen Phasen ausraste und mir Schmerzen zufüge. Das kleinste bisschen macht mir zu schaffen, mein Nymphensittich schreit, ich könnte den Käfig mit allem bewerfen, was um mich herum liegt. Ich könnte den Computer zerlegen, weil ich mich auf einer anderen Seite trotz richtigem Passwort (Password-Reminder) nicht einloggen kann. Aber ich weiß, dass ich ruhig sein muss, denn hier im Mietshaus ist alles sehr hellhörig. Ich will nicht, dass die Nachbarn beim nächsten Mal komisch gucken.

Bin froh, dass ich keinen Alkohol konsumiere. Das habe ich zweimal gemacht und davon wurden meine Heulkrämpfe nur schlimmer und es kam noch mehr Seelenschmerz durch. Vor Tabletten und einer ärztlich-therapeutischen Behandlung habe ich auch Angst. Habe eine Bekannte, die wegen ihrer dauernden Panikattakten jeden Tag 3 verschiedene Medikamente einnimmt (plus Zwangsernährung wegen gefährlichem Untergwicht) und sie lebt seit einigen Monaten auf der Geschlossenen. Durch die hohe Medikation ist sie mittlerweile tablettenabhängig, ich will so nicht enden.

Ich habe diese Panikattacken "nur" wenn ich mich total einsam, vergessen und ungeliebt fühle und für mich niemand da ist der mich mal in den Arm nimmt. Das kann man ja auch nicht erzwingen und es hat sicherlich gründe, dass das niemand macht. Mache mir sehr viele Gedanken darüber warum das so ist. Ein Mensch muss grausam sein wennn ihn niemand mag und mal drückt. Ich weiß kaum noch wie sich eine Umarmung anfühlt. :heul:

Lizzie64
02.02.2007, 23:11
(...)

Ich habe diese Panikattacken "nur" wenn ich mich total einsam, vergessen und ungeliebt fühle und für mich niemand da ist der mich mal in den Arm nimmt. Das kann man ja auch nicht erzwingen und es hat sicherlich gründe, dass das niemand macht. Mache mir sehr viele Gedanken darüber warum das so ist. Ein Mensch muss grausam sein wennn ihn niemand mag und mal drückt. Ich weiß kaum noch wie sich eine Umarmung anfühlt. :heul:

liebe kashmir!

das kenne ich ziemlich gut aus eigener erfahrung, aber bevor ich weiter schreibe:

"und es hat sicherlich gründe, dass das niemand macht. Mache mir sehr viele Gedanken darüber warum das so ist. Ein Mensch muss grausam sein wennn ihn niemand mag und mal drückt."

das ist zu streng, so ist es ganz sicher nicht :blumengabe:

ich ahne, wie du dich fühlst. der allererste, winzig kleine schritt ist, die gedankenrichtung zu ändern: es ist nicht so, dass dich niemand in den arm nimmt, weil dich niemand mag. es ist ganz bestimmt auch nicht so, dass dich niemand mag! aber du möchtest es eben jetzt so sehr gern, weil du dich so schlimm fühlst. das fühlt sich schrecklich an ... und du kannst gar nichts anderes mehr denken, und deshalb kommen die angstanfälle.

ich weiß nicht, ob es dir hilft, aber: es ist wirklich das allerbeste, wenn du dir hilfe holst. bitte versuche, keine parallelen zu deiner bekannten zu ziehen, es gibt kaum zwei menschen, die sich gleichen. wenn ich richtig liege mit meiner einschätzung, dann musst du dich spüren und (wieder) lernen, dass es dir gut gehen kann, und das wird am besten im austausch mit anderen menschen gehen.

es klingt so, als ob du dich selbst im moment (oder auch schon lange) nicht besonders gut leiden kannst, und das ist vielleicht auch der grund für die panikanfälle. bei mir war's so. die panikattacken waren quasi ein stolperstein, den ich mir unbewusst selbst (zurecht) hinwarf, um zu merken: so geht es nicht weiter.

ich bin vor jahren sehr offensiv in therapie gegangen und habe es auch geschafft, das muster zu erkennen. ich will das jetzt nicht weiter ausführen, weil ich nicht von dir ablenken möchte :blumengabe: . aber vielleicht ist das eine erste kleine hilfe: nimm die panikattacken als hinweis, der aus dir selbst kommt, und such dir hilfe!

Inaktiver User
03.02.2007, 00:11
Danke dir für deine lieben Worte. :)

Habe es so oft erlebt, dass sich die Menschen von mir zurück gezogen haben wenn ich sagte, es geht mir gerade nicht besonders. Deshalb verschweige ich das im Familien- und Freundeskreis. Ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen: Nur damit ihr es wisst, wenn ich mal in eurer Anwesenheit wieder ins Leere starre, dann denke ich gerade wieder mit Grauen daran, dass ich niemanden habe, der mich umarmt, niemanden der für mich da ist und für den ich da sein kann und weil ich mich einsam fühle. Wie erniedrigend ist es sich selbst und dann noch vor anderen eingestehen zu müssen, dass man sich dermaßen nach etwas Zuneigung sehnt, dass man dadurch Panikattacken hat, weil man denkt man ist so ein schlechter Mensch, dass es einen Grund gibt, dass man von Freunden gemocht, aber von niemandem geliebt wird?

Wenn ich mit Menschen zusammen bin, bin ich kontaktfreudig und unternehmungslustig, aber abends allein zu Hause... Freitag und Samstag sind die schlimmsten Tage, da haben Freunde kaum Zeit, ich bin als einzige solo und am Wochenende wollen die Pärchen gern Zeit miteinander verbringen.

Nein ich mag mich nicht, vor allem jetzt nicht. Vorhin habe ich mir gerade Fritten und Muffins von McDonalds geholt, ich bereue diese Kalorien schon wieder. Die Freundinnen sind alle auf Kuschelkurs mit ihren Männern, mein Dauerschwarm wird sich mit seiner Freundin vergnügen. Es ist Freitagabend und alle im Freundeskreis haben jemanden, an den sie sich beim einschlafen kuscheln können. Mir bleiben nur die Kissen und die Decke. :(

Habe das Gefühl in mir selbst gefangen zu sein. Ein Bungeesprung oder so etwas in dieser Art wäre jetzt gut, damit ich mich wieder spüre und der Druck vergeht. Aber eben genau jetzt im Moment, in dem ich mich nicht gut fühle und das ist auch so ein Problem weil ich weiß es geht nicht jetzt.

Nathamel
03.02.2007, 00:36
wegen der antidepressiva denke ich, dass es falsch ist, davor angst zu haben. allerdings gibt es sicher ein paar grundregeln, die zu beachten sind.

es sollte niemals ein hausarzt sein, der medikamente verschreibt, sondern ein psychiater, der sich mit dem krankenheitsbild auskennt.

ein gutes antidepressivum ist gut verträglich und bietet zwei entscheidende vorteile: erstens macht es überhaupt erst mal therapiefähig und zweitens gibt es dir lebensqualität zurück.

warum ist das wichtig? eine der schlimmsten folgen der panik-erkrankung ist die gesellschaftliche isolation. viele menschen haben angst vor der fahrt im öffentlichen nahverkehr oder im auto. sie überlegen: oh, gott, was kann mir auf dem weg alles passieren? also scheuen sie nach und nach immer mehr wege. die folge ist ein rückzug in die eigenen vier wände. selbst die fahrt zum therapeuten, der gang nach draußen, alles wird irgendwann zu bedrohlich.

und wenn du nicht enden willst, wie deine bekannte, die ihre souveränität eingebüsst hat, indem sie stationär behandelt wird, dann sind antidepressiva ein gutes mittel, um autark zu bleiben.

du darfst dich über die wirkung nicht täuschen. sie machen dich weder ruhig noch glücklich. sie schwächen nur die aktuen anfälle ab. antidepressiva sind keine glücklichmacher und sie wirken auch nicht wie alkohol. im grunde ermöglichen sie dir, dich so zu fühlen, wie du dich einst gefühlt hast, bevor die störung aufgetreten ist. niemand in deinem umfeld wird merken, dass du etwas nimmst.

ganz anders ist das bei den beruhigungstropfen oder -pillen. hier ist ein extrem hohes sucht-risiko gegeben. ein guter arzt gibt dir daher eh nur ein oder zwei not-fall-pillen mit, die du im absoluten notfall nehmen kannst.

aber nicht jeder arzt ist gleich gut. ich kann mich noch erinnern, kurz vor meinem examen drehte meine studien-kollegin völlig durch. sie war vor lauter prüfungsangst kein mensch mehr. sie zitterte, konnte nächtelang nicht schlafen, erbrach sich, hatte durchfall, litt an todesängsten und sonst was. sie ging zu einem psychiater, den sie aus dem telefonbuch hatte. der verschrieb ihr 50 tavor.

tavor, das ist ein medikament, das haben sie letztes jahr meinem opa gegeben, als er die letzten stunden gegen seinen lungenkrebs kämpfte. das half ihm gegen die todesangst. als der arzt wusste, dass mein großvater die nacht nicht überleben würde, da sagte er: jetzt können Sie alles geben, was da ist. geben Sie ihm alles morphium, gegen Sie ihm tavor, bald hat er es geschafft.

und genau diese tavor hat also so ein fuzzi meiner freundin damals gegen prüfungsangst verschrieben. ohne sie zu kennen. zum glück hat sich meine freundin damals überreden lassen, das zeug zur apotheke zurück zu bringen.

also: meine meinung: quäl dich nicht unnötig. es ist nicht nötig, dass du in deiner wohnung auf dem rücken liegst, einen puls von 150 hast, trockener mund, das gefühl, sich aufzulösen. und das wieder und wieder. wenn das nicht behandelt wird, dann wird es schlimmer. du kannst ein ganz normales leben führen. entweder du gehst für einige monate in stationäre behandlung oder aber du gehst den ambulanten weg, dann allerdings wirst du ein antidepressivum brauchen. und du wirst dich hinterher ärgern, dass du dir nicht schon viel früher hast helfen lassen.

was die abhängigkeit betrifft: sprich deine sorgen ganz offen gegenüber dem psychiater an. wenn man dir sagt, dass man von antidepressiva abhängig wird, dann steckt da folgendes dahinter:

diese medikamente bauen einen "spiegel" in deinem blut auf. daher kann es problematisch sein, wenn du ein solches medikament von jetzt auf gleich absetzt. das bedeutet: man fängt mit so einer medikation ganz niedrig an und hebt langsam den spiegel an, bis die dosierung so ist, dass du gut eingestellt bist. so viel wie nötig, so wenig wie möglich. wenn du das medikament absetzen willst, muss das ebenso langsam erfolgen. das nennt man "ausschleichen". das ist der grund, warum man sagt, dass die medikamente abhängig machen. man darf sie nicht von jetzt auf gleich einfach "nicht mehr nehmen". man muss dem körper zwei drei wochen zeit geben, sich umzustellen. nur so kann auch der arzt sehen, ob du bereits stabil genug bist, ohne medikamente weiter zu machen.

also: denk nochmal darüber nach, ob du hier nicht an falscher stelle angst und kraft verschwendest.

viel mut. nathamel.

Lizzie64
03.02.2007, 12:14
nathamel, ich kann mich dir da komplett anschließen!

Inaktiver User
03.02.2007, 17:35
Zwei belastende Dinge sind, dass ich unter dem Druck stehe funktionieren zu müssen. Ich habe es so oft erlebt, dass Menschen, denen ich mich verbunden gefühlt habe, sich zurück gezogen haben, wenn sie merkten, dass es mir nicht gut geht. Ich verbinde aufgrund der Erfahrungen nun damit: gut drauf = Menschen um mich herum. Es geht mir nicht so gut - sie lassen mich hängen und allein. Die zweite Sache ist, falls ich mich überwinde zu einer Therapie zu gehen, was ich im Moment noch nicht sagen kann, dass ich da allein durch muss. Ich kann es niemandem erzählen, denn wenn es jemand wüsste. Wie klingt das: Ich bin in Psychotherapie, weil ich kein Selbstbewusstsein habe und unter Panikattacken leide, weil ich mich einsam fühle. Es ist ein unglaublicher Druck sich nichts anmerken zu lassen.

Bin letzte Nacht auf dem Sessel eingeschlafen und irgendwann frierend aufgewacht. Nach dem aufwachen ging es mir seltsamerweise gut, vor einer halben Stunde hat mich wieder eine Kleinigkeit aus der Bahn geworfen, bin schon wieder am zittern. :heul:

selkie-robbe
04.02.2007, 16:00
Hallo,

also ich hab auch sehr lange zeit panikattacken gehabt und nichts unternommen, der erfolg war daß es immer schlimmer geworden ist und mein leben immer kleiner wurde. ich konnte zum schluß kaum noch am leben teilnehmen. das einzige was geholfen hat war eine therapie!!! ich kann dir das nur anraten, wirklich mach das! bald. bei medikamenten habe ich zuviel angst vor der abhängigkeit. ich wünsche dir daß du gleich morgen los gehst und einen therapeuten suchst, denn besser wird es von allein nicht, glaub mir. und eine therapie kann durchaus auch spaß machen und man lernt eine menge über sich selber. es ist eine chance.
und zu deiner angst den anderen gegenüber, was sie sagen. es kann durchaus von vorteil seine einen therapeuten zu haben. sagt dir einer "du solltest dir einen therapeuten suchen" kannst du immer sagen "ich hab schon einen". in der offensive ist man am wenigsten angreifbar. und ganz ehrlich, sehr viele haben auch einen. in meinem freundeskreis sind sogar sehr viele dabei. wenn einer mal auspackt, sieht man wie viele doch zusammen im gleichen boot sitzen. also trau dich. und wer dann über dich lacht, ist kein echter freund.
mir hat das alles sehr geholfen.
ich wünsch dir daß du es schaffst.
selkie

Ricarda44
08.02.2007, 09:54
Hallo, Kashmir!

Allein sein ist o. k.
Einsam sein ist Mist.
Da stimme ich schon mal zu.

Irgendwelche Wochentage als besonders gefährdet einzustufen heißt doch irgendwie schon mal, es festzulegen, dass es einem da wieder schlecht gehen muss.

Ich hatte monatelang, nachdem mein Mann verstorben war, das Problem, dass es immer wieder dieser verflixte Samstagabend war.
Bis mich ein netter Mensch aus diesem dummen Denken befreit hat. Seit dem bin ich runter von dem Trip, immer vor diesem Samstag Angst zu haben. Jetzt können die Samstage auch kommen und ich gern mal allein sein. Das ist nicht mehr schlimm.
Ich denke, es ist wichtig, diese Denkstrukturen "ES KOMMT IMMER DANN" zu durchbrechen.

Das mit der Zeitungsanzeige war schon klug, aber versuch's doch mal hier nette Leute aus Deiner Gegend zu finden, die Samstagabend auch mal ausgehen möchten. Da bin ich mir sicher, es werden sich welche finden. Das haben wir mit einigen Wiener Singlefrauen auch schon erlebt.

Und dass sich Leute, die diese Probleme nicht haben, einfach zurückziehen, ist leider normal. Das hat nichts direkt mit Deiner Person zu tun, sondern damit, dass viele es nicht verstehen können, weil sie es nicht so erlebt haben und damit nicht umgehen wollen/können.

Durch diese Reaktionen musst Du Dich nicht schlechter fühlen, aber Du solltest verstehen lernen, weshalb die Menschen so handeln. Sie haben Angst vor dem Unbekannten und vor Unbequemlichkeiten.

Versuch mal, dieses oben beschriebene Denkmuster zu durchbrechen, ich denke, dann kann es einfacher werden. Und wenn Du dann noch aktiver wirst in Deiner Freizeit, bist Du wahrscheinlich am WE auch froh, mal Deine Ruhe genießen zu können.

Stell Dir vor eine voll berufstätige Frau, zusätzlich mit Familie und Haushalt - die würde zu gern die ruhigen Stunden mit Dir tauschen, um mal Zeit für sich zu haben. Auch sie ist dann unglücklich, wenn sie sich sagen muss "Nie habe ich Zeit für mich alleine"

Der Mensch will immer das, was er nicht hat.

Und ich meine, man sollte einfach mal versuchen, das was man hat, schätzen zu lernen. Man kann allem eine positive Seite abgewinnen.