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Inaktiver User
02.02.2007, 10:25
Ihr Lieben,
ich verfolge schon seit Wochen eure Beiträge, die mich aller sehr bewegen. Jetzt habe ich auch das Bedürfnis mit euch zu sprechen.
Heute ist es drei Tage her, dass ich meinen geliebten Papa verloren habe. Ein Jahr lang hat er gegen den Krebs gekämpft. Ein Jahr lang habe ich gehofft und gebangt, geweint und mich gefreut, wenn es ihm einmal besser ging. Vor Weihnachten fühlte er sich so schlecht und ich dachte, ich könnte nicht mehr die Feiertage und seinen Geburtstag nach Weihnachten mit ihm verbringen. Wie ein Wunder ging es ihm aber dann wieder besser und wir verbrachten sehr schöne Feiertage und seinen Geburtstag mit vielen Freunden. 5 Tage nach dem Fest musste er dann ins Krankenhaus und ist dort nach 12 Tagen verstorben. Ich habe vier Tag und Nächte an seinem Bett verbracht und ihm beim Sterben begleitet. Jetzt ist er nicht mehr da und ich fühle mich so leer.
Am Montag ist die Beerdigung. Ich habe Angst vor dem Tag und ich habe Angst vor der Trauer meiner Mutter. Ich muss jetzt für sie da sein aber ich weiss nicht, wie ich sie auffangen kann.

Das Abschied nehmen ist so schwer.

Bine0369
02.02.2007, 12:55
Liebes Ginchen,

fühle Dich ganz fest in den Arm genommen und gedrückt. Ich kann Deine Ängste gut verstehen. Als meine Oma starb, musste ich auch mit der Trauer meiner Mutter umgehen und das war nicht leicht. Aber Ihr werdet das schon schaffen. Redet miteinander. Erinnert Euch an die schönen Zeiten!

Und was die Beerdigung betrifft: da geht wohl keiner von uns gerne hin. Aber auch das wirst Du schaffen. Keiner wird von Dir erwarten, daß Du das locker durchstehst.

Viel Kraft und Mut!

Inaktiver User
02.02.2007, 13:51
Vielen Dank für die lieben Wort Biene!
Diese Community spendet so viel Trost. Wir alle trauern und haben Sorgen und so fühle ich mich nicht mehr so allein!

Toyo
03.02.2007, 01:08
@ginchen ich drück dich. Du hast deinen Vater auf seinem Weg begleitet. Evtl. hat er dir auch noch was gesagt.

Die Beerdigung, der letzte Abschied, ist auch wichtig für dich. Ich denke an dich. Abschied nehmen ist schwer.

Küsschen und ein Kraftpaket
Toyo

Inaktiver User
03.02.2007, 20:18
Liebes Ginchen...

...ich wünsche Dir und deiner Mama viel Kraft. Ihr Beide werdet Euch gemeinsam Auffangen....Stützen. Die Leere die Ihr fühlt wird irgendwann mit liebevollen Erinnerungen angefüllt werden.
Es ist wundervoll, dass Du Deinen Papa seine letzten Tage noch begleiten konntest.
Deine Angst vor dem Tag der Beerdigung kann ich nachfühlen...man hat das Gefühl, man verliert ihn noch einmal. Aber Du wirst auch spüren, wie geliebt und beliebt er war, durch die Menschen, die Euch an diesem schweren Tag begleiten.

Eigentlich ist es wirklich nur die Zeit, die hilft, dass sich die Wunde ein wenig schliesst und man irgendwann über eine liebevolle Erinnerung wieder leise lächeln kann....

Liebe Grüsse F.

Kappuziner
03.02.2007, 20:55
Liebes Ginchen,

mein Vater ist vor 2,5 Jahren an Krebs gestorben und ich kenne das alles so gut, was du jetzt durchmachst.
Die Hoffnung, die Angst, wenn man nachts hochschreckt und Herzklopfen hat, wenn man morgens aufwacht und sich noch eine Sekunde ganz leicht fühlt und dann fällt es einem ein und dann kommt die Trauer und legt sich wie ein Stein in deinen Magen und um dein Herz.

Glaub mir, die erste Zeit ist die schlimmste. Es wird langsam immer besser. Nach einiger Zeit wirst du die Trauer etwas loslassen können, es kommen immer mehr Augenblicke, in denen du dich wieder leichter fühlst. Du wirst auch merken, dass er nicht ganz weg ist - er kommt immer mal wieder. Im Traum wird er mit dir reden und wenn du wach bist, dann merkst du ihn manchmal, bei mir ist es so ein Gefühl, als würde mich ein Wind umwehen, leicht und trotzdem nah.

Wenn etwas Zeit vergeht, dann wirst du über ihn reden können, wie über andere wichtige Menschen in deinem Leben. Ich sage manchmal "Mein Vater hätte jetzt gesagt..." und manchmal ist es auch lustig und ich kann lachen und mir vorstellen, wie er mit mir mitgelacht hätte.

Meine Mutter ist leider nur ein Jahr später auch gestorben. Aber das war ein wichtiges Jahr für uns beide.
Man "sortiert" sich neu, wenn einer fehlt, man versucht, die Lücke zu schließen, auch wenn das nie ganz gelingt, ich habe meine Mutter noch einmal neu kennengelernt, das war eine wichtige Zeit.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

Inaktiver User
03.02.2007, 21:07
Ginchen,
ich wünsche Dir für Montag Kraft und Ruhe.
Ich konnte bei der Beerdigung nicht weinen und fand sie auch - wenn man das so sagen kann - nicht so schlimm. Mir fehlte bei der Trauerfeier noch die Vorstellung, dass mein Freund in dieser Kiste sein sollte und bei der Beerdigung konnte ich mit der Urne noch weniger anfangen.
Kranich

Inaktiver User
04.02.2007, 23:56
Hallo Ginchen !

Ich kann mit dir fühlen,mein Vater strarb mit 34J. ich war 16J.,der schwärzeste Tag in meinem Leben.

Aber es ist so wie Kappuziner schreibt,mehr kann man nicht hinzufügen, sehr schön geschrieben.

Ich möchte dir auch sagen,dein Vater ist nicht einfach weg,er ist in eine andere Welt umgezogen. Seelen gehen nicht verloren,sie sind um uns herum. Dein Vater wird dich und deine Mutter beschützen. Sprecht viel miteinander,das hilft auch sehr.

Fühle dich gut beschützt,viel Kraft für Euch !

Liebe Grüße Melia :blumengabe:

Inaktiver User
09.02.2007, 11:54
Ihr schildert genau meine Gefühle. Ich konnte an der Beerdigung auch nicht weinen und habe auch keine große Trauer empfunden, obwohl ich doch vorher so eine Angst genau vor diesem Tag hatte. Die Leere kommt jetzt vor allem hinterher. Ich kann mir nicht vorstellen, meinen Vater nie wieder zu sehen, nie wieder mit ihm zu sprechen, nie wieder seinen Rat zu bekommen, nie wieder mit ihm glücklich zu sein.
Ich hoffe, dass auch ich irgendwann fühlen werde, dass er bei mir ist, dass er nicht spurlos verschwunden ist. Ich lese so oft in diesem Forum, dass die Verstorbenen wiederkehren und einen nicht alleine lassen.
Momentan habe ich ein großes spirituelles, relogiöses Bedürfnis.Beim Sterbeprozess meines Vaters habe ich deutlich gefühlt, dass er nicht einfach nur stirbt, sondern dass sein Geist nur aus der Körperhülle entweicht. Mein Freund hat überhaupt kein Versändnis für mein Gefühl. Vielleicht kann man das auch nur empfinden, wenn man einmal das Sterben miterlebt hat.

Inaktiver User
09.02.2007, 12:06
Liebes Ginchen,
vielleicht magst du mal hier im Forums-Bücherschrank stöbern?
Da sind viele gute Bücher genannt, die dein großes Bedürfnis nach Spirituellem und Religiösem stillen können, zumindest ansatzweise.

Ich habe viele, viele Bücher und Gespräche mit anderen gebraucht um wieder zur Ruhe zu kommen, zu verstehen, zu verarbeiten und anzunehmen.

Inaktiver User
09.02.2007, 12:09
Weine nicht

Weine nicht um mich, da ich jetzt hinausging in die sanfte Nacht.

Trauere, wenn du willst, aber nicht lang dem Flug meiner Seele hinterher.

Ich habe jetzt Frieden, meine Seele hat jetzt Ruh. Tränen braucht es nicht, im Gegenteil, denke an das Glück der Liebe, die uns verband.

Es gibt keinen Schmerz mehr, ich leide nicht und auch die Angst ist weg. Mach deinen Kopf für anderes frei - ich lebe in deinem Herzen fort.

Vergiss meinen Lebenskampf. Vergrab dich nicht im Jammertal, sondern freu dich -ich habe gelebt- mit dir.

(unbekannter Verfasser)

Inaktiver User
09.02.2007, 14:05
...denke an das Glück unserer Liebe, die uns verband...

Wunderschön, Korsar.

Ginchen, dieses Band der Liebe kann durch nichts zerstört werden, auch nicht durch den Tod. Als die Seele deines Papas gegangen ist, ist sie von deiner Liebe begleitet worden und sie wird immer bei ihm sein.

juri
16.02.2007, 21:16
Hallo Ginchen!

Vor 15 Jahren erging es mir wie dir. Mein Vater starb an Krebs und ich hatte zu meiner eigenen Trauer auch noch die Sorge um meine Mutter.

Mir hat vier Monate nach dem Tod meines Vaters ein lange geplanter Urlaub am Gardasee sehr geholfen. Stundenlang saß ich auf dem Balkon unseres Ferienhauses und starrte auf den See und die Berge. Das ließ meine Seele zur Ruhe kommen. Mein Mann kümmerte sich um unsere kleine Tochter und gönnte mir diese Auszeiten.

Als wir wieder zu Hause waren, hatte ich genügend Kraft getankt um meiner Mutter beizustehen. Natürlich hat mich die Trauer um meinen Vater immer wieder gepackt, doch sie war irgendwie erträglicher geworden.

Bei meiner Mutter sah das völlig anders aus. Ihr ging es immer schlechter und wirklich helfen konnte ich ihr nicht. Nur da sein. Meine Schwester wohnte über 500 km entfernt und konnte nicht schnell mal nach ihr sehen, wenn es ihr ganz schlecht ging. Das war meine Aufgabe. Nach etwa eineinhalb Jahren erlitt meine Mutter einen Nervenzusammenbruch. Schlagartig war ihr klar, dass sie aktiv werden musste um ihre Trauer zu verarbeiten. Langsam ging es aufwärts mit ihr. Es gab auch einige Rückfälle, doch sie kam immer besser aus ihrem schwarzen Loch heraus. Es dauerte etwa fünf Jahre bis meine Mutter mit ihrem neuen Leben ihren Frieden gemacht hatte.

Seit dem Tod meines Vaters hat sich unsere Beziehung gewandelt. Hat sich früher meine Mutter mehr um uns (meine Schwester und mich und unsere Familien) gesorgt, so ist das heute eher umgekehrt. Vermutlich aber auch eine ganz normale Entwicklung, wenn die Eltern alt werden.

Liebe Ginchen, vor dir liegt noch viel Trauerarbeit. So hoffnungslos es im Moment erscheint, es wird eines Tages besser. Lass dir Zeit für deine Trauer.

Alles Liebe für dich.

juri

juri
16.02.2007, 21:30
Ginchen, ich habe noch etwas vergessen. Etwas sehr wichtiges.

Denke ich an meinen Vater, sehe ich ihn so vor mir wie er als gesunder, lebensfroher Mensch war. Sein Aussehen als schwer kranker, abgemagerter Mann und den Anblick seines toten Körpers muss ich mir speziell in Erinnerung rufen - das steht also nicht im Vordergrund.

Ich bin froh, dass ich an seinem Sterbebett sitzen konnte. Auch das hat letztendlich dazu beigetragen, dass ich meinen inneren Frieden, mein Gleichgewicht zurück bekommen habe.

Mein Vater fehlt mir noch immer. Ich würde mich rasend gerne noch mit ihm unterhalten können. Zum Glück hatten wir immer sehr viel miteinander gesprochen. Daran erinnere ich mich gerne und bin dankbar dafür.

LG juri

Inaktiver User
22.02.2007, 11:58
Liebe Juri,
danke für Deine lieben Wort.
Ich würde gerne ein paar Tage Urlaub nehmen um den Kopf wieder klar zu bekommen. Leider geht es nicht vom Büro aus. Aber ich verzehre mich nach einer Zeit, so wie Du sie am Gardasee verbracht hast. Bald ist Ostern, dann kann auch ich wegfahren.

Ja, bei mir ist es auch so, dass ich mir jetzt so große Sorgen um meine Mutter mache. VOrher hatte ich alle Sorgen auf meinen Vater gerichtet, auf seine Erkrankung. Wenn es ihm einen Tag besser ging war ich der glücklichste Mensch auf Erden und dachte, er würde wieder gesund. Am nächsten Tag fiel ich dann immer wieder umso tiefer. Und dann der Sterbeprozess. Ich bin unendlch dankbar, dass ich in dieser Zeit bei ihm war. Auch ich denke, dass das mir irgendwann helfen wird, den Tod zu verarbeiten.
Wie hat Deine Mutter denn ihr neues Leben gestaltet? Hat sie neue Aktivitäten entwickelt oder kam die innere Ruhe und die Akzeptanz des Verlustes irgendwann von alleine. Ist es wirklch so, dass die Zeit alle Wunden heilt?

LG
Ginchen

juri
22.02.2007, 20:21
Hallo Ginchen!

Meine Vater war erst 61 als er starb, meine Mutter 57. Nie hätte sie damit gerechnet so früh alleine dazu stehen. Sie war die erste im Verwandtenkreis und die erste im Freundeskreis, die nun ohne Partner war. Sie fühlte sich nur als halber Mensch, mochte nicht an Feiern teilnehmen, konnte es kaum ertragen mit Paaren zusammen zu sein. Fühlte sich in Menschenmengen (Bus, Kaufhaus) fürchterlich einsam. Sie lachte kaum noch und wenn, klang es total künstlich.

Jedem unterstellte sie, sie nur aus Mitleid einzuladen. Dass sie um ihrer selbst Willen eingeladen wurde, glaubte sie nicht. Ihr Selbstwertgefühl war gleich Null. Es ging ihr auch körperlich immer schlechter. Bis sie dann letztendlich einen Nervenzusammenbruch erlitt. Den empfand so schlimm, das wollte sie nicht noch einmal erleben.

Der Zufall kam noch zu Hilfe. Sie traf beim Einkaufen die Pfarrerin, die sich lange mit ihr unterhielt und dabei fragte, ob sie nicht Lust hätte am Seniorennachmittag der Gemeinde teilzunehmen. Gerne auch als Helferin. Mir erzählte sie von diesem Gespräch total empört, dass die wohl nur einen Dummen suchten, der die Arbeit macht. Ich überredete sie sich das wenigstens mal anzusehen. Sie müsse ja nicht wieder hin, wenn es ihr nicht gefällt. Gott sei Dank, sie hatte Spaß an der Sache und hilft seit nunmehr 13 Jahren mit, die Herrschaften zu verköstigen und zu betreuen. Daraus haben sich noch Freundschaften ergeben.

Meine Schwester bekam vor sieben Jahren Zwillinge und brauchte meine Mutter häufig zur Unterstützung. Das hat sie gerne gemacht. Heute ist meine Mutter mit ihrem Leben zufrieden, einen neuen Partner will sie aber auf keinen Fall.

Ginchen, es ist noch hartes Stück Arbeit. Meine Mutter sagt heute: Sie ist dankbar, dass wir immer für sie da waren, doch letztendlich musste sie alleine mit ihrem Verlust fertig werden. Da kann niemand wirklich helfen.

Frage ruhig, wenn du noch etwas von mir wissen möchtest. Mir hat es damals gut getan viel mit Freunden, Verwandten und Kollegen sprechen zu können. Immer wieder.

Herzliche Grüße
juri

Inaktiver User
23.02.2007, 14:41
Herzlichen Dank Juri für Deine Antwort und die Zeit, die Du Dir genommen hast.
Sprechen bzw. schreiben über den Kummer tut unglaublich gut!
Ich bin dankbar, dass es dieses Forum gibt.