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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Teil 2 - Mein Freund ist in Gefahr



Inaktiver User
30.01.2007, 11:01
@hallo zusammen

einige von euch kennen meinen ersten thread.

nun hat sich die ganze geschichte nicht sonderlich weiterentwickelt. :wie?: :knatsch:
allerdings ist es auch meine geschichte und diese hat sich zumindest für mich persönlich sehr verändert, wenn nicht um 180 grad gewendet.

da ich jeden tag durch das zentrum von HD muss, um nach hause zu kommen, kann ich am berühmten bismarck-platz aussteigen und drei schritte laufen - bis zur nächsten suchtberatungsstelle vom sog. "Blauen Kreuz" (mir vorher kein begriff, inzwischen bin ich fast mitglied). wieder drei schritte weiter steht eine ev. kirche, gegenüber befindet sich ein grosses parkhaus. die strasse ist lang, eng und dunkel, obwohl sie mitten im zentrum der stadt liegt.

meine letzte bekanntschaft mit derartigen sozialen anlaufstationen habe ich zu meiner studentenzeit gemacht. damals habe ich mir nebenbei guten stundenlohn durch putzen der büro-räume und klosetts der psychologischen betreuung bzw. beratung für aids-kranke verdient. das ist schon ewig her.

mein onkel und meine tante sind sozialpädagogen und auch mein onkel ist in der suchtberatung tätig gewesen. ihn könnte ich jetzt fragen, aber er wohnt weit weg, irgendwo in den oberbayrischen regionen. eines tages wollte ich von ihm wissen, ob er sich noch wohl fühlt mit seiner drogen-suchtberatung. darauf er: "oooch, weisst du, inzwischen frage ich mich, ob ich nicht besser mit dem zeug handeln sollte. dabei würde ich doch mehr verdienen. " :smirksmile:

ich habe mich in die angehörigen-gruppe von alkoholikern begeben. (jeden abend tagt eine andere gruppe, zu der ich gehen könnte, wann immer ich möchte.) mein erster besuch war beinahe ein schock für mich, obwohl ich darauf vorbereitet worden war: stellt euch vor, NUR FRAUEN !!! auf meine verdutzte frage: "wir sind keine frauengruppe. männer kommen aber nicht zu uns."
:ooooh:
die anderen kannten sich alle. es waren heute (damals) nur ältere frauen anwesend. sonst sind auch jüngere dabei, aber diesmal...
nachdem ich so halb aus den anderen geschichten heraushören konnte, was sich wohl in deren vorfeld abgespielt haben musste, wollte man natürlich meine geschichte hören. ich habe sie mindestens ebenso ausführlich erzählt, wie sie diejenigen von euch, die meinen vorgänger-thread kennen, bereits gelesen haben.

die reaktion der frauen war in etwa ähnlich der reaktion der skeptischsten unter euch.
:knicks: :heul:
die meissten von ihnen leben mit alkoholikern zusammen, die zwischendurch wieder trocken wurden oder sind. keine einzige rät mir, meine beziehung fortzusetzen, selbst unter dem aspekt, dass hoffnung bestünde.

keine von ihnen, nicht eine, würde ihr schicksal nocheinmal so leben. die eine oder andere war nur geblieben, weil kinder im spiel waren, die den vater nicht entbehren konnten und die situation halbwegs erträglich für das kind war....nicht für die mutter. doch unter den grösser werdenden kindern der abhängigen väter gibt es bisweiligen schaurige biografien, die verhängnissvoll bleiben für die erwachsenen kinder.

das problem ist halt, dass mein freund sein problem nicht so ernst nimmt, dass er sich hilfe suchen will. ich kann ihn nicht zwingen. er will es allein schaffen. vielleicht schafft er es allein, doch stehen die chancen wohl 100:1.
ich möchte genug hintergrundwissen und rückhalt bekommen, um nicht hilflos in einem strudel fortgerissen zu werden, der meinen freund und mich gemeinsam hinunterzieht, bzw. kann ich aus beobachtersicht vielleicht noch früh genug eine ernsthafte gefahr an ihm erkennen und hilfe holen oder ihn doch überreden sie anzunehmen.

die frage der trennung von ihm stelle ich mir auch manchmal. aber unsere beziehung ist in ordnung. sie besteht nicht aus einem einseitigen geben und einseitigen nehmen. vom problem ALKOHOL spüre ich derzeit nichts. er trinkt in meiner gegenwart zur zeit garnichts. auch ich trinke nichts, wenn wir zusammen sind...da wir nicht zusammenwohnen, jederzeit beide unsere wege gehen können, ist die situation so gut wie garnicht belastend, noch nicht.
meine sorge ist, dass er wieder einen epileptischen anfall bekommen könnte und niemand da sein könnte, der ihm hilft.

abhängig zu werden von einem solchen problem, ist eine entsetzliche vorstellung für mich. ich möchte kein fremdbestimmtes leben führen, sondern ein eigenständiges. und auch mein freund soll sein vollkommen eigenständiges leben führen können ohne gefahr für sich.

vielen dank für's lesen.
ich werde euch weiter auf dem laufenden halten, bin ich doch jetzt mindestens regelmässiges mitglied in der abhängigen-angehörigen-gruppe.

lg
lady_julia

Inaktiver User
30.01.2007, 17:21
Hi lady julia,

Viel schreiben kann ich dir im Moment nicht,
aber ich habe dein post gelesen und sehr wohl das Gefühl, das du auf jeden Fall schon einmal einen richtigen Schritt gemacht hast:smile:
Wünsche dir weiter viel Mut und Kraft und
lass ab und zu von dir hören *ähem* lesen.

Viel Glück,

Grüsse Tory

Shanna66
30.01.2007, 19:53
Hallo Lady Julia,
bist du sicher, dass du dir das antuen möchtest? Wenn ja, Hut ab!!

Ich habe deinen anderen Strang fast ganz gelesen und meiner Meinung nach ist dein Freund ein Alkoholiker. Also bleibt ihm nichts anderes übrig als eine Therapie zu machen (mindestens eine) und ein Leben lang auf Alkohol zu verzichten.
Es ist nicht die Frage wie viel Alkohol er getrunken hat um abhängig zu werden. FAkt ist er ist abhängig!!

Das ganze Schöngerede und die eventuelle Option, es könnte auch was ganz anderes gewesen sein, ist meiner Meinung nach blanker Selbstbetrug.
Was spricht dagegen ganz auf Alkohol zu verzichten?? Wenn er kein Alkoholiker ist, dann wird ihm das nicht schwerfallen.
Auch wenn es eine andere Krankheit sein sollte, glaube ich, dass vollkommene Abstinenz sicherlich nicht schädlich ist!

Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung.
Ich wünsche dir viel viel Kraft.

lg
Shanna

lindenblatt
31.01.2007, 02:01
Liebe Julia,

ich finde es toll, dass du zu der Angehöigengruppe der AA gegangen bist! Leicht war das bestimmt nicht. Und darum: :blumengabe: :krone auf: !

Und nun solltest du den Frauen, die dir dort ihre Erfahrungen erzählen, vertrauen. Wer, wenn nicht sie, könnte so genau beurteilen, wie es um deinen Freund steht. Ist bei den Treffen eigentlich auch ein Fachmann (Psychologe, Sozialarbeiter o. ä.) dabei? Wenn ja: Hat er sich auch geäußert?

Du schreibst, dass dein Freund nach wie vor selbst nichts unternehmen will. Solange er sich in der Sicherheit wiegen kann, dass das keine Konsequenzen für ihn hat, wird er seine Haltung nicht aufgeben. Es ist immer dasselbe Lied: Jeder Süchtige macht weiter, solange man ihn lässt. D.h., solange er glaubt, dass er nichts verlieren kann, was ihm bisher wichtig war.

Dass ihr getrennte Wohnungen habt, macht die Situation sicherlich nur scheinbar leichter. Jeder von euch hat so die Möglichkeit, sich weitgehend allein mit dem Problem auseinanderzusetzen. Aber ich denke, dass das auch eine große Gefahr in sich birgt. Und zwar die, dass man sich da leicht etwas vormacht. Besonders dein Freund. Sobald er ohne dich in seine Wohnung gehen kann, existiert die Wahrscheinlichkeit, dass er Alkoholiker ist, für ihn erst recht nicht mehr. Sollte das jetzt so klingen, als wollte ich dir raten, mit ihm zusammenzuziehen, dann wäre das ein Riesenmissverständnis. Nein, bloß nicht. Aber auf die Gefahr dieser Konstellation mit den zwei Wohnungen wollte ich dich aufmerksam machen.

Was das derzeitige Nicht-Trinken deines Freundes angeht: Vorsicht, Julia! Es gibt fast so viele Formen von Alkoholismus, wie es alkoholabhängige Menschen gibt. Und wenn ich nicht irre, ist es möglich, dass auch ein wirkliches Alkoholproblem im Sinne von Abhängigkeit durch den Betroffenen selbst eine Zeit lang sozusagen auf Eis gelegt werden kann, bis es wieder aufbricht.
Und wenn ihr euch manchmal mehrere Tage nicht seht: Wie ist das dann bei ihm an diesen Tagen? Kannst du sicher sein, dass er dann auch nichts trinkt? Nochmals, Julia: Vorsicht!!

Das waren meine Gedanken zu dem jetzigen Stand deines/eures/seines Problems. Ich wünschte, ich könnte dir konkreter raten. Aber das können die Frauen in der Gruppe ohnehin viel besser. Ich wünsche dir von ihnen viel Unterstützung und praktikable Ratschläge und übrhaupt alles Liebe! :kuss:


Liebe Grüße,
linde

Inaktiver User
31.01.2007, 12:22
.... meiner Meinung nach ist dein Freund ein Alkoholiker. Also bleibt ihm nichts anderes übrig als eine Therapie zu machen (mindestens eine) und ein Leben lang auf Alkohol zu verzichten.
Es ist nicht die Frage wie viel Alkohol er getrunken hat um abhängig zu werden. FAkt ist er ist abhängig!!


Was spricht dagegen ganz auf Alkohol zu verzichten?? Wenn er kein Alkoholiker ist, dann wird ihm das nicht schwerfallen.
Auch wenn es eine andere Krankheit sein sollte, glaube ich, dass vollkommene Abstinenz sicherlich nicht schädlich ist!



hallo,

vielen dank, alle drei :smile: , für eure postings.
was ich oben zitiert habe, war eigentlich seit beginn des offenkundig gewordenen problems auch immer meine meinung, nur seine nicht. :heul:

ich habe noch mehrmals mit ihm zu reden versucht:

er lässt mich reden und dann sagt er : "wieso zerbrichst du dir eigentlich meinen kopf? keine angst, ich werde nicht wieder hinfallen."

so in etwa kommt in zwei sätzen seine ganze einstellung zu diesem problem bzw. dem problem das seins ist und das ich wohl zu meinem mache, zum ausdruck.

vielleicht sagt er noch etwas drumherum, aber das klingt auch nicht viel anders. der o-ton ist: jetzt komm du mir nicht auch noch, von wegen ich hätte ein alkoholproblem. :krone auf:

das letzte gespräch bei tag ist nun schon ein paar wochen her. es hat an einem we stattgefunden. dann fand noch eins bei nacht statt. aber das ist etwa eine woche her.

auf meine erwiderung: "warum versuchst du nicht wenigstens einmal ohne ....auszukommen? und wenn es nur ein paar tage wären.....ich hätte gedacht, du hättest wenigstens, nachdem du aus dem krankenhaus zurückgekommen warst, noch eine weile verzichtet."

darauf die abgedroschendste alkoholiker-ausrede aller alkoholoker-ausreden: "ich könnte ja jederzeit."
ich: "warum tust du es nicht? weil es dir schwerfällt. du kannst es nämlich nicht."
er: "doch, aber deswegen ist es ja nicht notwendig."

wenn zu all dem wortwechsel noch die entsprechende mimik hinzugedacht wird..... (ihr könnt euch garnicht vorstellen, wie der dann immer lächelt: gespielte verwunderung über eine unangebrachte witzsendung, deren lacher sich niemand entziehen kann....)

ich hab's aufgegeben. es hat keinen zweck mit ihm zu reden. er muss wieder und wieder hereinfallen. demnächst ist keiner da, der den notarzt ruft....

ich weiss nicht, wie es weitergehen soll.....:knatsch: :gegen die wand:

@lindenblatt

ja, ist mir schon klar. natürlich weiss ich nicht, was er an den tagen tut, an denen wir uns nicht sehen. und die sind in der überzahl. ich merke an seiner gesamtkonstitution, wie er offenbar auch an anderen tagen mit sich umgeht. (von heut auf morgen erholt sich nicht jeder körper. meiner zumindest sich auch nicht.) trotzdem danke für deinen langen beitrag. ;~)

liebe grüsse euch allen
und mehr als hier herumjammern kann ich im moment auch nicht. es sei denn, ich höre auf die frauen aus der angehörigengruppe und erkläre ihm heute noch, dass er sich eine dümmere frau für sich aussuchen soll. :gegen die wand: :heul:

lady_julia

cale
05.02.2007, 14:58
Hey,

ich wünsch dir ganz viel Mut und ganz viel Kraft, damit du es schaffst dich selbst glücklich zu machen!! Und ich denke die wirst du brauchen, denn wenn dein Freund so weitermacht, wird eure Beziehung leider nicht meht lang dauern.

Ich denke du solltest nochmals versuchen ihn damit zu konfrontieren und am besten den Satz mit "Ich muss mit dir reden..." beginnen, denn ich denke, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch dich in dieser Sache nicht ernst genug nimmt... und du musst ihm begreiflich machen, dass es dir Todernst ist und das ihm sein lächeln auch nicht weiterhilft um sich aus dieser Situation zu stehlen.

Außerdem sollten ihm die Ausflüchte wie z.B. "Zerbrech dir nicht meinen Kopf!" nicht weiterhelfen, schließlich lebt ihr in einer Beziehung und solche Dinge gehen euch beide etwas an!!

Du bist unglücklich mit der Situation und seine Aufgabe als Freund ist es dich glücklich zu machen... umgekehrt sollte es selbstverständlich auch so sein... aber du kannst nicht glücklich werden weil dich diese Situation einfach fertig macht!! Das ist etwas das musst du nicht dulden... man sagt ja ein Ultimatum ist das Ende jeder Beziehung, aber ich denke hier gibt es keine andere Möglichkeit... er muss realisieren das er krank ist... von der Epilepsie mal ganz abgesehen...

Ich habe einen guten Freund der auch Epileptiker war... er ist mitten in der Nacht bei einem Anfall an seiner Zunge erstickt, er war 18 Jahre alt. Ich will hier jetzt nichts schwarzmalen... aber er nimmt alles einfach viel zu leicht und gefährdet sich wie du sagst selbst und das ist ungesund für dich... Rede mit ihm, mach ihm deine Situation begreiflich und das du dich auch alles andere als wohl fühlst und besorgt bist... wenn du Glück hast realisiert er, dass er ein Problem hat und eure Liebe wird ihm die Kraft geben endlich etwas gegen dieses Problem zu geben!

Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg!!

Liebe Grüße, cale

lindenblatt
09.02.2007, 02:55
Hallo Julia!


danke für deinen langen beitrag. ;~)Dabei ist er ist für meine Verhältnisse geradezu wortkarg ausgefallen...:freches grinsen: :freches grinsen: Weißte doch...:zwinker:

Aber Spaß beiseite: Wie geht es dir und deinem Freund inzwischen? Seid ihr denn ein Stück weiter gekommen?

Lieben Gruß,
Linde

Inaktiver User
04.05.2007, 12:42
hallo leute,

da bin ich wieder. nach langer pause. :cool:

und es gibt nachrichten: mein freund und ich haben uns getrennt.

also, das problem hat sich demzufolge für mich wohl geklärt. der grund war ein anderer...:zwinker:

Inaktiver User
26.05.2007, 10:32
Hallo Julia,

spät, aber trotzdem von Herzen alles Liebe in dieser sicher nicht soo leichten Zeit! *smile*

Gehst du denn weiter in die Meetings? Falls nein, tu das - es wird dir bestimmt gut tun!

Ganz liebe Grüsse

ebola
01.06.2007, 07:03
Liebe Julia,

ich habe mich durch deine beiden Stränge "Mein Freund ist in Gefahr" gelesen und ich konnte mich und meinen Partner in vielen deiner Schilderungen wiederfinden.

Ist es bei der Trennung geblieben? Ich wünsche dir in jedem Fall alles Liebe und schließe mich Evemies Rat an, bleib bei der Gruppe.

Ich habe mich für eine onlinegruppe von Alanon entschieden, da es mir nicht möglich ist, die Meetings persönlich zu besuchen. Ich glaube, ich bin da auf dem richtigen Weg.

Ich würde mich freuen, wieder von dir zu lesen, denn du machst auf mich einen sehr sympathischen und warmherzigen Eindruck.

Nochmal alles Liebe

Inaktiver User
13.06.2007, 16:06
hallo ebola und evemie,

vielen dank für eure beiträge. ich habe lange nichtmehr hier 'reingeschaut, weil ich dachte: da kommt eh nix mehr. :wie?:

jetzt war ich wirklich überrascht, dass mir doch noch jemand gepostet hat, obwohl das thema ja eigentlich mit meiner trennungsinformation so gut wie abgeschlossen war.

was die gruppe betrifft, in der ich war, so gehöre ich theoretisch nun nichtmehr dazu. muss aber ehrlich sagen, dass ich die AA durchaus für mich persönlich gebrauchen kann, zumindest vorbeugend. :freches grinsen: :zwinker:

ebola,

was macht dein partner? ist er auch in die geschichte 'reingerutscht, so wie mein freund???

nein, bei der trennung zwischen uns wird es wohl bleiben. sie hatte noch andere gründe. aber es war meine entscheidung und ich denke, es war besser so.


viele grüsse
lady_julia

was, mache ich wirklich einen warmherzigen eindruck ??? ich hoffe, jetzt auch noch. ;~) ich meine das avater...

ebola
14.06.2007, 11:53
Liebe Julia,

bei meinem Partner war das so, dass er als Student immer wieder in Kneipen gejobt hat und so in die Abhängigkeit hineingerutscht ist. Dass er Alkohol überhaupt als ein Problem für sich realisiert hat, ist noch relativ neu (ca. ein Jahr, getrunken hat er mehr als 20 Jahre).

Wir haben wohl in den fünf Jahren wo wir zusammen sind, die für von Alkoholismus Betroffenen "übliche Entwicklung" gemacht, es war teilweise die Höllle für uns beide. Aber wahrscheinlich war das nötig, um überhaupt eine Änderung herbeizuführen.

Ich werde für mich mein Problem als Co-Abhängige lösen, dazu gehört auch, dass ich es ihm überlasse, seine Baustellen anzugehen, ohne ihn zu drängen. "In Liebe loslassen..." Das ist für mich die schwerste Übung die ich mir vorstellen kann, bedeutet es doch, dass ich mich auf mich einlassen muss, meinen Fokus von ihm wegnehme. Besser bin ich darin geübt, mein Wohlbefinden und meine schönen Gefühle ihm zu überlassen....

Was hat der Eindruck, den ich von dir habe mit deinem Avatar zu tun? Oder ist das fishing for compliments? *frechgrins*

Alles Gute

Inaktiver User
14.06.2007, 13:01
Liebe Julia,

bei meinem Partner war das so, dass er als Student immer wieder in Kneipen gejobt hat und so in die Abhängigkeit hineingerutscht ist. Dass er Alkohol überhaupt als ein Problem für sich realisiert hat, ist noch relativ neu (ca. ein Jahr, getrunken hat er mehr als 20 Jahre).


liebe ebola,
das habe ich auch getan. vorher war ich ein sehr unbeschriebenes blatt in bezug auf alkohol. ich weiss, wie schnell man dadurch da hineinrutscht.



Wir haben wohl in den fünf Jahren wo wir zusammen sind, die für von Alkoholismus Betroffenen "übliche Entwicklung" gemacht, es war teilweise die Höllle für uns beide.


das verstehe ich nicht. wie kam es dazu?



Ich werde für mich mein Problem als Co-Abhängige lösen, dazu gehört auch, dass ich es ihm überlasse, seine Baustellen anzugehen, ohne ihn zu drängen.


ich glaube, das musst du auch, zumindest, was dich angeht. bei seinen baustellen wirst du vielleicht nicht viel ändern können ausser ihn zu warnen.
aber er wird möglw. wieder anfangen, dich zu verleiten.
heisst das, dass du in seiner gegenwart nichts trinken willst?

dasselbe habe ich auch versucht. es ging auch erstmal ganz gut. übrigens brauchte ich da kein problem für mich zu lösen.

dann kriselte unsere beziehung wieder und das nahm ich zum anlass, um mich allein und nicht in seiner gegenwart zu trösten. inzwischen sind wir nichtmehr zusammen, weil es aus so gut wie jedem grund nichtmehr weiterging mit uns beiden.

ihr seid viel länger zusammen. ich habe für mich festgestellt, dass etwa zwei jahre vergehen, bis ich definitiv weiss, ob ich mit meinem partner wirklich zusammenbleiben will oder nicht.



"In Liebe loslassen..." Das ist für mich die schwerste Übung die ich mir vorstellen kann, bedeutet es doch, dass ich mich auf mich einlassen muss, meinen Fokus von ihm wegnehme. Besser bin ich darin geübt, mein Wohlbefinden und meine schönen Gefühle ihm zu überlassen....


wie sieht eure situation aus? lebt ihr zusammen? bei uns gab es das problem der loslösung noch nicht, da jeder von uns jederzeit kommen und gehen konnte.

wie soll man sich loslassen, wenn man erstmal zusammenlebt, wenn der partner das wichtigste ist, was man hat? ich stelle mir das schon sehr schwierig vor. denn schliesslich ist man ja eins. :smirksmile:



Was hat der Eindruck, den ich von dir habe mit deinem Avatar zu tun? Oder ist das fishing for compliments? *frechgrins*


no, no, nix fishing, determent. :smirksmile:
ich dachte nur, das gesicht auf dem avater wirkt vielleicht unsymphatisch. ich hatte noch vor kurzer zeit einen anderen drinhängen.
der hier ist authentisch. allerdings ist das eine aufnahme, die vor 2 jahren gemacht wurde.



Alles Gute

dir auch ! :blumengabe: : vorschussbonus ...:freches grinsen:
meld dich doch wieder.

shiver
14.06.2007, 16:42
.

ebola
14.06.2007, 17:28
Liebe Julia,

nein, ich habe kein Problem mit Alkohol in dem Sinn, dass ich trinken würde, sondern mein Problem ist vielmehr die Co-Abhängigkeit. Das heisst, ich habe jahrelang den Alkoholkonsum meines Partners "gedeckt", mich von Freunden und Familienangehörigen entfernt, mein Leben und mein Wohlbefinden total von ihm abhängig gemacht. - Es ist doch viel einfacher, sich lieben zu lassen, als sich selbst zu lieben und darüber hinaus auch noch so verführerisch.

Die Hölle kam dann, als ihm das alles zu viel wurde, meine Sehnsucht und mein Verlangen nach seiner Aufmerksamkeit haben ihn sehr belastet. Ich war nicht in der Lage, dies zu erkennen und so sind die Dinge eben einige Male schmerzhaft eskaliert. Mit der Zeit habe ich dann gelernt, mich zu schützen und das war dann auch der Anfang des Ausstiegs für mich, der Ausstieg aus der Sucht geliebt zu werden.

Im Moment leben wir nicht zusammen, das hat jedoch berufliche Gründe. Ich sehe dies aber auch als Chance für mich, zu mir zu kommen. Ich will ihn nicht verlassen, denn ich liebe ihn sehr, aber ich kann mir vorstellen, dass wir eine andere Form der Beziehung führen werden, dass z.B. jeder seinen eigenen Wohnraum haben wird. Nunja, alles ist im Umbruch, das hat ja auch etwas Spannendes... ;-)

Du schreibst, wie soll man sich loslassen, wenn der Partner das Wichtigste ist, das man hat? Genau darum geht es... ICH sollte mir selbst das wichtigste sein. Das würde ich gerne lernen umzusetzen, denn ich glaube daran, dass unsere Partnerschaft sehr davon profitieren könnte.

Liebe Grüße und übrigens, dein Bild wirkt ganz und gar nicht unsympathisch :-)

Inaktiver User
20.06.2007, 13:47
Liebe Julia,

nein, ich habe kein Problem mit Alkohol in dem Sinn, dass ich trinken würde, sondern mein Problem ist vielmehr die Co-Abhängigkeit. Das heisst, ich habe jahrelang den Alkoholkonsum meines Partners "gedeckt", mich von Freunden und Familienangehörigen entfernt, mein Leben und mein Wohlbefinden total von ihm abhängig gemacht.


entschuldige ebola,

aber ich habe im moment privat kein internet und muss während der arbeit hier 'reingucken. das geht nicht dauernd (ich habe hier im moment einen aktuellen strang aufgemacht, der viel lesen und nachdenken braucht und der hat gerade grossen zulauf. kannst ja auch mal nachgucken im forum "psychotherapie" unter "psychoterror wird zur normalität" :knatsch: ). mein arbeitgeber steht hinter mir. so habe ich verpasst, hier täglich 'reinzuschauen.:peinlich:

mein erster thread zu "mein freund ist in gefahr" erzählt von seiner geschiedenen frau, die abhängig war. er hat sie auch gedeckt, alles verschwiegen usw., solange bis es nichtmehr zu verschweigen war.

ist klar, dass du das erstmal versucht hast. das würde jeder liebende mensch wohl, egal wie sehr er sich vom partner emotional abhängig macht. schon allein, um dessen symphatie nicht auf's spiel zu setzen.

versuche es doch ersteinmal mit deine besten nächsten freunden und ich weiss nicht, ob eine virtuelle beratung wirklich die beste ist. :wie?:



- Es ist doch viel einfacher, sich lieben zu lassen, als sich selbst zu lieben und darüber hinaus auch noch so verführerisch.


ich weiss nicht...für manche menschen ist das nicht einfacher, weil sie diesen mangel an sich spüren. aber erstmal ist es sicher schon schön, sich einfach nur lieben zu lassen. kommt auch ganz auf den partner an, wie lange das dauert.:freches grinsen: :smirksmile:

früher hatte ich auch immer (kurzzeitig leider nur :zwinker: :krone auf: ) partner, die mir das leben leicht machen wollten.

seitdem ich etwa dreissig bin, krachte es nur noch so zwischen mir und sämtlichen partnern. liegt das nun an den partnern oder habe ich mich verändert? :knatsch: :wie?: ich weiss es nicht wirklich. :smirksmile:



Die Hölle kam dann, als ihm das alles zu viel wurde, meine Sehnsucht und mein Verlangen nach seiner Aufmerksamkeit haben ihn sehr belastet.


also hat er vor dir kapiert, was du hättest vor ihm kapieren müssen.



Ich war nicht in der Lage, dies zu erkennen und so sind die Dinge eben einige Male schmerzhaft eskaliert. Mit der Zeit habe ich dann gelernt, mich zu schützen und das war dann auch der Anfang des Ausstiegs für mich, der Ausstieg aus der Sucht geliebt zu werden.


du hattest/hast vielleicht ein (schwerwiegendes) problem. wenn ein mensch süchtig nach etwas ist, dann bedeutet das: keinen ausgleich oder kein gleichgewicht. (ist ja auch mit dem saufen so :heul: ) also stimmt wahrscheinlich mit deiner selbstliebe etwas nicht. warum nicht? weisst du, woher das kommt?

wir haben oft nicht gelernt uns selbst zu lieben. deswegen gelingen auch soviele abhängigkeiten und unterwerfungsmechanissmen.

(ich liebe mich auch nicht genug, obwohl ich weiss, das ich es tun könnte , i.e. sogar wie...:peinlich: :tassenkasper: )



Im Moment leben wir nicht zusammen, das hat jedoch berufliche Gründe. Ich sehe dies aber auch als Chance für mich, zu mir zu kommen. Ich will ihn nicht verlassen, denn ich liebe ihn sehr, aber ich kann mir vorstellen, dass wir eine andere Form der Beziehung führen werden, dass z.B. jeder seinen eigenen Wohnraum haben wird. Nunja, alles ist im Umbruch, das hat ja auch etwas Spannendes... ;-)


das ist auchvöllig okay. :allesok: wie empfindet er das?



Du schreibst, wie soll man sich loslassen, wenn der Partner das Wichtigste ist, das man hat? Genau darum geht es... ICH sollte mir selbst das wichtigste sein. Das würde ich gerne lernen umzusetzen, denn ich glaube daran, dass unsere Partnerschaft sehr davon profitieren könnte.


ja, wenn du das so erkannt hast.
ich würde dir jetzt nicht platt zu einer therapie raten, weil du nicht gleich krank sein musst, nur weil du ein problem hast.

aber wie wäre es, wenn du mal ein bisschen in dich hineinhörst? was hörst du da?

(ich habe mal einen spruch gehört, der lautete ungefähr : "hörst du noch die musik in deinem herzen?")

das zu lernen ist teilweise irrational....es ist also wirklich kein leichter schritt aber er bedeutet nicht tonnen von gewicht, sondern nur ein wenig phantasie und geduld mit sich selbst.

du wärest zu beglückwünschen, wenn du das aus deiner situation lernst?

du kannst ja nocheinmal darüber schreiben. vielleicht ist es möglich, sich dabei gegenseitig anregungen zu geben.



Liebe Grüße und übrigens, dein Bild wirkt ganz und gar nicht unsympathisch :-)

oh danke :Sonne: die lieben grüsse gebe ich zurück :blumengabe:
lady_julia