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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstlob



Heureka
27.01.2007, 20:15
Mir wurde geraten, mich dreimal täglich selbst für etwas zu loben, dass ich gut gemacht habe. :blumengabe:
Das habe ich nunmal ausprobiert und gemerkt, dass es mir sehr schwer fällt! :knatsch:

Beispiel: ich war gestern schwimmen und habe 12 Bahnen geschafft, danach konnte ich die Arme nicht mehr heben. :yeah:
Weil ich das schon seit ein paar Jahren nicht mehr geschafft habe, dachte ich: "Das hast Du toll gemacht!" :krone auf:
Sofort kam eine andere "Stimme", die meinte: "Naja, SOOO toll ist das nun auch wieder nicht! Früher konntest Du problemlos 20 Bahnen ohne Pause schwimmen. Wenn Du nicht so dick und unsportlich wärst, wäre sowieso alles besser!" :niedergeschmettert:

Was soll das? Warum fällt es mir so schwer, zu mir selber nett zu sein? :wie?:

Latona
27.01.2007, 20:39
Da hat sich Dein innerer Antreiber zu Wort gemeldet. Du erkennst ihn daran, dass Du ihm grundsätzlich nichts recht oder gut genug machen kannst. Er will verhindern, dass Du mit Dir zufrieden bist, und daher vermiest er Dir jeden Anlass, stolz auf Dich zu sein.

Lass Dir das nicht gefallen! Bring ihn zum Schweigen: „Du bist hier nicht derjenige, die Maßstäbe setzt, sondern ich. Und ich habe berechtigten Grund, auf meine aktuelle Leistung stolz zu sein.“

Unnötig zu sagen, dass der innere Antreiber Dir auch jedes Selbstlob als grundlose, verachtenswürdige Selbstzufriedenheit auslegt und Dich ermahnt, Dich nicht auf Deinen Lorbeeren auszuruhen. Kennst Du solche Sprüche vielleicht auch aus Deiner Kindheit? Hattest Du vielleicht ein Elternteil, dem Du es auch nie recht machen konntest?

Heureka
27.01.2007, 21:19
Kennst Du solche Sprüche vielleicht auch aus Deiner Kindheit?

Oh ja! Nicht gescholten war genug gelobt. Ich merke, dass ich meine Tochter auch nur bei ganz besonders guten Sachen lobe.

Vorsatz: ich werde mich und mein Kind (und sowieso alle, mit denen ich zu tun habe!) bei (echten!) guten Leistungen loben. Wobei ich das nicht so überheblich meine wie es klingt! :ooooh: Ich meine eher sowas wie: "Hey, das ist gut geworden!".

Wobei mich letztens ein Kollege wegen einer Sache gelobt hat, die ich schon seit 13 Jahren mache. Es war also eine echte Routinearbeit. Aber sie war tatsächlich fehlerlos. Ich fand sein Lob übertrieben. Aber -wenn ich gaaanz ehrlich bin-: gefreut habe ich mich trotzdem... :peinlich:

Ich ziehe das mit dem Eigen- (und Fremd-) Lob jetzt einfach mal ein paar Tage lang durch, auch wenn es sich komisch anfühlt. Und der blöde Antreiber kriegt einen auf die Glocke :nudelholz:, wenn er mich mies machen will!!!

Trilana
28.01.2007, 13:04
Hallo Heureka,

ich bin mir am anfang auch ziemlich blöd vorgekommen, als ich damit anfing, mir selber zu sagen, hey das hast du aber toll gemacht. Aber das lässt mit der Zeit nach.

wenn die 20 Bahnen gestern für dich eine gute Leistung waren, hast du alles REcht der Welt, auf dich stolz zu sein. Was vor Jahren mal war zählt da nicht, damals warst du jünger besser trainiert etc. also ganz andere Umstände als heute. Heute war es ein ERfolg für dich und genauso solltest du es sehen. Morgen sind es dann 21 Bahnen und so weiter, dafür kannst du dich dann auch wieder loben.

Nach meiner reaktiven Depression habe ich mich sogar dafür gelobt, dass ich es geschafft hatte meine Fenster zu putzen, etwas alltägliches für jeden anderen, aber für mich etwas, was mir in meiner Depression etxrem schwer gefallen ist, für mich war dies eben schon ein Erfolg. Vor zehn Jahren, wäre es auch nichts besonderes bei mir gewesen, aber ich lebe im jetzt und ich bin eben nicht mehr wie vor zehn Jahren, ich bin älter geworden, hab Schicksalschläge hinnehmen müsen und so weiter, das verändert einen eben.

Also nicht damit aufhören, sondern immer schön weiter sich selbst loben, wenn man was geschafft hat, was man seit Jahren shcon nicht mehr geschafft hat, und nicht auf das Teufelchen hören, schubs es dann einfach von der Schulter und sag ihm es soll wiederkommen, wenn es wirklich was zu meckern gäbe.

Liebe Grüße
Trilana

Inaktiver User
28.01.2007, 14:30
Lob anzunehmen oder sich gar selbst zu loben ist etwas ganz Schwieriges...und wie Latona schon sagte,liegt dies in der Erziehung in der Kindheit.
Alles,was ich gemacht habe war maximal akzeptabel,aber meist gab es irgendwas auszusetzen.
Wollte ich meiner Mutter eine Freude machen und hab gekocht,dann hieß es:es wäre besser gewesen,du hättest staubgesaugt.
Hab ich lecker gekocht hieß es:da hätte mehr Salz hineingehört usw...
Der Perfektionsanspruch war sehr hoch und wurde so gut wie nie erreicht,so sehr ich mich auch bemüht habe.Irgendetwas gabs immer auszusetzen...immer war irgendwas nicht gut genug...irgendwie war alles immer zuwenig,was immer ich auch getan habe.
Und auch heute ertappe ich mich sehr oft dabei,daß ich meine Ansprüche an mich sehr hoch schraube...es gibt immer irgendwas,das man anführen konnte,warum irgendetwas nicht perfekt ist...
Es fällt mir schwer Lob anzunehmen.Aber ich habe gelernt,auf ein ehrliches Lob und ein ehrliches Wort der Anerkennung mit einem schlichten "Danke" zu antworten und es einfach GENAUSO ANZUNEHMEN und nicht gleich selber ein" aber" anzuhängen,warum es nicht so toll wäre oder warum meine Leistung kein Lob verdient.
Die Anregung,sich auch selber zu loben für etwas,das man geschafft oder erreicht hat,das finde ich gut...Danke:kuss: :blumengabe:
Ich werde auch das in mein Leben aufnehmen!

Manchmal denke ich,wenn Eltern nur wüßten,welche Last sie ihren Kindern mitgeben - dadurch,daß Kinder ihnen nie irgendetwas recht oder gut genug machen können...

Einen ganz lieben Gruß
vom Marienkäferchen

Inaktiver User
28.01.2007, 23:38
Finde ich einfach mich zu loben. Muss keine herausragende Leistung sein. Dass ich keine Lust habe irgendwas zu tun und es trotzdem mache, reicht ja schon (z. B. morgens aufstehen oder kochen).

Inaktiver User
29.01.2007, 15:30
Loben bedeutet ja, eine Leistung zu honorieren, weil sie so ist wie sie ist.
Und nicht, weil sie schon nicht schlecht ist, aber auch noch viel besser hätte sein können.
Deshalb: Loben auch für die kleinen Dinge.
Und die blöde Messlatte im Kopf einfach mal ausschalten.
Es gibt immer jemanden/etwas, der/das besser ist.
Aber wen juckt´s!

Ich lobe mich nicht wirklich, d.h. ich sage mir nicht "das hast Du gut gemacht!", aber ich gucke mir an, was ich geschafft habe und genieße ein Gefühl der inneren Zufriedenheit.
Und das kann, wie Trilana schrieb, auch mal Fensterputzen, ein Berg Bügelwäsche oder etwas ähnlich Unspektakuläres sein.