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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 'wie geht es dir?', nicht mehr aktuell?



Ginster99
25.01.2007, 17:34
Ist dieser Satz heute noch zeitgemäß? Es ist mir in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen, daß verschiedene Leute, denen ich beim Zusammentreffen auf Nachfrage ihrerseits von Krankheiten oder kleineren
Problemen,die aber
zu dem Zeitpunkt sehr akut waren, erzählt habe, und die zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt nicht von sich aus
nachgefragt haben, ob es einem besser geht oder wie sich Sache x entwickelt habe.

Es waren jetzt keine guten Freunde, eher Leute die man von Schulveranstaltungen oder sportlichen Begegnungen kennt, mit denen man aber stets ein gutes Verhältnis hatte, trotzdem
irritiert mich dieses Verhalten ein wenig.

Übrigens achte ich sehr darauf, nicht nur von mir zu berichten, und schon gar nicht bei Krankheiten ins Endlose zu verfallen, daran kann es also nicht liegen,und ich frage auch bei eigenen Sorgen immer mein Gegenüber, wie es ihm geht.

Umgekehrt habe ich es erlebt, daß eher flüchtige Bekannte angerufen haben oder beim nächsten Treffen sofort gefragt haben, 'geht es deiner Tochter besser?'

Nun frage ich mich, ob unser Alltag wirklich so kurzlebig ist, sind manche Mitmenschen so unsensibel? Oder bin ich zu empfindlich?

Inaktiver User
25.01.2007, 17:38
Die Menschen sind verschieden. Was für den einen wichtig ist, darüber kann der andere nur lachen und umgekehrt.

Am besten wird sein, Du findest Dich damit ab. Aendern kannst Du nur Dich selbst!

Brava:smile:

Amely
25.01.2007, 17:39
@brava .. genau so is es.

Manche begrüßen einen ständig sorgenvoll "was soll mal aus Deinem Kind werden" ....

Caretaker
25.01.2007, 19:47
Ich finde diese Floskel fürchterlich.
Treffe ich jemanden, den ich kenne und der mich interessiert, frag ich ihn/sie - aber dann will ich es auch wirklich wissen und bin nicht sauer/enttäuscht/böse, wenn ich nicht gefragt werde, diese Gelegenheit ergibt sich schon. Und wenn nicht - ICH hatte gefragt.

Leute, die ich nur oberflächlich kenne und die mich floskelhaft fragen, wie es mir geht, bekommen auch nur die oberflächliche Antwort "passt schon". Mehr wollen die meistens auch nicht hören.
Wenn doch kann man immer noch überlegen, was man preis gibt.

Mangelnde Nachfrage nehme ich nur Freunden "übel", sonst niemandem.

Caretakerin

Inaktiver User
25.01.2007, 21:04
Nun frage ich mich, ob unser Alltag wirklich so kurzlebig ist, sind manche Mitmenschen so unsensibel? Oder bin ich zu empfindlich?

Unser Alltag ist kurzlebig, und ziemlich viele Leute sind ziemlich unsensibel.

Aber es gibt auch solche, die sind einfach zerstreut und haben den Kopf voll. Die denken im ersten Moment nicht dran, dass da jemand ein Problem hatte.

Leider geht mir das auch manchmal so. Umgekehrt bemühe ich mich auch darum, nicht so schnell etwas krumm zu nehmen. Damit lebt es sich leichter.

Meine Zahnärztin freute sich, dass ich den Namen ihres Sohnes behalten habe. Aber ich konnte mir den eigentlich nur zufällig gut merken :smirksmile: trotzdem fand ich es schön.

Übrigens möchte ich manchmal gar nicht gefragt werden, wie es mir geht, denn manchmal erinnert mich das nur an allerlei Unerfreuliches :knatsch: und ich strebe lieber dem kurzlebigen Alltag hinterher als darüber nachzudenken, was ich gerade für ein Gefühl habe und ob ich krank sein könnte.

:blumengabe: Apfeltasche

Inaktiver User
26.01.2007, 01:23
In der Annahme, dass wir hier von Bekannten, also keinen guten Freunden, reden:

für mich ist diese Floskel nicht als Frage gemeint, sondern als Floskel - wie eben auch im Amerikanischen. Man sagt hier einfach, hey how do you do - ohne eine ernstliche Antwort zu erwarten, und ohne sich um die Antwort kümmern zu wollen.
Genauso halte/sehe ich es auch in Deutschland - Antwort ist immer gorgeous, toll, prima - und gut is.
Auch sonst wäre es mir bei flüchtigen Bekannten eher unangenehm, wenn sie nachfragten, was aus diesem oder jenem Thema der letzten Unterhaltung geworden ist.

Mandelbluete
26.01.2007, 20:18
Hallo zusammen,

ich tue mich generell mit Leerfloskeln etwas schwer - vielleicht sind wir Oberbayern einfach sehr geraderaus.

"Wie geht es Dir" frage ich, wenn es mich interessiert und ich habe den Eindruck, dass mein Gegenüber es spürt, dass es eine echte Frage ist. Ich hatte deshalb auch Schwierigkeiten, das mit dem "How do you do" zu verinnerlichen.

Auch ein kleines Problem für mich ist "Das tut mir leid". Für mich heisst das, dass ich etwas bereue, dass ich um Entschuldigung bitte. Ich habe Schwierigkeiten zu erkennen, wann es nur bedeutet "Das tut mir leid für Dich".

Irgendwie scheine ich nicht zum Small-Talken gemacht...

Mandelblüte

Elbenstern
26.01.2007, 20:46
Ich mag diese Floskel auch nicht.
Vor allem von Menschen, die ich nicht besonders mag (ich denke da an einen Onkel, den ich alle zwei Jahre mal treffe *fg*).

Je nachdem, wer mich fragt, fällt die Antwort auch unterschiedlich aus. Wo ich weiß, es interessiert wirklich, sage ich auch die Wahrheit - ob positiver oder negativer Art :-)

Rotfuchs
27.01.2007, 00:31
Noch schlimmer finde ich diese Frage, wenn die fragenden Personen genau WISSEN, dass es einem zurzeit nicht gut geht und der Unterton der (vorgetäuschten) Betroffenheit unüberhörbar ist. Zum Beispiel werden Arbeitslose dieses Schein-Mitleid häufig genug erlebt haben.

Ich kenne das Gefühl, dem Fragenden so gerne ins betroffene Gesicht schlagen zu wollen, stattdessen aber strahlend zu demonstrieren, dass es mir noch nie besser gegangen ist, als gerade heute. Mein Mann betrog mich seinerzeit und viele wußten es. Ich auch - aber ich habe eben damals nicht sofort für die Öffentlichkeit ersichtlich reagiert. Und so stand ich permanent vor diesen geifernden Leuten, die mit dieser Frage nun endlich eine sensationelle Aussage von mir erhofften.

Wenn ich die Frage nur als dahergesagte Floskel empfinde (wie meistens, denn gute und ehrliche Freunde formulieren sowieso anders und fragen konkret) antworte ich auch mit einer solchen und denke nicht weiter darüber nach.

Inaktiver User
27.01.2007, 09:44
Diese Frage ist außerordentlich lästig, denn meist ist es eine leere Worthülse. Und leere Phrasendrescherei mag ich nicht. Zudem geht es niemanden etwas an wie es mir geht - will ich meinen Allgemeinzustand verbal mitteilen, so werde ich das beizeiten schon tun.

Inaktiver User
27.01.2007, 10:30
Ich glaube, die Frage bezog sich nicht auf eine "Worthülse", sondern ein wirklich interessiertes "Wie geht es Dir" auf Grund der Krankenvorgeschichte... Aber mal ehrlich. Ich treffe täglich auf ca. 30 Leute (Kollegen inklusive), die ich mehr oder weniger gut kenne. Davon erzählen mir mindestens 15 etwas von einer mehr oder weniger akuten Krankheit. Das habe ich doch am nächsten Tag wieder vergessen...
Natürlich nicht, wenn es sich um schwerwiegende Erkrankungen handelt, aber um die geht es ja wohl nicht. Da ist ein "Wie geht es Dir" sowieso zu lapidar...

Ricarda44
27.01.2007, 21:38
Wie geht es Dir?
Diese Frage sollte man nur an Menschen richten, bei denen es einen wirklich interessiert. Da hört man dann auch gespannt und erwartungsvoll zu und erinnert sich auch beim nächsten Treffen daran, so dass man dann wahrscheinlich fragt: "Wie hat sich dieses oder jenes bei Dir entwickelt."

Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man die Frage Wie geht es Dir an irgendwelche Bekannte stellt, schütten die ihr ganzes Leid über einen aus. Dann aber nicht nur bei einem selbst, sondern wohl auch beim Rest der Menschheit.

Also sollte man schon die Unterscheidung treffen, wem ich was anvertraue. Es gibt Leute, die interessieren sich für einen und es gibt welche, die interessieren sich für andere. Dann gibt es noch eine Spezie, die interessiert sich nur für sich selbst.

Ich hab da so ein böses Beispiel aus der Zeit als mein Mann verstorben war. Unser ganzes Kaff wusste es und beim Einkaufen traf ich auf eine ehemalige Kollegin, die drückte auch ihr Beileid aus, kam dann auch unumwunden auf IHRE Themen, die ich schon aus ihrer Tätigkeit in unserer ehemaligen Firma in- und auswendig kannte: Ihre Tochter, die ihr ständig auf der Nase rumtanzt und ihre ganzen Wehwechen. Und so stand ich eine geschlagene Viertelstunde und hörte mir diesen ganzen (für mich völlig deplazierten) Kram an. Als der Wortschwall kein Ende nahm, verabschiedete ich mich mit den Worten "So hat jeder sein Los zu tragen, ich wünsche dir alles Gute."
Ich hatte wirklich andere Sorgen und Gefühle und war irgendwie nicht gewillt, mir ihren ewigen Quatsch rein zu ziehen. Der Frau gehe ich heute aus dem Weg. Manche Menschen sind halt einfach nur auf sich fixiert.
Als ich dann endlich drinnen war im Supermarkt, sah ich eine Bekannte (unsere Kids gehen in eine Klasse). "Na", hab ich so gedacht, "macht sie 'nen Bogen um mich, oder was passiert jetzt?"
Die kam einfach auf mich zu, nahm mich in die Arme und sagte: "Du ich kann da jetzt wirklich nichts zu sagen, ich bin viel zu geschockt. Aber wenn Du mich brauchst, komm einfach vorbei oder ruf mich an. Wenn Du mal ein Kindermädchen für die Lütte brauchst, bin ich da, o.k.? Das meine ich total ernst. Versprochen?!"

Das hat mich beeindruckt und mir echt gezeigt, dass es immer wieder Menschen gibt, die in bestimmten Situationen das Richtige tun.

Also, einfach immer abwägen, wem mute ich was und wann zu.

Ginster99
28.01.2007, 20:47
Danke für die Antworten.

Ich bin recht überrascht, wie oberflächlich anscheinend viele Mitmenschen eingestellt sind.

Wenn es mich nicht interessiert, wie es meinem Gesprächspartner geht, frage ich eben nicht 'Wie geht es dir?' Diese Frage ist keine Floskel, hat einen anderen Stellenwert als das amerikanische Pendant.

In meinem Ausgangsposting habe ich geschrieben, daß ich weder eher fremde Menschen mit meinen Angelegenheiten belästige oder gar 'vollabere', noch die Gelegenheit ausnutze um permanent nur mich in den Vordergrund zu stellen.

Es ist für mich ein Zeichen sozialer Kompetenz und auch ein Stück weit den allgemeinen Konventionen gemäß, daß ich einschätzen kann, zu wem ich was sagen kann und daraufhin ein Minimum an Entgegenkommen erwarte.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen oder Situationen (wobei, soviel Vergesslichkeit?), oder schlicht schlechtes Benehmen, die einen des Besseren belehren.

Umso mehr schätze ich eben die Menschen, mit denen mich eher wenig verbindet, und die trotz eigener Sorgen einem das Leben miteinander schöner gestalten mit der einfachen Frage 'Geht es dir wieder besser?'

Inaktiver User
28.01.2007, 22:28
Weißt Du, was ich nicht verstehe - Du schreibst, es sind keine Freunde, sondern nur Bekannte, also eher oberflächliche Beziehungen. Gleichzeitig kritisierst Du, wie oberflächlich manche Menschen sind. Noch mal - ja, wenn es oberflächliche Beziehungen sind, bleibe ich an der Oberfläche. Nicht einmal absichtlich, sondern weil ich mir, siehe oben, nicht alles merken kann... Also kann es auch mir passieren, dass ich Dich nicht danach fragen würde, ob denn die Masern Deiner Tocher wieder ausgeheilt sind weil zum gleichen Zeitpunkt vermutlich 10 andere Kinder von 10 anderen Bekannten auch Masern, Mumps, Röteln... haben.
Etwas anderes ist es, wie ich auch schrieb, wenn es sich um ernsthafte Begebenheiten oder Krankheiten handelt. Und selbst da halte ich mich aus Diskretionsgründen oder um nicht in Wunden zu bohren bei Menschen, die mir nicht so nahe stehen, eher zurück.
Das hat nichts mit schlechtem Benehmen in meinen Augen zu tun.

Twinkie
29.01.2007, 00:31
Ich finde "Wie geht es dir?" eher grenzwertig, erinnert mich an das inflationaer gebrauchte amerikanisch/kanadische 'How are you".... vor allem in Kombination mit einem aufgesetzten Grinsen (das eher an Zaehnefletschen erinnert).... uh.

Avocado
29.01.2007, 00:37
Mir geht es oft so - wenn ich entfernte Bekannte treffe, überraschend, auf der Straße -, dass mir oft hinterher erst Sachen wieder einfallen, über die wir mal gesprochen haben. Meist hat man ja ein "aktuelles Thema" für die paar Sätze, die man wechselt, und die anderen Sachen, die weiter im Hinterkopf gespeichert sind, habens daneben schwer.

Ich mein das nicht böse, und so gehts sicher anderen Leuten auch ...

Aareblitz
29.01.2007, 09:15
doppelt

Aareblitz
29.01.2007, 09:18
Ich mag dieses "wie geht es Dir" gar nicht und ich bin eine von den Leuten die dann strahlend sagt "gut", auch wenn es mir schlecht geht. Mal ernsthaft, was soll man auch sonst sagen, wenn man nämlich sagt "beschis..." kommt man sich noch kleiner und unglücklicher vor.

Nach einer Trennung einer 5-jährigen Beziehung zB, habe ich diese Frage gar nicht gemocht, erst recht nicht, wenn sie von gerade überaus glücklichen Menschen gestellt wurde - selbst wenn das Freunde waren. Ich suche mir selbst die Leute aus, über die ich mit meinen Problemen spreche und mit denen komme ich von mir aus auf das Thema zu sprechen, auch ohne die "wie gehts"-Floskel.

Oft sagt man "wie gehts" auch mehr im Vorübergehen oder bei der Begrüssung und dann ist meist nicht gerade der optimale Zeitpunkt, sich länger über sein Befinden zu unterhalten.

Latona
29.01.2007, 20:33
Kommt die Frage von Bekannten oder sonstigen Leuten, mit denen ich nicht viel zu tun habe (oder bei denen ich der Meinung bin, meine Befindlichkeiten gehen sie nichts an), gebe ich auf diese Frage eine kurze, positive Antwort. Sagt man was anderes, wird nämlich manchmal nachgefragt, und das ist ja dann nicht in meinem Sinne.

Ich selbst stelle diese Frage nur dann, wenn es mich wirklich interessiert, wie es dem Gegenüber geht. Als bloßen Gesprächseinstieg für Smalltalk benutze ich sie nicht. Schließlich kann der andere die Frage ja so verstehen, dass er mir jetzt wirklich seine Befindlichkeiten anvertrauen kann, obwohl ich an denen gar nicht interessiert bin. Und dann kann ich mich nicht beschweren, Berichte über Krankheiten und andere Widrigkeiten über mich ergehen lassen zu müssen.

Sicher kann man voraussetzen, dass jeder weiß, wie diese Frage im Zusammenhang von eher oberflächlichen Kontakten zu verstehen ist, nämlich eher als Floskel, und wer das nicht checkt, hat dann eben keine Sozialkompetenz. Ich würde eher sagen, er möchte die Welt nicht als so kalt und gleichgültig verstehen, wie sie oft tatsächlich ist.