PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Versicherung bei "Freundschaftsdiensten"



Flens
25.01.2007, 13:35
Hallo,

wie sieht es aus, wenn man als "Freundschaftsdienst" zum Beispiel Unterricht erteilt und dabei etwas passiert.

Also beispielsweise erteilt man Reitunterricht und dem Schüler passiert etwas, weil der "Reitlehrer" falsch gehandelt hat.

Ist soetwas durch eine private Haftpflichtversicherung abgesichert, solange es unentgeltlich passiert?

Was wäre, wenn man dafür Geld verlangt? Muss man in diesem Fall eine besondere Versicherung abschliessen?

Kann man sich evtl. mit einem Vertrag von der Haftung "frei machen"?

Inaktiver User
25.01.2007, 15:02
Hallo.

Eine Haftungsfreistellung ist immer ein schwieriges Pflaster. Vor allem wenn es um Kinder geht. Es kommt auch darauf an, ob dieser Freundschaftsdienst gelegentlich oder regelmäßig stattfindet (und es sich u.U. eher um eine ehrenamtliche Aufgabe handelt).

Grundsätzlich sollte der Veranstalter des Reit-Unterrichtes (der ja i.d. Regel auch Geld dafür kassiert) entsprechenden Versicherungsschutz zur Verfügung stellen. Dieser erweitert sich gegebenenfalls auch stillschweigend auf Dich wenn mehrere Lehrer einschlossen sind.

Handelt es sich um ein privates Vergnügen, sollte man darauf achten, daß Gefälligkeitshandlungen ebenso eingeschlossen sind wie die Eigenschaft "Tagesmutter/Tagesvaters". Bei guten Versicherungen sind diese Risiken kostenlos mitversichert.

So kosten 10 Millionen Versicherungssumme mit diesen Risiken und Forderungsausfall und Schlüsselschäden (private, gewerbliche und ehrenamtliche) uvm. für eine Familie um die 58.-Euro im Jahr (für Singles entsprechend günstiger).

Fakt ist natürlich auch, daß Schäden, die durch grobe Fahrlässigkeit, bei Vorsatz, unter Alkoholeinwirkung usw. in der Regel nicht versichert sind, egal davon was ansonsten alles Mitversichert gilt.

Schöne Grüße

justii

Flens
27.01.2007, 13:51
Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Beantwortung.

Es handelt sich dabei aber wirklich um ein privates Vergnügen. Es steckt kein Verein dahinter. Es ist einfach eine Sache die zwischen zwei Privatpersonen stattfindet.

Hab ich es richtig verstanden, dass in diesem Fall die private Haftpflichtversicherung eintritt, wenn ein Schaden passiert.
Werden dann mal denn Versicherungsvertrag studieren und ggf. die Versicherun wechseln?!

Was wäre jetzt, wenn für den Freundschaftsdiest auch Geld gezahlt wird. Ist soetwas immer noch über eine private Haftpflichtversicherung gedeckt?

Gruß
Flens

Inaktiver User
28.01.2007, 21:29
Hallo Flens.

Ich gehe davon aus, daß dieses private Vergnügen mitversichert ist. Es kommt natürlich auf die Versicherung und die vorliegenden Versicherungsbedingungen an. Sicherlich gibt es auch einige, die hier Haarspalterei betreiben...

Wenn auch Geld gezahlt wird? Das ist dann sicherlich eine Einzelfallentscheidung der Versicherung. Ich denke, daß auch dies bei einem kundenorientierten Unternehmen kostenfrei mitversichert sein dürfte. Wir hatten das schon in vielen anderen Fällen. Ein Anruf bei der Versicherung bringt hier erste Klarheit. Generell sollte man sich aber eine Mitversicherung des Risikos schriftlich bestätigen lassen.

Lg. justii

akademikerin
29.01.2007, 09:15
Ich würde bei der Versicherung direkt nachfragen. Und im Zweifel: lass dir von den Eltern des Schülers schriftlich geben, dass sie dich jeder Haftung freistellen und sie die "Gefahren" des Reitens kennen. Möglicherweise sind die Schüler selber versichert, also im Zweifel auch mit den Eltern absprechen.

Natasha72
31.01.2007, 08:26
Hm, ich hatte mal folgendes Problem: bei der Renovierung des Badezimmers eines Bekannten habe ich geholfen. Mir ist dabei eine Leiter beim Anlehnen hingefallen und auf das niegel nagelneue Waschbecken drauf, welches kaputt ging. Obwohl sehr gut Haftpflicht versichert (Allianz) hat diese den Schaden nicht bezahlt. Grund: der Bekannte hat durch meine Hilfe Geld gespart, daher trägt auch er das Risiko, dass bei diesem Freundschaftsdienst etwas kaputt geht durch meine Schuld. Dagegen gab es nichts einzuwenden, das ist rechtskonform, wie mein Anwalt mir sagte.

Daher würde ich raten, Dich bei Deiner Versicherung zu informieren. Denn falls da was passiert, stehen möglicherweise ganz andere Probleme im Raum als der Ersatz eines blöden Waschbeckens.

natasha

Inaktiver User
31.01.2007, 08:54
Obwohl sehr gut Haftpflicht versichert (Allianz) hat diese den Schaden nicht bezahlt. Grund: der Bekannte hat durch meine Hilfe Geld gespart, daher trägt auch er das Risiko, dass bei diesem Freundschaftsdienst etwas kaputt geht durch meine Schuld. Dagegen gab es nichts einzuwenden, das ist rechtskonform, wie mein Anwalt mir sagte.
natasha

Ach Du lieber Gott!!!!

Du verwechselst "sehr teuer versichert" mit "sehr gut versichert"
Der blaue Riese verlangt zwar hohe Beiträge für seine Haftpflichtversicherung aber nur der Optimal-Tarif ist tatsächlich einigermaßen gut. Dabei verlangt die Versicherung ein Vielfaches des notwendigen Beitrages. Schon der schlechteste Basis-Tarif ist viel teuerer als die Leistungssieger bei Stiftung Warentest.

Diese Leistungssieger sind in den Versicherungsbedingungen noch besser als der blaue Optimal-Tarif und im Beitrag gleich oder günstiger als der blaue Basis-Tarif.

Als blau-Kunde bist Du am Ende also immer der gelackmeierte:
+ Entweder Du bist gut versichert und hast 100% bis 300% zu hohe Beiträge bezahlt
+ Oder Du hast einen nur geringfügig überteuerten Beitrag bezahlt und dafür absolut mangelhaften Versicherungsschutz. Dies ist offensichtlich hier bei Dir der Fall.

Anders kann man es leider nicht ausdrücken. Dein Anwalt hat insofern Recht, daß aus dem Bedingungswerk leider nicht mehr heraus zu holen ist. Bei guten Gesellschaften hättest Du gar keinen Anwalt gebraucht...

Schöne Grüße

justii

Flens
01.02.2007, 08:40
Hallo,

was wären dann "gute" Versicherungen?

Worauf muss man im "Kleingedruckten" achten, damit man nicht schlecht versichert ist?

Gruß

Flens

Inaktiver User
01.02.2007, 09:06
Guten Morgen Flens.

Wenn Du auf die Seite der Stiftung Warentest (http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=84310&site=3587&type=b9&bnb=9) gehst und dort oben links in die Suchfunktion folgende Suchworte eingibst "Privathaftpflicht hoffentlich versichert", dann bekommst Du den derzeit aktuellsten Test der Privathaftpflicht-Versicherungen. Es ist nämlich auch die persönliche Situation Ausschlag gebend, welche Versicherung speziell für Dich ideal ist.

Der Download des Gesamtartikels kostet bei Stiftung Warentest 2.-Euro, die aber gut investiert sind. Zu den einzelnen Test-Siegern können Sonderkonditionen vereinbart werden, hierzu folgt eine PN.

...und dann sind die 2.-Euro leicht auch wieder eingespart :-)

Worauf man im Kleingedruckten unbedingt achten muß, ist in dem Artikel von Stiftung Warentest in grobem Umfang beschrieben. Mir selbst sind diese Vorgaben allerdings noch nicht weit genug gehend - man sollte durchaus noch sehr viel mehr von einer guten Privathaftpflicht verlangen. Aber hierzu meine PN.

Einen schönen Tag.

justii