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ariscona
20.01.2007, 16:45
Hallo erst mal zusammen!

Ich habe mich hier erst mal um geschaut und muss sagen das ich erleichtert bin, da einige genauso denken und fühlen wie ich.

Ich habe am 19.6.2006 meinen Vater verloren durch Krebs. Er wurde nur 49 Jahre alt.

Ich muss dazu sagen das meine Eltern geschieden sind und ich ( bis zur Nachricht Krebs) 4 Jahre keinen Kontakt mit meinem Vater hatte. Es war April 2005 kurz nachder Beerdigung von meiner Oma (seiner Mutter auch Krebs). Da bekam ich den Anruf das mein Papa im Krankenhaus ist und wohl möglich das Wochenende nicht mehr überlebt wenn er seine Stans nicht mehr bekommt. (Stans= Klammern die in die Aorta o. Vene am Herzen aein gesetzt werden wenn die Vene o. Aorta verengt oder verstopft ist) Ich habe natürlich alles stehen und liegen gelassen und bin sofort dort hin gefahren. Er saß dort im Rollstuhl mit Sauerstoffgerät, das war ein schrecklicher Anblick. Wir beide haben ganz doll geweint, weil wir froh waren uns zu sehen und die Trauer wegen meiner Oma.
Wir haben uns dann ausgesprochen und uns gegenseitig verziehen wie das alles mit uns gelaufen ist.
Ich war sehr erleichtert.
Es hat zu dem Zeitpunkt alles super geklappt. Die stans haben geholfen die Chemo hat angeschlagen. Er sollte laut Ärzte noch ca bis August leben, hat er auch. dann hieß es bis Weihnachten 2005, hat er auch geschafft.
Nachdem er alles über sich ergehen lassen hat brauchte er keinen Sauerstoff mehr und konnte wieder alles was man in dem Alter machen kann.
Kurz vor Weihnachten fing es dann an rapide abwärts zu gehen. Morphium kam immer mehr ins Spiel. Das laufen viel ihm immer schwerer usw.
In den letzten 4 Wochen seines Lebens verbrachte er in einem Hospitz, was ich sagen muss klasse war.
Wir haben versucht ihm alles was er sich wünschte zu erfüllen ob es Bratkartoffel oder Pommes waren ER war so glücklich darüber.
Im Hospitz hat mein Vater auch das erste mal seine Gefühle mir gegenüber geäußert. das war in schöner aber auch schrecklicher moment für mich.
Er Liebt Mich!
Das war so traurig schön.
Aber ab dann ging es auch langsam vorbei.
Am Anfang war ich ( so wie ich zeit hatte wegen der Arbeit) 3-6 stunden am tag bei ihm zum Schluß nur noch 30 Minuten. Ich wollte ihm damit zeigen das ich da bin, aber zum schluß war der Anblick nicht mehr so schön. Der Kopf ließ nach ziemlich schnell. Er erkannte mich nicht mehr hat nur noch vor sich hin gedämmert.
An dem Tag wo er starb bin ich noch mal ins Hospitz habe ihn mir angeschaut und ganz doll geweint. Er lag dort so friedlich und befreit von seinen Schmerzen.

Und jetzt weiß ich nicht was ich machen soll.
Ich träume sehr häufig von ihm, denke viel an ihn.
Er fehlt mir so sehr.
Das letzte Jahr haben wir beide sehr genossen, ich bin so dank bar und froh es noch mit ihm erlben zu dürfen.

Ich weiß nicht mit wem ich darüber sprechen kann. Mit meinen verwandten bzw. Bekannten möchte ich nicht darüber sprechen.

Ich habe aber das Bedürfnis danach deshalb bin ich hier.


Liebe Grüße Ariscona!

Inaktiver User
22.01.2007, 10:16
Liebe Ariscona,
ich glaube du bist hier gut aufgehoben. Schön (auch wenn es traurig ist, dass dein Vater nun tot ist) dass du noch Zeit mit ihm verbringen konntest. Dass du dich verabschieden konntest.
Was meinst du denn damit was du jetzt machen sollst?
Vieleicht deine Trauer einfach zulassen...und froh darüber sein dass dein Vater nun von seinen schmerzen erlöst ist und du nun einen Engel hast der auf dich aufpasst?
Ich wünsche dir viel Kraft um mit deinem Verlust leben zu können.
Schreib einfach wenn du magst.
Liebe Grüße selueh

Inaktiver User
22.01.2007, 19:54
liebe ariscona,

ich glaube, du holst gerade ganz viel nach. an liebe, schmerz, zuneigung, enttäuschung... kann das sein? ich weiss, es hilft jetzt nicht viel, aber es ist SOOO schön, dass ihr euch aussprechen konntet! und dass du jetzt weißt, was dein papa für dich empfindet und was du für ihn empfindest. ich wünsche dir von ganzem herzen, dass du eines tages voll zufriedenheit und innerer ruhe an deinen papa denken kannst. und ich bin mir sicher, dass du das schaffst!!! dein posting hat mich sehr gerührt, danke dafür. alles liebe, schoki

Nina1201
22.01.2007, 22:30
Hallo Ariscona!
Ich Weiß wie schlimm es ist sein Vater zu verlieren. Mein Vater ist am 03.01.2006 Verstorben er war 42 Jahre (jung)
9 Tage vor mein18 Geburtstag.
Ich konnte auch nicht mit jeden sprechen aber weiß du was ein bisschen hilft schreib deine Trauer auf ,schreib dein Vater ein Brief .
Ich weis ganz genau wie du dich fühlst ich bin ihn gedanken bei dir!
Gruß Nina
www.nina1201.de.vu

ariscona
26.01.2007, 19:53
Hallo!

Danke für eure Antworten.
Die Trauer zu zulassen fällt mir aber schwer, und ich weiß einfach nicht warum. Bei mir gibt es Momente (auf der Arbeit, zu Hause usw.) da schiessen mir die Tränen einfach ohne Grund in die Augen und ich muss weinen. Ich weiß das es normal ist aber ich fühle mich nicht wohl da bei. Das wieder rum kann ich auch nicht verstehen.
Ich habe auch Tage da möchte ich keinen sehen, hören oder ähnliches, alles nervt mich. Geht es / ging es euch auch so?

Wie kann ich die Trauer einfach zu lassen ich möchte sie ja gerne raus lassen, aber in mir ist eine blockade die ich nicht weg bekomme!?

Danke für eure netten Worte!

Liebe Grüße Ariscona!

Inaktiver User
26.01.2007, 22:45
Liebe Ariscona,
genau das ist eben Trauer - hin- und hergerissen zwischen nie gekannten Gefühlen und Reaktionen. Das erlebt auch Jede/r anders. Es gibt kein "Trauern - richtig gemacht". Jede Trauer ist so unterschiedlich wie die Leben, die hinter den Menschen stehen.
Wie stellst Du Dir das denn vor, die Trauer rauszulassen? Warum akzeptierst Du Deine Gefühle nicht als Dein Weg der Trauer? Was hättest Du den gerne, was passieren würde?
Kranich

ariscona
27.01.2007, 12:44
Hallo!

Ich weiß nicht wie ich mir die Trauer vorstelle, aber diese auf und ab macht mich kaputt. Wenn ich dann wieder weinen muss an ungünstigen Zeitpunkten, ist es mir sehr unangenehm da die Leute (ich arbeite in einer Bäckerei im Verkauf) nicht wissen was mit mir los ist. Oder wenn ich einkaufen gehe und mich dort Dinge an meinen Vater erinnern. Ich weiß nicht damit umzugehen wenn ich einfach weinen muss im Laden.
Ich muss sagen hier im Forum zu schreiben hilft mir ein bisschen. Hier fühle ich mich auch verstanden.
Ich glaube wenn ich eine Anlauf stelle hätte (z.B. ein Grab) würde es mir besser gehen, aber da er leider auf der See bestattet wurde habe ich nichts ausser seine Fotos zu Hause auf dem Schrank.

Liebe Grüße Ariscona

Lill
27.01.2007, 12:55
liebe ariscona,
ich kann dich so gut verstehen. mein vater ist auch mit 45 jahren gestorben. er war gesund....und hatte dann einen tödlichen unfall. er war also von jetzt auf nun einfach nicht mehr da.
ich konnte mich nicht von ihm verabschieden. ich hab ihn auch nicht mehr sehen können....d.h., ich hab mich auch nicht getraut...(er ist aus 18m höhe abgestürzt...)
wenn ich lese was du schreibst, dann *beneide* ich dich ein bißchen um das geschenk, das ihr beiden noch erhalten habt. ihr konntet einiges klären...ihr konntet euch sagen, dass ihr euch liebt...und du konntest in den letzten wochen bei ihm sein.
das *schmälert* aber nicht deine trauer...und ich denke, dass du dir all die zeit nehmen musst, die du brauchst.
mein vater ist jetzt schon fast 30 jahre tot....aber es gibt immer noch momente, in denen ich ihn so schmerzhaft vermisse, dass ich schreien könnte.
lass es also zu, dass deine tränen fließen und kümmere dich nicht darum, was die anderen darüber denken könnten. es geht um dich und darum, dass du lernst, mit dem was jetzt in deinem leben anders ist umzugehen...und zwar so, dass du trotz der trauer auch sehr glücklich sein kannst und darfst. das eine schließt das andere nämlich überhaupt nicht aus...
und da fällt mir gleich ein spruch ein, den mein vater oft zu mir gesagt hat, als ich klein war...
*du kannst auch weinen und lachen in einen pisspott*:smirksmile:


ich wünsch dir alles liebe...und genügend erlaubte tränen, die dich auch ein wenig leichter machen werden...

lill

teichmuschel
27.01.2007, 14:51
Liebe Ariscona,

ich bin 47 Jahre alt und meine Mutter starb vor 9 Monaten mit 73 Jahren "plötzlich" an einem Schlaganfall.
Was ich gelernt habe ist: Es gibt keinen ungünstigen Zeitpunkt für die Trauer oder die Tränen. Es ist auch einfach so, dass es einem manchmal ganz "gut" geht und man dann wieder von der Trauer "überrollt" wird. Vielleicht hilft es Dir mit Deiner Chefin und Deinen Arbeitskolleginnen darüber zu sprechen, das sie Dich in der Bäckerei "unauffällig" ablösen (wenn möglich) und Du Dich dann für einen kurzen Moment zurück ziehen kannst.
Mein Vater starb als ich 13 Jahre alt war. Und seit dem Tod meiner Mutter denke ich, dass ich jetzt auch um die Zeit trauere, die mein Vater nicht bei mir war.
Auch ich komme mit den Höhen und Tiefen und der Vielfalt der Trauergefühle nicht gut zurecht und sie jagen mir manchmal regelrecht Angst ein. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig als diese zu akzeptieren und als etwas Besonderes, was nur uns gehört, zu empfinden.

Liebe Grüße
Teichmuschel

Inaktiver User
27.01.2007, 16:56
Liebe Ariscona,

ich habe auch kein Grab, an dem ich trauern könnte. Ich habe aber anderes gefunden. Z.B. der Vollmond, da er da war, als ich meinen Freund das letzte Mal gesehen habe. Ich schaue ihn ganz bewußt an und stelle mir vor, er schaut auch-nur von einer anderen Seite.Als mein Großvater vor 20 Jahren starb, war es sehr stürmisch. Noch heute denke ich an ihn , wenn es stürmt. Vielleicht kannst Du Dir auch eine Erinnerung in der Natur suchen, die Dich an Deinen Vater erinnert. Wenn er seebestattet ist, kannst Du vielleicht lernen, heftigen Regen mit ihm zu verbinden oder bestimmte Wolkenbilddungen, die es damals gab. Dein vater hat sich ja mit dem Meer verbunden, und aus dem Meer entstehen Wolken und daraus Regen.

Kranich

ariscona
28.01.2007, 15:41
Hallo!

Erst mal danke für eure tollen Beiträge.
Leider ist es bei mir nicht möglich bzw. selten das mich jemand in einem Trauermoment ablösen kann, da ich meistens alleine arbeite.
An meinen vater erinnert mich eher das Sommerwetter und schöne Sonnenuntergänge, da wir das letzte Jahr viel in Dänemark verbracht hatten.
Nach seinem Tot sind wir (mein Freund und ich) nach ST.Peter-Ording gefahren und als wir das erste mal an den Strand gegangen sind, ging es mir gar nicht gut. Es kam mir alles so traurig vor.
Ich habe auch zeiten wo es mir überhaupt nicht gut geht vom Körper her oder vom Kopf her. Dann gehen bei mir die Gedanken durch den Kopf z.B. er wird seine Enkelkinder nicht miterleben, meine Hochzeit nicht mit bekommen all die schönen Dinge wird er nicht erleben obwohl er sich das so gewünscht hat. Und diese Dinge machen mich so traurig.
Was aber noch richtig süß war von ihm. Da saßen wir alle am tisch und mein Vater sagte zu meinem Freund ''Schwiegersohn'' was auch ok war da mir schon seit 7Jahren zusammen sind.
Dieser Moment war schön und traurig zu gleich.

Geht es euch zeitweilig auch so schlecht?
Am liebsten möchte man alles dunkel machen und keinen sehen und hören?

Heute ist wieder so ein dunkler Tag wo ich vermehrt an meinen Vater denken muss.

Liebe Grüße Ariscona

rosa_777
03.02.2007, 13:44
hallo ariscona,

ich kann vollends mit dir mitfühlen...mein vater ist anfang januar nach 1.5 jahre langer krebserkrankung gestorben.
die ersten wochen stand ich wohl unter schock.
in den letzten tagen geht es mir so beschissen...ich hätte davor nie im leben gedacht, dass es einem so schrecklich gehen kann...

ich hatte auch einige schöne "abschiedsmomente" mit meinem vater, als er im krankenhaus war...unsere beziehung war jedoch auch erst seit ca. 3 jahren wieder gut geworden...davor hatten wir ein eher distanziertes verhältnis...ich hätte ihm auch noch so gern so viele dinge gesagt, und noch gerne so viele schöne momente mehr mit ihm verbracht. ich habe ihn wirklich sehr geliebt, mehr als meine mutter...

momentan lebe ich einfach von tag zu tag...es gibt keine regel, kein rezept...man hofft jeden moment, den schmerz einfach nur ertragen zu können.

lg

Inaktiver User
03.02.2007, 14:07
Hallo Ihr,

das Leben kann aus der Sicht von uns Lebenden so ungerecht, gemein und auch so unverständlich sein. Aber das ist eben unser Leben. Wir können es ja auch nicht lernen - genauso wenig wie die Meisten von uns in der heutigen Zeit lernen können, mit dem Tod umzugehen. Und so trifft es uns mit einer Wucht, die uns den Atem nimmt, die uns zusätzlich Angst macht und die die Hoffnung vertreibt, dass es jemals wieder besser wird.

Glaubt mir und den vielen Anderen, die hier auch über Ihre Erfahrungen schreiben, auch für Euch wird wieder die Sonne scheinen. Vielleicht werdet Ihr es im Frühjahr als ungerecht empfinden, wenn in der Natur alles wieder zu leben beginnt. Aber es wird Euch irgendwann mitnehmen auf die weitere Reise durch das Abenteuer Leben. Ihr werdet aus dem jetzigen traurigen Abschnitt der Reise viel mitnehmen in die heiteren Tage. Es wird sicherlich nichts mehr so wie vorher sein, aber es wird für Euch auch wieder gut und lebenswert.

So habe ich damals auch meinen Nicknamen gefunden: Wenn die Kraniche im Frühjahr zurückkehren, vertreiben sie das Grau und die Kälte und bringen Licht und Wärme mit sich.

Kranich

ariscona
03.02.2007, 15:25
Hallo!

Ich weiß das es irgendwann wieder Bergauf geht, aber wann?! Ich habe das Gefühl das die Sehnsucht nach meinenVater immer mehr bzw. Stärker wird. Aber dieses warten finde ich sehr schlimm. An den shönen Tagen denke ich oft an die letzten schönen Momente die wir hatten und so wie es heute denke ich an die nicht so schönen Momente.
Ich verstehe auch nicht wie die Ärzte die Menschen so leiden lassen können. Den Leid die die Menschen haben die im sterben liegen ist sehr schrecklich, deshalb verstehe ich auch nicht das sie ihnen nicht helfen, von dem Leiden befreit zu werden.
In manchen Situationen könnte ich es verstehen wenn man ihnen hilft. Aber das ist ja so zusagen ein ''Tabuthema''.



Liebe Grüße Ariscona

Inaktiver User
03.02.2007, 18:53
Ariscona,
ich bin sicher, dass die Ärzte das Beste versucht haben, für Deinen Vater zu tun. Sie sind ja auch - und besonders in Deutschland - dem Leben und nicht dem Sterben verpflichtet. Wer will im Einzelfall entscheiden, ob ein Mensch sterben soll oder vielleicht doch noch am Leben erhalten bleiben will. Gerade wir Deutschen mit der Nazivergangenheit, in der definiert wurde, welches Leben "unwert" war, sind da wohl prädestiniert, eher das Leben zu erhalten, als das Sterben zuzulassen.

Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis das Schmerzhafte ein wenig nachläßt, wenn Du an Deinen Vater denkst. Aber es wäre doch auch ein trauriges Zeichen, wenn Du einen Menschen, den Du Dein ganzes Leben geliebt hast, einfach so in die Neutralität versinken könnte. Vielleicht kannst Du es doch als ein klein wenig Positives sehen, dass Du so tief empfindest, und Dich so dagegen wehrst, ihn loszulassen.

Kranich