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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meinung zu Gedicht



Inaktiver User
17.01.2007, 15:45
von Friedrich von Bodenstedt

Ein treu Gedenken, lieb Erinnern,
das ist die herrlichste der Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
das ist der goldne Zauberring,
der auferstehen macht im Innern,
was uns nach aussen unterging

Was fällt euch zu diesem Gedicht ein? Wie schätz ihr den Menschen ein, der diese Gedicht erhält?

Inaktiver User
17.01.2007, 21:32
mir fällt dazu ein, dass die erinnerung an etwas, das vorbei ist, wunderschön sein kann und ganz wichtig ist, und dass was in uns bleibt, von irgendetwas vergänglichem, am allerwichtigsten ist.
deine zweite frage verstehe ich leider nicht. das gedicht finde ich sehr schön. nicht nur in bezug auf liebe menschen, die man verloren hat, sonderen auch in bezug auf schöne erinnerungen (z.b. alte beziehungen, schöne reisen, frühere zeiten), bei denen man auf den ersten blick melancholie verspürt, weil es vorbei ist, aber auch sehr froh ist, dass man die zeiten erlebt hat.

Inaktiver User
17.01.2007, 22:41
Hast Du das selbst gedichtet? Du hast es ja unter der Schreiberling Rubrik auch gepostet?
Was willst Du denn wirklich wissen?
Kranich

Inaktiver User
19.01.2007, 20:27
Du meinst, dass derjenige, der ihm das gegeben hat, bei seiner Auswahl die Situation des Nehmers im Auge hatte?

Ich denke, dass der "Nehmer" irgendjemanden "verloren" hat, sei's durch Weggang, zum Beispiel weil er ausgewandert ist oder auch. weil er starb. Jedenfalls scheint es jemand zu sein, der nicht mehr wiederkommen wird.

Könnte aber auch sein, dass er nicht einen Menschen verlor, sondern eine Illusion oder eine Leidenschaft oder dass ein Lebensabschnitt verloren ging.

Was mich dann allerdings irritiert, ist das "unterging". Das hört sich schon ziemlich dramatisch an und deutet dann auch eher auf Tod hin. Vielleicht ein Tod, der zu erwarten war? Vielleicht ein Tod, der einen alten Menschen betraf, der sein Leben in Frieden beschließen durfte? Den Großvater oder die Großmutter? Den greisen Vater oder die greise Mutter, Tante, Onkel?

Auf einen besonders tragischen Tod weist das Gedicht m.E. nicht hin. Dafür ist es zu wenig düster und die Formulierung "herrlichste alle Gaben" hätte der Dichter sicherlich nicht eingesetzt.

Was mir sonst dazu einfällt: ein typisches Trostgedicht mit leicht belehrendem und salbungsvollem Unterton. Ein Gedicht, das von der hellen Kraft der Erinnerung ( hier: goldner Ring) spricht, die einem ja als Einziges bleibt und einem sicher ist, wenn jemand nicht mehr ist.

Dies ist die Antwort vom "Schreiberling" von Anjschella

Liebe Anjschella, Schokomilch, Kranich

Das Gedicht ist von von Friedrich von Bodenstedt

Es stammt aus einem Brief den ich vom einem verstorbenen Menschen bekommen habe. Ich habe diesen Menschen vor ca. 20 Jahren für eine kurze Zeit "begleitet". Es passiert mir oft, dass mir wild fremde Menschen auf der Strasse im Cafe oder im Zug ihre Lebensgeschichte erzählen. Vor ca. einem halben Jahr war es für einmal anders rum. Mir erzählte eine wild fremde Person etwas über mich und mein Leben. Ich sage immer wenn solche "Wahrsager", oder wie man diese Menschen nennen will, wirklich alles wissen oder ahnen könnten, sähe die Welt anders aus.
Als ich am Grab stand dachte ich wie wenig von einem Menschen übrig bleibt und wie wenig die man doch von seinen Mitmenschen weis. Mir kam die Geschichte vom Wanderer in den Sinn - die wirkliche Lebenszeit ist die , Augenblicke, Momente wo wir wirklich Glücklich sind! Mir kam wieder diese Begegnung in den Sinn. Eine Woche nach der Beisetzung bekam ich einen Brief vom Toten.

Dieses Gedicht und:
Geneisse den Tag und spüre erfreut, Gedanken der Liebe umgeben Dich heut. Las Dich heut mit allem schönen, so wie du verdienst verwöhnen und ich wünsch Dir alles was dein Herz erfreut. Lebe Liebe Lache auf diese weise kannst Du deine Lieben Freude machen. Der Brief war mit Bilder beklebt. Da war ein Bild von einer Gegend die wir zusammen besucht haben. Ein Bild das mich an unbeschwerte Ferien erinnerte, ein Bild von einem Kind – ich sage immer meine Kinder sind das Beste was ich in meinem Leben gemacht habe. Und das letzte Bild eine Hibiskusblüte. Ich liebe diese Blüten und sie sind mir auch schon beim autogenen Training im Kopf gewesen.

Im Forum text wird erwähnt ein Tod der zu erwarten war, ja wahrscheinlich wusste die Peson, dass Sie nicht mehr lange leben würde. Ich frage mich, wusste die Person auch, dass ich sie in guter Erinnerung haben werde und nicht schlecht über sie sprechen werde? Wieviel wusste sie über mich und meine Persönlichkeit? Es war für mich so ein schock diesen Brief erhalten zu haben.

Lieben Dank für eure Beiträge!

Inaktiver User
19.01.2007, 22:45
Im Forum text wird erwähnt ein Tod der zu erwarten war, ja wahrscheinlich wusste die Peson, dass Sie nicht mehr lange leben würde. Ich frage mich, wusste die Person auch, dass ich sie in guter Erinnerung haben werde und nicht schlecht über sie sprechen werde? Wieviel wusste sie über mich und meine Persönlichkeit? Es war für mich so ein schock diesen Brief erhalten zu haben.

Kleine Kinder und Sterbende sehen die Wahrheit. Davon bin ich überzeugt und habe es auch mehrfach erlebt. In der Zeit nach Kleinkind und vor der Sterbephase vermischen wir Wahrheit mit Erfahrungen.

Deine Person wird Dir bis in die Seele geschaut haben. Was sie gesehen hat, war für sie offensichtlich so beeindruckend, dass sie Dir etwas hinterlassen wollte.

Kranich

Inaktiver User
20.01.2007, 00:34
Hallo Fibi,

für mich hört es sich so an, als ob dieser Mensch Dich sehr tief geliebt hat.
Diese Zeilen Dir schrieb, weil er wusste, er würde bald sterben.

Er wollte Dich "frei" lassen. Du hast ihm soviel gegeben, dass er aus der Erinnerung allein glücklich sein konnte.

Wer so etwas schreibt, war bestimmt ein besonderer Mensch.

Inaktiver User
20.01.2007, 15:11
Hallo

Deine Person wird dir bis in die Seele geschaut haben! Genau dieses Gefühl hatte ich auch, Kranich, konnte es aber nicht in Worte fassen.

Muschelkalk, es war meine Grossmutter, ich hatte die letzten 20 Jahren nicht mehr viel Kontakt mit Ihr. Wir sind eine sehr grosse Sippe und ich bin aus meiner Heimatgegend weggezogen, so sahen wir uns nur sehr selten. Sie hat nie Worte der Zuneigung gebraucht und trotzdem war ich ihr sehr verbunden auch während den letzten 20 Jahren. Meine Mutter hatte nicht ein gutes Verhältnis zur ihr, Sie hatten in der letzten 10 Jahren eine "Fehde". Ich frage mich, ob Sie wollte, das ich ein schönes Leben haben soll, aber die Aufgabe habe Ihr Andenken zu bewahren, damit Sie eben „auferstehen“ kann. Ein Mensch lebt so lange, so lange sich noch jemanden an ihn erinnert!

Inaktiver User
20.01.2007, 16:41
Hallo Fibi,

ich hatte den Eindruck, dass diese Zeilen Dir geschrieben wurden, eben weil das Wissen um den baldigen Tod da war.
Worte, die sich sonst nicht getraut wurden auszuprechen.
Warum auch immer.

Du wirst die ganze Zeit im Herzen Deiner Großmutter gewesen sein.
"...was uns nach außen unterging.."
Damit kann alles gemeint sein, was man vermeintlich verliert.
Weil das, was im Herzen getragen wird, nicht verloren gehen kann.
Ich würde denken, dass sie immer für mich da sein wird, wenn ich nur in mich herein höre.

Du hast da etwas sehr Besonderes bekommen. :blumengabe:

Lieber Gruß, Muschelkalk