PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit belastenden Gefühlen



Inaktiver User
15.01.2007, 16:49
Hallo zusammen

Ich weiß nicht so recht, wie ich meine Frage formulieren soll, aber ich versuche es mal.

Wie bei jedem anderen Menschen wird auch mein "Innenleben" von Gedanken und Gefühlen bestimmt. Und die sind, auch wie bei jedem anderen, ja nicht nur gut und positiv. Ich denke, daß jeder Mensch Gefühle wie Neid, Eifersucht, Wut oder sogar schlimmeres kennt, nur gibt es kaum jemand zu, "so etwas" zu empfinden.

Nun ist es ja mit dem guten Willen allein nicht getan. Gefühle und Gedanken unterliegen ja eben nicht unserem Willen. Es wäre schön, wenn man das einfach abschalten könnte. Denn man fühlt sich selbst ja alles andere als gut, wenn man z.B. eine tiefe Wut empfindet.

Was aber tut man, wie geht man mit solchen Gedanken und Gefühlen um, wie wird man sie los? Ich fühle mich manchmal regelrecht darin gefangen, solche Gefühle be"lasten" mich (im wahrsten Sinne des Wortes) und mir ist durchaus bewußt, wieviel Energie ich nutzlos damit verschwende. Ich merke, daß es mir damit nicht gut geht, ich WILL NICHT so denken oder empfinden und habe doch manchmal das vage Gefühl, daß ich daraus irgendetwas "lernen" soll. (Hört sich sehr konfus an, versteht eigentlich jemand, was ich meine? :wie?: )

Kurz gesagt, wie gehe ich mit solchen Dingen um, wie verarbeite ich (und schließe damit ab) ohne zu verdrängen? (Mir geht es hier nicht um so etwas wie Therapie, sondern eher um "Erkenntnis").

Für irgendwelche Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

LG ilmaro

Seven
15.01.2007, 17:14
Hallo ilmaro,

ich WILL NICHT so denken oder empfinden

Wenn du nicht so denken willst,dann willst Du ja die Gefühle die
damit zu tun haben verdraengen.

Die Lösung ist,dass Du Dich mit diesen Gefühlen auseinandersetzt.
Genauso wie Gefühle wie Freude einen Grund haben,haben eben
auch weniger angenehme Gefühle wie Wut,Zorn,Neid etc.Ursachen.Du musst in Dich hören und Dich fragen warum Du
diese Gefühle hast.Wen Du dabei ehrlich bist,kommst Du auch an
die Wahrheit und kannst daran arbeiten.

LG

Seven

Inaktiver User
15.01.2007, 17:37
ich WILL NICHT so denken oder empfinden

Wenn du nicht so denken willst,dann willst Du ja die Gefühle die
damit zu tun haben verdraengen.

Die Lösung ist,dass Du Dich mit diesen Gefühlen auseinandersetzt.


Ich glaube, ich weiß, was du meinst, ilmaro. Sinnloses Sichärgern, Grübeln über lang Vergangenes, Festhalten an irgendwelchen Unerfreulichkeiten statt sich etwas anderem zuwenden.

Man kann sich lang und breit damit auseinandersetzen, wenn einen jemand geärgert oder gekränkt hat und sich endlos in eine Wut hineinsteigern. Es bringt überhaupt nichts, und wie du richtig schreibst, pure Energieverschwendung!

Watzlawik beschreibt das sehr schön in seiner "Anleitung zum Unglücklichsein". "Die 10 dümmsten Fehler kluger Leute" von Freeman und DeWolf geht in eine ähnliche Richtung und ist wirklich sehr lehr- und hilfreich.

Natürlich haben andere Leute diese Gefühle auch. Neid ist so ein hässliches, gern verdrängtes Gefühl, aber bei manchen Leuten kommt es sprichwörtlich "aus den Knopflöchern": Es äußert sich in Prahlerei, Miesmacherei etc. Es tut nicht nur denen weh, die es empfinden. Auch für den Beneideten ist es schmerzlich, denn was will man mit Freunden, die einem nichts gönnen?

Ich merke oft, dass ich mich in einer Negativspirale befinde, wenn irgendetwas nicht so stimmt, oder manchmal einfach nur, weil ich Hunger habe oder etwas Wichtiges nicht finde.

Das "Ich will nicht" ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht, dass man den Unebenheiten so einfach aus dem Weg gehen kann. Aber man kann versuchen, produktiv damit umzugehen und sich nicht die Lebensfreude verhageln zu lassen. Mir hilft sehr: Innehalten, Ruhe finden, spazieren gehen, lesen. Aber eben auch ganz bewusst das doofe Gedankenkarussell unterbrechen: "Hier ist ein neuer Tag. Es geht mir gut. Ich habe weder Kopf- noch Bauchschmerzen und freue mich über x und y. Ok, z wäre noch etwas zu optimieren, aber ist es das wert, sich den Tag mit sowas zu versauen? Jetzt esse ich erst einmal ein belegtes Brötchen/gehe eine Runde raus/beschäftige mich mit dem anderen Projekt."

:blumengabe: Apfeltasche

ReezaJBar
15.01.2007, 17:58
Hallo,
hast Du schon mal Tagebuch geführt?
Bei ganz schlimmen Situationen schreibe ich Briefe und lasse die ganze Wut, schmerz, Trauer usw. in dem Brief raus und schicke ihn aber nicht ab. Danach geht es mir besser und ich habe das Gefühl, das alles ist jetzt aus mir draussen in diesem Buch.
Mit negativen Gefühlen umzugehen haeb ich noch die Tage nen Tip gelesen. Nimm Dir ein Kissen und hau drauf, solange bis Du keine Wut mehr spürst. Das mache täglich und irgendwann wird keine Wut mehr da sein.
Das habe ich aber bis jetzt noch nicht ausprobiert, das Schreiben hat mir geholfen.
Dann noch was: Wenn du Dir ständig sagst: Ich will das nicht, geht es nicht weg...
Du musst einen positiven Satz sagen: Es geht mir gut und dann wird es Dir nach ner Zeit besser gehen.
Ganz wichtig, nie negativ formulieren nur positiv....
Liebe Grüße
Andrea

Seven
15.01.2007, 19:44
Andreas Tips sind sehr gut.
Ich mache das auch manchmal so.

Inaktiver User
15.01.2007, 22:04
Stimmt, Schreiben hilft mir auch. Sehr.

Kissenhauen dagegen nicht, das ist mehr ein Reflex, wenn gar nichts mehr geht.

Dagegen beruhigt mich die freie Natur meist innerhalb weniger Minuten.

Murkami
16.01.2007, 14:21
Kürzlich bekam ich diesen Text geschenkt. Ich finde ihn zu diesem Thema ganz passend:

Ein alter Cherokee Indianer erzählte seinem Enkel abends von einem Kampf, der sich innerhalb des Menschen abspielt. Er sagte:“Mein Junge, der Kampf ist zwischen zwei Wölfen innerhalb von uns allen.“

„Der eine ist das Böse: Es ist Zorn, Neid, Eifersucht, Kummer, Bedauern, Habsucht, Arroganz, Selbstmitleid, Schuldgefühle, Groll, Minderwertigkeit, falscher Stolz,
Überheblichkeit und Egoismus.

Er andere ist das Gute: Es ist Fröhlichkeit, Frieden, Liebe, Hoffnung, Heiterkeit, Demut, Gefälligkeit, Wohlwollen, Einfühlungsvermögen, Großzügigkeit und Mitgefühl.“

Der Junge dachte eine Weile darüber nach, dann fragte er seinen Großvater:
„Welcher von den Wölfen gewinnt ?“

Die einfache Antwort des alten Cherokeesen war:

„Der, den du fütterst!“


Herzliche Grüsse und ein aufmunterndes Lächeln,
Murkami

Inaktiver User
16.01.2007, 15:57
Danke für Eure Ratschläge :blumengabe:

Ein Tagebuch zu schreiben habe ich schon vor ein paar Wochen angefangen. Geschrieben sehen manche Dinge oft ganz anders aus, als ich sie empfunden habe. Irgendwie verschieben sich die dann manchmal die Relationen....

Murkami, Deine Geschichte ist sehr schön.
Wenn ich nur immer klug genug wäre, den richtigen zu füttern.... :smirksmile:

LG ilmaro

Inaktiver User
17.01.2007, 21:45
danke murkami

für die schöne indianergeschichte!

ilmaro, wenn es andrea nicht schon gesagt hätte: es bringt nichts und verstärkt im gegenteil noch, wenn du negativ formulierst! das gehirn kennt kein NEIN.

oder kannst du NICHT an einen rosaroten elefanten denken, wenn du sagst ich denke NICHT an einen solchen?

eben!

alles liebe -

milfontes

schamanin1402
17.01.2007, 22:28
Bekam ich heute als Tip.

Einen Bach oder Fluss, darüber eine Brücke wo ich stehe, schaue in den Fluss, sehe Blätter die darin schwimmen/treiben und auf jedem Blatt Gedanken/Gefühle legen. Die Blätter schwimmen weiter und nehmen sie mit.

Gruß
Schamanin

Inaktiver User
18.01.2007, 21:38
Hallo Schamanin

Auch eine sehr schöne Idee.
Werde ich demnächst probieren - bin Ende des Monats am Meer. :yeah:

Für mich sowieso DER Ort auf der Welt, an dem ich am liebsten bin.
Da kann ich einfach alles loslassen. Vielleicht versuche ich es mal mit einer Flaschenpost.

LG ilmaro

Inaktiver User
19.01.2007, 08:13
oah ilmaro!!

ich bin auch am liebsten am meer. nur leider viel zu selten.
flaschenpost! DAS kann ich mir gut vorstellen! und irgendwann geht die in den weiten der meere unter und wird nie wieder gesehen!

schön!

mil

katrin_b
19.01.2007, 22:29
liebe ilmaro,

wie schon oben so schön beschrieben, können wir die gefühle leider nicht einfach abschalten .
ich möchte dir beschreiben wie ich damit umgehe.
natürlich möchte ich geliebt sein,bewundert und vorallem als verständnisvolle frau gelten. tja ...bis dann die wut kommt. erst ist alles okay und dann im nächsten moment ist sie da. auch versuche ich nicht mehr mich zu verstellen um meinem partner zu gefallen (weil wir sowieso in streit geraten wenn ich wütend bin ;-) ),sondern wenn ich wütend bin ,bin ich wütend und ich schreie so lange und viel wie ich will und dann geht es mir besser. seit dem ich mir die wut zugestanden habe ,habe ich vielleicht ein oder zweimal diese "anfälle" gehabt . und ich glaube darum geht es . wir sollten unsere gefühle leben in jedem augenblick (und sie nicht auf später verschieben ).
sei wütend wenn du wütend bist. hab den mut und probier es mal aus,so bekommt deine wut kein "futter" mehr.
wovor haben wir nur manchmal angst ? allein zu sein ? verlassen zu werden ,weil wir nicht sind wie erwartet wird ? oder worüber werden wir so wütend ?
ich hab keine lust mehr mich zu verstellen . was in mein leben gehört kommt und bleibt ,oder geht und bleibt mir fern.
ich liebe das leben und es ist einfach spannend .
ich wünsche dir alles erdenklich gute und den mut zu sein wer bzw. was du wirklich bist .
verbunden in licht und liebe