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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Führer



Pia_bln
10.01.2007, 18:00
Ohne den Film gesehen zu haben - bis auf ein paar Ausschnitte im Fernsehen - habe ich irgendwie im doppelten Sinne ein "komisches" Gefühl. Geht es euch auch so?

Einerseits waren die Ausschnitte ja recht lustig, aber andererseits finde ich es (immer noch) fragwürdig, ob man über Hitler einen Witzfilm drehen sollte. Ich finde diesen Abschnitt deutscher Geschichte nach wie vor nicht witzig und werde ihn auch nie witzig finden. Und was nützt mir die Erkenntnis, dass Hitler ein zu bemitleidendes Schw... war.
Auf der einen Seite verschärft und verschlechtert sich für viele ihre Lebensqualität immer mehr (keine Arbeit, kein Geld, keine Kultur, kein Ansehen, kein soziales Netz mehr), auf der anderen Seite sollen sie sich über "solche" Filme amüsieren dürfen?

Margali62
11.01.2007, 09:45
Ich werde mir den Film erstmal anschauen. Es ist eine Satire und eine Satire darf ganz viel, nach meiner bescheidenen Meinung.

Daniela84
11.01.2007, 10:02
Ja, ich hab mir zu dem Thema auch schon so meine Gedanken gemacht.

Aber wie hat es gestern jemand in einem Bericht in etwa gesagt: Man darf über Hitler lachen, aber nicht über seine Opfer.

Ich glaub auch nicht, dass der Film viel mit dem Dritten Reich zu tun hat.

PeggySue
11.01.2007, 11:44
Meiner Meinung nach ist das Thema zu heikel, es gab zu viel Leid unter Hitler, als dass man einen lustigen Film darüber drehen sollte. Egal ob die Judenverfolgung darin zur Sprache kommt oder nicht. Manche Dinge sind einfach tabu!

frauclooney66
11.01.2007, 12:14
Also, ich glaube da liegt ein Missverständnis vor.
Hitler soll nicht verniedlicht oder lustig dargestellt werden, sondern er soll der absoluten Lächerlichkeit preisgegeben werden -eben Satire.
Ich finde, daß ist schon ein Unterschied.
Ich habe den Trailer gesehen und bei einigen Szenen laut lachen müssen, aaaaber: Ich denke halt, daß es dann auch mehr nicht mehr viel zu lachen gibt (wurde übrigens schon in einigen Kritiken bestätigt), finde manche Witze einfach niveaulos und doof (da könnte ich bei keiner Figur drüber lachen) und kann "Doc" Helge Schneider (obwohl seine Darstellung klasse ist) nur in kleinen, homöpathischen Dosen ertragen.
Insofern werde ich mir das Geld für's Kino sparen, hier fleissig weiter die Kritiken der Zuschauer verfolgen und mir dann vielleicht, vielleicht die DVD ausleihen oder warten bis der Film auf Premiere gezeigt wird.

Elch
11.01.2007, 14:06
Ich finde das Thema "Satire über Hitler" überhaupt nicht interessant. Ich finde auch, nach Chaplin ist dieses Thema auch überhaupt nicht nötig, nochmal als Film verarbeitet zu werden. Sehe keine Notwendigkeit darin, über Hitler zu lachen. Ob er lächerlich oder ein Schwein oder einer der grausamsten Menschen der Welt war - diesen Film brauchts nicht.

Noch dazu so kurz nach dem brillanten "Untergang". Es gibt einige Filme über ihn und die Wahrheit ist zu schlimm, um nochmal einen Lachfilm über ihn zu drehen. Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum dieser Film gedreht wurde.

Inaktiver User
11.01.2007, 14:31
Ich bin als Helge-Schneider-Fan vielleicht ein wenig subjektiv, aber ich frage mich, ganz davon abgesehen, wer Hitler nun darstellt, warum sollte über Ihn kein satirischer Film gemacht werden?

Es gibt solche Filme über Saddam Hussein, über Bush, über die ehem. DDR-Machthaber ect., ect., da regt sich kein Mensch auf. Filme, in denen Hitler (wie bspw. im vielgerühmten Untergang) eher unfreiwillig komisch und bemitleidenswert dargestellt wird, finde ich da viel gefährlicher ... nebenbei bemerkt fand ich dort die "Maskierung" und Hitlers Stimme total daneben.

Ich hoffe einfach für Helge, dass der Film gelungen ist und dass er sich mit der Rolle nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat.

Schönen Tag noch
Moustique

Inaktiver User
11.01.2007, 17:29
Gesehen habe ich den Film auch noch nicht, aber im Stern einen nachdenklichen Artikel darüber gelesen, geschrieben von Wladimir Kaminer. Ich denke mal, die Riege der Schauspieler inclusive Regisseur bürgt eigentlich schon fast dafür, dass man keinen undurchdachten Trash vorgesetzt bekommt.

Zur Beruhigung schreibt Kaminer: "Die im Film erzählte Geschichte ist moralisch auf der sicheren Seite, ethisch einwandfrei und politisch korrekt".

Nachdenklich macht folgendes Fazit:

" Helge Schneiders Hitler ist ein Opfer. Damit stellt der Schauspieler den lieb gewonnenen deutschen Mythos vom fast übernatürlichen Führer, der das ganze Volk verführte und ins Verderben stiess, auf den Kopf. ... Man sieht ein Volk, das trotz einer völligen Lusche als Füher allzeit zu allen Untaten bereit ist."

P.S. Ich hätte niemals Helge Schneider in der Rolle erkannt. Der Mann ist DIE Überraschung, seine Darstellung wird als "genial" bezeichnet.

Pia_bln
11.01.2007, 19:17
Ich denke mal, die Riege der Schauspieler inclusive Regisseur bürgt eigentlich schon fast dafür, dass man keinen undurchdachten Trash vorgesetzt bekommt.

Mich erschreckt das eher.

In der Schule hatten wir in mehreren Fächern ein Thema, das hieß Faschismustheorie. Darin kam Hitler fast gar nicht vor, weil er wohl eher eine Art Gallionsfigur abgegeben hat für die, die letztendlich nachhaltig vom Krieg profitiert haben. Hitler ist keine Autoritätsfigur, die vom Sockel geholt werden muss. Als wäre das das ein Stückchen Freiheit... hahaha.

Ich finde es bedenklich, dass all die anderen (möglichen) Ursachen, die die Nazi-Greueltagen möglich gemacht haben, mehr und mehr tabuisiert werden. So suggeriert es: Zweiter Weltkrieg, Judenverfolgung etc. = Hitler.
Mir wäre ein satirischer und aufklärerischer Film z. B. über die deutsche Militärindustrie oder die Deutsche Justiz lieber gewesen.



Zur Beruhigung schreibt Kaminer: "Die im Film erzählte Geschichte ist moralisch auf der sicheren Seite, ethisch einwandfrei und politisch korrekt".
Wie aufregend. Erschreckend, wie sich alle schon wieder klein machen um nur nicht anzuecken.

frauclooney66
12.01.2007, 07:56
Mir wäre ein satirischer und aufklärerischer Film z. B. über die deutsche Militärindustrie oder die Deutsche Justiz lieber gewesen.



Na, das wäre doch mals was :zwinker:

Carlogo
12.01.2007, 18:13
Na, das wäre doch mals was :zwinker:

Oh ja, oder eine Satire über den knuffigen, süßen Andreas Baader, der es doch immer nur gut meinte im Leben, aber leider leider zwei linke Hände hatte :Sonne:
und seine anmutige liebste Gudrun, die gegen ihr süßes Image ankämpfte und alles tat, nur um cool zu wirken :cool:

Leeremick
14.01.2007, 11:04
So, ich habe ihn gesehen.
Ich hatte im Vorfeld bereits viel gehört und gelesen, und bin daher auch nicht ganz unvoreingenommen in den Film gegangen.
Bedenken, wie sie hier zum Teil geäußert wurden, hatte ich eher nicht, bzw. nicht mehr als ich sie grundsätzlich bei jeder fiktionalen Annäherung an das Thema habe.
Ich kopiere hier mal einen Absatz aus einer sehr lesenswerten Kritik von Harald Martenstein (http://www.zeit.de/2007/02/Hitler-als-Popfigur?page=1)in der ZEIT:



Grauen, Mord und Totschlag sind zu allen Zeiten Gegenstand von Humor gewesen, denn Humor ist nur eine Methode, ein Stil, mit dessen Hilfe alles Mögliche ausgedrückt werden kann. Wer etwas humoristisch behandelt, gibt damit nicht etwa zu verstehen, dass man dieses Thema »nicht so ernst« nehmen muss (es gibt Tausende von Liebeskomödien, trotzdem weint man bei Liebeskummer). Ob ein Werk ein Thema ernst nimmt, entscheidet sich nicht an seiner Tonlage, sondern an seiner Aussage.


Insgesamt war ich vorsichtig wohlwollend, was unter anderem daran liegt, dass ich Dani Levys "Werdegang" seit seinen Anfängen verfolgt habe, ihn zu der Zeit auch bei verschiedenen Publikumsdiskussionen erlebt habe und ihn für einen klugen, reflektierten Menschen halte.

Leider hat mich der Film relativ ratlos zurückgelassen. Von einigen mehr oder weniger gelungenen Witzen abgesehen, ist "Mein Führer" in meinen Augen nicht komisch, auch nicht absurd komisch, satirisch, grotesk, oder böse, so dass einem möglicherweise das Lachen im Hals stecken bleibt, sondern eher ein müder, ziemlich langweiliger Witz. Hitler entwickelt sich leider mehr und mehr zu einer zwar lächerlichen, aber eben auch bemitleidenswerten Figur - ein Mensch, der impotent ist und ins Bett macht, weil er als Kind verprügelt wurde.
Dabei haben die Geschichte und die Dialoge zum Teil sehr absurd-komische Momente, aber alles ist (zu) vorsichtig inszeniert und gespielt, kontrovers sein, anecken - das will der Film sicher nicht.
Es gibt 2, 3 Momente, wo eine (in meinen Augen) interessante Wendung eintritt, aber dann passiert nichts daraus. Die interesanteste Figur ist für mich Göbbels, gespielt von Sylvester Groth.

Insgesamt fand ich ihn völlig uninteressant und langweilig und habe mich im Nachhinein über das riesige Medienecho geärgert - die Diskussion "Darf man über Hitler" lachen ist ja nun alles andere als neu und dass sie jetzt wieder aus der Mottenkiste geholt wurde, hat dem Film eine Aufmerksamkeit beschert, die er für mich nicht verdient hat.
Im Nachhinein frage ich mich sogar, ob nicht Helge Schneiders Distanzierung auch nur eine PR-aktion war, um die künstliche Kontroverse anzustacheln.

Leeremick
29.01.2007, 14:01
Falls das Thema noch interessiert:
offener Brief (http://www.welt.de/data/2007/01/20/1184344.html) von Dany Levy zu den Kritiken zu "Mein Führer".