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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen mit ehrenamtlicher Hospizarbeit?



amaruschka
07.01.2007, 16:18
Da auch ich mich in den letzten Jahren immer mehr mit dem Tod auseinander setzen musste, habe ich mir überlegt, ob ich ehrenamtlich in einer Hospizgruppe mitarbeite. Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie dort gearbeitet wird und auch schon die Telefonnumer der Gruppe hier vor Ort herausgesucht.
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit dieser Arbeit? Wie hilfreich aber auch belastend ist es, wenn man sterbende Menschen begleitet?

Aus meiner Sicht ist diese Arbeit sehr wertvoll und wichtig, da der Tod in unserer Gesellschaft immer mehr verdrängt wird. Aber Erfahrungen habe ich wie gesagt noch keine...
LG Amaruschka

petersilie
08.01.2007, 17:28
Ich bin Palliativmedizinerin, arbeite aber auch ehrenamtlich in der Hospizbewegung vor Ort, *kenne mich also aus*. Ich kann dir aus eigener Erfahrung nur raten, Kontakt zum örtlichen Hospizverein aufzunehmen, du kannst dann bei einem Gespräch alle Fragen klären, die du so hast. Denn diese Fragen und Gedanken hat eigentlich jeder! Wie halt ich das aus, den ständigen Tod? Macht mich das dann nur noch traurig? Oder ist es einem egal, sind ja Fremde? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass jeder Hospizverein unterschiedlich ist, es gibt sehr gute Organisationen, die sich auch sehr um die Weiterbildung und Supervision ihrer Ehrenamtlichen kümmern, es gibt aber auch andere, leider.

Bevor man überhaupt *tätig* wird, finden Einführungskurse statt, die verpflichtend sind, man wird also nicht einfach losgeschickt, *begleit den mal!* Keine Sorge! Meist sind die Leute in den Vereinen sehr nett, alle verfolgen das selbe Ziel, alle haben mal angefangen und können sich gut an die Unsicherheit erinnern, damals. Ich empfinde die Arbeit mit Sterbenden z. B. überhaupt nicht als belastend, sondern im Gegenteil als sehr bereichernd. Und das sagen fast alle, die diese Arbeit tun, jedenfalls die, die ich kenne.

Ich freu mich, dass du dich der Hospizbewegung anschließen willst!

Trau dich und ruf dort an, und dann verlass dich auf dein Gefühl! Und wenn dir die Leute in *deinem* Verein nicht gefallen, dann besuch den Verein im Nachbarort, dort kann es schon ganz anders sein.

Viel Erfolg,

Petersilie

amaruschka
08.01.2007, 19:16
Liebe Petersilie, danke für deine Antwort. Im tiefsten Inneren glaube ich auch, dass es eine Bereicherung sein kann. Als ich Anfang zwanzig war, habe ich einige Monate im Krankenhaus gearbeitet und dort erste Erfahrungen mit den Themen Krankheit und Tod gemacht. So ganz losgelassen hat mich diese Arbeit nie mehr. Ich bin dann aber in den pädagogischen Bereich gegangen und habe vor zwei Jahren eine Ausbildung in systemischer Therapie angefangen.

Ich bin jetzt 42, habe auch schon persönlich mit dem Tod zu tun gehabt und durch die Lebenserfahrung und die fachliche Ausbildung hoffe ich, die richtigen Voraussetzungen mitzubringen.
Es ist auch der Wunsch, in der zweiten Lebenshälfte dem Tod mehr ins Auge zu sehen, ihn als Realität und Wirklichkeit zu akzeptieren. Und vielleicht gemeinsam auf dem Weg mit den Sterbenden eine andere Beziehung dazu zu bekommen. Gerade die Endlichkeit des Lebens kann ja vieles in ein neues Licht rücken.

Heute habe ich schon in der Hospizgruppe hier am Ort angerufen. Leider hatten sie wohl gerade eine Auswahlphase, die abgeschlossen ist. Mal sehen, ob sich noch was tut.
LG Amaruschka

Humerusfraktur
11.01.2007, 01:44
Hallo,
seit nunmehr 18 Jahren begleite ich Sterbende und leite auch seit über zehn Jahren Vorbereitungskurse für HospizbegleiterInnen.
Wenn jemand zu uns kommt, um mitzuarbeiten, führen wir erst einmal ein Gespräch, in dem die Motivation abgeklärt wird und es wird über Ängste und Erwartungen gesprochen. Wir machen auch keinen Hehl daraus, dass wir erwarten, dass Interessierte bereit sein müssen, sich mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen und ihre Ängste zulassen können. Denn wenn wir das nicht tun, dann missbrauchen wir die Schwerkranken und Sterbenden. Wir machen klar, dass sowohl Vorbereitungskurs als auch die nachfolgende Gruppenarbeit viele Selbsterfahrungsanteile hat und ständige Reflexionsfähigkeit vorausgesetzt wird.
Es gibt immer wieder Situationen, in denen Ehrenamtliche, übrigens auch Hauptamtliche, an ihre Grenzen kommen, weil eine Begleitung extrem belastend ist (meist sind das Begleitungen von Gleichaltrigen oder Eltern von todkranken Kindern)- neben allen guten und hilfreichen Erfahrungen, die überwiegen. Übrigens es leuchtet mir nach wie vor ein, wenn ein Fachmann sagt: "Ich gehe da rein, vor dem ich am meisten Angst habe." Ich habe in all den Jahren gelernt, dass ich niemand die Angst vor dem Tod (dem eigenen, dem naher Angehörigen oder Fremden) nehmen kann. Aber mit der Angst leben, Ängste teilen, das geht.
Liebe Amaruschka - wenn es nicht gleich beim ersten Anlauf klappt - es könnte sein, dass dieser Aufschub Dir mehr Klarheit verschafft, bzw. die Zeit (noch) nicht reif dafür ist. (Es gibt nämlich keinen Zufall!) Ich wünsche Dir, dass Du dranbleiben kannst und Du viel für Dich und Dein Leben erkennen und mitnehmen kannst.

Maria55
25.01.2007, 15:47
Bevor meine Mutter an Krebs erkrankt, hab ich vom Hospiz nicht viel gewußt. Nachdem uns die Ärzte über die Pflege im Endstadium aufgeklärt hatten, war uns klar: nur ein Hospiz kam in Frage. Leider mußten wir meine Mutter gegen ihrem Willen dorthin bringen. Es gab keine andere Möglichkeit. Dort ist sie nach 4 Tagen verstorben. Aber was die Mitarbeiter an Beistand auch für uns geleistet haben, war einfach unglaublich. Immer wieder haben sie uns ( 6 Personen) über 10 Stunden betreut und aufgefangen, wenn für uns die Belastung zu groß wurde. Und ganz nebenbei Allen die Angst vor den Tod genommen. Einen ganz großen Dank an alle, die diese Arbeit verrichten.
Seit dieser Erfahrung habe ich mich auch entschlossen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Sobald meine private Situation das jetzt zuläßt, werde ich tätig.
Ich denke auch, diese Tätigkeit ist eine auch eine Bereicherung des eigenen Lebens.
LG
Maria55

clematis61
12.10.2009, 13:57
Hallo,
seit dem letzten Beitrag ist einige Zeit vergangen.

Seit ihr mitlerweile als Hospizbetreuer tätig?


Ich mache derzeit ein Grundseminar im Hospizverein und würde mich über einen Erfahrungsaustausch freuen.