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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie halte ich das aus?



engel68
05.01.2007, 22:55
Ich bin neu hier. Ich weiß gar nicht wie ich hier schreiben soll. Ich habe einige "Beiträge" gelesen und bin auch traurig darüber, was euch passiert ist. Ich hoffe, dass ich über dieses Forum auch "Unterstützung" bekomme. Meine Hände zittern, während ich dies schreibe. Mir ist etwas passiert, was ich bis heute nicht begreifen kann. Ich frage mich jeden Tag, wie ich und meine Söhne (12 u. 14) das aushalten können. Aber es geht. Und mit jedem vergangenen Tag, bin ich fast schon sauer, dass die Zeit einfach weiter läuft.
Es war in den Ferien. Mein Mann, mein jüngster Sohn und ich sind in den Urlaub gefahren. Im Urlaub kam es zu einem schlimmen Waldbrand. Wir sind vor dem Feuer geflüchtet und wollten uns auf ein Boot retten. Einige Menschen waren schon im Wasser. Wir sahen auch keinen anderen Ausweg, als zu einem Boot zu schwimmen. Mein Mann hat uns noch gefragt:"Glaubt ihr, dass ihr das schafft?" Ja! Wir waren uns sicher. Dann sind wir losgeschwommen. Mein Sohn und ich konnten meinen Mann nur tot ins Boot ziehen. Viele schlimme Ereignisse kamen dann noch dazu.

Inaktiver User
05.01.2007, 23:20
Hallo liebe Unbekannt!

Ich las gerade deine wenigen Zeilen und bin sehr erschüttert über deinen Beitrag. Es ist sehr schwer auch für Fremde mit diesem Thema umzugehen. Eigentlich lese ich hier bei bricom nur immer mal mit, aber dir möcht ich doch wenigstens etwas Mut zusprechen. Die schrecklichen Erinnerungen werden dich noch sehr lange beschäftigen und du brauchst sehr viel Zeit. Du sollst deinen Mann ja auch nie vergessen aber du mußt jetzt trotz deiner Trauer die Kraft aufbringen, dass deine Kinder ein lebenswertes Leben finden. Nehme dir psychologische Hilfe, dies bringt sehr viel. Ich halte dir ganz fest die Hände und herzliche Grüße von inge.

engel68
05.01.2007, 23:26
Liebe Inge!
Vielen Dank! Aber ich habe versucht, mir professionelle Hilfe zu holen. Doch leider kann ich noch nicht einschätzen, wie die Kinder das verarbeiten. Der Rat an mich war: ich solle die Kinder erst mal beobachten!

Inaktiver User
06.01.2007, 00:03
:schlaf gut: Hallo, ich denke mir, ihr solltet viel miteinander reden, wenn du das überhaupt kannst. Die Jungs müssen diesen Verlust auch erst einmal verarbeiten. Jeder Mensch verarbeitet es auf eine andere Weise. Du hast begonnen hier zu schreiben und vielleicht ist das für dich eine kleine Hilfe. Deine Kinder mußt du noch etwas führen. Sie sollen Sport treiben, malen, ein Musikinstrument lernen oder Gleichaltrige treffen. Versuche auch den Vater immer in Gedanken in der Familie mit zu behalten. Dein Mann hat sein Leben verloren ihr Drei nicht. Hütet es, es ist das Kostbarste besonders für junge Menschen. Versucht so freundlich wie möglich miteinander umzugehen. Deine Kinder können auch agressiv auf dich reagieren. Das geht wieder vorbei. Sie brauchen jetzt eine starke Mutter, die trotz der Trauer den Alltag meistert. Liebe Grüße und eine gute Nacht :schlaf gut: Schau morgen noch mal rein inge

Pummel
07.01.2007, 13:23
Liebe Engel, das tut mir sehr leid für dich u. deine Kinder. Es ist was es ist; ein furchtbares Unglück. Ihr musstet um euer Leben laufen, schwimmen u. in solchen Momenten kämpft wohl jeder für sich. Wie soll man es nennen? Schicksal passt wohl am besten.
Hier fände ich es wichtig, dass die Kinder auch den mediz. Grund kennen, wieso Papa es nicht geschafft hat.
Ingeborg hat dir schon ganz gute Tipps gegeben. Schau doch mal in die 'Bücherecke', vll findest du für euch alle etwas tröstendes.
Schreib einfach weiter, wenn es dir gut dabei geht. Ja und lass dir helfen, man muss nicht alles alleine schaffen.
Nimm dir die nötige Zeit für die Trauer, ihr schafft das.

Schicke und wünsche dir viel Kraft.

Alles Liebe - Pummel

Pemaus
07.01.2007, 16:47
Lieber Engel,
fühl dich erst einmal ganz vorsichtig umarmt. du bist hier auf dem richtigen Weg. Schreib dir deinen Schmerz und deine Gedanken von der Seele wenn dir danach ist. Tu was dir gut tut und laß dir alle Zeit der Welt. So einen Schicksalschlag den verdaut man nicht von heute auf morgen. Laß auch deinen Kindern Zeit. Rede mit ihnen, hör ihnen zu, seit füreiinander da. Meine Kinder waren 9 und 16 als ihre Schwester starb. Jeder hat es anders verarbeitet. Meine Kleine spricht viel mit mir, ist stellt jetzt für ihre Schwester eine neue Homepage zusammen, mein Sohn (er ist jetzt 20) spricht eigendlich fast nie darüber aber.........ich weiß er ist in Gedanken oft bei seiner Schwester, besucht sie auf dem Friedhof. Ich weiß du bist sehr sehr traurig aber........deine Kinder brauchen dich, sie haben nur noch dich.
LG

ness
07.01.2007, 18:10
Lieber Engel!!!
ich hab meinen urlaub ganz in der nähe verbracht....

ganz ganz viel mitgefühl und vorsichtiges drücken auch von mir!!

hol dir die unterstützung, die du brauchst!!!
ness

Lillian2207
09.01.2007, 12:35
Lieber Engel,

es tut mir so unsagbar Leid für Dich!!! Was für ein schreckliches Unglück!

Ich frage mich auch jeden Tag "wie halte ich das aus", ohne meinen Verlobten? Ich weiß es nicht. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, jeden Tag irgendwie zu schaffen und zu überstehen. Mal schlecht mal recht.

Meine erste Therapeutin (die ich nachher gewechselt habe) hat damals zu meiner Mutter gesagt: Sie müssen jetzt ganz stark sein und Ihrer Tochter beistehen. Sie darf Ihnen die Trauer nicht anmerken, also reißen Sie sich zusammen und weinen Sie bloß nicht in Ihrem Beisein....Meine Mutter, die sehr unter der Situation gelitten hat, hat Ihr bestes gegeben und nie in meiner Nähe geweint. Das ging soweit, das ich dachte, es würde Ihr vielleicht gar nichts ausmachen, Sie würde gar nicht mit mir trauern! Ich habe Sie dann mal danach gefragt.... und da ist Sie dann in Tränen ausgebrochen.

Ich möchte Dir damit sagen: Natürlich mußt Du für Deine Kinder stark sein, aber Du sollst Dich in Deiner Trauer auch nicht verstellen! Trauer so wie Du Dich fühlst. Tränen können verbinden! Ich spreche aus eigener Erfahrung. Wir nehmen uns in die Arme und weinen hemmungslos und es tut mir so gut, so verstanden zu werden! Ohne meine Mutter hätte ich es bestimmt nicht bis hier her geschafft!

Das Forum hier hilft auch sehr, viele die hier sind haben ähnliches erlebt und ein offenes Ohr. Wenn ich Dir irgendwie helfen kann, sag einfach bescheid!

Ganz lieben Gruß und eine feste Umarmung
Lillian

Inaktiver User
09.01.2007, 17:23
Liebe Engel,
euch ist ein Unglück zugestoßen, schlimmer kann kaum eines sein.
Ich möchte dir mein Mitgefühl aussprechen.
Und ganz ehrlich auf die Frage antworten
"wie halte ich das aus?"

Es ist nicht auszuhalten, es IST definitiv unerträglich.

Aber dennoch, seltsamerweise, hat der Mensch die Fähigkeit, weiterzuleben.
Irgendwie geht es weiter.
Man atmet.
Man bewegt sich.
Man geht durch den Alltag.
Obwohl innerlich alles so leer und "tot" ist.

Man möchte schreien oder ganz verstummen.
Doch man spricht.
Ich möchte fast sagen, das Leben lebt uns weiter, ohne unser Zutun, in der ersten Zeit.

Und irgendwann, nach Monaten oder Jahren, können wir schrittweise unser Leben zurückerlangen, fangen an zu fühlen, können Schönes und Gutes wieder wahrnehmen, vielleicht sogar wieder lächeln. Zuerst unter Tränen, bis es zuletzt wieder ganz von Herzen lächelt.

Halte durch, liebe Engel und vertraue darauf, dass es dir so ergehen wird, wie vielen von uns.
Das Leben wird wieder lebenswert.
Den Trauerschmerz tragen wir ganz dicht unter unserer Seelenhaut, er wird für immer bleiben, aber er wird "leiser".


ganz liebe, herzliche Grüße an dich und deine armen Kinder
und eine
:kerze:
für deinen Mann
und für dich ganz viele :blumengabe: und eine :Sonne:, damit dein Herz wieder durchlichtet wird