PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kinder und beerdigung



Michnix
05.01.2007, 13:48
Würdet ihr zwei Kinder im Alter von 4 und 5 mit auf eine beerdigung ihrer Oma nehmen ? ( Verbrennung)

Danke für eure antworten .

prinzessin01979
05.01.2007, 14:21
Hallo Michnix,

ich kann nur davon berichten, was ich in vielen Büchern zur Trauer gelesen habe. Es wird in jedem Buch eigtl. empfohlen,mit den Kindern ganz natürlich über den Tod, das Sterben usw. zu sprechen und sie auch an einer Beerdigung mit teilnehmen zu lassen. So lernen sie ja auch, dass es solche Abschiede im Leben gibt, dass dies zu unserem Leben hier, dazugehört und sie lernen auch natürlich mit dem Tod umzugehen.

Aber letztentlich, muss das jeder für sich entscheiden. Sicher teilen sich da die Meinungen, Kinder mit oder nicht auf eine Beerdigung zu nehmen.

Alles Gute, :blumengabe:
Melissa

Swissgirl
05.01.2007, 14:53
Hallo Michnix

Der Tod gehört zum Leben dazu und ich finde, dass deine Kinder durchaus in einem Alter sind in dem man mit ihnen darüber sprechen kann.

Ich habe eine Bekannte, die war als Kind noch nie auf einer Beerdigung. Mit 20 Jahren dann zum ersten Mal, und sie hatte Mühe hinzugehen, es war etwas absolut unbekanntes.

Ich weiss nicht, wie du selbst zum Thema Tod stehst, was du glaubst und denkst.
Wichtig finde ich, mit den Kindern im Voraus darüber zu sprechen, über die Verstorbene und was eine Beerdigung bedeutet.

Ich mag mich noch an die Beerdigung meiner Oma erinnern, da war ich ca. 9 Jahre alt. Meine Eltern sagten mir, dass Omas Seele jetzt in den Himmel gegangen ist. Bei der Beerdigung sei ihr Körper noch da. Ihr Körper durfte das ganze Leben das Haus für ihre Seele sein und darum wird der Körper in einen schönen Sarg gelegt, mit Omas Lieblingskleidern. Und bei der Beerdigung sagen wir Oma tschüss, denn sie schaut vom Himmel zu wie wir zu diesem Abschiedsfest kommen und freut sich.
Wir durften dann noch ein Röschen ans Grab legen als Geschenk für Oma.
Für mich war diese Zeremonie ein gutes Erlebnis, nichts Schreckliches. Ich konnte Oma nochmals "begegnen".

Liäbs Grüessli

Jenufa
05.01.2007, 15:55
Ich war selber mit 4 Jahren auf der Beerdigung meiner Großmutter und ich habe das gar nicht als schlechter Erlebnis in Erinnerung. Ich wusste sowieso, dass sie sterben muss und die Beerdigung selbst fand ich gar nicht schlimm - heute fällt mir das wesentlich schwerer. Soweit ich mich erinnere haben sie mich allerdings nicht mitgenommen zum offenen Sarg. Meine Eltern haben damals natürlich viel über den Tod geredet als klar war, dass meine Oma sterben würde, und "Leb wohl, lieber Dachs" gehört bis heute zu meinen Lieblingsbüchern...
Über den Tod der Oma müssen die Kinder so oder so wegkommen, aber ich denke auf einer Beerdigung können sie wie alle anderen auch Abschied nehmen und wenn sie nicht hingehen, bleibt ihnen der Verlust der Oma, das eigentlich Schlimme, auch nicht erspart.

Madame_butterfly
05.01.2007, 16:40
Liebe Michnix,

ich kann mich den Meinungen von Prinzessin, Swissgirl und Jenufa nur anschließen. Ich sehe das auch so, dass Deine Kinder von den Beisetzungsfeierlichkeiten ihrer Omi nicht ausgeschlossen werden dürfen.

Allerdings sollte sichergestellt sein, dass der Abschied von der Omi den Kindern schöne Rituale und liebevolle Bilder vermittelt. Diese Bilder bleiben ja in den Herzen der Kinder lebendig. Und ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, den Kleinen liebevolle und poesievolle Bilder zum Leben nach diesem Leben an die Hand zu geben – ein Versprechen auf das Wiedersehen ihrer Omi im Himmel.

Bei zwei Aussegnungs- und Beisetzungsfeierlichkeiten war ich selbst als erwachsener Mensch von der Pietät- und Poesielosigkeit zutiefst erschüttert. Hierzu zählte unter anderem, während des gesamten Gottesdienstes auf „die Urne mit den Überresten“ eines geliebten Onkels meines Mannes schauen zu müssen. Ja, das empfand und empfinde ich noch heute als sehr befremdend – und ich weiß nicht, wie die kleinen Kinder dieses Bild empfunden haben mögen, die damals anwesend waren?

Liebe Michnix, ich wünsche Dir und allen Euren Lieben viel Kraft und Mut für den anstehenden, schweren Tag – und einen besonderen Sonnenstrahl aus dem Himmel, von der Omi für Eure traurigen Herzen … :Sonne:

amaruschka
05.01.2007, 16:55
Hallo Michnix,
meine Mutter ist mit 60 Jahren im Oktober 2005 ganz überraschend gestorben. Meine Tochter war zu dieser Zeit 4 und ihre Cousins 5 und 8. Sie durften mit zur Beerdigung und viele Freunde brachten auch ihre Kinder mit. Ich habe viel mit meiner Tochter über den Tod meiner Mutter gesprochen und ihr erklärt, was auf der Beerdigung passiert. Was ich wichtig fand: Wir haben hinterher Bücher zu diesem Thema gelesen, um ihr immer wieder einen Sprechanlass zu bieten. Besonders gut gefallen hat uns das Buch: Leb wohl lieber Dachs.
Sie ist sehr offen mit all den Erlebnissen umgegangen und spricht noch heute viel von ihrer Oma. Ich habe das Gefühl, dass die Beerdigung für sie etwas Natürliches war und ich bin froh, dass sie so auf ihre Art Abschied nehmen konnte.
Letzte Woche war ich auf einer Beerdigung, auf der kein einziges Kind war. Alles war sehr steif und ernst und mir hat richtig was gefehlt.
Euch viel Kraft und einen guten gemeinsamen Abschied.
LG Amaruschka

Atis
05.01.2007, 16:58
Liebe Michnix,

auch ich würde die Kinder mitnehmen und aus dem Thema Tod kein Tabu machen. Sie sollten ein wenig darauf vorbereitet sein, dass alle traurig sind und manche vielleicht sehr weinen werden.

Ich habe meiner Tochter, wenn jemand starb, immer erklärt, dass der/die Verstorbene jetzt im Himmel/der Geistigen Welt ist und dort sehr, sehr glücklich ist, dass aber diejenigen, die zurückbleiben, eben erst einmal sehr traurig sind. Somit war sie nicht "geschockt", dass alle traurig waren.

Dir und Deiner Familie alles Gute, Michnix!

Anastasia1960
05.01.2007, 17:22
Als ich 6 Jahre alt war starb mein Vater an Krebs. Meine Mutter hat um seine Krankheit und seinen Tod ein großes Geheimnis gemacht (Ich nehme mal an um uns Kinder zu schützen). Auch bei der Beerdigung war ich nicht dabei. Ich musste sogar an diesem Nachmittag die Zeit im Kindergarten verbringen obwohl isch schon zur Schule ging.

Ich wusste genau,dass die Beerdigung meines Vaters war, weil immer hinter vorgehaltener Hand im Familenkreis darüber gesprochen wurde....

Ich kam mir jedenfalls total blöd vor, als mich meine Mutter nach der Beerdigung in ihrem schwarzen Kostüm vom Kindergarten abholte.
Sie hat kein Wort über die Beerdigung verloren, bis heute nicht...

Ich bin heute noch traurig darüber, dass ich nicht zur Beerdigung durfte.... Ich würde meine Kinder auf jeden Fall mitnehmen...

Wombelinchen
05.01.2007, 18:14
Hallo,

bei uns steht das Thema nächste Woche an. Mein Schwiegervater wird beerdigt, und unsere Kinder (9 und 11) gehen mit. Unsere 9-jährige Tochter hat das Angebot zu Hause bleiben zu dürfen ganz empört abgelehnt. Sie will dem Opa Tschüss sagen, und noch einmal ganz nahe bei ihm sein. Der Blick hoch zu dem Sternchen, auf dem Opa´s Seele jetzt wohnt reicht ihr nicht, das hat sie selber so ausgedrückt. Unser 11-jähriger Sohn würde sich wohl gerne um das Erlebnis herumdrücken, aber da besteht mein Mann leider darauf, dass er mitkommt.
Das Schwierigste wird sein, ihm zu erzählen, dass der Opa sich selber das Leben genommen hat. Das müssen wir am Wochenende noch erledigen, weil sich das schon zu weit herumgesprochen hat. Ich will nicht, dass er das nebenbei durch irgendeine dumme Bemerkung am Beerdigungstag mitbekommt, das wäre ganz schlecht. Unsere Tochter weiss es seit heute morgen, sie hat es eigentlich ganz gut verkraftet. Na ja, mal schauen.
Allen anderen Betroffenen hier wünsche ich jedenfalls viel Kraft.

Siljastern
05.01.2007, 22:14
Meine Kinder waren auch bei der Beerdigung Ihrer Uroma dabei. Sie haben sie sehr geliebt, ich finde da gehört der Abschied dazu. Ich bin vor der Trauerzeremonie mit beiden in der Aussegnungshalle gewesen, wir haben uns den Sarg angesehen, die Blumen, ob das der Oma gefallen hätte usw.

Beide empfanden es im Nachhinein als Wichtig dabei gewesen zu sein.

Ich durfte als Kind nicht mit auf die Beerdigung meines Grossvaters, "für Kinder ist das nichts". Ich hab mir dann etwas gaaanz schreckliches unter einer Beerdigung vorgestellt, etwas gewaltsames.

Mit Vorbereitung auf die Trauerfeier, auch das viele Leute weinen werden und traurig sind, kann man Kinder durchaus mitnehmen.

Ich würde ein kleines Kind allerdings nicht zu einer "Urnentrauerfeier" mitnehmen. Das finde ich als Erwachsene schon schwierig zu ertragen, wenn da statt eines Sarges nur die Urne steht.

Inaktiver User
05.01.2007, 22:29
Meine Kinder waren in dem Alter auch schon auf Beerdigungen. Die verstorbenen Personen standen ihnen aber nicht furchtbar nahe. Beide nahmen es recht locker. Ich hatte nur etwas Sorgen, ob sie nicht stören könnten. So habe mich meine Tochter mehrfach ermahnt, aber der Priester kam sogar zu mir und sagte, ich solle sie ruhig lassen, er habe damit kein Problem.

Ich denke, es ist für Kinder wie für Erwachsene, das Abschiedsritual gehört einfach dazu, das Geschehene zu verarbeiten.

Inaktiver User
05.01.2007, 22:58
Als mein über alles geliebter Großvater plötzlich starb, war ich sechs. Damals war es wahrscheinlich so, daß Kinder auf Beerdigungen nichts zu suchen hatten und so hatte ich nie die Gelegenheit bekommen, mich von ihm zu verabschieden.

Irgendwann später war ich mit meinen Eltern auf dem Friedhof und habe sein Grab besucht, aber das war etwas völlig anderes.

Wenn ich Kinder hätte, würde ich sie auf jeden Fall mitnehmen und ihnen auch alles erklären. Es lebt doch auch ein Teil der Großeltern in ihnen weiter, da sollten sie auch bei der Verabschiedung dabeisein.

Bloodyzicke
06.01.2007, 01:04
Als meine Oma starb, war mein Cousin gerade 6 Jahre alt.

Wir haben ihn auch mitgenommen.
Es war eine Urnenbeisetzung, und gut wir haben die Tatsache dass da Omas Asche drin war, durch diese ersetzt, dass da alle guten Gedanken an sie drin waren.

Weil die Vorstellung dass sie verbrannt war wollten wir ihm doch ersparen.

Ich selbst war bei der Beerdigung meiner anderen Oma auch gerade 9 und war dabei, habe sie sogar noch gesehen und mich verabschiedet.

Im Nachhinein kann ich sagen, das war wichtig für mich. Deshalb würde ich jederzeit Kinder zu Beerdigungen von Bezugspersonen mitnehmen.

Pummel
07.01.2007, 13:07
Als meine Schwiemu verstarb nahmen wir am off.Sarg Abschied. Es ging nur eine meiner Töchter, die Jüngste, mit u. sie sagte danach, dass sie froh sei die Oma so verabschieden zu können.
Allerdings waren alle meine Mädels Ministrantinnen u. waren somit schon durch die vielen Beerdigungen geeicht, wobei sie die meisten der Verstorbenen persönl. od. vom sehen her kannten (Dorf).
Muss aber auch sagen, dass man sehr selten so kl. Kinder sieht, vll lassen viele sie zuhause damit die Zeremonie nicht gestört wird od. auch weil sie diese noch nicht verstehen können.
wäre interessant zu wissen, was Psychologen dazu meinen.

Pummel

Pummel
07.01.2007, 13:07
gelöscht, da doppelt

Tahnee
07.01.2007, 13:13
Ich kann mich den Vorschreiberinnen nur anschliessen und würde die Kinder mitnehmen.

Humerusfraktur
11.01.2007, 01:27
Hallo,
ich habe eure Beiträge interressiert verfolgt. Es hat mich sehr überrascht, dass es in der Zwischenzeit selbstverständlich zu sein scheint, auch kleinere Kinder von Beerdigungen nicht auszuschließen. Ein Hinweis noch: Wenn ganz nahe Verwandte beerdigt werden, sind Mütter/Väter mit Erklärungen meist überfordert. Sie sind sehr mit der eigenen Trauer/Betroffenheit beschäftigt. Dann wäre es besser eine gute Freundin oder Patin würde diese Aufgabe übernehmen und diese könnte auch die Kinder bei der Beerdigung an die Hand nehmen, zumindest in der Nähe sein, wenn der Schmerz die Mutter/den Vater überwältigt.

Sonne1977
12.01.2007, 20:17
Hallo.

Ich habe sehr interesiert diesen Thrad gelesen.Ich selbst ,Mutter einer 8 und einer 5 jährigen Tochter, wüsste nicht was ich machen würde, wenn eine Beerdigung anstehen würde.

Ich kann mich nur an eine Trauerfeier eines Schulkameraden erinnern. Ich war damals 16 Jahre und er starb an Krebs. Die ganze Klasse erschien in schwarz auf dem Friedhof. Ich werde nie vergessen, wie schlimm ich das damals fand. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil mich das so unheimlich mitgenommen hatte.

Habe mich schon des öfteres gefragt, was ich machen würde, wenn ein Mitglied aus der Familie sterben würde, welcher meinen Kindern sehr nahe gestanden hat.

Ich weiss nur, das ich damals dachte und für mich wusste, wenn es wirklich nicht nötig ist, werde ich zu keiner Beerdigung/Trauerfeier mehr dabei sein, weil ich das wirklich sehr schlimm finde.

Letztes Jahr ist die Mutter meiner besten Freundin gestorben und ich musste mal wieder! Auch da fand ich das alles so sehr schlimm obwohl ich *nur eine Bekannte* war!

Ich weiss bis heute nicht, was ich machen würde. Aber ich gebe Euch recht, das man den Kindern auf keinen Fall den Tod als Tabuthema veranschaulichen sollte.

Sonne

karina3000
12.01.2007, 21:34
Hallo,
ich war 8 als meine Mutter starb.
Ich durfte auch zur Beerdiung mit und bin auch froh darüber. Anders hätte ich es wohl auch nicht verarbeiten können.
Es ist wichtig das Kinder Abschied nehmen können.

Vor der Beisetzung wurde meine Mutter aufgebahrt. Auch dorthin durfte ich mitkommen. Allerdings würde ich dies mit Kindern nicht machen. Ich hätte meine Mutter lieber lebendig in Erinnerung behalten. Wenn ich jetzt an sie denke, sehe ich sie immer noch im Sarg liegen. Am meisten erinnere ich mich an ihre lackierten Fingernägel, die sie sich kurz vor ihrem Tod noch lackiert hatte während ich daneben saß. Irgendwie krieg ich den Anblick nicht aus meinem Kopf.

Außerdem erinnere ich daran das ich als einzige keine schwarze Kleidung tragen durfte. Das hat mich irgendwie gestört. Ich gehörte nicht dazu und fühlte mich nicht ernstgenommen.

Fazit: Beerdigung ja, Aufbahrung nein.

Gruß Karina

Lotta39
12.01.2007, 21:52
Als mein Vater vor zwei Jahren starb, war meine Tochter 2 Jahre alt.

Mein Vater hat sie abgöttisch geliebt und auch sie hat ihren Opa über alles geliebt. Für uns stand es überhaupt nicht zur Diskussion, dass sie NICHT mit zur Beerdigung gehen würde. Sie gehörte doch dazu. Das war für uns alle ganz klar.
Einzig meine Schwiegermutter hat damals ein fürchterliches Drama darum gemacht und wollte sogar zuhause bleiben um auf unsere Tochter aufzupassen.

Sie konnte es gar nicht verstehen, dass ich meine Kleine dabei haben wollte, wenn wir uns von meinem Vater, ihrem Opa verabschieden und auch das Gefühl, dass ich hatte, dass mein Vater entsetzt sei, wenn er wüßte, dass sie nicht da ist, sie, die ihn die letzten 2 Jahre am leben gehalten hat. Meine Schwiegermutter schimpfte mich noch am Morgen der Beerdigung egoistisch und rücksichtslos dem Kind gegenüber :ooooh:

Tatsächlich habe ich meine beste Freundin zur Kirche bestellt (ihr Sohn ist genauso alt wie meine Tochter und ihr kleiner Freund). Sie stand die ganze Zeit hinten im Kirchenschiff und als meine Kleine zu munter wurde, hat sie sie von mir weggeholt und die Kinder haben hinten gespielt. Ich wußte, dass ich mich nicht kümmern konnte, ich war schließlich auch mit meiner Trauer um meinen Papa beschäftigt.

An der Aussegnungshalle haben wir es ebenso gemacht, erst ist sie mit rein, ich hab, so gut es ging erklärt was hier jetzt ist und dann hab ich sie zu meiner Freundin gebracht, nach draussen.
Das Bild werde ich nie vergessen, die Aussegnungshalle ist von oben bis unten verglast, in der Glasfront von innen, stand der Sarg mit meinem Vater, hinter der Glasscheibe, direkt hinter dem Glas, saß meine kleine Tochter auf der Wiese, pflückte Gänseblümchen und sang und lachte. Ich fand es schön, so hat es mein Vater gewollt, das weiß ich.

Als wir hinter dem Sarg rausgingen wollte meine Tochter zu mir, sie sah mich weinen und war ganz lieb, ich nahm sie auf dem Arm und wir gingen zusammen hinter dem Sarg her, meine Freundin folgte unserem Trauerzug immer in gebührendem Abstand.
Die Kleine hat wohl geahnt, gespührt, dass hier etwas ernstes und trauriges passiert, sie kuschelte sich fest in meinen Arm und drückte und küßte mich die ganze Zeit.

Am offenen Grab dann rannte sie dann wieder zu ihrem kleinen Freund. Direkt hinter der Grabstelle meines Vaters ist ein Soldaten-Ehrenfriedhof .... große grüne Wiese, die beiden rannten da herum, spielten nachlaufen und meine Kleine lachte immer ganz laut. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber wir alle haben genau dieses Lachen in Erinnerung wenn wir an diesen schlimmen Tag denken.

Kurz bevor der Sarg abgesenkt wurde, hab ich meine Tochter zu mir gewunken, ich wollte mit ihr gemeinsam das Blümchen für meinen Vater werfen. Sie hielt einen Tannenzapfen in der Hand, den sie vorher gefunden hatte.Als ich das Blümchen warf und mich von meinem Vater verabschiedete, da löste sie sich von meiner Hand, ging einen SChritt näher und sagte : Hier, Upa.... für dich,ein Tapfen!"

Es war zwar kaum auszuhalten für uns alle, weil es so rührend, so traurig und so schön zugleich war.
Dann rannte sie wieder laut lachend davon zu ihrem Freund um zu spielen, ich weiß, dass der Sarg abgesenkt wurde und man die Kinder lachen hörte, mein Vater hat ihr ansteckendes Lachen so geliebt. Und so kam es uns genau richtig vor in diesem Moment.

Ich würde es immer wieder so machen, sie gehörte einfach dazu und sie weiß auch heute noch, dass sie dabei war, vielleicht weil wir viel davon geredet haben, ich weiß es nicht.

Seither gehen wir auch immer zusammen zum Grab und ich weiß nicht warum, aber sie sammelt seither alles was sie dann unterwegs findet auf den Feldern, Tannenzapfen, Nüsse, einen Maiskolben und das legt sie dann alles aufs Grab, jedesmal was anderes. Manchmal sammelt sie auch zuhause für "Upa" und das müssen wir dann mitnehmen zum Grab.

Wohnen tut er auf einem Stern, sie weiß auch auf welchem :smirksmile:

Für mich gehören Kinder mit zu einer Beerdigung. Und für mich gehört auch der Tod zum Leben und das will ich meiner Tochter auch nicht verheimlichen. Es gehört einfach dazu.
Wenn ich allerdings selber emotional so betroffen bin, wie damals bei meinem Vater, dann würde ich in jedem Fall jemand unbeteiligtes mitnehmen, denn das schafft man wirklich nicht, sich um ein quirliges oder vielleicht quengelndes Kind zu kümmern, wenn man mit so großer Trauer beschäftigt ist.

Nimm die Kinder ruhig mit, ich würds immer wieder tun, egal wie alt die Kinder sind.

Lotta :blumengabe:

Emiliana
12.01.2007, 22:24
Also von mir jetzt wohl die einzige "Gegen-Antwort". Die erste Beerdigung an der ich teilnahm, war die meiner über alles geliebten Oma, da war ich 12 und habe, da sie aufgebahrt war, zum ersten Mal in meinem Leben einen toten Menschen gesehen. Das hat mich unglaublich und nachhaltig berührt und mir auch Angst gemacht. Vor jetzt mittlerweile fast zwei Jahren ist mein Vater gestorben. Dem vorangegangen sind 4 gräßliche Wochen mit Hoffen und Bangen auf einer Intensivstation. Schon während diese Zeit war ich nicht ich selbst, habe nur irgendwie funktioniert damit meine damals 4-jährige Tochter so wenig wie möglich durch die Situation belastet ist. Als der Opa dann gestorben war und ich ein emotionaler Haufen Müll, habe ich sie während der Beerdigung bei einer Freundin gelassen, einfach deshalb, damit sie nicht mitansieht, wie so viele Menschen, die sie liebhat und als starke Erwachsene betrachtet, die sie beschützen können, vor Trauer zusammenbrechen und nur noch weinen bzw. wie ich unter dem Einfluß von Tranquiliziern bedröhnt die Fassung bewahren.
Ich glaube, das war nicht verkehrt. Sie geht regelmäßig wenn sie bei Oma ist zum Grab und hat völlig kapiert, daß Opa tot ist. Aber diese Familie im Ausnahmezustand wollte ich ihr nicht zumuten. Weil wir alle eben komplett außer Kontrolle waren. Trotzdem reden wir über Leben und Tod und nichts wird verschwiegen. Ich glaube für uns war das richtig. Aber das muß auch jeder selbst entscheiden..

Loops
13.01.2007, 18:05
Hallo,

ich möchte dir gern die Anregung geben, die Kinder selbst zu fragen! Natürlich sind sie noch sehr jung, und es ist vielleicht ihre erste Begegnung mit dem Tod, so dass sie die Vokabeln "sterben", "Tod" und erst recht "Beerdigung/Einäscherung" noch gar nicht einordnen können - aber vielleicht wäre das gleichzeitig ein guter Anlass, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist m.E., dass die Situation ehrlich (auch emotional, also ruhig traurig sein!) und behutsam erklärt wird. Vielleicht könnten das hier Bausteine sein: "die Oma ist gestorben, sie wird nie mehr wieder kommen und wir möchten sie alle gemeinsam verabschieden. Es werden viele(?) Menschen da sein, sie werden schwarz angezogen sein (?) und auch sehr traurig sein und weinen. .... Wollt Ihr mitkommen, sie verabschieden.... ?" so was in der Art, ausführlicher, aber kindgerecht eben. Wie schon einige vorher beschrieben haben, ist das drüber REDEN und ERKLÄREN sehr wichtig, und zwar v.a. vorher(!), sonst kann eine Trauerfeier wirklich sehr verstörend wirken und auch hinterher belastend sein. Ich kann mir vorstellen, dass dich beunruhigt, wie du das Einäschern erklären sollst - sonst würdest du es ja auch nicht hervorheben. Vielleicht ist es angebracht zu sagen, dass die Oma als sie noch gelebt hat, sich gewünscht hat, dass sie gern zu ganz kleinem Staub werden wollte, wenn sie einmal tot ist. Und das sei dann auch passiert und der Staub wurde in diesem kleinen Behälter gesammelt (das Wort "verbrennen" ist vielleicht etwas heftig, würde ich nur bei sehr konsequenter Nachfrage sagen). Das ist doch dann gar nicht so schrecklich zum Erklären, oder? Mit 4-5 Jahren wollen sie meistens dann eh nicht mehr so viel mehr wissen, diese Information muss erst mal verarbeitet werden. - Tendenziell glaube ich, dass es gut wäre, wenn die Kinder bei der Zeremonie dabei sind, es kann ihnen helfen, den Verlust der Oma zu begreifen - aber ich würde wirklich mal (behutsam!) den Versuch starten, sie zu fragen, ob sie dabei sein wollen. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.

Liebe Grüße, und auch für dich und deine Familie eine nicht allzu schwere Zeit!
Loops.

Mocca
14.01.2007, 23:35
Emiliana hat etwas gesagt, was mir auch spontan in den Sinn kam: Es kann für ein Kind extrem schwer auszuhalten sein, Erwachsene in ihrer Trauer, mit ihren Tränen und in Hilflosigkeit ansehen zu müssen. Das kann mehr sein, als ein kleines Kind verkraften kann.

Als eine tante starb, waren meine Kinder vier, sieben und acht Jahre alt. Die beiden "Großen" habe ich mit zur Beerdigung genommen, wir hatten zuvor darüber gesprochen, was da im Einzelnen passiert, wir hatten für die verstorbene Tante zu Haus eine Kerze angezündet, von ihr gesprochen, uns an alles erinnert, was die Kinder mit ihr erlebt hatten. Die Kleine haben wir an diesem Tag dennoch lieber zu einer Bekannten gegeben, für sie wäre es einfach nichts gewesen, da war ich mir ziemlich sicher.

Ich selbst erinnere mich noch an die erste Beerdigung, die ich miterlebt habe: Ich war knapp zehn, als der erste Sohn meines Bruders mit drei Jahren starb. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich selbst zu der Beerdigung wollte oder ehr nicht, glaube aber, dass niemand weiter drüber nachgedacht hat, ich musste einfach mit und sogar am offenen Grab das Vaterunser sprechen. Für mich war es einerseits sicher wichtig, weil ich so Abschied nehmen konnte von meinem kleinen Neffen, andererseits hatte zuvor niemand die Zeit gefunden, sich mit mir auseinanderzusetzen, so dass ich an diese Beerdigung nur noch mit ziemlichem Grauen denken kann.
In den Folgejahren starben meine Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits und eine Tante, als ich 17 war, mein Vater. Ich habe also überproportional viele Beerdigungen erlebt in ziemlich jungem Alter, allerdings war keine einzige davon so schrecklich wie die meines kleinen Neffen, nicht einmal die meines Vaters.

Mocca

Siljastern
15.01.2007, 11:56
Ich fand eine Anregung hier im Thread besonders gut: jemanden mitnehmen der sich um die Kinder kümmern kann. Bei der Trauerfeier meiner Grossmutter hat meine beste Freundin meine Kinder nach der Zeremonie mitgenommen, so dass die engste Familie sich noch einmal (recht tränenreich) verabschieden konnte.

Ich habe meinen Kindern erklärt, dass alle dort sehr traurig sind, genauso traurig wie sie. Das viele vielleicht auch weinen werden, das dies aber vollkommen normal ist. Trauer und Abschiednehmen gehört zum Leben dazu...