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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ungeliebten festen Job hinschmeißen wegen...?



Annabelle7
02.01.2007, 11:52
Hallo zusammen,

ich habe einen Halbtagsjob im Büro, den ich hasse und der mich generell ziemlich runterzieht. Da ich nebenher freiberuflich unterrichte (bin Sprachtrainerin), ließ sich das Ganze noch halbwegs kompensieren, doch jetzt hat sich durch Umstrukturierungen mein Bürojob in Richtung unerträglich entwickelt :knatsch:

Das Interessante und eigentlich Erfreuliche ist, daß sich parallel dazu neue Möglichkeiten aufgetan haben, die Sprachtrainerei zu intensivieren und generell auszubauen. Das allerdings würde über kurz oder lang die Aufgabe des Bürojobs bedeuten. Unnötig zu sagen, daß ich ihm keine Träne nachweinen würde - den diversen Sozialleistungen, Krankenversicherung, Urlaubsgeld usw. hingegen schon. Darum meine Frage: hat jemand von Euch diesen Schritt schon gewagt und kann von Erfahrungen berichten, ob es gut gegangen ist und worauf man achten muß... denn eins ist mir klar, zurück kann ich nicht; wenn ich meinen Bürojob jetzt aufgebe, dann war's das für mich mit der festen Beschäftigung.

Also, ich würd mich über Rückmeldungen freuen, gern auch per pn... :blumengabe:

Inaktiver User
02.01.2007, 12:01
Die Frage kannst nur du selbst beantworten.

Selbständig zu sein oder können hat am wenigsten damit zu tun, ob man Aufträge BEKOMMT.

Niemand der Selbständigen bekommt ohne eine Vorleistung Aufträge, auch bei deinem Nebenjob hast du Vorleistungen erbracht, sei es nur ein „Bekannter“ mit Vitamin B der dir geholfen hat.

Du solltest es auch WOLLEN und es bedeutet Druck, täglich und immer wieder neu zu akquirieren. Du musst dich auch selbst motivieren können, vor allen wenn es nicht läuft, da musst du nach vorn und Gas geben mit positiver Ausstrahlung bei schlechtem Geschäftsgang, möchtest du das?

Ein fester Job, sei er noch so klein, bringt eine gewisse Sicherheit und demzufolge Gelassenheit mit sich. Man geht an viele Dinge relaxter heran, hast du diese „Gelassenheit“ dann immer noch?
V.G.

Inaktiver User
02.01.2007, 13:36
Wenn einen der feste Job so unglücklich macht und diese Aussichten hat was die Freiberuflichkeit angeht, dann ist für mich die Frage eigentlich ziemlich eindeutig zu beantworten.

Natürlich ist eine Selbständigkeit nicht ohne, das bedeutet viel Arbeit, viel Akquise usw. aber das kann ja auch Spaß machen!!! :smile:

Für was leben wir denn, wenn wir den Job hassen und unglücklich sind???? Das kann's irgendwie nicht sein. In einer Frauenzeitschrift stehen gerade Beispiele von Frauen, die mutige Schritte im Job gegangen sind weil sie unzufrieden waren. Und manche verdienen sogar nur ein Bruchteil von dem, was sie vorher verdient haben und sind trotzdem tausendmal glücklicher! Also für mich keine Frage: Kündige und werd den Job los, den Du hasst.

PS: Ich bin den Schritt auch gegangen und es war die beste Entscheidung meines Lebens. (Und das obwohl ich auch manchmal kraftlos bin und es total anstrengend finde... aber es überwiegen die glücklichen Momente und das Gefühl diesen Job los zu sein, den ich nicht gerne gemacht habe. Das war wie bei Dir auch eine halbe Stelle.)

Anastasia1960
02.01.2007, 13:48
Ich würde mir ausrechnen welche Zahlungen mir im Fall einer Selbstständigkeit auf mich zukommen. Schon alleine die Krankenversicherung ist teuer.
Wieviel verdienst du jetzt als Sprachtrainering und wie sind die Aussichten was den zukünfigen Verdienst angeht? Berechnest du pro Stunde?
Generell finde ich Selbständigkeit super, aber im Sprachbereich wird doch auch nicht super bezahlt oder? Bleibt dir da noch etwas nach Abzug aller Unkosten?

MeggiPH
02.01.2007, 16:49
Hallo,

ich selbst hatte bis letztes Jahr im Februar auch so einen Bürojob, allerdings 30 Std. / Woche. Mein Chef war zufrieden, meine Kollegen waren ebenfalls mit mir zufrieden nur ich fuhr jeden morgen unglücklich zur Arbeit. Man hat mir sogar eine Aufstiegschance in Aussicht gestellt. All das nützte gar nichts, ich jammerte meinem Mann die Ohren voll, wie unzufrieden ich wäre. Um mein berufliches Leben halbwegs zu ertragen, habe ich eine Fortbildung gemacht. Gefahrguttransporte haben mich immer interessiert. Nach 3 Monaten habe ich die Prüfung als Gefahrgutbeauftragte bestanden und fing an, freiberuflich in diesem Bereich zu arbeiten. Leider war das zeitlich immer richtig eng.

Eines Tages fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit hinter einem LKW mit Gefahrgut hinterher, ich machte das Radio an und Frank Sinatra sang: My Way. Ich höre sonst nie Radio !!!
Also fuhr ich zur Arbeit, verabschiedete mich von meinen Kollegen und kündigte meinen ungeliebten Job.

Natürlich bekam ich 3 Monate kein Geld, meinem Mann standen ein paar Tage die Haare zu Berge vor Schreck.

Heute, 10 Monate später, freue ich mich auf jeden Arbeitstag in meinem Büro zu Hause. Ich wollte immer zu Hause arbeiten!!!!!!!!!!

Meinem Mann stehen jetzt auch hin und wieder die Haare zu Berge, wenn es Monate gibt wo mein "Gehalt" höher ist als seins.
Meine Aufträge bekomme ich durch Empfehlungen meiner bisheriger Auftraggeber, dass bedeutet für mich natürlich auch, dass ich meine Aufträge zu deren Zufriedenheit durchführe. Das setze ich mit Lob gleich. Das motivert mich natürlich enorm.

Ich habe den Schritt nie bereut, auch wenn der Anfang nicht einfach war. Das geht warscheinlich aber jedem so, der sich eine neue Existenz aufbaut.

Höre auf Deinen Bauch, mache das was Du am besten kannst und vor allen Dingen, was Dir am meisten Freude macht, dann stellt sich der Erfolg auch ein.

Viele Grüße
Meggi

Felina
03.01.2007, 09:15
Hallo Meggi,

habe Dir eine PN geschickt.
Wäre super, wenn Du mir antworten würdest.

Viele Grüße

Felina

Naturkosmetik
03.01.2007, 15:44
Den festen Job hinschmeissen für eine ungewisse Zukunft? Ich weiss nicht, ob ich den Mut aufbringen würde. Hast Du Dir einmal die Frage gestellt, ob Du auch eine gewisse Zeit ohne Gehalt auskommen würdest?
Bist Du verheiratet?
Verdient Dein Mann gut?
Verdienst Du mit Deinem Bürojob gut?
Habt Ihr Schulden?
Ich weiss das alles nicht über Dich und kann von daher schlecht Rat geben. Wenn ich mit dem, was ich habe, über die Runden kommen würde, dann würde ich den gehassten Bürojob schon hinschmeissen. Wenn das finanzielle Auskommen aber mehr als Zweifelhaft ist, würde ich es lieber nicht tun.

Calimero
03.01.2007, 17:46
Eine nebenberufliche Tätigkeit mit der man sich später selbständig machen will, ist eine ideale Voraussetzung.
So gibt es schon Kontakte im Vorfeld und man muß nicht bei Null anfangen. Außerdem sind Deine Vorkosten nicht hoch, keine Maschinen, teures Personal usw.
Außerdem bist Du durch Deine jetzige Dopplebelastung viel Arbeit gewöhnt auch das passt.

Ich bin selbst seit langen Jahren selbstgändig und es ist ganz schön hart. Und das gilt wohl für jede Existenzgründung.
Dein Risiko ist überschaubar.
Wenn Du meinst es geht versuch es. Ich drück Dir die Daumen.


CALIMERO

akademikerin
06.01.2007, 11:08
Über ähnliches denke ich auch nach ... und möchte euch mal fragen: ich habe zig verschiedene Stellen kontaktiert und NIEMAND kann mir verbindlich sagen, ob bzw wie ich aus der REntenversicherung rauskommen kann. WIE???? Ich werde mich selbständig machen mit Verwaltungs- und Beratungsthemen und u.a. auch Weiterbildungsprojekten. AUssage BFA: dann sind Sie weiterhin in vollem Umfang RV-pflichtig und zwar mit den vollen 19,9% (HALLO????) vom Gesamtumsatz. NIcht einmal bezogen auf die Weiterbildungsumsätze, nein! Auf den Gesamtumsatz - gleich mal mit der AUssage dahinter: wir fordern auch rückwirkend nach. Heisst: ich hätte ständig die Gfahr im Rücken, dass ein RV-Bescheid kommt.

Wie kommt man da raus? Ich habe das Gesetz rauf und runter gelesen ... das ist schwammig bis dorthinaus und es gibt offenbar keine klare Regelungen.

Wer weiss was?

:)

Inaktiver User
06.01.2007, 11:18
Du zahlst nicht vom Umsatz sondern vom Ertrag bzw. Gewinn desr zu versteuerndes Einkommen, da hat jeder Unternehmer.

Du bist Einzelunternehmer und hast am Jahresende, je nach Größe deiner Unternehmung, eine GuV-Rechnung oder eine Bilanz.

Du hast reichlich Gestaltunkspielraum für dein Einkommen vor Steuern und damit direkten Einfluss auf die Zahlung an die RV.

Ich kenne es so, dass du ab einem nachzuweisenden Mindesteinkommen dich befreien lassen kannst. Dieses Mindesteinkommen wird regelmäßig angehoben.
Du hast aber die Pflicht eine alternative Altersvorsorge zu betreiben, an dese sind strenge Anforderungen gebunden.
V.G. von einem der schon vor 15 Jahren befreit wurde.

Inaktiver User
06.01.2007, 11:25
Klopf mal Deine Gedankengänge ab: Bist Du ein Unternehmertyp? Kannst Du Dich selbst motivieren, bist Du im besten Fall finanziell abgesichert (von früher her!), hättest Du beim Scheitern Möglichkeiten, wieder ins Berufsleben zurückzukehren?

Ich war immer ein Unternehmertyp und habe auch so ca. 8 Jahre unselbständig gearbeitet. Im Rückblick (und auch oft währenddessen) waren diese 8 Jahre klasse. Aber ein "Unternehmertyp" eckt als Mitarbeiter an. Insofern mal überlegen ... wo gehörst Du hin?

Inaktiver User
06.01.2007, 11:38
@1of8
Die gleichen Gedanken gingen mir auch durch den Kopf. Es ist nur schwer u vermitteln, dass nicht jeder Mensch zum Unternehmer geeignet ist und die wenigsten wollen es wahr haben. Sicher, es steht jedem frei es auszuprobieren.

Nur sollte man bei diesen Experiment beachten, dass es eine Einbahnstraße ist und bei Nichtgefallen es in der Regel kein zurück gibt.

Es dauert heute in der Regel 4-5 Jahre bis ein Betrieb in der „läuft“ aber an zurück denken ist trotzdem nicht zu denken.

Auch sollte man sich bewusst machen, dass man im Falle des Scheiterns alles verlieren kann. Auch wenn es niemand zugibt, viele Partnerschaften scheitern an den finanziellen Unwägbarkeiten (wohlwollend ausgedrückt) und an der nervlichen Belastung.

Und was die Ratschläge betrifft, die wenigsten sagen die Wahrheit, es gehört auch zur Überlebensstrategie eines Unternehmers immer positiv „drauf“ zu sein.

Sucht euch einen langjährigen erfolgreichen Selbständigen, versucht das Vertrauen zu bekommen und lasst euch mal seine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen erzählen.
V.G.

Calimero
06.01.2007, 13:46
@ akademikerin

So schwer ist es garnicht:
Wenn Dir dein "Laden" zu mindestens 50% gehört und Du mehr als nur einen Kunden hast und selbständig alle wichtigen Entscheidungen fällen kannst, besteht keine versicherungspflicht, weder bei der Renten-, Arbeitlosen- noch bei Krankenversicherung.
Du kannst nach dem Start einen Antrag auf Prüfung der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse, oder Rentenversicherung stellen. Ich glaube die Krankenversicherungen machen das neuedings sowieso, wenn Du dich als freiwillig Versicherter anmelden willst.
Dann bekommst Du eine rechtverbindliche Bestätigung der Versicherungsfreiheit. Die kannst Die kannst Du dann überall vorlegen.

Dies gilt nur wenn Du nicht einer Berufsgruppe angehörst die IMMER rentenversicherungspflichtig ist.

Eins ist wichtig, wenn Du rechtsverbindliche Auskünfte, egal vom haben willst, mach ALLES schriftlich!!
Es kann sich hinterher keiner mehr an irgendwas erinnern.
Ich habe da schon negative Erfahrungen gemacht.
Link zur IHK Frankfurt
http://www.frankfurt-main.ihk.de/recht/themen/arbeitsrecht/scheinselbstaendigkeit/

CALIMERO

Sugarnova
06.01.2007, 18:07
Vom Magazin brandeins gibt es in diesem Monat ein Special zum Thema Selbstständigkeit.

Ansonsten: Frage Dich, wie wichtig Luxus für Dich ist. Und: Mach eine realistische Preiskalkulation: Machst Du jetzt "nettere" Preise, weil Dein Brot ja aus einem anderen Job stammt?

Patatipatata
07.01.2007, 12:31
@akademikerin
Calimero hat schon recht. Mit Beginn deiner Selbständigkeit entfällt die Rentenversicherungspflicht. Ein Haken könnte sein, dass du in den ersten Jahren "scheinselbständig" wirst. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn du 5/6tel deines Umsatzes mit nur einem Auftraggeber machst. Doch selbst dann kann man sich befreien lassen. Das Formular findest du hier (http://www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/nn_18858/DRVB/de/Inhalt/Formulare__Publikationen/Formulare/Versicherung/__DRVB__Paket__Versicherung__Befreiung__von__der__ Versicherungspflicht.html).

Es ist das Formular V050. Das gibst du am besten in den ersten drei Monaten deiner Selbständigkeit ab, dann hast du Ruhe. Was die BfA-Angestellte am Telefon erzählt ist absoluter Quatsch!

Lanya hat in einem Nachbarstrang einen sehr hilfreichen Link gepostet. Ich halte eigentlich nichts von Gewerkschaften, aber das ist endlich mal eine Seite, die auch über die Gründung hinaus denkt:

http://mediafon.org

@all
ich habe auch meinen Job aufgegeben, weil ich ihn gehasst habe. Dabei waren Aufgabengebiet und Kollegen top. Gehasst habe ich die Fremdbestimmtheit (obwohl in einer Führungsposition), die geregelten Arbeitszeiten, das Großraumbüro und die geringen Entwicklungsmöglichkeiten. Für so jemand wie mich bleibt ja nur die Selbständigkeit. Und ich kann sagen, es hat sich gelohnt.

Rückblickend war wichtig, dass ich zuerst ein Netzwerk aufgebaut habe aus dem heute noch Aufträge erfolgen. Die staatliche Förderung hat mir auch sehr geholfen. Und - je nach Sicherheitsstreben - würde ich auch empfehlen sich ein Finanzpolster (oder verdienenden Partner) zuzulegen.

Viele Grüße
Pati

Vespa
09.01.2007, 14:02
Hallo zusammen,

da das Thema hier mehrfach angesprochen wurde: Dozenten / Trainer sind rentenversicherungspflichtig.

Es kann aber sein, dass es Grenzen gibt, wenn man es nebenberuflich macht.

Gruß

Vespa