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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hundeerziehung - Feinjustierung



Asfaloth
12.04.2016, 11:21
Hallo,

ich möchte mich nicht extra in einem Hundeforum anmelden und hoffe daher, hier finden sich ein paar Hundehalter, mit denen ich mich austauschen kann. Und zwar haben wir drei Hunde (fast 7, 6 und 3 Jahre alt).
Die Hunde sind soweit gut erzogen, aber ein paar Baustellen haben wir, vor denen ich nach einigen Jahren Training mittlerweile ratlos stehe. Ich versuche mich kurz zu fassen.

Problem 1:
Der Gassistart. Sobald ich die Leinen in die Hand nehme springt Hund Nr. 1 um mich rum wie ein Känguruh. Hund Nr. 2 fängt an zu fiepsen in einer Lautstärke dass Kommunikation fast unmöglich ist.
Unser Gassistart läuft immer gleich ab. Ich schicke die Hunde in den Hof (zwischen Haustür und Hof ist eine Treppe), mach mich selbst fertig. Dann geh ich auch vor die Haustür und schick die Hunde die Treppe wieder runter (eigentlich sollen sie direkt unten im Hof warten, aber sobald ich mich drin anzieh belagern sie die Haustür)... Die Hunde müssen sich unten hinlegen, damit ich in Ruhe meine Stiefel anziehen kann. Dann geh ich die Treppe runter, leine an und wir gehen los sobald sie einigermaßen ruhig sind. Hund Nr. 1 schafft es dabei nicht sitzen zu bleiben. Er setzt sich auf Kommando sofort, steht aber fünf Sekunden später wieder und das kann ich zig Mal wiederholen. Er steht immer wieder auf. Beim Anleinen zappelt er, wodurch es erschwert wird.

Hund Nr. 2 bleibt brav sitzen, schreit mir aber die Ohren voll vor lauter Erregung. Ablegen, warten, schimpfen hat alles keinen Erfolg gebracht. Ich habe es sogar mit Desensibilisierung versucht und ihn 10mal am Tag angeleint, aber er fiepst und schreit jedesmal. Sobald wir aus dem Hof sind ist der Spuk vorbei.

Problem 2: Leine laufen
Hund Nr. 1 und Nr. 2 halten die Leine die ersten 10 Minuten eines Spaziergangs immer gespannt. Nicht auf Zug. Danach dürfen sie freilaufen, beim Heimgehen gehen sie vernünftig an der Leine. Sie ziehen nicht, es ist wirklich gerade so stark, dass die Leine gespannt ist. Wenn ich ihre Namen sage oder leicht rucke springen sie sofort erschrocken neben mich. Nur um 5 Sekunden später wieder vorn zu laufen. Be a tree und Kehrtwendungen sind völlig ungeeignete Methoden für uns. Macht die Hunde nur noch mehr konfus als sie eh schon sind.

Problem 3: Leinenaggression von Hund Nr. 3
Der Hund wird hauptsächlich von meinem Mann erzogen und hört soweit auch gut. Aber ich finde er hat falsch gearbeitet was ihren Umgang mit anderen Hunden angeht. Sie ist sehr aggressiv und flippt besonders bei ihm ziemlich aus an der Leine. Wenn sie mit mir allein unterwegs ist ist es besser. Trotzdem möchte ich daran verstärkt arbeiten. Ich finde es muss möglich sein selbst Erzfeinde angeleint und kommentarlos zu passieren. Bisher hat mein Mann mit Strafe gearbeitet, was das Verhalten meiner Meinung nach verstärkt hat. Ich arbeite mit schönfüttern, was auch gut funktioniert, bei Erzfeinden, aber ein Balanceakt ist.

Hat jemand ein paar Tipps für mich, die über Rüttermethoden hinausgehen?

Es handelt sich um sehr triebstarke Hunde, Hund Nr. 3 stammt aus reiner Leistungszucht und verfügt über ein gutes Aggressionspotential, Hund Nr. 2 hat Nerven wie Seidenpapier hört aber sehr gut und Hund Nr. 1 ist ein kleiner Sturkopf, ansonsten aber unproblematisch.

Willemke
12.04.2016, 12:42
Zu dem Problem vor dem losgehen hilft es, das Ritual zig mal am Tag zu wiederholen, rausschicken, anziehen, hinsetzen usw., und dann aber einfach nicht raus gehen, sondern alles zurück :D das Problem ist hier die Erwartungshaltung, die gilt es zu durchbrechen. Ist lästig, dauert, aber funktioniert.
Ähnlich auch bei dem ziehen an der Leine. In dem Fall würde ich jedes Mal, wenn die Leine auf Zug kommt, die Richtung wechseln. Dann lernen die Hunde schon, dass sie auf dich achten müssen und ziehen sich überhaupt nicht lohnt.

Asfaloth
12.04.2016, 13:05
Zu dem Problem vor dem losgehen hilft es, das Ritual zig mal am Tag zu wiederholen, rausschicken, anziehen, hinsetzen usw., und dann aber einfach nicht raus gehen, sondern alles zurück :D das Problem ist hier die Erwartungshaltung, die gilt es zu durchbrechen. Ist lästig, dauert, aber funktioniert.
Ähnlich auch bei dem ziehen an der Leine. In dem Fall würde ich jedes Mal, wenn die Leine auf Zug kommt, die Richtung wechseln. Dann lernen die Hunde schon, dass sie auf dich achten müssen und ziehen sich überhaupt nicht lohnt.
Deinen Tipp zum Losgehen werde ich so nochmal ausprobieren. Ich hatte eigentlich auch die Hoffnung dass es irgendwann greift, aber die Hunde holen sich gegenseitig dermaßen hoch (mit jedem einzeln habe ich das Problem gar nicht).

Beim Richtungswechsel ist das Problem, dass die beiden Hunde, die gerade gut an der Leine gehen mit umdrehen müssen und dadurch meiner Meinung nach verwirrt werden. Ich glaube das ist kontraproduktiv. Außerdem hat Nr. 2 so dünne Nerven dass er bei Aktionen wie Richtungswechsel oder einfach stehen bleiben anfängt zu fiepsen und jodeln *seufz*.

Inaktiver User
12.04.2016, 13:12
Du kannst nicht mit drei Hunden gleichzeitig an deren Baustellen arbeiten, das wird nix, weil Du niemals die punktgenaue Konsequenz bringst, um eine sinnvolle Verknüpfung und damit ein Lernen gewünschten Verhaltens zu erreichen.
Also:
Einzeltraining mit NEUEN Kommandos, die bitte nie-nie-nie-niemals während eines solchen Chaos "verbrannt" werden, sondern erst angewandt werden, wenn ALLE Hunde sie kennen und sicher befolgen.
Wie man ein Kommando verknüpft bzw. gewünschtes Verhalten trainiert, weißt Du sicher - ansonsten: Trainer suchen :smirksmile:
Und ja: Kann länger dauern und richtig Arbeit machen... schnelle Lösung gibt's leider nicht, aber: Lohnt sich.

Asfaloth
12.04.2016, 13:16
Hey,

Einzeltraining ist leider nicht möglich, dazu fehlt mir die Zeit. Das würde den Hunden vom dringend benötigten Freilauf abgehen. Davon abgesehen, habe ich die Probleme mit den Hunden einzeln gar nicht. Keines davon. Weder das Losgehen, noch das Leinelaufen, noch an anderen Hunden vorbeigehen ist einzeln ein Thema. Das ist meiner Meinung nach ein Rudelding.

Inaktiver User
12.04.2016, 13:33
Einzeltraining ist leider nicht möglich, dazu fehlt mir die Zeit. Das würde den Hunden vom dringend benötigten Freilauf abgehen.
Ein wirkliches Training fordert einen Hund ziemlich und lastet ihn wesentlich nachhaltiger aus als langer Freilauf.... aber gut.


Davon abgesehen, habe ich die Probleme mit den Hunden einzeln gar nicht. Keines davon. Weder das Losgehen, noch das Leinelaufen, noch an anderen Hunden vorbeigehen ist einzeln ein Thema. Das ist meiner Meinung nach ein Rudelding.
Dann hast Du zu viele Hunde :smirksmile:
Wenn Kommandos nicht mehr befolgt werden, wenn andere Hunde ins Spiel kommen, dann sitzt das Kommando nicht.
Trainiere einzeln mit jedem Hund, wenn es die Probleme nur innerhalb einer Gruppe gibt, dann geh mit jedem einzeln in ein Gruppentraining und festige Deine Kommando da.

MaryB
17.04.2016, 07:48
Da ich selbst 4 Hunde habe, kommt mir einiges bekannt vor. Kauf dir das Buch Mehrhundehaltung von Clarissa v. Reinhardt, da findest du gute Tipps.

Bei Leinenaggression ist Strafe kontraproduktiv. Hier muss dem Hund Sicherheit vermittelt werden in Form von "ich regle das" und das geht nur über Ruhe und lockere Leine.

Um unnötigen Stress für mich als Hundehalter zu vermeiden, gehe ich wo andere nicht gehen. Oft weiche ich fremden Hunden aus, in dem ich ein paar Schritte ins Feld oder Wald gehe. Sämtliche Handlungen finden ruhig statt.

Es bleibt nicht aus, mit den Hunden einzeln zu trainieren. Keine Zeit ist kein Argument, dann sollte man sich nicht mehr als einen Hund anschaffen. Ihr seid doch zu zweit, da lässt sich doch ein Zeitplan aufstellen.

Letztendlich liegt es auch an der Rassewahl. Ich weis nicht welche Hunde du hast. 3 unserer Hunde sind Windhunde, dazu eine passende Hündin aus dem TS. Mehrhundehaltung erfordert gute Auswahl der passenden Hunde, damit alle was davon haben, Hund und Mensch.

Es gibt auch Hundetrainer die sich auf Mehrhundehaltung spezialisiert haben. Einige Trainingsstunden zu Hause bringen mehr als mit der gesamten Meute in die Hundeschule zu fahren.

Asfaloth
20.04.2016, 09:40
Hallo Mary,

danke für deine Antwort. Das Buch sehe ich mir gleich mal an. Bei den Hunden handelt es sich um einen kniehohen Jagdhundmix (das ist der Älteste, mit dem ich auch keine weiteren Probleme habe) und zwei Malinois. Der Ältere der Beiden hat dünne Nerven, hört aber beinahe perfekt (hat auch Begleithundprüfung abgelegt), der jüngere hört auch ganz passabel, ist aber sehr cholerisch. Ich weiß gar nicht, ob "Leinenaggression" dem Umstand so gut beschreibt. Ich kann mit dem Hund problemlos durch die Innenstadt laufen ohne dass er auf fremde Hunde reagiert. Aber wenn uns im eigenen Revier ein Hund begegnet mit dem er einen Konflikt hatte (und derer sind es viele, weil die Hunde nicht gut hören und ein Großteil schon mal unkontrolliert auf uns zugerannt ist) rastet er völlig aus. Du schreibst von Ruhe und Sicherheit. Klingt gut, wird er aber nicht registrieren. Ich bin ja schon froh, wenn er nicht in Rage rechts und links beißt ;-)

Ausweichen - ja das mach ich auch. Aber immer ist es nicht möglich.

Hundetrainer haben wir zur Verfügung, wir sind in einem Verein. Allerdings hat keiner dieser Trainer Erfahrung damit mehr als einen hochtriebigen Hund gleichzeitig zu führen. Davon abgesehen haben diese Trainer mit ihren eigenen Hunden größere Probleme als ich mit meinen Dreien. Und das obwohl es sich teilweise sogar um gewerbliche Trainer handelt. Ich bezweifle, dass es für meine spezielle Problematik leicht ist einen wirklich kompetenten Trainer zu finden.

Einzeln trainieren geht im Moment wirklich nur gelegentlich, nicht täglich. Es war zum Zeitpunkt der Hundeanschaffungen nicht absehbar, wie sich meine berufliche Laufbahn bis jetzt entwickelt hat.

Wie würdest du denn in diesen zwei Situationen reagieren?
A. Du machst deine Hunde gassifertig. Alle sitzen brav, aber einer der Hunde fiepst und jodelt vor Aufregung.
Ich habs mit abwarten versucht. Wollte losgehen, sobald er ruhig ist. Es wird aber mit jeder Minute nur schlimmer. Ich sahs da schon eine Dreiviertelstunde... Im Übrigen macht er das auch am Hundeplatz. Von Anfang bis Ende. Völlig egal wie lang es dauert, er hält nicht eine Sekunde die Klappe ;-)

B. Du gehst mit deinen vier Hunden spazieren. Erzfeind xy kommt um die Ecke und einer der Hunde hängt geifernd mit gefletschten Zähnen, um sich beissend und nicht ansprechbar in der Leine? Ich denke, dieses Problem ist sehr schwer zu verstehen für Normalhundehalter, da nur wenige Hunde überhaupt über ein derartiges Aggressionspotential verfügen. Die meisten Hunde prollen halt ein bisschen. Unser Hund will für klare Verhältnisse sorgen und Hunde, die ihm quer kamen eliminieren. Bei fremden Hunden macht er das auch nicht. Nur bei Hunden, mit denen er schon mal ein Problem hatte oder die sich erdreisten ihn anzubellen.

Inaktiver User
20.04.2016, 12:36
A. Du machst deine Hunde gassifertig. Alle sitzen brav, aber einer der Hunde fiepst und jodelt vor Aufregung.
Ich habs mit abwarten versucht. Wollte losgehen, sobald er ruhig ist. Es wird aber mit jeder Minute nur schlimmer. Ich sahs da schon eine Dreiviertelstunde... Im Übrigen macht er das auch am Hundeplatz. Von Anfang bis Ende. Völlig egal wie lang es dauert, er hält nicht eine Sekunde die Klappe ;-)

Ich denke, dass Du keine andere Chance hast, als mit dem Hund alleine zu trainieren. Weder für dich noch für den Hund gibt es in der von dir beschriebenen Situation genug Ruhe, um zu arbeiten. Bei Stress ist das Hundehirn zudem nicht aufnahmefähig und es bleibt absolut nichts hängen.

Ich würde an deiner Stelle mehrere Dinge tun. 1. mit konditionierter Entspannung arbeiten, 2. die Situation mit dem Hund einzeln trainieren, 3. mit dem einzelnen Hund in sämtlichen Situationen Ruhe trainieren (Futter, Spiel, Aufmerksamkeit erst auf Freigabe, wenn der Hund ruhig ist), 4. die Situation an sich verändern (Ort des Anleinens verlegen, Hunde alle auf ihre Plätze schicken, einzeln ran rufen, Halsband/ Geschirr anlegen, wieder auf den Platz schicken, Pause einlegen, ruhig zur Tür gehen, wieder Pause einlegen und erst raus, wenn alle Hunde ruhig sind) und 5. überprüfen, ob die Hunde geistig und körperlich ausreichend ausgelastet sind.


B. Du gehst mit deinen vier Hunden spazieren. Erzfeind xy kommt um die Ecke und einer der Hunde hängt geifernd mit gefletschten Zähnen, um sich beissend und nicht ansprechbar in der Leine? Ich denke, dieses Problem ist sehr schwer zu verstehen für Normalhundehalter, da nur wenige Hunde überhaupt über ein derartiges Aggressionspotential verfügen. Die meisten Hunde prollen halt ein bisschen. Unser Hund will für klare Verhältnisse sorgen und Hunde, die ihm quer kamen eliminieren. Bei fremden Hunden macht er das auch nicht. Nur bei Hunden, mit denen er schon mal ein Problem hatte oder die sich erdreisten ihn anzubellen.

Auch da wirst du einzeln trainieren und dem Hund erst einmal alleine klarmachen müssen, dass er gar nichts regelt, sondern ganz allein du. Wesentlich ist auch, dass du selbst in der Situation abschalten kannst. Wenn du mit einem „gleich kracht es wieder“ auf den Erzfeind zusteuerst, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch krachen.

Ich finde es übrigens sehr kritisch, mit einem Hund dieser Größe, einem solchen Aggressionspotential und Erziehungsproblem und zusätzlich noch drei anderen Hunden zu laufen. Das ist, gestatte mir die klaren Worte, keine Feinjustierung mehr, sondern ziemlicher Mist und zudem gefährlich.
An deiner Stelle würde ich den Hund zunächst mit einem Maulkorb sichern (der ebenfalls aufgebaut werden muss), dann einzeln mit ihm sowohl das lockere Vorbeilaufen neben dir, als auch Alternativverhalten (hinsetzen, Augenkontakt halten)bei Hundebegegnungen trainieren und erst dann mit allen Hunden weitertrainieren, wenn es einzeln 100%ig sitzt.

Was Trainer und Zeit anbelangt:
Wenn du in deinem Verein keinen geeigneten Trainer hast, dann such dir einen externen. Und wenn du die Zeit für das Einzeltraining nicht täglich hast, dann wirst du sie dir nehmen müssen und an anderer Stelle abstriche machen müssen.

Damit, dass Mehrhundehaltung ein vielfaches an Zeitaufwand bedeutet, weil jeder Hund einzeln und alle gemeinsam erzogen und ausgelastet werden müssen, wird jeder konfrontiert, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Noch dazu hast du dir eine sehr anspruchsvolle und ziemlich flatterige Arbeitsrasse ausgesucht. Die Probleme, die du beschreibst, sind durch "schleifen lassen" bei der Grunderziehung entstanden. Wenn du die Baustellen jetzt nicht zügig in Angriff nimmst, steht dir richtiger Ärger ins Haus.

Asfaloth
20.04.2016, 13:02
Danke auch dir für deine Antwort. Konditionierte Entspannung wäre eine Möglichkeit, aber der Hund ist schon arg fiepsig und mittlerweile knapp sechs Jahre alt. Ich befürchte, dass das Verhalten dermaßen einzementiert ist, dass ein Training monatelang dauern würde. Wenn ich mit ihm allein gehe fiepst er übrigens nicht wie ich oben geschrieben habe und ist allgemein viel konzentrierter. Ausnahme ist der Hundeplatz, wo er zwar gute Arbeit abliefert, aber eben immer verbal untermauert *räusper*.
Die Auslastung ist im Moment zu wenig. Aber das hat mit dem Fiepsen meiner Meinung nach nicht viel zu tun. Das hat er in den Phasen, in denen ich viel mehr mit ihm gemacht hat genauso gehalten. Das ist ja auch kein großes Problem, es ist einfach nur nervig, dass er immer die Gosch auf hat sobald was passiert...


Auch da wirst du einzeln trainieren und dem Hund erst einmal alleine klarmachen müssen, dass er gar nichts regelt, sondern ganz allein du. Wesentlich ist auch, dass du selbst in der Situation abschalten kannst. Wenn du mit einem „gleich kracht es wieder“ auf den Erzfeind zusteuerst, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch krachen.
Beim ersten Satz bin ich voll und ganz bei dir. Aber wie? Meine älteren Rüden hatten im Jugendalter auch eine "leinenaggressive" Phase, wo ihnen das Testosteron zu Kopf stieg. Da hat schönfuttern und ein kleiner Rüffel im richtigen Moment schnell zum Ergebnis geführt. Beim dritten Hund bin ich grad ratlos.

Angespannt bin ich bei Hundebegegnungen eigentlich selten, bzw. nur, wenn ich sehe das Gegenüber hat seinen Hund nicht unter Kontrolle. Dann weiche ich wenn möglich aus. Wenn der andere Hund zuverlässig bei seinem Halter bleibt oder angeleint ist bin ich entspannt.

Einen Maulkorb möchte ich nicht anschaffen. Wozu soll das gut sein? Der Hund lässt sich punktgenau abrufen. Ein Pfiff und er ist bei mir. Dann kann ich anleinen. Wenn er in Rage mich erwischen sollte ist das doch mein Risiko, Außenstehende sind nicht gefährdet.

Eigentlich war mein Anspruch dass sich Hund 3 genauso verhält wie Hund 2. Wenn ich mit Hund 2 an pöbelnden Hunden vorbei geht blendet er diese völlig aus. Geht ihm am Arsch vorbei obwohl er sonst so ein nervöses Wrack ist. Ich kann ihn vor einem Zaun mit kläffenden Hunden ablegen, er zeigt keinerlei Reaktion. Auch ohne Leine.

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass das für Hund 3 illusorisch ist. Muss er das können? Er ist dominant (er ordnet sich meinem Mann und mir mittlerweile problemlos unter, gehorcht sehr gut). Das ist er zu recht, er hat ne Menge drauf, besteht nur aus Muskeln und Zähnen und geht davon aus, dass sich die Hundeumwelt unterzuordnen hat. Aus seiner Sicht zu recht, er ist nun mal der stärkste Hund in seinem Revier. Aus Menschensicht muss ich natürlich Sorge tragen, dass er eben nicht die Weltherrschaft der Hundewelt an sich reißt - schon klar. Aber ich muss auch keinen Duckmäuser aus einem Alphatier machen. Sprich, ich glaube, ich kann damit leben wenn er Aggression zeigt wenn ihm Aggression entgegen gebracht wird (wobei auch das nervig ist, aber ich finde nicht dass er es schlucken muss wenn ich so ein Tutnix über den Zaun hinweg angeifert). Aber bei Hunden, mit denen es mal vor Monaten einen Konflikt gab (wir hatten auch wirklich Pech, dass in einer sensiblen Entwicklungsphase jeder Idiot seinen Tutnix zu uns laufen lassen hat), die ihn jetzt aber in Ruhe lassen, soll er bitte auch kommentarlos vorbei gehen. Ohne dass ich ausweichen muss (geh ich drei Meter zur Seite und lass ihn gucken ohne dass ihm der andere Hund in den Rücken fallen kann gibt er auch Ruhe).

Inaktiver User
20.04.2016, 15:00
Konditionierte Entspannung wäre eine Möglichkeit, aber der Hund ist schon arg fiepsig und mittlerweile knapp sechs Jahre alt. Ich befürchte, dass das Verhalten dermaßen einzementiert ist, dass ein Training monatelang dauern würde.

Ja.
Aber das ist doch kein Grund, gar nicht erst anzufangen....?



Einen Maulkorb möchte ich nicht anschaffen. Wozu soll das gut sein? Der Hund lässt sich punktgenau abrufen. Ein Pfiff und er ist bei mir. Dann kann ich anleinen. Wenn er in Rage mich erwischen sollte ist das doch mein Risiko, Außenstehende sind nicht gefährdet.
(...).
Ich finde, dass Du Dir das recht schön redest. Wie passt denn "jederzeit punktgenau abrufbar" damit zusammen:


Erzfeind xy kommt um die Ecke und einer der Hunde hängt geifernd mit gefletschten Zähnen, um sich beissend und nicht ansprechbar in der Leine? Ich denke, dieses Problem ist sehr schwer zu verstehen für Normalhundehalter, da nur wenige Hunde überhaupt über ein derartiges Aggressionspotential verfügen.
Nicht ansprechbar, aber jederzeit abrufbar? Wie muss ich mir das vorstellen?


Er ist dominant (er ordnet sich meinem Mann und mir mittlerweile problemlos unter, gehorcht sehr gut). Das ist er zu recht, er hat ne Menge drauf, besteht nur aus Muskeln und Zähnen und geht davon aus, dass sich die Hundeumwelt unterzuordnen hat. Aus seiner Sicht zu recht, er ist nun mal der stärkste Hund in seinem Revier. Aus Menschensicht muss ich natürlich Sorge tragen, dass er eben nicht die Weltherrschaft der Hundewelt an sich reißt - schon klar. Aber ich muss auch keinen Duckmäuser aus einem Alphatier machen. Sprich, ich glaube, ich kann damit leben wenn er Aggression zeigt wenn ihm Aggression entgegen gebracht wird (wobei auch das nervig ist, aber ich finde nicht dass er es schlucken muss wenn ich so ein Tutnix über den Zaun hinweg angeifert). .

Den Zahn zieh ich Dir ja nicht gern, denn ich merke, dass Du das eigentlich toll findest, dass Du so einen "wahnsinnig triebigen und dominanten" Hund hast, aber . .... das was Du beschreibst, ist kein dominanter Hund. Das ist ein unsicherer Rüpel, der sich aggressiv durchsetzen muss.

Zu guter Letzt:


Problem 3: Leinenaggression von Hund Nr. 3
Der Hund wird hauptsächlich von meinem Mann erzogen und hört soweit auch gut. Aber ich finde er hat falsch gearbeitet was ihren Umgang mit anderen Hunden angeht. Sie ist sehr aggressiv und flippt besonders bei ihm ziemlich aus an der Leine. Wenn sie mit mir allein unterwegs ist ist es besser. Trotzdem möchte ich daran verstärkt arbeiten. Ich finde es muss möglich sein selbst Erzfeinde angeleint und kommentarlos zu passieren. Bisher hat mein Mann mit Strafe gearbeitet, was das Verhalten meiner Meinung nach verstärkt hat. Ich arbeite mit schönfüttern, was auch gut funktioniert,.
Der eine Hüh, der anderer Hott - wie soll der Hund da lernen, Ursache und Wirkung zu verknüpfen?
Einigt Euch auf EINE Schiene, sonst wird es nix.

katelbach
20.04.2016, 20:13
Ich bin bekanntermaßen nicht unbedingt überzeugt von den Methoden, die heute noch in manchen Hunde(sport?)vereinen angewendet werden. Da geht es gelegentlich um Unterordnung auf Biegen und Brechen, lange Strecken bei Fuß mit verdrehter HWS, Hetzarm etc., weniger um Kommunikation und Teambuilding.

Ich habe aus der Schutzdienst-Ecke 2 Patienten, die kaum bis gar nicht untersuch- und behandelbar waren, weil sie in einem Fall handscheu waren durch die "Abrichtung" (der Halter nannte das auch so - ich dachte, ich bin in der Zeitmaschine 50 Jahre zurückgeschleudert).

Nummer 2 war nicht behandelbar, weil unsicher und deshalb präventiv stark auf Selbstverteidigung aus, und die Halterin (Security-Unternehmen) wollte auch nicht, dass der Hund vielleicht sanft an Berührung gewöhnt wird, weil er dann nicht mehr "zum Dienst zu gebrauchen" ist. Sie ging mit ihren Magen-Darm-Beschwerden so aus dem Sprechzimmer, da ich keine Geistheilerin bin und nicht ohne Untersuchung Medikamente abgab.

Bei mir geht da Kopfkino los. Ich möchte Dir nichts unterstellen, sondern bin wirklich neugierig: Darf ich fragen, was Ihr mit den Malinois im Verein macht?

Inaktiver User
21.04.2016, 09:38
Ich möchte Dir nichts unterstellen, sondern bin wirklich neugierig:

Ich auch :niedergeschmettert:


Darf ich fragen, was Ihr mit den Malinois im Verein macht?

Ja interessiert mich auch. Dieser Frage schließe ich mich an.

Inaktiver User
21.04.2016, 09:43
Bevor hier das bashing gegen die "bösen" Hundevereine losgeht:
Ein sauber im Schutzdienst gearbeiteter Hund kann sehr wohl zwischen der Arbeit auf dem Hundeplatz und dem Leben draußen unterscheiden und ein unkontrolliertes Aggressionspotential ist dort ebenso schlecht wie woanders.
Natürlich gab und gibt es immer noch Vereine, in denen Hunde sinnfrei "scharf" gemacht werden bzw. wo das unterstützt wird. Ist aber zum Glück lange nicht mehr die Regel.

Asfaloth
21.04.2016, 10:23
Ich habe jetzt ehrlich überlegt ob ich überhaupt noch antworten soll. Ich finde es schade, wie in Foren oft auf Ratsuchende eingegangen wird. Ich halte mein Leben lang Hunde, ich erziehe mein Leben lang Hunde, meine Hunde sind grundsätzlich besser erzogen als die breite Maße und dann kann man sich solchen Vorurteilen aussetzen, wenn man einmalig um Austausch bittet (hätte ja sein können, dass hier jemand auch einen Hund hat, der ein bisschen mehr Herausforderung mit sich bringt als der gewöhnliche Wald- und Wiesenlabbi).

Was wir am Platz machen? IPO. Wir sind ein kleiner Verein mit kompetenten Trainern, die sowohl mit alten, als auch neuen Methoden vertraut sind. Wir persönlich (mein Partner und ich) laufen mit unseren Hunden keine Prüfungen, weil wir nicht alle drei Prüfungsbereiche trainieren - nur Unterordnung und Schutzdienst und das rein zur Auslastung der Hunde, damit die zweimal die Woche die Möglichkeit haben ihre Veranlagung auszulegen. Wir arbeiten ohne Starkzwänge. Keine Schläge, kein Strom. Diese Vorurteile sind echt traurig!

Unsere Hunde sind weder handscheu noch unsicher, verängstigt oder übermäßig aggressiv gewöhnlichen Alltagssituationen gegenüber. Sie sind beide (ich rede jetzt nur von den jüngeren, der ältere hat andere Hobbys) gut sozialisiert worden als Welpen, was sich aber aufgrund der unterschiedlichen Veranlagungen unterschiedlich niedergeschlagen hat. Der jüngere Hund stammt aus einer etwas umstrittenen Zucht. Es ist kein Durchschnittshund, sondern körperlich und geistig ein Hund, dessen Beschreibung Superlativa erfordert. Trotzdem kommen wir im Alltag wunderbar klar. Der Hund hört wie ne eins, er flippt nur aus, wenn er angepöbelt wird (auf dem Hundeplatz kein Problem, da pöbeln sich die Hunde nicht gegenseitig an weil gut erzogen). Es geht hier um die typischen Familienhunde, die unangeleint auf uns zustürmen, meine Hunde anbellen oder sogar mal zwicken wenn ich meine bereits angeleint habe. Oder die geifernd am Zaun hängen. Das ist schwer auszuhalten für unseren jüngsten Hund und das aus meiner Sicht verständlich. Ich möchte uns eine Handlungsstrategie ausarbeiten, die ihm hilft auf Dauer cooler zu werden, bzw. Hunde nicht dauerhaft als Feind abzuspeichern, die oben beschriebenes Verhalten in der Vergangenheit gezeigt haben.

Achja, bevor jetzt die nächste Breitseite kommt: Die Hunde leben im Haus, mit Kindern. Sie dürfen nicht auf die Couch, aber vor die Couch und wir haben keinen Zwinger. Sie müssen auch nicht um ihr Futter betteln und bekommen jeden Tag Freilauf.

katelbach
21.04.2016, 11:13
Ich bin bekanntermaßen nicht unbedingt überzeugt von den Methoden, die heute noch in manchen Hunde(sport?)vereinen angewendet werden. Da geht es gelegentlich um Unterordnung auf Biegen und Brechen, lange Strecken bei Fuß mit verdrehter HWS, Hetzarm etc., weniger um Kommunikation und Teambuilding.

[...]

Bei mir geht da Kopfkino los. Ich möchte Dir nichts unterstellen, sondern bin wirklich neugierig: Darf ich fragen, was Ihr mit den Malinois im Verein macht?

Ich schrieb "... in manchen Vereinen ..." und ich habe in meinen Klinik- und Praxiszeiten (in der Klinik mehr, weil in den 80ern - und damals aus den Schäferhundvereinen) Patienten gehabt, mit denen und vor allem den Haltern das Arbeiten unschön war.

Ich weiß auch, dass die Situation sich deutlich gebessert hat und das Gros der Vereine inzwischen auch die einschlägige Literatur zum caninen Verhalten und zu Ergebnissen der Hirnforschung in Bezug auf das Lern- und Sozialverhalten kennt.

Wie gesagt: Ich unterstelle Dir nichts. Mich hat das "Vereinswesen" interessiert.

Zumal ich mit dem Begriff "triebig" zugegebenermaßen ein Problem habe, weil ich ihn für antiquiert halte und im Alltag immer wieder Leute sehe, die ihre Hunde euphemistisch als "triebig" bezeichnen, diese aber hyperaktiv, hochgepusht und ohne Impulskontrolle sind.

katelbach
21.04.2016, 11:19
Ein sauber im Schutzdienst gearbeiteter Hund kann sehr wohl zwischen der Arbeit auf dem Hundeplatz und dem Leben draußen unterscheiden und ein unkontrolliertes Aggressionspotential ist dort ebenso schlecht wie woanders.

Meine Beispiele und meine Erfahrungen beziehen sich auch eher auf die Halter, die nicht zwischen Arbeit und Freizeit des Hundes unterscheiden können.



Natürlich gab und gibt es immer noch Vereine, in denen Hunde sinnfrei "scharf" gemacht werden bzw. wo das unterstützt wird. Ist aber zum Glück lange nicht mehr die Regel.

Ja, zum Glück!
Doch leider gibt es sie überhaupt hie und da noch. Wobei das Thema nicht nur das "Scharfmachen" ist, sondern auch Aktionen, die für den Hund gesundheitsschädlich sind (Beispiel "Fuß" mit gedrehtem Hals und Blick nach oben zum Halter über lange Strecken), Parcourarbeit mit anatomisch ungeeigneten (meist Schäfer)Hunden mit abfallender Rückenlinie etc.

Asfaloth
21.04.2016, 11:22
Bei Arbeitsrassen kann man doch grundsätzlich davon ausgehen, dass ein gewisser Trieb vorhanden ist, insbesondere wenn sie aus Leistungslinien stammen. Sonst wärs ja witzlos. Und gerade Beglier sind häufig schon genetisch bedingt hyperaktiv, was häufig auch mit der geringen Impulskontrolle zusammenhängt.

Da muss man gar nichts mehr puschen. Beide unsere Hunde sind keine Hunde, die man motivieren muss.

Alpenmohn
21.04.2016, 11:37
Hi,
ich würde das mit dem Hund, der ggü anderen Hund so aggressiv reagiert auch alleine üben. Wie klappt es denn mit Ablenkung? Also zB mit seinem Lieblingsspielzeug, das er nur bekommt, wenn du es willst. Wenn ein Hund entgegenkommt und du ihn zB absitzen lässt hat er ja den anderen Hund unter Beobachtung und wird ggf erst Recht aggressiv, daher ablenken. Ggf. auch einfach umdrehen und ein Stück ins Feld laufen. Läuft er mit und dreht sich nicht um, mit Futter belohnen das du in der Hand bereit hält und natürlich toll riecht (also nicht langweiliges Trockenfutter o.ä.). Bei uns war Ablenkung immer das Zaubermittel ;)).

Das Fiepsen musst du wohl mit konsequenter Geduld üben. Auch da hat bei uns zB schon geholfen, sich nochmal bewusst zwischen Hund und Tür stellen, ggf. mit Berührung, damit er aus dem Fiepsen für einen Bruchteil rausgerissen wird und exakt in dem Moment wo er ruhig ist, Futter geben. Also mit irgendwas üben, das ein bisschen spannender ist, als das durch die Tür gehen. Wenn er kurz abgelenkt ist, bzw. seine Aufmerksamkeit auf was anderes richtet, belohnen und tatsächlich erst raus gehen, wenn er still ist.

Gruß

Asfaloth
21.04.2016, 12:01
Hallo Alpenmohn,

danke für deine Antwort. Durch Spielzeug lässt er sich leider gar nicht ablenken, sein Spieltrieb ist eher gering angesiedelt. Mit Futter geht es ganz gut. Ich mache es normalerweise so, dass ich ein paar Meter zur Seite gehe (drei reichen schon), absitzen lasse und sobald er Blickkontakt aufnimmt darf er Futter aus meiner geschlossenen Faust wühlen. Das klappt immer.

Aber es gibt ja auch leider die Situationen, dass wir z.B. an einem Zaun vorbeilaufen müssen hinter dem ein Hund tobt (normales Kläffen schaffen wir schon, tobendes Gepöbel ist zu viel). Und in Bewegung geht dann leider gar nichts. Da kann ich ihn auch nicht mit Futter ablenken. Hab jetzt schon daran gedacht n Schälchen Katzenfutter für solche Gelegenheiten einzustecken, aber eigentlich ist mir das zu blöd.

Eine Zeit lang hab ich auch eine Beisswurst eingesteckt, damit er sich abreagieren kann. Das hat ganz gut funktioniert. Vll. probier ich es so nochmal.

Das Problem ist halt auch, dass wir den "Feinden" zu selten begegnen, als dass wir effektiv üben könnten. Vll. zweimal in der Woche.

Bei meinem Partner ist es interessanterweise viel schlimmer. Bei ihm rastet er grundsätzlich völlig aus wenn er "Feinde" sieht (wohlgemerkt, nicht jeder Hund ist sein Feind - an den meisten Hunden hier im Ort geht er entspannt vorbei).

Beim Fiepsi weiß ich auch net so recht. Der Hund quasselt halt sowieso den ganzen Tag. Er antwortet auch wenn man ihn was fragt ^^ Er war schon von klein auf so und ich habe ihn nie "runtergedrosselt", weil es für mich und mein Leben okay war. Das Gefiepse empfinde ich eigentlich erst als Problem, seit ich meinen "neuen" Partner habe, der das Verhalten problematisiert. Vll. sollte ich da einfach stärker für meinen Hund einstehen. Das Gebabbel ist immerhin sein einziger Fehler, ansonsten ist der Hund wirklich ein absoluter Traum (für mich). Wobei es natürlich nicht schadet ihn für Ruhehalten zu belohnen, aber vll. sollte ich mich neben diesem Training einfach entspannen weils nunmal nicht schlimm ist wenn er quasselt solang er sich nicht zu sehr reinsteigert.

TajMahal
21.04.2016, 12:28
Beim Gassistart habt ihr ein Ritual, dass den Hunden signalisiert "Jetzt geht's los" und sie in eine Erwartungshaltung bringt. Da würde ich das Ritual durchbrechen. Jedes mal anders losgehen, Sequenzen des Rituals zwischendurch ohne Gassi durchführen, dann können sie sich nicht auf bestimmte Zeichen verlassen.

So lange sie nicht ziehen, würde mich die gespannte Leine nicht groß stören. Wenn meine mich an der Leine vergisst und unbedingt irgendwo hin will, z. B. durch's Tor der Hundeschule, wo ich der Meinung bin, da geht man gesittet rein, spreche ich sie an und lauf ein bisschen rückwärts ("mit dem Nabel ziehen"), bis die Leine wieder locker locker ist. Musste ich am Anfang etwas öfter machen, jetzt nur noch selten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das so gut funktioniert, weil der Hund die Tassen zählen will, ob der Zweibeiner wirklich noch alle im Schrank hat. :freches grinsen: Aber ist manchmal ganz hilfreich sich in der Hundererziehung etwas zum Affen zu machen. :zwinker:
Hilfreich ist auch da nicht immer das gleiche Ritual zu fahren. Bleibt Hund halt mal ein bisschen länger an der Leine, oder wird zwischendurch einfach so an die Leine genommen. Oder nicht gleich in der Freilauf entlassen wenn die Leine ab ist, sondern ein paar Kommandos ausführen lassen.

Bei Problem 3 kommt es darauf an, warum der Hund ausflippt.
Möglich wäre eine falsche Verknüpfung. Anderer Hund = eins auf die Mütze, salopp ausgedrückt. Das kann man gegenkonditionieren.
Oder Frust, da kann man an der allgemeinen Frusttolleranz arbeiten. Hilfreich auch bei Punkt 1 und 2.
Kann auch sein, dass Hund meint er hat da was zu regeln. Nö, du bist der Chef, du regelst. Hund hinter dich schicken und andere Hunde abblocken.
Erst mal heraus finden warum und dann eine Strategie suchen wie.

Ich fürchte, beim ein oder anderen Punkt, wirst du um Einzeltraining nicht herum kommen.

Wie sind die Hunde denn zu hause? Können die auch mal die Pfoten still halten?

Alpenmohn
21.04.2016, 12:30
Unsere war bei meinem Mann auch "gestresster", hat also weniger kontrolliert reagiert. Er ist aber auch nicht so ruhig und konsequent wie ich in solchen Situationen und wird oft schon vorher unruhig.
Ich habe bei unserer mal ausgetestet, wie sie reagiert, wenn sie nicht an der Leine ist wenn wir an kläffenden Hunden hinter einem Zaun vorbei gehen, das war gut möglich, da es so ein Grundstück mit kläffenden Hunden am Waldrand gibt. Wenn da kein anderer Spaziergänger ist, ist das ein tolles Testobjekt ;)). Interessanterweise war sie ohne Leine total entspannt, hat weder gebellt noch sonst was und ist recht ruhig vorbeigelaufen und das Gras am Wegesrand beschnüffelt. Sie war wohl auf sich alleine gestellt und hatte nicht die Sicherheit der Leine und somit uns. Infolgedessen habe ich sie an eine Schleppleine genommen, da hat sie dann auch nicht gezogen und war ruhig. Nach ein paar mal üben, wars erledigt. Jetzt reagiert sie weder mit noch ohne Leine.

Bei unserer früheren Hündin hat ein Sprayhalsband funktioniert, wobei das wirklich sehr bedacht eingesetzt werden muss und wir in diesen Situationen nur mit Piepgeräusch verwendet haben (also ohne Sprühen). Sie war vorher schon gewohnt, dass das Piepen bedeutet, dass sie mit was auch immer aufhören muss und zu uns kommen und ein Leckerli bekommt. Es hat sie immer aus ihrem Wahn herausgerissen (hatte einen starken Jagdtrieb). Vielleicht wäre das was für euch.

TajMahal
21.04.2016, 12:32
Aber es gibt ja auch leider die Situationen, dass wir z.B. an einem Zaun vorbeilaufen müssen hinter dem ein Hund tobt (normales Kläffen schaffen wir schon, tobendes Gepöbel ist zu viel). Und in Bewegung geht dann leider gar nichts. Da kann ich ihn auch nicht mit Futter ablenken. Hab jetzt schon daran gedacht n Schälchen Katzenfutter für solche Gelegenheiten einzustecken, aber eigentlich ist mir das zu blöd.



Hast du schon probiert zu rennen?

Alpenmohn
21.04.2016, 12:35
@TajMahal
Rituale ändern hat bei uns auch immer geholfen. Andere Wege laufen, zwischendurch an die Leine nehmen, auch wenn mal keiner entgegenkommt (also es keinen Grund gibt) etc. Man muss halt kreativ sein :))

Asfaloth
21.04.2016, 13:58
Hallo und vielen Dank Taj Mahal,

das Ritual durchbrechen werde ich in Verbindung mit Desensibilisierung versuchen. Mach ich jetzt schon seit ich diesen Thread eröffnet habe. Zig mal am Tag Halsbänder an und aus, an- und ableinen, durchs Gartentor um am Grünstreifen zu schnüffeln und so weiter ;-) Das ist sicher ne gute Idee, den Hunden die Schlüsselsignale für den Gassigang zu entziehen. Ich bleib dran. Allerdings kennt mich die Bande natürlich gut genug, die werden mich schnell durchschaut haben ;-)

Bei der gespannten Leine ist es ähnlich wie du bei dir beschreibst. Sobald ich rückwärts gehe oder den Namen nennen springen die Hunde sofort neben mich. Sie wissen also eigentlich was ich erwarte, aber der Vorwärtsdrang steht halt im Weg...

Den Hund hinter mich zu schicken ist aktuell noch nicht möglich wenn er schon in seinem Film steckt. Da müsste ich massive Gewalt anwenden. Er ist aber soweit ansprechbar, dass er auf einen leichten Ruck oder seinen Namen neben mich springt und mich auch kurz ansieht, was ich natürlich sofort bestätige. Aber sobald der andere Hund wieder bellt steigt er erneut ein...

Gelegentliches Einzeltraining ist kein Problem, aber monatelang mit drei Hunden einzeln gehen ist nicht möglich. Ich gehe immer wieder mal mit nur einem Hund, das brauchen sie. Aber jeden Tag wird's schwierig.

Zuhause sind sie top. Im Haus wird gechillt, im Garten gespielt, am Zaun bellen sie mal, sind dabei aber immer abrufbar. Achja, lustig, dass du das mit dem Rennen erwähnst. Als ich diesen Thread eröffnet habe hatten wir kurz vorher den erwähnten Konflikt mit einem Nachbarshund, der sehr massiv am Zaun bellt. Beim ersten Vorbeigehen hab ich ihn mir immer wieder ans Bein geholt per Kommando und Sichtkontakt bestätigt (gebellt hat er trotzdem ein paarmal mit entblößten Zähnen). Beim zweiten Mal dachte ich mir, jetzt bringen wir mal Bewegung ins Spiel, hab zwei Häuser vorher angefangen mit ihm zu spielen und bin dann losgelaufen. Hat die Situation leider eher verschlimmert...:-(

Dir auch nochmal danke Alpenmohn,

ableinen/Leine fallen lassen ist sicher ne gute Idee bei leinenaggressiven Hunden, besonders wenn ein Zaun dazwischen ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher dass unser Hund das als "Go" verstehen würde und dann gibt's Gulasch ;-) Sprühhalsband - weiß net recht ob ich das "gut" für uns finde. Und ob ihn das überhaupt stören würde.

Alpenmohn
21.04.2016, 14:53
ableinen/Leine fallen lassen ist sicher ne gute Idee bei leinenaggressiven Hunden, besonders wenn ein Zaun dazwischen ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher dass unser Hund das als "Go" verstehen würde und dann gibt's Gulasch ;-) Sprühhalsband - weiß net recht ob ich das "gut" für uns finde. Und ob ihn das überhaupt stören würde.

Dass es Gulasch geben könnte hatte mein Mann auch erwartet (auch wenn faktisch ja der Zaun dies verhindert hätte), wie gesagt, das Gegenteil ist passiert und uns hat es geholfen zu verstehen, dass wir uns falsch verhalten bzw. dass es mit der Leine zusammen hängt. Wir haben sie auch nicht direkt vorm Zaun abgeleint, sondern schon einige 100 Meter vorher und sie Beifuß gehalten. Somit gab es keine Go-Situation und sie hat nicht schon an uns oder der Leine gemerkt "Achtung, da kommt gleich was"..
Es muss ja kein Sprühhalsband sein, zum Testen reicht ja auch eine Sprühflasche mit Wasser aus der Hand oder eine laute Rasseldose die du auf den Boden wirfst. Es wäre schon hilfreich für dich zu wissen, ob und wie du den Hund überhaupt aus der Situation reißen kannst und wieder Aufmerksamkeit bekommst. Sonst kannst du ihn ja nicht halten, wenn zB plötzlich ein Hund über den Zaun springt oder ähnliches. Wenn tatsächlich das Namen rufen ausreicht, wie du schreibst, reagiert er auch auf ein Piepgeräusch. Zudem kann man da ja ansetzen, du rufst, er hört auf zu bellen und darf dafür aus dem Futterbeutel fressen während du weiter gehst (also nicht nur ein Leckerli, lieber Futterbeutel hoch halten etc).

Asfaloth
21.04.2016, 15:09
Also den Futterbeutel halte ich für eine gute Idee, das wird ich mal wieder einführen. Aber Leine loslassen geht wirklich nicht. Das würde ich nur testen wenn der Hund auf der anderen Seite des Zaunes ein Rottweilerrüde oder Ähnliches ist und wenn der Eigentümer von Grundstück und Hund enverstanden ist (und da fällt mir leider grad niemand ein). Ich finds nämlich auch immer unverschämt wenn andere Leute ihre Hunde zum Schnüffeln an unseren Zaun schicken wenn die Hunde eh schon knurren.

Rappeldose und ansprühen werde ich mal antesten - ich glaube aber nicht, dass ihn das sonderlich beeindruckt. Aber probieren geht über studieren...

Inaktiver User
21.04.2016, 16:35
Bitte und das ist wirklich ein ernstzunehmender guter Rat von mir.

Lass das mit den Rappeldosen. ..Mit dem Sprühgedöns...:niedergeschmettert:

Du ahnst auch noch im Vorher das es nichts bringt und genau das wird sein. Du machst die Tiere nur noch unsicherer.

Bitte such dir doch vor Ort oder auch weiter weg einen Fachmann der die Angelegenheit direkt sieht. Ferndiagnose so gut sie gemeint sind, sind Mist. Ein guter Trainer zum Beispiel, lässt sich nie auf Ferndiagnosen ein.

Aber ich finde es gut das du überhaupt Hilfe suchst.



Alles Gute für deine Hunde :blumengabe:

katelbach
21.04.2016, 19:05
Futterbeutel ist an sich eine gute Idee, das denke ich auch. Wobei: ich komme ja von der anderen Seite des Verhaltensspektrums: Ich arbeite intensiv mit einem Angsthund.

Rappeldosen, Discs, Sprühbänder halöte ich für keine gute Idee, sie fallen streng genommen unter aversive Methoden. In manchen Tierbedarfsläden wie Hundemaxx werden sie nicht mehr verkauft - mit dieser Begründung.

Die Kollegen, die sich auf Verhaltensmedizin spezialisiert haben und auch mit "Problemhunden" arbeiten, haben einen Standardsatz: Kooperation mit dem Zweibeiner muss sich lohnen.

Vielleicht findest Du etwas, was Deine Hund für interessant genug erachten.

Lukulla
26.04.2016, 21:29
Ich habe hier interessiert mit gelesen und möchte zu 2 Punkten gerne etwas sagen.

Grundsätzlich sehe ich Hunde als individuelle Persönlichkeiten und nicht als Roboter, die auf Knopfdruck alle gleich funktionieren müssen. Was bei dem einem Hund sinnvoll und eine Hilfe ist, wirkt bei dem anderen kontraproduktiv.



Problem 1:
Der Gassistart. Sobald ich die Leinen in die Hand nehme springt Hund Nr. 1 um mich rum wie ein Känguruh. Hund Nr. 2 fängt an zu fiepsen in einer Lautstärke dass Kommunikation fast unmöglich ist.
Unser Gassistart läuft immer gleich ab. Ich schicke die Hunde in den Hof (zwischen Haustür und Hof ist eine Treppe), mach mich selbst fertig. Dann geh ich auch vor die Haustür und schick die Hunde die Treppe wieder runter (eigentlich sollen sie direkt unten im Hof warten, aber sobald ich mich drin anzieh belagern sie die Haustür)... Die Hunde müssen sich unten hinlegen, damit ich in Ruhe meine Stiefel anziehen kann. Dann geh ich die Treppe runter, leine an und wir gehen los sobald sie einigermaßen ruhig sind. Hund Nr. 1 schafft es dabei nicht sitzen zu bleiben. Er setzt sich auf Kommando sofort, steht aber fünf Sekunden später wieder und das kann ich zig Mal wiederholen. Er steht immer wieder auf. Beim Anleinen zappelt er, wodurch es erschwert wird.

Hund Nr. 2 bleibt brav sitzen, schreit mir aber die Ohren voll vor lauter Erregung. Ablegen, warten, schimpfen hat alles keinen Erfolg gebracht. Ich habe es sogar mit Desensibilisierung versucht und ihn 10mal am Tag angeleint, aber er fiepst und schreit jedesmal. Sobald wir aus dem Hof sind ist der Spuk vorbei.

Das klingt schon beim Lesen extrem anstrengend. :zwinker:

Warum nimmst Du die Leinen? Zieh Dich erst in Ruhe an, lass die Hunde drinnen und zieh Deine Stiefel da an, wo Du willst, aber wäre es nicht einfacher, sie im Haus anzuziehen? Sie werden dreckig sein und müssen wahrscheinlich daher draussen geparkt sein? Wenn Du das optimieren kannst, wär gut.

Erst wenn Du fertig bist, nimmst Du die Leinen und machst Du die Tür auf und lässt alle raus. Ich halte es für ein Ding der Fast Unmöglichkeit, drei Hunde gleichzeitig so lange ins Sitz zu pressen, bis Du als Mensch endlich fertig mit allem bist. Hunde sind sehr schnell und haben eine im Vergleich zu Menschen extrem weit höhere Reaktionsgeschwindigkeit.

Daher lass diese Abricht Spielchen mit Sitz und warten, wenn sie aufgeregt sind. Lass sie wie gesagt in den Hof und ruf einem nach dem anderem zu Dir und mach die Leine dran und dann das Tor auf. Ignoriere das Fiepen.

Am besten Du machst das alles schnell, wenn Du die Haustür aufgemacht hast.




Problem 2: Leine laufen
Hund Nr. 1 und Nr. 2 halten die Leine die ersten 10 Minuten eines Spaziergangs immer gespannt.

Sehe darin kein Problem. Das ist in Ordnung. Ein Wunder, dass nicht alle drei wie die Verrückten an der Leine ziehen und rumbellen. Also alles paletti. :blume:


Problem 3: Leinenaggression von Hund Nr. 3...Sie ist sehr aggressiv und flippt besonders bei ihm ziemlich aus an der Leine. Wenn sie mit mir allein unterwegs ist ist es besser. Trotzdem möchte ich daran verstärkt arbeiten. Ich finde es muss möglich sein selbst Erzfeinde angeleint und kommentarlos zu passieren.

Finde ich nicht. Ein Hund darf Emotionen zeigen. Vermeide und lauf einen Umweg oder lenk ab oder lenk sie zu Dir. Aber zwing sie nicht, ruhig zu bleiben. Das ist doch Stress pur. Wenn sie auf Leckerlis gut reagiert, pack die besonders Guten ein und biete sie an, wenn Erzfeind kommt oder in Sichtweite ist.

Am Gartenzaun an Kläffern vorbei ist Stress. Vermeide es. Wenn es nicht anders geht, dann zügig vorbei mit Leckerchen. Fertig.

Du verlangst zuviel von Deinen Hunden. Wenn sie wie Du erzählst alle abrufbar sind, sehe ich überhaupt kein Problem bei den von Dir geschilderten Situationen.

Lass auch den Fieper fiepen. Es ist eben seine Art, Dir und der Welt mitzuteilen, dass er aufgeregt ist. Wenn er nicht mehr aufgeregt ist ist er ja ruhiger oder ruhig. daher ignoriere das und sei schneller. Lass diese Spielchen mit "Desensibilisierung", das funktioniert nämlich nicht, Wenn Du ihn anleinst, hört er von Dir: wir gehen jetzt Gassi. Und darauf sagt er zu Dir: yippie, yippie. oh wie toll, ach wie aufregend. :jubel:
Wenn Du das 23 mal am Tag machst, bekommt er eher einen Herzkasper als dass er versteht, was Du damit bezwecken will.

Im Grossen und Ganzen finde ich, dass Du ganz tolle Hunde hast und stolz darauf sein kannst, was sie alles können. :blume:

Inaktiver User
26.04.2016, 21:44
Lukulla, hast du schon einmal mehrere Hunde gleichzeitig gehabt?
Deine Ratschläge mögen mit einem einzelnen Hund funktionieren. Mit einer Gruppe allerdings nicht mehr. Die entwickeln eine ganz eigene Dynamik, gerade wenn es um Stimmungsübertragung geht. Den Hunden zu erlauben, dass sie ihren Emotionen freien Lauf lassen, und nicht zu fordern, dass sie lernen Ruhe zu halten, kannst du dir mit mehreren Hunden nicht leisten. Das gibt Chaos, weil sich die Hunde gegenseitig aufheizen.