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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mitten in der Behandlung - und er ist sich nicht sicher.



umberta
12.03.2016, 20:16
Guten Tag zusammen,

Nach einiger Zeit stillen Mitlesens habe ich mich extra angemeldet, um in diesem Forum mitzuschreiben.
Kurz zu mir, ich werde im Sommer 34 und wir versuchen seit Ende 2014 erfolglos, ein Kind zu bekommen. Seit letztem Jahr sind wir im Kinderwunschzentrum in Behandlung. Diagnose: OAT III, bei mir soweit alles ok. Nächste Woche soll die zweite IUI sein, drei wollen wir versuchen und dann mit ICSI anfangen.
Nur: er ist sich nicht sicher. Sagt er jetzt. Er googlet und findet Studien, dass Kinder Leute unglücklich machen. Er weiss nicht, ob er überhaupt welche will. Wir hatten ziemlich Streit letzte Woche deswegen, ich war am Boden zerstört (wir hatten uns doch gemeinsam für die Behandlung entschieden) und er sauer, dass man "das Thema nicht mal ansprechen" darf, ohne dass ich ausflippe.
Vor ein paar Jahren ging das schon mal so, damals hab ich ihn gebeten, sich zu entscheiden, hat er dann auch - für Kinder mit mir.
Ich bin ziemlich fertig deswegen. Er hat zwar dann am nächsten Tag zurückgerudert und gesagt, er will weitermachen und es wäre schön, wenn es klappen würde, aber ich fühle mich allein gelassen. Ich will doch kein Kind mit einem, der das nur mir zuliebe macht. Stimmt er jetzt nur zu, aus Angst, dass ich mich trenne?
Die Behandlung an sich ist schon stressig genug, ich wünsche mir nur, dass er hinter mir steht.
Danke schon mal fürs Lesen.

jubidu
12.03.2016, 21:49
Er hat angst. Es wird konkret. Ich denke das darf er.

bisschen den Druck rausnehmen. Und empathisch bleiben. Er hat angst. Du hast angst. Das ist ok. Ihr dürft da zusammen reinwachsen.

Gemme
13.03.2016, 19:29
Hallo Umberta,

ich glaube inzwischen, solche und ähnliche Streitereien kennen die meisten Paare in Kinderwunsch-Behandlung.

Jubidu hat das sicher ganz gut getroffen:
es wird so ganz besonders konkret.
Ihr versucht nicht mehr, es passieren zu lassen, Ihr steht ganz konkret vor:
"wir zeugen ein Kind" bzw. "Alles oder nichts".

Und dann steht da auch noch seine Zeugungs(un)fähigkeit so stark im Vordergrund....wenn es jetzt nicht mal
mit medizinischer Hilfe auf Anhieb klappt,
dann hat er es ja quasi NOCH deutlicher,
daß seine Spermien nicht ans Ziel kommen.

Bleib ruhig, aber laß keinen Zweifel daran,
was Du willst - und tu Dir einfach mal selber was Gutes, das wäre so mein Rat.

merav
13.03.2016, 20:12
Macht eine Pause, lasst es sacken, redet noch mal und macht dann eventuell die Behandlung.
Stell Dich außerdem auf eine Trennung ein.
Bei Kinderwunsch gibt es nunmal leider keinen Kompromiss.

Wenn Du es jetzt auf biegen und brechen durchzieht, stehst Du spätestens in der Trotzphase alleinerziehend da.

umberta
17.03.2016, 17:57
jubidu: Das klingt erst mal sehr schön. Leider ist es eine sehr schwere Zeit für mich und ich bräuchte eher seine Hilfe, seine starke Schulter, als mich auch noch um seine Ängste kümmern zu müssen - dafür habe ich nicht (immer) die Kraft. Ich versuche es, aber ich fühle mich von ihm allein gelassen. Ich fange sogar schon an, mich zu fragen, ob er mich nach der Geburt - falls es denn soweit kommen sollte - dann auch so hängen lässt? Ich höre überall, wie schwierig es ist mit einem Baby, und das allein zu stemmen, die Vorstellung macht mir Angst.

Gemme: Danke. Gut zu wissen, dass ich damit nicht allein bin, wobei ich die Situation natürlich niemandem wünsche. Ich wollte eigentlich auch nicht in die Situation kommen, ihm ein Kind aufzuzwingen - aber im Moment stellt er es so dar, als wäre es so. Wobei er es nicht offen ausspricht, sondern eben nur seine Zweifel äussert, ob ein Kind wirklich so toll ist. Und dann, wenn ich nachfrage, nur sagt, jaja, er macht alles mit. Hm.

merav: Wir sind bereits mitten in der Behandlung (siehe Titel), wozu er ja auch zugestimmt hat... und immer noch zustimmt... Wenn er das nicht mehr will, soll er halt das wenigstens sagen?! Aber er sagt nichts.
Wobei das auch ziemlich fies wäre, mich so lang hinzuhalten. Dann wäre ich echt sauer.
Auf Biegen und Brechen ziehe ich hier gar nichts durch. Wir haben das damals zusammen entschieden und er gibt ja jeden Monat sein Sperma ab - von alleine durchziehen kann in so einem Fall nun wirklich nicht die Rede sein, ist ja nicht so, als hätte ich ohne sein Wissen die Pille abgesetzt!

Inaktiver User
17.03.2016, 18:45
Liebe Umberta,

also ich bin schwanger und habe die gleichen Ängste wie Dein Mann. Ich kenne diese Statistiken. Und gerade weil ich mich verantwortlich fühle, frag ich mich was wird, wenn es ein Kind ist, das schwierig ist oder zu dem ich aus irgendeinem Grund, der in mir selbst liegt, keinen Zugang finde. Eine Exit-Strategie, wie dann abhauen und untertauchen kommt ja kaum in Frage.

Ich kann das verstehen. Dich aber auch, deshalb lass Dich mal drücken. Eltern werden ist nicht immer einfach.

umberta
18.03.2016, 09:01
Eltern werden ist nicht immer einfach.

Wem sagst du das. Erst mal so weit kommen...
Ich weiss ja selber, dass es schwierig wird, man hört ja so einiges. Aber das hält mich nicht davon ab, es trotzdem zu wollen. Für uns hier in diesem Forum ist ja die Zeit vor der Schwangerschaft schon hart - das haben die meisten ja auch nicht. Ich hoffe, dass uns das besser auf die schwierigen Zeiten danach vorbereitet. Aber wer weiss.
Ich bin sicher, dass wir das zu zweit schaffen würden. Aber halt nur, wenn wir beide an einem Strang ziehen.

Inaktiver User
18.03.2016, 13:59
Ist es denn sehr schlimm für Dich wenn Dein Mann jmd ist, dem vor Augen steht, dass er auch ohne Kinder (momentan sieht er ja nichtmals das Fröhliche und Schöne am Kinder-Haben, sondern nur sehr konkret undunmittelbar die Belastung, die das noch nichtmals auf dem Weg befindliche Kind bzw der KiWu auf Dich und Ihn ausübt) ein glückliches Leben mit Dir haben könnte und der deshalb beidem ggü offen wäre und eher wenig in eine bestimmte Richtung zieht?

Das ist ja kein Affront gegen Dich. Im Gegenteil. Es kann auch bedeuten: Du wärest ihm als Familie genug.

Ansonsten benötigen auch Männer, bei denen ein Kind unterwegs ist, Zeit sich an den konkreten Gedanken zu gewöhnen und sich auf die Rolle vorzubereiten. Nicht nur Frau sondern auch Mann müssen anfangs mit Ihren Befindlichkeiten ggü den Bedürfnissen des Säuglings zurückstecken.

Derjenige, der den etwas schwächeren Ki-Wunsch hat (oder alternativ die größere Vorstellungskraft, was alles schief gehen könnte oder wie groß die Opfer werden) läuft quasi als Bremser hinter dem anderen hinterher. Heißt aber nicht dass es nicht toll werden kann, wenn es erstmal soweit ist.

fewa
18.03.2016, 18:02
Hallo Umberta,

Ich kann sehr gut nachempfinden wie Du Dich fühlst, da ich in einer ähnlichen Situation war/bin. Bei uns hat es bisher auf natürlichem Wege nicht geklappt mit dem KiWu. Als ich dann eine KiWu Behandlung wollte, geriet mein Freund voll in Panik. Hat sich Studien rausgesucht, um mir zu zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist ungesunde Kinder zu bekommen und hat plötzlich auch in Frage gestellt, ob er überhaupt Kinder will. Das war echt hart und ich habe sehr an der Beziehung gezweifelt. Ich fühlte mich echt vera... Am Ende hatten wir eine ICSI Behandlung und als sie negativ ausging, war er trauriger als ich. Ich kann Dir nicht erklären, was in ihm vorging, warum er sich so gesträubt hat. Es war echt schwer auszuhalten und erst als ich seine Traurigkeit nach dem Negativ spürte, wurde es leichter.

Ich kann verstehen, dass Du jetzt eher eine starke Schulter brauchst aber es ist wohl auch wichtig, ihn mit seinen Gedanken und Ängsten wahrzunehmen. Es ist eine Zwickmühle und es braucht echt viel Kraft :blume:

LG fewa

umberta
19.03.2016, 14:29
Amavah: Es kam für mich eher so rüber wie Angst vor Veränderung, den-Arsch-nicht-hochkriegen, endloses Zögern, fast Feigheit. Nicht "beides wäre schön" sondern "oooh, lieber nicht, nicht dass es schwierig wird". Ich bin gewohnt, Probleme anzupacken, er sitzt sie aus.
Es ärgert mich im Nachhinein, dass wir durch sein Rumeiern schon so viel wertvolle Zeit verloren haben.

fewa: Danke fürs Teilen deiner Erfahrung. Mir geht es ganz genau so! Man fühlt sich einfach vera...
Mein Mann lenkt teilweise schon ab, wenn ich drüber reden will, wie schön es wäre mit einem Kind.
Ich habe mit einer Psychologin darüber gesprochen. Sie meinte, es könnte auch sein wie der Fuchs mit den Trauben. Solange er sich selber erzählt, dass er eh keine Kinder will, weil die blöd sind, solange muss er auch nicht mit der großen Traurigkeit umgehen, wenn es nicht klappt. Er gesteht seinen Wunsch nicht ein, aus Angst, er könnte nicht erfüllt werden.