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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pflege eines kranken Kindes



Nymphadora73
07.03.2016, 09:59
Hallo zusammen!

Ich möchte Euch hier im Schutz der Anonymität etwas erzählen, worüber ich sonst nie spreche, weil es mir so unangenehm ist und ich Angst vor harschen Urteilen habe:

es fällt mir sehr schwer, mich um mein Kind zu kümmern, wenn es krank ist. Versteht mich bitte nicht falsch, ich tue es natürlich und ein Papa ist auch noch da, der hilft. Es geht also nicht darum, dass mein Kind nicht versorgt ist. Es geht vielmehr darum, was dabei in mir vorgeht und wie mies es mir oft heimlich geht dabei.

(Ich erkläre mal dazu, dass ich selbst chronisch krank bin und in meinem Leben schon mehr Krankenhäuser und leidende Menschen gesehen habe, als gut für mich ist. Ich bin also irgendwie vortraumatisiert, wenn Ihr so wollt.)

Nun habe ich einen Sohn im Grundschulalter, der sehr anfällig ist und eine etwas fragile Konstitution hat. Er ist, gerade jetzt im Winter, wirklich dauernd krank. Wenn er mal eine ganze Woche Schule schafft, ohne zu Hause bleiben zu müssen, sind wir stolz.

Und mir fehlt ganz oft die Kraft, mich ihm liebevoll zu widmen, wenn er krank ist. Ich sehe, wie er leidet, wie es ihm schlecht geht, wie er blass und elend aussieht, und es lähmt mich regelrecht. Ich kriege regelrechte Panikattacken, ich möchte nur noch davonlaufen, mich irgendwo verstecken und vergessen, dass ich diese Verantwortung trage. Natürlich laufe ich nicht wirklich weg, aber ich sitze oft zitternd in meinem Zimmer und weiß nicht, woher ich die Kraft nehmen soll, es wieder zu verlassen.

Ich weiß nicht, warum das so ist, aber es war schon immer so. Wenn er leidet, weint, Angst hat, getröstet werden muss, dann konnte ich noch nie die starke, liebevolle Mutter sein, die tröstet und Kraft und Sicherheit gibt. Das tut mir unendlich leid und ich schäme mich oft sehr und mache mir riesige Vorwürfe. Gerade im Moment, mit den ganzen Winterviren, fressen mich meine Schuldgefühle wirklich auf.

Gibt es unter Euch vielleicht noch andere, denen es so schwer fällt wie mir, ein krankes Kind zu pflegen? Ich würde mir einen stärkenden Austausch wünschen, denn - wie gesagt - Vorwürfe mache ich mir selbst genug.

Applecheese
09.03.2016, 10:01
Liebe Nymphadora,

mir ging Dein Text sehr nahe. Ich glaube, dass das Gefühl der Überwältigung bis zu einem gewissen Grad normal ist. Ein klammerndes und weinendes Kind kann viele Mütter zeitweise an ihre Grenzen bringen.
Allerdings fällt mir in Deinem Text auf, dass Du beschreibst, regelrecht panisch zu werden. Hier würde ich überlegen, eventuell professionellen Rat zu suchen, um den Ursachen für diese Gefühle auf den Grund zu gehen und Wege zu finden, diese Ängste zu bewältigen.

:blume:

Cariad
09.03.2016, 10:08
Für mich klingt das so, als würde da in dir irgendwas hervorgeholt. Vielleicht die Erinnerung an andere Kranke, vielleicht irgendwas aus der Kindheit. Da würde ich mal genau hinschauen, eventuell mit professioneller Hilfe.

Ein krankes Kind ist auch dann schon anstrengend genug, wenn man nur im Hier und Jetzt ist. Wenn einen dann noch irgendwelche Erinnerungen als zusätzliches Gewicht belasten, ist es kein Wunder, dass du dich gelähmt fühlst. :blume: