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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ohne ICSI kein Kind... und nun?



Zitronenminze13
29.02.2016, 16:20
Hallo,

Seit heute Morgen wissen wir, dass wir ohne ICSI keine Kinder haben werden. Das Spermiogramm ist so schlecht, dass es auf natürlichem Wege rein theoretisch möglich wäre, aber verschwindend gering.
Eine Insemination ist daher ebenfalls ausgeschlossen. Es muss eine ICSI sein.

Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt denken und fühlen soll.... Alles im mir sträubt sich dagegen, ich will das alles nicht.... die Hormone, die Spritzen, das 'Schwanger werden durch die Hand des Arztes'.
An meinen Mann ist kein Rankommen, er ist fertig und sowas von enttäuscht von sich selbst....

Wad soll ich tun? Wie komme ich wieder klar mit meinen Gefühlen?
Ich bin so traurig....

Inaktiver User
29.02.2016, 16:22
Wäre eine Adoption eine Lösung?

Zitronenminze13
29.02.2016, 16:26
Für uns beide nicht, nein.

felina78
29.02.2016, 16:33
Wie alt bist Du?
Wie lange probiert ihr es schon?
War es das 1. SG?

Das SG meines Mannes war unterirdisch, uns wurde auch sofort zur ICSI geraten. Ich brauchte aber Zeit das sacken zu lassen. In der Zeit gabs nur PNP und Pre Seed. Das Gleitgel, das die Schwimmer schneller machen soll. Irgendwann hab ich nen Termin in der Kiwu-Klinik ausgemacht und einige Wochen später wieder abgesagt, weil ich schwanger war. Tochter ist jetzt 5 und unser Sonnenschein. Nochmal hat das nicht geklappt, aber das ist absolut okay für uns.
Die Frage ist halt, wie unbedingt ihr ein Kind wollt. Und wieviel Zeit ihr noch habt. Ich war erst Anfang 30 und hätte mir auch theoretisch vorstellen können, mein Leben ohne eigene Kinder zu leben. Mein Mann allerdings nicht, daher doch der Termin in der Klinik.

Gib Deinem Mann Zeit. Ich denke, es gibt keinen Mann, den so eine Nachricht kalt lässt. Aber die Qualität des SGs hat ja nichts mit irgendeiner "Leistung" zu tun. Er braucht und soll nicht enttäuscht von sich sein.

Alles guter für Euch :blume:.

Inaktiver User
29.02.2016, 16:42
Seit heute Morgen wissen wir, dass wir ohne ICSI keine Kinder haben werden. Das Spermiogramm ist so schlecht, dass es auf natürlichem Wege rein theoretisch möglich wäre, aber verschwindend gering.
Eine Insemination ist daher ebenfalls ausgeschlossen. Es muss eine ICSI sein.

Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt denken und fühlen soll.... Alles im mir sträubt sich dagegen, ich will das alles nicht.... die Hormone, die Spritzen, das 'Schwanger werden durch die Hand des Arztes'.
An meinen Mann ist kein Rankommen, er ist fertig und sowas von enttäuscht von sich selbst....

Wad soll ich tun? Wie komme ich wieder klar mit meinen Gefühlen?
Ich bin so traurig....
Das tut mir leid für Euch beide.

Erstmal sacken lassen. Ihr müsst Euch ja nicht innerhalb der nächsten paar Stunden im Schweinsgalopp für oder gegen die ICSI entscheiden. Nehmt Euch ein paar Tage oder Wochen Zeit, mit der Enttäuschung klarzukommen. (Für Deinen Mann ist die Sache wahrscheinlich noch schwerer zu verdauen, weil es "an ihm liegt".)


Anschließend kannst Du ja nochmal in Ruhe darüber nachdenken, ob Du die Behandlung unter allen Umständen für Dich ausschließt.


Ganz blöd formuliert: Auch bei einer künstlichen Befruchtung ist noch viel Glück und Schicksal im Spiel und am Ende entsteht ein neues Leben (oder auch nicht) durch die Verschmelzung von Eizelle und Spermium. Die Hand des Arztes spielt da nur eine untergeordnete Rolle und hinterlässt keine Spuren.

Aber wie gesagt: Erstmal durchschnaufen und die Enttäuschung zulassen, alles Weitere wird sich finden.

Feeodora
29.02.2016, 16:47
Liebe Zitronenminze,

uff, verstehe, das ist erstmal ein schwerer Schlag:in den arm nehmen:. Lass das erst mal sacken, gib dir, und euch da erstmal Zeit. Man muß sich mit der Diagnose anfreunden, da ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Vielleicht ist das auch nur eine erste Schockreaktion. Vielleicht hilft dir der Austausch hier, um ein bisschen differenzierter zu sehn. Ich versteh total, dass sich da alles sträubt, selbst ich, die schon einiges hinter sich hat, bin immer noch wahnsinnig traurig, dass wir auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können. Nun seh ich mittlerweile aber ICSI und Co als ziemlich selbstverständlich an, da wird viel mehr stilisiert und künstlich dramatisiert, als es am Ende ist. Gib dem ganzen Zeit und wenn es am Ende eben so ist, dass es nichts für euch ist, ist es eben so. Sicher kann man sich auch vom Kinderwunsch verabschieden, das ist dann letztlich auch eine Frage des Wollens.

Auch für deinen Mann, da muss man erstmal durchatmen, nehmt euch die Zeit das in Ruhe zu verarbeiten, vielleicht bietet sich dann doch eine Lösung oder ein Weg den man bereit ist zu gehen.

Alternativen gibt es ja leider keine. Daher ist es schon eben die Frage, Kinder ja oder nein? Letzten Endes stellt man sich immer die Frage, da jeder Weg nicht immer zum Erfolg führt, weder ICSI und Co noch Adoption oder ähnliches.

Dharma, ich versteh deine Frage schon, nur es ist halt eben auch bei Adoption längst nicht gewiss, dass man ein Kind bekommt. Nach so einer Diagnose halte ich daher die Frage für obsolet. Ob Adoption eine Alternative ist weiß man meistens erst sehr viel später und es gibt ganz viele banale Gründe warum für viele Paare Adotion nicht in Frage kommt, selbst wenn man gerne möchte:blume:.

altervogel
01.03.2016, 09:39
Liebe Zitronenminze,

wie du vielleicht gelesen hast, ist bei meinem Mann und mir die ICSI-Indikationsstelllung/ Diagnose auch noch keine Woche her. Ich kann sehr gut verstehen wie Du Dich fühlst. Unbekannterweise daher an dieser Stelle ein dickes, ganz liebes :in den arm nehmen:
Mein Mann hat erst genauso reagiert... abgewehrt, "ich will das nicht, das kommt nicht in Frage" etc... Bei mir kam am Abend der Gedanke hoch "ist mein Kinderwunsch überhaupt stark genug für den ganzen Aufwand? Was, wenn ich schwanger werde, ein Kind bekomme und das alles dann nur noch furchtbar finde?" Ich war nie der Kinder-Typ, und bis Ende 20 hab ich gesagt, ich will überhaupt gar keine Kinder. Bin also dem Kinderwunsch schon immer ambivalent gegenüber gestanden....
Was ich damit sagen will (und mich meinen Vorrednerinnen anschließen): Eure Reaktion ist vollkommen normal und angemessen. Im Grunde eine Art Trauer, ein Abschied von der Idee, auf natürlichem Weg ein Kind bekommen zu können. Und Trauer läuft meist in unterschiedlichen Phasen. Mit Abwehr, Wut, Trotz, Aggression, Resignation, Traurigkeit, Akzeptanz in bunter Reihenfolge (und gerne auch mehrmals täglich wechselnd :unterwerf:).
Was jetzt hilft, ist Zeit. Versuche, mit Deinem Partner ins Gespräch zu kommen. Diese Gespräche können sehr unangenehm werden, das erfahre ich grad am eigenen Leib. Aber sie bieten auch die Möglichkeit, sich selbst und den Partner, sowie die ganze Beziehung nochmal neu kennenzulernen.
Müßt Ihr auch ein zweites SG beibringen in einigen Wochen? Vielleicht hilft diese Zeit schon, sich ein bißchen klarer zu werden. Jetzt kommt mit das Schwierigste: versuche Dich nicht unter Druck zu setzen (sagt eine, die sich fühlt wie in einer Sanduhr, in der oben schon weniger drin ist als unten...).

Ich wünsche Dir und Deinem Mann, daß Ihr jetzt ein bißchen Ruhe findet und den Schock verdauen könnt.
Und wundere Dich wie gesagt nicht, wenn es gefühlsmäßig jetzt ständig auf und ab geht. Das ist menschlich und ganz normal!
Alles alles Liebe! :blume:

Eteterfon
02.03.2016, 10:31
Liebe Zitronenminze, das ist erstmal schwer zu verdauen. Für euch beide natürlich, da hängt ja auch was vom Selbstbewusstsein dran, zu wissen, dass man(n) sich nicht einfach fortpflanzen kann. :in den arm nehmen: Wie schon von den anderen geschrieben wurde: erstmal braucht ihr Zeit, das setzen zu lassen.

Bei mir vergingen damals ganze 1,5 Jahre, bis ich mir überhaupt vorstellen konnte, eine künstliche Befruchtung mit allem Drum und Dran machen zu lassen. Für meinen Mann war der Gedanke daran kein großes Problem (aber der muss sich das auch nicht antun mit den Spritzen und allem :unterwerf:). Allerdings war das SG bei ihm nicht ganz so grottig, wir haben also erstmal etliche Inseminationen (leider vergebens) versucht und letztlich bin auch ich einfach so noch schwanger geworden, als die IVF schon geplant und von der KK genehmigt war. Das ist aber leider alles andere als selbstverständlich und wie gesagt habe ich über ein Jahr gebraucht, mich an den Gedanken konkret zu gewöhnen - wir wären den Weg aber dann gegangen.

deju
09.03.2016, 18:03
Hallo Zitronenminze,

meine Empfehlung wäre, zieht euch von dem Thema ICSI ein bißchen zurück und überlegt generell als Paar, wie wichtig euch der Kinderwunsch ist. Nur ihr beide könnt bestimmen, wie weit ihr zusammen gehen wollt, und auch, was ihr nicht wollt...
Das geht nicht von jetzt auf gleich, lasst euch Zeit.


Bei mir und meinem Mann war die Situation ähnlich, es hat uns einander näher gebracht. Wir haben damals für uns entschieden, dass wir es miteinander durchstehen werden, und die Behandlung mit viel Mut, Humor und Glück hinter uns gebracht. Unsere Tochter ist jetzt 6.

2 Sachen noch - Es gibt diverse Massnahmen, die die Spermienqualität noch verbessern können, wurde das mit deinem Mann besprochen? Meiner hat damals eine 3 monatige Orthomol fertil Kur gemacht, diverse Regeln befolgt ( keine Sitzheizung, keine heissen Bäder usw ).

Und die 2. : sobald du einmal schwanger bist, also direkt nach dem positiven Test, wirst du eine ganz normale Schwangere sein... Alles wird seinen Weg gehen wie bei allen anderen Müttern... Man blendet ziemlich schnell aus, was dazu nötig war, schwanger zu sein, ich für meinen Teil bin nur unheimlich dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, es zu erleben.

Grüße deju