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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : (Wie) Hat euch die KiWu-Zeit verändert?



stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 16:57
Hallo liebe Hoffnungsfrauen! :blumengabe:

Unser Kinderwunsch besteht ja nun seit über fünf Jahren. Seit 1,5 Jahren sind wir (inkl. Abklärung) nun in Behandlung und haben 3 Kryoversuche hinter uns. Leider hatten wir bisher - abgesehen von einer biochemischen SS, welche leider mit einem frühen Abgang geendet hat - keinen Erfolg. Ja, und so langsam hab' ich das Gefühl, dass das Ganze nicht spurlos an mir vorüber geht. Mich würde interessieren, wie es Anderen damit geht / ging. Hat euch diese Erfahrung verändert? Wenn ja, auch zum Guten, oder nur zum Schlechten? Ich würde mich sehr freuen, mehr darüber zu erfahren!

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 17:14
Also, ich fang' dann mal an, mit mir selber. Leider kann ich nur kurze Beiträge schreiben, weil die Bri ständig abstürzt... :schlaf gut:

Leider ist mit dem unerfüllten Kinderwunsch bei mir schon ein Stück Lebensfreude und Unbeschwertheit verloren gegangen. Ich bin zwar eigentlich - und auch immer noch - meistens ein fröhlicher, optimistischer Mensch, aber eine gewisse Traurigkeit schwingt halt bei vielen Erinnerungen immer mit. Z.B wenn ich an unsere Hochzeitsreise denke, fällt mir immer ein, dass ich wirklich dachte, ich wäre schwanger und dann kam doch die Mens. Und so ist eigentlich fast jeder Urlaub der letzten Jahre irgendwie von diesem Thema überschattet. Von Jahrestagen (Weihnachten, Geburtstag, Ostern...) ganz zu schweigen.

Andererseits hat mich das ganze auch tougher gemacht, glaube ich. Bei Bekanntschaften / Freundschaften bin ich viel kritischer (der auch dünnhäutiger :unterwerf:) geworden und schneller bereit Konsequenzen zu ziehen. Ich habe immer weniger Lust, mich mit Leuten abzugeben, wo "es" nur so halb stimmt. Vielleicht liegt das aber auch einfach am Alter, das wäre schon möglich... :freches grinsen:

Was aber wohl der wichtigste Punkt ist - und der steht mit dem KiWu sicher in direktem Zusammenhang - ist dass ich beruflich mehr für mich einstehe. Vor einiger Zeit hat sich bei uns im Team eine Aufstiegschance ergeben und ich habe - für mich eher untypisch - wirklich dafür gekämpft und die Position schlussendlich auch bekommen. Ich hatte so sehr den Wunsch nach einem Plan B, dass ich da wirklich mal über meinen Schatten springen konnte...

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 18:26
Ach ja, zum Thema Freundschaften: Eine gewisse Isolation stelle ich schon fest. Ich "ertrage" abgesehen von meinem Mann und evtl. noch ein paar wenigen, ganz engen Bezugspersonen oft einfach keine Menschen um mich herum. Gerade nach einem negativen Versuch ziehe ich mich sehr zurück und kann mich dann wirklich kaum zu irgendwas aufraffen. Ich glaube, das kennen wohl die Meisten hier... :knatsch:

Mich würde auch interessieren, wie das "danach" ist. Bleibt was zurück, auch wenn man dann irgendwann ein Kind in den Armen hat? Und falls es nicht klappt, kann man irgendwann wirklich darüber wegkommen?

beweme
20.09.2015, 18:56
Hallo stripes on a tiger,

ja, ja, ja die Kiwuzeit verändert dich und deinen Partner, das kann ich auf jeden Fall so unterschreiben,
wir sind kinderlos geblieben und haben uns auf jeden Fall verändert, aber wahrscheinlich hätten wir uns mit Kindern auch verändert.
jetzt mit diesem großen Abstand, seit mehr als 10 Jahren ist die Kiwuzeit abgeschlossen, bin ich so froh, dass mein Mann und ich diese Zeit zusammen überstanden haben und auch immer noch zusammen sind.

wir sind noch mehr zusammengewachsen und sind froh, dass wir recht "gut" aus dieser Zeit rausgewachsen sind, was nicht immer so einfach war.

Natürlich gibt es immer wieder Situationen, wo wir denken, was wäre, wenn......
aber das ist müßig.

Was wir daraus gelernt haben, nichts auf der Welt als selbstverständlich zu betrachten, dankbar zu sein, dass wir gesund und zusammen sind, das wir eine tolle Familie mit Nichten und Neffen haben.


ja, es bleibt auf jeden Fall etwas zurück, aber wir haben uns mit der Situation abgefunden, was recht lange gedauert hat, und versuchen, das Beste aus unserem Leben zu machen, wir hadern nicht, aber wir bedauern, wir wären sehr gerne Eltern geworden.

für dich und deinen Partner wünsche ich, dass ihr gemeinsam durch diese doch sehr schwierige Zeit kommt und wünsche euch alles erdenklich Gute

beweme

beweme
20.09.2015, 19:18
Nachtrag:


die Freundschaften, die du ansprichst, auch da hat sich eine Menge verändert, wir haben weiterhin Freude mit und ohne Kinder, und meiden Menschen, die uns unterstellen, egoistisch zu sein, weil wir ja nicht für die Rente sorgen.
anfangs haben mich solche Aussagen sprachlos gemacht, mittlerweile kann ich ganz gut kontern, manchmal auch sehr schnippisch, manchmal gebe ich einfach zu, das wir auch sehr viel Pech gehabt haben, an den Reaktionen darauf kann ich sehr gut erkennen, ob wir den Kontakt weiter vertiefen wollen oder nicht.


und, ich muß es zugeben, das lesen in den Kinderwunsch Strängen hat mir im Nachhinein auch bei der Verarbeitung sehr geholfen, ich habe gemerkt, dass es nicht nur mir so geht, sondern leider viele Frauen nicht einfach mal so schwanger werden. leider gab es in der 90igern noch kein Internet und ich hatte auch nicht wirklich viele Bezugspersonen, mit denen ich hätte sprechen können.

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 19:18
Lieben Dank für deine Worte, beweme! Wir sind noch nicht ganz am Ende des KiWu-Wegs angelangt, aber ich habe das Gefühl, ich kann das Ende von hier aus erahnen... Wir weden zwar die Behandlung noch nicht beenden, aber für uns ist klar, dass wir nur noch eine sehr begrenzte Anzahl Versuche machen werden. So langsam beginne ich mich damit auseinanderzusetzen, dass wir vielleicht kinderlos bleiben werde.

jetzt mit diesem großen Abstand, seit mehr als 10 Jahren ist die Kiwuzeit abgeschlossen, bin ich so froh, dass mein Mann und ich diese Zeit zusammen überstanden haben und auch immer noch zusammen sind. Das klingt sehr positiv! Mit Sicherheit kann so eine 'gemeinsame' Krise die Partnerschaft auch stärken. Wir setzen uns im Moment jedenfalls viel intensiver miteinander auseinander (ich mag das Wort Streit nicht, es trifft auch den Kern nicht wirklich) als in all den Jahren zuvor. Und ich halte das für ein positives Zeichen.

ja, es bleibt auf jeden Fall etwas zurück, aber wir haben uns mit der Situation abgefunden, was recht lange gedauert hat, und versuchen, das Beste aus unserem Leben zu machen, wir hadern nicht, aber wir bedauern, wir wären sehr gerne Eltern geworden. Dieser Satz hat mich sehr berührt! Ich bin sehr traurig, wenn ich mir vorstelle, vielleicht kinderlos zu bleiben, aber so ganz unvorstellbar ist es für mich nicht mehr.

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 19:25
Ich muß es zugeben, das lesen in den Kinderwunsch Strängen hat mir im Nachhinein auch bei der Verarbeitung sehr geholfen, ich habe gemerkt, dass es nicht nur mir so geht, sondern leider viele Frauen nicht einfach mal so schwanger werden. leider gab es in der 90igern noch kein Internet und ich hatte auch nicht wirklich viele Bezugspersonen, mit denen ich hätte sprechen können. Ja, das liebe Internet ist diesbezüglich wirklich ein Segen (oft) und ein Fluch (manchmal) zugleich. :freches grinsen:

Ich habe intuitiv recht bald gewusst, dass unser Weg wohl ein schwieriger sein wird. Das Lesen hier hat mir sehr geholfen und mir auch viele Ängste genommen! Ich bin daher sehr glücklich, dass dieses Unterforum sich nun mit Leben füllt!

beweme
20.09.2015, 19:36
danke für deine lieben Worte,
der Abschied vom Kinderwunsch verläuft über eine sehr lange Zeit, niemand sagt so einfach, jetzt ist Schluß.

er braucht Zeit, zwischen den Behandlungen Pausenzeiten, die auch mal länger ausfallen, dann die Entscheidung, versuchen wir es nochmal oder nicht, und irgendwann später fällt der Entschluß, wollen wir uns das wirklich noch länger antun?

Bei uns waren es ca. 2 Jahre der Trauer, und die Überlegungen, machen wir weiter und versuche es noch ein letztes, letztes Mal oder nicht?

leider kann dir niemand sagen, ob es irgendwann einmal klappt,und das war mit das größte Problem, wenn mir einer gesagt hätte, ja es dauert und es wird ein steiniger Weg, aber dann wirst du belohnt, ich wäre zu Fuß einmal um die Welt gegangen, um ein Kind zu bekommen, aber leider sind wir hier nicht bei "Wünsch dir was".

ich wünsche dir und deinem Mann weiterhin viel Durchhaltevermögen und vielleicht in hoffentlich nächster Zeit die Erfüllung eures großen Wunsches,

und, wenn es leider nicht so sein soll, wünsche ich euch liebe Menschen um euch herum, die euch auffangen und begleiten können, wenn ihr es braucht.

nanammm
20.09.2015, 19:39
Das ist mal ein richtig spannendes und seeehr interessantes Thema!!!
Ich mache da gerade seeeehr oft dran rum. Viele Diskussionen - vor allem mit mir selbst!
Manchmal kann man das Thema weit weg von einem schieben. Aber dann holt es einen schlagartig wieder ein. Und dann fällt einem auf, wie sehr man sich doch verändert. Wie auch immer, aber das macht etwas mit einem. Man steht anders im Leben. Man hat auch eine andere Sicht auf manche Dinge im Leben.
Stripes, als ich Deinen Beitrag gelesen hab, dachte ich wow, das trifft voll auf den Punkt!! Ich dachte immer, das geht nur mir so! Also ich weiß ja schon von vielen Gesprächen hier, dass ich nicht allein damit bin - aber im real life hab ich schon das Gefühl. Alle sagen, sie haben Verständnis, aber dann muss ich mich doch rechtfertigen, wenn ich mich lieber zurückziehe...hm... das ist natürlich für beide Seiten eine schwierige Situation. Ich frage mich da auch immer, wie sollten Freunde denn auch schon "richtig" reagieren?
Oja, dünnhäutig, das trifft es! Und zwar bin ich das in Bezug auf bestimmte Aussagen, Sprüche, naja eigentlich sind viiiiele Situationen schwierig für mich, v.a. wenn sich eher "unbedarft" über das Kinderwunsch-Thema unterhalten wird. Manchmal bin ich stark, manchmal sehr, sehr schwach. Erst gestern musste ich ganz schnell verschwinden, um mich erstmal bitterlich leer weinen zu können...
Auch hadere ich sehr mit meinem Schicksal. Die Ungerechtigkeit, das ist womit ich am meisten zu kämpfen habe. Und dadurch sind alle, bei denen es "normal" ist, erstmal für mich wie "Feinde". Denen muss ich aus dem Weg gehen. Oder es tut weh. Oder ich versuche, ihnen meine Situation verständlich zu machen - was aber wieder weh tut, weil ich genau weiß, sie verstehen es eben doch nicht. AUch wenn sie es versuchen. Aber meist haben sie ein Kind und wie kann man dann verstehen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst hat kinderlos zu bleiben. Das hat ja auch was mit Selbstwert zu tun. Die "Rolle der Frau", der "Lauf der Natur"... oha, der "Sinn des Lebens".... zumindest aus meiner Sicht (um hier jetzt keine blöde Diskussion auszulösen :lachen:).
Ganz zu schweigen davon, dass wir für eine "Natürlichkeit des Lebens" so enorm viel auf uns nehmen müssen, was für Andere selbstverständlich ist. Wir kämpfen viel und lange und hart für eine Chance, die Andere "normal" jeden Monat einmal haben - und zwar, ohne was dafür tun zu müssen, im Gegenteil... nur Spaß zu haben.
Mich betrifft das Thema privat wie beruflich. Beruflich kann man sich kaum zurückziehen. Da muss man sich zusammenreißen und eine gute Show abliefern. Wie Schauspieler, denen man auf keinen Fall ansehen darf, dass da noch etwas hinter der Maske ist. Aber wenn die "Bühne" weg ist, kommt das schwarze Nichts. Ich falle dann ins Leere. Gestern hatte ich das Gefühl, dass mich das Thema einfach nur leer macht - schwach, und leer... ich hab das Gefühl, da ist eine Tonne Teer über die Seele geschüttet und ich versuche gerade noch zu atmen. Und das LEben zu meistern. Aber da noch Kraft für was Schönes zu finden, das Privatleben schön zu gestalten - dafür hab ich momentan kaum Kraft. Ich geb alles im Beruf und privat bin ich zu kaum noch was in der Lage. Einfach kraftlos, leer, schwer.
Vom Kopf her weiß ich ja, dass man sich nicht die gute Seite des Lebens oder alles Schöne kaputt machen darf und man sein Leben dennoch genießen sollte. Aber vom Herz her ist da einfach ...nichts.
Momentan bin ich in einem ziemlichen Gefühlschaos. Ich hab große Hoffnung - und gleichzeitig genau davor enorme Angst. Weil ich weiß, wie tief der Fall sein kann. Und da traue ich mich kaum noch überhaupt etwas zu fühlen. Ich bin in einer Wartehaltung.
Hm, wie ein Tier, das in eine Starre verfällt, um nicht gefressen zu werden.

Andererseits denke ich oft, zum Glück muss ich mir die Spritzen nicht wegen einer schlimmen Krankheit in den Bauch jagen. Weshalb jammer ich also?!
Oder ich bin nicht im Krieg und muss um mein Leben kämpfen.
Ich hab nur einen Wunsch. Der eben nicht erfüllt wird. Und es werden nicht alle Wünsche erfüllt, so ist das Leben nun mal. Ich werfe mich manchmal bildlich gesprochen dennoch schreiend, heulend, in alle Richtungen tretend vor dem Süßigkeitenregal auf den Boden und schreie den ganzen Laden zusammen...

Um es jetzt mal kurz zu sagen (sorry, bin sehr unstrukturiert momentan): mich hat der KiWu und va die Behandlung seeehr verändert!
Die Beziehung mit meinem Mann ist viel intensiver, empathischer und all das - wir halten einfach zusammen, sind für einander da, haben Verständnis und uns schweißt das gemeinsame Problem enorm zusammen!
Persönlich hab ich mich sehr zurückgezogen, bin sehr viel traurig, mut- und energie- und kraftlos, eifersüchtig.... hm... launisch....ja, dünnhäutig...
Ich glaube auch nicht daran, dass sich das wieder ändert. Also dass mit Kind im Arm plötzlich alles wieder gut sein wird. Oder wenn man sich entscheidet, keinen Versuch mehr zu unternehmen (aus welchen Gründen ja auch immer, wobei es mir sei es aus finanziellen Gründen umso schlimmer erscheint), dass man dann mit dem Thema "gut" abschließen kann. Dass man sich einfach auf andere Dinge im Leben konzentriert und gut ist. Das wird ein langer Weg, der noch sehr viel härter ist, als jetzt, wo es noch ums Kämpfen geht (was auch sehr viel Kraft kostet, ständig dieses Hoffen, Bangen, Zittern, ...dann mit einem Schlag enttäuscht werden.... und dann alles wieder von vorne).
Wie man seinen Weg damit umzugehen findet, weiß ich noch nicht. Ich arbeite täglich daran. Mit vielen Diskussionen - wie gesagt, vor allem mit mir selbst ...

nanammm
20.09.2015, 19:51
Oh, in der Zeit, in der ich geschrieben habe, habt Ihr schon wieder so viel Interessantes geschrieben!
Da muss ich gleich noch mal was dazusenfen :cool:

Beweme, Du hörst Dich ganz gefasst an. Für mich, mitten im KiWu-Zirkus, ist es sehr, sehr interessant, Deine Erfahrung zu lesen und wie es aktuell bei Euch ist. Ihr habt sicherlich auch sehr, sehr viel hinter Euch. Nicht zu vergessen, diese unsäglichen Situationen, in denen man sich auch noch "rechtfertigen" muss... Und dass Ihr da vlt ein bisschen stärker geworden oder noch näher zusammengewachsen seid, kann ich mir vorstellen! Das ist bei uns jetzt schon so. Aber ich denke auch viel darüber nach, wie es in Zukunft mal sein könnte. Manche Paare zerbrechen am unerfüllten Kinderwunsch. Manche Paare zerbrechen am erfüllten Kinderwunsch.
Das Forum hier hat mir enorm geholfen! Die Termine bei der Psychologin weniger. War vlt einfach nicht passend zwischen uns. Aber hier lese ich so viel von Anderen, was die erleben oder denken oder fühlen und erkenne mich in sooo vielem wieder. Fühle mich auch dann verstanden, wenn ich nicht die richtigen Worte finde...
Der Austausch ist so wichtig für mich. Ich mache so viel mit mir selbst aus, da hilft der Austausch manchmal, die Gedanken zu sortieren. Oder mal eine andere Sicht auf die Dinge zu hören. Oder den Kopf gewaschen zu bekommen. Oder von anderen Erfahrungen zu hören - und zu profitieren :smirksmile:

Cariad
20.09.2015, 19:52
Ich hatte nach meiner dritten FG eine große Krise, die mich verändert hat. Ich bin in dieser Zeit stärker und resilienter geworden, gelassener und vermutlich reifer. Ab dieser Zeit wusste ich: so oder so werde ich zu einem guten Leben finden. Die vierte FG war dann nicht mehr schlimm und bis heute, mit inzwischen zwei wundervollen kleinen Kindern, profitiere ich von der "Ernte" dieser anstrengenden Zeit.

Ist also in jeder Hinsicht gut für mich ausgegangen.

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 20:01
Ach, nanamm du hast's auch nicht leicht im Moment :in den arm nehmen: Ich wünsche dir so sehr, dass es diesmal klappt!

Ja, dass ganz viele das Thema nicht so richtig verstehen können, treibt mich auch um im Moment. Wir gehen ja mit dem Thema recht offen um. Die paar Vertrauten, welche die 3 Versuche (und hauptsächlich die Resultate) tatsächlich mehr oder weniger direkt mitbekommen haben, können sich schon recht gut einfühlen, denke ich. Grad bei meiner Mutter hab' ich sogar ein schlechtes Gewissen, sie so zu belasten, aber unser Verhältnis ist einfach zu eng, als dass ich das vor ihr verbergen könnte. Abgesehen davon ist da aber rundum tatsächlich viel Unverständnis - und in Einzelfällen auch schiere Dummheit - vorhanden.

So wie du bin ich im Moment oft traurig. Ich finde jedoch Traurigkeit - sofern sie auch wieder vergeht - weniger schlimm als die lähmende Mutlosigkeit, die ich auch zur Genüge kenne... Leider hab' ich auch kein Rezept um da wieder rauszukommen. Manchmal helfen mir Arbeiten im Haushalt (Lampe aufhängen, backen, aufräumen...) aber oft ist mir das dann auch zuviel.

Wir werden uns nun vermutlich auch psychologische Unterstützung holen. Eigentlich glaube ich zwar, dass wir uns recht gut schlagen, aber es ist halt ein schmaler Grat, auf dem wir da unterwegs sind. Hast du darüber auch schon nachgedacht?

Nachtrag: Ach, ich sehe gerade dass die Psychologin nicht so der Bringer war... Es ist sicher auch nicht das Allerwelts-Heilmittel...:smirksmile:

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 20:12
Ich hatte nach meiner dritten FG eine große Krise, die mich verändert hat. Ich bin in dieser Zeit stärker und resilienter geworden, gelassener und vermutlich reifer. Ab dieser Zeit wusste ich: so oder so werde ich zu einem guten Leben finden. Die vierte FG war dann nicht mehr schlimm und bis heute, mit inzwischen zwei wundervollen kleinen Kindern, profitiere ich von der "Ernte" dieser anstrengenden Zeit.

Ist also in jeder Hinsicht gut für mich ausgegangen.

Liebe Cariad

Deine Geschichte ist mir im Gedächtnis geblieben und freue mich sehr für dich, dass es schlussendlich gut ausgegangen ist!

Ich erkenne mich ein Stück weit in dem, was du schreibst. Ich glaube stärker und reifer hat mich die Erfahrung auch gemacht. Etwas mehr Gelassenheit würde ich mir auch wünschen, aber vielleicht bin ich da auch generell einfach nicht so der Typ dafür...

Es ist seltsam, nachdem nun unsere Kryos aus dem 1. Versuch alle aufgebraucht sind, setzte ich mich gefühlt zum ersten Mal so richtig mit meinen eigenen Grenzen und Gefühlen auseinander.

beweme
20.09.2015, 20:13
gefaßt höre ich mich an, okay, ich bin 50, unsere aktive Kinderwunschzeit war von 1993 bis ca. 2005, was ja auch schon eine lange Zeit ist, und ich wollte nie eine "späte" Mutter sein, so ein Quatsch im nachhinein, heute weiß ich, ich wollte überhaupt eine Mutter sein.

und ganz ehrlich, zuerst geht man ja recht unbedarft an die ganze Sache heran, wir wünschen uns ein Kind, ich setzte die Pille ab, und schwupps, bin ich schwanger, im ersten Jahre haben wir noch verhütet, weil wir sehr gerne ein "Sommerkind" haben wollten, nachher war der größte Wunsch, überhaupt ein Kind zu haben.

nach 2 Jahren sind wir dann in die Maschinerie geraten, ich wurde auch insgesamt 6 mal schwanger, hatte dann 2 Eileiterschwangerschaften, beide Male zu spät entdeckt, mit Not OP usw. danach haben wir immer eine längere Pause eingelegt, das mußten wir auch erstmal verarbeiten. so wurden die Pausen auch immer länger, und irgendwann fällt einfach die Entscheidung, jetzt reicht es!

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 20:19
im ersten Jahre haben wir noch verhütet, weil wir sehr gerne ein "Sommerkind" haben wollten, nachher war der größte Wunsch, überhaupt ein Kind zu haben.
Ach ja, das kenn' ich auch. Wenn ich dran denke, wie viel Zeit wir vertrödelt haben weil ich es "besser fand" erst noch meine Weiterbildung abzuschliesse... Naja, was will man im Nachhinein auch ändern, das gehört jetzt halt auch irgendwie dazu!

nanammm
20.09.2015, 20:22
Oja, wenn die Kinderwunschbehandlung endlich zum "happy end" führt - dann ist noch lange nicht überstanden! Das wird einem leider schmerzlich bewusst! Was, wenn es nach langer Behandlung und "happy end",auch noch zu Komplikationen kommt?? Da hat es endlich mal mit der Behandlung geklappt, dann kommt wieder ein Schlag ins Gesicht! Und dann soll man dafür auch noch Kraft haben.
Und wer weiß, wie es dann weiter geht... oh man, der Weg zur Schwangerschaft kostet schon so viel, aber dann ist es dennoch noch nicht sicher, bzw. kann immer noch was passieren.
Ja, ich weiß, auch wenn das Kind auf der Welt ist, kann immer noch was passieren. Ich weiß das alles und versuche mich schon jetzt auch mit solchen Gedanken auseinander zu setzen.
Aber va beschäftigt mich verständlicherweise momentan mehr der Weg, überhaupt mal soweit zu kommen. Und wenn man dann evtl mal soweit sein sollte, dann hat man sicherlich enorme Angst, dass es zu Komplikationen kommt.... die Ängste werden nie wieder aufhören. Und das meine ich auch - während Andere erstmal nur Spaß im Bett haben und dann vom Glück überrollt werden (...), dürfen KiWu-Frauen von Anfang an Sorgen und Ängste erleben. Wunderbar... So ist das Leben. Tja, ja.
Oh man, ich rutsche schon wieder ab :zwinker:
Und nein, mir helfen keine Hausarbeiten :freches grinsen: Ich kann mich selten zu was aufraffen. Mich kostet das Zusammenreisen auf der Arbeit so viel Kraft und Energie, dass ich Zuhause nur noch zusammenklappe. Die Wäsche türmt sich, der Staub ebenfalls und ach ja, das Geschirr.... zum Glück ist mein Mann sehr nachsichtig. (Nein, er ist kein Macho, er übernimmt hin und wieder was - wobei wir hier aufgeteilt haben in "Männer-/Frauenarbeiten" :freches grinsen::freches grinsen: Ich mache dann doch lieber die Wäsche, als Handwerkliches...)
Ich hab es schon mit Vielem versucht: puzzeln, Computer spielen, lesen, Gartenarbeit, nähen....
Aber mit allem ist es wie mit der Gefühlswelt: mal voller Eifer, dann wieder zu nix fähig.

nanammm
20.09.2015, 20:32
und irgendwann fällt einfach die Entscheidung, jetzt reicht es!
Ihr habt ja eine echt heftige Geschichte hinter Euch!!! Und dass dann irgendwann der Punkt kommt, dass man das einfach nicht mehr möchte, kann ich sofort verstehen!!
Hattest Du oder Ihr psychologische Unterstützung oder vlt Gespräche in der Klinik oder sowas??
Ich stelle mir das doch sehr schwer vor, mit solchen Schlägen umzugehen und zu einem "normalen" leben zu finden. Umso mehr habe ich mich gefreut zu lesen, dass Ihr glücklich seid, Euch zu haben und gesund zu sein und etwas aus Eurem Leben gemacht zu haben!
Mein Mann und ich reden auch sehr viel darüber. Wir haben uns, das ist das Wichtigste!

Wie gesagt, wenn man die Behandlung aus finaziellen Gründen beenden muss, finde ich momentan noch am schlimmsten. Manchmal ist es aus gesundheitlichen Gründen oder so.
Wenn es keinen Grund gibt und man es quasi selbst entscheiden muss - puhhh, schwierig! Dann muss man schon sehr stark sein, so einen Entschluss zu fassen. Ja, wie Du schreibst, beweme, irgendwann kommt vlt der Punkt, an dem man einfach keine Lust mehr auf all das hat - und einfach mal wieder LEBEN will.

beweme
20.09.2015, 20:54
Ihr habt ja eine echt heftige Geschichte hinter Euch!!! Und dass dann irgendwann der Punkt kommt, dass man das einfach nicht mehr möchte, kann ich sofort verstehen!!
Hattest Du oder Ihr psychologische Unterstützung oder vlt Gespräche in der Klinik oder sowas??
Ich stelle mir das doch sehr schwer vor, mit solchen Schlägen umzugehen und zu einem "normalen" leben zu finden. Umso mehr habe ich mich gefreut zu lesen, dass Ihr glücklich seid, Euch zu haben und gesund zu sein und etwas aus Eurem Leben gemacht zu haben!
Mein Mann und ich reden auch sehr viel darüber. Wir haben uns, das ist das Wichtigste!

Wie gesagt, wenn man die Behandlung aus finaziellen Gründen beenden muss, finde ich momentan noch am schlimmsten. Manchmal ist es aus gesundheitlichen Gründen oder so.
Wenn es keinen Grund gibt und man es quasi selbst entscheiden muss - puhhh, schwierig! Dann muss man schon sehr stark sein, so einen Entschluss zu fassen. Ja, wie Du schreibst, beweme, irgendwann kommt vlt der Punkt, an dem man einfach keine Lust mehr auf all das hat - und einfach mal wieder LEBEN will.

psychologische Betreuung, eher nicht,
wir haben eigentlich alles mit uns ausgemacht, meine damaligen Freundinnen wurden eigentlich zügig und im Plan schwanger und waren mir keine wirkliche Hilfe, unsere Mütter standen auch sehr hilflos vor uns, einzig meine Schwester war mir eine große Stütze, sie und mein Schwager brauchten auch "Hilfe" und bei ihnen hat es Gott sei Dank, sogar zweimal geklappt, und nach überstandener Kiwu-Behandlung hat sich dann noch ein "Glückskind" eingeschlichen, was dann auch noch sehr willkommen war.

das war schon ein Schlag, aber es hat uns erstaunlicher Weise nicht so viel ausgemacht, da es meine eigene Schwester war und sie auch einen solch steinigen Weg hatte, der dann doch von Erfolg gekrönt war.

wir wollten auch gar nicht so wirklich mit Fremden sprechen, weil wir uns so unvollkommen fühlten, unvollkommen ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber wir waren die einzigen, die sich so schwer taten, ein Kind zu zeugen und zu bekommen.


und ja, wir haben einiges mitgemacht und jede von euch tut doch zur Zeit genau das gleiche, oder??

leider ist der Weg zum eigenen Kind für viele nicht ganz so einfach

stripes_on_a_tiger
20.09.2015, 21:17
Ich glaube, dieser Punkt, dass man einfach keine Lust mehr hat auf den ganzen Sch***** kann manchmal auch recht unverhofft kommen. Ich dachte irgendwie immer, wir machen einfach weiter, bis es klappt (oder ich definitiv zu alt bin - und da hätten wir schon noch eine handvoll Jahre vor uns). Und jetzt denke ich schon nach der ersten Runde ans Aufhören...

Wir wollen zwar noch nicht ganz aufgeben, aber bei mir ist da definitv ein Prozess in Gang gesetzt worden. Ich merke, wie "es in mir drin arbeitet". Dieser Moment, als mich beim letzten Mal die Praxis angerufen hat und ich wie eine Blöde immer nur dachte "das passiert gar nicht mir, das passiert gar nicht mir, das ist ein böser Traum" ist mir schon ziemlich "eingefahren"

beweme
20.09.2015, 21:40
Wir wollen zwar noch nicht ganz aufgeben, aber bei mir ist da definitv ein Prozess in Gang gesetzt worden. Ich merke, wie "es in mir drin arbeitet". Dieser Moment, als mich beim letzten Mal die Praxis angerufen hat und ich wie eine Blöde immer nur dachte "das passiert gar nicht mir, das passiert gar nicht mir, das ist ein böser Traum" ist mir schon ziemlich "eingefahren"

dieser Prozess, von dem du sprichst, der setzt auf jeden Fall irgendwann ein, und das ist auch gut so, so schlimm wie sich das gerade jetzt für dich anhört.

der Abschied vom Kinderwunsch war für uns auch eine richtige Trauerarbeit und manchmal kommt alles wieder hoch, so wie heute Abend zum Beispiel, als ich deinen Strang gelesen habe und ich glaube, der begleitet mich mein Leben lang.

wir stellen am 2. Sonntag im Dezember (ein Licht geht um die Welt) immer Kerzen ins Fenster und denken ganz bewußt an unsere nicht geborenen Kinder, und dann kommt alles so ganz gebannt wieder hoch. mittlerweile nicht mehr mit der ganzen Wucht, Trauer verändert sich.

auch nach Wochenenden, wenn wir einen Neffen oder eine Nichte übers WE verwöhnt haben, und sie Sonntags Abends wieder abgeben, dann denken wir oft, das hätten wir auch haben können, andererseits sind wir extrem froh, Kinder in unserer Familie zu haben, so das wir doch ein Leben mit Kindern führen können, zwar anders , als wir es uns vorgestellt haben, aber doch auch sehr schön
wir sind uns sicher, eine tolle Bindung zu ihnen aufgebaut zu haben,. das macht uns auch stolz.


stripes on a tiger
bitte, bitte gib erst dann auf, wenn du dir wirklich sicher bist, dieser Entschluß ist so endgültig, der will wohl überlegt sein.

nanammm
20.09.2015, 21:42
Das glaube ich halt auch, dass sich diese negativen Gefühle, va die Ängste, einfach so einbrennen, dass man die nie wieder los bekommt. Selbst wenn man dann tatsächlich sw werden sollte oder sogar ein Kind bekommen sollte - die Gedanken werde uns bestimmt immer begleiten.
Ich stelle mir zB vor, wie glücklich ich sein könnte, endlich sw sein zu dürfen... und sehe mich dann aber in Tränen ausbrechen, weil die Hühner im Geburtsvorbereitungskurs sich darüber auslassen, dass sie es kaum fassen können, wie schnell/unverhofft es doch geklappt hat (or what ever). So schätze ich mich zumindest ein :cool:

Cariad
21.09.2015, 08:00
Am zweiten Sonntag im Dezember zünde ich auch immer eine Kerze an und vergieße ein paar Tränen. Immer noch - das ist eben jetzt ein Teil von mir.

Trauer um Verlorenes gehört zum Leben dazu, das finde ich an sich auch nicht schlimm. In einem Roman habe ich den Satz gelesen: "Auch mit achtzig würde sie noch Mutter eines toten Kindes sein" (oder so ähnlich, es geht um ein im Schulalter verstorbenes Kind).

Gemme
21.09.2015, 09:50
Hallo Ihr Lieben,

Stripes, das ist so ein wichtiger Strang,
und trotzdem kann ich gar nicht gut in Worte fassen, was ich dazu sagen kann.

In meinem Leben ist schon öfter was nicht nach Plan gelaufen, deswegen trifft mich das "warum passiert mir sowas" - Dingens nicht ganz so hart.

Verändert hat sich zumindest phasenweise mein Vertrauen in meine eigene Gelassenheit und darin, daß ich schon immer selber mein Problem lösen kann - ich bin einfach so verdammt abhängig von Dingen, die nur begrenzt in meinen Einflussbereich fallen.

Aber ich bin fest entschlossen, aus der Sache gestärkt hervorzugehen!

stripes_on_a_tiger
21.09.2015, 10:40
@ bewema
Deine Worte haben mich wirklich sehr gerührt. Ja natürlich kommt das Thema in unterschiedlichen Formen - und in unterschiedlicher Intensität - immer wieder zum Vorschein. Das Ritual mit den Kerzen finde ich schön, auch dass ihr das gemeinsam "zelebriert".

Bzgl. Aufhören: Nein, wir sind noch nicht soweit, dass wir aufhören könnten. Aber es ist für mich doch vorstellbar geworden, dass wir irgendwann aufhören möchten, ohne "Erfolg" zu haben. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns finanziell noch einige Versuche leisten könnten. Seelisch glaube ich einfach, dass bei mir irgendwann - bald - die Kräfte erschöpft sind.

@ Gemme
Ich bin auch jemand, der die Dinge gerne selber in die Hand nimmt. Mir ist nie unbedingt "alles in den Schoss" gefallen, aber ich habe mir viel erarbeitet und damit oft auch Erfolg gehabt. Sicher, ein bisschen Glück gehört immer dazu, aber ich hatte bisher immer den Eindruck, dass man das Glück eben auch ein bisschen "erzwingen kann" (das hat man ja früher auch der deutschen Fussballnationalmannschaft immer nachgesagt :freches grinsen:). Mir fällt es sehr, sehr schwer zu akzeptieren, dass ich nun mehr oder weniger zur Untätigkeit verdammt bin und die Erfolgsaussichten kaum beeinflussen kann...

stripes_on_a_tiger
21.09.2015, 10:46
Trauer um Verlorenes gehört zum Leben dazu, das finde ich an sich auch nicht schlimm.
Ja, ja, ja! Trauer gehört zum Leben dazu, gibt uns auch Tiefe und macht uns zu den Menschen, die wir sind. Daher auch meine Frage nach den guten und schlechten Seiten...

Allerdings ist die Trauer um die verlorenen Embryonen sehr, sehr schwer zu vermitteln. Wenn ich von meiner "Fehlgeburt" erzähle sind die Leute (d.h. die Mehrheit :zwinker:) immer ganz verständnisvoll und mitfühlend. Wenn ich von den Versuchen erzähle, wo es einfach gar nicht geklappt hat ernte ich viel Verständnislosigkeit. Dabei besteht eigentlich gar kein grosser Unterschied - beides war nach rund zwei Wochen Warteschleife vorbei - und für mich persönlich waren die negativen Versuche sogar viel, viel schwerer zu ertragen, als der hCG-Krimi...

Gemme
21.09.2015, 13:12
Stripes,
also das kann ich z.B. mir sehr gut vorstellen.
Ich glaube, es ist irgendwie schwieriger,
um etwas zu trauern, das es nicht in greifbarer Form gegeben hat vorher.

So trauert man um ein Ideal, dessen wahre Seiten - positiv wie vor allem auch negativ! - man nie erlebt hat.

@Beweme, ich lese Dich auch immer sehr gerne, vielen Dank für Deine Zeilen!
Sie berühren mich sehr, aber ohne wehzutun. Danke!

nanammm
21.09.2015, 15:13
Mir ist noch was aufgefallen, was bei mir vor allem während eines Versuchs schwierig ist:

Man verbietet sich das Hoffen ...oder gar Freuen, wenn ein kleines Schrittchen geschafft ist.
Denn man weiß ja nie... :knatsch:

Versteht auch keiner, dass man sich nicht freut, wenn man es doch schon mal so weit geschafft hat...

stripes_on_a_tiger
21.09.2015, 15:56
Zum Thema Partnerschaft ist mir auch noch was eingefallen: In gewissen Mainstream-Medien (z.B. Romane) wird der unerfüllte Kinderwunsch / respektive die KiWu-Behandlung immer mal wieder als Aufhänger genommen, um die Handlung in Gang zu setzen. Sozusagen...:zahnschmerzen:

Da trifft die Protagonistin einen tollen Mann, der aber leider verheiratet ist. Glücklicherweise :grmpf: befindet der sich mit seiner Frau (die ja sowieso nicht zu ihm passt) gerade in einer langwierigen KiWu-Behandlung (weil sie ja eh nicht zusammen passen, klappt es auch mit dem Schwanger-Werden nicht). Weil die Behandlung ja so schlimm ist wendet er sich daraufhin der Protagonistin zu (weil der Typ so toll ist muss da noch ein handfester Grund her, so einfach kann der ja nicht fremdgehen und was gibt es Schlimmeres als eine KiWu-Behandlung). Aufgrund der immensen Belastung (und weil es natürlich trotz aller Bemühungen doch nie klappt, die Natur...) trennen sich dann der tolle Mann und seine (unpassende) Frau, worauf dieser dann endlich frei ist für die Protagonisten. Die wird dann natürlich (weil die Natur selbstverständlich merkt, dass die zwei einfach zusammengehören) umgehend schwanger und alle sind happy. Also, abgesehen von der armen Ex-Frau natürlich... :freches grinsen:

Das ist ein bisschen überzeichnet, aber grad' kürzlich hab ich wieder ein entsprechendes Buch gelesen (Marian Keyes, typische Chick-Lit :pfeifend:, muss manchmal halt einfach sein...). Es erstaunt mich nicht, dass dies der Mainstream ist, auch ich habe schon Bemerkungen gehört, die in diese Richtung gehen. Erstaunlich finde ich jedoch, dass die Realität oft anders aussieht, dass nämlich diese Lebenskrise viele Paare enger zusammenschweisst und schlussendlich stärker macht.

beweme
21.09.2015, 17:16
@Beweme, ich lese Dich auch immer sehr gerne, vielen Dank für Deine Zeilen!
Sie berühren mich sehr, aber ohne wehzutun. Danke!

Gemme, danke:blume:

ja, das war gestern mal wieder so ein Abend, an dem dann alles mal wieder "hochkam".

aber damit muß ich leben, und das kann ich eigentlich auch ganz gut.

mir tut es gut, hier zu schreiben, obwohl ich manchmal denke, ich raube den Frauen in dieser schwierigen Phase alle Illusionen,
aber es ist mir wichtig anzuregen, daß trotz aller Trauer und Verzweiflung das Leben auch ohne Kinder lebenswert sein kann, ich hoffe, ich trete hier niemandem zu nahe.

Wirklich wichtig in dieser schweren Zeit ist es, den Partner nicht aus den Augen zu verlieren, Männer leiden genauso unter ungewollter Kinderlosigkeit, können es aber auch sehr oft nicht so wirklich gut mitteilen, und ganz besonders wichtig,
bitte nicht die Hoffnung verlieren.

alles Gute für euch und ich wünsche euch wirklich von Herzen, daß eurer Traum vom eigenen Kind bald in Erfüllung geht!

stripes_on_a_tiger
21.09.2015, 17:40
mir tut es gut, hier zu schreiben, obwohl ich manchmal denke, ich raube den Frauen in dieser schwierigen Phase alle Illusionen, aber es ist mir wichtig anzuregen, daß trotz aller Trauer und Verzweiflung das Leben auch ohne Kinder lebenswert sein kann, ich hoffe, ich trete hier niemandem zu nahe. Ich freue mich sehr, dass du hier schreibst und kann auch genau das mitnehmen: dass man eigentlich aus jedem Leben ein gutes Leben machen kann! Du machst mir Mut, Illusionen hab' ich schon genug... :smirksmile:

Gemme
21.09.2015, 19:00
Beweme,

mir geht das genau wie Stripes.
Du schreibst so ehrlich und einfühlsam, und obwohl Du nicht so tust, als ob das alles ganz easy wäre, ist es mir trotzdem tröstlich.

beweme
21.09.2015, 19:13
stripes und Gemme

danke für eure lieben Worte.

Louette
22.09.2015, 15:23
Obwohl unsere Kiwu-Zeit gut geendet ist, unser 2. ICSI-Kind soll in 4 Wochen auf die Welt kommen, habe ich mich verändert. Mir ist die komplette Leichtigkeit rund ums Kinder kriegen abhanden gekommen, es ist nicht mehr selbstverständlich und es wird es nie wieder sein. Zwar heilen die Wunden, aber es bleiben Narben, die trotz abgeschlossener Familienplanung schmerzen. Mal sind sie präsent, mal fast unsichtbar. Aber auch heute noch kann ein überraschendes "Ich bin schwanger" stechen oder schmerzen, es bringt mich aber nicht mehr zum Weinen. Bevor ich das 2. Mal schwanger wurde, habe ich mit diesen Messungen mehr gehadert, aber immer wieder versucht mich damit zu trösten, dass mein größter Wunsch bereits in Erfüllung gegangen ist.
So war auch die zweite Runde Kinderwunschbehandlung für mich wesentlich leichter zu ertragen als die erste.

Was mir immer klar war, war, dass wir es versuchen müssen, damit ich im Falle des Falles damit leben kann, kinderlos zu bleiben. Da es nach der ersten Diagnose so aussah als gäbe es gar keine Spermien, fing damit bereits die große Trauerphase an. Nachdem dann doch einige wenige Spermien gefunden wurden, bin ich recht schnell schwanger geworden noch bevor ich die Diagnose "verarbeitet" hatte.
Es ist mir sehr schwer gefallen im RL zu erzählen, dass ich schwanger bin, wusste ich doch zu genau wie schmerzhaft das sein kann. Es hat mich also sehr geprägt.
Irgendwie gerade schwer in Worte zu fassen,...

Ich wünsche euch alles Gute und viel Glück!

nanammm
22.09.2015, 17:05
...ich kann mir vorstellen, dass es nach so einer Geschichte besonders schwer ist "fröhlich zu verkünden", dass man schwanger ist...
Nicht nur, weil da die eigenen Ängste mitschwingen oder weil man kaum an sein Glück glauben kann oder so.
Ich glaube, auch weil man selbst so sehr sensibilisiert wurde, was das Outen angeht - schließlich weiß man, wie weh ein solcher Satz manchen Menschen tun kann.

So habe ich als Hoffnungsfrau schon Angst davor, wenn Freundinnen (die Bescheid wissen über meine Geschichte) sich mir gegenüber outen "müssen" und schon überlegen, wie sie das wohl möglichst schonend tun.
Und die Frage, die sich mir dann immer besonders stellt, wie reagiere ich bloß!??!?

madamexx
22.09.2015, 20:09
Mich hat der Strang sehr berührt. Danke für Eure Berichte. Und beweme, mir ging es auch so: aus Deinen Worten lese ich, wie stark ihr seid und dass - wenn auch ein Schmerz bleibt/das Thema zwischendurch auch mal wieder hochkommt - ihr trotzdem einen gemeinsamen Weg gefunden habt, ein gutes Leben zu leben. Das bewundere ich sehr! Und finde es auch unheimlich tröstlich.

Wie mich die KiWu-Zeit verändert hat: ich habe jede Menge Arbeitsblockaden ausgepackt, ich bin oft kraft- und energielos, ich muss andauernd im Internet Fragen rund um Kinderwunschbehandlung/Schwangerschaft/Kinder nachlesen und darüber hinaus fällt es mir schwer, mich auf anderes (Arbeit, Freundschaft, Parties) einzulassen. Alles außer mein Mann und die Kinderfrage sind mir leider meistens ziemlich egal. Darunter leide ich, ich finde es "falsch", aber irgendwie kann ich es (bisher) nicht ändern. Früher hatte ich oft das Gefühl, dass alles sich gut fügt, dass sich mir viele Chancen eröffnen... nun fühle ich mich nicht "in Kontrolle" meines Lebens. Und komischerweise hat sich das mit der Schwangerschaft nicht verändert. Seid ich schwanger bin, ist aber diese zugrundeliegende Traurigkeit weg.

Ich warte aber immer noch darauf, dass die Dinge mir wieder leichter fallen, dass ich mich für etwas anderes interessiere als Kinderwunsch, Schwangerschaft und Kinder, dass ich mehr Energie habe und sich das Gefühl einstellt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

In der Beziehung ist auch Leichtigkeit und Freude verloren gegangen, aber dazu kommt die Sicherheit, dass wir auch in schwierigen Zeiten zueinander halten. Wir streiten auch sehr wenig und im Vergleich zu anderen Paaren, die ich kenne, unterstützen wir uns mehr, haben mehr Verständnis füreinander und kämpfen weniger "gegeneinander"...

Ich hoffe, das alles klingt nicht komisch und verletzt niemanden. Ich bin unheimlich dankbar über die Schwangerschaft. Aber irgendwie sind noch nicht alle Probleme verschwunden/hat die Behandlungen immer noch Auswirkungen.

Lady_in_waiting
22.09.2015, 21:13
.
So habe ich als Hoffnungsfrau schon Angst davor, wenn Freundinnen (die Bescheid wissen über meine Geschichte) sich mir gegenüber outen "müssen" und schon überlegen, wie sie das wohl möglichst schonend tun.
Und die Frage, die sich mir dann immer besonders stellt, wie reagiere ich bloß!??!?
Du wirst gut Acht auf Dich geben. Und Deinen Freundinnen auch mal die Rückmeldung geben müssen, dass sich das Treffen mit ihnen zu schlimm anfühlt und Du Dich ein wenig zurückziehen musst. Mit der entsprechenden Erklärung verstehen gute Freundinnnen das. :smile: Und wenn nicht, dann ist es auch nicht schade um die Freundschaft.

Übrigens verlange ich auch von richtig guten Freundinnen nicht, dass sie bei einer Schwangerschaftsankündigung meinerseits vor Freude in die Luft springen. Das fände ich irgendwie egozentrisch und narzistisch. Wer mag, darf gerne wohlwollend zur Kenntnis nehmen, aber ich muss wegen so eines "normalen" Ereignisses nicht groß im Mittelpunkt stehen, oder so. (Mich nervt das übrigens immer noch an, wenn wir von Pärchen-Freunden wegen einer Schwangerschaftsverkündigung zum Brunch gebeten werden, Das hat so was zwanghaftes...).

leandra28
22.09.2015, 23:50
Um auf die Ausgangsfrage zu antworten: Ja, die Kiwu-Zeit hat mich definitiv verändert.

Zunächst mal habe ich dadurch gelernt, WIE existentiell ein Kinderwunsch ist, und wie wenig er mit anderen (z.T. auch unerfüllbaren) Wünschen vergleichbar ist. Das war eine sehr tiefgehende Erfahrung.

Jetzt zu dem, wie ich heute auf die Zeit zurückblicke:

Ähnlich wie Beweme (tolle Beiträge - danke dafür! :blume:) - wobei unsere Geschichte sich insbesondere dadurch wesentlich unterscheidet, dass ich ein Kind bekommen habe - würde ich die Formulierung verwenden "Es schmerzt noch manchmal, aber ich hadere nicht mehr". Das trifft den Unterschied ziemlich genau.

Wer meine Geschichte nicht kennen sollte: Ich habe einen nunmehr siebenjährigen Sohn, entstanden durch IUI nach vorangeganger Follikelstimulation. Die sehr langwierige Behandlung für ein Geschwisterchen verlief (abgesehen von einer kurzen Schwangerschaft mit MA in der 10. Woche) ergebnislos.

Ich kenne (mindestens) zwei verschiedene Ursachen für einen schmerzhaften Stich, den ich manchmal empfinde, und manchmal kann ich diese Ursachen nicht so genau trennen.

Da ist einerseits immer noch die Verletzung "Unverschuldet und ohne dass ich daran etwas ändern konnte war ich nicht in der Lage, selber zu planen, ob / wann / wieviele Kinder ich bekomme".

(Der Satz "Niemand hat ein ANRECHT darauf, ein Kind zu bekommen", den mir damals jemals hilfreich gesagt hat, hat sich mir zwar sehr eingebrannt, aber wenn ich mit Menschen konfrontiert werde, die von diesem Gedanken nichts ahnen, sondern im Gegenteil 'so selbstverständlich wie nur was' ihre Familienplanung betreiben, die sich dann auch exakt wie gewünscht umsetzen lässt, so als ob ihnen das ganz natürlich "zustünde", dann nützt mir das eben auch nichts mehr, und ich bedauere einfach nur, dass uns diese Selbstverständlichkeit nicht vergönnt war. Es macht mich teils wütend, teils traurig, teils alles beides zugleich.)

Andererseits lösen "Zweitschwangerschaften" bei mir immer noch gelegentlich einen heftigen Stich aus, weil ich eben auch soooo gerne ein zweites Mal schwanger gewesen wäre und soooo gerne ein zweites Kind beim Aufwachsen begleitet hätte sowie meinen Sohn zusammen mit einem Geschwisterchen gesehen hätte.

Es ist natürlich nicht so, dass ich das jemandem missgönne (das war noch nicht mal in meinen "schlimmsten Zeiten" so), aber das "will auch!" lässt sich halt nicht leugnen, bzw. mittlerweile eher ein "ach wäre es doch bloß ... gewesen".

Diese Stiche kommen mal mehr, mal weniger, insgesamt kommen sie seltener, da ich mich vom Thema immer mehr entferne. Aber ich denke schon, dass dieses grundsätzliche Bedauern mich in irgendeiner Form bis an mein Lebensende begleiten wird. (Womit ich aber nicht sagen möchte, dass ich deswegen nicht trotzdem auch ein zufriedenes, dankbares Leben führen könnte!!)

Was mir wohl auch immer bleiben wird, ist so eine Art Faszination oder Ungläubigkeit, dass man tatsächlich durch häusliches Spaßhaben im Bett ein Kind zeugen kann. Dieser Gedanke ist für mich vollkommen abstrakt und unvorstellbar geworden. Dass das Schwangerwerden und das Feststellen der Schwangerschaft "eigentlich" eine private Sache ist, ist mir total fern. Verrückt.

Auf der anderen Seite hat mich die Kiwu-Zeit auch bewusster und irgendwie auch dankbarer gemacht. Ich habe eben am eigenen Leib erfahren, dass es nichts Selbstverständliches, sondern etwas ganz Besonderes ist, ein Kind bekommen zu dürfen. Natürlich habe ich mit meinem Kind einen ganz normalen Alltag mit all seinen Problemchen, mit meiner Ungeduld, seinen kindlichen Nervereien, dem ein oder anderen schwierigen Thema, aber ich spüre doch immer wieder so ein Aufflackern dieses "Dass ich das überhaupt erleben darf! Das war gar nicht selbstverständlich, dass es doch noch geklappt hat! Was für ein Wunder!"

Diese Achtsamkeit oder besondere Wahrnehmung möchte ich nicht missen.

sascha99
23.09.2015, 13:56
Mich würde auch interessieren, wie das "danach" ist. Bleibt was zurück, auch wenn man dann irgendwann ein Kind in den Armen hat? Und falls es nicht klappt, kann man irgendwann wirklich darüber wegkommen?
Hallo stripes on a tiger,
wir waren ca. 2 Jahre lang in der Kinderwunschmühle - im Moment bin ich schwanger bei 12+5, also die risikoreichste Zeit scheint vorbei zu sein. Aber - ich kann Dir versichern - als Ex-Kinderwunschfrau ebben dann die Ängste mit Eintritt der Schwangerschaft, mit dem Schlagen des Herzchens nicht ab. Aber bereits jetzt bin ich einfach unendlich froh für das, was ich/wir gerade erleben dürfen.

Was es so unendlich schwer gemacht hat für mich in der Kinderwunschzeit war der ungewisse Ausgang der Behandlung. Würde einem einer sagen, dann und dann bist Du schwanger, es ließe sich leichter aushalten. Hinzu kam bei "uns", dass wir wirklich kein einfacher Fall waren: ICSI-Indikation (damit hat sich auch das warten auf einen Glückstreffer "zwischendurch" dann erledigt) seitens meines Mannes, bei mir niedriger AMH-WErt und grenzwertig hoher FSH-Wert. Die Diagnose "verfrühte Wechseljahre" stand mit 39 Jahren im Raum.:knatsch: Mir ging es oft sehr sehr schlecht. Weil noch nicht einmal die Stimulationen an sich "reibungslos" verliefen. Immer die Frage: Wächst überhaupt was? Reagiert mein Körper überhaupt? Nein, ich hatte auch manchmal keine "Lust" mehr im Hoffnungsstrang zu lesen, wenn Frauen sich "beschwerten", dass sie aber jetzt nur 3 oder 4 Eizellen haben. Ich saß vor'm Rechner und dachte: "Seid doch froh! Ihr kriegt wenigstens einmal eine Chance." Zu dieser Zeit (Mitte 2014) habe ich mich ziemlich zurückgezogen aus sämtlichen Netzwerken. Wir wechselten dann nochmal die Klinik, aber auch in dieser renommierten Klinik lief es erstmal mau mau. Ähnlich wie Du, habe ich dann Ende des Jahres/ Anfang diesen Jahres angefangen, an meiner "anderen" Baustelle, dem Beruf, zu arbeiten. Und mich trotz noch aktiver Kinderwunschbehandlungen zu bewerben. Man braucht einen Plan B. Das wurde mir immer mehr klar. Und es liegt an einem SELBST, wie man dann mit der Kinderlosigkeit umgeht. Was man "trotzdem" macht. Hier gab es bei MIR ein "Schlüsselerlebnis".

Zur Jahreswende machten mein Mann und ich Urlaub in einem Wellnesshotel. Die "gutgemeinte" Auszeit entpuppte sich als blanker "Horror". Direkt an unserem Nebentisch saß eine Gruppe von - wie soll ich es nennen? - Typ junge, aufstrebende Banker und/oder Unternehmensberater - mit ihren gertenschlanken, blonden "Püppchen" und mindestens einem Kleinkind.:knatsch: Wie wir erfuhren (den Gesprächen der lautstarken Runde konnte man sich nicht entziehen), überlegten manche von Ihnen auch, die Kleinen direkt zweisprachig zu erziehen, da gingen Einige schon mit gutem Beispiel voran. Danke - so konnte ich nebenbei auch noch mein Englisch/Französisch aufpeppen.:knatsch::zwinker: Es war irgendwie eine riesige Gruppe und obwohl ich mich bis zum Schluss nicht entscheiden konnte, ob ich die Männer und/oder Frauen unsympathischer fand, schienen für mich mein Mann und ich das einzige Paar im Nicht-Rentenalter zu sein, die keine Kinder hatten. SO war mein Eindruck. Und das machte mich traurig. Unendlich traurig. Dann wütend. Und an Tag 6 (also einem Tag bevor wir abreisten) hatte ich so viel Zeit damit vergeudet, traurig und unglücklich zu sein, dass ich weder die tolle Winterlandschaft noch den genialen Wellnessbereich richtig schätzen konnte. Und irgendwie hat sich dann ein "Schalter" umgelegt und ich hatte irgendwie keine Lust mehr, ständig schlecht drauf zu sein. Wegen etwas, woran ich weder Schuld war, noch was ich irgendwie beeinflussen konnte. Ich nahm mir dann an Sylvester vor, wieder proaktiv was an meiner Arbeitssituation zu ändern und den Kinderwunsch nicht mehr zu "fanatisch" zu verfolgen. Brachte ja alles nichts.

Der Arzt der neuen Klinik hatte mir ein Medikament verschrieben, dass ich schon vorher haben wollte, aber meine "alte" Klinik hielt nichts davon. DHEA. Der Doc meinte, vielleicht bringts was. Aber er schätzt die Chancen eher gering ein. Ich ging eher "teilnahmslos" dann Mitte Januar zur Kontrolle - und was soll ich sagen? Die Werte waren fast im Normbereich auf einmal.:ooooh: Der Arzt selber konnte es nicht fassen. Vielleicht ist es so: Wenn einem eh alles "wurschst" ist, geht's dann auf einmal.:freches grinsen: Tja, und so hatte ich dann Versuch 2, 3 und jetzt der 4. Versuch war erfolgreich. 5 Versuche hätten wir ingesamt gemacht.

Das war auch etwas, was mein Mann und ich uns irgendwann vorgenommen hatten in dem ganzen Zirkus: 5 Versuche machen wir insgesamt, 3 Bezahlte und maximal 2 Selbstzahlerversuche. Dann ist Schluss. Auch das hilft meiner Meinung nach. Ein Ende in Sicht zu haben. Eine Zeit, wo es "vorbei" ist. So oder so.

Es sieht aus, als ob es gut gegangen ist. Und manchmal sitze ich jetzt in meinem Auto auf dem Weg zur Arbeit und grinse einfach nur vor mich hin. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Zeiten nicht vergessen habe, in denen mir die eine oder andere Träne über das Gesicht lief, weil es wieder mal schlecht lief während der Stimulation. Weil GAR NICHTS lief. Und mir klar wurde, dass wir noch nicht mal eine Chance kriegen würde. Dass wir das nicht haben dürfen, was für Millionen von Paaren in diesem Land selbstverständlich ist. Und ich ärgerte mich darüber, dass den wenigsten klar ist, wie dankbar sie dafür sein können, was sie haben.

Es gibt keine Lobby für kinderlose Paare, es ist ein Leiden, über das man nicht reden darf. Das nicht anerkannt ist. Für das es kein Verständnis gibt. Weil die Wenigsten nachvollziehen können oder verstehen können oder verstehen wollen, wie schlimm und schmerzhaft es sein kann für ein Paar, wenn einem das Selbstverständlichste verwehrt zu bleiben scheint.

Was würde ich - hoffentlich - rückblickend, Kinderwunschpaaren raten?
Einen Plan B zu haben.
Sich Auszeiten zu nehmen.
Sich ein Ende zu setzen.
Sich klar zu machen, dass man auch für das eigene Leben und die eigene Gesundheit sehr dankbar sein kann und sollte. (Eine gute Freundin von mir ist letzten Herbst unerwartet an einem Gehirnaneurysma gestorben, sie war 34!)

Aber ich werde die Zeit nicht vergessen. Sie hat mich stärker gemacht - und vielleicht auch egoistischer. Oft hatte ich keine Lust auf "Leute". Hab Freundinnen abgesagt und weniger Interesse gezeigt. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich wollte Ruhe.

Auf jeden Fall bin ich aber auch dankbarer geworden; für das, was wir jetzt vielleicht bald haben dürfen.

sascha99
23.09.2015, 14:38
Wie mich die KiWu-Zeit verändert hat: ich habe jede Menge Arbeitsblockaden ausgepackt, ich bin oft kraft- und energielos, ich muss andauernd im Internet Fragen rund um Kinderwunschbehandlung/Schwangerschaft/Kinder nachlesen und darüber hinaus fällt es mir schwer, mich auf anderes (Arbeit, Freundschaft, Parties) einzulassen.
DAS hatte ich eben auch so beobachtet. Man hat schlichtweg auch kaum mehr Kraft, sich auf was Anderes zu konzentrieren. Und verstehen tuen Einigen ja sowieso die Wenigsten - das kommt ja auch noch dazu. Ich bin allerdings schon gelassener geworden jetzt grundsätzlich.
Und komischerweise hat sich das mit der Schwangerschaft nicht verändert.[/QUOTE]
Gewisse Grundängste bleiben ja auch erst mal noch. Und - wo wir bei Plan B - waren: Der geht ja jetzt auch nicht mehr. Heißt für mich z.B., dass ich nach meiner Elternzeit mir erst wieder einen neuen Job suchen darf/will. Wegen des Kinderwunsches und der anstrengenden Behandlungen hatte ich ja lange auf den Jobwechsel verzichtet - es wäre auch kaum gegangen. Indes zahlt man für alles einen Preis.


Ich warte aber immer noch darauf, dass die Dinge mir wieder leichter fallen, dass ich mich für etwas anderes interessiere als Kinderwunsch, Schwangerschaft und Kinder, dass ich mehr Energie habe und sich das Gefühl einstellt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Ich denke, das wird auch erstmal noch so in dem Ausmaß etwas auf sich warten lassen in vollem Umfang. Dazu ist die Kinderwunschzeit noch nicht lange her, noch nicht weit genug weg. Mit allen ständigen Ängsten.

In der Beziehung ist auch Leichtigkeit und Freude verloren gegangen, aber dazu kommt die Sicherheit, dass wir auch in schwierigen Zeiten zueinander halten.
Auch das kann ich unterschreiben. Jetzt war ja bei meinem Mann und mir Diskussion um Ersttrimesterscreening und Frage: Was machen wir bei einem behinderten Kind? Und wir alle wissen: Trotz 1000 Tests können diese auch während der Geburt erst entstehen, es gibt keine Garantie auf ein gesundes Kind. Und irgendwann in dieser ganzen Diskutiererei und dem Willen, sich bestmöglich "abzusichern", meinte mein Mann: "Wir werden es doch auch mit einem behinderten Kind wuppen. Wir werden alles wuppen gemeinsam. Diese 2 Jahre waren so anstrengend und so von Frust und Sorgen geprägt, es KANN nur bessern werden."

Wir streiten auch sehr wenig und im Vergleich zu anderen Paaren, die ich kenne, unterstützen wir uns mehr, haben mehr Verständnis füreinander und kämpfen weniger "gegeneinander"...
Ja - weil man die Energie, die man hat, nicht noch dafür "verwenden" will, sich zu bezanken. Ich habe oft gelächelt über die Probleme anderer Paare..


Ich hoffe, das alles klingt nicht komisch und verletzt niemanden. Ich bin unheimlich dankbar über die Schwangerschaft. Aber irgendwie sind noch nicht alle Probleme verschwunden/hat die Behandlungen immer noch Auswirkungen.
Naja, eine Schwangerschaft wirft ja auch wieder Sorgen/Ängste auf.
Mir ist aber irgendwie klar geworden, dass es insgesamt darum gehen muss, das Beste aus dem jetzt zu machen. Irgendwas ist immer...:knatsch::zwinker:

stripes_on_a_tiger
25.09.2015, 20:48
Nur ganz kurz, ich erhole mich gerade von einer superstressigen Arbeitswoche... :smirksmile:

Sascha, das freut mich ganz besonders von dir zu hören und dann noch mit so guten Neuigkeiten! Wir haben uns im Hoffnungsstrang knapp verpasst, ich habe aber deine (schwierige) Geschichte mitverfolgt. Alles, alles Gute für dich und hoffentlich eine halbwegs unbeschwerte Zeit!

In so vielem was ihr schreibt finde ich mich sooooo wieder, ich möchte mir gerne am WE Zeit nehmen um näher darauf einzugehen! :blumengabe:

nanammm
01.10.2015, 17:58
...am Ende ist man immer mit allen Gedanken, Ängsten, Sorgen etc. allein...

Man muss lernen damit klar zu kommen.
Auch, wenn sich Andere einfühlen, es bleibt doch immer bei einem hilflosen "ach, das wird schon..." und man geht wieder seiner Wege.

beweme
02.10.2015, 18:28
...am Ende ist man immer mit allen Gedanken, Ängsten, Sorgen etc. allein...

Man muss lernen damit klar zu kommen.
Auch, wenn sich Andere einfühlen, es bleibt doch immer bei einem hilflosen "ach, das wird schon..." und man geht wieder seiner Wege.

nanammm, du hast ja so recht, aber

die meisten Menschen sind mit dieser "Problematik" absolut überfordert, und wissen einfach nicht, was sie sagen oder raten sollen,
das Thema unerfüllter Kinderwunsch ist in meinen Augen immer noch ein Tabuthema, genauso wie Fehlgeburten oder auch Abtreibungen, da spricht "man" einfach nicht drüber.

alle sind erleichtert und froh, dass es sie nicht unmittelbar betrifft, und viele haben auch eine extreme Scheu davor, etwas falsches oder unpassendes zu sagen, es ist ja nun wirklich kein Thema für einen Kaffeeklatsch oder eine Party.

warum? es ist sehr belastend und auf allgemeine Nachfragen habe ich immer sehr ausweichend geantwortet, ich wollte nicht mit Hinz und Kunz über meine Fehlgeburten sprechen, aus reinem Selbstschutz, ich hatte außerdem diese wahnsinnig wertvollen Tipps satt, von wegen "fahrt doch mal in den Urlaub und entspannt euch", diese Sätze haben wir ja wohl alle schon mal gehört.


das Menschen ausweichend oder gar nicht mit euch sprechen, rührt meiner Ansicht nach aus dieser großen Unsicherheit, wie gehe ich mit diesem Thema um?

schwierig, oder wünscht ihr euch mehr Gespräche oder Aufmerksamkeiten?

ich nicht, dieses Thema ist mir einfach zu privat, meine Freundin und meine Familie wissen über mich/uns Bescheid, und waren mir eine gute Stütze, aber Bekannte, Arbeitskollegen und Nachbarn sind nicht wirklich im Detail informiert, warum auch!

nanammm, wünscht du dir mehr Verständnis für deine/eure Situation und mehr Gespräche in eurem Umfeld?

ich glaube, dann mußt du die Initiative ergreifen, viele wissen wirklich nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, hier muß sich wirklich so einiges ändern, damit das Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch nicht mehr so "totgeschwiegen" wird.

alles Gute für dich

P.S. ich kann mich einfach nicht kurz fassen, sorry für meine endlos langen Posts.

nanammm
02.10.2015, 20:40
nanammm, wünscht du dir mehr Verständnis für deine/eure Situation und mehr Gespräche in eurem Umfeld?

ich glaube, dann mußt du die Initiative ergreifen, viele wissen wirklich nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, hier muß sich wirklich so einiges ändern, damit das Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch nicht mehr so "totgeschwiegen" wird.

Beweme, hm, ganz ehrlich, ich hab schon Verschiedenstes probiert. Von absolut offen ansprechen, Seelenstriptease, Herz ausschütten, einfach alles raus lassen.... - bis hin zu absoluter Verschwiegenheit, nichts erzählen, oder sogar "schönreden"...
Und ich weiß bis heute nicht, wie ich am besten damit umgehen könnte.
Das ist von meiner Laune abhängig, Tagesform oder eben davon, wie es mir momentan geht bzw. in welcher Phase ich gerade bin. Manchmal denk ich dann in einer anderen Phase wieder ganz anders darüber und bereue zum Beispiel, dass ich vor kurzem noch so offen darüber geredet habe.
Und schwierig ist für mich v.a. eben die Reaktion - oder allein die Angst davor. Letztendlich weiß ich auch nicht, was eine "gute" Reaktion wäre... oder gar, was ICH sagen würde. Das ist und bleibt einfach schwierig. Und auch von Stimmung und Tagesform abhängig, wie man damit umgehen kann. Ich kann es gerade nicht besser in Worte fassen. Es ist und bleibt ein schwieriges Thema. Ich will zwar offen darüber sprechen, aber ich will auch nicht "Stadtgespräch" werden. Die Leute zerreissen sich das Maul und ich will nicht der Mittelpunkt sein, wenn sie sich darüber auslassen - und manchmal bin ich geschockt, was es da zu hören gibt, wenn sich welche in meiner Gegenwart über das Thema unterhalten und nicht von meiner Situation wissen.
Da oute ich mich garantiert nicht. Das hab ich auch schon gelernt ... man kommt dann gnaz schnell in was rein, dass man sich sozusagen auch noch rechtfertigen oder seine Situation "verteidigen" muss. Nein, das brauche ich nicht auch noch. Mir geht es damit schon schlecht genug, dann muss ich mich nicht auch noch dafür erklären oder gar rechtfertigen :niedergeschmettert:

Ich kann mich auch schlecht kurz fassen :lachen:

Glueck2014
13.10.2015, 19:42
... eine lange Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich glaube das kann nur jemand nach empfinden der es selbst erlebt hat. Bei mir ist bzgl. Kinderwunsch soviel schief gelaufen das ich wirklich zum Schluß der Meinung war das es nicht sein darf nicht "für mich".

Es hat mich in der Art und Weise verändert das ich mit dem Thema "Kinder bekommen" sehr sensibel umgehe, mit mir selber, aber auch mit meiner Umwelt. Ich werde garantiert KEINE Frau fragen wie es um den Nachwuchs steht. Ich finde das übergriffig, zumal ich ja weiß das "kein Kind" nicht automatisch "nicht wollen" bedeutet.

Von schwierigen Phasen bis zu Trotz- und Wutphasen, von Psychologen bis "Wunder"Heilern ... von "ich will nicht mehr leben ohne Kind" bis stark sein und weiter geht's...kann ich ein Liedchen trällern. Aber ich möchte trotzdem eines sagen, ich meine fast 10 Jahre sind schon ein Wort. Ich hätte es akzeptiert, ich wollte zum Schluß auch nicht mehr leiden und ich habe mich auch wirklich mit dem Gedanken anfreunden können. Das es zum Schluß geklappt hat war ein Wunder. Also das hat auch nichts mit "Loslassen und es hat geklappt" zutun.

Aber jedes Leben ist lebenswert und hat seine eigene Geschichte ...mit oder ohne Kind!

stripes_on_a_tiger
13.10.2015, 20:44
Glück, lieben Dank für deinen tollen Beitrag!

Ich habe in letzter Zeit immer mal wieder reingelesen, wollte so viel schreiben und habe meine Gedanken einfach nicht sortiert gekriegt...

Ich habe im Moment so viele Herausforderungen zu meistern, der KiWu ist da nur eine Baustelle - und vielleicht noch nicht mal die Größte. Manchmal habe ich das Gefühl, ich verändere mich so schnell, dass ich selbst kaum hinterher komme! Das zumindest passt dann auch wieder zum Strangtitel ..

Mailine
16.10.2015, 23:32
Das glaube ich halt auch, dass sich diese negativen Gefühle, va die Ängste, einfach so einbrennen, dass man die nie wieder los bekommt. Selbst wenn man dann tatsächlich sw werden sollte oder sogar ein Kind bekommen sollte - die Gedanken werde uns bestimmt immer begleiten.
Ich stelle mir zB vor, wie glücklich ich sein könnte, endlich sw sein zu dürfen... und sehe mich dann aber in Tränen ausbrechen, weil die Hühner im Geburtsvorbereitungskurs sich darüber auslassen, dass sie es kaum fassen können, wie schnell/unverhofft es doch geklappt hat (or what ever). So schätze ich mich zumindest ein :cool:

Ja, so ist das. Die Kiwu Zeit brennt sich ein und hinterlässt Spuren.
Mir ist das bei der ersten Kreißsaalbesichtigung so ergangen. Die Hebamme erzählte vom Geschenk, das die Frauen erhalten haben. Während das zahlreiche Schwangere und deren Männer unberührt ließ, bin ich in heftige Tränen ausgebrochen. Ich konnte mich kaum beruhigen und war froh, dass mein Partner dabei war.

Mit Kind: meine Erfahrung zum Danach ist seltsam ambivalent. Ich gewöhnte mich an das Wunder, nach langer Zeit. Dann kam es mir fast selbstverstàndlich vor, schwanger geworden zu sein. Das waren zwischendurch krasse Momente der Realität. Es war Wirklichkeit geworden. Die meiste Zeit jedoch verbrachte anfangs mit ungläubigem Staunen. Das erste Babyjahr jeden Abend am Bett unseres schlafenden Babys. Das war surreal, wie auch der positive Schwangerschaftstest. Ich dachte Dinge wie "Du bist Mutter", "Du hast ein Baby, ein echtes, Baby, Wahnsinn!!!!! Da liegt ein Neugeborenes!!!! Wie krass ist das!?!? Hilfe!!! Ich wetd bekloppt. Ist das wahr?" Total gaga.

Viele, die ich kenne, sind wieder schwanger geworden. Dabei merke ich etwas Neid (?) bei mir, auch wollen gepaart mit "du? Schwanger?" worauf ich mir sage, dass ich bereits 1x schwanger war, mein Körper das also kann. Trotzdem ist da erstmal das eigene Unvermögen, während andere scheinbar dinfach so schwanger werden können.

Ich denke es ist wichtig, achtsam zu bleiben. Sich selbst und dem Partner gegenüber. Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, daran zu wachsen und nicht daran zu scheitern. Auch glaube ich, dass man spürt, wann man bereit ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Bei mir war das große Müdigkeit, körperlich, aber auch umfassend, seelisch, ..., ich war so sehr müde! In diesem Zustand machte sich ein Akzptieren in mir breit. Ich war bereit, ein gutes Leben ohne Kinder zu führen. Ohne Selbstzerfleischung. Das begleitet mich heut noch, dass ich schneller geworden bin, Menschen oder Situationen, seinzulassen.

nanammm
17.10.2015, 09:12
Mailine, Dein Beitrag hat mich sehr berührt! Du beschreibst das alles so offen, ehrlich, direkt und ich erkenne mich in vielem so sehr wieder. Ich habe noch keine Schwangerschaft erleben dürfen, weiß also nicht, ob es überhaupt klappen kann. Da ist erstmal noch eine rießige Hürde vor mir.
Darf ich Dich noch fragen, wie es sich wirklich im Nachhinein anfühlt, der Kinderwunsch? Konntest Du sozusagen mit dem Thema "abschließen" oder beschäftigen Dich die Sorgen, Ängste und all die Gedanken, die einen so zermürben, teilweise immer noch? Ich hab so Angst, die nie wieder loswerden zu können. Klar, Du schreibst, manchmal kommt Dir das Wunder unrealistisch vor und dann staunst Du, dass es tatsächlich Realität ist! Aber gehen dann auch die Gefühle weg, die sich so in einen reingebrannt haben, dass scheinbar das ganze Leben davon beherrscht wird?? Ehrlich, darum mache ich mir momentan echt Sorgen. Vielleicht kennt jemand diese Phasen, in denen man am liebsten alle Kontakte abbrechen möchte. Weil entweder gibt es Kinder - oder es könnte zum Thema werden. Und so verkriecht man sich immer mehr und möchte am liebsten gar keine Kontakte mehr...außer meinem Mann, der mich versteht und sehr für mich da ist!
Äh naja, ich wollte eigentlich nur fragen, wie sich die Gefühlswelt im Nachhinein anfühlt, ob man das, was man in der KiWu-Zeit so drastisch erlebt, einfach verschwindet oder zumindest verblasst!?? Kann man Anderen gegenüber wieder "unbefangen" sein, auch dem Thema allgemein...!??
Wir haben nie diese aufregende Hibbelzeit gehabt, diese Überraschung, wenn es geklappt hat und einfach diesen "natürlichen Verlauf" der Vorfreude und der Freude, wenn es dann soweit ist. Irgendwie ist alles so geplant - und wenn es dann scheitert, merkt man, man kann im Leben nichts planen.
Und diese Unbefangenheit, das Natürliche daran, dieses Aufregende und all das - weg!!
Bekommt man das annähernd wieder zurück, wenn die KiWu-Zeit (also Untersuchungen, Behandlungen etc.) vorbei ist???

nanammm
17.10.2015, 09:14
dass ich schneller geworden bin, Menschen oder Situationen, seinzulassen.
Ok, vielleicht wenigstens etwas Gutes... das wäre auch schön, wenn es wenigstens bisschen was Gutes mit sich bringen würde...

stripes_on_a_tiger
18.10.2015, 21:23
Vielleicht kennt jemand diese Phasen, in denen man am liebsten alle Kontakte abbrechen möchte. Weil entweder gibt es Kinder - oder es könnte zum Thema werden. Und so verkriecht man sich immer mehr und möchte am liebsten gar keine Kontakte mehr...außer meinem Mann, der mich versteht und sehr für mich da ist!
Das geht mir genau so. Und ehrlich gesagt ist das Problem nicht mal so sehr, die Befürchtung, das Thema könnte hochkommen, sondern dass mich echt viele Leute einfach langweilen.

Ich habe einen sehr anspruchsvollen Job, bin in einer generell sehr anspruchsvollen Lebensphase und entsprechend habe ich oft einfach keine Nerven für Platitüden, Banalitäten und den üblichen Party-Small-Talk. Ich weiss, das klingt nicht grade sympathisch, arrogant vielleicht sogar. Nur verlangt mir im Moment der "normale Austausch" so viel ab, ich weiss nicht, woher ich die Kraft dafür aufbringen soll. Bei mir ist es so: Einige (wenige) Beziehungen haben sich in letzter Zeit vertieft, viele Beziehungen liegen auf Eis und ich weiss noch nicht mal, ob ich sie irgendwann wieder aktivieren möchte. Oder kann.

An unserer Hochzeit vor zwei Jahren waren rund 100 Gäste. Heute würde ich nicht mal die Hälfte davon aus vollem Herzen einladen...

stripes_on_a_tiger
18.10.2015, 21:34
Ich denke es ist wichtig, achtsam zu bleiben. Sich selbst und dem Partner gegenüber. Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, daran zu wachsen und nicht daran zu scheitern. Auch glaube ich, dass man spürt, wann man bereit ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Bei mir war das große Müdigkeit, körperlich, aber auch umfassend, seelisch, ..., ich war so sehr müde! In diesem Zustand machte sich ein Akzptieren in mir breit. Ich war bereit, ein gutes Leben ohne Kinder zu führen.
Ich weiss nicht, ob ich schon bereit bin ein gutes Leben ohne Kinder zu führen, aber die Müdigkeit, die du schilderst, die kenne ich gut. Es ist seltsam. Obwohl unser KiWu-Weg noch nicht zu Ende ist, habe ich nun so ein Gefühl, als würde ich kinderlos bleiben. "Nicht für mich", dieser Gedanke beschäftigt mich gerade sehr stark. Vielleicht ist es Resignation, vielleicht ist es Akzeptanz oder vermutlich etwas dazwischen... Ich sehe jedoch zunehmend, dass ich nicht mehr ewig "kämpfen" kann und will.

sascha99
19.10.2015, 12:08
Ich habe einen sehr anspruchsvollen Job, bin in einer generell sehr anspruchsvollen Lebensphase und entsprechend habe ich oft einfach keine Nerven für Platitüden, Banalitäten und den üblichen Party-Small-Talk. Ich weiss, das klingt nicht grade sympathisch, arrogant vielleicht sogar. Nur verlangt mir im Moment der "normale Austausch" so viel ab, ich weiss nicht, woher ich die Kraft dafür aufbringen soll. Bei mir ist es so: Einige (wenige) Beziehungen haben sich in letzter Zeit vertieft, viele Beziehungen liegen auf Eis und ich weiss noch nicht mal, ob ich sie irgendwann wieder aktivieren möchte. Oder kann.
Mir ging es ja teilweise schon ohne die KiWu-Behandlung mit Job und Alltag teilweise so, dass ich mich nur noch auf die engsten Freunde konzentrieren mochte in meiner wenigen Freizeit. MIT der KiWu-Behandlung ist das dann noch mal "extremer" geworden. Ich brauchte meine "letzte" Kraft für die KiWu-Behandlung und die damit verbundene Zeit. Die Enttäuschungen, die man im Laufe der KiWu-Behandlung macht, die machen ja auch müde, die kosten ja auch Kraft. Automatisch konzentriert sich Frau dann nur noch auf das Nötigste...Job, Partner, Haushalt und einige wenige Freunde. Und auch da nur noch Austausch mit denen, die Einen tendenziell eher verstehen können.


Ich weiss nicht, ob ich schon bereit bin ein gutes Leben ohne Kinder zu führen, aber die Müdigkeit, die du schilderst, die kenne ich gut. Es ist seltsam. Obwohl unser KiWu-Weg noch nicht zu Ende ist, habe ich nun so ein Gefühl, als würde ich kinderlos bleiben. "Nicht für mich", dieser Gedanke beschäftigt mich gerade sehr stark. Vielleicht ist es Resignation, vielleicht ist es Akzeptanz oder vermutlich etwas dazwischen... Ich sehe jedoch zunehmend, dass ich nicht mehr ewig "kämpfen" kann und will.
Ich fande und finde es gut, dass man auch irgendwann den Gedanken sehr real werden lässt, dass man auch zu denen gehören könnte, die dann doch keine Kinder kriegen. Wie ich schrieb: Man sollte sich dringend ein Limit setzen - das hilft auch, die Zeit davor ganz gut auszuhalten. Wann die Grenze ist, muss jedes Paar für sich selbst entscheiden, bei uns waren das 5 ICSIs insgesamt. Bei der 4. hat es dann geklappt - und ehrlich, ich hab nicht (mehr) damit gerechnet. Mein Mann übrigens auch nicht.


Mir ist das bei der ersten Kreißsaalbesichtigung so ergangen. Die Hebamme erzählte vom Geschenk, das die Frauen erhalten haben. Während das zahlreiche Schwangere und deren Männer unberührt ließ, bin ich in heftige Tränen ausgebrochen. Ich konnte mich kaum beruhigen und war froh, dass mein Partner dabei war.
Das wird mir auch so gehen sicherlich. Und ich erlebe es jetzt auch bei jedem Ultraschall: Völlig verduzt schaue ich auf "meinen Embryo" und es ist und bleibt total unwirklich. Das finde ich im Übrigen etwas schade bei uns Kinderwunschfrauen, aber ich denke, den meisten ergeht es dann so, wenn es geklappt hat. Es kommt dann schnell eine "Grundskepsis" hinzu, geht jetzt auch WIRKLICH alles gut? Wächst das Kleine wirklich heran? Frau kann sich nur sukzessive freuen. Während mein Mann jetzt schon am Liebesten den Kombi bestellen würde, werde ich das 1. Teil der Babyausstattung maximal 3 Monate vor Entbindung kaufen.


die meisten Menschen sind mit dieser "Problematik" absolut überfordert, und wissen einfach nicht, was sie sagen oder raten sollen,
das Thema unerfüllter Kinderwunsch ist in meinen Augen immer noch ein Tabuthema, genauso wie Fehlgeburten oder auch Abtreibungen, da spricht "man" einfach nicht drüber.

alle sind erleichtert und froh, dass es sie nicht unmittelbar betrifft, und viele haben auch eine extreme Scheu davor, etwas falsches oder unpassendes zu sagen, es ist ja nun wirklich kein Thema für einen Kaffeeklatsch oder eine Party.
Ich finde, es gibt auch keine gesellschaftlich akzeptierte Toleranz, es gibt kein Verständnis für das Leid der ungewollt Kinderlosen. "Ihr seid doch gutverdienend/ gesund/ Euch geht's doch ansonsten gut.." sind leider oft gewählte "Phrasen", wenn man mal was erzählt. Oder eben betretenes Schweigen. Aber die Wenigsten wissen, wie weh es tun kann, keinen Nachwuchs zu kriegen, wie weh allein der bloße Gedanke daran tun kann.

Was wäre denn eine gute Reaktion, wie sollte man denn reagieren, bin ich oft gefragt worden. Auch im Nachhinein. Ehrlichkeit auf beiden Seiten wäre gut. Sagen: "Ich freue mich total für Euch, dass ihr ein Baby kriegt. Aber versteht auch, dass ich nicht jede Woche 5 Bilder des Säuglings sehen möchte. Und auch nichts vom großen Babyglück hören möchte."

Verständlicherweise sind es genau die, die ungefragt "Dauerbilder" des Nachwuchses schicken, die nur erahnen können, was das beim Anderen auslöst. Und die sich rücksichtsvoll verhalten, bei denen "es" auch alles nicht so einfach war...Aber der erstgenannten Gruppe bin ich dann oft mit einer gewissen Ignoranz den Dauerbildaufnahmen begegnet, so dass ich schnell nicht mehr im Verteiler war. :freches grinsen:

Übel genommen habe ich da keinem was - nur mich oft distanziert.

Cariad
19.10.2015, 12:26
Skepsis ist nicht das Gefühl, das mich begleitet - aber ich kann bis heute nicht recht begreifen, dass ich nun tatsächlich Kinder habe. Mein Sohn ist drei, und meine Tochter im Winter ein Jahr alt. :smile:

sascha99
19.10.2015, 12:38
Skepsis ist nicht das Gefühl, das mich begleitet - aber ich kann bis heute nicht recht begreifen, dass ich nun tatsächlich Kinder habe. Mein Sohn ist drei, und meine Tochter im Winter ein Jahr alt. :smile:
Können wir uns darauf einigen, dass es in jedem Fall ein sehr unwirkliches Gefühl ist, dass man jetzt doch Mutter ist/wird?:zwinker:

Als der Anruf der Klinik kam, dass der Schwangerschaftstest positiv ist, habe ich das nicht glauben wollen. Gut, dass der Anruf auf dem AB landete. Ich konnte ihn immer wieder abhören.:freches grinsen:

Mailine
19.10.2015, 14:55
Sascha, meinen ersten Strampler hatte ich nur zögerlich gekauft und da war ich schon im sechsten Monat. Kinderwagenaussuchen habe ich auch bis St Nimmerleinstag aufgeschoben und so war es mit fast allem anderen auch.



Zitat von nanammm
Mailine, Dein Beitrag hat mich sehr berührt! Du beschreibst das alles so offen, ehrlich, direkt und ich erkenne mich in vielem so sehr wieder. Ich habe noch keine Schwangerschaft erleben dürfen, weiß also nicht, ob es überhaupt klappen kann. Da ist erstmal noch eine rießige Hürde vor mir.
Darf ich Dich noch fragen, wie es sich wirklich im Nachhinein anfühlt, der Kinderwunsch? Konntest Du sozusagen mit dem Thema "abschließen" oder beschäftigen Dich die Sorgen, Ängste und all die Gedanken, die einen so zermürben, teilweise immer noch? Ich hab so Angst, die nie wieder loswerden zu können. Klar, Du schreibst, manchmal kommt Dir das Wunder unrealistisch vor und dann staunst Du, dass es tatsächlich Realität ist! Aber gehen dann auch die Gefühle weg, die sich so in einen reingebrannt haben, dass scheinbar das ganze Leben davon beherrscht wird?? Ehrlich, darum mache ich mir momentan echt Sorgen. Vielleicht kennt jemand diese Phasen, in denen man am liebsten alle Kontakte abbrechen möchte. Weil entweder gibt es Kinder - oder es könnte zum Thema werden. Und so verkriecht man sich immer mehr und möchte am liebsten gar keine Kontakte mehr...außer meinem Mann, der mich versteht und sehr für mich da ist!
Äh naja, ich wollte eigentlich nur fragen, wie sich die Gefühlswelt im Nachhinein anfühlt, ob man das, was man in der KiWu-Zeit so drastisch erlebt, einfach verschwindet oder zumindest verblasst!?? Kann man Anderen gegenüber wieder "unbefangen" sein, auch dem Thema allgemein...!??
Wir haben nie diese aufregende Hibbelzeit gehabt, diese Überraschung, wenn es geklappt hat und einfach diesen "natürlichen Verlauf" der Vorfreude und der Freude, wenn es dann soweit ist. Irgendwie ist alles so geplant - und wenn es dann scheitert, merkt man, man kann im Leben nichts planen.
Und diese Unbefangenheit, das Natürliche daran, dieses Aufregende und all das - weg!!
Bekommt man das annähernd wieder zurück, wenn die KiWu-Zeit (also Untersuchungen, Behandlungen etc.) vorbei ist???

Liebe nana, nun hat mich Dein Beitrag arg berührt. Du stellst genau die Fragen, die ich mir oft gestellt hatte. Ich möchte gerne aus dem Bauch heraus so spontan wie möglich versuchen, zu beschreiben, wie es MIR ging. Ich kann nur von mir berichten und bei jeder Frau ist es anders, denk ich mal. Vor allem kommt es darauf an, ob sich das Wunder erfüllt oder nicht.
Zunächst einmal möchte ich Dir, liebe nana, und auch allen anderen Frauen, die noch warten, von Herzen wünschen, dass sich sehr bald Dein und Euer Herzenswunsch erfüllt.


Darf ich Dich noch fragen, wie es sich wirklich im Nachhinein anfühlt, der Kinderwunsch? Konntest Du sozusagen mit dem Thema "abschließen" oder beschäftigen Dich die Sorgen, Ängste und all die Gedanken, die einen so zermürben, teilweise immer noch?

Wie fühlt sich der Kinderwunsch im Nachhinein an.....
Eine Zeitlang (ca ein halbes - ein Jahr nach der Geburt) konnte ich mich nur noch schlecht in die früheren starken Gefühle hineinversetzen oder mich daran zurück erinnern. Das hatte zum Einen schlicht damit zu tun, dass ich hoffnungslos übermüdet war. Das erste Jahr war schon krass, was den Schlafmangel betraf!! Zum anderen ist es so, dass ich plötzlich einen Alltag hatte, in dem sich alles ums Baby dreht und ich echt "hinterher kommen musste". Es war wunderschön aber eben auch körperlich anstrengend. In dieser Mischung aus purem Alltag mit der plötzlichen Verantwortung für ein kleines Wesen, trat der Kinderwunsch bei mir in den Hintergrund. Ich meine die starken Gefühle und das Auf und Ab der Zeit. Gleichzeitig erholte ich mich davon und verarbeitete Vieles auch noch Monate nach der Geburt. Ich weiß noch, dass ich in den ersten Monaten oft im Geschäft heulend in einer Klokabine abhing, weil es mir nicht in den Kopf ging, dass ich ICH schwanger war. Da brach es oft über mich ein, das ganze unwirkliche und verarschte Gefühl. So in Richtung "jahrelang kotz ich mir die Seele aus dem Leib ob der Ungerechtigkeit und leide wie noch nie zuvor, und auf einmal serviert mir das Leben meinen Wunsch, um den ich jahrelang hart gekämpft habe, einfach so .... (na ja, nicht einfach so.. :smirksmile: Ihr wisst es ja) und da wollte ich ums Verrecken nicht wirklich glücklich sein. Hätte ich es gewollt, ich hätte es nicht gekonnt.
Diese Situationen auf den Toiletten, nun ja, die verarbeitete ich auch erst viel später. Wie auch die anderen zermürbenden, demütigenden, hilflosen und machtlosen Situationen.
Mir tat es einerseits leid, dass ich so gar nicht voll und ganz da war, doch versuchte ich, meine Altlasten, die ich mit mir rumschleppte, in der wenigen Freizeit zu durchdenken und zu durchleben sowie abschließend (vorerst abschließend..) zu sortieren.


Nachdem ich Saschas Beitrag gelesen habe, weiß ich es. Im Nachhinein fühlt sich mein Kinderwunsch vor allem in seiner Dringlichkeit UNWIRKLICH an. So als wäre er nicht mir, sondern einer anderen Frau passiert. Wie auch die Schwangerschaft sich anfangs anfühlte, als hätte ich mir beim schwanger-geworden-sein von außen zugeguckt. Ich fand es nicht einfach, die Äußerlichkeiten mit meinem inneren Befinden abzugleichen.

Auch der Blick aufs Ultraschallgerät hatte oft etwas von "Alien TV Watching". Das Bild mit meinem Bauch in Verbindung zu bringen, das gelang mir erst spät, ... da hatte ich fast entbunden.

Das klingt diffus, merke ich beim Nachlesen. Einerseits schlechtes Hineinversetzen, andererseits Verarbeitung. Das kam in Wellen. Mal ging es gut und besser, dann lebte ich voll im Alltag auf und die Vergangenheit war Vergangenheit; dann wieder erwischte es mich kalt bis eiskalt von hinten. Ich hab's genommen, wie es kam.

Wie das dann gewesen wäre, wäre der Kinderwunsch unerfüllt geblieben, das weiß ich nicht. Ich glaube aber heute, dass ich notgedrungen mir etwas gesucht hätte, um meinen Wunsch nach einem Leben mit Kindern anders zu erfüllen. Ich glaube auch, dass ich an der Verarbeitung noch hart mit dem Leben und Schicksal in die Auseinandersetzung gegangen wäre.
Wie auch immer: Entscheidend finde ich, dass jedes Leben wie das andere, vollwertig ist. Ich hätte ein kinderloses Leben (ohne eigenes Kind) nicht mehr als Mangel empfinden wollen. Das wäre zumindest mein Wunsch geworden.
Wie beweme schreibt, so stelle ich es mir als Auf und Ab vor, das mit den Jahren nicht mehr so aufwühlend und schmerzvoll wird.

Ich hoffe, ich darf dies hier schreiben und verletze niemanden von Euch damit.

Mailine
19.10.2015, 15:16
Aber gehen dann auch die Gefühle weg, die sich so in einen reingebrannt haben, dass scheinbar das ganze Leben davon beherrscht wird??

nana, ja, bei mir sind die Gefühle weg bzw. sortiert und gut abgelegt. :smirksmile: Sie beherrschen mein Leben nicht mehr so wie früher. Mir kommen auch nicht unvermittelt die Tränen, wenn ich schwangere Bäuche sehe. Ich sehe heute meinen starken Kinderwunsch ein Stückweit realistischer. Das hat zum Einem mit dem zu tun, was ich tagtäglich erlebe und zum anderen damit, dass dieser archaische Wunsch Entsprechung in der Realität gefunden hat.



stripes_on_a_tiger:
Was die Langeweile mit anderen Menschen betraf, kann ich dir zustimmen. Mir erging es zum Schluss genauso. Zeitweise war mein Partner der einzige Mensch, den ich um mich ertragen konnte. Zu groß war mein Misstrauen in die Gerechtigkeit, mein Missgunst mitunter, meine Überheblichkeit. Weil ich ja so viel dachte, reflektierte, durchlitt, gestand ich anderen Menschen nicht zu, ihre womöglich mit anderen Päckchen erschwerte Leben dennoch etwas sorgloser oder sorglos wirkender zu leben und zu gestalten. Nach außen ergab sich meist das Bild "banal, langweilig, keine Ahnung vom Leben und dem, was das Schicksal einem vor die Füße rotzen kann". Ja, ich fand mich stellenweise unerträglich und snobistisch. Ich hatte einen unerfüllbaren Anspruch auf alleiniges Leid und Beschissenworden sein, das zu sehen fiel mir lange schwer. Ich drehte mich um mich selbst und wurde egoistischer. So kam es auch, dass einige Menschen in meinem Umfeld "hinten rüber fielen". Der unerfüllte Kinderwunsch machte mich hart.

Alles in Allem finde ich diese Entwicklung bei mir schade, ich wäre lieber unbeschadet geblieben.
Das Schöne ist, dass man sich als Mensch verändern kann. Ich konnte wieder weicher werden, innerlich geschmeidiger, nicht so verkrampft. Damit mein ich schon noch zur Vorbereitung der letzten IVF. Daher denke ich, dass gehört zur Entwicklung des Kinderwunsches. Das ist nicht statisch, es verändert sich ständig und es ist ein langer Weg, diesen unerfüllten Kinderwunsch zu gehen. Oft fühlt man sich einsam wie der merkwürdigste Kauz auf diesem Planeten. Das schöne am Internet ist, dass man merkt, dass es gar nicht so ist. Draußen gibt es (leider, zum Glück, je nach Perspektive) noch viel mehr Frauen, die die Gefühle nachempfinden können. Darüber bin ich ehrlich froh. Sonst wäre ich wohl verzweifelt.

Mailine
19.10.2015, 15:32
Ich weiss nicht, ob ich schon bereit bin ein gutes Leben ohne Kinder zu führen, aber die Müdigkeit, die du schilderst, die kenne ich gut. Es ist seltsam. Obwohl unser KiWu-Weg noch nicht zu Ende ist, habe ich nun so ein Gefühl, als würde ich kinderlos bleiben. "Nicht für mich", dieser Gedanke beschäftigt mich gerade sehr stark. Vielleicht ist es Resignation, vielleicht ist es Akzeptanz oder vermutlich etwas dazwischen... Ich sehe jedoch zunehmend, dass ich nicht mehr ewig "kämpfen" kann und will.

stripes_on_a_tiger
Vielleicht ist es Selbstschutz oder das was Du vermutest. Ich fand den Gedanken "nicht für mich" erschreckend, aber auch gesund. Eine gesunde Form der Selbstfürsorge. ..... Ich weiß nicht, ich hätte nicht ewig mit meinem Schicksal hadern wollen.
Weiter glaube ich, dass der Prozess es einem erleichtern kann. Durch die verschiedenen Stadien der Trauer bis hin zum Begreifen fühlte ich mich die meiste Zeit "begleitet" von einer inneren Kraft, die mir die Zuversicht gab, dass ich das packen würde. Mit zig blauen Augen, körperlichen und seelischen Abschürfungen, Tiefphasen und Phasen der Verzweiflung, aber dann schlussendlich (so fühlte es sich bei mir zum Schluss hin an), fühlte ich mich freier von dem drängenden Kinderwunsch, der mich Sachen machen ließ, die ich eigentlich nicht wollte und die ich schxxx fand. So als lockere der quälende Kinderwunsch seine Schlinge, die fest um meinen Hals saß, bildlich gesprochen. Und als käme mit dem verfügbaren Sauerstoff auch endlich wieder Klarheit in mein Hirn. Ein Wissen darum, wie weit ich noch würde gehen wollen oder nicht oder ob ich bereits genug getan hatte. Das kam von alleine und ich glaube, das spürt man dann auch, wenn es "endlich reicht und genug ist".

nanammm
19.10.2015, 17:04
Mailine, Deine Worte haben mich sehr, sehr berührt. Das ist unglaublich, dass mich jemand so gut beschreiben kann.....:smirksmile:
Ich bin sehr gerührt. Ich will noch ausführlicher antworten, später dann. Darüber will ich mir in Ruhe Gedanken machen.
Aber echt schön, wie Ihr hier die treffenden Worte findet!!
Wenn das nur Andere verstehen könnten!
Mich belastet das gerade sehr. Der Versuch hat nicht geklappt und die Reaktionen sind so "wird schon", das tut so weh...

sascha99
19.10.2015, 17:45
Mich belastet das gerade sehr. Der Versuch hat nicht geklappt und die Reaktionen sind so "wird schon", das tut so weh...
:in den arm nehmen:
Mit solchen "Mutmach-Sprüchen" konnte ich übrigens auch nichts anfangen. Pure Hilflosigkeit, klar. Und gut gemeint. Allerdings hab ich auch mal zu meiner Trauzeugin nach so einem Ausspruch ihrerseits gemeint: "Es ist gar nicht so klar, ob es irgendwann mal klappt - es muss nicht mehr klappen, DAMIT muss ich mich gerade vertraut machen und DAS macht es so schwer." Stille. Und dann: "Das tut mir leid. Fühl Dich gedrückt." Aber damit konnte ich bedeutend mehr anfangen, als mit diesen Mutmachsprüchen. Die gerade nach einem Fehlversuch VÖLLIG deplatziert sind.

Was mir WIRKLICH irgendwann half, war Fokus wieder auch auf andere Dinge lenken. Im Job unzufrieden -also neuen Job suchen. Trotz des Kinderwunsch-Gedönses. Ich wollte immer schon wieder Gitarre-Unterricht nehmen und Gesangssstunden? Gemacht. Ablenken hilft tatsächlich. Nicht immer. Aber manchmal schon.

Ich hatte auch eine total gute Bekannte, die in einer ähnlichen Situation war wie ich. Nach beiderseits wiedermal missglückten Versuchen haben wir uns in der Stadt zu Kölsch und Wein getroffen und mal so richtig über den ganzen Kinderwunsch-Mist abgelästert. Und sich auch gegenseitig getröstet. Und auch ein bisschen Leid getan. Und auch über andere Sachen gesprochen, "schöne" Sachen. Und auch über ein mögliches Leben "ohne" und "danach". Mir ging's danach immer besser. Zu wissen, es gibt Frauen, denen geht es GANZ genauso wie Dir. Du brauchst Dich da nicht zu erklären. Du bist nicht alleine. DAS hat gut getan.

Oder mit einer partner- und kinderlosen Freundin so richtig einen drauf gemacht nach einem missglückten Versuch und einer schwierigen Phase. Dir dann angehört, dass bei "der" das Leben auch nicht gerade prall läuft - weil sie nämlich im Gegensatz zu Dir noch nicht mal einen Partner hat.

stripes_on_a_tiger
19.10.2015, 19:41
Zeitweise war mein Partner der einzige Mensch, den ich um mich ertragen konnte. Zu groß war mein Misstrauen in die Gerechtigkeit, mein Missgunst mitunter, meine Überheblichkeit. Weil ich ja so viel dachte, reflektierte, durchlitt, gestand ich anderen Menschen nicht zu, ihre womöglich mit anderen Päckchen erschwerte Leben dennoch etwas sorgloser oder sorglos wirkender zu leben und zu gestalten. Nach außen ergab sich meist das Bild "banal, langweilig, keine Ahnung vom Leben und dem, was das Schicksal einem vor die Füße rotzen kann". Ja, ich fand mich stellenweise unerträglich und snobistisch. Ich hatte einen unerfüllbaren Anspruch auf alleiniges Leid und Beschissenworden sein, das zu sehen fiel mir lange schwer. Ich drehte mich um mich selbst und wurde egoistischer.

Alles in Allem finde ich diese Entwicklung bei mir schade, ich wäre lieber unbeschadet geblieben.
Das Schöne ist, dass man sich als Mensch verändern kann. Ich konnte wieder weicher werden, innerlich geschmeidiger, nicht so verkrampft. Damit mein ich schon noch zur Vorbereitung der letzten IVF. Daher denke ich, dass gehört zur Entwicklung des Kinderwunsches. Das ist nicht statisch, es verändert sich ständig und es ist ein langer Weg, diesen unerfüllten Kinderwunsch zu gehen. Das ist fast unglaublich, wie genau du meine Gedanken und Gefühle beschreibst! :blumengabe:

"Innerlich wieder geschmeidiger werden" DAS wünsche ich mir sehr! Im Moment komme ich aus verschiedenen Gründen kaum zum Durchatmen, aber ich werde, nein, muss im nächstes Jahr endlich etwas zur Ruhe kommen. Im Moment planen wir gerade eine sechswöchige Auszeit. Das hatten wir schon dieses Jahr vor, könnten es uns dann aber - IVF sei Dank - nicht leisten... Jetzt muss es einfach sein, sonst sehe ich wirklich schwarz für mein Lebensglück und unsere Beziehung!

nanammm
19.10.2015, 20:07
Eigentlich wollte ich mich nun hinsetzen und ausführlich auf Eure Beiträge eingehen. Aber je mehr ich Euch lese, desto mehr wird mir bewusst, dass ich es nicht besser in Worte fassen kann - ich unterschreibe nicht nur, was Ihr geschrieben habt - ich muss auch sagen, ich fühle mich einfach nur verstanden.
Das tut so gut.
Ich hab mich in der KiWu-Zeit sehr verändert. Momentan bin ich einfach nur traurig. Dieser Kloß im Hals, der einen sofort zum Heulen bringen kann. Diese zermürbenden Gedanken. Ach, ich "trauere" gerade einfach um mich, mein Schicksal - meine Freunde... da fühle ich mich besonders nicht verstanden. Ich traue mich endlich mal was von mir preis zu geben und zuzugeben, dass ich einfach nur noch nervös bin - während dem ganzen Versuch schon, da kommt die Antwort: "ach, wenn dann ein Baby da ist, gibts auch keine anderes Thema mehr" - und als es nicht geklappt hat, kommt "manchmal dauerts eben länger", "das wird schon" und "ich bin gerade auch super nervös, bin beim Geburtstagplanen". Wenn ich an diese Sätze denke, zerreisst es mir das Herz. Das sind Sätze von den engsten Freunden. Wenn ich DAS nicht will, bin ich allein.
Nein, ich hab meinen Mann und der versteht mich und ist immer für mich da. Aber er ist ja selbst von dem Problem betroffen. Also sind wir allein.
Und DAS ist momentan für mich das Schlimmste an der KiWu-Geschichte. Ich verliere nicht nur meine Lebensvorstellung (("Planung" traue ich mich schon gar nicht mehr zu sagen)), ich verliere mich, also meine Lebensenergie, Freude, Selbstwert - und ich verliere meine Freunde.
Sie wollen für mich da sein, wollen auch, dass ich was von mir erzähle und sind beleidigt, wenn ich mich zurückziehe. Aber wenn ich mich dann öffne, tut mir jede Antwort einfach nur weh. Frischgebackene Mütter, was verstehen die schon.
Und ja, da kommt wieder das "ich hab das Unglück für mich allein gepachtet und keiner versteht mich, wie sehr ich leide" zum Vorschein. Darin kann man echt versinken.
Und dann denkt man, immerhin habe ich einen Partner! Ja, immerhin sind wir gesund. Glücklich. Haben ein gutes Leben. Ja, alles gut. Also, was rege ich mich auf!?!??
Oh man, tut mir leid, ich drehe mich so im Kreis.
Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich mal "natürlich Schwangeren" einfach frei und unbefangen gegenübertreten kann. Einfach Freude empfinden ohne Kloß im Hals. Neid und Angst...
Und das schlechte Gewissen, genau das zu empfinden, denn schließlich gehts mir in meinem Leben doch gut!

nanammm
19.10.2015, 20:08
Jetzt muss es einfach sein, sonst sehe ich wirklich schwarz für mein Lebensglück und unsere Beziehung!
Ja, es gibt auch viel zu verlieren bei der ganzen Sache. Das darf man nicht aus dem Blick verlieren. Dafür lohnt es sich doch auch zu kämpfen!!

Jaspis0815
19.10.2015, 22:40
Nachtrag als "Warnung" im Vorab: Jetzt ist mein Beitrag doch ellenlang geworden, bitte entschuldigt. Zum Kürzen bin ich aber jetzt zu müde.


Ihr habt schon soviel geschrieben, worin ich mich absolut wiedererkenne, Mailine, Sascha, Glück, Nana ... ich hab´ das Gefühl, jetzt nur noch dürre Worte finden zu können ...

Deshalb nur ganz kurz:
Ich frage niemanden mehr nach seiner Familienplanung; und Singles frag´ ich nicht mehr, wie es mit der Partnersuche aussieht - ich gebe zu, das habe ich "vorher" bei einer Freundin gemacht. Zwar aus echtem Interesse - aber trotzdem, nach der KiWu-Geschichte bin ich anderen gegenüber einfach sensibler geworden.
Und hab´ Antennen dafür entwickelt, wenn jemand auf derartig übergriffige Nachfragen nur auf unbekümmert, fröhlich, entspannt etc. macht. Weil ich die Maske nur zu oft selbst getragen habe.

Die Schwangerschaft nach der ICSI habe ich ungläubig bestaunt. Gegen Ende wurde es für Augenblicke manchmal selbstverständlich, schwanger zu sein; dennoch habe ich Sätze bis zum Schluss angefangen mit "Wenn alles gutgeht, ...". Zubehör zu kaufen, war für mich ein großer Schritt und ich hatte solche Angst, dass ich damit alles "verderbe", dass das Unglück bringt etc. - also schon ganz schön durchgedreht.

Vor den US-Untersuchungen hab´ ich grundsätzlich gezittert. Anfangs musste mein Mann wirklich täglich meinen (Mini-Mini-)-Bauch begutachten, weil ich immer dachte "oh nein, das Baby ist weg". Erst als die Kugel wuchs, war ich im Rahmen meiner Möglichkeiten :smirksmile: beruhigter.

Am liebsten hätte ich es auch gar niemandem erzählt (einschließlich meiner eigenen Familie) und lieber irgendwann gesagt "So, hier ist unser Baby.", weil ich einfach immer Angst hatte, es zu "verderben" durch übermäßige Freude. Total doof. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem überglücklich war, aber eben immer sehr ... vorsichtig.

Seit unsere Tochter da ist, muss ich mir bei Schwangerschaftsmeldungen in der Familie oder bei Freunden kein Lächeln mehr ins Gesicht zwingen und im stillen Kämmerlein Tränensturzbäche vergießen, sondern kann mich einigermaßen mitfreuen (bäh, das klingt trotzdem missgünstig). Auch die gefühlt fragenden, früher mitleidigen? Blicke meiner Schwiegereltern in unsere Richtung kann ich aushalten, wenn eine SSW verkündet wird - früher hat mich das sofort getroffen, und ich hab´ mich wertlos gefühlt - die Schwiegertochter, die nicht das zustande bringt, was die Cousinen gefühlt im Quartalstakt "vollbringen".

Totaler Quatsch eigentlich - ich meine, jede Straßenkatze „schafft es“, Kinder bekommen. Das ist doch nichts, was man "schafft", das ist doch kein Verdienst. Auch wenn sich einige, bei denen es natürlich und womöglich sofort mit dem Wunschgeschlecht und Wunschsternzeichen etc. geklappt hat, so aufführen.

Zu Reaktionen von Freunden kann ich nichts sagen, weil ich mich ausschließlich meiner Schwester anvertraut habe. Ok, kurz vor knapp einer einzigen Freundin - das war dann schon in der Behandlung, nachdem ich erfahren hatte, dass sich nur ein Ei befruchten ließ und ich von den Hormonen nur so geschüttelt war. Beide haben keine Fragen gestellt, sondern mich reden lassen, wann immer mir danach war. Das war gut. Über die Kommentare à la "das wird schon" oder "wenn Du negativ ´rangehst, dann kann das ja nichts werden" konnte ich daher nach kurzen Herzstichen hinwegsehen.
Allen anderen habe ich weisgemacht, entweder keine Kinder zu wollen oder jetzt keine Kinder zu wollen sondern "vielleicht" und "irgendwann mal" (haha, vor allem mit 35+ Jahren). Ob sie´s geglaubt haben - keine Ahnung.

Es macht einen enorm großen Unterschied für mich, ob jemand sofort und problemlos schwanger wird oder ob es nach einer KiWu-Geschichte passiert. Bei keiner Schwangerschaft kann ich mich so absolut ungetrübt mitfreuen wie bei Hoffnungsfrauen. Und wenn es hier nach dem ersten Kind problemlos und "einfach so" mit dem 2. Kind klappt - umso besser. Schwangerschaftsmeldungen hier sind für mich fast schon persönliche Triumphe.


Jedenfalls - unsere Tochter ist mittlerweile fast anderthalb Jahre alt. Ich schiele Schwangeren schon wieder auf den Bauch und denke "Ich will auch" (obwohl ich alle Hände voll zu tun hab´ mit unserer Kleinen ... aber die Zeit drängt). Selbstverständlich ist sie für mich nie, und ich bin mir bewusst, dass wir wirklich ein unverschämtes Glück gehabt haben. Ich bin dankbar und ... voller Demut. Reagiere aggressiv, wenn ich von Überlegungen höre, wann es "günstig" wäre, "nachzulegen" - bei den Leuten, bei denen es auf Anhieb geklappt hat und für die das schwanger-Werden das Natürlichste der Welt ist.

Aber - woher sollen "die Anderen" das wissen? Ich wünsche niemandem, den Weg zu gehen, den wir hatten, Glück hin oder her. Der KiWu war einfach immer präsent, der Kloß im Hals war auch irgendwie immer da. Fee hatte mal von einer "Grundtraurigkeit" gesprochen - die hatte mehr und mehr von mir "Besitz ergriffen" und sich erst aufgelöst mit der Schwangerschaft bzw. dann erst richtig mit der Geburt.
Die Ungewissheit, ob es irgendwann klappt oder nicht, die zermürbt einfach. Und kostet soviel Kraft.

Trotz allem – mein Mann und ich wussten beide, dass wir es uns auch ohne Kind schön machen können. Ich wusste nur noch nicht, wie genau das gehen sollte. D.h., es gab keinen konkreten Plan B, weil ich darüber erst nachdenken wollte, wenn es soweit wäre. Aber ich war mir ganz, ganz felsenfest sicher, dass wir – nach der Trauerphase – zusammen glücklich werden würden. Dazu war ich quasi finster entschlossen. Mein Mann war zum Glück grundsätzlich entspannter, das hat mir auch nochmal sehr geholfen.

Ganz liebe Grüße an alle starken Frauen hier. Und nochmal sorry für diesen Roman - das liegt wohl daran, das mich das Thema immer noch sehr beschäftigt.

Jaspis08/15

Camaine
20.10.2015, 12:26
(Äh, bei mir ist es auch etwas länger geworden... :smirksmile:)

Schon einen ganze Weile lese ich diesen Strang und mache mir meine Gedanken, doch es fällt irgendwie sehr schwer, das Gefühlswirrwarr in Worte zu fassen. Auch aus der Situation "schwanger mit Hoffnungsbaby" heraus, man hat schon ein Stück Weg geschafft, aber am Ziel ist man noch nicht. Wirklich glauben kann ich es wahrscheinlich erst, wenn ich das Baby im Arm halte (und schon muss ich wieder auf Holz klopfen, soviel zum Aberglauben, Jaspis:ahoi::freches grinsen:).

In vielem was geschrieben wurde finde ich mich wieder, bei manchem nicht so. Das mag auch daran liegen, das unser Weg lang und gleichzeitig kurz war... Wir blicken zwar auf 5 Jahre Kinderwunschzeit zurück, hatten dann aber mit ICSI recht schnell Erfolg - der Eisbär in meinem Bauch ist eine Kryo aus der ersten ICSI, und die ganze Behandlung ist quasi bilderbuchmäßig gelaufen... Wir waren also noch nicht an dem Punkt, wo man aufgeben will.

Wie bei euch allen hat der KiWu Auswirkungen auf meinen Freundeskreis gehabt, die eher oberflächlichen Kontakte habe ich einschalfen lassen, Leute, die mir nicht gut getan haben "aussortiert". Für Smalltalk und Belanglosigkeiten fehlen mir echt die Nerven. Allerdings habe ich nicht erwartet, dass die Leute den Kinderwunsch und alles was dazu gehört nachvollziehen können. Ich war selber von der Stärke der Gefühle überrascht, die Trauer um etwas, was man nie hatte, die Allgegenwärtigkeit in den Gedanken, dass alles davon überlagert wird - und dass einem selbst der tollste Urlaubstag vermiest werden kann, wenn eine glückliche Familie mit drei zuckersüßen Kindern am Strand neben einem das Lager aufschlägt.
(Das hat bei mir weniger mit Neid zu tun als viel mehr damit, dass ich einfach keine Ruhe finden konnte. Diese allgegenwärtigen Kinder und Familien stoßen einen ständig mit der Nase darauf, was man nicht hat und lösen so schmerzhafte Sehnsucht aus. Das ist ein bisschen wie ein blauer Fleck an einer blöden Stelle, die man sich wieder und wieder anhaut - es tut weh, man ist sauer, man verflucht die Tischkante, aber Schuld kann man der Tischkante auch nicht in die Schuhe schieben.)
Ich habe aber ein paar ganz tolle Freunde, die mir durch die Zeit geholfen haben. Für mich war es nicht so wichtig, dass sie genau wußten, wie ich mich fühle, sondern einfach dass sie DA sind, mir zuhören, mich in den Arm nehmen. Eine Freundin, die mir sehr viel geholfen hat ist zum Beispiel gewollt und glücklich kinderlos. Sie mag Kinder, hatte aber nie einen eigenen Kinderwunsch, sprich, sie kann bestimmt nicht verstehen, was ich fühle. Aber sie versteht, dass es mir schlecht geht und hört mir zu - mehr muss sie nicht. Es hat mir wahnsinnig geholfen, zu wissen, dass da im Hintergrund Leute sind, die uns die Daumen drücken, die mitfiebern, sich mitfreuen - oder mitweinen.
Und ganz ganz doll hat mir die "Herde" (LiW, das hast du so schön gesagt!) hier in der Bri geholfen, da wo man weiß, man wird ohne viel Erklärung verstanden. :kuss:
Und den Leuten mit den "Wird schon, beim nächsten Mal klappt es"-Sprüchen bin ich teilweise glaube ich arg auf die Füße getreten. Weil ich einfach zurückgefragt habe, woher die das wissen wollen. Ob ich das schriftlich haben kann. Manche waren dann beleidigt (war mir dann auch egal), andere betröppelt und sprachlos (naja, aber gut gemeint ist nicht gut gemacht...), legendär die Antwort einer Freundin: "Okay, du hast recht. Schöne SchXX das alles. Laß uns tanzen und Cocktails trinken gehen, ich lad dich ein." Wir sind übrigens sehr offen mit dem Thema umgegangen und haben es allen gesagt.
Was ich an dieser ganzen KiWu-Geschichte am schlimmsten finde, ist dass man selbst so wenig TUN kann. Man kann nur warten, warten, warten und ist dazu verdammt, Zuschauer zu sein. Okay, man kann noch brav auf seine Ernährung achten und Folsäure und Vitamin D mampfen und mit dem Rauchen aufhören - was aber auch sinnlos erscheint, wenn die über 40jährige Kettenraucherin aus dem Bekanntenkreis, die jedes Wochenende feuchtfröhlich in der Disco feiert und außer Tomatensalat keine Vitamine zu sich nimmt, plötzlich schwanger ist... Ich hadere ja nicht so viel mit dem Schicksal an sich, aber da hab ich mich echt verarscht gefühlt. :unterwerf:

Meine Schwangerschaft erlebe ich als ganz großes Wunder, aber auch mit viel Angst. Man traut sich einfach nicht, sich richtig loszufreuen, hinter jeder Ecke könne ein "Ätsch, hat doch nicht geklappt!" lauern. Ganz schlimm waren für mich die ersten 12 Wochen - da habe ich mich auch unverstanden gefühlt, weil keiner diese schreckliche Angst verstanden hat... So nach dem Motto: Jetzt ist sie schwanger und freut sich trotzdem nicht. Aber es wird leichter mit der Zeit, und seit ich den Eisbär fühlen kann, also regelmäßig "Klopfzeichen", dass alles in Ordnung ist bekomme, freue ich mich mehr als ich Angst habe. Aber ich "feiere" jeden Meilenstein - der Herzschlag, die 9. Woche, die 12. Woche, das Ersttrimesterscreening, der 2. große Ultraschall... Sogar jeden Sonntag, denn da beginnt immer die nächste Schwangerschaftswoche. Jetzt bin ich in der 26. Woche, wieder ein wichtiger Schritt - sollte jetzt etwas schief gehen, hat der Eisbär Überlebenschancen. Aber jedes Bauchzwicken, jede Unbehaglichkeit wird von mir misstrauisch beäugt, jeder Arzttermin gefürchtet (und gleichzeitig herbeigesehnt). Bis jetzt habe ich noch bei jedem Ultraschall geheult. Bei meiner ersten Umstandshose habe ich in der Umkleide geheult wie ein Schlosshund. Mit meiner Mutter ins Babygeschäft zu gehen war eine echte Herausforderung. Die Abergläubigkeit, die Jaspis beschreibt habe ich auch. Wie oft ich schon gesagt habe "Wenn nach dem Termin alles gut ist, dann mache ich XYZ..." und es dann trotzdem nicht geschafft. Beinah hätte ich keine Hebamme mehr gefunden, weil ich mich nicht drum kümmern konnte...
Aber es gibt auch diese ganz wundervollen Momente: Als der Eisbär uns beim ETS zugewunken hat. Die ersten Bewegungen, die man sicher als solche wahrnimmt. In der Badewanne liegen und dem Bauch beim wackeln zuschauen (und es gibt richtige Wellen!). Mein erster (und bisher einziger) ganz selbständiger Einkauf (ein paar Babyschühchen im Eisbärlook). Wenn Herr Camaine die Eisbärplautze streichelt. Vom Arzt kommen mit einem "Alles in Ordnung".
Ich bin sehr dankbar und froh, dass wir so weit gekommen sind, dass die ICSI so gut lief, dass die Schwangerschaft bisher so problemlos ist. Dass man das alles nicht mehr als selbstverständlich betrachtet, ist glaube ich sowohl ein positives als auch ein negatives Ergebnis der Kinderwunschzeit. Schwanger werden und Kinder bekommen wird für mich sicher nie mehr etwas selbstverständliches, einfaches, natürliches sein. Aber das macht es halt gleichzeitig auch so toll, so wundervoll, so besonders. Wenn ich etwas positives benennen sollte, was ich aus der KiWu-Zeit mitnehme (Nana:ahoi:), dann wäre es, dass ich achtsamer geworden bin. Nicht nur in Sachen Schwangerschaft und Kinderwunsch, sondern gegenüber meinem Mann, meinem Freunden, was mir selbst gut tut. Ich ärgere mich weniger über Kleinigkeiten und konzentriere mich mehr auf das Wesentliche.

stripes_on_a_tiger
20.10.2015, 18:30
Camaine, jetzt hatte ich beim Lesen Tränen in den Augen! Wie du deine Schwangerschaft schildert, das hat mich wirklich tief berührt. Ich bin sicher, ihr werdet ganz tolle Eltern!

stripes_on_a_tiger
20.10.2015, 18:36
Irgendwie komisch: Wir gehen nun definitiv in die zweite Runde. Diesmal keine ICSI sondern eine (heterologe) Insemination. Und ich mag - was total untypisch für mich ist - einfach nicht darüber sprechen. Gerade habe ich meinen besten Arbeitskollegen mit einem "wir probieren jetzt was Anderes" abgespeist (was im Übrigen auch echt OK war, glaub ich). Dieses Mitfiebern - manchmal sehr echt und empathisch, oft eher mit 'nem sensationsgeilen Touch - das will ich nicht mehr!

Gemme
20.10.2015, 19:14
Ihr schreibt alle so offen und so schön,
das wärmt mir schon das Herz :)

Camaine, ich denke auch, daß Ihr das super machen werdet, und an dieser Stelle noch ein liebes Kompliment an Dich und die anderen Wunschmamis, die hier schreiben, dafür, daß Ihr so unglaublich einfühlsam seid.

Ihr habt erlebt, was ich noch nicht erlebt habe, aber bei Euch fühle ich mich überhaupt nicht außen vor, dickes Dankeschön dafür!

Jetzt aber mal zum Thema:
Ich bin im Sommer mal mitten in einem Restaurant in Tränen ausgebrochen, weil mein Freund kurz vorher gesagt hatte:
"Kucken mal, da ist eine Entenfamilie!"
Diese Familie hat mir dermaßen den Rest gegeben...und wir hatten ein schönes Essen in ein schönem Restaurant, es war unser erster Urlaubstag, und ich KONNTE einfach nicht mit weinen aufhören!

Sowas wär mir früher einfach nie passiert!

Das war der Moment, an dem mir klar wurde, daß ich Hilfe möchte in dem ganzen Prozeß.

Ich habe mir einen sehr netten Therapeuten gesucht, gestern war die erste Sitzung - hat wirklich gut getan!

Das würde ich auch jeder Hoffnungsfrau empfehlen - ich glaube, man kommt schnell an einen Punkt, an dem man wie ferngesteuert nur noch dem Kinderwunsch nachhängt, und ich bin da nur schwer wieder rausgekommen.