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sallita
14.12.2006, 13:43
Hallo,

ich arbeite seit einem Jahr festangestellt in einer Firma. Nun hat mein Chef mir vorgeschlagen, (schein)selbstständig weiterzuarbeiten für das gleiche Bruttogehalt, da ich dann summa summarum angeblich mehr verdienen würde. An meinem Arbeitsplatz würde sich nichts ändern, und ich würde an zwei Firmen berechnen. Drei meiner Kollegen sind auch scheinselbstsändig. Ich kann die Vor-und Nachteile absolut nicht abschätzen, hat irgendjemand von Euch vielleicht Tips, oder kennt derartige Situationen?

Vielen lieben Dank!

akademikerin
14.12.2006, 14:22
Du kannst nicht für das Bruttogehalt weiterarbeiten. WEIL: deine Kosten höher sind. Du musst nämlich dann ALLES alleine bezahlen. WENN schon Brutto, dann das, was DU jetzt brutto auf dem Gehaltszettel hast PLUS dem, was dein AG als Sozialversicherungsbeitrag zahlt PLUS Kostenaufschlag.

Frag deine Kollegen doch, ob sie sich jetzt so besser stehen als vorher. Abgesehen von übrigen Kosten: dein "Brutto" wäre dann auch noch inkl. Mehrwertsteuer? HUCH!!!

Und Scheinselbständigkeit liegt nicht zwangsweise vor, wenn ihr mehr als einen Auftraggeber habt und diverse andere Dinge nicht zutreffen.

Kraaf
14.12.2006, 14:31
Vorsicht salitta,

das wird aus den von akademikerin genannten Gründen sehr, sehr schnell eine Milchbubirechnung zu deinen Lasten.

Weitere Punkte sind z.B. noch fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, Urlaubsanspruch, Kündigungschutz, ALG usw.

nettes Grüssle
Kraaf

sallita
14.12.2006, 15:07
Also, habe mich nochmal schlaugemacht, Sozialabgaben bekäme ich dazu, und mehrwertsteuer auch. Ansonsten ändert sich von der Arbeitszeit und Urlaub gar nichts, ich müsste eben nur zwei Rechnungen an meine Arbeitgeber schreiben (also eine an eine Partnerfirma).
Wie sieht es denn dann aus? Ist es generell tatsächlich so, dass man als Selbstständiger besser wegkommt steuertechnisch?

MistressWeatherwax
14.12.2006, 23:17
Vergiss nicht, dass du dann auch die Krankenkasse selber bezahlst, du keinen Kündigungsschutz hast, kein Recht auf Urlaub, eigentlich, hm, kein Recht auf irgendwas - aber die gleichen Pflichten.

Wer sagt denn so einen Unsinn, dass Selbständige bei der Steuer besser wegkommen? Wenn du richtig Pech hast - und vor allem in den ersten Jahren passiert das oft, auch oder gerade wenn man nicht so gut verdient - bekommst du eine Steuerprüfung an den Hals. Das ist super.

Ich fürchte, dein Chef rechnet da mehr zu seinem Vorteil - für dich ist dabei gar kein Vorteil drin.

akademikerin
15.12.2006, 11:51
Der Vertrag wäre ohnehin wackelig, dnen wenn du selbständig bist, dann hat dein Auftraggeber keine Befugnisse hinsichtlich Arbeitszeit oder Urlaubstagen.

Und Sozialabgaben alleine oben drauf: VIEL zu wenig!!! Wir rechnen pro Mitarbeiter etwa 70% seines Bruttogehaltes, um alle Kosten abzudecken.

Unfallversicherung, Betriebshaftpflicht, ggf. Vermögensschadenshaftpflicht ... und viele weitere dazu. Unabhängig davon auch: Rente!!! Dafür musst du schon mehr aufwenden als die 19,9% für die gesetzliche.

Inaktiver User
15.12.2006, 16:04
Hallo akademikerin,

"Unabhängig davon auch: Rente!!! Dafür musst du schon mehr aufwenden als die 19,9% für die gesetzliche."

Warum?

Viele Grüße

MistressWeatherwax
16.12.2006, 12:40
Weil du als Selbständige aus der Rentenversicherung rausfällst und für deine Altersvorsorge selbst sorgen musst. Zuschüsse vom Arbeitgeber gibt es dafür auch nicht.

Inaktiver User
16.12.2006, 15:45
Hallo,

ja sicher muß man als Selbständige selbst für seine Altersvorsorge sorgen. Aber wenn man die 19,9 % des Gewinns in eine private Rentenversicherung einzahlt, bekommt man am Ende bestimmt nicht weniger als bei der gesetzlichen Versicherung.

Was für Zuschüsse zahlt der Arbeitgeber? Meinst Du die Arbeitnehmer-Sparzulage? Die zahlt auch nicht jede Firma.

Ein Problem gibt es aber, was vielen wahrscheinlich nicht bekannt ist. Solche privaten Rentenversicherungen müssen bis zu einem bestimmten Freibetrag aufgelöst werden, ehe man Harz 4 bekommt, während der gesetzliche Rentenanspruch ja bestehen bleibt. Da kenne ich schlimme Schicksale.

Viele Grüße

akademikerin
16.12.2006, 16:50
Hi,

19,9% vom GEWINN?! NEIN!!!! Eher noch vom Umsatz, ggf. gemindert um einige wenige Kosten. Was willst du denn in die Altersvorsorge stecken, wenn du über Jahre hinweg mit z.B. 2000 Euro Gewinn pro Jahr rauskommst?

Bei Selbständigen gelten einige Sparformen als Betriebsausgabe, mithin Kosten, die den Gewinn mindern. Vom Gewinn zusätzlich etwas investieren ist schön, aber oft nicht machbar, weil kein Gwinn vorhanden.

Und was die Zuschüsse angeht vom Arbeitgeber: es gibt steuerbegünstigte, arbeitGEBERfinanzierte Altersvorsorgevarianten. Und die sind nicht per se aufzulösen, wenn es mal zu Hartz IV kommen sollte.

Ak.

Zoidberga
16.12.2006, 17:20
Ich frage mich, woher diese Annahme stammt, als Selbständiger schwimme man im Geld - gerade gestern jammerte mir noch ein Beamter vor, dass er weniger Weihnachts- und Urlaubsgeld bekäme als früher. Woraufhin ich ihn daraufhin wies, dass ich noch nie Weihnachts- oder Urlaubs- oder Krankengeld bekommen habe. Das gehört auch in diese Rechnung hier mit rein.

Ich würde mich mal informieren, wie viel Du allein für die Krankenversicherung bezahlen müsstest, solltest Du auf das Angebot eingehen. Diese Summe schockiert nämlich viele Angestellte.

Was heißt übrigens "an Arbeitszeit und Urlaub ändert sich nichts"? Für mich klingt das so, als müsstest Du dich dabei nach Deinem "Arbeitgeber" richten, sprich Du musst Dich unterordnen wie ein Angestellter und hast gerade eben nicht die Freiheit des Selbständigen.

Und schließlich: Warum sollte der Chef denn so eine Organisation anbieten, wenn er nichts davon hätte? Für ihn ist das superpraktisch, keine Sozialabgaben, keinen Kündigungsschutz, keine Verpflichtung, Dir tatsächlich Aufträge zu erteilen - Nee, dabei profitiert er, nicht der Angestellte.

Inaktiver User
18.12.2006, 11:41
Hallo akademikerin und Ihr anderen,

mein Mann und ich sind schon mehrere Jahre selbständig. Wir handhaben das so. Etwa 20 % vom Gewinn werden für die Rentenversicherung aufgewendet. Ich zahle in ein Berufs-Versorgungswerk und mein Mann in eine private Rentenversicherung. Warum soll das zu wenig sein? Eigentlich weiß doch keiner, was am Ende für Rente 'rauskommt.

Wenn jemand nur 2000 € Gewinn im Jahr hat, ist das ein ganz anderes Thema.

Ich gehe davon aus, daß Sallita ein auskömmliches Gehalt hat, und der Gewinn als freie Mitarbeiterin dann entsprechend höher ist, damit eben die zusätzlichen Aufwendungen bestritten werden können.

Bei der Krankenversicherung ist noch zu beachten, daß bei Selbständigen auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Zinseinnahmen angerechnet werden. Das ist auch so etwas, was vielen nicht bekannt ist.

Zoitberga,
du hast wirklich recht, allgemein herrscht die Vorstellung, daß Selbständige im Geld schwimmen. Ich ärgere mich auch immer darüber. Vielleicht war das früher mal so.

Viele Grüße Melfeli

Inaktiver User
18.12.2006, 12:17
Hallo akademikerin,

was gibt es für Sparformen, die als Betriebsausgabe anerkannt werden? Davon habe ich noch nichts gehört.

Noch einmal viele Grüße Melfeli

akademikerin
18.12.2006, 12:55
Wenn ich mcih selbständig mache, dann zahle ich doch nicht meine Altersvorsorge komplett aus GEWINNEN!!! Wenn ich keine mache oder nicht langfristig sehen kann, dsas ich Gewinne mache und zahlen kann.

Ich suche mir doch eher Vorsorgemöglichkeien, die ich als Betriebsausgabe GEWINNMINDERND einsetzen kann. Z.B. Rürup-Rente.

Es gibt eine prima Heft der Finanztest zu diesem Thema.

Und Mel: bist du dir GANZ sicher, dass du Gewinn meinst und nicht mit Umsatz verwechselst?

Inaktiver User
18.12.2006, 14:13
Hallo,




Und Mel: bist du dir GANZ sicher, dass du Gewinn meinst und nicht mit Umsatz verwechselst?

Ich bin zwar nicht vom Fach, aber ich habe mich mit den Begriffen beschäftigt, denn ich mache seit mehreren Jahren unsere Steuererklärung selber.

Gewinn = Einkünfte aus selbständiger Arbeit = Summe Betriebseinnahmen abzüglich Summe der Betriebsausgaben

Einkommen / zu versteuerndes Einkommen = Gesamtbetrag der Einkünfte abzüglich beschränkt abziehbare Sonderausgaben.
Und dazu zählen die Versicherungsbeiträge.

Mit der Rürup-Rente muß ich mich noch mal näher beschäftigen. Auf den ersten Blick mindern diese Beiträge auch das zu versteuernde Einkommmen und nicht den Gewinn. Aber vielleicht gibt es doch Vorteile für uns.

Also vielen Dank für den Hinweis und viele Grüße
Melfeli

erdbeereis
18.12.2006, 21:01
Hmmm, bin mir jetzt nicht so sicher, aber ich hatte mich mal mit jemandem wegen Rentenvers. für Selbstständige unterhalten und da trafen weder Rürup noch Riester zu. Werden beide nur für Angestellte und Beamte gefördert und wenn du vorher wegstirbst ist deine Einzahlung komplett für die Katz gewesen. Bekommen nichtmal die Kinder was und der Ehemann schon garnicht.

hillary
19.12.2006, 11:31
Doch Rürup für Selbstständige wird gefördert, aber sie ist nicht vererbbar etc.

"Aufgrund der Rahmenbedingungen von Seiten der Versteuerung ist die Rürup-Rentenversicherung ideale Altersvorsorge für Selbstständige und freiberuflich Tätige, die im Rahmen der gewerblichen Tätigkeit oft keine Ansprüche auf eine gesetzliche Rente erweben und deshalb in voller Eigenverantwortung für ihr Alter vorsorgen müssen.


Je länger dies vernachlässigt wird desto größer ist der Betrag der für die Zukunftssicherung fürs Alter gezahlt werden muss um vorzusorgen. Durch die hohen Steuerfreibeträge können Sie auch größere Beträge in ihre Rürup-Rente investieren und gleichzeitig von der staatlichen Förderung profitieren.
Wer in Kombination mit der Rürup-Rente zudem sich gegen Berufsunfähigkeit (http://www.pv-lv.de/berufsunfaehigkeit/) absichert, ist bereits vor dem Erreichen des Rentenalters gut geschützt.


Auch Arbeitnehmer können profitieren

Auch Arbeitnehmer mit gesetzlichem Rentenanspruch müssen heute zusätzlich vorsorgen. Eine Rürup-Rentenversicherung als sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Altersvorsorge kann entscheidend dabei helfen, die persönliche Vorsorgelücke zu schließen. Arbeitnehmer profitieren genauso von der steuerlichen Förderung der Rürup-Rente, wie Freiberufler und beruflich Selbstständige."

Googelt mal.

Ich arbeite sehr viel mit Freelancern, da ich projektbezogen arbeite und mir einen Stall von Festangestellten nicht leisten kann. Es gibt Wochen da habe ich 15 Aufträge, gibt aber auch Wochen wie diese, da habe ich nur 4 Aufträge. Nur so kann ich das Personal buchen. Böse gesagt, ich verlagere natürlich das Risiko auf meine Leute.