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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Identitätskrise - Angst davor, "nur" noch Mama zu sein



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Arivella
28.07.2015, 13:23
Hallo,

Ich schreibe zum ersten Mal in einem Forum. Kurz gesagt, ich habe eine ziemliche Identitätskrise. Ich hab drei Kinder (9, 5 und 2) , einen tollen Mann und einen Hund, ein Universitätstudium abgeschlossen und schreibe derzeit eine Doktorarbeit. Berufserfahrung konnte ich bisher kaum sammeln und die Doktorarbeit zieht sich viel länger hin, als ich mir das hätte träumen lassen. Ich schreibe nach 4 Jahren immer noch am ersten Kapitel. Vor allem nach meinen letzten Gesprächen mit meinem Doktorvater fühl ich mich sehr zurückgeworfen, zweifel, ob ich das Thema je in den Griff kriege und habe kaum Lust, mir den Text überhaupt nur anzusehen. Was mich überhaupt noch am Ball bleiben lässt ist folgendes: Als ich Kinder kriegte war ich glaube ich eine ziemlich vielseitige Persönlichkeit. Ich hab sehr viel gelesen, im Chor gesungen, mich ehrenamtlich engagiert, bin zu Vorträgen gegangen, habe Gitarre gespielt, gezeichnet, ich hab angefangen, Handarbeiten zu machen und kreativ gekocht und gebacken (vegan - das war für mich eine Herausforderung und hat mir ziemlich viel Spaß gemacht, weil ich dann eben Grund hatte, was auszuprobieren und nicht einfach alles nachzukochen, was meine Mutter so toll kann). Dann hab ich mit der Doktorarbeit angefangen und nach und nach die anderen Hobbies und Interessen aufgegeben. Ich hab erkannt, dass, wenn ich so ein Mammutprojekt neben den kleinen Kindern (die nie in eine Krippe gegangen sind) stemmen will, ich mir nicht so viele andere Interessen leisten kann. Zum Teil hat mich das auch entlastet, vor allem, wenn das Backen in der Weihnachtszeit mehr sozialer Druck als Spaß an der Freude war...dann hab ich mir eben gesagt: Ok, du musst das nicht, das machen ja die Omas mit den Kindern, du bist eben die Mama, die nebenher lieber eine Doktorarbeit schreibt.

Das Problem ist also, dass ich einerseits am liebsten diese Doktorarbeit hinschmeißen würde, weil ich immer wieder das Gefühl hab, das ist es einfach nicht wert, dieser ganze Druck, den ich mir da antue, ohne dass es mich beruflich wirklich weiterbringt (für den Lehrerberuf, den ich anstrebe, braucht man keine Doktorarbeit). Vor allem, da ich oft wahnsinnig müde und entnervt von den Kindern bin (der Kleine schläft nicht durch, ich bin ständig übermüdet). Wenn dann mal Zeit ist, weil der Kleine bei der Oma ist, geht oft ga nichts, weil ich am liebsten nur pennen würde und mich kaum konzentriere kann.

Andererseits hab ich buchstäblich Angst davor, in ein schwarzes Loch zu fallen. Was hab ich dann noch, außer meiner Familie? Wer bin ich dann noch? Eine HAusfrau, die gern Gamo of Thrones guckt...Dann bin ich auf einen Schlag Nur-Mama. Bis ich arbeiten kann, dauert es mindestens noch ein Jahr, bis der Kleine in den Kindergarten kommt - und auch das wäre reichlich früh, denn ich muss das Lehramtsreferendariat machen, und das geht nur Vollzeit. Klar, ein Jahr lässt sich überbrücken, nach jahrelangem Nicht-Berufstätig-Sein müsste ich ziemlich vorsorgen, garderobemäßig usw., ich könnte mich schon mal wieder einlesen etc. Aber wird es wirklich nur ein Jahr, oder werden wir uns als Familie das noch nicht zutrauen, werde ich noch ein Jahr warten müssen, oder sogar noch länger (mein Mann arbeitet super viel...). Ich hab das Gefühl, wenn ich jetzt die Doktorarbeit hinschmeiß, schmeiß ich alles weg, wo ich die letzten Jahre meine (knappe) Freizeit und Energie reingesteckt hab. Übrig bleibt ein müdes Gerippe, das gar nicht weiß, was es eigentlich im Leben möchte (jedenfalls keine Helikoptermom werden, die nur um ihre Kinder und deren schulischer Erfolge oder Misserfolge kreist!).

Bin dankbar über Ratschläge jeglicher Art, aber bitte nicht schimpfen, dass ich nicht dankbar bin über das was ich hab (das bin ich nämlich absolut! Aber ich muss trotzdem wissen, was ICH mit MEINEM Leben anfangen soll...)Ich kann mich nicht NUR über das Muttersein definieren - aber sich über eine Doktorarbeit zu definieren, war vielleicht wirklich der falsche Weg, oder?

Ganz liebe Grüße

Arivella

Cariad
28.07.2015, 13:43
Dass es Tiefpunkte bei so einem Projekt gibt, ist normal. Aber man darf ruhig dann und wann mal die eigenen Ziele hinterfragen. Erinnerst du dich noch, wie es sich anfühlte, als du mit der Arbeit anfingst? Was war da deine Triebkraft? Gilt die noch? Machst du das für dich oder für den Rest der Welt?

Vielleicht hilft es dir, mal bewusst vier Wochen frei von der Doktorarbeit zu nehmen? Wie würde sich das anfühlen?

Inaktiver User
28.07.2015, 13:51
Vielleicht hilft es dir, das Ganze nicht so absolut zu sehen, sondern das Leben als eine Reihe von Phasen zu sehen. Und jetzt ist vielleicht halt mehr Mama/Familie angesagt, dann kommt wieder was anderes.

Man vergisst das nur so leicht wenn man drinsteckt, mir ging es jedenfalls so.

Schade find ich persönlich halt, wenn man so quasi gegen sein Leben lebt als es einfach anzunehmen wie es jetzt eben grad ist. Man kann ja dazu tun, dass sich das dann auch wieder ändert.

Aber sich in dieser anstrengenden Kinderphase noch so viel anderes aufladen seh ich kritisch. Man muss sich doch nix beweisen, oder? Ich denk, du leistest momentan genug.

taggecko
28.07.2015, 13:59
Auch als Doktorand ohne weiter Belastungen wie Familie gibt es Durststrecken, wo man alles hinschmeißen will.
Bei Dir sehe ich eher das Problem, dass Du wohl nicht mehr so viel Kontak zu Kommilitonen hast wo man auch mal gegenseitig Frust ablassen kann oder auch mal gegenseitig die Gliederung oder die Experimente besprechen.
Kannst Du Dich da vernetzen? Aufhören würde ich nicht, die nichtgefangenen Fische neigen dazu, zu den allergrößten zu werden.

Arivella
28.07.2015, 14:05
Vielen Dank für eure Antworten!

@Cariad: Die Idee, mal vier Wochen alles ruhen zu lassen ist bestimmt nicht schlecht, um sich nochmal in Ruhe klar zu werden über alles. Ein bisschen Angst hab ich vor dem wahrscheinlichen Fall, dass ich danach wieder einsteige, aber lange brauche, um wieder reinzukommen. Ich hatte nämlich schon öfter Pausen gemacht, die längste war letztes Jahr, da dachte ich wirklich, ich hör auf. Wie es sich am Anfang angefühlt hat? Viiiel unvorbelasteter natürlich, ich hab mir keine Vorstellung gemacht, WIE schwer und frustrierend so eine Arbeit sein kann!

@Hilfskonstruktion: Ja, du hast natürlich absolut recht. Ich würde übrigens auch niemandem jemals dazu raten, das so zu machen, wie ich das gemacht habe. Damals dachte ich, eine Doktorarbeit könnte ein schöner Ausgleich sein, aber dafür ist es meiner Ansicht nach mit zu viel Druck und Frustration verbunden. Außerdem muss man hochkonzentriert arbeiten, sehr viel schwierige Texte (auch englisch) lesen, exzerpieren...und das geht alles nur, wenn man ausgeschlafen und voller Energie ist und das ist bei mir eigentlich nur Sonntags der Fall...:smirksmile:
Jedenfalls ist es eine Sache, etwas gar nicht erst anzufangen (sehr weise!), und eine andere, etwas Begonnenes abzubrechen...Leiedr kommt es auch nicht wirklich in Frage, die Doktorarbeit auf später zu verschieben, wenn die Kinder älter sind, weil ich mich irgendwann um den Berufseinstieg kümmern muss...

phaden
28.07.2015, 14:06
Wenn Du die Möglichkeit hast zu promovieren, dann tu es. Und zwar jetzt.
Suche einen Krippenplatz für den Kleinen oder schafft Euch eine Hilfe an. Dann schaffst Du Dir Freiraum, einige Stunden am Vormittag und zwar regelmäßig, so als ob Du berufstätig wärst.
Dein Mann arbeitet viel, also sollte das finanziell möglich sein.
Auf seine Unterstützung und seine volle Zustimmung zu Deinem Projekt sollte selbstverständlich sein.
Oder habt Ihr einen Ehevertrag, in dem er sich verpflichtet, sollte die Ehe schief gehen, Dich über Jahre zu finanzieren?
Er arbeitet sich in der Ehe hoch und Du?
In fünf Jahren sind Deine Kinder aus dem Gröbsten heraus und was machst Du dann? Dich ärgern, dass Du ohne Doktortitel arbeiten musst.
Hast Du alle Forschungsarbeit denn schon erledigt, so dass Du nur noch schreiben musst? Oder musst Du noch unterwegs sein, in Archiven und Bibliotheken arbeiten?
Oder machst Du Feldforschung und musst noch viel los?
Wenn Du das Material zusammen hast, dann komm' in die Puschen und schreibe. Zu einer Promotion gehört viel Disziplin. Kinder abgeben, Tür zu, Händi aus, Ohren auf Durchzug, an den Schreibtisch und durch!

Arivella
28.07.2015, 14:08
Hallo taggecko,

die Isolation ist vielleicht wirklich ein Faktor. Danke für den Tipp, es gibt schon Kontakte zu anderen Doktoranden, die ich intensivieren könnte.

Liebe Grüße,
Arivella

phaden
28.07.2015, 14:11
Außerdem muss man hochkonzentriert arbeiten, sehr viel schwierige Texte (auch englisch) lesen, exzerpieren...und das geht alles nur, wenn man ausgeschlafen und voller Energie ist und das ist bei mir eigentlich nur Sonntags der Fall...:smirksmile:
Na ja, so hochkonzentriert muss man nicht immer sein, vieles ist einfach eine Fleißarbeit.
Und für die hohe Konzentration nimmst Du dann die Sonntage und der Pappi nimmt die Kinder.
Ist ja nur für eine begrenzte Zeit, dann Rigorosum und dann fertisch.

rebellin
28.07.2015, 14:15
Könntest Du Dir insoweit Unterstützung holen, dass Du feste Zeiten in der Woche für Deine Doktorarbeit nutzen kannst? Klar - hier mal eine Stunde, da mal eine Stunde - da brauch man sich aus meiner Sicht gar nicht erst dransetzen, man braucht ja immer eine Weile, bis man wieder "richtig drin" ist.

An sich müsstest Du die Arbeit ja dann vor dem Start des Referendariats fertig bekommen, denn Familie, Doktorarbeit und Referendariat wäre ja noch um einiges schwieriger als jetzt zu organisieren.

Wie war denn so generell Eure Planung mit der Aufgabenteilung? Du schreibst, dass Dein Mann viel arbeitet - wie bringt er sich denn ein in Euer Familienleben?

Wenn er sich am Sa und So jeweils vormittags um Kinder und Haushalt kümmert und Du vielleicht noch einen Vormittag unter der Woche den Jüngsten unterbekommst, dann hast Du immerhin ein paar Zeitfenster für die Doktorarbeit und wirst sehen, wie Du dann voran kommst.

Coranova
28.07.2015, 14:21
Die Doktorarbeit würde ich fertigmachen. Du hast sie angefangen, es war dein Ziel zu promovieren. Vielleicht fändest du es in ein paar Jahren, wenn vielleicht alles seinen geregelten Gang läuft, ziemlich schade, wenn du hingeworfen hättest.

Ich versteh schon, dass das momentan schwer ist. Als mein Sohn ganz klein war, dachte ich auch: "Juhuu! Ich hab dann soviel frei in meiner Elternzeit. Da hole ich endlich eine Zusatzqualifikation nach". Nunja... Es ging dann schon. War aber sehr mühselig und hat viel länger gedauert. Denn so mit Freizeit überschüttet wird man dann auch nicht mit einem Schulkind und einem Kleinkind...

Der Tipp, dich zu vernetzen, ist Gold wert. Das war es, was mich bei meiner Fortbildung immer wieder aufgerappelt hat. Wenn ich so tagelang in meinem Elternzeit-Kokon war, entfernte sich die Arbeit gedanklich immer weiter. Um als Damoklesschwert trotzdem über mir zu schweben ("eigentlich sollte ich jetzt...").
Wenn ich dann wieder mit meinen zwei Kolleginnen telefoniert oder mich aufgerappelt hatte, Unterlagen zu holen, dann ging plötzlich wieder was. Dann war ich gedanklich wieder dabei.
Vielleicht ist das ja auch ein Faktor, der dir weiterhilft.

Arivella
28.07.2015, 14:25
Hallo phaden,

ja, ungefähr vor einem Jahr war ich auch dieser Ansicht. Ich hab gedacht, das ist alles nur eine Frage der Organisation und hab den Kleinen in der Krippe angemeldet. Aber ich hab den Platz jetzt doch nicht angenommen, weil ich Zweifel bekommen habe, ob ich jeden Tag zur Uni fahren kann (die Krippe gehört zur Uni) - ich würde lieber gern oft zu Hause arbeiten, zweimal Uni in der Woche würde reichen (ich schreib eine geisteswissenschaftliche Arbeit, d.h. keine Feldforschung, auch keine Archive nötig, nur lesen und denken...). Da der Kleine nachts noch so schlecht schläft und der mittlere morgens ewig rumtrödelt hatte ich das Gefühl, das könnte in völliger Überforderung für mich enden. Wenn ich dann schon platt bin, wenn ich die Kids endlich abgegeben habe, fehlt mir sicher die Energie, um zu schreiben...Bei der Krippe hier in der Nähe bekomme ich so kurzfristig natürlich keinen Platz mehr (ich hab schon angerufen). Und die Omas machen zwar ab und zu was mit den Größeren, sagen aber dauernd ab, wenn es um den Kleinen geht, das kann man ja (vielleicht) auch nicht erwarten, dass die sich da regelmäßig verpflichten. Insofern wird es zumindest nicht einfach, sich ein bisschen Zeit freizuschaufeln. Aber danke, dass du mir Mut machst, vielleicht gibt es schon noch Möglichkeiten in Richtung Tagesmutter/Haushaltshilfe...

ereS
28.07.2015, 14:34
warum willst du ueberhaupt promovieren ?
und wieso machst du nicht erst einmal deine ausbildung sprich das referendariat fertig ?

promovieren kannst du immer noch, gerade wenn du die promotion nicht fuer deinen beruf benoetigst

du hast dich jetzt vier jahre "abgerackert" bei denen fast nichts dabei herausgekommen ist, außer ganz viel frust:knatsch:

wo siehst du dich in 5 oder auch in 10 jahren ?

das du ueberfordert bist wundert mich ueberhaupt nicht, wenn du deine kinder ueber die ganzen jahre nicht in eine betreuung gegeben hast
und mit kindern die dauernd zuhause sind, kann man nicht "nebenbei" noch promovieren, das ist nahezu unmoeglich

ueberlege dir wie es weitergehen soll, vor allem was dein ziel ist kurz- wie auch langfristig

was nimmt dir dein mann an arbeit oder kinderbetreuung denn ab ?

Cariad
28.07.2015, 14:44
Ich frag nochmal: Was war dein ursprünglicher Antrieb zu dieser Doktorarbeit? Beruflicher oder intellektueller Ehrgeiz? Wissenschaftliches Interesse? Oder einfach nur der Wunsch, "irgendwas Sinnvolles" neben den Kindern her zu machen?

phaden
28.07.2015, 14:47
Da der Kleine nachts noch so schlecht schläft und der mittlere morgens ewig rumtrödelt hatte ich das Gefühl, das könnte in völliger Überforderung für mich enden. Wenn ich dann schon platt bin, wenn ich die Kids endlich abgegeben habe, fehlt mir sicher die Energie, um zu schreiben ...
Weshalb schläft der Kleine nachts schlecht? Er ist zwei und kann doch schon laufen, ist er tagsüber nicht ausgelastet?
Und einen Fünfjährigen würde ich nicht trödeln lassen, "Doktorarbeit erfordert eine straffe Organisation" (frei nach Loriot).

Arivella
28.07.2015, 15:01
Also...

es war tatsächlich eher intellektueller Ehrgeiz als beruflicher. Ich wusste immer schon, dass ich die Doktorarbeit nicht "brauche", ich habe auch nie eine Unikarriere angestrebt. Auch der Wunsch zu einer sinnvollen Tätigkeit neben den Kindern war und ist die treibende Kraft dahinter. Und dabei herausgekommen ist, dass ich mir mich ohne dieses Projekt gar nicht mehr vorstellen kann, aber andererseits noch lange kein Land in Sicht ist und mich das ziemlich belastet.

Es stimmt natürlich, dass man dir Prioritäten auch anders setzen könnte - erst Ref, dann Dissertation (wenn überhaupt). Eigentlich war ja der Gedanke, dass die Dissertation besser vereinbar sein sollte mit Kindern als das Ref. Aber wann hat man mit Kindern schon mal keine Termine am WE? Das kommt bei uns alle zwei Monate mal vor, und dann gehe ich an die Uni, mein Mann nimmt mir den Kleinen und das kochen ab und ich bin richtig glücklich. Aber das ist wie gesagt die Ausnahme. Ich kann mich nur sehr schwer regelmäßig am Wochenende aus allem raushalten, die Kinder haben ja auch Erwartungen, es muss eingekauft. mit dem Hund gegangen werden, der Kleinen mittags zum Schlafen gebracht werden, die Großen irgendwo hingebracht und und und. Auch sich abends noch mal dransetzen geht erstens zu Lasten der Bez. und zweitens bin ich zu müde. Es stimmt schon, dass vieles Fleißarbeit ist, aber das kommt vielleicht auch auf die Phase an, Ich bin immer noch mit konzeptionellen Schwierigkeiten beschäftigt, da muss man wirklich einen klaren Kopf haben um den Überblick zu behalten.

Warum meine Kinder alle so schlecht schlafen bzw. geschlafen haben, weiß ich auch nicht. Die großen beiden schlafen durch, aber erst nach vier bzw. fünf Jahren. Der Kleine ist super aktiv tagsüber, aber es stimmt schon, dass ich ihm nicht jeden Tag die gleiche Möglichkeit bieten kann, sich auszupowern. Er läuft zum Beispiel gern zu Fuß, rennt richtig, aber nicht unbedingt in die Richtung, in die ich will, also doch wieder mit Geschrei ab in den Buggy.

Liebe Grüße an alle
Arivella

rebellin
28.07.2015, 15:25
..., die Kinder haben ja auch Erwartungen, es muss eingekauft. mit dem Hund gegangen werden, der Kleinen mittags zum Schlafen gebracht werden, die Großen irgendwo hingebracht und und und.

Nach meinem Verständnis sind das alles Dinge, die auch ein Vater übernehmen kann.


Ich kann mich nur sehr schwer regelmäßig am Wochenende aus allem raushalten, ...

Komisch, das muss ein "genetisches" Problem sein - viele Männer können das (zumindest unter der Woche, manche auch durchgängig) problemlos.

phaden
28.07.2015, 15:31
Weißt Du, dass man heute von Müttern erwartet, dass sie voll berufstätig sind?
Sonst haben sie Nachteile in jeder Beziehung, Verdienstmäßig, Rentenmäßig und bei Scheidung Existenzmäßig.
Ich glaube, Du musst ein wenig Zug in die Gemeinde bringen.
Die Großen sind tagsüber aus dem Haus, den Kleinen solltest Du versuchen unterzubringen und Dein Mann sollte sich abends und am Wochenende mehr einbringen.
Mit dem Hund können Dein Mann oder die Kinder abends länger Gassi gehen, Du brauchst nur das Nötigste tun.
Stell Dir vor Du wärst plötzlich alleinerziehend (soll in den besten Familien vorkommen), dann müsste das alles sofort passieren.
Wenn Du die Promotion wirklich willst, dann setze Dich durch.
So wie Du Deinen Alltag beschreibst, bist Du "nur" noch Mama. Vor was hast Du Angst?
Habt Ihr einen Ehevertrag?

Arivella
28.07.2015, 15:35
Hallo rebellin,

klar, kann mein Mann das alles (bis auf vielleicht Geschenke für Kindergeburtstage aussuchen...), und ich glaube auch, dass es ein typisch weibliches Problem ist, die Verantwortung nicht so leicht abgeben zu können. Das Problem ist vielleicht auch, dass bei einer Doktorarbeit nicht das gleiche MUSS dahintersteckt, wie wenn ich arbeiten gehen würde, dann wäre ich eben weg. Aber ich kann es mir im Prinzip ja alles selbst einteilen...dann tut man sich eben schwer, den Mann mit dem üblichen Familienchaos alleinzulassen (auch wenn, das stimmt schon, ich ja auch im Alltag ganz allein damit bin - aber ich bin es eben auch mehr gewohnt als er). Dann bleibe ich immer noch ein bisschen länger, bis die Lange entspannter wirkt, aber dann ist der halbe Samstag meist schon rum...

Liebe Grüße
Arivella

phaden
28.07.2015, 15:37
Eigentlich war ja der Gedanke, dass die Dissertation besser vereinbar sein sollte mit Kindern als das Ref. Aber wann hat man mit Kindern schon mal keine Termine am WE?
Stimmt ja auch, Du arbeitest zu Hause, hast keinen Dienstweg und bist flexibel.
Aber weshalb hast Du Termine mit den Kindern am Wochenende? Welche denn?
Der Älteste kann selbst zu Kumpels gehen (oder Dein Mann fährt ihn), der Mittlere spielt zu Hause oder bei Nachbarn und der Kleine wird von Pappi streng im Auge behalten.
Meine Kinder hatten in dem Alter noch keine Termine am Wochenende. Und als sie welche hatten, konnten sie die selbst wahrnehmen.

Inaktiver User
28.07.2015, 15:38
Nach meinem Verständnis sind das alles Dinge, die auch ein Vater übernehmen kann.



Hm. Der soll schon den Unterhalt für fünf Personen heranschaffen und dann noch Kinder, Hund und Haushalt übernehmen weil seine Frau promovieren möchte?

Das finde ich nun doch eine gewisse Ungleichheit in der Lastenverteilung.

Und Ende ist erst wenn alle miteinander auf dem Zahnfleisch daherkommen? Ist es das wert?

phaden
28.07.2015, 15:41
Aber ich kann es mir im Prinzip ja alles selbst einteilen...dann tut man sich eben schwer, den Mann mit dem üblichen Familienchaos alleinzulassen (auch wenn, das stimmt schon, ich ja auch im Alltag ganz allein damit bin - aber ich bin es eben auch mehr gewohnt als er). Dann bleibe ich immer noch ein bisschen länger, bis die Lange entspannter wirkt, aber dann ist der halbe Samstag meist schon rum...
Ich glaube, Du stehst Dir selbst im Weg.
Ein Familienchaos kann man sich eben nicht leisten, wenn man beruflich etwas leisten will.
Bringe Ordnung in das Chaos, das tut allen gut. An erster Stelle den Kinder.
Sie profitieren davon, wenn sie sehen, dass die Mutter nicht "nur" Mama ist.

Arivella
28.07.2015, 15:42
Hallo phaden,

Natürlich bekomme ich mit, wie man in der Gesellschaft über Mütter und Berufstätigkeit denkt. Mir ist auch klar, dass es erhebliche Nachteile hat, so viele Jahre zu Hause zu sein, wie ich es schon bin. Was die Ehe angeht, bin ich mir allerdings so sicher, dass sie hält, dass mich die Angst vor Scheidung nicht umtreibt - eher schon der Gedanke, meinem Mann könnte was passieren (nicht völlig abwegig, er hatte schon mal Krebs). Dann müsste ich verdammt schnell umschalten und sofort das Ref machen und voll verdienen...

Das sind definitiv Punkte, die man berücksichtigen muss, weswegen ich auch nie länger als unbedingt nötig zu Hause sein wollte. Allerdings ist es eben auch so, dass das Ref nicht nur ein Vollzeitjob ist, sondern die Noten ultimativ darüber entscheiden, ob du eine Stelle kriegst. Das ist für mich schon ein Grund es nicht zu machen, bevor die lieben Kleinen mich nicht zumindest nachts besser schlafen lassen. Wie gesagt, die Doktorarbeit ist mir schon wichtig, aber nicht so wichtig, dass ich dafür den Berufseinstieg zwei oder drei Jahre nach hinten schieben würde - das wäre auch irrational, genau aus den Gründen, die du gerade genannt hast.

Liebe Grüße
Arivella

Marta-Agata
28.07.2015, 15:46
Was mir als erstes einfällt:

Wer will, findet Wege, wer nicht will, sucht Gründe.
Ich verstehe z.B. nicht, warum du den KiTa-Platz nicht genommen hast - dann wärest du eben mal eine Weile regelmäßig in die Uni gefahren, das hätte deiner Doktorarbeit bestimmt gut getan.

Ab und zu mal am Sonntag - so schreibt man keine Dissertation.

Termin am Wochenende - Du kannst nicht, Punkt.
Wenn du es erst allen recht machen möchtest und dann die Diss. kommt, wird das nichts.

Es gibt Tagesmütter, KiTas, Babysitter, Haushaltshilfen, Großeltern, Mütter- und Elternnetzwerke - aber man/frau muss das wollen.

Für mich klingt das so, als wollest du die Dissertation nicht - oder jedenfalls nicht genug.
Du musst das nicht fertig schreiben - aber ich würde das nicht jetzt entscheiden.
Denn das Thema, dass du dir Freiräume schaffen und auch mal loslassen können musst, hast du unabhängig von der Doktorarbeit. Denn wenn du die aufhören solltest, dann wirst du doch das Bedürfnis haben, etwas anderes außer Haus zu tun, wieder ein Ehrenamt aufzunehmen, o.ä.

Ich würde es in folgender Reihenfolge angehen:
Erst einmal "Zeit freischaufeln" (nicht nur auf Kosten des Mannes, der scheint ja einiges zu machen) und die Diss. höher auf die Prioritätenliste setzen - und dann schauen, wie es dir damit geht.
Dann entscheiden, ob du weitermachst oder aufhörst - die freigeschaufelte Zeit kannst du sowieso gut gebrauchen.

maryquitecontrary
28.07.2015, 15:48
Ich kann mich in dem was du schreibst vielleicht ein bißchen wiedererkennen, wie ich früher versucht habe, Familie und meine berufliche und intellektuelle Entwicklung unter einen Hut zu bekommen. (Jetzt sind meine Kinder zwischen knapp zwölf und 17 und ich wurstele an meinem PhD, aber das ist eine andere Geschichte. ..)

Ich habe allerdings einen Mann, der mich beruflich immer unterstützt hat und dafür auch selbst Einschnitte hin-/vorgenommen hat. Und ich habe meine drei Kinder innerhalb von gut fünf Jahren bekommen, und dazwischen teilweise halbtags gearbeitet.

Ich bin Medizinerin und habe meine Doktorarbeit geschrieben (Daten waren aber da) während mein Mann unser erstes Kind hütete (treulich jeden Tag von halb acht bis halb zwei) und nur ab und zu zum Stillen vorbeibrachte (Kind war ein knappes halbes Jahr alt).

Ohne diese Ruhe und Disziplin hätte ich das nicht hinbekommen. Zudem habe ich auch nur 200 Seiten geschrieben, davon viel Grundlagen, Material und Methoden usw, wo man zwar gefordert ist, aber keine geistigen Höchstleistungen bringen muss.

Meine Freundin hat eine sprachwissenschaftliche Diss. geschrieben, ich weiß, wieviel Selbstorganisation und Disziplin dafür notwendig waren, über Jahre.

Um halb zwei haben wir dann gegessen, Haushalt gemacht und sind spazieren gegangen. In etwa drei Monaten war ich fertig.

Wenn mein Mann parallel Vollzeit gearbeitet hätte, wäre es für uns nicht gegangen.

Ich habe die "Leine" hinüber zu meiner beruflichen Identität immer im Blick gehabt, aber als die Kinder klein waren, lockerer gelassen. Zum Beispiel halb gearbeitet (später dann mein Mann). So dass ich wenig Zeitdruck hatte zusammen mit den Kindern, wir uns Zeit lassen konnten, zum Einkaufen gehen beispielsweise ewig, weil einfach noch alle Pfützen und Steine untersucht werden mussten.

(Durch die Promotion und meine Weiterarbeit zwischendurch habe ich dann, sieben Jahre nach dem ersten Kind wieder vermehrt in den Beruf gehen und zielstrebig meinen Facharzt machen können.)

Mir scheint, du hast eine ähnliche Sehnsucht/ein ähnliches Bedürfnis wie ich es auch hatte, aber viel mehr alleine zu stemmen (und ich weiß, ich habe schon ordentlich gerackert), weniger Unterstützung durch deinen Mann (das muss einfach ein zweimann-Projekt sein) und auch weniger Möglichkeit zu "stückeln". Oder ist Halbtags-Diss. eine Option?

Historia02
28.07.2015, 15:48
es war tatsächlich eher intellektueller Ehrgeiz als beruflicher.
Hmm, für mich klingt es eher wie eine Art Verlegensheitslösung als tatsächlich ein echtes Ziel.
Hast du vielleicht Angst vor dem Einstieg ins Berufsleben? (Sorry, das soll nicht wie Küchenpsychologie klingen, es ist nur so eine Idee.)

Warum kann dein kleinstes Kind nicht in die Krippe? Und wenn dein Mann so viel arbeitet, verdient er dann auch entsprechend, so dass du dir vielleicht Unterstützung kaufen könntest? So dass du sofort ins Referendariat starten könntest und nicht erst nächstes Jahr.

Ich habe zwei Kinder und mache nebenbei schon seit einiger Zeit ein Fernstudium. Es ist hart, mit 2 Kindern auf jeden Fall härter als mit einem. (Ein Kind konnte mein Mann immer ganz gut beschäftigen, aber bei zwei ist es doch wesentlich anstrengender.)
Ich liebe die Präsenz-Wochenenden, an denen ich aus den Familienpflichten fliehen kann. Ich kann dich da super-gut verstehen. Aber ich will auch endlich fertig werden, weil mich das permanente "Ich-müsste-eigentlich-lernen"-Gefühl langsam nervt.

Eigentlich müsste dir diese Promotion, die du schon 4 Jahre schreibst, doch wie ein Betonklotz am Fuß hängen, oder?

Kannst du nicht eins deiner Hobbies reaktivieren, um wieder unter Leute zu kommen? Chor? Sprache lernen? Zeichnen? Kochkurse? Denn eine Oma für die Kinderbetreuung hast du doch zur Hand, wenn ich das richtig verstanden habe.

Ich würde, wenn ich an deiner Stelle wäre, vermutlich einfach mal umdenken: Wie kann man kurzfristig einen Ausgleich zum Mama-Alltag schaffen und wie kann man auf den Job-Einstieg hinarbeiten. Ich denke, der ist wichtiger als die Promotion.

phaden
28.07.2015, 15:49
Hm. Der soll schon den Unterhalt für fünf Personen heranschaffen und dann noch Kinder, Hund und Haushalt übernehmen weil seine Frau promovieren möchte?

Das finde ich nun doch eine gewisse Ungleichheit in der Lastenverteilung.
Wieso? Sie arbeitet hart an ihrer Arbeit, sie legt nicht die Füße hoch.
Wenn er sich dann dermaleinst scheiden lässt, wird er über die Ungleichheit der Lastenverteilung klagen, wenn er seiner Frau Unterhalt zahlen muss. Lies mal nach im Forum "Trennung und Scheidung". Es ist immer das gleiche Thema.
"Sie könnte doch mehr verdienen, wenn sie Fr. Doktor wäre, weshalb muss er sie jetzt unterstützen?"
Hätte er sie promovieren lassen, wäre ihr Einkommen besser und er brauchte keine Rentenpunkte abgeben.
Irgendwann zahlt es sich für Männer aus, wenn ihre Frauen im Beruf was leisten.
Davon, dass es sich für die Frauen auszahlt, will ich gar nicht reden. Das finden Mütter eher peinlich, wenn sie an ihre Karriere denken und nicht ans "nur Mama sein".

Arivella
28.07.2015, 15:50
Hallo Hilfskonstruktion,

ich finde auch, dass es nicht (zu sehr) auf Kosten meines Mannes gehen darf. ABER: er kriegt sehr viel Anerkennung für seine Arbeit, geht einen Karriereschritt nach dem anderen und findet es andererseits auch sehr gut, dass ich noch nicht ins Ref. gehe und für die Kinder zu Hause da bin. So lange ich glücklich und zufrieden bin, unterstützt mich, so gut er kann und ich versuche, ein für die Familie gesundes Maß zu finden (deswegen ist es eben auch nicht so oft der Fall, dass ich mich hier abseilen kann). Das Problem ist eben, dass ich mir nicht (mehr) sicher bin, ob da wirklich was bei rauskommt...

Liebe Grüße
Arivella

Marta-Agata
28.07.2015, 15:54
Hm. Der soll schon den Unterhalt für fünf Personen heranschaffen und dann noch Kinder, Hund und Haushalt übernehmen weil seine Frau promovieren möchte?
Das ist eine Entscheidung, die vielleicht die ganze Familie treffen muss - ggf. einschließlich der Großeltern (so war es bei meiner Schwester, die mit 4 (Klein)Kindern promoviert hat - sie hat das vorher mit meiner Mutter besprochen).

Wenn das nicht von allen so wichtig angesehen wird wie eine Berufstätigkeit (die sicher einen gewissen Spielraum der Flexibilität hat) - dann hat das keine Chance. Wenn das von allen als Hobby für die Stunden, die sonst mit Muße gefüllt wären, gesehen wird, kann das m.E. nichts werden.


klar, kann mein Mann das alles (bis auf vielleicht Geschenke für Kindergeburtstage aussuchen...), und ich glaube auch, dass es ein typisch weibliches Problem ist, die Verantwortung nicht so leicht abgeben zu können. Das Problem ist vielleicht auch, dass bei einer Doktorarbeit nicht das gleiche MUSS dahintersteckt, wie wenn ich arbeiten gehen würde, dann wäre ich eben weg. Aber ich kann es mir im Prinzip ja alles selbst einteilen...dann tut man sich eben schwer, den Mann mit dem üblichen Familienchaos alleinzulassen (auch wenn, das stimmt schon, ich ja auch im Alltag ganz allein damit bin - aber ich bin es eben auch mehr gewohnt als er). Dann bleibe ich immer noch ein bisschen länger, bis die Lange entspannter wirkt, aber dann ist der halbe Samstag meist schon rum...
Wiegesagt - m.E. muss das den Status einer Berufstätigkeit bekommen - und dann bist du eben weg.

Sind bei euch am Wochenende die Bibliotheken offen?
Kannst du mit deinem Mann verabreden, dass du einen Tag morgens vor dem Frühstück schon weg bist?

phaden
28.07.2015, 15:59
Kannst du nicht eins deiner Hobbies reaktivieren, um wieder unter Leute zu kommen? Chor? Sprache lernen? Zeichnen? Kochkurse? Denn eine Oma für die Kinderbetreuung hast du doch zur Hand, wenn ich das richtig verstanden habe.Ich würde meiner Tochter etwas husten, wenn ich ihre Kinder hüten sollte, damit sie ihren Hobbies nachgehen kann, anstatt ihre Doktorarbeit zu beenden oder berufstätig zu sein.
Zeichnen, Kochkurse. Ich glaube, es geht los. Entweder das kann wirklich nebenbei laufen oder man macht es, wenn man in (gut bezahlter) Rente ist.
Viele Frauen haben scheint's immer noch nicht begriffen, dass heute ein anderer Wind ums Kinderzimmer und die Küche weht.
Entweder der Gatte packt mit an oder Frau bleibt "nur" Mama. Wenn's denn konveniert.

Arivella
28.07.2015, 16:00
Hmm, für mich klingt es eher wie eine Art Verlegensheitslösung als tatsächlich ein echtes Ziel.
Hast du vielleicht Angst vor dem Einstieg ins Berufsleben? (Sorry, das soll nicht wie Küchenpsychologie klingen, es ist nur so eine Idee.)

Mhm, ja, klar ist das möglich, das Ref ist ja dafür bekannt, dass es verdammt hart sein soll, und dann noch mit so vielen Kindern...Im Nachhinein ärger ich mich, dass ich es nicht nach dem Studium gleich angeschlossen habe, aber ich wollte so gerne Geschwister mit vernünftigem Altersabtsand für meine Große, die ich schon am Anfang des Studiums bekommen hatte.

Ich finde, was du schreibst, sehr bedenkenswert. Ich möchte halt eigentlich allen gerecht werden: Meinen Kindern eine (möglichst) Vollzeit-Mama sein, gleichzeitig aber auch eigene Ziele verfolgen. Als Studentin mit Kind ging es mir einfach super, ich dachte, das wird so ähnlich, wenn ich promoviere. (Der Unterschied war allerdings, dass unsere Familie inzwischen viel größer geworden ist, was damals super ging ist inzwischen total schwierig, weil man ein Kind mit zwei Omas in der Nähe halt super organisiert kriegt, aber nicht drei...)

Liebe Grüße
Arivella

PS: Bestärkt mich bitte darin, die Doktorarbeit abzubrechen, sonst bringe ich wieder nicht die Entschlussfähigkeit dazu auf., Ich hab noch nie was abgebrochen, es ist einfach so verdammt schwer, sich da ein für allemal zu entscheiden...

phaden
28.07.2015, 16:06
ich finde auch, dass es nicht (zu sehr) auf Kosten meines Mannes gehen darf. ABER: er kriegt sehr viel Anerkennung für seine Arbeit, geht einen Karriereschritt nach dem anderen und findet es andererseits auch sehr gut, dass ich noch nicht ins Ref. gehe und für die Kinder zu Hause da bin.
Diese Zeilen rahme Dir doch einmal ein und hänge sie Dir an den Kühlschrank oder irgendwo anders hin.
Und dann lese mal ein wenig im Forum "Trennung und Scheidung", da wird Dir dieser Satz mehrfach begegnen.
Du schreibst, Du bist Dir sicher, dass Ihr Euch nie scheiden lasst. Nun gut, lassen wir das mal so stehen.
Aber Dein Mann ist nicht ganz gesund und Du könntest eines Tages allein dastehen?
Und Dein Mann weiß das auch?
Trotzdem treibt er seine Karriere voran und findet es gut, dass Du ihm das durch Dein Zuhausebleiben ermöglichst.
Irgendetwas stört mich daran.
Ich frage gern noch ein drittes Mal. Habt Ihr einen Ehevertrag? Ein Haus oder Vermögen?

Inaktiver User
28.07.2015, 16:08
Nicht böse sein: aber da hier die Promotion tatsächlich keinen großen Einfluss auf die Berufstätigkeit zu haben scheint (so hab ich das jedenfalls verstanden) ist es tatsächlich eher so was wie ein Hobby.

Es ist nicht so dass ich dafür kein Verständnis habe - nur weiß ich nicht, wieso man das dann jetzt in den anstrengenden Alltag packen muss.

Es ist ein Argument dass man nichts abbrechen will - aber wirklich weit ist die Sache ja so und so nicht gediehen.

Und, nur so als Option: vielleicht wär es doch leichter, das zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, wenn die Kinder größer sind.

Nur um es von allen Seiten zu beleuchten, das ist ja der Sinn der Sache.

Sicher gibt es Leute die das super organisiert kriegen, aber dafür muss man der Typ sein, ich wollte so durchgetaktet zum Beispiel nicht leben. Und die Berufstätigkeit des Mannes jetzt runterzufahren dafür scheint mir eher unrealistisch.

Inaktiver User
28.07.2015, 16:09
Trotzdem treibt er seine Karriere voran und findet es gut, dass Du ihm das durch Dein Zuhausebleiben ermöglichst.


Wenn es um die Absicherung geht wär aber wichtiger, das Refendariat und den Berufseinstieg anzugehen statt zu promovieren.

Marta-Agata
28.07.2015, 16:10
phaden - das ist doch alles OT was du schreibst - denn für ihren vorgesehenen Beruf ist die Promotion egal.
Wenn sie so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen wollte, müsste sie die Sache sowieso anders angehen.

Dann kann man immer noch diskutieren, ob ihre Doktorarbeit "Hobby" ist oder von allen "wie Berufstätigkeit" angesehen werden sollte - aber doch nicht auf der Grundlage davon, dass die Ehe ggf. scheitern könnte.

hora
28.07.2015, 16:11
Kann es sein, dass du Probleme mit deinem Selbstbewusstsein bzw. deinem Selbstbild hast? Die Promotion ist beruflich gesehen völlig zweckfrei. Benötigst du sie, um " mehr" zu sein als du für dich alleine bist?
Den eigenen Wert können dir weder die Kinder, noch der Doktortitel, noch der Beruf garantieren (du bist doch nicht nur Mutter\ Dr.\Frau Lehrerin).

Vielleicht solltest du erstmal deinen ganz individuellen Wert für dich suchen und entdecken, sonst wird sich nicht nur privat, sondern auch im Beruf sehr schnell ein latentes Gefühl der Unzufriedenheit einstellen.

Arivella
28.07.2015, 16:11
Hallo Marta-Agata

Meine Eltern und meine Schwiegereltern haben mich beim Studium toll unterstützt - jetzt aber nicht mehr in der gleichen Weise (es sind natürlich auch mehr Kinder jetzt). Mein Vater fand die Idee mit der Promotion super (bzw. hat mir selbst den Floh ins Ohr gesetzt), ist jetzt in Rente und hätte Zeit - aber Babysitten ist nicht so seine Sache. Meine Mutter denkt tatsächlich, promovieren ginge nebenbei und außerdem ist es aus ihrer Sicht egal, wie lange ich dafür brauche (sie selbst ist Hausfrau und denkt, man sollte eigentlich zu Hause bei den Kindern bleiben).

Die Bibliothek hat bei uns am Wochenende offen, Sonntags immerhin am Nachmittag. Vor dem Frühstück weg sein ist schwierig - meist ist er es, der früh weg sein muss - oder meinst du am Wochenende? (Aber die Bibliothek macht nicht so früh auf)

Liebe Grüße
Arivella

phaden
28.07.2015, 16:12
PS: Bestärkt mich bitte darin, die Doktorarbeit abzubrechen, sonst bringe ich wieder nicht die Entschlussfähigkeit dazu auf.
Nein, ich bestärke Dich nicht darin.
Du machst einen großen Fehler.
Du hast zwei Omas in der Nähe und die verstehen nicht, dass Du beruflich Karriere machen möchtest?
Wenn Ihr einen Ehevertrag und Vermögen habt, das Dich absichert, dann breche ab und mache Dir ein "Vollzeitmamaleben".
Aber lasse Dir versichern, dass das sehr schnell öde wird.

Marta-Agata
28.07.2015, 16:16
ja, ich meinte am Wochenende.

Das waren ja nur Beispiele - du kannst dir auch vornehmen, pünktlich zu Öffnungszeit in der Bibliothek zu sein, oder direkt nach dem Mittagessen zu gehen oder ...

Mein Punkt ist "entweder müssen alle die Diss deutlich 'höher hängen' oder sie sollte ehrlicherweise abgebrochen werden".
Ich würde das aber in der Reihenfolge angehen.

Vielleicht kannst du mit deinen Eltern noch einmal reden - und dein Vater hat vielleicht auch etwas Einfluss auf deine Mutter bzw. sie bereden das noch einmal untereinander.


Gehen wir mal weg von der Dissertation - da hängt ja vieles zusammen.
Wenn du - sagen wir mal - in zwei Jahren mit dem Refendariat anfängst, wie stellst du dir das denn vor?

Arivella
28.07.2015, 16:18
Kann es sein, dass du Probleme mit deinem Selbstbewusstsein bzw. deinem Selbstbild hast?

Ja, meine Angst, die Promotion abzubrechen, hat wohl schon damit zu tun. Ich denke wahrscheinlich zu viel in diesen Weltverbesserungskategorien. Ich war halt immer eine super Schülerin, hab mich sehr stark über Noten definiert und Lob v.a. der Eltern war wichtig. Mein Vater sagt: "Natürlich beendest du deine Promotion, das ist überhaupt keine Frage." Ich hab extrem erfolgreiche Freundinnen (ohne Kinder) - da ist es eben schwer, keine Minderwertigkeitskomplexe als Nur-Mama zu haben.

phaden
28.07.2015, 16:19
Wenn es um die Absicherung geht wär aber wichtiger, das Refendariat und den Berufseinstieg anzugehen statt zu promovieren.Referendariat will sie aber noch nicht machen, weil es zu anstrengend ist und die Familie nicht ohne sie klar kommt. Es soll ja nicht der Mann darunter leiden oder gar zurückstecken.
Die Dissertation kann sie aber in Heimarbeit fertigstellen. Somit verbindet sie beides, zu Hause sein und etwas für die Karriere tun.
Wie wichtig ein Titel für ihre spätere Arbeit als Lehrerin ist, wird sich herausstellen.
Im Referendariat kann sie keine Arbeit schreiben und als Vollberufstätige auch nicht.
Wenn dann jetzt.
Aber wenn es natürlich nicht zu Lasten des fleißigen Ehemannes gehen soll und die Gattin da lieber bescheiden ins zweite Glied tritt, dann bitte.
Aber bitte nicht hinterher jammern, hätte ich doch, damals wäre es noch gegangen.

Historia02
28.07.2015, 16:21
PS: Bestärkt mich bitte darin, die Doktorarbeit abzubrechen, sonst bringe ich wieder nicht die Entschlussfähigkeit dazu auf., Ich hab noch nie was abgebrochen, es ist einfach so verdammt schwer, sich da ein für allemal zu entscheiden...
Ja, das kenne ich. Ich bin auch so erzogen, möglichst lange durchzuhalten, auch wenn die Sache eigentlich schon zwecklos ist.
Wie heißt es so schön: Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.

Ich kann dich wirklich gut verstehen, wirklich. Mein Mann muss phasenweise ganz schön leiden, wenn ich fürs Fernstudium rackern muss. Er packt dann oft beide Kinder ins Auto und fährt einfach zu seinen Eltern (wohnen in der Nähe). Ich habe da manchmal auch ein schlechtes Gewissen, ihn mit den Kindern alleine zu lassen. Aber den Kindern schadet es nicht und mein Mann kommt super alleine klar (so wie deiner offenbar auch).

Dein(e) Zweijährige(e) ist vermutlich gerade ganz schön anstrengend, oder? Mein Kleiner ist auch 2 und nimmt gerne die Bude auseinander oder kreischt unvermittelt los, wenn ich gerade mit Kommilitonen chatte. Im Grunde kann ich nur etwas fürs Studium tun, wenn die Kinder in der Kita sind oder wenn mein Mann sie mir vom Hals hält.

Ist es denn realistisch, dass du nächstes Jahr mit dem Referendariat starten kannst? Ich kenne mich da absolut nicht aus, aber da muss man doch sehr viel Unterricht vorbereiten, oder? Wäre das überhaupt machbar? Würden dein Mann bzw. die Omas dich da unterstützen?

Im Moment ist es ja so, dass die Unterstützung nicht sehr groß ist, oder? Aber jetzt geht's ja auch um nichts.

Aber beim Referendariat könntest du nicht so einfach abbrechen. Ich denke, da musst du wirklich für dich einstehen und sagen: Lieber Ehemann, wir brauchen eine Lösung, ich muss mich jetzt ins Referendariat voll reinhängen, wie können wir uns Haushalt und Kinderbetreuung teilen?

xanidae
28.07.2015, 16:23
Hallo rebellin,

klar, kann mein Mann das alles (bis auf vielleicht Geschenke für Kindergeburtstage aussuchen...),

:ooooh:

Ganz ehrlich: du bist doch schon "nur" Mama. Ich lese aus jedem deiner Beiträge, das es das ist, was du willst. Die Doktorarbeit war bisher ein gutes und gesellschaftlich anerkanntes Alibi, dafür dass du Mama sein kannst. Jede Sekunde, mit Haut und Haaren.

Bestes Beispiel dafür: den Krippenplatz für das 2jährige Kind ausschlagen, trotz Doktorarbeit im Rücken.

Dann brich die Doktorarbeit ab, sei Mama und kümmere dich um deine Kinder.


Die Konsequenzen musst du im Falle einer Scheidung tragen. Das muss nicht passieren, aber das kann passieren.


Ich schreibe "nur" an meiner BA-Thesis, gehe deshalb nur noch 20 Stunden arbeiten und meine Kinder sind betreut (Papa, Hort, Großeltern). Das mache ich, weil ich nicht nur Mama bin, sondern mehr.

Arivella
28.07.2015, 16:23
Gehen wir mal weg von der Dissertation - da hängt ja vieles zusammen.
Wenn du - sagen wir mal - in zwei Jahren mit dem Refendariat anfängst, wie stellst du dir das denn vor?

Ich glaube eben, dass mich da alle mehr unterstützen würden. Da würde ich auch vorher mit allen drüber reden, damit das zu managen ist. Aber da wären ja die Kids vormittags aufgeräumt, mittags könnte meine Mutter helfen und abends mein Mann. Auch jetzt ist es so, wenn ich einen Termin (zum Beispiel beim Doktorvater) hab, sind die Omas zur Stelle, da kann ich mich nicht beschweren. Es ist tatsächlich so, dass die Promotion bei allen so unterbewertet wird, dass alle denken, da kann mich sich ja die Zeit so frei einteilen und deswegen brauch ich nicht unbedingt Hilfe.

rotlilie
28.07.2015, 16:25
Nein, ich bestärke Dich nicht darin.
Du machst einen großen Fehler.
Du hast zwei Omas in der Nähe und die verstehen nicht, dass Du beruflich Karriere machen möchtest?
Welches Gesetz schreibt vor, das die Großeltern sich für die Enkelkinder opfern müssen, nur weil die Tochter sich gern verwirklichen möchte?

Wenn Ihr einen Ehevertrag und Vermögen habt, das Dich absichert, dann breche ab und mache Dir ein "Vollzeitmamaleben".
Aber lasse Dir versichern, dass das sehr schnell öde wird.
Davon ist hier nicht die Rede! Sinnvoll ist, die Berufsbildung abzuschließen, zu der die Diss nicht zwangsläufig gehört.
Promovieren kann sie auch in 10 Jahren noch!

@Arivelle: ich rede sie dir aus die Diss, wenn ich dich lese, wird mir ganz schwindelig! Du setzt dich und deine Umwelt völlig unter Druck und ich verstehe dein Anschreiben hier als Hilferuf an dich selbst.
Nimm den Druck raus, so wird das nichts. Sieh zu, dass du deine Berufsausbildung zu Ende bringst, das finde ich am allerwichtigsten.
Oder sei ganz Mama, wenn dir das mehr gibt.

Inaktiver User
28.07.2015, 16:25
Aber wenn es natürlich nicht zu Lasten des fleißigen Ehemannes gehen soll und die Gattin da lieber bescheiden ins zweite Glied tritt, dann bitte.


Ich find dein Familienbild irgendwie ein bisschen zynisch. :knatsch:

Mir selbst war finanzielle Eigenständigkeit immer sehr wichtig - aber warum sich Familien heute in der alleranstrengendsten Zeit, wo die Kinder klein sind, noch zusätzlich so viel aufladen ist mir ein Rätsel. Mit drei kleineren Kindern plus Haus und Hund ist man gut beschäftigt und auch der Ehemann wird nicht Däumchen drehen in der Arbeit sondern auch ganz schön viel leisten müssen.

Wieso reicht das nicht, wieso muss man da partout noch was draufpacken?

Inaktiver User
28.07.2015, 16:26
Die Konsequenzen musst du im Falle einer Scheidung tragen. Das muss nicht passieren, aber das kann passieren.



Die Promotion hat doch mit einer eventuellen Scheidung null und nix zu tun - wieso wird das denn immer behauptet???

phaden
28.07.2015, 16:27
Mein Vater sagt: "Natürlich beendest du deine Promotion, das ist überhaupt keine Frage." Na, das hätte mein Vater mir nur einmal anbieten brauchen. Ich hätte sofort zugegriffen.
Also nichts wie hin zu Deinem Vater, Situation schildern und um Unterstützung bitten. Oder sind es nur Lippenbekenntnisse von Deinem Vater?

Ich hab extrem erfolgreiche Freundinnen (ohne Kinder) - da ist es eben schwer, keine Minderwertigkeitskomplexe als Nur-Mama zu haben.Kann es sein, dass Du dieses Thema im Mom-Forum postest und nicht z.B. im "Alltags-Forum" oder "Berufs-Forum", weil Du hier hören möchtest, dass das "Mom-sein" doch viel wichtiger und erfüllender und gewiss schöner ist, als jede berufliche Karriere?
Als nur-Mama wirst Du zeit Deines Lebens Minderwertigkeitskomplexe haben, nicht nur Deinen (erfolgreichen) Freundinnen gegenüber, sondern auch Deinem Mann, Deinem Vater und am Ende sogar Deinen Kindern gegenüber.

Arivella
28.07.2015, 16:30
:ooooh:

Ganz ehrlich: du bist doch schon "nur" Mama. Ich lese aus jedem deiner Beiträge, das es das ist, was du willst. Die Doktorarbeit war bisher ein gutes und gesellschaftlich anerkanntes Alibi, dafür dass du Mama sein kannst. Jede Sekunde, mit Haut und Haaren.


Danke für die ehrliche Meinung:smirksmile: Gut, selbst wenn die Doktorarbeit ein Alibi war - unterbewusst, oder zum Teil - trotzdem hab ich Angst, was ist, wenn ich ohne dieses Alibi dastehe, wie mich die anderen sehen usw. Vielleicht gelingt es mir ja auch, noch eine Weile im Nur-Mama sein aufzugehen, im Bewusstsein, dass das ja auch eine Phase ist und ich später auch im Beruf noch andere Seiten an mir entwickeln kann. Aber: es braucht Mut. Und man muss sich sicher sein, dass die Doktorarbeit wirklich keine Erfolgsaussichten hat bzw. wirklich nicht das ist, was ich eigentlich will. Ich bin halt eher hin und hergerissen - und meine Zweifel sind natürlich dann auch wieder ein Alibi dafür, dass ich (z.B. heute) eben nicht an der Doktorarbeit weitermache...

Inaktiver User
28.07.2015, 16:31
Als nur-Mama wirst Du zeit Deines Lebens Minderwertigkeitskomplexe haben, nicht nur Deinen (erfolgreichen) Freundinnen gegenüber, sondern auch Deinem Mann, Deinem Vater und am Ende sogar Deinen Kindern gegenüber.

Wieso das? Doch nur wenn man sich selbst nur über die Karriere definiert.

Na ja, der Burn out lässt grüssen. Trifft ja immer mehr Mütter, die meinen, das wär alles ein Klacks was sie leisten.

Utetiki
28.07.2015, 16:33
Du hast zwei Omas in der Nähe und die verstehen nicht, dass Du beruflich Karriere machen möchtest?

Ist ein Doktortitel allein eine berufliche Karriere? :ooooh: Ich fühle mich als im Oma-Alter befindlich da tatsächlich angegriffen (obwohl meine Kinder längst nicht so weit sind, dass ich den Status schon vor Augen hätte :smirksmile:)

Zu allererst sollte doch wohl die Familie ihre jeweiligen Möglichkeiten ausloten.


Wenn Ihr einen Ehevertrag
und Vermögen habt, das Dich absichert, dann breche ab und mache Dir ein "Vollzeitmamaleben".
Aber lasse Dir versichern, dass das sehr schnell öde wird.

Das sehe ich hier gar nicht so. Arviella ist doch Vollzeitmama von Beginn an. Und sie kann anscheinend schlecht abgeben.
Arviella, wenn Dir öde wird, kannst Du immer noch die vielen Interessen wieder aktivieren.

rotlilie
28.07.2015, 16:36
....Lob v.a. der Eltern war wichtig. Mein Vater sagt: "Natürlich beendest du deine Promotion, das ist überhaupt keine Frage." Ich hab extrem erfolgreiche Freundinnen (ohne Kinder) - da ist es eben schwer, keine Minderwertigkeitskomplexe als Nur-Mama zu haben.
Ha, darin liegt des Pudels Kern! Du schaffst offensichtlich nicht alles, was du auf der Agenda hast. Damit bist du nicht allein im Leben. Überdenke die Ansprüche an dich selbst und schau, was am besten zu dir passt, da gibt es in deinem fall mehrere Möglichkeiten: nur Mama, Mama und Lehrerin oder das, was du jetzt hast, aber nicht mehr wuppen kannst.
Such dir eine aus.

Arivella
28.07.2015, 16:36
Also, ich hab das ins Mom-Forum gesetzt, weil ich tatsächlich nicht generell Durchhalteparolen zum Thema Promovieren hören wollte, sondern weil ich auf dieses Identitätsproblem hinauswollte: Kann man als Vollzeit-Mama heute noch glücklich sein? Wo krieg ich da Bestätigung, Anerkennung usw. her?

xanidae
28.07.2015, 16:41
Also, ich hab das ins Mom-Forum gesetzt, weil ich tatsächlich nicht generell Durchhalteparolen zum Thema Promovieren hören wollte, sondern weil ich auf dieses Identitätsproblem hinauswollte: Kann man als Vollzeit-Mama heute noch glücklich sein? Wo krieg ich da Bestätigung, Anerkennung usw. her?

Von deinen Kindern? Aus dem Leben selbst? Aus der Tatsache, dass man tun kann, was man sich wünscht? Vom Ehemann?

Arivella
28.07.2015, 16:42
Hallo rotlinie,


Ha, darin liegt des Pudels Kern! Du schaffst offensichtlich nicht alles, was du auf der Agenda hast. Damit bist du nicht allein im Leben. Überdenke die Ansprüche an dich selbst und schau, was am besten zu dir passt, da gibt es in deinem fall mehrere Möglichkeiten: nur Mama, Mama und Lehrerin oder das, was du jetzt hast, aber nicht mehr wuppen kannst.
Such dir eine aus.
Mhm, ich denk drüber nach...Langfristig möchte ich natürlich Mama und Lehrerin sein. Ich denke halt manchmal, wenn ich die Diss durchzieh, zieh ich daraus mehr Selbstbewusstsein, als wenn ich jetzt abbreche - dann wird das auch das Ref belasten, dieses Gefühl, schon mal etwas nicht geschafft zu haben. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlimm, wenn man dazu steht.

Liebe Grüße
Arivella

taggecko
28.07.2015, 16:43
Könnte es auch sein, dass Du sehr perfektionistisch bist- was Promotion, Kinder etc angeht. Dein Mann scheint ja gut zu verdienen- käme ein Au pair in Frage? Das würde vllt alles etwas entlasten und Du könntest dann auch ein Gespür dafür bekommen wie es mit dem Referendariat klappen kann.

Arivella
28.07.2015, 16:43
Hallo rotlinie,


Ha, darin liegt des Pudels Kern! Du schaffst offensichtlich nicht alles, was du auf der Agenda hast. Damit bist du nicht allein im Leben. Überdenke die Ansprüche an dich selbst und schau, was am besten zu dir passt, da gibt es in deinem fall mehrere Möglichkeiten: nur Mama, Mama und Lehrerin oder das, was du jetzt hast, aber nicht mehr wuppen kannst.
Such dir eine aus.
Mhm, ich denk drüber nach...Langfristig möchte ich natürlich Mama und Lehrerin sein. Ich denke halt manchmal, wenn ich die Diss durchzieh, zieh ich daraus mehr Selbstbewusstsein, als wenn ich jetzt abbreche - dann wird das auch das Ref belasten, dieses Gefühl, schon mal etwas nicht geschafft zu haben. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlimm, wenn man dazu steht.

Liebe Grüße
Arivella

Arivella
28.07.2015, 16:46
Könnte es auch sein, dass Du sehr perfektionistisch bist- was Promotion, Kinder etc angeht. Dein Mann scheint ja gut zu verdienen- käme ein Au pair in Frage? Das würde vllt alles etwas entlasten und Du könntest dann auch ein Gespür dafür bekommen wie es mit dem Referendariat klappen kann.

Perfektionistisch bin ich definitiv, auch ein Grund dafür, dass das erste Kapitel noch nicht fertig ist. An Au Pair hatten wir auch schon mal gedacht...
Leider muss ich jetzt weg, ich bin total überwältigt, wie viele und wie interessante Antworten hier gekommen sind. Danke dafür und ich freu mich auch weiterhin über Antworten, das Problem wird mich noch eine Weile beschäftigen...

Liebe Grüße
Ariavella

Marta-Agata
28.07.2015, 16:47
Ich hoffe doch sehr, dass man/frau als Vollzeitmama heute noch glücklich sein kann - insbesondere, wenn schon klar ist, dass das eine Phase ist.

Ob du das kannst - das weißt nur du.

Kann es sein, dass die anderen deine Diss nicht so ernst nehmen, weil du selbst sie nicht so ernst nimmst?

Ich würde an deiner Stelle mit deinen Eltern sprechen - und sie aufgrund des "natürlich machst du deine Diss fertig" 'in die Pflicht nehmen'. Regelmäßig 3 Vormittage die Woche (Mo, Mi, Fr) z.B., am besten, sie holen das Kind ab, dann sparst du auch schon die Zeit (das kann auch dein Vater!).

Utetiki
28.07.2015, 16:48
Ich denke halt manchmal, wenn ich die Diss durchzieh, zieh ich daraus mehr Selbstbewusstsein, als wenn ich jetzt abbreche - dann wird das auch das Ref belasten, dieses Gefühl, schon mal etwas nicht geschafft zu haben.

Na ja, andererseits kann man das mit der Diss, die Du dann irgendwann geschafft haben wirst, auch anders sehen. Ist doch jetzt eher so was wie das Jodel-Diplom (da habe ich was eigenes....).



Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlimm, wenn man dazu steht.


Eben. Du musst m.E. einen Schalter im Kopf umlegen. Ich weiß, ist nicht einfach.

phaden
28.07.2015, 16:49
Es ist tatsächlich so, dass die Promotion bei allen so unterbewertet wird, dass alle denken, da kann mich sich ja die Zeit so frei einteilen und deswegen brauch ich nicht unbedingt Hilfe.Es liegt doch an Dir, das richtig zu stellen. Weshalb erklärst Du nicht, was Du an Zeit und Ruhe brauchst?
Oder ist es Dir jetzt peinlich, jetzt nach vier Jahren zugeben zu müssen, dass es doch nicht so von allein läuft und so easy zu schaffen ist?

Welches Gesetz schreibt vor, das die Großeltern sich für die Enkelkinder opfern müssen, nur weil die Tochter sich gern verwirklichen möchte?Sie solle Verständnis haben für die Berufstätigkeit der Tochter, wer redet von aufopfern?
Ja, ja berufliche Karriere bei Frauen ist immer noch sich verwirklichen. Ich glaube es ja nicht.

Promovieren kann sie auch in 10 Jahren noch!In zehn Jahren sind ihre Kinder 19, 15 und 12. Die Pubertät fängt heute mit 10 an und hört mit 30 auf, die TE ist dann vollberufstätig, der Gatte darf nicht belästigt werden und die Großeltern sind nicht mehr fit. Wie soll sie denn dann promovieren?

Oder sei ganz Mama, wenn dir das mehr gibt.Was sollte ihr das mehr geben? Eine unsichere Zukunft und irgendwann mal Existenzängste?

Ich find dein Familienbild irgendwie ein bisschen zynisch. :knatsch:Es ist nicht mein Familienbild, es ist das der heutigen Zeit, der heutigen Berufswelt und der heutigen Familiengerichte.

Mir selbst war finanzielle Eigenständigkeit immer sehr wichtig - aber warum sich Familien heute in der alleranstrengendsten Zeit, wo die Kinder klein sind, noch zusätzlich so viel aufladen ist mir ein Rätsel. Mit drei kleineren Kindern plus Haus und Hund ist man gut beschäftigt und auch der Ehemann wird nicht Däumchen drehen in der Arbeit sondern auch ganz schön viel leisten müssen.

Wieso reicht das nicht, wieso muss man da partout noch was draufpacken?Weil das dicke Ende immer erst am Schluss kommt.
Und viele packen nichts drauf, die sind mit dem "nur" Mama sein sehr zufrieden.
Vor allem die Männer, sie werden nicht an ihrer Karriere gehindert, können sich irgendwann ein neue Familie gönnen, die alte Frau geht dann putzen oder hält sich anders über Wasser,
die Arbeitgeber, die Frauen in den Leichtlohngruppen beschäftigen können und
der Staat, der nicht so viel Rente an Frauen bezahlen muss.
Weniger zufrieden sind die Kinder dieser Frauen, die zwar eine "nur-Mama" genossen haben, aber für die Altersversorgung ihrer Mütter zuständig sind. Das geht dann von ihrem Gehalt ab.

Marta-Agata
28.07.2015, 16:49
... und Du könntest dann auch ein Gespür dafür bekommen wie es mit dem Referendariat klappen kann.
Das finde ich einen wichtigen Punkt - so recht kann ich mir das nämlich noch nicht vorstellen, das ist ja noch einmal eine Menge mehr Arbeit, ohne Flexibilität. Da muss die Großmutter dann auch das kranke Kind nehmen.

phaden
28.07.2015, 16:58
Von deinen Kindern? Aus dem Leben selbst? Aus der Tatsache, dass man tun kann, was man sich wünscht? Vom Ehemann?Anerkennung von den Kindern, dem Leben, vom Ehemann, wenn man "nur-Mama" ist????
Wie soll das denn in unserer Zeit funktionieren? Was für eine unsichere Anerkennung. Das kann auch schnell mal ins Gegenteil umschlagen.

Na ja, andererseits kann man das mit der Diss, die Du dann irgendwann geschafft haben wirst, auch anders sehen. Ist doch jetzt eher so was wie das Jodel-Diplom (da habe ich was eigenes....).
Ein Jodel-Diplom??? Weißt Du was eine Dissertation ist? Glaubst Du, man geht da einfach mal in die VHS und belegt einen Abendkurs in "Promovieren"?
Ich verstehe die Frauen nicht mehr. Es ist nicht mehr meine Zeit.:knatsch:

rotlilie
28.07.2015, 17:00
@phaden, ich bin selbst Großmutter zweier Enkelkinder und einer beruflich ehrgeizigen Tochter! Ich hab sie immer darin bestärkt, ihren Weg zu gehen, ich unterstütze auch gern die Familie - aber ich sehe auch meine Grenzen, u.a. weil ich selbst noch berufstätig bin.
Schafft sie ihr Pensum nicht, muss sie selbst dafür sorgen, sich zu organisieren. Es ist nicht meine vorrangige Aufgabe, als Oma einzuspringen!

Die Promotion von Arivella sehe ich als Selbstverwirklichung - für ihren Beruf ist die nicht erforderlich. Es passt aber jetzt nicht, also muss sie sich was einfallen lassen.
Und klar geht das noch in 10 Jahren! Wenn Ich wollte könnte selbst ich noch studieren!

Inaktiver User
28.07.2015, 17:04
Sie solle Verständnis haben für die Berufstätigkeit der Tochter, wer redet von aufopfern?
Ja, ja berufliche Karriere bei Frauen ist immer noch sich verwirklichen. Ich glaube es ja nicht.


Es
geht
nicht
um
die
Berufstätigkeit
:unterwerf:

Inaktiver User
28.07.2015, 17:06
Die Promotion von Arivella sehe ich als Selbstverwirklichung - für ihren Beruf ist die nicht erforderlich.

Ja. Ich weiß nicht, wieso das so schwer zu verstehen ist.

Ich würde niemals dazu raten das Refendariat und den Berufseinstieg sein zu lassen, das ist doch was ganz anderes.

Marta-Agata
28.07.2015, 17:10
Welches Gesetz schreibt vor, das die Großeltern sich für die Enkelkinder opfern müssen, nur weil die Tochter sich gern verwirklichen möchte?
Es gibt kein Gesetz - aber ich finde nicht zu viel verlangt, dass Großeltern tatkräftig unterstützen, dass die (Schwieger)Tochter promoviert - zumal Arivellas Eltern "rüstiger Rentner und Hausfrau" sind und das gut könnten.

Und ich halte es auch für völlig unrealistisch, dass Arivella in 10 Jahren neben der Berufstätigkeit promoviert.


Wir werden hier nicht zusammenkommen, ob die Promotion Hobby oder Teil von Ausbildung und Berufstätigkeit ist.
Das müssen wir auch nicht. Wichtig ist, dass Arivella das mit sich und mit ihrer Umgebung klärt.
Aber solange es als Hobby gilt, kann das m.E. nicht klappen.


@Arivella:
Natürlich kannst du das aufhören - und noch zwei Jahre genießen, dass das Leben gerade mal nicht soooo anstrengend ist und dann das Referendariat machen und Lehrerin werden.
Aber meine Sicht der Dinge ist, dass du das mit der Promotion noch überhaupt nicht ernsthaft versucht hast.
Man kann es natürlich auch so sehen, dass du gemerkt hast, dass es unter gegebenen Umständen nicht geht. Dann wäre klüger, dich nicht weiter zu quälen.

Marta-Agata
28.07.2015, 17:14
Die Promotion von Arivella sehe ich als Selbstverwirklichung - für ihren Beruf ist die nicht erforderlich.
Ja. Ich weiß nicht, wieso das so schwer zu verstehen ist.
Mir ist das zu eng gedacht.

Davon, dass es "nicht notwendig für den Beruf, wie er jetzt geplant ist, ist", ist das doch nicht gleich "nur Hobby und Privatvergnügen".

Inaktiver User
28.07.2015, 17:14
Gut, selbst wenn die Doktorarbeit ein Alibi war - unterbewusst, oder zum Teil - trotzdem hab ich Angst, was ist, wenn ich ohne dieses Alibi dastehe, wie mich die anderen sehen usw.


weil ich auf dieses Identitätsproblem hinauswollte: Kann man als Vollzeit-Mama heute noch glücklich sein? Wo krieg ich da Bestätigung, Anerkennung usw. her?

Mein Eindruck ist: Du fühlst dich als Vollzeit-Mama eigentlich ganz wohl, kannst diese Rolle aber nicht so recht mit deinem Selbstbild vereinbaren.

So lange du an deinen Plänen für die Diss festhältst, kannst du dir und anderen sagen: Ich bin nicht nur Mama, eigentlich bin ich auch Doktorandin....gleichzeitig wirkt es auf mich, als würdest du deine Pläne unbewusst sabotieren.

Mir kam auch der Gedanke, warum es gerade ein Diss sein soll, wenn sie beruflich nicht nötig ist. Wäre es dann nicht naheliegender, so schnell wie möglich das Referendariat zu machen und in den Beruf einzusteigen? Wie lange bist du denn schon raus? Neun Jahre?

Ist dir schon mal der Gedanke gekommen, dass die Diss nur vorgeschoben sein könnte, um deinen Berufseinstieg rauszuzögern? So lange du das Gefühl hast, an deiner Diss arbeiten zu müssen, unternimmst du nichts, um konkret in den Beruf einzusteigen.
Klingt gemein, ich weiss, aber so selten ist es nicht, dass man sich selbst sabotiert, weil man meint, etwas tun zu müssen, was man eigentlich gar nicht will.

rebellin
28.07.2015, 17:16
Hm. Der soll schon den Unterhalt für fünf Personen heranschaffen und dann noch Kinder, Hund und Haushalt übernehmen weil seine Frau promovieren möchte?

Das finde ich nun doch eine gewisse Ungleichheit in der Lastenverteilung.

Er soll ja neben seinem Vollzeitjob nicht den ganzen Haushalt und die komplette Kinderversorgung übernehmen. Mein Beitrag bezog sich auf mögliche, regelmäßige Zeitfenster am Wochenende.

Und ja - das ist zumutbar. Das ist im übrigen das, was die meisten Frauen heute neben ihrer Berufstätigkeit machen! Nur gilt das bei denen als selbstverständlich.

Inaktiver User
28.07.2015, 17:19
Mir ist das zu eng gedacht.

Davon, dass es "nicht notwendig für den Beruf, wie er jetzt geplant ist, ist", ist das doch nicht gleich "nur Hobby und Privatvergnügen".

Ich seh es tatsächlich in der speziellen Situation als Luxus, und seh nicht, wieso irgendwer dafür zurückstecken oder sich Mehrbelastung aufladen müsste, damit Arivella jetzt ihren Doktor macht. Wäre sie Biologin wäre es was anderes, aber als Lehrerin?

Utetiki
28.07.2015, 18:03
Ein Jodel-Diplom??? Weißt Du was eine Dissertation ist? Glaubst Du, man geht da einfach mal in die VHS und belegt einen Abendkurs in "Promovieren"?
Ich verstehe die Frauen nicht mehr. Es ist nicht mehr meine Zeit.:knatsch:

Na ja, musst ja jetzt nicht gleich auf alle Frauen schließen.
Ich verstehe Dich allerdings nicht in der Ansage, die Omas auf die Kinder aufpassen zu lassen.

Die Diss ist hier in meinen Augen wirklich nicht mehr als ein Hobby. Sie ist für die Berufstätigkeit keine Voraussetzung sondern dient hier nur der persönlichen (irre geleiteten Bauchpinselung). Das mag man ja auch gerne in Angriff nehmen, aber doch bitte nicht auf dem Rücken von anderen.

Wenn diese sich gerne dazu bereit erklären, nur zu. Aber das ist ja nicht der Fall.

Promethea71
28.07.2015, 20:18
Wie alt bist du ?
Was für eine Fächerkombination ?
Welche Schulform ?
Wie lange ist dein erstes Examen her ?

Hast du überhaupt noch die Chance auf einen Platz als Referendarin ? Ist das geklärt ?

phaden
28.07.2015, 20:21
Die Diss ist hier in meinen Augen wirklich nicht mehr als ein Hobby. Sie ist für die Berufstätigkeit keine Voraussetzung sondern dient hier nur der persönlichen (irre geleiteten Bauchpinselung). Das mag man ja auch gerne in Angriff nehmen, aber doch bitte nicht auf dem Rücken von anderen.Es scheinen ja immer nur Frauen zu sein, die auf dem Rücken der anderen Karriere machen.
Wenn Arivella promoviert ist, kann sie auch einen anderen Berufsweg wählen, sie kann in die Forschung gehen oder in die Lehre.
Ich finde es hier sehr merkwürdig, dass für einige hier eine Promotion für eine Frau ein Jodeldiplom, ein Hobby, eine Selbstverwirklichung oder eine Bauchpinselung ist.
Nicht jeder hat die Möglichkeit zu promovieren, dazu muss man ausgewählt werden und universitäre Unterstützung haben, die bekommt nicht jeder Student.
Arivella hat dieses Zeitfenster jetzt und nicht später, um den Grundstein für eine Karriere zu legen (Lehrer sein gehört nicht dazu), ob sie mit einem Titel und einer Forschungsarbeit später etwas anfangen will oder kann, hängt von ihrem Ehrgeiz ab.
Aber eine Frau, die drei Kinder hat, einen gut verdienenden Mann, zwei Großeltern in der Nähe (von denen einer die Promotion für selbstverständlich hält), darf natürlich nicht ehrgeizig sein. Sie soll dafür gerade stehen, dass sie Kinder in die Welt gesetzt hat. So hier einige Meinungen.
Frau, tu das, wofür Du gemacht bist. Zum "nur" Mama sein.

Wenn diese sich gerne dazu bereit erklären, nur zu. Aber das ist ja nicht der Fall.Sie müssen sich nicht bereit erklären, aber sie können es.
Aber Arivella will ja auch nicht wirklich, sie sucht die richtigen Argumente, um aus dieser Nummer herauszukommen. Die Großeltern nehmen sie nicht ernst, der Mann darf nicht belastet werden, die Kinder schlafen schlecht und die erfolgreichen Freundinnen haben keine Kinder.
Ich finde diese Haltung nicht gut, sie dient dem Vorurteil, Frauen wollen und können nicht erfolgreich sein, wenn sie Kinder haben.

maryquitecontrary
28.07.2015, 20:31
Ja, ich trete auch von meiner Annahme zurück, dass Arivella wohl ähnliche Vorstellungen hat wie ich - denn ich hätte mich als "Vollzeitmutter" nicht wohlgefühlt, habe eben promoviert, WB-Kurse belegt, versucht, am Ball zu bleiben.


Wenn dem aber nicht so ist, wenn die Arbeit an der Promotion nicht eine für dich notwendige geistige Beschäftigung ist, dann würde ich mir sie auch überlegen. Weil dann - mit welchem zeitlichen Horizont auch immer - das Referendariat wohl zielführender wäre.

Auch dafür aber wirst du die Zusammenarbeit deines Mannes brauchen.

Inaktiver User
28.07.2015, 20:36
Es scheinen ja immer nur Frauen zu sein, die auf dem Rücken der anderen Karriere machen.

Nein, wieso?

Aber ich kann nicht gerecht finden, dass der Mann allein den Unterhalt für die Familie beschaffen soll plus Haushalt plus Kinder. Wenn schon fairer Ausgleich, dann müssen auch beide für den Unterhalt gradstehen. Dann kann man von ihm auch erwarten, sich mehr um Kinder und Haushalt zu kümmern.

Den Mann die Kohle ranschaffen lassen damit man in aller Ruhe seiner Ausbildung nachgehen kann find ich nicht besonders emanzipiert.


Wenn Arivella promoviert ist, kann sie auch einen anderen Berufsweg wählen, sie kann in die Forschung gehen oder in die Lehre.
Ich finde es hier sehr merkwürdig, dass für einige hier eine Promotion für eine Frau ein Jodeldiplom, ein Hobby, eine Selbstverwirklichung oder eine Bauchpinselung ist.

Das wär aber ein völlig anderes Szenario. Bisher geh ich davon aus, was Arivella dazu geschrieben hat: dass sie Lehrerin werden will und dazu die Promotion nicht benötigt.

maryquitecontrary
28.07.2015, 20:43
@Hilfskonstruktion: da habe ich eine ganz andere Vorstellung von gegenseitiger Unterstützung in der Partnerschaft/Ehe.

Es geht nicht darum, dass einer "auf Kosten" des anderen etwas durchzieht, geht nicht um Vorteile und Aufrechnen.

Sondern um zwei, die eine tragfähige und veränderbare Balance aus den Interessen und Wünschen aller Beteiligten (auch der anvertrauten Kinder) finden.

In Arivellas Ehe scheint das nicht der Fall.

Vielleicht sehen ihr Mann und sie selbst es ja auch eher wie du.

Wir haben mit unserem "Modell" aber (auch) gute Erfahrungen - Geben und Nehmen auf beiden Seiten, und Freude am jeweiligen Erfolg.

Sasapi
28.07.2015, 20:44
Also- irgendwas ist immer, warum es "gerade jetzt nicht geht".

Entweder ist ein Kind noch zu klein, das Mittlere wird eingeschult, das Älteste wechselt auf die weiterführende Schule.....wenn man möchte- oder alle Eventualitäten berücksichtigt- findet man immer was, wo es gerade hakt....

Und- man kann nicht gleichzeitig seinen Kindern Vollzeit-Mutter sein und berufstätig- auch nicht in Teilzeit. Dann ist man ja immer noch einige Stunden aushäusig....ich habe keine Ahnung, wie viel Zeit so eine Doktorarbeit schluckt. Aber etliche Stunden pro Woche werden wohl schon sein, denke ich....

Die TE muß für sich entscheiden, was sie will.

Anerkennung als nichtberufstätige Mutter bekommt man übrigens nur ...von sich selbst. Zumindest sollte man sich täglich dafür Anerkennung zollen, alle Anderen tun es viel zu selten:smile:

Aber, wenn es das ist, was man wirklich möchte, dann braucht man auch keine Anerkennung von außen. Jedenfalls nicht ständig.....

Inaktiver User
28.07.2015, 20:47
@Hilfskonstruktion: da habe ich eine ganz andere Vorstellung von gegenseitiger Unterstützung in der Partnerschaft/Ehe.

Das glaub ich gar nicht.

Ich gehe davon aus, dass das so besprochen und geplant wurde, wie es jetzt ist: einer geht 100% arbeiten, einer kümmert sich 100% um Kinder und Haushalt, und wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind steigt sie in den Beruf ein.

Ich find das einen guten Plan - und bedeutet für mich auch gegenseitige Unterstützung.

Was mich sehr stört ist, dass der Mann hier als Egoist hingestellt wird, der auf Kosten seiner Frau Karriere macht - und ihre verhindert. Sich nicht darum kümmern müssen wo das Geld herkommt - ist das denn keine Entlastung?

Wer allein fünf Leute ernähren muss, der kann halt in der Regel nicht mal so eben Arbeitszeit reduzieren, um ihr die Promotion zu ermöglichen. Jedenfalls nicht in meiner Welt.

Inaktiver User
28.07.2015, 20:54
Wie alt bist du ?
Was für eine Fächerkombination ?
Welche Schulform ?
Wie lange ist dein erstes Examen her ?

Hast du überhaupt noch die Chance auf einen Platz als Referendarin ? Ist das geklärt ?

Das würde mich auch zuerst interessieren.

Arivella
28.07.2015, 21:10
Also, ich bin wieder da.
Ich bin mit 31 im Prinzip noch jung genug um alles noch hinkriegen zu können, inklusive Verbeamtung, aber ewig ist das Zeitfenster nicht mehr offen. Schulart ist Gymnasium, Fächerkombi ist Deutsch und Reli, Examen war 2009.
Mein Mann ist definitiv total lieb und versucht mich wirklich nach Kräften zu unterstützen, falls das hier nicht rübergekommen ist. Aber er hat halt wirklich eine sehr volle Woche, natürlich kommt es mir da manchmal fies vor, ihm am Wochenende einfach den Kleinen in den Arm zu drücken, und mich zu verdrücken.
Ob am Ende was rausspringt bei der Doktorarbeit - auch für eine denkbare Karriere außerhalb der Schule - hängt ja maßgeblich davon ab, ob und wie gut sie mir gelingt. Auch deswegen versuch ich das niedriger zu hängen, ich bin ja eh so perfektionistisch, wenn ich mir noch zusätzlich Druck mach, dass das schnell gehen muss UND richtig gut werden muss, damit es am Ende was gebracht hat, macht es das nicht gerade leichter. Also versuch ich das eher als win-win Sache zu sehen; geistiger Ausgleich in der Zeit, in der ich eh mit den Kindern zu Hause bleiben wollte um für sie da zu sein. Nur, dass ich merke, dass sich mein Zeitfenster schneller schließt, als ich die Doktorarbeit fertig schreiben kann - außer ich nehm das jetzt viel ernster (allerdings mit mehr Einbußen für die Family) und zieh das in zwei Jahren durch; außerdem ist die win-win Bilanz nicht in der Form eingetreten, da mich vieles wie gesagt so schrecklich frustriert daran und sich das dann weniger wie Selbstverwirklichung als Selbstquälerei anfühlt.:niedergeschmettert:

Übrigens danke, dass ihr alle so ehrlich seid, denn von Freunden und Bekannten heut man meistens nur das, was sie glauben, das man hören will.

Liebe Grüße
Arivella

phaden
28.07.2015, 21:12
Ich gehe davon aus, dass das so besprochen und geplant wurde, wie es jetzt ist: einer geht 100% arbeiten, einer kümmert sich 100% um Kinder und Haushalt, und wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind steigt sie in den Beruf ein. Das könnte ich mir auch so vorstellen, denn der Mann hält es für selbstverständlich, dass er seine Karrieresprünge macht und die Frau zu Hause bleibt.
Sie haben geheiratet und Kinder bekommen, ohne dass Arivella ihre Ausbildung beendet hatte. Das muss beiden (auch dem Ehemann) bewusst gewesen sein. Wäre ja auch schlecht zu verbergen gewesen.
Also haben sie ein Agreement geschlossen. Welches?
Haben sie einen Ehevertrag? Oder Vermögen? So dass auf den Beruf der Ehefrau verzichtet werden kann?

Inaktiver User
28.07.2015, 21:17
Aber Arivella könnte sich ohne den Mann locker drei Kinder und Hund leisten, oder? Als Studentin?

Wieso ist es auf der einen Seite selbstverständlich, dass man kein Geld verdienen muss - aber dass man dafür halt dann die Kinder und den Haushalt organisiert ist unfair???

Da dreht man sich's so hin wie es am bequemsten ist - emanzipiert dann, wenn es um Ansprüche geht, aber ganz klassisch wenn man nichts zum Einkommen beitragen möchte, so als Frau.

Inaktiver User
28.07.2015, 21:18
So dass auf den Beruf der Ehefrau verzichtet werden kann?

Wovon sprichst du eigentlich? Von Arivellas Situation offenbar nicht - die will ihr Referendariat machen und als Lehrerin arbeiten. Das war der Plan.

Arivella
28.07.2015, 21:28
Zu unserer Rollenaufteilung: Ich bin mir nicht ganz sicher, warum alles so gekommen ist. Es lag zum einen sicher daran, dass mein Mann schon fertig war und ich noch nicht. Er hat mit seinem Abschluss auch sicher die besseren Karrieremöglichkeiten gehabt - es war einfach klar, dass er außer kurzer Elternzeit immer arbeiten würde. Er zahlt ja auch das Haus ab, es ist schon eine große Erleichterung, wenn einer die Familie sicher versorgt. Wir kommen beide aus klassischen Hausfrauenfamilien und beide Omas sind total gegen Krippen usw. Ich wurde mit dem Weltbild erzogen, dass eine Frau sich zumindest die ersten paar Jahre ganz um ihre Kinder kümmern sollte (man mag das nicht sehr emanzipiert finden, aber so ist bei uns in der Familie das Klima, und dem kann man sich ganz schwer entziehen). Die ganze Doktorarbeitsidee (die ich schon zu Schulzeiten hatte) beruht auf der Vorstellung, dass das ein guter Kompromiss sein könnte, einerseits ganz für die Kinder da sein, andererseits auch noch eigene Ziele verfolgen. Ich bin nicht wie meine Mutter und Schwiegermutter, ich brauch eigene Ziele! Vielleicht halten manche meine Probleme für abgehoben, aber ihr könnt mir glauben, dass es mich seelisch ziemlich fertig macht; sowohl die Vorstellung, die Doktorarbeit abzubrechen, zu "versagen", als auch der Druck, wenn ich das Ding fertig schreiben will.

Sasapi
28.07.2015, 21:32
Aber Arivella könnte sich ohne den Mann locker drei Kinder und Hund leisten, oder? Als Studentin?

Wieso ist es auf der einen Seite selbstverständlich, dass man kein Geld verdienen muss - aber dass man dafür halt dann die Kinder und den Haushalt organisiert ist unfair???

Da dreht man sich's so hin wie es am bequemsten ist - emanzipiert dann, wenn es um Ansprüche geht, aber ganz klassisch wenn man nichts zum Einkommen beitragen möchte, so als Frau.

Nein, ich finde es nicht unfair, wenn man dann Kinder und Haushalt organisiert. Aber es sollte möglich sein, an den Wochenenden Zeit für die Dissertation rauszuschaufeln- Arivella könnte den Haushalt wochentags so erledigen, dass sich am Wochenende die Arbeit dort aufs Minimum beschränkt. Waschmaschine, Spülmaschine anwerfen, Rumfliegendes aufräumen, die Kinder betreuen und ihnen was Einfaches zum Essen vorsetzen, das könnte der Ehemann schon an Samstag Vormittag hinbekommen- trotz hohem Arbeitspensum unter der Woche- während Arivella sich dann an die Arbeit setzt.

Notfalls nicht im eigenen Haushalt, sondern bei den Eltern- oder so. Falls sich das einrichten lässt. In Ruhe schreiben ginge da sicher besser.

Für einen begrenzten Zeitraum sollte das drin sein, und ein durchschnittlich netter Mann wird das schon mitmachen:smile:

Dazu müsste Arivella aber schon sicher wissen, was sie will....

Inaktiver User
28.07.2015, 21:32
Ich wurde mit dem Weltbild erzogen, dass eine Frau sich zumindest die ersten paar Jahre ganz um ihre Kinder kümmern sollte (man mag das nicht sehr emanzipiert finden, aber so ist bei uns in der Familie das Klima, und dem kann man sich ganz schwer entziehen).

Das ist für mich überhaupt keine Frage der Emanzipation.

Sasapi
28.07.2015, 21:36
Zu unserer Rollenaufteilung: Ich bin mir nicht ganz sicher, warum alles so gekommen ist. Es lag zum einen sicher daran, dass mein Mann schon fertig war und ich noch nicht. Er hat mit seinem Abschluss auch sicher die besseren Karrieremöglichkeiten gehabt - es war einfach klar, dass er außer kurzer Elternzeit immer arbeiten würde. Er zahlt ja auch das Haus ab, es ist schon eine große Erleichterung, wenn einer die Familie sicher versorgt. Wir kommen beide aus klassischen Hausfrauenfamilien und beide Omas sind total gegen Krippen usw. Ich wurde mit dem Weltbild erzogen, dass eine Frau sich zumindest die ersten paar Jahre ganz um ihre Kinder kümmern sollte (man mag das nicht sehr emanzipiert finden, aber so ist bei uns in der Familie das Klima, und dem kann man sich ganz schwer entziehen). Die ganze Doktorarbeitsidee (die ich schon zu Schulzeiten hatte) beruht auf der Vorstellung, dass das ein guter Kompromiss sein könnte, einerseits ganz für die Kinder da sein, andererseits auch noch eigene Ziele verfolgen. Ich bin nicht wie meine Mutter und Schwiegermutter, ich brauch eigene Ziele! Vielleicht halten manche meine Probleme für abgehoben, aber ihr könnt mir glauben, dass es mich seelisch ziemlich fertig macht; sowohl die Vorstellung, die Doktorarbeit abzubrechen, zu "versagen", als auch der Druck, wenn ich das Ding fertig schreiben will.

Und weil die Omas so gegen die Krippen sind, bist Du es auch?

Was ist denn Deine Meinung? Hast Du eine?

Ganz abgesehen davon, dass dass Deine Kinder jetzt aus den "ersten Jahren" schon fast raus sind. Das Jüngste ist 2 Jahre alt, nicht zwei Monate.

Zudem- die Omas können gut gegen Krippen und andere Dinge sein und die Hausfrauenehe richtig finden.
Sie haben ihre Kinder auch noch zu Zeiten erzogen, in denen der Ehefrau eine deutlich längere eigene Unterhaltszeit durch den Ex- Mann zugebilligt wurde als heute.

"Unsere" Omas hielten auch nichts vom Stillen und fanden Kindersendungen lehrreich. Kann man so sehen- muß man aber nicht.

rebellin
28.07.2015, 21:47
Wir kommen beide aus klassischen Hausfrauenfamilien und beide Omas sind total gegen Krippen usw. Ich wurde mit dem Weltbild erzogen, dass eine Frau sich zumindest die ersten paar Jahre ganz um ihre Kinder kümmern sollte (man mag das nicht sehr emanzipiert finden, aber so ist bei uns in der Familie das Klima, und dem kann man sich ganz schwer entziehen).

Du bist nicht die Erste, die sich die Akzeptanz der heutigen Rollenverteilung, die gesellschaftlich längst etabliert ist, auf privater Ebene erst noch erkämpfen muss.

maryquitecontrary
28.07.2015, 21:53
Ich kann mir nicht vorstellen, dass freigeschaufelte Zeit am Wochenende ausreicht, um eine einigermaßen profunde geisteswissenschaftliche Doktorarbeit zu schreiben.

Das ist geistige Arbeit, in die man sich vertiefen können muss. Wenn zwischen den Arbeitstagen immer fünf Wochentage liegen, sind die Gedankenfäden gerissen und es kommt vermutlich nicht wirklich was Gescheites zusammen.

Halbe Tage gehen. Aber mir scheint es so, , als habest du @Arivella, höchstens lauwarme Unterstützung und selbst auch (noch) nicht den Drive, um das zu ändern.

Wenn deine Diss nur eine Art Minusgeschäft für deine Kinder ist, und wenn du eigentlich auch glaubst, dass sie nicht mal halbtags auf dich verzichten können, dann wird es vorerst nicht gehen.

Ich habe unsere gleichgewichtige Beziehung immer auch als gutes Vorbild für die Kinder gesehen. Aber ich bin auch Kind eines Vaters, der sich für mich immer einen beruflichen Erfolg vorgestellt hst, und einer Mutter, die auf dem Dorf damals den Kinderhort, in den ich dann ging, mit Unterschriftsaktionen erkämpft hat (eine meiner frühen Erinnerungen).

phaden
28.07.2015, 21:54
Aber Arivella könnte sich ohne den Mann locker drei Kinder und Hund leisten, oder? Als Studentin?Und könnte er sich drei Kinder und einen Hund leisten, wenn er keine Nanny zu Hause hätte? Wie sähe es für ihn aus mit voller Berufstätigkeit, Karriereleiter, Haus abbezahlen, drei Kinder und Hund? Wo würde er denn Abstriche machen?

Wieso ist es auf der einen Seite selbstverständlich, dass man kein Geld verdienen muss - aber dass man dafür halt dann die Kinder und den Haushalt organisiert ist unfair???Nein, das ist nicht unfair, wenn man einen Ehevertrag oder/und Vermögen hat.

Da dreht man sich's so hin wie es am bequemsten ist - emanzipiert dann, wenn es um Ansprüche geht, aber ganz klassisch wenn man nichts zum Einkommen beitragen möchte, so als Frau.Sie trägt nichts zum Einkommen bei? Was müsste er bezahlen, wenn er sich eine Putzfrau, eine Köchin, eine Kinderfrau leisten müsste, für Kinder und Hund?
Er kann sich voll auf seine Karriere stürzen, Geld verdienen, Kinder, Haus und Hund haben. Er hat alles.
Vor allem, wenn die Ehe schief geht, dann hat er das Geld, die Kinder und vielleicht sogar das Haus. Den Hund kann dann ja die Gattin haben, die zieht die Kinder dann mit schmalem Budget und halber Berufstätigkeit auf.
Es ist die Zukunft solch einer Konstellation, die zählt, wenn etwas schief geht, dann zeigt es sich was fair war und was nicht.

Er zahlt ja auch das Haus ab, es ist schon eine große Erleichterung, wenn einer die Familie sicher versorgt. Stehst Du mit im Grundbuch? Er zahlt nämlich nicht das Haus ab, sondern Ihr macht es beide, Ihr habt ein gemeinsames Einkommen.

Die ganze Doktorarbeitsidee (die ich schon zu Schulzeiten hatte) beruht auf der Vorstellung, dass das ein guter Kompromiss sein könnte, einerseits ganz für die Kinder da sein, andererseits auch noch eigene Ziele verfolgen. Es ist doch auch ein guter Kompromiss, Du musst es nur ernsthaft wollen.

Inaktiver User
28.07.2015, 21:54
Du bist nicht die Erste, die sich die Akzeptanz der heutigen Rollenverteilung, die gesellschaftlich längst etabliert ist, auf privater Ebene erst noch erkämpfen muss.

Hieße aber auch, sich sein Leben nicht komplett von einem Mann finanzieren zu lassen. Für mich jedenfalls.

Isa74
28.07.2015, 21:55
Also je nachdem in welchem Bundesland du lebst, sollest du das Zeitfenster für eine Verbeamtung schon im Blick halten (wenn dir dies wichtig ist). Zumal du eine Fächerkombi hast, die nicht sooo gesucht ist. Vor allem an Deutschreferendaren und fertigen Deutschlehrern herrscht ja nun wahrlich kein Mangel, vor allem am Gymnasium. Du solltest also einkalkulieren, dass du nach dem zweiten Staatsexamen auch nicht sofort eine feste Planstelle bekommst und Vertretungsstellen annehmen musst. (Wenn du nicht gerade ein super Examen hinlegst.)
Vor diesem Hintergrund finde ich, dass du dein berufliches Fortkommen bewusst vorantreiben solltest, wenn dir das wichtig ist. Denn die Diss ist es nicht, sonst wärest du schon weiter und hättest andere Prioritäten gesetzt. Was ja auch o.k. ist. Aber je später du einsteigst, desto schwerer wirst du dich tun in der Schule, wenn du dann mindestens acht Jahre raus bist. Und du solltest das Ref nicht unterschätzen, da wirst du definitiv auf die Kooperation deiner Familie angewiesen sein!

Arivella
28.07.2015, 21:55
Zum Thema Krippe/Betreuung: Ich bin in dieser Frage ziemlich hin-und hergerissen. Mit zwei hatte ich meinen mittleren Sohn schon mal zu einer Tagesmutter gebracht, es hat aber nicht gut funktioniert, auch weil ich mir nicht wirklich sicher war. Diesmal habe ich ja sogar einen Krippenplatz gehabt, so entschlossen war ich vor einem Jahr, das durchzuziehen. Aber ich mach halt immer solche Anläufe, versuch irgendwas und geb es dann doch wieder auf - weil ich von meiner ganzen Prägung her nicht richtig dahinterstehe. Erste Anzeichen, dass das Kind sich unwohl fühlt. z.B. beim Abschied weint, Terror macht, wenn ich ihn hinbringe usw. und ich kann es nicht über mich bringen. Irgendwie hab ich das Drama, das ich bei meinem mittleren Kind mitgemacht habe mit Tagesmutter und später Maxigruppe, diesmal halt insofern vorweggenommen, dass ich es gar nicht erst versucht hab, so nach dem Motto, das wird sowieso wieder so kommen, und dann meine Mutter und dann wird ich es sowieso lassen aber viel Energie und Zeit verschwendet haben...

Inaktiver User
28.07.2015, 22:00
Halbe Tage gehen. Aber mir scheint es so, , als habest du @Arivella, höchstens lauwarme Unterstützung und selbst auch (noch) nicht den Drive, um das zu ändern.


Ja genau. Wieso kann der Mann denn nicht zu Haus, Hund, drei Kindern und Gattin nicht auch noch Hauspersonal finanzieren? Oder zumindest am WE Haushalt und Kinder übernehmen, damit sie sich der Promotion widmen kann?

Oder wenigstens so viel verdienen, dass sein Einkommen auch in Teilzeit reichen würde und er halbtags Hausmann sein könnte??

Arivella
28.07.2015, 22:00
@Isa74: Danke für den Rat, vielleicht denke ich da tatsächlich noch zu wenig dran und nachher ärger ich mich. Andererseits, gerade da zur Zeit nicht so viele Lehrer eingestellt werden, ist es vielleicht auch Quatsch, zu früh (sprich: unter zu stressigen Bedingungen, weil die Kinder noch klein sind) ins Ref zu gehen.

rebellin
28.07.2015, 22:02
Hieße aber auch, sich sein Leben nicht komplett von einem Mann finanzieren zu lassen. Für mich jedenfalls.

Es ist doch nur vorübergehend. Bei uns gab es auch eine Zeit, in der ich den größeren Teil unseres gemeinsamen Lebens finanziert habe und später hat mein Mann gearbeitet und ich habe studiert und Kind betreut. Wo ist das Problem?
Die beiden haben sich für drei Kinder entschieden, das sind ja nicht nur die Kinder der Mutter.

phaden
28.07.2015, 22:05
Hieße aber auch, sich sein Leben nicht komplett von einem Mann finanzieren zu lassen. Für mich jedenfalls.Das tut sie auch nicht. Er wird eine günstige Steuerklasse haben und sie ermöglicht ihm die volle und erfolgreiche Berufstätigkeit. Das könnte er sonst nicht mit drei Kindern (und Hund). Und die Kinder hat seine Frau nicht hergezaubert, er hat sie gezeugt. Davon gehe ich jedenfalls aus.

Ja genau. Wieso kann der Mann denn nicht zu Haus, Hund, drei Kindern und Gattin nicht auch noch Hauspersonal finanzieren? Oder zumindest am WE Haushalt und Kinder übernehmen, damit sie sich der Promotion widmen kann? Ja, das sollte er tun, denn er hat diese Kinder mit einer Frau in die Welt gesetzt, die keine Berufsausbildung hat.
Er wusste das, davon gehe ich jedenfalls aus.

Isa74
28.07.2015, 22:08
Also ich habe keine Kinder und kann deine Situation daher natürlich nicht so nachvollziehen wie andere hier. Aber du solltest dir bewusst sein, dass das Ref schon OHNE Kinder stressig ist. Natürlich mehr oder weniger, abhängig von den Rahmenbedingungen auf die du triffst. Du solltest jetzt aber keine Entschuldigungen suchen, NICHT damit anzufangen, denn je schneller es durch ist, desto besser! Oder du sagst ganz bewusst: Ich bin mal einfach nur Mutter, und dann schau ich entspannt weiter. ... Da solltest du schon ehrlich zu dir sein. Wenn du dich nicht mehr unter Druck setzt, könntest du diese Jahre ja auch bewusst genießen.

Inaktiver User
28.07.2015, 22:12
Die beiden haben sich für drei Kinder entschieden, das sind ja nicht nur die Kinder der Mutter.

Ich steig aus.

Ich bin einfach baff, wieviele es hier selbstverständlich finden, dass man drei Kinder hat, Haus und Hund, und dann noch in aller Seelenruhe an seiner Ausbildung feilen kann, und der Mann finanziert das alles alleine und soll einem dann noch dazu den Rücken freihalten.

phaden
28.07.2015, 22:12
Aber ich mach halt immer solche Anläufe, versuch irgendwas und geb es dann doch wieder auf - weil ich von meiner ganzen Prägung her nicht richtig dahinterstehe. Erste Anzeichen, dass das Kind sich unwohl fühlt. z.B. beim Abschied weint, Terror macht, wenn ich ihn hinbringe usw. und ich kann es nicht über mich bringen.
Wenn Du allerdings in dieser Hinsicht derart weichgespült bist, verstehe ich nicht, wie Du auf die Idee kommst, neben den Kinder zu promovieren?
Um Karriere zu machen, muss man schon einigermaßen hinter sich selbst stehen. Nimm Dir Deinen Mann als Beispiel. Der geht ins Büro, egal ob der mittlere oder der andere sich unwohl fühlt oder trödelt. Er geht einfach.
Das ist gut für alle. Klare Stellungnahme und Zug in der Gemeinde.
Du schiebst die Kinder und ihr angenommenes Unwohlsein vor, Du suchst eine Entschuldigung, Dich zu entziehen.
Am meisten Unrecht tust Du damit den Kindern. Sie wollen nicht Deine Entschuldigung sein.

Inaktiver User
28.07.2015, 22:13
Ja, das sollte er tun, denn er hat diese Kinder mit einer Frau in die Welt gesetzt, die keine Berufsausbildung hat.
Er wusste das, davon gehe ich jedenfalls aus.

Und zu Haus und Hund hat er sie genötigt, brutaler Kerl, der.

Ich bin raus. Für so ein Männerbashing wie du das betreibst bin ich nicht zu haben.

phaden
28.07.2015, 22:14
Ich bin einfach baff, wieviele es hier selbstverständlich finden, dass man drei Kinder hat, Haus und Hund, und dann noch in aller Seelenruhe an seiner Ausbildung feilen kann, und der Mann finanziert das alles alleine und soll einem dann noch dazu den Rücken freihalten.Der Mann finanziert das nicht allein, er hat auch drei Kinder, Haus und Hund, er hat bereits in aller Seelenruhe an seiner Ausbildung gefeilt und ihm wird der Rücken freigehalten.
Weshalb findest Du das selbstverständlich?

Inaktiver User
28.07.2015, 22:15
Ich sehe bei Dir eigentlich auch keine wirkliche Motivation, weder für den Einstieg ins Berufsleben, noch für die Dissertation. Dann lass es einfach.

Es ist Dir doch freigestellt, Dich für ein Lebensmodell als Vollzeitmutter zu entscheiden (nur sieh halt zu, dass Du Dich finanziell absicherst).

Inaktiver User
28.07.2015, 22:15
und sie ermöglicht ihm die volle und erfolgreiche Berufstätigkeit. Das könnte er sonst nicht mit drei Kindern (und Hund).

Aber sie hätte als Studentin natürlich auch ohne ihn drei Kinder, Hund und Haus. Klaro.

phaden
28.07.2015, 22:17
Und zu Haus und Hund hat er sie genötigt, brutaler Kerl, der.
Hat sie ihn genötigt? Um dann sich dann auf seine Kosten über ein Jodeldiplom selbst zu verwirklichen?

Für so ein Männerbashing wie du das betreibst bin ich nicht zu haben.Nur weil man einmal über die andere Seite der Medaille nachdenkt, ist es gleich Männerbashing? Irre.

Inaktiver User
28.07.2015, 22:18
Stellt euch nur mal vor die TE wäre ein Mann. Da hätte jeder Verständnis, dass er seine Diss fertig schreibt und keine Zeit für Haushalt und Kinder hat.

phaden
28.07.2015, 22:19
Hieße aber auch, sich sein Leben nicht komplett von einem Mann finanzieren zu lassen. Für mich jedenfalls.Das nenne ich Frauenbashing, wenn es sich um eine dreifach Mutter (mit Hund) handelt.

phaden
28.07.2015, 22:20
Stellt euch nur mal vor die TE wäre ein Mann. Da hätte jeder Verständnis, dass er seine Diss fertig schreibt und keine Zeit für Haushalt und Kinder hat.Ich fürchte, da hast Du Recht.

Arivella
28.07.2015, 22:21
Hallo Isa74,

du hast vermutlich recht, was das bewusst genießen angeht - so hab ich es übrigens auch gesehen, als ich meine Tochter im Studium bekommen habe, erstmal Mama sein, alles weitere wird sich zeigen. Kinder waren immer meine Priorität, sonst hätte ich ja erst meine Karriere unter Dach und Fach gebracht, wie das eigentlich alle meine Freundinnen aus Schulzeiten tun und getan haben. Es ist halt schwer, etwas zu genießen, wenn man dafür etwas abbrechen musste. Natürlich frag ich mich oft, wie es mir jetzt gehen würde, wenn ich die Promotion nie begonnen hätte, aber das kann ich nicht mehr ändern. In jedem Fall müsste ich mit dem Abbrechen leben.

Was das Ref angeht, möchte ich mir nicht in die Tasche lügen, sondern wirklich eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen. Die Kinder müssen es schließlich ausbaden, wenn ich total unter Druck stehe. Ich kann das nicht als Augen-zu-und-durch-Sache ansehen, ich muss alles abwägen und da spielt das Alter der Kinder schon eine Rolle. Es ist vielleicht nicht unebedingt weniger fordernd, Kindergarten- und Schulkinder zu haben, aber sie schlafen besser und sind ja doch etliche Stunden am Tag verräumt.

Liebe Grüße
Arivella

rebellin
28.07.2015, 22:22
Ich fürchte, da hast Du Recht.

Yep, dem schließe ich mich an!

phaden
28.07.2015, 22:23
Aber sie hätte als Studentin natürlich auch ohne ihn drei Kinder, Hund und Haus. Klaro.Haus nicht, Hund vielleicht, aber Kinder?! Luftbestäubung?

Inaktiver User
28.07.2015, 22:25
Das nenne ich Frauenbashing, wenn es sich um eine dreifach Mutter (mit Hund) handelt.

Ach so, du meinst sie leistet auch was?

Das reicht dir ja aber auch nicht, sie soll ja auch noch promovieren dazu.

Ich hätte eben erst meine Ausbildung beendet, zumindest das Referendariat, und dann Kinder bekommen - oder mich mit meinem Mann abgewechselt, wie Mary - dann wären aber wohl Haus und Hund nicht auch jetzt schon drin gewesen. Hier soll der Mann für alles sorgen: für einen hohen Lebensstandard wie auch für Entlastung.

Das geht für mich nicht zusammen.

Inaktiver User
28.07.2015, 22:30
Ich fürchte, da hast Du Recht.Vor allem würde jeder von ihr erwarten, dass sie Vollzeit arbeitet, die Familie ernährt und ihm noch die Kinder vom Hals hält. Damit er in Ruhe promovieren kann.

Arivella
28.07.2015, 22:32
Ich möchte auch nochmal klarstellen, dass das bei uns überhaupt kein "gegeinander" in der Beziehung ist. Wir sind halt früh Eltern geworden, mein Mann fand es auch immer gut, dass ich mich daheim um die Kinder gekümmert hab, inkl. langes Stillen usw. (und wir einen Hund halten können, weil jemand da ist, und das war für uns beide ein Traum). Ich glaube nicht, dass wir als Paar so polarisieren, wie man hier den Eindruck gewinnen könnte. Bis auf eine Freundin, die extrem fand, dass ich am Wochenende Zeit für eigene Projekte brauche und der Mann, der eh schon alles finanziert, dann noch im Haushalt mit anpacken muss, habe ich eigentlich immer viel Verständnis bekommen dafür, dass ich einerseits noch nicht ins Ref will, andererseits mich auch nicht nur über Hobbies selbst verwirklichen möchte. Es wäre wie gesagt eine gute Idee, wenn ich einfach ein bisschen erfolgreicher und glücklicher damit gefahren wäre :zwinker:

Promethea71
28.07.2015, 22:39
Vielleicht würde es dir/euch helfen, wenn ihr das Pferd mal von der anderen Seite anschaut.

Wo siehst du ich in fünf Jahren, in zehn Jahren, in zwanzig Jahren ?
Wo sieht du euch ? Wo sieht dein Mann sich und wo euch ?

Seht ihr dabei das gleiche ?
Was ist notwendig um dahin zu kommen ?



Ich habe den Eindruck, du bist eine Vollzeitmutter und die Dissertation ist dein Feigenblatt um das nicht "zugeben" zu müssen, weil eigentlich willst du so leben, aber du willst nicht offiziell dazu stehen.

Und ein Dissertation, so nebenbei und das nachdem du jetzt seit sechs Jahren aus dem Unibetrieb raus bist - ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das das noch etwas wird - und schon gar nicht, wenn du dir nur Zeit nimmst, wenn sonst gar nichts anderes zu tun ist.
Das erscheint mir weniger als ein Hobby.


Du zerreist dich selbst zwischen dem, was alle anderen erwarten, das Bild, dass du von einem eigenen Ideal hast und das was du wirklich willst.



Finde heraus, was wirklich dein Ziel ist und dann geh es an, den Weg zu diesem Ziel umzusetzen.
So wie du es jetzt machst, macht es dich unglücklich und - das ist jetzt natürlich nur eine Vermutung - es macht auch deine Kinder unglücklich und unruhig und ist sicher Teil ihrer Schlafstörungen.

phaden
28.07.2015, 22:39
- so hab ich es übrigens auch gesehen, als ich meine Tochter im Studium bekommen habe, erstmal Mama sein, alles weitere wird sich zeigen. Darüber bin ich wirklich sprachlos.
Und das hat Dein Mann mitgemacht?
Ich habe auch meinen ersten Sohn während des Studiums bekommen, habe an der Uni gearbeitet und meine Diss angefangen. Mit einem Jahr war er bei der Tagesmutter, weil der Pappi mittlerweile seine Karriere begonnen hatte. Mamasein lief nebenher und mit einem Kind ohne Schwierigkeiten.
Was ist denn am Mamasein so spektakulär, dass man alles drum herum vergessen muss?

Kinder waren immer meine Priorität, sonst hätte ich ja erst meine Karriere unter Dach und Fach gebracht, wie das eigentlich alle meine Freundinnen aus Schulzeiten tun und getan haben.Mit einem (!) Kind. Da ist doch alles zu machen.
Ich verstehe nicht, weshalb Dein Mann (der Vater des Kindes) nicht ein Machtwort gesprochen und Dich zur Uni geschickt hat. Wenn er es nicht getan hat, dann soll er jetzt auch die Konsequenzen tragen.

Es ist halt schwer, etwas zu genießen, wenn man dafür etwas abbrechen musste. Verstehe ich nicht.

Die Kinder müssen es schließlich ausbaden, wenn ich total unter Druck stehe. Sie müssen es vor allem ausbaden, wenn es später heißt "wegen der Kinder konnte ich nicht dies und das". Die Kinder wie ein Schutzschild vor sich hertragen, ist nicht sehr mütterlich. Das ist egoistisch.

Ich kann das nicht als Augen-zu-und-durch-Sache ansehen, ich muss alles abwägen und da spielt das Alter der Kinder schon eine Rolle. Nein, das Alter der Kinder spielt keine Rolle. Nur das, was Du willst. Die Kinder sind mit allem einverstanden und fügen sich in die Familiensituation, sie wollen zufriedene Eltern.
Was sagt denn Dein Mann zu Deinen Rückzugsplänen?

Arivella
28.07.2015, 22:40
@hilfskonstruktion
ich habe ja schon mehrfach gesagt, dass ich im Nachhinein auch manches anders gemacht hätte, v.a. hätte ich nach dem Studium sofort das Ref angehängt (wäre mit einer Tochter im Kitaalter gut möglich gewesen, denke ich) und keine Promotion angefangen. Bei der Promotion war bestimmt auch das Ego mit im Spiel ...ich wollte halt was eigenes haben. Ob das gerecht ist, wenn der Mann mir dafür Zeit freischaufeln muss, kann ich ganz schwer beurteilen. Aber ihn erfüllt sein Job und er sieht, dass das Zuhause sein mich nicht erfüllt. Es geht natürlich an erster Stelle immer um das Finanzielle, das muss solide sein, wenn man so viel Verantwortung trägt wie wir. Aber kommt nicht an zweiter Stelle schon auch Zufriedenheit, Glück, Selbstverwirklichung??? Wenn ich mich chronisch unterfordert fühle im Haushalt, aber wir beide der Meinung sind, dass das Ref noch zu viel Druck für uns alle wäre (denn mein Mann würde das natürlich auch voll abkriegen), ist es dann wirklich so krass, dass er mir Zeit verschafft, obwohl es (mehr oder weniger) "nur" um meine Selbstverwirklichung geht?
Liebe Grüße
Arivella

Arivella
28.07.2015, 22:41
@hilfskonstruktion
ich habe ja schon mehrfach gesagt, dass ich im Nachhinein auch manches anders gemacht hätte, v.a. hätte ich nach dem Studium sofort das Ref angehängt (wäre mit einer Tochter im Kitaalter gut möglich gewesen, denke ich) und keine Promotion angefangen. Bei der Promotion war bestimmt auch das Ego mit im Spiel ...ich wollte halt was eigenes haben. Ob das gerecht ist, wenn der Mann mir dafür Zeit freischaufeln muss, kann ich ganz schwer beurteilen. Aber ihn erfüllt sein Job und er sieht, dass das Zuhause sein mich nicht erfüllt. Es geht natürlich an erster Stelle immer um das Finanzielle, das muss solide sein, wenn man so viel Verantwortung trägt wie wir. Aber kommt nicht an zweiter Stelle schon auch Zufriedenheit, Glück, Selbstverwirklichung??? Wenn ich mich chronisch unterfordert fühle im Haushalt, aber wir beide der Meinung sind, dass das Ref noch zu viel Druck für uns alle wäre (denn mein Mann würde das natürlich auch voll abkriegen), ist es dann wirklich so krass, dass er mir Zeit verschafft, obwohl es (mehr oder weniger) "nur" um meine Selbstverwirklichung geht?
Liebe Grüße
Arivella

phaden
28.07.2015, 22:53
Ich möchte auch nochmal klarstellen, dass das bei uns überhaupt kein "gegeinander" in der Beziehung ist. Den Eindruck hatte ich auch nicht, es läuft alles so, wie es für Deinen Mann am besten ist. Es läuft traditionell und nur Du bist im Konflikt. Das ist Frauensache, alles wollen und nichts können.
Ich gehe davon aus, dass Dein Mann keine Probleme hat. Welche auch.

Wir sind halt früh Eltern geworden, mein Mann fand es auch immer gut, dass ich mich daheim um die Kinder gekümmert hab, inkl. langes Stillen usw. Klar, er hat ja auch einen Vorteil davon.

Ich glaube nicht, dass wir als Paar so polarisieren, wie man hier den Eindruck gewinnen könnte. Niemand hat diesen Eindruck. Ihr seid ein eingespieltes Team. Sogar die Großeltern sind zufrieden.
Die Omas freuen sich über Deine traditionelle Rolle und Dein Vater findet es toll, dass Du "promovierst".
Du machst sie alle glücklich. Das ist Deine traditionelle Aufgabe als Frau.
Auch den Kindern bist Du eine super Mutter. Noch sind auch sie glücklich.

Bis auf eine Freundin, die extrem fand, dass ich am Wochenende Zeit für eigene Projekte brauche und der Mann, der eh schon alles finanziert, dann noch im Haushalt mit anpacken muss, (...)Das heißt also, dass Dein Mann nicht am Wochenende mit anpackt?
Und noch einmal: Er finanziert nicht alles allein. Ihr habt ein gemeinsames Einkommen. Wenn er das nicht will, muss er Dir die Gelegenheit geben, selbst Geld zu verdienen. Es wäre seine moralische Pflicht.

Arivella
28.07.2015, 23:00
@phaden: Das heißt ja nicht, dass ich alles andere um das Baby herum vergessen hab, es heißt nur, dass ich mir keinen Druck mehr gemacht habe wegen Noten usw. - und es hat ja trotzdem gut geklappt. Es heißt auch, dass ich da reinwachsen wollte, in das Mamasein, ich wollte nicht alles von Beginn an planen, sondern das Baby erst mal kennen lernen, sehen, wie sich alles entwickelt und wie schnell bzw. in welchem Tempo ich dann weiter studieren kann. Mein Leben hat sich durch unsere Tochter dermaßen verändert, und dieser Veränderung stand dann erst mal im Mittelpunkt, ist diese Einstellung nicht ganz normal? (vielleicht habe ich mich nur missverständlich ausgedrückt)

Vielleicht ist das Schockierende aus deiner Sicht, dass ich zu wenig vorgesorgt habe für eine sichere Zukunft, etwas naiv da rangegangen bin. Vielleicht liege ich wirklich falsch und lande im Alter in einer Armutsfalle und jammer dann hoffentlich nicht meinen Kindern was vor, das geht gar nicht, da hast du natürlich recht. Ich vertrau halt in unsere Ehe 100prozentig und denke, dass von diesem Vertrauen alle profitieren: wir können ganz anders planen, weil wir nicht den Druck haben, dass ich sofort arbeiten muss, das kommt doch auch meinem Mann und den Kindern zugute. Viele Ehen scheitern ja auch gerade an dem Druck, der auf der jungen Familie liegt, weil die Frau nicht zu lange beruflich aussetzen darf usw. Die Ehe meines Cousins ist vor kurzem in die Brüche gegangen - sie hatten ein kleines Kind und sie hat habilitiert. Das muss natürlich nicht so laufen, aber der Druck ist schon auch mit ein Faktor - die Unzufriedenheit und Unterfordreung aber natürlich auch, ganz klar. Deswgeen fällt mir die Entscheidung ja auch so schwer : es soll nicht zu LAsten der Familie gehen, aber ich weiß eben nicht, ob ich ohne die Diss noch unzufriedner sein werde als ich es leider im Moment eh schon bin...

phaden
28.07.2015, 23:03
Bei der Promotion war bestimmt auch das Ego mit im Spiel ...ich wollte halt was eigenes haben. Ob das gerecht ist, wenn der Mann mir dafür Zeit freischaufeln muss, kann ich ganz schwer beurteilen. Aber ihn erfüllt sein Job und er sieht, dass das Zuhause sein mich nicht erfüllt. Er hat einen erfüllenden Job, er sieht, dass das Zuhausesein Dich nicht erfüllt und Du fragst Dich, ob es gerecht ist, dass er Dir Chancen ermöglicht?
Weshalb fragt er sich das nicht? Redet Ihr miteinander?

Wenn ich mich chronisch unterfordert fühle im Haushalt, aber wir beide der Meinung sind, dass das Ref noch zu viel Druck für uns alle wäre (denn mein Mann würde das natürlich auch voll abkriegen), ist es dann wirklich so krass, dass er mir Zeit verschafft, obwohl es (mehr oder weniger) "nur" um meine Selbstverwirklichung geht?Nennst Du den Job Deines Mannes auch "nur Selbstverwirklichung" ?
Der Job für den Mann ist wichtig, da er die Familie ernährt.
Der Job für die Frau ist "Selbstverwirklichung" (es sei denn sie muss die Kinder allein großziehen).
Wir leben anno 2015? Oder sind wir hier in einer Zeitmaschine?

phaden
28.07.2015, 23:18
Es heißt auch, dass ich da reinwachsen wollte, in das Mamasein, ich wollte nicht alles von Beginn an planen, sondern das Baby erst mal kennen lernen, sehen, wie sich alles entwickelt und wie schnell bzw. in welchem Tempo ich dann weiter studieren kann. Mein Leben hat sich durch unsere Tochter dermaßen verändert, und dieser Veränderung stand dann erst mal im Mittelpunkt, ist diese Einstellung nicht ganz normal? Nein, diese Einstellung finde ich nicht ganz normal.
Als unser erster Sohn (während unseres gemeinsamen Studiums) geboren wurde, waren wir der Auffassung, das Kind kommt zu uns und wir nicht zu dem Kind. Wir waren zuerst da. Er hat sich anzupassen.
Und das hat er auch ohne Schwierigkeiten gemacht.
Wir haben unseren Stiefel durchgezogen und er war einfach dabei. Selbst auf Studentenfeten war er dabei, er ging von Arm zu Arm und zum Stillen war er auf wundersame Weise wieder bei mir. Prima Junge und kein Wunder, dass das Studieren bei ihm selbst besonders lange gedauert hat. Er ist durch seine ersten beiden Lebensjahre sehr geprägt worden.:freches grinsen:
Er hatte sich auf uns eingelassen und nicht umgekehrt.
Aber ich verstehe Dein Anliegen. Du bist ja nicht ohne Grund hier im Mom-Forum. Moms sind eben etwas anderes, als Mütter der 70er, 80er und vielleicht auch noch 90er Jahre.
Als Mom mendelt man zurück in die 50er Jahre.
Ich verstehe.
Es geht hier eigentlich um ein anderes Thema.

Marta-Agata
29.07.2015, 00:21
Ich finde es völlig müßig und überflüssig, hier irgendwie Vorwürfe zu machen, wer wen zu wenig unterstützt oder zuviel erwartet - dass mit Erwerbstätigkeit, Haushalt, Kindern etc. in der Familie sehr viel zu tun ist und weder er noch sie sich auf Kosten des anderen einen ruhigen Lenz machen, ist doch offensichtlich. Und es ist doch überhaupt nicht die Rede davon, dass er sie nicht unterstützt oder nicht bereit wäre, am Wochenende die Kinder zu nehmen.
Auch ob es besser gewesen wäre, später Kinder zu bekommen, muss nicht diskutiert werden - sie sind da. Und es hat auch viele Vorteile, jung Kinder zu bekommen.

Und das Spannungsfeld, dass junge Familien heute am liebsten alles möchten - 2 Karrieren, 5 strahlende Kinder, die möglichst von den Eltern selbst betreut werden sollen, Haus, Hund, Zeit für Zweisamkeit, Zeit für sich, Freunde, etc. - und dass jede Familie und insbesondere jede Frau da selbst ihren Weg und ihren Kompromiss finden muss - das ist doch auch allgegenwärtig. Es gibt da keinen "richtigen" oder "besseren Weg", und ich finde es völlig ok, wenn ein Paar entscheidet, dass er berufstätig ist und sie Hausfrau ist und sich vorrangig um die Kinder kümmert - oder dass beide beruflich durchstarten und die Kinder viel anderen überlassen - oder ...
Anzustreben ist dabei aber natürlich, dass beide zufrieden sind.

Und hier zeigt sich gerade, dass das, was Arivella und ihr Mann sich vorgestellt haben, nicht funktioniert, und dass Arivella sich zu wenig klar gemacht hat, dass eben Kompromisse notwendig sind, dass Abstriche gemacht werden müssen.
Und insofern ist jetzt eine Klärungsphase angesagt - in der vor allem Arivella sich klar darüber werden muss, was sie möchte - und ob sie die damit verbundenen "Kosten" zu tragen bereit ist.
Das kann noch eine Weile "Nur-Hausfrau mit einem kleinen Ehrenamt" sein - oder demnächst das Ref - oder ernsthaft die Diss - aber die letzten beiden Möglichkeiten sind eben ohne Abstriche bei der Familie nicht zu haben.

Marta-Agata
29.07.2015, 00:25
Vor allem würde jeder von ihr erwarten, dass sie Vollzeit arbeitet, die Familie ernährt und ihm noch die Kinder vom Hals hält. Damit er in Ruhe promovieren kann.
Ich finde die Überlegung, was wäre, wenn es ein Mann wäre, tatsächlich oft hilfreich.
Aber ich komme hier zu einem anderen Schluss: Von einem Mann würde erwartet, dass er so schnell wie möglich das Referendariat durchzieht und dann Geld verdient. Bei einem Mann wäre man noch viel schneller dabei, die Promotion als Luxus abzutun.

Historia02
29.07.2015, 00:38
Ich vertrau halt in unsere Ehe 100prozentig und denke, dass von diesem Vertrauen alle profitieren: wir können ganz anders planen, weil wir nicht den Druck haben, dass ich sofort arbeiten muss, das kommt doch auch meinem Mann und den Kindern zugute. Viele Ehen scheitern ja auch gerade an dem Druck, der auf der jungen Familie liegt, weil die Frau nicht zu lange beruflich aussetzen darf usw. Die Ehe meines Cousins ist vor kurzem in die Brüche gegangen - sie hatten ein kleines Kind und sie hat habilitiert. Das muss natürlich nicht so laufen, aber der Druck ist schon auch mit ein Faktor - die Unzufriedenheit und Unterfordreung aber natürlich auch, ganz klar. Deswgeen fällt mir die Entscheidung ja auch so schwer : es soll nicht zu LAsten der Familie gehen, aber ich weiß eben nicht, ob ich ohne die Diss noch unzufriedner sein werde als ich es leider im Moment eh schon bin...
Irgendwie ist das aber doch ein Widerspruch, oder? Die Dissertation ist doch nur mit Druck zu schaffen. Aber den Druck willst du dir eigentlich nicht antun. Was macht dich denn so unzufrieden? Nur das Nicht-Schreiben der Diss kann es doch eigentlich nicht sein, oder?

Du hast oben geschrieben, dass du einige Hobbys aufgegeben hast. Wäre das nicht ein Anknüpfungspunkt, um wieder zufriedener zu werden?

Was sagen denn deine Mutter und deine Schwiegermutter zu deinen Plänen? Drängeln die nicht, dass du langsam mal wegen dem Referendariat in die Puschen kommen solltest? Oder bist du in deren Augen mit drei Kindern eh für den Rest des Lebens auf die Rolle der Hausfrau abonniert?

Dein ältestes Kind geht schon in die Schule, oder? Wahrscheinlich nur so kurz wie möglich, oder? Also ohne Mittagessen und Hort? Gäbe es denn überhaupt ausreichend Kinderbetreungsmöglichkeiten, damit du dein Referendariat überhaupt durchziehen kannst?

Ich habe gerade noch eine Idee: Vielleicht könntest du dir ja was anderes suchen für den geistigen Ausgleich, zum Beispiel ein Fernstudium. Das wäre viel kleinteiliger als so eine Dissertation, da würdest du vielleicht zwei bis drei Fächer pro Semester belegen und hättest jedes Semester ein paar Erfolgserlebnisse durch erfolgreich absolvierte Prüfungen. Wäre das vielleicht was?

xanidae
29.07.2015, 07:05
Ich habe gerade noch eine Idee: Vielleicht könntest du dir ja was anderes suchen für den geistigen Ausgleich, zum Beispiel ein Fernstudium. Das wäre viel kleinteiliger als so eine Dissertation, da würdest du vielleicht zwei bis drei Fächer pro Semester belegen und hättest jedes Semester ein paar Erfolgserlebnisse durch erfolgreich absolvierte Prüfungen. Wäre das vielleicht was?

:ooooh: Historia, das wäre doch wieder nur ein Alibi und würde auch Druck aufbauen. Eigentlich will Arivella doch nur eines: in Ruhe Mama sein. Da muss man sich nicht noch zusätzliches Aufbürden. Die Familie hat sich so arrangiert und es scheinen mit dem Modell alle glücklich und zufrieden zu sein - nur die die Promotion stört. Die kann man abbrechen.
Wie andere darüber denken, kann ihr egal sein - meiner Meinung nach. Doch das ist ihr nicht egal und da sitzt das Problem, sie versucht so viele Rollen wie möglich zu erfüllen und hat sich dabei selbst verloren und nun ein Identitätsproblem.

Ein "mehr" an was anderem löst das nicht. Ich denke, sie muss weniger machen. Promotion abbrechen. Scheitern ist keine Schande.
Dann einfach spüren, wie geht es mir nun, wie fühle ich mich, was will ich. Genießen, dass der Druck weg ist.


und dann wenn sie sich selbst wieder gefunden hat und sich sicher ist, welche Rollen sie wie ausfüllen kann und will (!), dann kann sie sich um Hobbys oder ihr Referendariat kümmern. Letzteres wird auch nicht ohne und wird viel Zeit in Anspruch nehmen (unterrichten, Unterricht vorbereiten ist ein Vollzeitjob).

GwendolineBellamy
29.07.2015, 07:10
Arivella, mir scheint, du orientierst dich sehr an den Enstellungen der Omas (zum Thema außerhäusige Kinderbetreuung, Rolle der Mutter) und an deinem Vater (Thema Promotion). Das Problem ist, daß sie zwar eine sehr dezidierte Meinung haben und dich ermutigen, Dinge so zu handhaben, wie sie sich das vorstellen, dich aber nicht dabei unterstützen, wenn du es dann tust.

An der Stelle musst du selbst entscheiden, welchen Stellenwert du ihrer versuchten Einflußnahme da beimisst. Ich sehe das so: Wer mir bei der Durchführung nicht helfen kann, soll sich zurückhalten, mir zu raten, mir mehr und mehr aufzubürden.

Ganz ehrlich: Wenn nach all' den Jahren noch nicht einnmal das erste Kapitel steht, dann ist das nicht die richtige Zeit oder es sind nicht die richtigen Lebensumstände.
Mir scheint auch, daß du da einen Nebenkriegsschauplatz aufmachst, der dich davon ablenken soll, daß eigentlich (wenn dein Wunsch nach Berufstätigkeit und Wiedereinstieg ernsthaft ist) ganz andere Dinge in Angriff zu nehmen wären.
Nämlich das Sondieren deiner aktuellen Chancen im Schuldienst mit deier Fächerkombi und in deinem Bundesland, die (Neu-)Organisation deiner Familie (so daß du ein Ref stemmen kannst) und und und. Den Faktor "Zeitfenster für Verbeamtung" solltest du auch im Auge haben, da das einen großen Unterschied für deine zukünftige Situation und Absicherung machen wird.

Das sind Dinge, die aus der Comfort Zone "Ich bin je eigentlich Doktorandin" hinauskatapultieren in eine sicher harschere Realität.

Was viele junge Familien heutzutage nicht verstehen, ist, daß man -was die Erfüllung von Lebenszielen angeht- nicht davon ausgehen kann, alles zu erreichen ohne in irgend einem der Bereiche Abstriche zu machen.
Das gilt für Frauen wie für Männer, nur geraten die Frauen leichter in eine Identitätskrise, weil sie -wie hier schon jemand so treffend schrieb- (noch?) nicht konsequent entschieden haben, ob sie einem traditionellen Frauenbild oder einem gleichberechtigten folgen möchten.

Und ich schliesse mich an: Wenn beide vereinbart haben, daß die Frau sich Vollzeit den Kindern widmet, sehe ich es nicht als Fairness an, daß der Mann dann neben dem Beisteuern des Einkommens auch noch dafür sorgen soll, daß die Frau Zeit findet, einen zeitaufwendigen (und das ist eine ernsthaft betreibene Diss) -in dem Fall-quasi Hobby nachzugehen. Das dem Mann "Den Rücken freihalten" immer als Opfer darzustellen (nicht die Strangeröffnerein, sondern in aktuellen gesellschaftlichen Diskurs) empfinde ich als unehrlich. Die meisten Frauen, die sich (gemeinsam mit ihren Männern!) für dieses Modell entscheiden tun das ja im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und könnten genau so anders entscheiden. Da die Verantwortung wegzunehmen finde ich nicht zielführend.

Ich sage es mal böse: Viele Frauen schätzen den Komfort des Versorgtseins ohne die de facto Doppelbelastung Familie/Beruf, möchten aber gerne als "Power Mutter" gesehen werden, die mit einem Kindergarten-, einem Kleinkind und einem Babybauch auch noch die andere Seite ganz entspannt wuppen und auch einen intellektuell stimulierenden, angesehenen Job vorweisen können, zumindest pro forma.

Sich den Wunsch nach 3 Kindern in relativ kurzem Abstand zu erfüllen ist ja schön und gut, aber dann müssen die Konsequenzen gesehen werden. Das bedeutet eben am Stück und ungeteilt eine relativ lange intensive Betreuungsphase (durch wen auch immer, ich schliesse hier den Vater bewusst nicht aus). Ein Kind während des Studiums, das nächste nach dem Refrendariat und das Dritten nach ein paar Jahren im Job -sogar mit den entsprechenden Betreuungsjahren- geht gerade bei (verbeamteten) Lehrern doch prima. Aber da müsste man von dem als ideal gesehenen Altersabstand lassen.

Du solltest in dich gehen und dich fragen, wie sehr du wirklich den Jobeinstieg möchtet und ausloten ob damit bei dir Ängste verbunden sind. Denn wie gesagt: Solltest du es wirklich wollen, ist eine Promotion ein nice to have aber kein Muss. Wie positiv sich das irgendwann auf eine Karriere auswirken kann, ist die Frage, daher sehe ich es auch nicht als in Fragestellen der beruflichen Fortkommens weil du eine Frau bist, wenn man hier genauer hinschaut.

"Selbstverwirklichung" hat inzwischen leider einen negativen Beigeschmack, also sage ich lieber, es ist ein Luxus, bei dem du dir überlegen musst, ob er nicht zu teuer erkauft ist.

Auch muss die Frage erlaubt sein, ob es das Gleiche ist, wenn die Großeltern in der Betreuung aktiv werden um einen Berufstätigkeit zu ermöglichen und wenn erwartet wird, daß sie Betreuung übernehmen, um einen Diss durzuziehen, die im Grunde ein nice to have ist. Da sehe ich zwei ganz unterschiedliche Dinge.

Sasapi
29.07.2015, 07:23
Ich weiß nicht, ich sehe hier ganz viel...."Aufschieberitis", irgendwie.

Ich bin keine Lehrerin. Aber ich kenne genügend Lehrerinnen, privat- und als Mutter dreier Töchter, die schulmäßig bereits in den letzten Zügen liegen.

Wenn das Referat jetzt als "zu stressig" angesehen wird- leichter wirds nicht. Jetzt ist das Jüngste nach Arivella Ansicht zu klein und schläft nicht durch. Warten wir noch ein paar Jahre. Dann ist das Älteste ( was ja nun 9 Jahre alt ist...) in der Pubertät, da gibts zwar keine Schlafprobleme ( außer, dass man sie mitunter nicht aus dem Bett bekommt...), aber durchaus andere Dinge, die dazu führen könnten, dass Arivella sagt- Nein, jetzt gehts grad nicht, weil sich das Älteste durch die Pubertät quält. Oder das Mittlere mit dem Übertritt zu tun hat. Oder...oder ....oder...

Es ist ja nicht nur das Referat- die Berufstätigkeit an sich ist ja auch kein Spaziergang mit drei Kindern. Und ich finde, Lehrer haben zwar einen sicheren, aber keinen ruhigen Job.

Alles immer weiter nach hinten zu schieben ist daher auch keine Lösung, denn- wirklich ändern wird sich nichts. Es sei denn, Arivella wartet, bis alle drei Kinder aus dem Haus sind....naja, und dann braucht sie eigentlich auch nicht mehr anzufangen.

Irgendwie erinnern mich Arivella Postings an die Aussagen einiger Mitschülerinnen meiner 17jährigen. Die hat gerade den MSA gemacht.
Es waren einige Mädchen dabei, deren Noten nicht so ...toll waren, drücken wir es so aus. Das wussten sie auch, machten aber nach außen hin den Eindruck, als würde sie das gar nicht so stören. Sie wollten ohnehin gerne Hausfrau und Mutter sein, daran wurde auch schon eifrig gebastelt, da ists dann ja nicht wichtig, ob man eine Ausbildung hat oder einen guten Schulabschluß...
Der Unterschied ist nur- sagt sowas eine 16jährige mit "gerade mal so" einem Hauptschulabschluß und einem 19jährigen Freund, der soeben seine Ausbildung beendet, dann schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen.
Bei einer 31jährigen- die immerhin Abitur und fast fertiges Studium sowie gut verdienenden Ehemann vorweisen kann- sieht das dann schon anders aus, obwohl unterm Strich das gleiche Ergebnis rauskommt- Mutter ohne Berufsausbildung.

Und evtl. steckt hinten beiden Fällen das gleiche Motiv ( bei den Mitschülerinnen weiß ich es, bei Arivella könnte man es vermuten...)- Flucht in die Mutterrolle, weil man sich die Alternative irgendwie nicht recht zutraut. Oder fürchtet, es nicht so zu schaffen wie erwartet/erwünscht.

Ein Kind während des Studiums zu bekommen- ok, kein Thema. Kann durchaus von Vorteil sein, weil das Kind dann bei Berufseintritt schon aus der Babyphase raus ist. Aber drei Kinder sind so oder so stressig, das wird auch nicht anders, wenn sie älter werden. Es wird schon Gründe haben, warum das Studium nicht nach dem ersten Kind "durchgezogen" wurde und die beiden Jüngeren erst nach dem Berufseintritt geboren wurden.....

Arivella
29.07.2015, 08:51
Die Gefahr, dass es immer etwas anderes geben wird, das einen am Berufseinstieg hindert, sehe ich auch. Eigentlich hatte ich schon die Unterlagen fürs Ref kommen lassen um im Herbst anzufangen, wenn ich bis zum 1. Juli nicht endlich mein erstes Kapitel fertig hab (das war mein persönliches Ultimatum, das ich nicht eingehalten habe), dann hab ich mich aber ehrlich gesagt nicht getraut sie abzuschicken. Mein Vater meinte, wenn mir die Diss schon zu viel Druck ist, wie kann ich mir da jetzt schon das Ref zutrauen. Ich persönlich machs halt am Schlafen fest. Da kann sich jetzt im nächsten Jahr ganz viel tun. Ich werde auf jeden Fall wieder die Anmeldeunterlagen anfordern und dann genau prüfen, ob es geht, oder nicht. Man muss hald beide Fallen umgehen:Die Scylla "Aufschieberitis" einerseits und die Charybdis "Sich-übernehmen" (letztlich zur Lasten der ganzen Familie) andererseits. Ich möchte nicht übermäßig risikoscheu und ängstlich, aber vernünftig und verantwortungsvoll entscheiden, sonst poste ich hier in einem Jahr vielelicht verzweifelt, ob ich das Ref abbrechen soll...

Meine Eltern und Schwiegereltern drängen überhaupt nicht, was das Ref angeht, im Gegenteil, alle versuchen mich davon abzuhalten. :knatsch: Mein Vater fände es superschade, wenn ich die Diss nicht fertigmache, auch wenn es 10 Jahre dauert, er sieht da kein Problem, meine Mutter hat natürlich Angst, dass sie mir dann viel mehr helfen muss als jetzt. Wenn dann würde ich es tun ohne ihr explizites Einverständnis, weil ich weiß, dass sie mir im Zweifelsfall helfen, wenn es sein muss. Die haben soooo viel Zeit und wohnen supernah, ist das echt zu viel verlangt? Ich geb euch recht, dass es einen Unterschied macht, Großeltern einzuspannen, weil man sich "verwirklichen" möchte, oder, um seine Berufsausbildung abzuschließen. Meine Mutter sieht natürlich auch überhaupt keine Notwendigkeit, weil mein Mann gut verdient und weil sie selbst auch nie berufstätig war. Ein Argument, mit dem ich ihnen gegenüber punkten kann ist aber folgendes: Jetzt geht es ihnen gesundheitlich prima - wär es nicht gut, bald das Ref zu machen, bevor es ihnen vielleicht nicht mehr so gut geht und sie nicht nur nicht mehr so gut helfen können, sondern selbst meine Hilfe brauchen?

taggecko
29.07.2015, 08:59
Eltern für die Betreuung einzuplanen kann problematisch sein- manche erwarten eine Gegenleistung- Dankbarkeit, rumsenfen dürfen.
Eine bezahlte Betreuung nimmt da Druck raus. Und versuche Dich inhaltlich von deinen Eltern abzugrenzen.
Ich würde die Diss als Generalprobe für das Referendariat sehen- schaufle Dir so viele Stunden frei wie Du im Referendariat auch brauchen würdest und dann an den Schreibtisch in der Bibliothek.
Müde über den Büchern zu sitzen ist sicher einfacher als vor einer Klasse zu stehen.

Inaktiver User
29.07.2015, 09:03
Die Gefahr, dass es immer etwas anderes geben wird, das einen am Berufseinstieg hindert, sehe ich auch. ..... Ich persönlich machs halt am Schlafen fest.

Mein Eindruck ist, das dein Problem ein ausgeprägter Hang zur Prokrastination ist. Du überlegst hin und her, sobald sich jedoch konkret etwas tut (Kitaplatz für den Kleinen), Unterlagen fürs Ref.....machst du Rückzieher.

Und du machst dich davon abhängig, was deine Umgebung von dir erwartet.

Mein Eindruck: Eigentlich möchtest du nichts verändern, aber das lässt sich nicht mit deinem Selbstbild vereinbaren und auch nicht mit dem, was du gegenüber anderen darstellen möchtest.

Würdest du den Berufseinstieg bzw. das Ref wirklich wollen, würdest du das Schritt für Schritt umsetzen. Das Gegenteil ist der Fall. Du tust es nicht, aber du meinst, du müsstest es tun.

Dieser Zwiespalt macht dich unzufrieden. Aber nur wenn du den lösen kannst, wirst du mit dem, was du tust, in Einklang sein.

Utetiki
29.07.2015, 09:04
Wenn dann würde ich es tun ohne ihr explizites Einverständnis, weil ich weiß, dass sie mir im Zweifelsfall helfen, wenn es sein muss. Die haben soooo viel Zeit und wohnen supernah, ist das echt zu viel verlangt?

Ja!

Mir bleibt da echt die Luft weg, Du kannst doch nicht einfach so über die Zeit (und die Nerven) Deiner Verwandten verfügen. :knatsch:

GwendolineBellamy
29.07.2015, 09:05
Arivella- mir fällt in deinen Postings auf, daß du dich wirklich noch sehr an deinen Eltern orientierst.
Du bist eine erwachene Frau mit abgeschlossener Ausbildung und eigener Familie und ich spüre viel Unsicherheit und viele innere Rückgriffe auf deine Eltern, ihre Haltung und ihre Meinung.Kann es sein, daß das ein Punkt ist, der -weniger offensichtlich-in die ganze Problematik stärker hineinspielt als du denkst?

Arivella
29.07.2015, 09:13
Bei einer 31jährigen- die immerhin Abitur und fast fertiges Studium sowie gut verdienenden Ehemann vorweisen kann- sieht das dann schon anders aus, obwohl unterm Strich das gleiche Ergebnis rauskommt- Mutter ohne Berufsausbildung.

Und evtl. steckt hinten beiden Fällen das gleiche Motiv ( bei den Mitschülerinnen weiß ich es, bei Arivella könnte man es vermuten...)- Flucht in die Mutterrolle, weil man sich die Alternative irgendwie nicht recht zutraut. Oder fürchtet, es nicht so zu schaffen wie erwartet/erwünscht.



Das ist ziemlich schonungslos, was du da schreibst, vielleicht auch ein bisschen unfair, oder? Ich sehe da schon einen gewaltigen Unterschied. Zum Beispiel war ich erwachsen, verheiratet und wusste was ich tu als ich meine Kinder bekommen habe. Die drei Kinder sind auch nicht auf einen Schlag gekommen, sondern wurden geplant - und meine Berufstätigkeit war durchaus immer ein Thema dabei. Bei unserem mittleren hätte es vielleicht ein größeres Thema sein sollen, hier hätt ich sicherlich am leichtesten den Fuß in die Tür kriegen können, was das Ref angeht. Das hätte bedeutet, vom möglichst geringen Altersabstand der Geschwister abzusehen und dazu war ich eben nicht bereit. Bevor ich unseren Dritten bekommen habe, war mir jedenfalls sehr bewusst, was das bedeutet. Ganz ehrlich, hätte ich ihn nicht, wäre auch die Promotion sicherlich schon viel weiter wenn nicht fertig, vermute ich. Und ich hätte viel früher ins Ref gehen können. Das alles wussten wir und haben uns trotzdem für ein Kind entschieden. Ich bin da nicht reingerutscht, sondern sehenden Auges diesen Weg gegangen. Ich hab deswegen auch überhaupt kein Recht, mich zu beschweren, dass es jetzt verdammt hart wird, den Berufseinstieg zu schaffen. Das tue ich auch nicht, ich versuche eigentlich nur unter den gegebenen suboptimalen Umständen wenigstens den optimalen Zeitpunkt zu finden...

rebellin
29.07.2015, 09:16
...Du bist eine erwachene Frau mit abgeschlossener Ausbildung ...

Nein, das ist sie eben nicht. Ohne Referendariat kann sie nicht als Lehrerin arbeiten.

Arivella
29.07.2015, 09:17
Arivella- mir fällt in deinen Postings auf, daß du dich wirklich noch sehr an deinen Eltern orientierst.
Du bist eine erwachene Frau mit abgeschlossener Ausbildung und eigener Familie und ich spüre viel Unsicherheit und viele innere Rückgriffe auf deine Eltern, ihre Haltung und ihre Meinung.Kann es sein, daß das ein Punkt ist, der -weniger offensichtlich-in die ganze Problematik stärker hineinspielt als du denkst?

Hallo GwendolineBellamy, danke für diese Einschätzung. Bin mir in dem Punkt ziemlich unsicher, das ist schwer über sich selbst zu beurteilen. Ich war halt immer super harmoniebedürftig. Meine Eltern und ich hatten keine Auseinandersetzungen in der Pubertät usw. Dadurch dass sie so nah wohnen seh ich sie fast mehr als meinen Mann...Mein VAter ist ein Riesenvorbild für mich. ISt schwer, sich davon freizumachen um rauszukriegen, was man selber will, denn wer man selbst ist, wurde ja gerade von diesen Personen extrem beeinflusst, über 30 Jahre lang...

Marta-Agata
29.07.2015, 09:18
Ich werde auf jeden Fall wieder die Anmeldeunterlagen anfordern und dann genau prüfen, ob es geht, oder nicht. Man muss hald beide Fallen umgehen:Die Scylla "Aufschieberitis" einerseits und die Charybdis "Sich-übernehmen" (letztlich zur Lasten der ganzen Familie) andererseits.
Das ist etwas, was noch bei dir ankommen muss - ohne Abstriche bei der Familie geht es nicht. Das macht aber auch nichts - deine Wünsche und dein Beruf sind auch wichtig. Anstrengend wird die Sache - aber zentral ist erst einmal, dass DU WILLST, bzw. dass du (gemeinsam mit deinem Mann) zu einer Entscheidung kommst, hinter der du stehst. Dann kannst du das auch deinen Eltern besser vermitteln.

Ich fände es nicht zu viel verlangt von deinen Eltern, dich das tatkräftig und umfangreich zu unterstützen - aber sie sind dazu natürlich nicht verpflichtet. Wenn aber nicht mehr zu Disposition steht, dass du nächstes Jahr mit dem Referendariat anfängst - dann bewegen sie sich vielleicht noch.

Das Referendariat dauert eineinhalb Jahre - da müssen dann eben alle (zumindest du, dein Mann und deine Kinder) durch. Da werden dann keine Urlaubsreisen gemacht - sondern dein Mann verwendet seinen Urlaub dazu, dich in heißen Phasen ganz freizustellen. In Uni-Städten kann man auch - neben KiTas und Hort - mit Studentinnen als Babysitter/Kinderfrau arbeiten - da geht dein Referendariatsgehalt vielleicht für drauf, aber das ist eine Investition für die Zukunft.

Ist das jüngste denn überhaupt schon für einen Kindergarten mit vernünftigen Öffnungszeiten angemeldet?

rotlilie
29.07.2015, 09:19
Arivella- mir fällt in deinen Postings auf, daß du dich wirklich noch sehr an deinen Eltern orientierst.
Du bist eine erwachene Frau mit abgeschlossener Ausbildung und eigener Familie und ich spüre viel Unsicherheit und viele innere Rückgriffe auf deine Eltern, ihre Haltung und ihre Meinung.Kann es sein, daß das ein Punkt ist, der -weniger offensichtlich-in die ganze Problematik stärker hineinspielt als du denkst?

Das sehe ich auch so und ich lese heraus, dass dein Mann auch schon etwas älter ist!?

Ich rate dir, mache deine Berufsausbildung zu Ende! Sie ist der Schlüssel, um später frei zu entscheiden, was du nach der intensiven Kinderzeit mit deinem Leben anfangen willst. Ich bin sehr dafür, dass Frauen promovieren, aber sich sehe sehr kritisch, dass es bei dir nicht passt, zeitlich nicht, vom Pensum her nicht und auch nicht von deiner Einstellung her...

Ich bin ostsozialisiert, meine Haltung zu Berufstätigkeit und Kinderbetreung ist eindeutig positioniert. Das ist hier OT, aber wo ein Wille wäre, würde auch ein Weg sein, dein gesamtes Umfeld anders zu organisieren!


Ja!

Mir bleibt da echt die Luft weg, Du kannst doch nicht einfach so über die Zeit (und die Nerven) Deiner Verwandten verfügen. :knatsch:

Danke @Utetiki! Arivella - du hast 3 Kinder bekommen, es ist deine Aufgabe und die deines Mannes, sie groß zu ziehen.
Hilfe ja, aber nicht als Voraussetzung dein Leben zu meistern!

Karin11555
29.07.2015, 09:20
Für mich wäre die Frage: Bringt mich die Promotion auf meinem Weg in den Beruf irgendwie weiter? Oder bewirkt die Promotion vielleicht sogar das Gegenteil? Verhindert sie den Einstieg ins Berufsleben?

Marta-Agata
29.07.2015, 09:26
Danke @Utetiki! Arivella - du hast 3 Kinder bekommen, es ist deine Aufgabe und die deines Mannes, sie groß zu ziehen.
Hilfe ja, aber nicht als Voraussetzung dein Leben zu meistern!
Klar müssen die Großeltern das nicht. Aber wie gesagt - ich finde das nicht zu viel verlangt und in meiner Familie wäre das selbstverständlich, dass die Großeltern da sehr tatkräftig unterstützen.

Und das müssen wir Arivella zugute halten, dass sie sich da verschätzt hat bzw. dass ihre Eltern da eine Kehrtwende gemacht zu haben scheinen: Sie fanden noch wichtig und unterstützenswert, dass sie das Studium abschließt, aber dass sie das Referendariat macht, halten sie jetzt plötzlich für überflüssig.

rebellin
29.07.2015, 09:28
Meine Eltern und Schwiegereltern drängen überhaupt nicht, was das Ref angeht, im Gegenteil, alle versuchen mich davon abzuhalten. :knatsch:

Klar, denn als hauptamtliche Mutter entsprichst Du ihrem Rollenbild.


Mein Vater fände es superschade, wenn ich die Diss nicht fertigmache, auch wenn es 10 Jahre dauert, er sieht da kein Problem, ...

... dann kann er richtig stolz sein auf seine Tochter "Frau Doktor".


..., meine Mutter hat natürlich Angst, dass sie mir dann viel mehr helfen muss als jetzt. Wenn dann würde ich es tun ohne ihr explizites Einverständnis, weil ich weiß, dass sie mir im Zweifelsfall helfen, wenn es sein muss. Die haben soooo viel Zeit und wohnen supernah, ist das echt zu viel verlangt?

Ja. Warum meinst Du, einfach so über Deine Eltern/Schwiegereltern verfügen zu können?
Du und Dein Mann - Ihr habt Euch für 3 Kinder entschieden! Also müsst Ihr auch sehen, wie Ihr das alles geregelt bekommt. Sicher ist es schön, wenn Großeltern in der Nähe sind und gern einspringen/unterstützen (das ist im übrigen etwas, was heute schon aus räumlicher Sicht immer seltener wird), aber man kann sie doch nicht dazu verpflichten!


Ein Argument, mit dem ich ihnen gegenüber punkten kann ist aber folgendes: Jetzt geht es ihnen gesundheitlich prima - wär es nicht gut, bald das Ref zu machen, bevor es ihnen vielleicht nicht mehr so gut geht und sie nicht nur nicht mehr so gut helfen können, sondern selbst meine Hilfe brauchen?

Das hat ja schon fast manipulative Züge! :ooooh:

Arivella
29.07.2015, 09:29
Ja!

Mir bleibt da echt die Luft weg, Du kannst doch nicht einfach so über die Zeit (und die Nerven) Deiner Verwandten verfügen. :knatsch:

Ich versuche ja eh schon den Zeitpunkt zu finden, wo ich alles möglichst ohne viel Hilfe hinkriege. Aber ich muss auch sagen, dass wir nicht ohne Grund unmittelbar in die Nachbarschaft meiner Eltern gezogen sind: Meine Mutter hat mir damals vorgeschwärmt, dass ich dann ja besser arbeiten gehen könnte usw. Jetzt kann sie sich an diese Aussagen komischerweise nicht mehr erinnern. Und: ich bin die Tochter, die sich um meine Eltern im Alter kümmern wird, hab ich da nicht auch ein gewisses Recht, dass sie mich noch ein wenig unterstützen, bis ich zumindest meine Berufsausbildung abgeschlossen habe? Weil das bei näherem Nachdenken eigentlich im Interesse aller liegt, das ich zumindest in der Lage wäre, meine Familie zu versorgen, wenn meinem Mann was passiert? Außerdem: Verbieten können sie es mir ja schlecht. Sie können höchstens sagen, von uns kriegst du keine Hilfe (was sie in der Form natürlich auch nicht sagen werden, sie werden bloß unglücklich gucken). Ich wird es wahrscheinlich andersherum machen: Sie (und die Schwiegereltern) nach der Anmeldung fragen, welche Hilfe sie sich ggf. bieten könnten und dann auf der Basis überlegen, ob ich es hinkrieg oder weitere Hilfe brauche (HAushaltshilfe z.B.). Aber ja, ich würde mich ohne sie um Erlaubnis zu fragen anmelden und danach um ihre Zustimmung werben...

Inaktiver User
29.07.2015, 09:30
Jetzt sind dann auch noch die Eltern und deren (eventuell) fehlende Unterstützungsbereitschaft schuld, wenn das Referat nicht angetreten wird? Finde ich sehr merkwürdig, zumal es an finanziellen Mitteln für eine vernünftige Betreuung ja nicht zu fehlen scheint.

rotlilie
29.07.2015, 09:33
Klar müssen die Großeltern das nicht. Aber wie gesagt - ich finde das nicht zu viel verlangt und in meiner Familie wäre das selbstverständlich, dass die Großeltern da sehr tatkräftig unterstützen..
Das tut man in meiner auch, sogar meine über 80 Mutter hütet ab und an ihre Urenkelin, ich tue neben meiner Berufstätigkeit mein Bestes, aber wir gehen nicht per se davon aus, dass wir fest eingeplant werden. Wir haben dazu eine Vereinbarung getroffen, die in Notsituationen zum Einsatz kommt. Aber in der Regel kümmern sich die Eltern um die Betreuung, es gibt auch Kindermädchen!


Und das müssen wir Arivella zugute halten, dass sie sich da verschätzt hat bzw. dass ihre Eltern da eine Kehrtwende gemacht zu haben scheinen: Sie fanden noch wichtig und unterstützenswert, dass sie das Studium abschließt, aber dass sie das Referendariat macht, halten sie jetzt plötzlich für überflüssig.

Wichtig erscheint mir, dass die TE ihre eigenen Wünsche überdenkt und sich von den Erwartungshaltungen der Eltern abnabelt. Dann muss neu verhandelt werden, inwieweit eine Kinderbetreuung machbar ist.

maryquitecontrary
29.07.2015, 09:33
Mich wundert es nicht, dass in diesem Strang so oft von "Selbstverwirklichung" die Rede ist - denn das entspricht offensichtlich der Haltung von Arivella und ihrer kompletten Familie. Shade of the early sixties. ..


Wirklich erstaunlich für mich, dass die berufliche Eigenständigkeit der Frau hier nicht vorkommt bzw als Belastung gesehen wird.

danahellcat
29.07.2015, 09:34
Das Problem ist eben, dass ich mir nicht (mehr) sicher bin, ob da wirklich was bei rauskommt...



Hallo Arivella,

vielleicht habe ich es überlesen, aber was war Deine eigentliche Motivation für die Diss? Denn rein beruflich ist der Doktortitel für Dich doch völlig überflüssig.
Ist es ein Ziel, was Du unbedingt in Deinem Leben erreichen möchtest, ganz für Dich alleine? Oder möchtest Du die Anerkennung und dann auch als Frau Dr. angesprochen werden?

Ich persönlich finde, dass Du das Pferd von hinten aufzäumst. Du hast drei Kinder, aber keine Berufsausbildung. Seit 4 Jahren schreibst Du an der Diss. in Geisteswissenschaften. Ich meine, das muss man wirklich wollen, denn es ist ein Kraftakt in diesem Bereich.

Die Frage ist doch, wieso hast Du nach 4 Jahren so wenig geschafft und wieso sollte sich das in 1-2 Jahren plötzlich ändern?
Vielleicht überlegst Du Dir, wie Du die Prioritäten verteilst. Denn von einem fertigen Referendariat hast Du allemal mehr als von einer Diss. die Dich zwar stolz macht und machen kann, aber doch nicht zum Tragen kommt, es sei denn Du gehörst zu den Menschen, die sich ihren Titel auf die Stirn tattowieren. ;)
Meine Überlegung: Setze Dir eindeutige, klare zeitliche Ziele. Das hört sich alles sehr unaufgeräumt an, was ja nicht shclimm ist. Aber so wirst Du nie fertig. Dazu musst Du erstmal eine ganz nüchterne Kalkulation machen, wie lange Du ca. brauchst, bis zum Ende Deiner Diss. und ganz ehrlich ALLE Imponderabilien einberechnen.

Wenn dann am Ende herauskommt, dass zuerst das Kind in die Krippe muss, Du dann das Ref. machst, in den Beruf einsteigst und nach einer Weile Deine STunden derart reduzierst, dass Du Deine Diss wieder aufnehmen kannst, dann mach das. ABer auch ganz entspannt.
Die Kinder werden schnell größer und selbständiger.
Momentan machst Du alles halbherzig oder gar nicht mehr. Deine schönen Hobbies hast Du nicht, aber auch kaum Aussicht auf eine (Sahnetupfer) Diss, die Du auch später machen kannst, so sie "nur" Dein Alter Ego streichelt.

LG
Dana

P.S.: Das was Du jetzt am WE mit Deiner lieben Familie erleben darfst, kommt nie mehr zurück. Also setz Dich nicht so unter Druck. Ich bekomme gerade mein viertes Kind und weiß genau um diese Ängste, intellektuell zu stagnieren. Wirst Du aber nicht. Das kommt immer auf den Blick auf die Dinge und den persönlichen Umgang damit an.

Marta-Agata
29.07.2015, 09:34
Ich wird es wahrscheinlich andersherum machen: Sie (und die Schwiegereltern) nach der Anmeldung fragen, welche Hilfe sie sich ggf. bieten könnten und dann auf der Basis überlegen, ob ich es hinkrieg oder weitere Hilfe brauche (Haushaltshilfe z.B.).
Genauso.

Du brauchst ihre Zustimmung nicht (und Erlaubnis schon sowieso nicht).

(unter dem "Intergenerationen-Gesichtspunkt ist es aber natürlich NICHT im Interesse der Eltern, dass du berufstätig bist. Als Hausfrau mit erwachsenen Kindern hättest du, wenn sie alt sind, mehr Zeit, sich um sie zu kümmern, und eben die "nächste Familienaufgabe" zu übernehmen. Wenn du erst im Schuldienst bist, gibt es ja auch unterschiedliche Möglichkeiten der Beurlaubung bzw. von Teilzeit - aber durch das Referendariat und die Anfangsjahre musst du halt durch).

rotlilie
29.07.2015, 09:36
Mich wundert es nicht, dass in diesem Strang so oft von "Selbstverwirklichung" die Rede ist - denn das entspricht offensichtlich der Haltung von Arivella und ihrer kompletten Familie. Shade of the early sixties. ..


Wirklich erstaunlich für mich, dass die berufliche Eigenständigkeit der Frau hier nicht vorkommt bzw als Belastung gesehen wird.
Danke Mary!

Arivella
29.07.2015, 09:37
Hallo Marta-Agata

Ich weiß, dass es nicht ganz ohne Abstriche geht. Deine Tipps sind auf jeden Fall sinnvoll. Auch bei meinem 1. Staatsexamen hat mein Mann Urlaub genommen während der heißen Phase, dann war das gut zu machen. Das mit dem Kindergarten ist so eine Sache. Der kleine soll, wie sein Bruder, in einen Waldkindergarten, der supergut ist, hier in der Nähe, aber nur zwei mal in der Woche über Mittag offen ist. Wenn ich Referendariat anfangen würde, könnte ich diesen Kindergarten nur nehmen, wenn jemand (z.B. meine Eltern) ggf. mal bereit wären, ihn abzoholen und zu bespaßen bis ich da bin. Deswegen muss ich halt wirklich vorher wissen, was ich an Hilfe krieg, sonst muss ich einen Kindergarten mit längeren Öffnungszeiten finden (was echt schade wär, unser mittlerer Sohn ist so glücklich im Waldkindergarten, ich kann mir schwer einen besseren Kindergarten vorstellen!)
Liebe Grüße
Arivella

Utetiki
29.07.2015, 09:43
Und: ich bin die Tochter, die sich um meine Eltern im Alter kümmern wird, hab ich da nicht auch ein gewisses Recht, dass sie mich noch ein wenig unterstützen, bis ich zumindest meine Berufsausbildung abgeschlossen habe?

Das ist mir bei Dir zu viel Pippi Langstrumpf (Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt...).


Triff vorher vernünftige Absprachen mit Deinem Mann und allen, die es angeht. Alles andere ist in meinen Augen gefährlich fahrlässig.
Eine Abnabelung von den Eltern solltest Du zuerst ins Auge fassen. Ist ein geiles Gefühl, wenn Du allein mit Deinem Mann es schaffst auf eigenen Beinen zu stehen. Nimm Dir Hilfen, die Dir zur Verfügung stehen wie Kitas, Krippen, Tagesmütter usw.

Auch da muss man immer einen Plan B in petto haben. Und auch Großeltern, die jetzt noch willig sind, können ausfallen.

GwendolineBellamy
29.07.2015, 09:46
Ich weiß, dass es nicht ganz ohne Abstriche geht. ...Der kleine soll, wie sein Bruder, in einen Waldkindergarten... sonst muss ich einen Kindergarten mit längeren Öffnungszeiten finden (was echt schade wär, unser mittlerer Sohn ist so glücklich im Waldkindergarten, ich kann mir schwer einen besseren Kindergarten vorstellen!)


Das ist das Leben...Kompromisse und Abstriche. Ich zweifle doch, daß du dir das so ganz bewusst macht, Arivella.

Arivella
29.07.2015, 09:49
Hallo danahellcat,

was du schreibst könnte mich wirklich weiterbringen, danke! Im Moment denke ich auch, es wäre das Klügste, die Promotion zu unterbrechen, um erstmal Ref zu machen. Das hat den Vorteil, dass man sich auch in aller Ruhe klar wird, ob einem an der Diss noch was liegt, so viel, dass man das Ganze nach zwei Jahren noch mal anpackt. Es ist auch wirklich schwer, sich nach all der Zeit noch zu erinnern, warum genau man diese Doktorarbeit eigentlich haben wollte - im Moment mach ich ja mehr oder weniger nur weiter, weil ich es halt angefangen habe und nur ungern was abbreche. Ich weiß halt nicht genau, wie ernst ich mein eigenes Ultimatum nehmen soll. Ich hatte es mir gestellt, um zu sehen, ob ich dann wirklich mal mehr Reserven mobilisieren kann, wenn ich Termindruck hab. Es hat nicht geklappt, nicht mal annähernd. Jetzt frag ich mich halt, ob ich aszum Anlass nehmen soll, auszusteigen aus der Nummer, oder ob ich erst rausgeh, wenn wirklich das Ref ansteht - aber dann hab ich bis zum Shcluss meiner Elternzeit meine ganze Energie in ein Projekt gesteckt, was vielleicht nie fertig wird...Deswegen würd ich lieber schon jetzt aussteigen...

Liebe Grüße
Arivella

Marta-Agata
29.07.2015, 09:49
Hallo Marta-Agata

Ich weiß, dass es nicht ganz ohne Abstriche geht.

Wir streichen mal das "ganz" in diesem Satz!


Das mit dem Kindergarten ist so eine Sache. Der kleine soll, wie sein Bruder, in einen Waldkindergarten, der supergut ist, hier in der Nähe, aber nur zwei mal in der Woche über Mittag offen ist. Wenn ich Referendariat anfangen würde, könnte ich diesen Kindergarten nur nehmen, wenn jemand (z.B. meine Eltern) ggf. mal bereit wären, ihn abzoholen und zu bespaßen bis ich da bin. Deswegen muss ich halt wirklich vorher wissen, was ich an Hilfe krieg, sonst muss ich einen Kindergarten mit längeren Öffnungszeiten finden
Wenn dein Kleiner im nächsten Jahr in den Waldkindergarten kommt, ist diese Situation für 3 Jahre festgeschrieben - und du kannst nur das Referendariat anfangen, wenn deine Eltern "zustimmen"?
Falsche Reihenfolge der Überlegung.

Die erste Entscheidung ist, dass bzw. wann du das Referendariat machst.
Und dann, in welchen Kindergarten der Jüngste kommt.
Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Entweder du sprichst mit deinen Eltern, ob sie - gegeben, dass du das Ref. machst! - bereit wären, die entsprechenden Nachmittage zu übernehmen - andernfalls müsste das Kind in einen anderen Kindergarten.
Oder du entscheidest dich unabhängig davon für den Waldkindergarten, planst aber ein, dass du für die Nachmittage einen Babysitter bezahlst - und kannst dann immer noch sehen, ob deine Eltern oder Schwiegereltern das doch regelmäßig oder ab und zu übenehmen.
Oder ihr entscheidet euch gleich für einen anderen Kindergarten - da hättest du "an dieser Front mehr Luft" und Kinder werden auf unterschiedliche Weise groß!

Und anmelden in mehrere Kindergärten könntest du dein Kind sofort!

Promethea71
29.07.2015, 09:56
Marta hat das gut auf den Punkt gebracht.
Und ich setzt noch einen drauf - sicher ist das folgende provokativ, aber ehe du darauf antwortest, lass es mal auf dich wirken.


Niemand in deiner Familie hat ein Interesse daran, dass du dein Referendariat schaffst, weil es macht für alle anderen nur Umstände.

Die Großeltern verlieren jemanden, der ihr eigenes Rollenbild umsetzt, sie verlieren jemanden, der "nichts besseres" zu tun hat, als sich um sie und ihre Bedürfnisse zu kümmern, wenn sie es brauchen, sie müssen sich nicht um "deinen" Haushalt und "deine" Kinder kümmern, sondern können ihr eigenes Lebens fortsetzen wie geplant.

Dein Mann kann Karriere in seinem Beruf machen und hat dich, die sich um Haus und Kinder kümmert und ihm den Rücken freihält. Und wenn du intellektuell und oder sexuell nicht mehr genügst, wirst du ausgetauscht - ja ich weiß deine Ehe ist die einzige auf der Welt, in der das nie passieren wird.

Deine Kinder können sich noch nicht dazu artikulieren, aber im Moment finden sie es vielleicht noch klasse eine Mutter zu haben, die sich um alles kümmert, und die sie durch kleine Aktionen (weinen bei der Übergabe an die Tagesmutter/Kindergarten) schon so manipulieren können, dass sie sofort bekommen, was sie jetzt gerade wollen.
Langfristig wird es ihnen aber schaden, denn sie haben eine unglückliche, unzufriedenen Mutter, die ihnen ein antiquiertes Rollenbild vorlebt und die sie später mal verantwortlichen machen wird (direkt oder indirekt), dass sie ja nie ihren Beruf ergriffen hat und die dann gegebenenfalls auch noch emotional und wirtschaftlich von ihnen abhängig ist.

Und gerade dein bewegungsfreudiger Jüngster wäre in einem Kindergarten, in dem er sich wirklich austoben und motorische Fähigkeiten lernen und ausbauen könnte besser aufgehoben als von dir im Buggy durch die Welt geschoben.



Du bist so harmoniebedürftig, dass du vermeintlich alle anderen Interesse vor deinen eigenen setzt.
Glaubst du eigentlich, dass du dich in einer Klasse durchsetzen können wirst ?
Glaubst du, dass du dem Beruf als Lehrerin gewachsen sein wirst ?



Ich glaube es nicht.
Selbst wenn du dein Referendariat antrittst und schaffst, ich glaube nicht, dass du tatsächlich als Lehrerin arbeiten wirst, denn es wird immer jemanden in der Familie geben, der dich gerade braucht und den du als Ausrede vorschieben wirst.


Ebenso wie die Promotion, die aus meiner Sicht nur ein Feigenblatt ist, um zu demonstrieren, dass du intelektuell noch etwas auf die Beine stellen kannst und dann Frau Doktor bist. Aber eben nur Frau Doktor ohne irgendeine Chance damit Geld zu verdienen.




Aus meiner Sicht brauchst du etwas ganz anderes.
Ein Plan könnte sein

- bricht die Promotion ab
- steh dazu, dass du Vollzeit Mutter bist, das ist keine Schande, das ist eine vollwertige Tätigkeit
- such dir wieder Hobbies, engagiere dich im Naturschutz, der Flüchtlingshilfe, oder wo auch immer
- bau dir ein eigenes Leben und einen eigenen Bereich auf
- sorge dafür, dass ihr aus dem Familieneinkommen, dass dein Mann erwirtschaftet für dich eine eigene unabhängige Rentenversicherung bezahlt
- sorge dafür, dass es eine ausreichende Versicherung für Invalidität oder Tod deines Mannes gibt


Lebe einfach mal zwei Jahre deines Lebens ein glückliches und zufriedenes Leben.
Mach dich von der Meinung anderer unabhängig.



Und dann schau, wohin dich das bringt.

Arivella
29.07.2015, 10:02
OK, hab von euren Antworten gelernt, dass ich vielleicht immer noch zu sehr danach gehe
- allen alles recht zu machen ohne Abstriche (Stichwort Waldkindergarten)
- Selbstverwirklichung statt Selbständigkeit
-meine Eltern einerseits zu sehr einplane, andererseits zu sehr an ihnen orientiert bin

Bin Tatsächlich ein großer Pippi Langstrumpf- Fan, aber die musste, nebenbei bemerkt, alles ganz ohne Eltern schaffen :freches grinsen:

Hab gestern abend mit andern Waldkindergartelentern geredet, die meinten eher alle, Zeit lassen mit dem Berufsseinstieg, ganz für die Kinder da sein, kein Druck und genießen (es ist natürlich eine andere Frage, ob ich das sann auch genießen kann, gerade weil ich ja dann etwas abgebrochen habe und erstmal ein Loch vor mir seh). Aber das klingt wahrscheinlich für manche wieder zu sehr nach Selbstverwirklichung. Ich kann auch verstehen, dass man da einen Hals kriegt, wenn man selbst diese Möglichkeit nicht hat, weil beide Geld verdienen müssen, das ist ja klar. Aber wir hätten halt die Möglichkeit...Ich meine nur: länger zu Hause sein ist jedenfalls nicht nur ängstliche Aufschieberitis, sondern hat doch auch einen Mehrwert für die Kinder, oder ist das inzwischen ein Tabu, so zu denken...?!?

Karin11555
29.07.2015, 10:10
Gesteh Dir einfach ein, dass Du weder ein Refendariat noch eine Promotion wirklich willst, sondern Vollzeitmutter sein willst. Ist durchaus nix Schlimmes, war ich auch zehn Jahre lang. Sorge nur bitte dafür, dass Du über einen Ehevertrag abgesichert bist und nicht in ein paar Jahren mangels Berufsausbildung putzen gehen musst

rebellin
29.07.2015, 10:11
Also bis zum Absatz:


Du bist so harmoniebedürftig, dass du vermeintlich alle anderen Interesse vor deinen eigenen setzt.

stimme ich voll und ganz zu.

Aber der "Plan"


- bricht die Promotion ab
- steh dazu, dass du Vollzeit Mutter bist, das ist keine Schande, das ist eine vollwertige Tätigkeit
- such dir wieder Hobbies, engagiere dich im Naturschutz, der Flüchtlingshilfe, oder wo auch immer
- bau dir ein eigenes Leben und einen eigenen Bereich auf
- sorge dafür, dass ihr aus dem Familieneinkommen, dass dein Mann erwirtschaftet für dich eine eigene unabhängige Rentenversicherung bezahlt
- sorge dafür, dass es eine ausreichende Versicherung für Invalidität oder Tod deines Mannes gibt


ist hochriskant!

Es sei denn, die TE hat einen Ehevertrag, der ihr eine Versorgung "wie früher" zusichert.

rebellin
29.07.2015, 10:13
Hab gestern abend mit andern Waldkindergartelentern geredet, die meinten eher alle, Zeit lassen mit dem Berufsseinstieg, ganz für die Kinder da sein, kein Druck und genießen ...

Genau - man muss nur an der "richtigen" Stelle nachfragen und schon bekommt man die Antworten, die man hören möchte. :zwinker:

Arivella
29.07.2015, 10:17
Hallo Promethea71,

das ist ziemlich harter Tobak. Jeder, der Lehrer werden will und eher sensibel veranlagt, fragt sich wahrscheinlich mal, ob er aus dem richtigen Holz dazu geschnitzt ist. Das kann sicher nur das Ref zeigen. Ich hab schon zwei Monate an einer Schule ausgeholfen und gesehen, dass es für mich definitiv nicht einfach wird, mich durchzusetzen, aber das mir das Unterrichten Spaß macht. Außerdem liebe ich Kinder und Kinder mögen mich auch. Ich hab auch Gott sei dank dank Reli noch Alternativen; ich könnte evtl. Relireferendariat für Grund- und Hauptschule machen. Das geht halbtags und viele Mütter machen das. Dann wird man nicht vom Staat, sondern von der Diözese angestellt - natürlich unter schlechterer Bezahlung.

Wenn ich deinen Text lese, habe ich ein bisschen Angst, dass du - am Ende - recht haben könntest. Aber: es gar nicht erst versuchen?!? Übrigens hatte ich einen sehr guten Schnitt im ersten Staatsexamen - was es mir auch nicht einfach macht, ich will das doch nicht alles wegwerfen, hallo?

Ehrenamtliches Engagement wäre natürlich eine Möglichkeit, wenn ich wirklich in der Berufswelt keinen Fuß fasse, da könntest du recht haben. Aber bis es soweit kommt, würde ich doch noch einiges probieren. Noch seh' ich das ganze wirklich als Elternzeit - freilich als eine sehr lange, weil ich bis auf ein halbes Jahr seit 9 Jahren mindestens ein Kind den ganzen Tag zu Hause hatte. Und dann fühlt sich selbst ein weiteres Jahr verdammt lang an...

Viele Grüße
Arivella

rotlilie
29.07.2015, 10:18
Nein, ich versteh nicht, dass ihr jungen Frauen eure Berufsausbildung hängen lasst, euch nicht darum sorgt, im Alter unabhängig leben zu können, selbstbestimmt und nicht selbstverwirklicht!

Seit wann ist ein Beruf wieder eine Selbstverwirklichung, die es zu verhindern gilt?

Noch lebst du in einem Wolkenkuckcucksheim, ich erinnere mich gelesen zu haben, dass dein Mann schon mal ernsthaft krank war.
Schon deshalb würde ich dafür sorgen, dass ich auch allein auf beiden Füssen stehen könnte.

Utetiki
29.07.2015, 10:19
Bin Tatsächlich ein großer Pippi Langstrumpf- Fan, aber die musste, nebenbei bemerkt, alles ganz ohne Eltern schaffen :freches grinsen:

Und ich zitiere noch die Stelle, um die es mir ging.... :smirksmile:


Ich kann auch verstehen, dass man da einen Hals kriegt, wenn man selbst diese Möglichkeit nicht hat, weil beide Geld verdienen müssen, das ist ja klar. Aber wir hätten halt die Möglichkeit...Ich meine nur: länger zu Hause sein ist jedenfalls nicht nur ängstliche Aufschieberitis, sondern hat doch auch einen Mehrwert für die Kinder, oder ist das inzwischen ein Tabu, so zu denken...?!?

Ich hab nur deshalb nen Hals, weil die Großeltern so selbstverständlich eingeplant werden und dann noch ohne vorherige Absprache.
Meine Schwiegermutter war eingespannt für die Kinderbetreuung bei meiner Ältesten. Aber sie hatte sich selbst angeboten, und das wurde dann als es so weit war, genau abgesprochen und realisiert.

Beim zweiten Kind stand sie nicht mehr zur Verfügung, da sie ihren Mann pflegen musste. Also kam eine Tagesmutter ins Spiel. Und beim dritten haben wir sie nur in Ausnahmefällen gefragt. Sie hat gerne gekocht und die heimkommenden Kinder empfangen und verköstigt. Das war sehr viel wert, dass sie eine Anlaufstelle nach Schule und Kindergarten hatten. Und ich konnte mit dem Jüngsten im Schlepptau die Großen dann abgefüttert abholen.



Ein Tabu (Vollzeitmutter) so zu denken ist es nicht. Du hast es aber im Kopf.

Ich finde Prometheas Hinweise sehr nützlich und wichtig. :blumengabe:

Arivella
29.07.2015, 10:32
Hallo Utetiki,

ich glaub, was meine Eltern angeht, hab ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Ohne Absprache habe ich die Unterlagen fürs Ref angefodert - das ist meine Sache. Aber im weiteren Verlauf bin ich natürlich mit ihnen ins Gespräch gekommen, bzw. würde es wieder so machen. Nicht im Sinne eines Verhandelns und Aufdrückens - auch wenn ich immer noch der Meinung bin, dass sie mich nicht nur unterstützen können, sondern auch ein Stück weit sollten - sondern wirklich im Sinne einer Frage: könntet ihr mich unterstützen, wenn ja, wobei? Das Problem ist, dass meine Mutter denkt - so wie einige hier Forum anscheinend auch - dass ich das Ref nervlich nicht packe, zusammenbrech und dann diese ganzen Absprachen hinfällig sind, weil ich viel mehr Hilfe brauch. Mit dieser Sicht beeinflusst sie mich seit Jahren, dass ich mir bald selbst auch nichts mehr zutraue. Meine Mutter hat mir nicht mal zugetraut, ein Baby mit unserem Hund zu vereinbaren; nicht ich, sie benutzt die Promotion als ein Feigenblatt: Da hast du doch was tolles, mach das weiter, egal wie lang es dauert, das kannst du doch so schön nebenher machen, darfst dich bloß nicht stressen lassen, weil es nicht so schnell vorwärts geht...Und dabei kommt am Ende nur raus, dass ich jahrelang zu Hause bin, was ein paar Jahre lang in Ordnung ist, aber einem irgendwann natürlich alle Chancen verbaut.

Viele Grüße
Arivella

Arivella
29.07.2015, 10:38
Ich werde jetzt auf jeden Fall erst mal mit meiner Familie in den Urlaub fahren und in Ruhe alles überlegen. Mit ein bisschen Abstand sieht man oft wieder klarer. Auf jeden Fall danke für alle Kritik, Ratschläge und Tipps.

Viele Grüße an alle:blume:
Arivella

Inaktiver User
29.07.2015, 11:08
Ich finde die Überlegung, was wäre, wenn es ein Mann wäre, tatsächlich oft hilfreich.
Aber ich komme hier zu einem anderen Schluss: Von einem Mann würde erwartet, dass er so schnell wie möglich das Referendariat durchzieht und dann Geld verdient. Bei einem Mann wäre man noch viel schneller dabei, die Promotion als Luxus abzutun.

:blumengabe:

Historia02
29.07.2015, 11:29
Ich werde jetzt auf jeden Fall erst mal mit meiner Familie in den Urlaub fahren und in Ruhe alles überlegen. Mit ein bisschen Abstand sieht man oft wieder klarer. Auf jeden Fall danke für alle Kritik, Ratschläge und Tipps.


Gute Reise! Hoffentlich fährst du irgendwohin, wo die Sonne scheint? :Sonne:

Ich kann dich gut verstehen, ich bin auch jemand, der Sachen nicht aufgibt und manchmal zu lange an etwas festhält, weil die Alternative bedrohlich wirkt. Als Mutter ist es echt nicht einfach, den Spagat zwischen schlechtem Gewissen und den eigenen Bedürfnissen hinzukriegen. Mein Sohn hat an der Kitatür schon wahre Sturzbäche geheult und mehr als einmal saß danach ich heulend im Auto, kurz davor, meinen Job zu kündigen und das arme Kind wieder mit nach Hause zu nehmen.

Ich denke, du musst erstmal überlegen, ob du das Referendariat wirklich machen willst. Und dann musst du mit deinem Mann reden: Wie können wir das zusammen packen? Mit den Öffnungszeiten des Waldkindergartens ist es offenbar nicht zu vereinbaren, d.h. du könntest die nächsten vier Jahre nicht starten. Was gibt es für Alternativen? Gibt es irgendwo eine verlässliche bezahlbare Alternative, so dass du nicht auf den Goodwill der Großmütter angewiesen bist?

Ich denke aber, das Referendariat ist sowieso nur zu schaffen, wenn alle zusammenhalten und mithelfen, auch die Großmütter. Oder kann man ein Referendariat auch in Teilzeit machen? (Ich kenne mich da nicht aus.) Was ist bei Krankheit der Kinder? Außerdem brauchst du Zeit, um den Unterricht vorzubereiten. (Ich glaube, erst verbeamtete Lehrer können es sich leisten, einfach 20 Jahre alte Arbeitszettel immer wieder zu kopieren, oder? ;-))

Ich denke, das Sprichwort trifft tatsächlich ganz gut zu: Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. (Das muss ich mir leider auch ganz oft eingestehen ...).


@xanidae: Nein, ich meinte nicht, dass sich Arivella noch ein Studium aufhalsen soll. Sondern dass sie das anstelle der Diss ins Auge fassen könnte. Es wäre ein intellektueller Kompromiss zwischen Dissertation und VHS-Kurs. Es wäre kleinteilig und man könnte Stück für Stück etwas schaffen und hätte so immer wieder Erfolgserlebnisse.

Mandelbluete
29.07.2015, 11:39
Hallo,

was "bist" Du im Augenblick? Eine Promovendin mit drei Kindern? Oder eine Mutter, die nach außen nicht nur Mutter sein möchte?

Und was möchtest Du?

Ohne eine Bestimmung Deines Standorts und Deiner Ziele kommst Du nicht weiter. Und findest auch Deinen Seelenfrieden nicht.


Ich werde auf jeden Fall wieder die Anmeldeunterlagen anfordern und dann genau prüfen, ob es geht, oder nicht. Man muss hald beide Fallen umgehen:Die Scylla "Aufschieberitis" einerseits und die Charybdis "Sich-übernehmen" (letztlich zur Lasten der ganzen Familie) andererseits.

Wenn Du "nicht nur Mutter" sein willst, dann musst Du Arbeit/Promotion/... als weitere Facette in Dein Leben und das Deiner Familie integrieren. Du brauchst dafür Zeit und Kraft, die der Familie fehlen. Das kann man als "zu Lasten der ganzen Familie" sehen oder als das ganz normale Leben.

Nicht zu "Lasten der der Familie" geht es, wenn Du die Rolle der 24 Stunden/7 Tage - Mutter einnimmst. Wenn Dir das wichtiger ist als eine berufliche Perspektive, finanzielle Absicherung, ..., dann bleib dabei. Aber es hat eben einen Preis. Genauso wie die Promotion oder die Berufstätigkeit einen Preis hat.

Deine Eltern sind nur theoretisch bei Dir, wenn es um die praktische Umsetzung und Unterstützung angeht, sind da zumindest Vorbehalte (weil Du damit ein Lebens- und Familienmodell wählst, das nicht ihres ist) und sie nicht oder nur bedingt bereit zu unterstützen.

Ich würde daher Promotion oder Referendariat alleine mit meinem Mann planen. Auch mit Krippe/Kindergarten/Hort/Tagesmutter/Au Pair/Elterninitiativen kann man als Paar die Betreuung bewerkstelligen. Und die Großeltern sind dann eben für Freizeit o.ä. da und nicht fest eingeplant (und können damit auch kein Mitsprache"recht" aus ihrer Betreuungsleistung ableiten).

Mandelblüte

Marta-Agata
29.07.2015, 12:01
Nicht zu "Lasten der der Familie" geht es, wenn Du die Rolle der 24 Stunden/7 Tage - Mutter einnimmst. Wenn Dir das wichtiger ist als eine berufliche Perspektive, finanzielle Absicherung, ..., dann bleib dabei. Aber es hat eben einen Preis. Genauso wie die Promotion oder die Berufstätigkeit einen Preis hat.
Das bringt es m.E. noch einmal gut auf den Punkt. Alles hat seinen Preis - und wenn man sich für eine Sache entscheidet, entscheidet man sich gleichzeitig (zumindest implizit) gegen andere.

Ich fände völlig ok, wenn du (mit deinem Mann zusammen) entscheidest, Hausfrau zu sein.
Ich sehe noch nicht einmal so sehr das Problem der Absicherung wie andere (ich halte es für völlig in Ordnung, sein Leben unter der Annahme zu planen, dass die Ehe hält - dafür sind Ehen da; Rentenansprüche werden im Fall einer Scheidung geteilt, und auch nach neuem Recht wäre sie unterhaltsberechtigt und könnte dann immer noch weitersehen).
ABER du müsstest dich eben dafür entscheiden, dazu stehen, und dich nicht in der Opferrolle sehen und unzufrieden sein.

Ich sehe es allerdings auch so, dass du noch keine abgeschlossene Berufsausbildung hast - deine Fächer erlauben auch eher wenig Alternativen (mit Mathe und Informatik wäre es etwas anderes).
Ich an deiner Stelle würde das Referendariat spätestens nächstes Jahr machen - dann ist es eben mal zwei Jahre anstrengend für alle. Wenn ich aufzeige, dass du selbstverständlich auch Hausfrau werden kannst, dann soll das keine Empfehlung in die Richtung sein.
Ich würde dir aber auch umgekehrt nicht vorwerfen, dass du "nur aus deiner Komfortzone nicht rauskommen willst". Auch jetzt schon hast du gut zu tun - und ich sehe, wie in vielen jungen Familien, in denen beide berufstätig sind, alle wirklich auf dem Zahnfleisch gehen. Das muss nicht jeder wollen - wir muten da den Familien mittlerweile sehr viel zu.


Wichtig ist, dass so wirklich bei dir ankommt, dass du und ihr nicht alles haben könnt - dass ein Weg, ein Kompromiss gefunden werden muss.
Und dass du für dich klärst, was DU unter diesen Umständen WILLST, was realistisch ist und nicht aus dem Wolkenkuckucksheim. Dass du diesen Thread eröffnet hast, ist doch ein erster Schritt dazu, und sicher musst du das nicht heute oder morgen entscheiden. Aber doch irgendwie bald - denn wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.

Marta-Agata
29.07.2015, 12:06
Das Problem ist, dass meine Mutter denkt - so wie einige hier Forum anscheinend auch - dass ich das Ref nervlich nicht packe, zusammenbrech und dann diese ganzen Absprachen hinfällig sind, weil ich viel mehr Hilfe brauch. Mit dieser Sicht beeinflusst sie mich seit Jahren, dass ich mir bald selbst auch nichts mehr zutraue.
Ich würde deiner Mutter, die dich gut kennt, zugestehen, dass ihr "Ablehnen des Refs" nicht nur aus eigenen Interessen und Blickwinkel geschieht, sondern auch "fürsorglich" ist, ob du das schaffst und insbesondere, ob es dir in der Zeit gut gehen wird.

Davon ist es aber immer noch deine Entscheidung!

Mandelbluete
29.07.2015, 12:31
Das Problem ist, dass meine Mutter denkt - so wie einige hier Forum anscheinend auch - dass ich das Ref nervlich nicht packe, zusammenbrech und dann diese ganzen Absprachen hinfällig sind, weil ich viel mehr Hilfe brauch.

Hier kannst Du den Druck rausnehmen, indem Ihr Deine Eltern nicht oder nur wenig einplant. Und für den Fall, dass es wirklich härter und schwieriger als erwartet wird, andere Lösungen in petto habt (Verlängerung der Betreuungszeiten, Aupair, ...).

Cariad
29.07.2015, 13:05
Das Problem liegt nicht in den Kindern, nicht in den Eltern und nicht in Diss oder Referendariat - sondern in deiner Unentschlossenheit. Diss anfangen, aber dann hängen lassen, Ref anmelden und dann doch nicht, Kita anmelden und dann doch nicht ... Das wird so nichts.

Für alle Varianten lassen sich Lösungen finden:
- Du kannst (erstmal) Hausfrau und Mutter dreier Kinder sein. Dann schmeiß die Diss hin, such dir nebenher ein Hobby oder eine ehrenamtliche Tätigkeit als Ausgleich und triff gemeinsam mit deinem Mann Vorsorge für die Rente. Und dann genieß die nächsten fünf Jahre ohne Reue und Druck!

- Du kannst eine Dissertation schreiben. Dann sorg dafür, dass dein Jüngstes an zwei oder drei Vormittagen pro Woche betreut ist (Kita, Tagesmutter, Babysitter, Großeltern ... was am besten passt!) und nimm dir wirklich konzentriert Zeit dafür. An den Tagen gibt es dann auch Resteessen oder Nudeln mit Pesto und keinen Haushalt. Mach einen Zeitplan und steh dazu, egal was kommt. Kinder können damit umgehen, dass Mama nicht stets verfügbar ist.

- Du kannst ein Referendariat machen. Dann sucht gemeinsam eine gute und vor allem zuverlässige Kinderbetreuung (und der beste Kindergarten ist immer der, der zur Familiensituation passt!) und plant die kommenden Jahre durch. Ein Referendariat wird ja entlohnt - kann dein Mann in dieser Zeit zb auf 80 % runtergehen? Rechnet das mal durch. Später als Lehrerin kannst du dann wieder auf Teilzeit gehen.

Jeder dieser Wege hat seine Berechtigung, jeder führt zu einem glücklichen Leben, wenn man es will. Aber an der Weggabelung sitzen bleiben, zwei Schrittchen in eine Richtung und dann wieder zurück, das führt garantiert zu Unzufriedenheit. Nimm dir einen Nachmittag frei. Stell dir diese drei Wege in den nächsten fünf Jahren vor und fühl dich in sie hinein. Dann entscheide dich und gehe einen von ihnen konsequent weiter.

Arivella
29.07.2015, 13:14
Hallo an alle,

ja, es geht nach Italien :cool:
Ich dachte erst, ich nehm da meinen Laptop mit und hol alles auf, was ich in letzter Zeit verpasst hab - aber ich glaube, ich brauch eher Zeit mit der Family, ganz ohne Druck...Mein Mann meint, ich soll mir mal schöne Bücher mitnehmen und mal wieder was lesen, was nichts mit Uni zu tun hat...

Hab gestern auf dem Weg zur Uni plötzlich einen Zusammenbruch gehabt (ausgelöst von unserem Hund, der einen anderen Hund angegriffen hat - ich wollte ihn mitnehmen an die Uni, dass er gleich seinen Gassigang hatte...bin danach gleich wieder nach Hause und war fertig mit der Welt), das hat dann meinen Beitrag im Forum ausgelöst. Heute geht's mir schon wieder besser, hab mir ganz viel Zeit für die Kids genommen, der mittlere hat Kindergarten geschwänzt, wir haben gemalt, Pellkartoffeln gekocht, über den Urlaub geredet...Mama sein kann auch so schön sein :smile:

Klingt vielleicht wieder nach Pippi Langstrumpf...Aber eines möchte ich schon noch dazu sagen: Das klingt vielleicht alles so lustig oder nach Luxusproblemen, für mich geht es aber um sehr ernste Fragen. Ich drohe, von den ganzen Ansprüchen, die andere und ich selbst an mich stellen zerrissen zu werden. Wenn ich versage, habe ich Angst vor einer Depression. (ich hatte in der letzten Schwangerschaft eine...) Es ist eben nicht so leicht, seine Grenzen zu akzeptieren. Ich glaube auch, dass man auch als Hausfrau glücklich werden kann - meine Mutter und meine Schweigermutter sind es - aber sie haben eben viele andere Interessen, die sie verfolgen, und über die sie sich auch definieren.

@Mandelbluete: Ich finde, was du schriebst ist sehr differenziert und bedenkenswert. Danke!

Liebe Grüße
Arivella

Arivella
29.07.2015, 13:20
Jeder dieser Wege hat seine Berechtigung, jeder führt zu einem glücklichen Leben, wenn man es will. Aber an der Weggabelung sitzen bleiben, zwei Schrittchen in eine Richtung und dann wieder zurück, das führt garantiert zu Unzufriedenheit. Nimm dir einen Nachmittag frei. Stell dir diese drei Wege in den nächsten fünf Jahren vor und fühl dich in sie hinein. Dann entscheide dich und gehe einen von ihnen konsequent weiter.

Danke, Cariad, deine Analyse trifft meine Probleme ganz gut, ich bin nicht gerade entschlussfreudig...Nur: das kann ich nicht an einem Nachmittag lösen. Ich denke da schon jahrelang drüber nach...eigentlich schon im ersten Jahr der Promotion. Ich dachte schon so oft, dass ich jetzt weiß was ich will, die Lösung hab usw. und dann kamen wieder Zweifel, ich hab alles wieder rückgängig gemacht, was ich schon (in Richtung Kinderbetreuung oder Ref) unternommen hatte. Übrigens hatte ich auch schon mal Kontakt zu einer Au Pair, hab mich dann aber doch letztendlich für keine entschieden, als die eine abgesagt hat...
liebe Grüße
Arivella

Cariad
29.07.2015, 13:25
Danke, Cariad, deine Analyse trifft meine Probleme ganz gut, ich bin nicht gerade entschlussfreudig...Nur: das kann ich nicht an einem Nachmittag lösen. Ich denke da schon jahrelang drüber nach...eigentlich schon im ersten Jahr der Promotion. Ich dachte schon so oft, dass ich jetzt weiß was ich will, die Lösung hab usw. und dann kamen wieder Zweifel, ich hab alles wieder rückgängig gemacht, was ich schon (in Richtung Kinderbetreuung oder Ref) unternommen hatte. Übrigens hatte ich auch schon mal Kontakt zu einer Au Pair, hab mich dann aber doch letztendlich für keine entschieden, als die eine abgesagt hat...
liebe Grüße
Arivella

Was würde dir helfen, eine Entscheidung zu treffen und dann dazu zu stehen? Was müsste passieren, damit du Sicherheit hast? :blume:

rotlilie
29.07.2015, 13:35
...Klingt vielleicht wieder nach Pippi Langstrumpf...Aber eines möchte ich schon noch dazu sagen: Das klingt vielleicht alles so lustig oder nach Luxusproblemen, für mich geht es aber um sehr ernste Fragen. Ich drohe, von den ganzen Ansprüchen, die andere und ich selbst an mich stellen zerrissen zu werden. Wenn ich versage, habe ich Angst vor einer Depression. (ich hatte in der letzten Schwangerschaft eine...) Es ist eben nicht so leicht, seine Grenzen zu akzeptieren. Ich glaube auch, dass man auch als Hausfrau glücklich werden kann - meine Mutter und meine Schweigermutter sind es - aber sie haben eben viele andere Interessen, die sie verfolgen, und über die sie sich auch definieren.

@Mandelbluete: Ich finde, was du schriebst ist sehr differenziert und bedenkenswert. Danke!

Liebe Grüße
Arivella

Ich denke, das ist dein Hauptproblem! Du hast dich nicht genügend von deinen Eltern abgenabelt, sehr jung eine Familie gegründet, Kinder bekommen. Es war immer jemand da, der dich aufgefangen hat, im Grunde musstest du nie selbständig handeln.
Jetzt geht es aber um dich und deine Entscheidung allein, dazu musst du aber in dich hineinhören und spüren was du willst.
Ich scheu mich nicht, obwohl du schon 3 Kinder in die Welt gesetzt hast: werde erwachsen!

Alle hier aufgeführten Möglichkeiten sind machbar, aber du musst die Entscheidung treffen, welche für dich am besten passt

Marta-Agata
29.07.2015, 13:56
Danke, Cariad, deine Analyse trifft meine Probleme ganz gut, ich bin nicht gerade entschlussfreudig...Nur: das kann ich nicht an einem Nachmittag lösen. Ich denke da schon jahrelang drüber nach... Ich dachte schon so oft, dass ich jetzt weiß was ich will, die Lösung hab usw. und dann kamen wieder Zweifel, ich hab alles wieder rückgängig gemacht, ...
Das ist der Nachteil davon, dass wir heute die Wahl haben - man ist dann auch "Schuld" und nicht davor gefeit, eventuell zu bereuen.

Aber vielleicht hilft, es auch mal umgekehrt zu betrachten: Alles auf einmal geht nicht, jeder Weg ist ein Kompromiss und hat Kosten, aber jeder Weg kann in ein glückliches Leben führen, wenn man sich dazu entschließt und dahinter steht. Und wenn man dann so einen Anflug von "Neid" oder "Reue" hat, dass es anders doch besser wäre - dann muss man sich nur klar machen, dass diejenigen, die einen anderen Weg gewählt haben, auch auf Dinge verzichten müssen.


Mal eine Anekdote:
Ich habe in meiner Promotionszeit mal am Samstag auf dem Weg in die Uni zwei Mütter aus der Nachbarschaft getroffen, die gerade unterwegs zum Spielplatz waren. Sie brachten schon zum Ausdruck, dass sie ein wenig neidisch sind, dass ich jetzt einfach so, ohne mir Gedanken zu machen, was meine Kinder machen, in die Uni fahren kann (wo ich wochentags auch war).
Und mir ging nur durch den Kopf "wenn ihr wüsstet, wie gerne ich jetzt mit meinen Kindern auf den Spielplatz gehen würde".
Das war für mich aber ok - wir hatten uns für unseren Weg entschieden, und da hilft es nichts, fortlaufend mit den Kosten davon zu hadern.

Inaktiver User
29.07.2015, 14:13
Mich wundert es nicht, dass in diesem Strang so oft von "Selbstverwirklichung" die Rede ist - denn das entspricht offensichtlich der Haltung von Arivella und ihrer kompletten Familie. Shade of the early sixties. ..


Wirklich erstaunlich für mich, dass die berufliche Eigenständigkeit der Frau hier nicht vorkommt bzw als Belastung gesehen wird.

Ich würde es wirklich gerne verstehen, vielleicht magst du es mir erklären:

Wo ist der Zusammenhang zwischen Promotion und beruflicher/wirtschaftlicher Eigenständigkeit?

Was ist dafür gewonnen, wenn die TE promoviert ist? Sie hat dadurch weder eine Berufsausbildung noch -Erfahrung noch den Berufseinstieg geschafft. Und das wird immer schwerer je älter sie wird.

Wäre da nicht das Referendariat vordringlicher??

Ich möchte mir einfach ungern hier eine rückständige Denke vorwerfen lassen, wenn ich die Promotion als Selbstverwirklichung bezeichne - genau weil ich eine abgeschlossene Berufsausbildung wichtig finde, die die Promotion aber eben nicht ist.

GwendolineBellamy
29.07.2015, 15:07
Ich sehe das ähnlich wie hilfskonstruktion:

Man muss hier klar unterscheiden zwischen einem ersten, zur Ausübung eines Berufes befähigenden (und nötigen) Ausbildungs- oder Studiengang und dem, was ich als "Sahnehäubchen" bezeichne, das ich draufsetzen kann, wenn die Umstände stimmen und auf das ich ggf. verzichten kann, ohne daß mir eine Berufsausübung unmöglich wird.

Sogar wenn eine Promotion (oder Weiterbildung oder Aufbaustudium) sogar in Zukunft theoretisch ein Pluspunkt im Lebenslauf wäre, bewerte ich sie in dem Kontext hier als Luxus. Niemand hat einen Deal mit der Welt, nach dem das möglich gemacht werden muss, weil man es gerne so möchte. Wenn die Umstände stimmen und die Familie unterstützen kann und will bzw. die finanziellen Ressourcen da sind, eine Diss durchzuziehen, hat man großes Glück. Aber erwarten, daß das Umfeld sich krummmacht für die Entscheidung, eines Menschen, auf einen Kuchen noch einen Sahneklecks setzen zu wollen, kann keiner.
Es gibt kein Recht auf Promotion.:smile:

Anders sähe es aus, wenn es darum ginge, jemanden beim Erlangen eines berufsbefähigenden Abschlusses zu unterstützen, hier in unserem Beispiel wäre das das Refrendariat.

phaden
29.07.2015, 15:09
Wirklich erstaunlich für mich, dass die berufliche Eigenständigkeit der Frau hier nicht vorkommt bzw als Belastung gesehen wird.Für mich eigentlich nicht, weil ich glaube, dass es hier um etwas anderes geht.
"Mom" vs berufstätige Mutter


Ich glaube auch, dass man auch als Hausfrau glücklich werden kann - meine Mutter und meine Schweigermutter sind es - aber sie haben eben viele andere Interessen, die sie verfolgen, und über die sie sich auch definieren. Natürlich kann man auch als Hausfrau und Mutter glücklich werden, es ist allein eine Frage des Vertrages, der Absicherung der Zukunft. Aber auf diese Frage antwortest Du einfach nicht.
Außer, dass Deine Ehe 100 % ig halten wird. Die Frage, wie Dein Mann Deine Zukunft sieht (denn Mom bleibt man nicht ewig), willst Du auch nicht beantworten.
Eine ehrenamtliche Tätigkeit ist genau das, was den Staat am glücklichsten macht. Es ist Arbeit ohne "Verdienst", es sei denn Du steigst in die Vorstände auf, da gibt es dann ordentlich "Aufwandsentschädigung". Dort kommt man aber nur hinein, wenn man einen Beruf hat (te) oder vielleicht einen Titel.


Was ist dafür gewonnen, wenn die TE promoviert ist? Sie hat dadurch weder eine Berufsausbildung noch -Erfahrung noch den Berufseinstieg geschafft. Und das wird immer schwerer je älter sie wird.

Wäre da nicht das Referendariat vordringlicher??Dem Referendariat ist sie aber nervlich nicht gewachsen. Sie kann diesen Job als Lehrerin nicht machen, das haben wir ja nun vernommen.
Wenn sie promoviert, hat sie noch andere Möglichkeiten, die ihr offen stehen. Sie kann sich einen Job suchen, bei dem sie nicht vor Kindern stehen muss, die ihre Nerven ruinieren.
Sie hätte ein abgeschlossenes Studium mit Promotion in der Tasche, sie könnte z.B. ehrenamtlich tätig sein und sich in Vorstände wählen lassen. Damit kann man Geld verdienen, wenn die Ehe doch noch schief geht und es weder Vermögen noch Ehevertrag gibt.

maryquitecontrary
29.07.2015, 15:14
@Hilfskonstruktion: da hast du mich missverstanden. Ich sehe auch keinen speziellen Zusammenhang zwischen der Promotion und beruflicher Eigenständigkeit.

Ich hatte anfänglich fälschlicherweise die Diss. als Möglichkeit zur geistigen Weiterarbeit (bitte jetzt nicht auf die Goldwaage legen, ich war alles in allem auch über sechs Jahre Zuhause arbeitend) während der Elternzeit aufgefasst.

Nein, mir geht es um die TE gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Herkunftsfamilie, die anscheinend das Konzept von "Mann wie Frau erarbeiten sich die Grundlagen für wirtschaftliche Selbständigkeit" - mal unabhängig von der Gestaltung der Kleinkindphase - gar nicht haben.

So dass die Ausbildung der Frau, durch frühe Schwangerschaft unterbrochen, nicht priorisiert wird und quasi zu ihrer alleinigen Aufgabe trotz gemeinsamer Kinder wird, zu einem nebulösen Zukunftsprojekt, und als Ersatz dafür die Diss. im Schneckentempo hochgehalten wird, ohne besonderen beruflichen Vorteil.

D a s ist für mich shades of the early sixties, und bei dieser Haltung (die ja die TE selbst hat) wird Ausbildung zur Selbstverwirklichung und geht auf Kosten der Kinder.

Arivella
29.07.2015, 15:45
Natürlich kann man auch als Hausfrau und Mutter glücklich werden, es ist allein eine Frage des Vertrages, der Absicherung der Zukunft. Aber auf diese Frage antwortest Du einfach nicht.
Außer, dass Deine Ehe 100 % ig halten wird. Die Frage, wie Dein Mann Deine Zukunft sieht (denn Mom bleibt man nicht ewig), willst Du auch nicht beantworten.

Also, einen Ehevertrag gibt es nicht, Rentenversicherung für mich aber schon, es gibt auch eine Versicherung für den Fall, dass mein Mann nicht mehr arbeiten kann und eine Lebensversicherung. Ich fühl mich da schon relativ abgesichert - aber meine Berufsausbildung möchte ich definitiv abschließen. Dann kann man ja immer noch sagen, man bleibt lieber daheim oder arbeitet nur stundenweise - die Möglichkeit ganz anzusteigen, wenn es wirklich nötig wird, ist dann jedenfalls gegeben.

Im Moment denke ich, dass ich vielleicht noch ein Jahr low-Level-mäßig weitermache an der Diss ohne mir zuviel Druck zu machen und dann das ganze erstmal auf Eis lege, um das Ref zu machen. Ich glaube, man wird immer ängstlicher, je länger man aus dieser ganze Mühle raus ist, das möchte ich wirklich vermeiden, dass die nicht beendete Diss da als Feigenblatt herhalten muss, dass ich das noch Jahre vor mir herschiebe. Das unterbrechen der Diss hat den großen Vorteil, dass ich mir noch alle Möglichkeiten offenhalte, wenn ich es denn bereuen sollte, das ganze abgebrochen zu haben (denn es hat mir teilweise ja auch ziemlich Spaß gemacht, vor allem, wenn was entstanden ist, wenn ich im Flow war und beim Schreiben vorwärts gekommen bin).

Was ich auf jeden Fall mache: Ich werde meinen kleinen Sohn in mehreren Kindergärten anmelden, nicht nur im Waldkindergarten. Es gibt zum Beispiel noch eine Kita in der Firma meines Mannes, da könnte er den kleinen morgens einfach mit zur Arbeit nehmen, und schon fällt morgens eine Belastung weg (das Nachmittags abholen müsste ich machen, was nur ginge, wenn ich Ref mache und meine Schulen dann in der Nähe wären);

Ich persönlich würde jedenfalls für das Ref doch bereits sein, mehr Abstriche beim Familienleben zu machen, als ich es für die Promotion bin, die eben wirklich nicht viel mehr als ein Sahnehäubchen ist. Wahrscheinlich ist es richtig, was hier schon mehrere geschrieben haben, dass es auch genau diese Einstellung ist, die bisher verhindert hat, dass wirklich was dabei rausgekommen ist (obwohl man auch das, was ich geschafft hab, vielleicht nicht zu negativ bewertet hab. Ich hab viel gelesen, andere geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen kennengelernt, es war eigentlich nochmal wie ein zweites Studium, das definitiv meinen Horizont erweitert hat, selbst wenn unterm Strich keine tolle Arbeit und ein schicker Titel (den ich wirklich nicht brauche!) rausgekommen ist. (Das mit den Vorständen der gemeinnützigen Organisationen wusste ich allerdings nicht, war der Vorschlag ernstgemeint...?)

taggecko
29.07.2015, 15:51
Warum willst Du denn low Level weitermachen, warum nicht mindestens Medium Level- da wäre dann der Unterschied zum High Level Referendariat nicht so groß?

Arivella
29.07.2015, 15:56
Die Frage, wie Dein Mann Deine Zukunft sieht (denn Mom bleibt man nicht ewig), willst Du auch nicht beantworten.

Dass ich darauf nicht geantwortet hab liegt daran, dass er sich da ziemlich raushält. Er sagt immer nur, dass er will, dass ich glücklich bin. Nur Abstriche bei seiner Stundenzahl möchte er nicht machen, dagegen wäre Haushaltshilfe kein Thema, wenn ich ins Ref geh. Schwierig ist, dass er häufig auf Dienstreise geht. Eine Karriere bei einer internationalen Firma hat definitiv ihren Preis. Diese Dienstreisen kommen oft sehr plötzlich und ich weiß nicht, wie ich das mit einer Berufstätigkeit vereinbaren soll, wenn nicht die Omas in die Bresche springen.

Arivella
29.07.2015, 16:03
Hallo taggecko,

Ok, da geb ich dir recht, aber medium Level kommt nur in Frage, wenn ich das organisiert krieg. Ich stand schon kurz davor, auf ein paar Tage Familienurlaub zu verzichten und dann mit dem Zug hinterher zu fahren, um das erste Kapitel doch noch fertigschreiben zu können, aber dann dacht ich mir, das ist es echt nicht wert. Die Zeit mit der Familie darf nur so viel beschnitten werden, dass es nicht wehtut. Vielleicht....könnte ich nochmal bei der Krippe an der Uni anrufen, aber die werden mir wahrscheinlich was husten ;-) Immerhin gibt es eine Freundin, die aus lauter Begeisterung für unseren Kleinen einmal in der Woche auf ihn aufpasst. Das ist ein Anfang. Mit meinem so absolut promotionsbegeisterten Vater könnt ich natürlich auch noch mal reden, er ist wirklich derjenige, der mir den meisten Druck macht, dass das wirklich was werden muss. Aber für medium Level muss ich auf jeden Fall erst den Glauben dran zurückkriegen, dass das Projekt was wird - und der ist nach meinem letzten Gespräch mit dem Doktorvater, der vieles irgendwie ganz anders sieht als ich, definitiv in Frage gestellt.

Liebe Grüße
Arivella

Inaktiver User
29.07.2015, 16:08
Dem Referendariat ist sie aber nervlich nicht gewachsen. Sie kann diesen Job als Lehrerin nicht machen, das haben wir ja nun vernommen.

Das war aber lange Zeit nicht die Aussage...



Wenn sie promoviert, hat sie noch andere Möglichkeiten, die ihr offen stehen.

Ist das so? Wartet die Welt auf eine promovierte Dreifachmutter Ü30 ohne Berufserfahrung?

Marta-Agata
29.07.2015, 16:10
Ok, da geb ich dir recht, aber medium Level kommt nur in Frage, wenn ich das organisiert krieg. Ich stand schon kurz davor, auf ein paar Tage Familienurlaub zu verzichten und dann mit dem Zug hinterher zu fahren, um das erste Kapitel doch noch fertigschreiben zu können, aber dann dacht ich mir, das ist es echt nicht wert. Die Zeit mit der Familie darf nur so viel beschnitten werden, dass es nicht wehtut.
Irgendwie ist die message noch nicht angekommen.
(Das bezieht sich jetzt nicht darauf, dass du unbedingt später in den Urlaub fahren solltest, obwohl ich das eine gute Idee fände - aber du suchst immer noch nach der "Lösung ohne Kosten". Die gibt es nicht - und solange du das nicht an dich herankommen lässt, wirst du unzufrieden bleiben).

Mit kommt "low-level" auch als die schlechteste aller Lösungen vor - es geht nicht voran, und du hast trotzdem zumindest innerlich Stress und kannst nicht die guten Seiten des Hausfrau-Daseins genießen. Ich würde für "entweder Pause oder medium-level" plädieren - und für das Referendariat in einem Jahr.

Arivella
29.07.2015, 16:12
So dass die Ausbildung der Frau, durch frühe Schwangerschaft unterbrochen, nicht priorisiert wird und quasi zu ihrer alleinigen Aufgabe trotz gemeinsamer Kinder wird, zu einem nebulösen Zukunftsprojekt, und als Ersatz dafür die Diss. im Schneckentempo hochgehalten wird, ohne besonderen beruflichen Vorteil.

D a s ist für mich shades of the early sixties, und bei dieser Haltung (die ja die TE selbst hat) wird Ausbildung zur Selbstverwirklichung und geht auf Kosten der Kinder.


Hallo maryquitecontrary!

Das ist brillant formuliert, das kann man auch so sehen, ich bin halt so geprägt worden und versuche mir eine eigene Sicht zu erarbeiten - denn auch die jetzige, "emanzipierte" Sicht, dass frau ihren weg geht und die Kinder müssen funktionieren, muss ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Jedenfalls gebe ich dir recht, dass die Planung der beruflichen Zukunft nicht den Status eines "nebulösen Zukunftsprojekts" haben sollte, sondern dass man das wirklich im Auge behalten und konkrete Schritte einleiten muss, um das zu verwirklichen. Nicht zuletzt die Doktorarbeit hat mich daran wohl auch gehindert, zusammen mit meiner aus deiner Sicht antiquierten Einstellung, was Kinder-Fremdbetreuung angeht, tatsächlich ernsthafte Schritte in diese Richtung zu unternehmen.

Inaktiver User
29.07.2015, 16:14
@Hilfskonstruktion: da hast du mich missverstanden. Ich sehe auch keinen speziellen Zusammenhang zwischen der Promotion und beruflicher Eigenständigkeit.

Ah ok! Danke für die Antwort.


Nein, mir geht es um die TE gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Herkunftsfamilie, die anscheinend das Konzept von "Mann wie Frau erarbeiten sich die Grundlagen für wirtschaftliche Selbständigkeit" - mal unabhängig von der Gestaltung der Kleinkindphase - gar nicht haben.

Ich hab den Plan, als nächsten Schritt über das Refendariat zu einer Lehrerstelle zu gelangen schon als solchen gewertet. Dass auch das nicht so wirklich gewollt scheint hat sich ja auch erst nach und nach gezeigt.

Das verwundert mich jetzt auch - als Selbstverwirklichung hab ich aber nur die Promotion gesehen, sicher nicht den Abschluß der Berufsausbildung und den Einstieg in den Job.

Als verbeamtete Lehrerin gäbe es ja sicherlich auch die Möglichkeit sich für die Promotion freistellen zu lassen, wenn z.B. die Kinder alle in der Schule sind. Dann ließe sich das sicher organisieren.

fritzi72
29.07.2015, 16:17
Dass ich darauf nicht geantwortet hab liegt daran, dass er sich da ziemlich raushält. Er sagt immer nur, dass er will, dass ich glücklich bin. Nur Abstriche bei seiner Stundenzahl möchte er nicht machen, dagegen wäre Haushaltshilfe kein Thema, wenn ich ins Ref geh. Schwierig ist, dass er häufig auf Dienstreise geht. Eine Karriere bei einer internationalen Firma hat definitiv ihren Preis. Diese Dienstreisen kommen oft sehr plötzlich und ich weiß nicht, wie ich das mit einer Berufstätigkeit vereinbaren soll, wenn nicht die Omas in die Bresche springen.

Vorweg: wenn Du zu Hause bleiben willst der Kinder wegen finde ich das völlig legitim.

ABER: so zu tun, als sei eine Arbeit mit drei Kindern ohne grosselternunterstützung mit beruflich eingespanntem Mann nicht möglich, halte ich für eine Ausrede.
Ist Dir bewusst, dass es sogar Alleinerziehende mit drei Kindern gibt, die arbeiten? Ohne Grosseltern vor Ort? Als Lehrerin zB ?

Inaktiver User
29.07.2015, 16:17
Diese Dienstreisen kommen oft sehr plötzlich und ich weiß nicht, wie ich das mit einer Berufstätigkeit vereinbaren soll, wenn nicht die Omas in die Bresche springen.

Ganz ehrlich: mach dich nicht abhängig von Omas. Ich würde ernsthaft über ein Au Pair nachdenken, das hat dann einfach eine andere Struktur.

Inaktiver User
29.07.2015, 16:18
Ist Dir bewusst, dass es sogar Alleinerziehende mit drei Kindern gibt, die arbeiten? Ohne Grosseltern vor Ort? Als Lehrerin zB ?

Oder auch nicht als Lehrerin. Aber auch mit Haus und Hund. :pfeifend:

Arivella
29.07.2015, 16:19
Hallo Marta-Agata,

Irgendwie ist die message noch nicht angekommen.
.
Doch, ist sie. Aber Familienurlaub ohne mich, auch nur für ein paar Tage, tut meinem Mann richtig weh. Macht man das, wenn man nicht absolut sicher ist, dass es ganz viel bringt? Und was bau ich mir dann für einen inneren Druck auf, das erste Kapitel in den paar Tagen fertig zu kriegen...Tage, die so teuer erkauft sind? Ich weiß nicht...aber ich denk nochmal drüber nach. Denn möglich wärs, dass ich den Urlaub viel mehr genießen kann, wenn da bei der Diss endlich der Knoten gelöst ist. (Laptop mitnehmen wär ein Kompromiss - der aber auch ziemlich schief egehn kann, mit chronisch schlechtem Gewissen, weil man doch nicht dazu kommt...)

Wie lang hast du denn für deine Promotion gebraucht? Hat es sich gelohnt? Wann würdest du jemandem eher zum Abbruch raten?

Liebe Grüße
Arivella

fritzi72
29.07.2015, 16:20
Oder auch nicht als Lehrerin. Aber auch mit Haus und Hund. :pfeifend:

Ohne Haushaltshilfe und Gärtner?*zwinker*

Sachen gibts....

Inaktiver User
29.07.2015, 16:22
Ohne Haushaltshilfe und Gärtner?*zwinker*

Sachen gibts....

Sogar noch ohne Unterhalt... - aber eben auch ohne Promotion. :engel:

Inaktiver User
29.07.2015, 16:24
Wann würdest du jemandem eher zum Abbruch raten?



Ganz ehrlich: ist das ein Abbruch - wenn du doch nach Jahren noch nicht mal ein Kapitel fertig hast? Du hast doch im Grunde gar nicht wirklich angefangen, oder?

Mandelbluete
29.07.2015, 16:32
Ich würde es wirklich gerne verstehen, vielleicht magst du es mir erklären:

Letztlich ist es doch egal, was es ist. Es kommt nur darauf an, was die TE und ihr Mann wollen, was beide gemeinsam tragen und wofür sie (die TE und TE und ihr Mann) bereit sind, die Konsequenzen zu tragen.

Arivella
29.07.2015, 16:33
ABER: so zu tun, als sei eine Arbeit mit drei Kindern ohne grosselternunterstützung mit beruflich eingespanntem Mann nicht möglich, halte ich für eine Ausrede.
Ist Dir bewusst, dass es sogar Alleinerziehende mit drei Kindern gibt, die arbeiten? Ohne Grosseltern vor Ort? Als Lehrerin zB ?
Hut ab vor solchen Powerfrauen! In manches kann man vielleicht reinwachsen. Ich hab auch eine Freundin, die alleinerziehend ist, und mir gesagt hat, dass all meine Probleme letztlich Luxusprobleme sind; sie hat drei Jobs, kann nicht studieren, weil sie dann nicht genug verdient, um das Leben für sich und ihre Tochter zu finanzieren und kommt nie vor 1 Uhr ins Bett.
Mir ist bewusst, dass viele sich alles im Leben sehr hart erarbeiten müssen, was mir mehr oder weniger in den Schoß gefallen ist. Trotzdem kann nicht jeder dasselbe leisten. Ich stell oft bei Frauen, denen das Leben wirklich nichts geschenkt hat eine große Härte und Verständnislosigkeit gegenüber denen fest, die nicht so viel leisten können - die darunter vielleicht zusammenbrechen würden.
Auch dieser Tipp: endlich erwachsen werden, ok, ich versteh ja, dass hier so was fällt, (wobei man mit drei Kindern natürlich nicht wirklich selbst Kind bleiben kann, sondern viel Verantwortung trägt), aber auch das ist nicht leicht umzusetzen. Ich kann ja nicht mit dem Finger schnippen und ein anderer Mensch sein. Und was heißt erwachsen: Entscheidungen, die man mal getroffen hat, durchziehen, auch wenn man immer mehr bezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war? Ist das erwachsener als abzubrechen, erst mal sein Leben neu zu sortieren und dann etwas neues (z.B. Ref) zu beginnen? Was es wirklich kritisch macht, ist diese latente Depressionsgefahr bei mir, sei der letzten SS hab ich dauernd Angst, dass das wiederkommt. Hat das was mit "erwachsen" sein zu tun, muss man sich einfach zusammenreißen und man wird nicht depressiv..?!?

Für mich heißt erwachsen sein evtl. auch, seine Grenzen auszuloten und zu akzeptieren, auch wenn das bedeutet, manche Projekte noch etwas zu verschieben oder abzubrechen.

Inaktiver User
29.07.2015, 16:35
Letztlich ist es doch egal, was es ist. Es kommt nur darauf an, was die TE und ihr Mann wollen, was beide gemeinsam tragen und wofür sie (die TE und TE und ihr Mann) bereit sind, die Konsequenzen zu tragen.

Hier wurde ja vehement über den Mann hergezogen - und dazu find ich schon sinnvoll zu differenzieren, ob er nach einer sicher harten Arbeitswoche am WE auch noch Kinder und Haushalt managen soll, weil seine Frau das Jodeldiplom machen will, damit sie "auch was eigenes hat" - oder ob es darum geht ihr den Berufseinstieg zu ermöglichen.

Arivella
29.07.2015, 16:40
Ganz ehrlich: ist das ein Abbruch - wenn du doch nach Jahren noch nicht mal ein Kapitel fertig hast? Du hast doch im Grunde gar nicht wirklich angefangen, oder?

Hallo Hilfskonstruktion,

das kann man so sehen, aber ich hab ja viel Zeit in das Lesen, in das ganze Konzept und in die Gliederung gesteckt. Ich hab bestimmt schon ingesamt über 250 Seiten geschrieben, mindestens 80 wieder verworfen, der Rest teilt sich auf in mein unfertiges erstes Kapitel (knapp 60 Seiten) und sehr viel Exzerpte. Das ist doch nicht nichts. Und es ist eine Kunst für sich, das immer nebenbei zu machen, obwohl man kleine Kinder rum sich rum hat. Ich hab beim Stillen, auf den Hundespaziergängen, beim Abholen vom Kindergarten über mein Thema nachgedacht. Insofern ist es schon ein Abbruch finde ich, denn auch, wenn es noch Probleme beim ersten Kapitel gibt, hab ich ja einen Fahrplan für das ganze, hab auch schon viel für die anderen Kapitel gelesen. Ich hab immer gedacht: Schaffst du das erste Kapitel (das das Schwierigste ist), schaffst du auch den Rest.

In einer Hinsicht hast du allerdings recht: Ich hab bewusst vermieden, dass es wirklich ein verbindliches Arrangement gibt. Ich hab zum Beispiel mein Exposé immer noch nicht eingereicht (obwohl es schon seit Monaten fertig ist). Bevor ich das abgebe, möchte ich mir sicher sein, dass ich das durchziehe - und das bin ich im Moment nicht.

rotlilie
29.07.2015, 16:46
...

Für mich heißt erwachsen sein evtl. auch, seine Grenzen auszuloten und zu akzeptieren, auch wenn das bedeutet, manche Projekte noch etwas zu verschieben oder abzubrechen.

Genau, Position bekennen, wo stehst du, deine Einstellung zu Frau als Mutter überdenken (Helikoptermutter fällt mir nicht ganz nett ein), loslassen lernen - von den Eltern und partiell von den Kindern-
Und für dich sorgen!

Marta-Agata
29.07.2015, 16:54
Wie lang hast du denn für deine Promotion gebraucht? Hat es sich gelohnt? Wann würdest du jemandem eher zum Abbruch raten?
Meine Situation damals ist nicht vergleichbar - denn erstens hatte ich eine Stelle und wir hatten Haus- und Erwerbsarbeit anders aufgeteilt und zweitens war die Promotion wichtig für meinen Berufsweg.
Für die Diss hatte ich bessere äußere Bedingungen als du - und trotzdem hat das so manches Wochenende gekostet, auf Kosten der Familie.

Und noch ein anderer Unterschied: Ich hatte keine Angst, den falschen Weg einzuschlagen - sondern war überzeugt davon, dass ich auf verschiedene Weisen glücklich werden kann - aber dass eben nicht alles geht.

Ich habe "Karriere gemacht", aber ich wäre auch als Hausfrau glücklich gewesen - wie es meine Mutter und eine meiner Schwestern war bzw. ist. Schwestern habe ich mehrere, und wir haben das alle anders gemacht - völlig ok.


Ich finde völlig ok, wenn du sagst, dass du nicht sooo viel Power hast wie manch andere Frau. Da ist sicher besser, mit den Kräften zu haushalten, als sich "gegen die Wand zu fahren" mit Konsequenzen auch für andere.
(Das rehabilitiert aber deine Mutter, die meint, ein Referendariat würdest du nicht durchstehen in der jetzigen Situation).

Ich finde auch völlig ok, wenn du sagst, du wollest nicht deinen Mann eine Woche alleine in Urlaub fahren lassen, oder wenn du sagst, dass der Sohn in den Waldkindergarten soll oder dass du berufstätig sein willst oder ... nur eben nicht alles auf einmal.
Wenn du deine Diss schreiben willst oder wenn du dein Referendariat machen willst - dann wird das Abstriche und Kompromisse erfordern, die dir und anderen "wehtun". Wenn du Hausfrau bleibst, dann hat das auch Kosten. DAS ist irgendwie noch nicht bei dir angekommen - aber ein Tag Bri kann da vermutlich auch keine Wunder wirken.


Wann ich zum Abbruch einer Diss. raten würde? Hauptvoraussetzung für eine Diss ist, dass jemand das wirklich will. Durststrecken gibt es immer - aber bei dir sehe ich tatsächlich mittlerweile, dass du die damit verbundenen Kosten und Konsequenzen nicht zu tragen (und ggf. auch durchzusetzen) bereit bist. Dass du zwar so irgendwie möchtest, aber nicht ausreichend WILLST.
Mehr so ein "wasch mich, aber mach mich nicht nass".
Wie eine schrieb: Du sitzt an der Weggabelung und schaust mal ein paar Schritte auf den einen Weg, bekommst Zweifel und drehst um, liebäugelst mit dem nächsten ... so kommst du aber nirgendswo hin, noch nicht einmal in ein glückliches und ausgefülltes Hausfrauenleben.


So ganz aktuell ist vielleicht wirklich Urlaub und Abstand mal am besten. Lass' das alles mal in dir sacken und gären.
Laptop mit in den Urlaub - da würde ich eher abraten.

Marta-Agata
29.07.2015, 16:57
Wie "schlimm" war denn das Gespräch mit dem Doktorvater?
Vermutlich hat er dir doch auch hilfreiche Hinweise gegeben - oder nicht?

Und wenn es beim ersten Kapitel einen Knoten gibt - manchmal hilft auch, stattdessen mal eine Version des dritten zu schreiben.

Marta-Agata
29.07.2015, 17:02
Noch ein Punkt:

Ich fand die Fragen "wo siehst du dich in 10 Jahren und wie kommst du dahin?" und "was bräuchtest du, um dich entscheiden zu können?" gut.

Arivella
29.07.2015, 17:07
Wie "schlimm" war denn das Gespräch mit dem Doktorvater?
Vermutlich hat er dir doch auch hilfreiche Hinweise gegeben - oder nicht?

Und wenn es beim ersten Kapitel einen Knoten gibt - manchmal hilft auch, stattdessen mal eine Version des dritten zu schreiben.

Ja, er hat mir das gesagt, was er mir so ähnlich schon öfter gesagt hat, ich versuch das halt im Hinterkopf zu behalten, aber er sieht eben vieles ganz anders als ich oder vielleicht reden wir auch aneinander vorbei. Ich glaube, es könnte sehr hilfreich sein, wenn er mein erstes Kapitel liest - dann sollte endlich deutlich werden, warum ich bestimmte Dinge anders sehe als er und ich kann ihn hoffentlich überzeugen. Aber mein eigener Flow ist dann immer total ausgebremst, als ob er mir - wenn auch höflich und freundlich - einen Knüppel vor die Füße geworfen hätte. Wenn ich wenigstens wüsste, dass er recht hat mit seinen Einwänden, aber in dem Bereich kennt er sich nicht so gut aus, das ist überhaupt nicht sein Spezialgebiet...

fritzi72
29.07.2015, 17:08
Sogar noch ohne Unterhalt... - aber eben auch ohne Promotion. :engel:

:blumengabe:



Hut ab vor solchen Powerfrauen! In manches kann man vielleicht reinwachsen. Ich hab auch eine Freundin, die alleinerziehend ist, und mir gesagt hat, dass all meine Probleme letztlich Luxusprobleme sind; sie hat drei Jobs, kann nicht studieren, weil sie dann nicht genug verdient, um das Leben für sich und ihre Tochter zu finanzieren und kommt nie vor 1 Uhr ins Bett.
Mir ist bewusst, dass viele sich alles im Leben sehr hart erarbeiten müssen, was mir mehr oder weniger in den Schoß gefallen ist. Trotzdem kann nicht jeder dasselbe leisten. Ich stell oft bei Frauen, denen das Leben wirklich nichts geschenkt hat eine große Härte und Verständnislosigkeit gegenüber denen fest, die nicht so viel leisten können - die darunter vielleicht zusammenbrechen würden.
Auch dieser Tipp: endlich erwachsen werden, ok, ich versteh ja, dass hier so was fällt, (wobei man mit drei Kindern natürlich nicht wirklich selbst Kind bleiben kann, sondern viel Verantwortung trägt), aber auch das ist nicht leicht umzusetzen. Ich kann ja nicht mit dem Finger schnippen und ein anderer Mensch sein. Und was heißt erwachsen: Entscheidungen, die man mal getroffen hat, durchziehen, auch wenn man immer mehr bezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war? Ist das erwachsener als abzubrechen, erst mal sein Leben neu zu sortieren und dann etwas neues (z.B. Ref) zu beginnen? Was es wirklich kritisch macht, ist diese latente Depressionsgefahr bei mir, sei der letzten SS hab ich dauernd Angst, dass das wiederkommt. Hat das was mit "erwachsen" sein zu tun, muss man sich einfach zusammenreißen und man wird nicht depressiv..?!?

Für mich heißt erwachsen sein evtl. auch, seine Grenzen auszuloten und zu akzeptieren, auch wenn das bedeutet, manche Projekte noch etwas zu verschieben oder abzubrechen.

Natürlich gehört zum Erwachsensein das Ausloten der eigenen Kräfte und Ressourcen dazu und ist sehr wichtig.

Trotzdem finde ich, dass es einen noch nicht zur Powerfrau macht, drei Kinder zu haben und zu arbeiten.
Zumindest sehe ich mich, obwohl ich die Voraussetzungen erfülle, nicht als Powerfrau und so ungewöhnlich ist es auch nicht.

Wie gesagt, wenn es Dir zu viel ist, ist es gut, wenn Du es erkennst und Dich danach richtest.

Mich stört aber, dass Du so formulierst, als sei Arbeiten und drei Kinder zu haben nur unter besonders günstigen Bedingungen oder eben für Powerfrauen unter grossen Entbehrungen möglich (wie im Beispiel deiner alleinerziehenden Freundin) oder aus reiner finanzieller Not.

Für viele Frauen ist es einfach Normalität.

Arivella
29.07.2015, 17:10
Noch ein Punkt:

Ich fand die Fragen "wo siehst du dich in 10 Jahren und wie kommst du dahin?" und "was bräuchtest du, um dich entscheiden zu können?" gut.
Ja, stimmt, danke, dass du mir diese Fragen noch mal in Erinnerung gerufen hast, dieser Strang ist jetzt schon so lang...Vielleicht denke ich da im Urlaub mal drüber nach. Ich kann jetzt keine Antwort aus dem Ärmel schütteln. Die zweite Frage macht mich dabei übrigens noch ratloser als die erste. Ich müsste mir halt sicher sein - über längere Zeit hinweg. Und daran hapert es bisher.

Marta-Agata
29.07.2015, 17:17
Ich müsste mir halt sicher sein - über längere Zeit hinweg. Und daran hapert es bisher.
Vielleicht musst du das gar nicht? Vielleicht kannst du dir auch klar machen, dass jede Entscheidung besser ist als keine Entscheidung innerhalb der nächsten zwei Jahre? Und auch, dass auf jedem Weg das Gras da drüben mal grüner erscheint?

Noch eine Idee: Könntest du dich mal etwas coachen lassen? Oder noch einmal einige Stunden mit deiner Therapeutin haben (kann man auch selbst bezahlen)?

phaden
29.07.2015, 17:18
(Das mit den Vorständen der gemeinnützigen Organisationen wusste ich allerdings nicht, war der Vorschlag ernstgemeint...?)Nein.

Dass ich darauf nicht geantwortet hab liegt daran, dass er sich da ziemlich raushält. Er sagt immer nur, dass er will, dass ich glücklich bin. Das dachte ich mir schon.
Der Gatte hält sich daraus. Und wenn am Ende der Ehe nachgefragt wird, wie es mit der Versorgung der nicht berufstätigen Gattin aussieht, dann heißt es, die Gattin wollte es doch so.
Am besten man(n) sagt gar nichts dazu, dann sagt man auch nichts falsches.
Wenn er will, dass Du glücklich bist, dann mache ihm den Vorschlag, dass Du Vollzeitmom sein möchtest, ihm gern den Rücken freihältst, aber Du mit ihm einen Ehevertrag abschließen möchtest, in dem Deinen Versorgung im Falle der Eheauflösung geregelt wird. Und nicht vergessen, damit zum Notar zu gehen!


Ist das so? Wartet die Welt auf eine promovierte Dreifachmutter Ü30 ohne Berufserfahrung?
Auf keinen Fall, die Welt möchte eine Dreifachmutter ohne Berufserfahrung und ohne Doktortitel. Die kann man besser in den Leichtlohngruppen unterbringen, sie viel arbeiten lassen für wenig Geld und Rente kann die Welt auch noch sparen.
Mit Doktortitel ist es schwieriger einen Job zu bekommen, da droht die Überqualifizierung. Aber es wäre im Falle eines Falles auch schwierigen für den Gatten, sich dem Unterhalt zu entziehen.
Sollte die Ehe Bestand haben, der Gatte gut verdienen, alle keine Sorgen leiden, könnte die Gattin ü 30 oder ü 40 sich etwas Interessantes suchen und müsste sich nicht vor ätzenden Schulklassen zum Affen machen lassen.
Ohne Titel allerdings bleibt ihr dann nur noch die ehrenamtliche Arbeit. Auch sehr beliebt.

Arivella
29.07.2015, 17:18
Hallo Fritzi72

Was ich geschrieben habe, bezog sich speziell auf Alleinerziehende mit drei Kindern. Das finde ich schon eine krasse Leistung, überhaupt schon, alleinerziehend zu sein und drei Kinder zu haben. Ich gebe dir aber recht, dass das was anderes ist, wenn man in einer Partnerschaft lebt - dann kommt es aber auf das Alter der Kinder an. Für mich ist es aber noch nicht Normalität - ich kenne jetzt sehr gut den Alltag mit Kindern, aber den Alltag einer Berufstätigen mit Kindern noch nicht. Noch flößt mir das ziemlich Respekt ein, und wenn manche schreiben, ich werde das nicht hinkriegen, macht es das nicht besser...aber vielleicht ist ganz gut, sich das ins Gedächtnis zu rufen, dass das durchaus normal ist - was ja auch immer heißt: man muss kein Übermensch sein, um das hinzukriegen...

Viele Grüße
Arivella

Promethea71
29.07.2015, 17:19
Erwachsen sein hat sicher nichts damit zu tun, ob man Kinder hat oder nicht.
Erwachsen sein heißt für mich "ich weiß was ich nicht will, ich weiß was ich will und ich weiß ich ich das bekomme".

Das ist natürlich verkürzt, aber es beinhaltet für mich eben auch, ich weiß was ich will und das kann ich auch klar vertreten.
Während du wie ein Fähnlein im Wind immer wieder schwankst und vieles total halbherzig machst.
Alle Bereiche leiden letztlich darunter, dass du - nach deiner Schilderung - nichts mit vollem Herzen und voller Begeisterung machst.


Den Laptop würde ich zuhause lassen und auch im Urlaub hier nicht lesen und schreiben - aber vielleicht den Strang ausdrucken und mit ein paar Tagen Abstand nochmal lesen.

Auch das was man selbst geschrieben hat, sieht man oft mit ein bisschen Abstand nochmal mit anderen Augen - insbesondere wenn man vergleicht, was andere aus den Worten gelesen haben.
Solange du hier schreibst, hast du nicht immer den notwendigen Abstand und so ein Strang verzettelt sich dann manchmal gerne in Einzelproblemen.



Du musst für dich entscheiden, was für ein Leben du führen willst und ob du es so sehr willst, dass du dafür auch einstehst.
Scheitern ist völlig in Ordnung, nur dieses Gezaudere, ständige Umentscheiden und Flattern, das macht dich unglücklich.

Mandelbluete
29.07.2015, 17:22
Hallo,


Ich stand schon kurz davor, auf ein paar Tage Familienurlaub zu verzichten und dann mit dem Zug hinterher zu fahren, um das erste Kapitel doch noch fertigschreiben zu können, aber dann dacht ich mir, das ist es echt nicht wert. Die Zeit mit der Familie darf nur so viel beschnitten werden, dass es nicht wehtut.


Irgendwie ist die message noch nicht angekommen.
(Das bezieht sich jetzt nicht darauf, dass du unbedingt später in den Urlaub fahren solltest, obwohl ich das eine gute Idee fände - aber du suchst immer noch nach der "Lösung ohne Kosten". Die gibt es nicht - und solange du das nicht an dich herankommen lässt, wirst du unzufrieden bleiben).

es gibt keine Veränderung (in Richtung Promotion oder Referendariat) ohne Veränderung (bei der Familienzeit). Ihr müsst entscheiden wieviel und welche Veränderung Ihr zu akzeptieren bereit seid.

Ob das nun der teilweise oder komplette Verzicht auf gemeinsamen Urlaub ist, Arbeit abends oder nachts oder am Wochenende, ...

Mandelblüte

Mandelbluete
29.07.2015, 17:34
Dass ich darauf nicht geantwortet hab liegt daran, dass er sich da ziemlich raushält. Er sagt immer nur, dass er will, dass ich glücklich bin.

Der Begriff "Raushalten" ist interpretationsfähig. Heisst es, dass Du machen kannst, was Du möchtest und er nur bereit ist, eine Haushaltshilfe zu bezahlen? Damit würde er es sich recht einfach machen. Oder heisst es, dass er Dich bei dem, was Du tust, weitergehend unterstützt und mehr für die Kinder und den Haushalt macht, Dir den Rücken freihält, wenn Du abends oder am Wochenende arbeitest etc.?

Historia02
29.07.2015, 18:04
Nur Abstriche bei seiner Stundenzahl möchte er nicht machen, dagegen wäre Haushaltshilfe kein Thema, wenn ich ins Ref geh. Schwierig ist, dass er häufig auf Dienstreise geht. Eine Karriere bei einer internationalen Firma hat definitiv ihren Preis. Diese Dienstreisen kommen oft sehr plötzlich und ich weiß nicht, wie ich das mit einer Berufstätigkeit vereinbaren soll, wenn nicht die Omas in die Bresche springen.

Das ist wirklich eine blöde Situation.

Wie bringt er sich denn im Moment ein? Wenn die Kinder krank sind, bleibst du daheim, oder?



Hallo Hilfskonstruktion,

das kann man so sehen, aber ich hab ja viel Zeit in das Lesen, in das ganze Konzept und in die Gliederung gesteckt. Ich hab bestimmt schon ingesamt über 250 Seiten geschrieben, mindestens 80 wieder verworfen, der Rest teilt sich auf in mein unfertiges erstes Kapitel (knapp 60 Seiten) und sehr viel Exzerpte. Das ist doch nicht nichts. Und es ist eine Kunst für sich, das immer nebenbei zu machen, obwohl man kleine Kinder rum sich rum hat. Ich hab beim Stillen, auf den Hundespaziergängen, beim Abholen vom Kindergarten über mein Thema nachgedacht. Insofern ist es schon ein Abbruch finde ich, denn auch, wenn es noch Probleme beim ersten Kapitel gibt, hab ich ja einen Fahrplan für das ganze, hab auch schon viel für die anderen Kapitel gelesen. Ich hab immer gedacht: Schaffst du das erste Kapitel (das das Schwierigste ist), schaffst du auch den Rest.

Wow, das ist ja dann doch schon einiges! :allesok:

Eigentlich wirft dich doch jetzt das Gespräch mit dem Doktorvater so zurück, oder? Wenn er gesagt hätte: "Super, Frau Arivella, Sie sind auf einem guten Weg!", ginge es dann jetzt leichter voran?

Marta-Agata
29.07.2015, 18:08
Wie bringt er sich denn im Moment ein? Wenn die Kinder krank sind, bleibst du daheim, oder?
Sie bleibt nicht daheim - sie ist doch sowieso mit dem jüngsten daheim.

Inaktiver User
29.07.2015, 18:10
Wow, das ist ja dann doch schon einiges! :allesok:


Ja, seh ich (jetzt) auch so!

Arivella
29.07.2015, 18:34
Der Begriff "Raushalten" ist interpretationsfähig. Heisst es, dass Du machen kannst, was Du möchtest und er nur bereit ist, eine Haushaltshilfe zu bezahlen? Damit würde er es sich recht einfach machen. Oder heisst es, dass er Dich bei dem, was Du tust, weitergehend unterstützt und mehr für die Kinder und den Haushalt macht, Dir den Rücken freihält, wenn Du abends oder am Wochenende arbeitest etc.?

Er ist bereit, mich in jeder Hinsicht zu unterstützen, aber es ihm halt manchmal auch alles etwas viel (mit raushalten hatte ich das inhaltliche gemeint), da muss man dann eher immer spontan sehen, was geht. Wenn er sagt, geh an die Uni, aber die Kinder anmotzt oder sogar anbrüllt, dann ist das für mich immer so ein Zeichen, dass es ihm eigentlich zu viel ist gerade. Er ist aber jemand, der das nicht so sagt, ich muss das selbst merken, sonst bricht der mir am Ende zusammen. Was gar nicht geht ist terminliche Abmachungen. Wir hatten eine Zeit lang die Idee, dass er Freitags früher Schluss macht und ich dann noch zur Uni kann und ein paar Bücher ausleihen fürs WE. Das hat dann in einem halben Jahr einmal geklappt...

Arivella
29.07.2015, 18:36
Eigentlich wirft dich doch jetzt das Gespräch mit dem Doktorvater so zurück, oder? Wenn er gesagt hätte: "Super, Frau Arivella, Sie sind auf einem guten Weg!", ginge es dann jetzt leichter voran?

Ja. Vermutlich. Und so kommen dann eben die eine Zeit lang unterdrückten grundsätzlichen Zweifel am ganzen Projekt wieder hoch...:niedergeschmettert:

Arivella
29.07.2015, 18:38
Vielleicht musst du das gar nicht? Vielleicht kannst du dir auch klar machen, dass jede Entscheidung besser ist als keine Entscheidung innerhalb der nächsten zwei Jahre? Und auch, dass auf jedem Weg das Gras da drüben mal grüner erscheint?

Noch eine Idee: Könntest du dich mal etwas coachen lassen? Oder noch einmal einige Stunden mit deiner Therapeutin haben (kann man auch selbst bezahlen)?

Danke für den Tipp. Ich hab da auch schon dran gedacht. Und das mit dem Gras stimmt natürlich auch...

Inaktiver User
29.07.2015, 18:57
Ist mit schon klar warum deine Familie sich darin bestärkt deine Promotion weiter zu machen und dir das refendariat ausreden will.

Marta-Agata
29.07.2015, 18:59
Ich sehe es wie hilfskonstruktion und finde, dass Arivellas Mann schon eine Menge leistet, wenn er alleine das Einkommen für fünf Personen und Haus und Hund ranschafft. Und ich sehe bei ihm auch wirklich nicht das Problem.

Trotzdem musste ich bei dem Posting eben tief durchatmen. Einmal wegen Arivella, einmal wegen ihm.

Arivella, motzt du die Kinder nie an? Bleibt dein Mann morgens zuhause, wenn dir gerade alles zuviel wird?
Meinst du, dein Mann kommt mit den Kindern nicht zurecht?
Das Zauberwort heißt "loslassen".
Wenn du nicht da bist, kommen die miteinander zurecht - heiliges Indianerehrenwort.

Dass keine Terminabsprachen möglich sind - das sehe ich schon kritischer bei ihm. Meist müsste er sich die Arbeit doch so einteilen können, dass er tatsächlich einen Tag "früher" (was immer das genau heißt) kommen kann. Wenn es allerdings wirklich nur darum geht, Bücher auszuleihen - dann kann das jüngste Kind doch mitkommen und du gehst mal unter der Woche morgens. Dafür muss er doch nicht früher kommen.

Arivella
29.07.2015, 19:52
"Wenn es allerdings wirklich nur darum geht, Bücher auszuleihen - dann kann das jüngste Kind doch mitkommen und du gehst mal unter der Woche morgens. Dafür muss er doch nicht früher kommen.
Leider geht Wochenendleihe halt erst ab Freitagnachmittag los. Und nein, mit dem kleinen in der Bib ist es leider eine Katastrophe (Stichwort: Bücher aus Regalen reißen...) ;-)

Was das Motzen angeht: Es stimmt schon, dass es dann meistens doch gut geht und dass es vielleicht zum Teil mein Problem ist, dass ich schwer abgeben kann. Aber es stimmt auch, dass mein Mann NIE nein sagt, auch wenn er kurz vorm Umfallen ist.

Arivella
29.07.2015, 19:58
Ist mit schon klar warum deine Familie sich darin bestärkt deine Promotion weiter zu machen und dir das refendariat ausreden will.

Liebe Irma,
Ist das Sarkasmus oder ernst gemeint? Warum ist es dir "schon klar"? Bitte keine Andeutungen, vielsagende oder als ironisch-sarkastisch interpretierbare Äußerungen, aber gern deine offene und ehrliche Meinung.
Viele Grüße,
Arivella

Marta-Agata
29.07.2015, 20:03
Ich habe irma so interpretiert, dass sie sich darauf bezieht, dass dein Mann noch nicht einmal die Zusage freitags so früh nach Hause zu kommen, dass du noch zur Wochenendeausleihe kannst, einhält - und sich das in der derzeitigen Situation eben "leisten kann".

Isa74
29.07.2015, 20:13
Bei allen berechtigten Kommentaren hier wie wichtig gerade heutzutage die Berufstätigkeit von Frauen ist, sollte man doch nicht zu hart über Arivellas bisherigen Weg urteilen, finde ich. Arivella, du hast doch auch ganz schön was erreicht bisher: Ein Studium mit Kind bis zum abgeschlossenen (und guten) Examen, eine funktionierende Ehe, und vor allem drei Kinder bisher gut ins Leben begleitet. Das ist nicht nichts!
Machen wir uns nichts vor: Das Ref mit drei Kindern zu stemmen wird richtig, richtig hart und stressig. Da werden alle (!) Abstriche machen müssen. Und wenn die TE dann nicht dahintersteht, wird sie ihre Interessen nicht durchsetzen können. Es kann aber klappen! (Gut, ich hätte es mir bei mir nicht vorstellen können, aber ich wollte auch keine Kinder, und vielleicht setzt man mit Kindern auch ganz andere Prioritäten und konzentriert sich aufs Wesentliche.)

Dass deine Eltern mit der jetzigen Situation gut klarkommen, wenn nicht gesagt zufrieden sind, wird jetzt ziemlich deutlich. Du bist aber nicht da, um dein Leben so zu führen wie deine Eltern es für richtig halten! Meine Eltern haben es auch nie verwinden können, dass ich Lehrerin bin. Ich hätte etwas ganz anderes studieren sollen, und wenn das schon nicht, dann zumindest den Doktor machen. Wollte ich aber nicht, denn mir war es wichtiger in den Beruf zu kommen und vor allem unabhängig und selbstständig zu sein. Wenn man dahintersteht kann man seine Lebensentscheidungen auch selbstbewusst vertreten, und irgendwann ist es einem egal, ob Eltern (oder andere) es gut und richtig finden oder nicht.

Mandelbluete
29.07.2015, 20:17
Für alle um Dich herum scheint die Situation doch genau richtig zu sein:

Dein Mann hat drei Kinder und eine Frau, die ihm den Rücken freihält.

Deine Eltern haben eine Tochter, die drei (hoffentlich :-)) wohlgeratene Kinder und einen erfolgreichen Ehemann hat und ihrer Promotion nachgeht.

Deine Kinder haben eine Mutter, die immer da ist und Zeit hat.

Wenn Du nun etwas änderst, änderst Du auch die Situation der Menschen um Dich herum. Die davon nicht unbedingt hellauf begeistert sein werden.

Hast Du ein wenig Angst, dass Du eher auf Bedenken stoßen wirst denn auf tatkräftige Unterstützung? Und darum in gewisser Weise um die Veränderung wirst kämpfen müssen?

Reduktion
29.07.2015, 20:26
Hallo. Ich hab kind1 zu Beginn des Studiums und Kind 2 am Ende des Studiums bekommen. Bei mir hatte das den Effekt, dass ich extrem darauf bedacht war im Beruf Fuß zu fassen. Viele Praktika, studentische Hilfskraft uä. Ich fühlte mich dadurch viel mehr angetrieben, weil ich mich im Nachteil zu den kinderlosen sah. Deine Situation, Anfang 30, top Examen, aber keine Berufserfahrung war immer mein Schreckensszenario. Genau aus diesem Grund hab ich mich auch gegen eine Diss entschieden - ich dachte, dann steh ich vier Jahre später genau so da, bloß noch höher qualifiziert, aber ohne Berufserfahrung nach dem Studium.

Aber vielleicht ist das bei Lehrern auch anders? Ich meine den verzögerten Berufseinstieg. Weiß da jemand was?

Und: was genau ist denn jetzt an dem ref so stressig? das klingt ja mega schlimm. Es geht doch ums unterrichten, oder? Sorry, will hier niemandem auf den Schlips treten.

Ps: schreibe vom Handy aus, sry für tippfehler

maryquitecontrary
29.07.2015, 20:29
...die jetzige, "emanzipierte" Sicht, dass frau ihren weg geht und die Kinder müssen funktionieren, muss ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein...

Ich weiß nicht, ob das von dir Postulierte tatsächlich die jetzige "emanzipierte" Sicht ist - ich betrachte mich als emanzipiert und sehe es nicht so.

Aber zwischen dem Postulat und eurem Modell gibt es noch mehr unter dem Himmel.

Und für mich liegt der Hauptunterschied darin
- dass Mann und Frau sich gemeinsam für die beste Lösung für alle Beteiligten zusammen einsetzen
-dass man zum Beispiel Ziele zeitlich versetzt anstrebt, damit die Kinder gut versorgt sind
-dass die Kinder einen guten Platz im Familienmodell haben
-dass die Bewertung durch die eigenen Eltern sehr, sehr nachrangig ist
-dass die Arbeit des Mannes nicht wichtiger ist als die der Frau
-dass die Arbeit in der Familie wertgeschätzt wird.


Euer Modell hakt ja daran, scheint mir, dass du als Mutter für alles zuständig bist und auch deinen Mann da nicht als gleichwertig akzeptierst (was für ihn klare Vorteile hat), reines Hausfrausein aber nicht genug ist für deinen Vater, und dass du deine Bedürfnisse und die der anderen nicht so genau sortiert bekommst.

Plus immer das Optimum angestrebt wird für alle, nur nicht für dich.

Inaktiver User
29.07.2015, 20:32
Und für mich liegt der Hauptunterschied darin
- dass Mann und Frau sich gemeinsam für die beste Lösung für alle Beteiligten zusammen einsetzen
-dass man zum Beispiel Ziele zeitlich versetzt anstrebt, damit die Kinder gut versorgt sind
-dass die Kinder einen guten Platz im Familienmodell haben
-dass die Bewertung durch die eigenen Eltern sehr, sehr nachrangig ist
-dass die Arbeit des Mannes nicht wichtiger ist als die der Frau
-dass die Arbeit in der Familie wertgeschätzt wird.


Ich will ja nicht langweilen, aber ich finde schon, dass das auch ein wichtiger Punkt ist:
- dass man dafür auch gewisse Abstriche beim Lebensstandard akzeptiert

Anders wird es nämlich nicht funktionieren, und das seh ich hier schon als Knackpunkt: dass es ohne das hohe volle Gehalt des Mannes gar nicht möglich wär so zu leben. Und schon sitzt man da in der Falle und gibt viel Flexibilität auf.

Mandelbluete
29.07.2015, 20:45
Und: was genau ist denn jetzt an dem ref so stressig? das klingt ja mega schlimm. Es geht doch ums unterrichten, oder? Sorry, will hier niemandem auf den Schlips treten.

Dazu kann sicher der eine oder andere Lehrer hier etwas sagen. Obwohl es etwas ganz anderes ist und nur den Namen gemeinsam hat, kann ich zum Rechtsreferendariat rückblickend sagen, dass es nicht stressig war, die, die es machen, aber gerne erzählen, wie furchtbar anstrengend doch gerade alles sei.

Ob nun Lehramts- oder Rechtsreferendariat: man ist ziemlich frei und erbringt nicht 40 Stunden Leistung pro Woche an einem festgelegten Arbeitsort zu festgelegten Zeiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass die von uns, die Kinder hatten, geklagt hätten (allerdings hatte auch niemand drei Kinder).

Isa74
29.07.2015, 20:50
Den Stressfaktor im Ref beurteilt natürlich jeder unterschiedlich. Es kommt auch auf die Umstände an. Ich musste zum Beispiel zwei Jahre lang pendeln (1 bis 1,5 h einfache Strecke). Morgens ist man in der Schule und unterricht selbst oder hat Ausbildungsunterricht. Und nachmittags finden die Seminare statt. Ich hatte das Pech, dass ich an drei Wochentagen sehr spät Seminar hatte und war dann manchmal nicht vor 20h zu Hause. (Und dann war noch kein Unterricht vorbereitet, denn die Schulen sind oft nicht so ausgestattet, dass man alles dort erledigen könnte. Zumal Fachleiter und manchmal auch Fachlehrer "Zauberstunden" erwarten, die man so im normalen Schulalltag nie halten könnte oder wird.)
Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass sehr viel Zeit in die Unterrichtsvorbereitung investiert werden muss. Man muss sich mit Schulbüchern, Lehrermaterialien, Lehrplänen, Curricula, Verwaltungskram etc. auseinandersetzen, was eben alles noch neu und keine Routine ist. Dazu kommt, dass manche Fachleiter bei ihren Unterrichtsbesuchen zum Teil Maßstäbe anlegen, denen manchmal kein gestandener Lehrer gerecht werden könnte, geschweige denn ein Berufsanfänger. Aber da gibt es Unterschiede und es kommt darauf an, auf wen man trifft.
Man muss auch vielen unterschiedlichen Seiten gerecht werden: Schülern, Kollegen, Fachleitern, Ausbildungslehrern, Eltern, und auch mit den anderen Referendarskollegen sollte man klarkommen. Nicht vergessen sollte man den Schulleiter, denn sein Gutachten zählt am Ende sehr viel! A propos Gutachten: Es wird für ein gutes bis sehr gutes Schulleitergutachten auch erwartet, dass man sich zusätzlich an der Schule engagiert: Also z.B. eine AG anbietet, Ausflüge und Klassenfahrten begleitet, für den Tag der Offenen Tür etwas organisiert etc. (Natürlich alles zusätzlich und unentgeldlich.)
Dazu kommt, dass man sich in Didaktik, Methodik und Pädagogik fit machen sollte, was die gängigsten Theorien anbetrifft. Ist später wichtig im Examen, und auch wenn es um Gespräche mit den Seminarleitern geht.
Das wäre es erst mal grob, aber mir fällt sicher noch was ein.;-)

Allerdings halte ich es durchaus für wahrscheinlich, dass die TE aufgrund ihrer familiären Situation eine Schule in unmittelbarer Wohnortnähe zugewiesen bekommen würde. Das würde vieles erleichtern.

maryquitecontrary
29.07.2015, 20:50
@Hilfskonstruktion: ja, ich hatte schon überlegt, den explizit mit reinzuschreiben.


Ich meine aber ohnehin, dass in einer Familie zu leben Kompromisse mit einschließt, und aus denen gilt es eine gute Balance zu finden.

Ich kann es nicht schlimm finden, wenn beide Eltern mal eine Zeit zurückstecken, wenn die Kinder auch in einem gewissen Umfang außerhalb der Familie betreut werden, wenn man keinen Hund haben kann (wobei ich den selbst wirklich gerne hätte, aber ich bin zu viele Stunden von Zuhause weg), wenn die Kinder auch mal hören, Mama arbeitet, sie kann jetzt nicht kommen, aber ich (ich, Papa z.b.) bin ja da.

Ich meine auch, dass alle wachsen an solchen Kompromissen - wenn sie angemessen sind (vor allem, was die Kinder angeht).

Auch Kinder können hineinwachsen in die Sachlage, dass Mamas und Papas Berufe haben. Dass sie die Brötchen verdienen müssen. Dass die Bedürfnisse der Kinder wichtig sind, aber dennoch manchmal andere Sachen vorgehen. (Ich befinde mich gerade auf deutschem Boden und betreibe Feldstudien an Familien in freier Wildbahn. Kreisend um die Prinzlein, deren Belange laut in die Welt posaunend, weil doch zweifelsohne gerade hier der Nabel der Welt heranwächst. Nicht gut, das).

Inaktiver User
29.07.2015, 20:52
Ob nun Lehramts- oder Rechtsreferendariat: man ist ziemlich frei und erbringt nicht 40 Stunden Leistung pro Woche an einem festgelegten Arbeitsort zu festgelegten Zeiten.

Ich könnte mir vorstellen, dass der größte Stress darin besteht, dass man sich seine Unterrichtsstruktur und seine Unterlagen ja erstmal völlig neu erarbeiten muss, für jedes Fach und für jede Stufe. Das ist schon ein großer Einmalaufwand glaub ich.

Hinterher muss man ja dann nur noch aktualisieren, aber das Gerüst hat man dann ja.

Inaktiver User
29.07.2015, 20:55
Ich kann es nicht schlimm finden, wenn beide Eltern mal eine Zeit zurückstecken, wenn die Kinder auch in einem gewissen Umfang außerhalb der Familie betreut werden, wenn man keinen Hund haben kann (wobei ich den selbst wirklich gerne hätte, aber ich bin zu viele Stunden von Zuhause weg), wenn die Kinder auch mal hören, Mama arbeitet, sie kann jetzt nicht kommen, aber ich (ich, Papa z.b.) bin ja da.


Nein, ich auch nicht.

Aber hat man den Hund erstmal, und das Haus, dann hat man halt Verpflichtungen die einen einschränken, was die Arbeitsverteilung angeht.

Da kann man dann eben nicht mehr sagen, gut, jetzt nimmt z.B. der Vater Elternzeit und du nutzt das für deine Ausbildung - weil dann das Geld nicht reicht.

Reduktion
29.07.2015, 20:59
Ich könnte mir vorstellen, dass der größte Stress darin besteht, dass man sich seine Unterrichtsstruktur und seine Unterlagen ja erstmal völlig neu erarbeiten muss, für jedes Fach und für jede Stufe. Das ist schon ein großer Einmalaufwand glaub ich.

Hinterher muss man ja dann nur noch aktualisieren, aber das Gerüst hat man dann ja.

Aber es fängt doch nicht jeder Lehrer bei Null an, oder? Irgendwelche Basics wird es sicher geben. Naja - randdiskussion.

Wenn es bei Lehrern nicht so wichtig ist, den Sprung vom Studium ins arbeitsleben möglichst rasch und reibungslos zu schaffen, dann seh ich keine Notwendigkeit, jetzt stress zu machen. Ich habe aber den leisen Verdacht, dass du gar nicht Lehrerin sein willst. Ich hab auch eine bekannte, die Lehrerin ist, darauf aber eigentlich keinen Bock hat. Sie setzt grad aus und promoviert. Ist ja schön und gut, aber irgendwann ist die Diss fertig und sie muss wieder in die Schule. Worauf sie keine Lust hat, was sie offen zu gibt.

Reduktion
29.07.2015, 21:04
@isa: danke für die Info

Inaktiver User
29.07.2015, 21:04
Aber es fängt doch nicht jeder Lehrer bei Null an, oder? Irgendwelche Basics wird es sicher geben. Naja - randdiskussion.

Klar, trotzdem musst du ja deinen Unterricht aktiv gestalten und strukturieren.

In anderen Jobs kriegst du halt deine Aufgabenstellung geliefert und musst dir dann deine Lösung überlegen - aber du turnst ja nicht vor deiner Abteilung vor und hältst da eine Ansprache wie ein Lehrer. :smirksmile:

Reduktion
29.07.2015, 21:08
Klar, trotzdem musst du ja deinen Unterricht aktiv gestalten und strukturieren.

In anderen Jobs kriegst du halt deine Aufgabenstellung geliefert und musst dir dann deine Lösung überlegen - aber du turnst ja nicht vor deiner Abteilung vor und hältst da eine Ansprache wie ein Lehrer. :smirksmile:

Ich gab schon mehrfach Tutorien und Seminare an der Uni gegeben. Eine kleine pädagogische Ader hab ich auch. Aber da waren willige Studenten und keine Kinder ... Und ich hab mich auf Vorlagen meiner Vorgänger gestürzt, die ich dann an meinen Stil angepasst hab.

Inaktiver User
29.07.2015, 21:11
Und ich hab mich auf Vorlagen meiner Vorgänger gestürzt, die ich dann an meinen Stil angepasst hab.

Aber fließt das nicht in die Bewertung mit ein? Da nur irgendwas hernehmen was es schon gab wär dann wohl nicht so der Bringer.

Reduktion
29.07.2015, 21:12
Liebe Arivella, wieso hast du Lehramt gewählt? Das kommt mir auch so "Good Girl"-mäßig vor. Waren da Überlegungen wie halbtags/ familienfreundlichkeit ausschlaggebend - und weniger deine tatsächlichen Neigungen, die eher intellektueller Natur zu sein scheinen?

Mandelbluete
29.07.2015, 21:12
Wenn es bei Lehrern nicht so wichtig ist, den Sprung vom Studium ins arbeitsleben möglichst rasch und reibungslos zu schaffen, dann seh ich keine Notwendigkeit, jetzt stress zu machen.

Für die Verbeamtung gibt es Altersgrenzen - ich meine, die TE hätte irgendwo geschrieben, dass sie diese im Auge behalten müsse.

Reduktion
29.07.2015, 21:15
Aber fließt das nicht in die Bewertung mit ein? Da nur irgendwas hernehmen was es schon gab wär dann wohl nicht so der Bringer.
Da hast du recht! Für mich als Mutter ist es aber gar nicht wichtig, dass immer alles neu durchdacht wird, meinetwegen könnten ruhig altbewährte Vorlagen genommen werden, aber das ist jetzt wirklich ot. Sorry Arivella.

nundenn
29.07.2015, 21:16
Noch ein Punkt:

Ich fand die Fragen "wo siehst du dich in 10 Jahren und wie kommst du dahin?" und "was bräuchtest du, um dich entscheiden zu können?" gut.Ja, stimmt, danke, dass du mir diese Fragen noch mal in Erinnerung gerufen hast, dieser Strang ist jetzt schon so lang...Vielleicht denke ich da im Urlaub mal drüber nach. Ich kann jetzt keine Antwort aus dem Ärmel schütteln. Die zweite Frage macht mich dabei übrigens noch ratloser als die erste. Ich müsste mir halt sicher sein - über längere Zeit hinweg. Und daran hapert es bisher.
An dem Satz bin ich hängengeblieben.
Du äußerst hier viele Vorstellungen, was aus deiner Sicht "geht" und was "nicht geht". Ich kann nicht unterscheiden, was davon Vorstellungen deines Umfelds sind, die du hier nur wiedergibst, und was davon wirklich deine Überzeugungen sind. Kannst du das selbst?
Für mich willst du dich nicht entscheiden - weil daran immer Konsequenzen hängen, die zum Konflikt mit einer oder mehreren dieser Vorstellungen führen. Jede nicht getroffene Entscheidung FÜR etwas wird aber mittel- oder langfristig zu einer Entscheidung DAGEGEN. D. h., du formst im Moment dein Leben, indem du Entscheidungen nicht triffst - in der Hoffnung, dass sich irgendwie schon eine Lösung finden wird, die dich nichts kostet.
Ich schreibe bewusst nicht, was ich in welcher Reihenfolge angehen würde - das wäre dann ja nur Version 387 einer anderen, gegen die du wieder Argumente finden wirst, warum es nicht geht.


Noch eine Idee: Könntest du dich mal etwas coachen lassen? Oder noch einmal einige Stunden mit deiner Therapeutin haben (kann man auch selbst bezahlen)?
Den Gedanken hatte ich auch schon. Die Frage, wie dein Leben weiter verlaufen soll, ist wichtig, und ein Coaching könnte dir durchaus helfen. Zumindest wenn du selbst wirklich das Ziel hast, dadurch einen aktiven Weg zu finden - da bin ich mir nicht sicher, ob du das wirklich willst.

Isa74
29.07.2015, 21:23
Ich habe natürlich noch was vergessen: Die Schüler.:-) Da braucht mancher mehr, mancher weniger Zeit um seine "Lehrerpersönlichkeit" (wie es so schön heißt) zu finden. Es fließt aber schon sehr stark in die Bewertung ein, wie man mit den Kindern umgeht: klar, konsequent, aber doch freundlich-zugewandt und flexibel bei Fragestellungen ist da so die Maßgabe.
Überhaupt ist es für viele eine Belastung, dass ALLES was man macht in die Bewertung einfließt und damit letztendlich in die Examensnote. Denn die Fachlehrer bei denen man Ausbildungsunterricht hat, schreiben ja auch Gutachten, die wiederum der Direktor liest etc.
Die TE sollte auch einkalkulieren, dass sie zumindest im Fach Deutsch auch wird korrigieren müssen. Sicher nicht so viele Klassenarbeiten wie ein normaler Lehrer, aber zu Beginn dauert es eben seine Zeit. Und die Korrekturen werden auch strenger beäugt ... Es gibt durchaus Eltern, die warten nur darauf, einer jungen Referendarin Fehlverhalten/falsche Notengebung nachweisen zu können. Es sollte also alles schon Hand und Fuß haben und transparent sein.

Ich denke, das reicht erst mal. Dieser Thread hat ja nicht das Referendariat zu Thema.;-) Und wie gesagt, es ist alles machbar, wenn man denn will. Und es muss nicht alles perfekt ablaufen. Es gibt nur zwei wichtige Voraussetzungen: Man sollte gern mit Kindern/Jugendlichen arbeiten und sich bei ihnen durchsetzen können, und man sollte sich sehr gut organisieren können.

Inaktiver User
29.07.2015, 21:56
Liebe Irma,
Ist das Sarkasmus oder ernst gemeint? Warum ist es dir "schon klar"? Bitte keine Andeutungen, vielsagende oder als ironisch-sarkastisch interpretierbare Äußerungen, aber gern deine offene und ehrliche Meinung.
Viele Grüße,
Arivella
Sorry ich hatte angefangen zu schreiben und wurde dann gestört. Jetzt sitze ich im Auto und habe eine Stunde Zeit.
Aber kannst du es dir nicht denken?
Alle haben Vorteile wenn du nicht ins Referendariat gehst. Dein Mann kann unbegrenzt arbeiten, kann kurzfristig auf Dienstreise gehen, muss sich keine Gedanken machen wer bei den Kindern bleibt. Deine Eltern müssen keine Kinder hüten. Deine Kinder gehen nur tageweise oder gar nicht in den Kindergarten. Du bist zu Hause wenn die Grosse aus der Schule kommt. Dein Vater kann sich mit einer Tochter mit Doktortitel brüsten. Immer wenn einer schreit springst du. Weil du ja "Zeit hast" Und solange du an der Diss schreibst bleibt das auch so. Wenn du erstmal Referendarin bist oder gar berufstätig geht das so nicht mehr.
Merkst du was? Immer wenn du mit dem Gedanken an Referendariat kommst werden sie dir sagen "Aber du machst doch was! Die Promotion ist doch nicht nichts! "
Bloss wenn du dann fertig bist, was bist du dann? Früher haben wir dazu "Mutter mit Diplom" gesagt.
Ich weiss wie hart das ist. Meine Schwiegertochter ist Gymnasiallehrerin mit einem behinderten Kind, ich war mit drei Kindern immer Vollzeit berufstätig.
Aber trotzdem, es lohnt sich.
Mein Vorschlag wäre, mach Pause mit der Diss, geh das Referendariat an. Spann deinen Mann mit an, lass deine Kinder betreuen, hol dir Hilfe von aussen.
Promovieren kannst du in zehn Jahren auch noch.

Marta-Agata
29.07.2015, 22:00
Ob nun Lehramts- oder Rechtsreferendariat: man ist ziemlich frei und erbringt nicht 40 Stunden Leistung pro Woche an einem festgelegten Arbeitsort zu festgelegten Zeiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass die von uns, die Kinder hatten, geklagt hätten (allerdings hatte auch niemand drei Kinder).
Soweit ich da in meiner Umgebung näheren Einblick habe, is ein Lehramtsreferendariat deutlich stressiger als ein Rechtsreferendariat. Und ein Referendar in der Schule hat natürlich feste Zeiten, zu denen er Unterricht hat, und Lehrproben, die schriftlich ausgearbeitet werden müssen - inkl. "Konzept und Aufbau" und nicht nur irgendwelche Arbeitsunterlagen, etc.
(Rechtsreferendare promovieren im Zweifel doch nebenbei, weil sie nicht ausgelastet sind :smirksmile:)

Marta-Agata
29.07.2015, 22:07
Alle haben Vorteile wenn du nicht ins Referendariat gehst.
Wir sollten aber nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Arivella auch Vorteile hat, wenn sie Hausfrau ist.
Das Leben wird insbesondere für sie besonders anstrengend, wenn sie in Referendariat geht.

Das soll nicht heißen, dass sie es nicht machen soll. Aber für mich bleibt der Kern der Sache, dass sie sich entscheiden und wollen muss, trotz der damit verbundenen Kosten - dann findet sich das andere.

Inaktiver User
29.07.2015, 22:39
Liebe Arivella,

ich finde Du tanzt auf zu vielen Hochzeiten und Du priorisierst bislang so halbherzig, dass bei der Diss nichts rauskommen kann.

Eure Kinder sind wichtig, Eure Paarbeziehung ist wichtig. Respekt für das Wuppen eines Haushalts mit 3 Kindern und Deine Bereitschaft für die Familie da zu sein.

Haus und Hund sind schön und Luxus: zur Erinnerung: das können sich die meisten mit Anfang 30 finanziell und zeitlich NICHT leisten. (Ich bin Mitte 30 hab einen guten Job (MINT) das ist aber trotzdem nicht drin.)

Deine Diss ist Luxus.

Aber Dein Berufseinstieg ist notwendig.

Meiner Meinung nach musst Du mit Deinem Berufseinstieg in die Pötte kommen. Das gibt Dir auch wieder mehr Selbstsicherheit und Selbstrespekt.

Gerade wenn das Ref eine Herausforderung ist, pack es an. Zur Not unter Mobilisierung bezahlter Betreuungsmöglichkeiten, egal was die Großeltern denken. Es ist ja nur eine begrenzte Zeit und Dein Berufseinstieg ist die Investition wert.

Dass Du aus irgendwelchen Gründen Nichteinhaltung der Lage sein solltest Lehrerin zu sein, sehe ich nicht so. Denn irgendwann hast Du Dir das selbst ja mal zugetraut... wenn es gerade nicht so ist, dann möglicherweise aus der Angst vor der Hürde, die Dir aber je länger Du wartest immer höher erscheinen wird.

Eine Diss ohne Berufseinstieg hingegen. Was willst Du damit für Dich (außer erhofftem Respekt durch andere) erreichen?

LG!
A.

marilyn-74
29.07.2015, 23:03
Arivella,

vielleicht hilft dir mal eine Perspektive von einer anderen Seite. Ich musste sehr hart mit zwei längeren Depressionserkrankungen lernen, wo meine Grenzen liegen und was ich wirklich für mich möchte. Ich wollte auch irgendwie alles: großartig im Studium / Job sein, trotzdem immer möglichst für die Kinder da, im Studium und mit dem ersten Kind habe ich nebenbei noch gearbeitet, dann einen renommierten, aber sehr zeitaufwendigen Job begonnen. Natürlich wollte ich aber auch immer frisch kochen, in meiner freien Zeit tolle Sachen mit den Kindern machen und dabei noch tolle Köchin / Hausfrau / Geliebte sein und eigene Hobbies pflegen. Und noch eine anspruchsvolle Fortbildung machen.

Hat nicht geklappt. Was geklappt hat, war ich - nämlich zusammen. Zwei Mal und ich musste mühsam auch auseinander fummeln, was ICH eigentlich will, was ist etwas, das ich von der Gesellschaft übernommen habe und was ist mein immer sehr fordernder Papa, dem nie irgendwas gut genug war, was ich gemacht habe. Es hat lange gebraucht.

Als erstes habe ich die Fortbildung geschmissen und dann den zeitaufwendigen Job, nachdem ich fast 1,5 Jahre krank war. Über diese ganze Geschichte ist auch meine Ehe zerbrochen, aber das ist letztendlich niemandem anzulasten. Aber ich konnte eben nicht mehr Geliebte sein. Ich habe allerdings das Glück, nicht alleinerziehend zu sein, mein Nochmann übernimmt genauso viel wie ich. Anders wäre das auch nicht möglich gewesen - noch eine Grenze, ich wäre den Kindern alleine wahrscheinlich lange nicht gewachsen gewesen.

Wo stehe ich heute? Ich habe einen Job, der immer noch zeitaufwendig ist, aber nicht mehr so wie früher und mir sehr, sehr viel gibt. Ich bin definitiv jemand, der nicht ohne Berufstätigkeit kann und will. Das ist tatsächlich etwas aus mir heraus. Ich habe mir zugestehen können und habe eben das Glück, dass ich in meinem Nochmann einen Vater für meine Kinder habe, der das versteht, dass ich regelmäßig Auszeiten für mich alleine brauche. Ich habe keine neue Beziehung, weil das momentan in mein Leben nicht passt und das ist in Ordnung so. Ich bin eine miserable Hausfrau und eine gute Köchin, die aber auch Essen bestellt oder mal was Schnelles in den Ofen schiebt, weil ich nicht immer kann und mag. Hobbies sind immer noch relativ kurz gehalten, aber ausreichend. Ich bin aber eben nicht die Superduperpowermama, bei der immer alles blitzt, nur gesundes Essen auf den Tisch kommt - ich war noch nicht einmal in der Lage, meine Familie intakt zu halten. Ich habe Abstriche gemacht, bei meinen Ansprüchen an mich, bei meinen Kindern, bei der Zeit für mich. Aber ich lebe das Leben mittlerweile, das mir gut tut und wenn ich meine Kinder so ansehe, scheint es auch für sie in Ordnung zu sein, Far from perfect but good enough.

Und das ging nur, weil ich irgendwann für mich herausgefunden habe: Berufstätigkeit ist mir wichtig, wahnsinnig wichtig. Wichtiger als Haushalt, als immer frisches Essen, als meine Kinder immer selbst betreuen zu können. Wenn du für dich feststellst, Mama und Ehrenamt z.B. ist dir eigentlich viel wichtiger als Dissertation und Referendariat, dann mach das so. Aber ich höre bei dir ganz viel: das will mein Mann, meine Eltern, die anderen Kiga-Eltern und ich sehe nur ganz wenig, was DU möchtest. Wirklich möchtest, mit all den Abstrichen, die das bedeutet. Als Vollzeitmama ist man eben halt keine Karrierefrau. Als VZ-Berufstätige ist man eben keine entspannte VZ-Mama, die Zeit hat, ihre Kinder zu diversen Aktivitäten zu fahren und noch drei Kuchen für die Kita zu backen und spontan das Nachbarskind betreuen kann.

Was möchtest du und was bist du bereit, dafür aufzugeben?

fritzi72
29.07.2015, 23:44
Hallo Fritzi72

Was ich geschrieben habe, bezog sich speziell auf Alleinerziehende mit drei Kindern. Das finde ich schon eine krasse Leistung, überhaupt schon, alleinerziehend zu sein und drei Kinder zu haben. Ich gebe dir aber recht, dass das was anderes ist, wenn man in einer Partnerschaft lebt - dann kommt es aber auf das Alter der Kinder an. Für mich ist es aber noch nicht Normalität - ich kenne jetzt sehr gut den Alltag mit Kindern, aber den Alltag einer Berufstätigen mit Kindern noch nicht. Noch flößt mir das ziemlich Respekt ein, und wenn manche schreiben, ich werde das nicht hinkriegen, macht es das nicht besser...aber vielleicht ist ganz gut, sich das ins Gedächtnis zu rufen, dass das durchaus normal ist - was ja auch immer heißt: man muss kein Übermensch sein, um das hinzukriegen...

Viele Grüße
Arivella

Arivella, nein, ein Übermensch muss man wirklich nicht sein und ich bin sicher, dass es beim Alter deiner Kinder -habe im eingangspost nochmal nachgeschaut- möglich ist.

Aber ich stimme auch dem zu, was in vielen der letzten posts deutlich geworden ist:
- es geht nur, wenn Du es wirklich willst, denn anstrengend wird es werden (Referendariat ist nochmal speziell, das würde ich als Durststrecke einplanen)
-Abstriche werden nötig sein, bei Dir, aber auch bei den anderen Familienmitgliedern.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Marilyn, danke für Dein tolles, offenes Post*blume*!

Marta-Agata
29.07.2015, 23:51
@ marilyn :blumengabe:

tatsächlich habe ich beim Lesen und Schreiben in diesem Thread an dich gedacht - dass eben nicht immer alles geht und die Grenzen auch sehr drastisch aufgezeigt werden können.

phaden
30.07.2015, 00:20
Wir sollten aber nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Arivella auch Vorteile hat, wenn sie Hausfrau ist.Nein, sie ist die Letzte, die Vorteile davon hat. Auf lange Sicht und für die Zukunft gesehen.
Vorteile davon haben der Ehemann, die Eltern, der Staat, unsere heutige Gesellschaft, ihre Kinder nur jetzt, später kommen sie vielleicht für ihre Mutter auf.
Sie hat überhaupt keinen Vorteil davon. Sie wird es aber erst später merken und dann ist es zu spät.