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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Litwinenko



setshu
11.12.2006, 08:34
Hallöle,

ist hier ja ziemlich ruhig geworden. Alle am Plätzchen backen ???

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Jetzt mal zum politischen Thema.

Was seht ihr den Fall Alexander Litwinenko?
Ich bin da etwas zwiegespalten, denn ich traue so etwas sowohl der russischen Mafia wie der Regierung zu.

Anscheinend recherchierte Litwinenko im Fall der der im Oktober ermordeten Regierungskritikerin Anna Politkowskaja, zu der er wohl auch schon vorher Kontakte hatte.

Anathea
11.12.2006, 11:10
mitnichten.
Das spektakuläre und vor allem schnelle unwiederufliche Dahinsiechen Litwinenkos reflektiert die offensichtliche Brisanz seiner Informationen, die es schnell und sicher auszuschalten galt, seitens welcher Seite auch immer.
Als unpolitischer Laie lese ich in dieser Aktion, die wohl kaum eine Panne darstellt, die Verquickung des Putin Regimes mit KGB und oder Mafia/Oligarchenspitzen, die es seit Einläuten von Glasnost auch sonst verstehen, das postkommunistische "Eigentum" in bare Münze für einzelne Oligarchen umzuwandeln. Anscheinden ist für die Beteiligten diese Entwicklung äußerst schützenswert, liegt doch nicht ohne Grund, wie ich mich erinnere, das 5 - Fache des jährlichen russischen Bruttosozialproduktes als Privatvermögen einlzelner russischer Staatsbürger auf schweizer Konten.

Opelius
11.12.2006, 15:28
Ich verfolge ganz gespannt diese Geschichte. Die ist ja noch spannender als alle Agentenfilme aus der Zeit des Kalten Krieges.

Kraaf
11.12.2006, 15:37
Irgendein Staatsmann *hüstel* hat ja sinngemäss gemeint, "Putin ist mein Freund und ein ebenso guter Demokrat...".

Nunja, für mich ist er ein Despot.

Inaktiver User
11.12.2006, 16:04
Ich finde die ganze Geschichte höchst dubios ....
Polonium ist schweineteuer, schwer zu beschaffen, schwer korrekt zu handhaben, auch in 10.000 Jahren noch leicht nachweisbar .... Warum um alles in der Welt sollte man jemand mit einer solchen Substanz vergiften ?! Es gibt jede Menge Gifte, die genauso tödlich sind, aber leicht zu beschaffen (z.B. Ricin).

Ich halte es für nicht ausgeschlossen, daß Litwinienko und Co. Polonium schmuggeln wollten und dabei was schief gelaufen ist.

Anathea
11.12.2006, 16:55
Vielleicht wurde hier das Angenehme (Lukrativer Schmuggel) mit Nützlichem (Entledigung Unliebsamer) verbunden, weil man ohnehin schon an der Quelle saß?:wie?:

Inaktiver User
11.12.2006, 17:24
Vielleicht wurde hier das Angenehme (Lukrativer Schmuggel) mit Nützlichem (Entledigung Unliebsamer) verbunden, weil man ohnehin schon an der Quelle saß?:wie?:

Also, nicht das ich Putin und Co. keinen Mord zutrauen würde ... Aber DIESE Story ist halt doch zu dubios ... Warum nicht ein tödlicher "Verkehrsunfall" oder ähnliches ? Oder einfach im Gedränge irgendwo abstechen ?

Inaktiver User
11.12.2006, 17:29
Ich halte es für nicht ausgeschlossen, daß Litwinienko und Co. Polonium schmuggeln wollten und dabei was schief gelaufen ist.

Das halte ich auch für wahrscheinlicher. Denn wenn Litwinenko sterben sollte um nicht zu reden oder zu recherchieren, dann wäre eine Gewehrkugel o.ä. wohl die effektivere Methode gewesen.

Anathea
11.12.2006, 17:29
Sicherlich werden die britischen "Aufklärungsversuche" nur das hergeben, was der Öffentlichkeit und den diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten zuträglich ist :cool:
Alle unten genannten spektakulären Liquidierungsarten beziehen Schaden an unbeteiligten Dritten mit ein, was offensichtlich vermieden werden sollte.

Inaktiver User
11.12.2006, 22:11
Ich hab mal geschaut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Polonium

Auszug:

Polonium wird in Verbindung mit Beryllium in transportablen Neutronenquellen benutzt. Dabei wird die Kernreaktion 9Be(α, n)12C zur Erzeugung freier Neutronen genutzt.
In manchen industriellen Ionisatoren wird 210Po eingesetzt, z. B. in Anlagen, in denen Papier, Textil oder synthetische Materialien gerollt werden, oder wenn optische Linsen von statischen Aufladungen befreit werden sollen.
210Po wurde historisch auch in kurzlebigen Radioisotopengeneratoren eingesetzt wie z. B. in frühen Satelliten[6]. Heute kommen i. A. nur noch langlebigere Isotope anderer Elemente zum Einsatz.
Auch in Kernwaffen wurde Polonium als Neutronenquelle eingesetzt. So wurden zum Beispiel in den amerikanischen Atombomben Little Boy und Fat Man, die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, Initiatoren aus Polonium und Beryllium zum Start der Kettenreaktion verwendet.

Inaktiver User
12.12.2006, 10:04
Das halte ich auch für wahrscheinlicher. Denn wenn Litwinenko sterben sollte um nicht zu reden oder zu recherchieren, dann wäre eine Gewehrkugel o.ä. wohl die effektivere Methode gewesen.

Genauso isses !
Und vor allem: Vorher galt der Typ als unglaubwürdiger Aufschneider. Da wäre es schön doof, ihn auf eine Art umzubringen, wo er noch medienträchtig abtreten kann, so in Erinnerung bleibt und seine Aussagen ernst genommen werden.

Inaktiver User
12.12.2006, 10:07
Alle unten genannten spektakulären Liquidierungsarten beziehen Schaden an unbeteiligten Dritten mit ein, was offensichtlich vermieden werden sollte.

Also, erstens ist es Geheimdiensten ja nun völlig schnurz, noch ein paar Unbeteiligte umzubringen und zweitens ist Polonium hoch gefährlich für Dritte ... Es reicht, wenn Du ein Atom davon einatmest, um Dich an Lungenkrebs sterben zu lassen.

Sowas wie mit dem bulgarischen Agenten, der an der Bushaltestelle mit einer mit Ricin versetzten Nadel gestochen wurde und sang- und klanglos abtrat, ist doch viel eleganter...

Miracle41
12.12.2006, 10:14
Also, erstens ist es Geheimdiensten ja nun völlig schnurz, noch ein paar Unbeteiligte umzubringen und zweitens ist Polonium hoch gefährlich für Dritte ... Es reicht, wenn Du ein Atom davon einatmest, um Dich an Lungenkrebs sterben zu lassen.

Sowas wie mit dem bulgarischen Agenten, der an der Bushaltestelle mit einer mit Ricin versetzten Nadel gestochen wurde und sang- und klanglos abtrat, ist doch viel eleganter...


.... aber nicht so krass und medienträchtig und wird folglich vielleicht nicht so direkt als Warnung an andere .... ähm ... kritisch Denkende, Sehende, Redende ... verstanden?

setshu
12.12.2006, 10:59
.... aber nicht so krass und medienträchtig und wird folglich vielleicht nicht so direkt als Warnung an andere .... ähm ... kritisch Denkende, Sehende, Redende ... verstanden?

Wie gesagt ich bin da etwas zwiegespalten und finde es etwas merkwürdig wie die russische Regierung mauert, gerade auch bzgl. Kowtuns.

Und immerhin hatte sich Litwinenko ja wohl mehrmals mit der Putin-Kritikerin Anna Politkowskaja getroffen, die Mitte Oktober ermordet worden war.

Klar kann man sagen: "Das ist viel zu auffällig für eine Regierung." Wäre andererseits aber ein gutes Ablenkungsmanöver und vielleicht haben die "Täter" ja garnicht mit einer so schnellen Aufklärung gerechnet.

Bliebe die Erklärung, dass Litwinenko illegal radioaktives Material verschieben wollte. Als Ex-KGB'ler dürfte er allerdings um die Gefährlichkeit und Handhabung radioaktiven Materials wissen und sich entsprechend schützen.

Einleuchtender dann wohl, dass die russische Mafia hier ihre Hände im Spiel hat. Die habe garantiert die Möglichkeiten und das Geld. Nur warum erschwert dann die russische Regierung die Aufklärung des Falls derart?

Inaktiver User
12.12.2006, 11:15
Wie gesagt ich bin da etwas zwiegespalten und finde es etwas merkwürdig wie die russische Regierung mauert, gerade auch bzgl. Kowtuns.

Und immerhin hatte sich Litwinenko ja wohl mehrmals mit der Putin-Kritikerin Anna Politkowskaja getroffen, die Mitte Oktober ermordet worden war.

Wenn er einfach so ermordet worden wäre, würde ich auch vermuten, daß der russische Geheimdienst und/oder die Mafia die Hände im Spiel haben.
Aber an diesen Mord mit Polonium glaube ich nicht.


Bliebe die Erklärung, dass Litwinenko illegal radioaktives Material verschieben wollte. Als Ex-KGB'ler dürfte er allerdings um die Gefährlichkeit und Handhabung radioaktiven Materials wissen und sich entsprechend schützen.

Warum sollte er sich als Ex-KGB'ler damit auskennen ? Höchstens als Kernenergie-Ingenieur oder ähnliches. Und bei der enormen Toxizität von Polonium kann halt sehr schnell mal was schief gehen.

meta1
12.12.2006, 12:30
Ich finde, dass da irgendwie alles nicht wirklich zusammen passt. Und wie schon gesagt, macht es wenig Sinn, dass er doch langsam gestorben ist. Warum hat er, so er denn darüber verfügt hätte, seine brisanten Informationen nicht mehr weiter gegeben. Die Zeit hätte allemal ausgereicht.

Dieser Mord gibt aber wieder allen möglichen Spkulationen Nahrung, da kommen alle Verschwörungstheoretiker wieder auf ihre Kosten.

setshu
12.12.2006, 15:47
Warum sollte er sich als Ex-KGB'ler damit auskennen ? Höchstens als Kernenergie-Ingenieur oder ähnliches. Und bei der enormen Toxizität von Polonium kann halt sehr schnell mal was schief gehen.

Aber Lorelei,
wie würdest Du denn mit einem Stoff umgehen, von dem Du weisst, dass er radioaktiv ist?
Doch wohl eher vorsichtig, oder?
Dazu braucht man nicht Kerningenieur sein.

Das heißt dann doch wohl eher Litwinenko ist mit diesen Stoff unwissentlich in Kontakt gekommen.

Inaktiver User
12.12.2006, 17:15
Aber Lorelei,
wie würdest Du denn mit einem Stoff umgehen, von dem Du weisst, dass er radioaktiv ist?
Doch wohl eher vorsichtig, oder?
Dazu braucht man nicht Kerningenieur sein.

Also, ich habe ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und auch eine Universitätsprüfung in Physik gemacht .... Aber ICH traue mir nicht zu, eine solche Substanz derart sicher zu transportieren, daß nicht mal ein Atom entweichen kann.

Wie auch aus Deinem Posting hervorgeht, wird die Giftigkeit der Substanz einfach enorm unterschätzt.

Glaubst Du wirklich, daß so ein dubioser Typ wir L. sich damit auskannte ?

Der beste Beweis ist übrigens, daß sich jetzt an allen möglichen Stellen - Flugzeuge etc - Spuren von Polonium finden.

setshu
12.12.2006, 18:23
Also, ich habe ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und auch eine Universitätsprüfung in Physik gemacht .... Aber ICH traue mir nicht zu, eine solche Substanz derart sicher zu transportieren, daß nicht mal ein Atom entweichen kann.

Wie auch aus Deinem Posting hervorgeht, wird die Giftigkeit der Substanz einfach enorm unterschätzt.

Glaubst Du wirklich, daß so ein dubioser Typ wir L. sich damit auskannte ?

Der beste Beweis ist übrigens, daß sich jetzt an allen möglichen Stellen - Flugzeuge etc - Spuren von Polonium finden.

Ja, aber in dem Flugzeug ist nicht Litwinenko geflogen.
Die Spuren sind überall dort, wo Kowtun sich rumgetrieben hat und der wird anscheinend von der russischen Regierung unter Verschluß gehalten.

Ich weiss nicht, welche Aufgaben der frühere Ex-KGB'ler Litwinenko hatte bzw. was so zum Standardausbildungsprogramm von Spionen des KGBs zu Zeiten des kalten Krieges gehörte.

Polonium wird als Alpha-Strahler erst für den Menschen toxisch, wenn es in den Körper gelangt.
Auf jeden Fall traue ich einem Ex-KGB'ler zu, dass er um die Toxizität radioaktiver Substanzen weiss und sich wenigstens die Hände wäscht, wenn er Polonium-210 in diesen wissentlich gehalten hätte.:smirksmile:

regentroepfchen
12.12.2006, 21:43
Je mehr Polonium an allen Ecken gefunden wird, desto mehr verwischen sich die Spuren; irgendjemand legt momentan noch falsche Fährten aus, z.B. in Hamburg.

Inzwischen ist auch nicht mehr ausgeschlossen, daß der eigentliche Attentäter schon mit Polonium verstrahlt wurde und der missing link zu den Hintermännern dadurch verlorengegangen ist... gerade verlorengeht.

Die Zeit spielt für die Attentäter, und aktuell weiß kein Mensch, was sich im Fall Litwinenko wirklich zugetragen hat und schon gar nicht wer oder was hinter der Geschichte steckt... und man wird es nie wissen bzw. herausfinden. Wetten daß?

sauerkirsche1
12.12.2006, 22:03
Also, nicht das ich Putin und Co. keinen Mord zutrauen würde ... Aber DIESE Story ist halt doch zu dubios ... Warum nicht ein tödlicher "Verkehrsunfall" oder ähnliches ? Oder einfach im Gedränge irgendwo abstechen ?
Ich bin da auch deiner Meinung. Für Putin wäre es ein Kinderspiel Litwinenko wesentlich einfacher, ohne so viel internationale Aufmerksamkeit auszulöschen. So ein Theater ist doch eigentlich das Letzte was er jetzt braucht, nach all den Schlagzeilen und der ganzen Kritik in letzter Zeit.

Inaktiver User
12.12.2006, 22:22
.... Aber ICH traue mir nicht zu, eine solche Substanz derart sicher zu transportieren, daß nicht mal ein Atom entweichen kann.

.

Die US Post schon.... (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6147178_REF1_NAV_BAB,00.html) :freches grinsen:

Also braucht man es auch nicht schmuggeln, man kann es einfach online bestellen.

Inaktiver User
12.12.2006, 22:49
Die US Post schon.... (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6147178_REF1_NAV_BAB,00.html) :freches grinsen:


*rofl* ... der Artikel ist ja köstlich (wahrscheinlich weil er frisch ist) :freches grinsen:

Lukulla
13.12.2006, 08:00
Ich halte es für nicht ausgeschlossen, daß Litwinienko und Co. Polonium schmuggeln wollten und dabei was schief gelaufen ist.

Zumindest hast Du einen richtigen Riecher. Ich habe an sowas nicht gedacht, aber je länger recherchiert wird und je mehr von dem Zeug in aller Welt auftaucht, wird es nicht unwahrscheinlich:


Unterdessen prüfen deutsche Sicherheitsbehörden auch mögliche Hinweise auf illegalen Nuklearschmuggel über das Gebiet der Bundesrepublik. "Neben allen anderen Thesen zum Hintergrund dieses Verbrechens nehmen wir auch die Möglichkeit ernst, dass Litvinenkos Tod im Zusammenhang mit Nuklearschmuggel stehen könnte", sagte ein Sicherheitsbeamter der "Berliner Zeitung". Zwar gebe es dafür bislang "keine wirklich belastbaren Indizien"; gleichwohl schließe man in Geheimdienstkreisen die Möglichkeit nicht aus, dass das Polonium über Deutschland nach London geschmuggelt wurde, um dort einen Verkauf anzubahnen.

tagesspiegel vom 13.12. (http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/litwinenko-polonium/84343.asp)

Inaktiver User
13.12.2006, 08:56
Auf jeden Fall traue ich einem Ex-KGB'ler zu, dass er um die Toxizität radioaktiver Substanzen weiss und sich wenigstens die Hände wäscht, wenn er Polonium-210 in diesen wissentlich gehalten hätte.:smirksmile:

Das reicht aber nicht. Wie gesagt, die Aufnahme eines Atoms in den Körper reicht aus ...

Da braucht man mit Sicherheit hypersuperduper verschließbare Gefäße und Gerätschaften, um sicherzustellen, daß nicht mal die allerwinzigste Menge irgendwie austritt.

Ach ja: Und als Ex-KGB'ler wäre ich bestimmt schlau genug, zu verhindern, daß mir irgendwer unbemerkt Gift ín den Drink schüttet.

Jo68
13.12.2006, 18:02
Lorelei, woher stammt denn diese Aussage, dass ein Atom ausreicht, um Lungenkrebs auszulösen?

Polonium findet sich nämlich immer im Körper von Rauchern. Siehe hier: "Polonium-210 ist der einzige Bestandteil des Zigarettenrauches, der bei Inhalation von Versuchstieren selbstständig Krebs verursacht hat - Tumore entstehen bereits bei fünf mal geringeren Poloniumgehalten als bei denen eines durchschnittlich schweren Rauchers. ... Diese Tatsache wird dadurch belegt, dass Polonium im Blut und im Urin der Raucher gefunden werden kann." Quelle und näheres: http://www.lenntech.com/deutsch/Data-PSE/Po.htm
Das bedeutet zwar, dass Polonium inhaliert Krebs auslöst, aber nicht, dass es sofort tödlich ist.

Und noch was: "Polonium-210 ist hochradioaktiv, gibt aber lediglich Alphastrahlung ab - was äußerst selten ist für ein instabiles Isotop. Im Unterschied zur Gammastrahlung, die etwa bei der Explosion einer Kernwaffe frei wird, können Alphateilchen schon von einem Blatt Papier gestoppt werden und die menschliche Haut kaum durchdringen." http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,451726,00.html
Ein Blatt Papier genügt also, man braucht keinen Castorbehälter zum Transport - was übrigens die Frage aufwirft, warum trotzdem an allen möglichen Orten Polonium gefunden wird.

Ich weiß natürlich auch nicht, wer hinter dem Mord steckt (wie wäre es mit dem russischen Geheimdienst, aber nicht unbedingt im Auftrag Putins, denn im FSB scheint es ziemlich chaotisch zuzugehen), ich wollte nur ein paar Poloniuminfos liefern.

Inaktiver User
13.12.2006, 20:26
Die Idee mit dem Schmuggel, dafür wäre ja zu klären wofür Polonium 210 eingesetzt werden kann.
Was gegen einen Schmuggel spricht ist die kurze "Haltbarkeit".

Anathea
13.12.2006, 21:04
Ich vermute weiterhin den gewollten Eindruck der Stümperei sozusagen als "Roter Hering" von einschlägigen Profis, die noch ganz andere Dinge vorhatten oder haben. Dass die Russen auf höchster Ebene mauern, impliziert entweder deren Verstrickung in diese unselige Sache oder, aus vielerlei Gründen, den Wunsch, alles (wieder oder endlich?) in den Griff zu bekommen...

Inaktiver User
13.12.2006, 21:57
OK, seeeeeeeeeeeehr weit hergeholt, aaber...
Die einzige "logische" Verwendung von Polonium 210 wäre als "Zünder" einer Atombombe, siehe mein Wikilink, es wäre zwar eine veraltete Technik, aber eben Eine. Ansonsten taugt das Polonium zu nichts was einen Schmuggel interessant machen könnte, oder?
Wer will den angeblich!!!! eine Atombombe haben? Iran, richtig! Und die Russen mauern im Sicherheitsrat was die Sanktionen angeht.
Das Polonium hat die selbe Eigenart wie seinerzeits das Antrax, es verrät den Herstellungsort, ich habe gehört es sei aus einem russischen Reaktor.
Was läge also näher als einen Ex KGB`ler mit dubiosen Kontakten im Westen, zudem Moslem!, als angeblichen Kurier im Auftrag von a) Putin b) Iran , einzusetzten?
Weit hergeholt? Mag sein, aber!!! zwischen Iran und Russland gab es seit einiger Zeit ärger wegen des Weiterbaus des Reaktors in Bushehr (nähe Persischer Golf), Russland sollte ihn bauen und auch Kredite geben.
Tja und ausgerechnet gestern kam die Nachricht aus Moskau das der Reaktor termingerecht fertig gestellt wird und das Russland auch die Brennstäbe liefert und das Anfahren überwacht.
Was es heißt wenn die Brennstäbe erst da sind dürfte bekannt sein, oder? Jedwege Bombadierung käme einem vorsätzlichen Massenmord gleich.
Oh. Und jetzt kommt ihr. :freches grinsen:

http://de.rian.ru/business/20061212/56831904.html

Das teilte der Chef des russischen Atomkraftwerksbauers Atomstroyexport, Sergej Schmatko, am Dienstag in Teheran mit. "Wir folgen einem Terminplan, wonach die Brennelemente sechs Monate vor dem Hochfahren des Reaktors im Iran geliefert werden sollen." Laut Plan sollten drei Monate vor der geplanten Lieferung entsprechende Vorbereitungsarbeiten durchgeführt werden, sagte er. Demnach sollten die ersten Brennelemente im März ausgeliefert werden.

Inaktiver User
14.12.2006, 10:41
Lorelei, woher stammt denn diese Aussage, dass ein Atom ausreicht, um Lungenkrebs auszulösen?

Ok, das mit dem einen Atom war vielleicht - zumindest als Akut-Vergiftung - übertrieben, aber winzigste Mengen reichen halt aus.


: "Polonium-210 ist hochradioaktiv, gibt aber lediglich Alphastrahlung ab - was äußerst selten ist für ein instabiles Isotop. Im Unterschied zur Gammastrahlung, die etwa bei der Explosion einer Kernwaffe frei wird, können Alphateilchen schon von einem Blatt Papier gestoppt werden und die menschliche Haut kaum durchdringen." http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,451726,00.html
Ein Blatt Papier genügt also, man braucht keinen Castorbehälter zum Transport - was übrigens die Frage aufwirft, warum trotzdem an allen möglichen Orten Polonium gefunden wird.

Das bezieht sich aber eben nur auf die Strahlung, die tätsächlich weitgehend ungefährlich ist.
Gefährlich ist aber, wenn man auch nur winzigste Mengen inhaliert/zu sich nimmt. Und um das zu verhindern, brauch man sicher sehr spezielles Gerät.

Am Flughafen werden technische Geräte im Gepäck z.B. auch mit einer Art Staubsauger gesaugt und die feinen Stäubchen in ein Spektometer gegeben und untersucht. Wäre in dem Gerät Sprengstoff, wären winzige Partikel davon auch außen zu finden. Deshalb reicht dieses Verfahren, um das Gepäck zu untersuchen.

Die gleiche Partikelkonzentration mit Polonium außen am Gefäß, in dem man es transportiert, heißt eben, daß man alles kontaminiert - vor allem auch seine Hände, mit denen man ja auch mal ins Gesicht/an Nahrung kommt.

setshu
14.12.2006, 15:36
Die gleiche Partikelkonzentration mit Polonium außen am Gefäß, in dem man es transportiert, heißt eben, daß man alles kontaminiert - vor allem auch seine Hände, mit denen man ja auch mal ins Gesicht/an Nahrung kommt.

Es sei denn man trägt Handschuhe, z.B. solche wie sie jedem Haarfärbemittel beiliegen oder wie man sie überall für den Verbandskasten kaufen kann.

setshu
14.12.2006, 15:58
Auch ich finde es komisch, wie Kowtun und Lugowoj in einer Moskauer Klinik unter Verschluß gehalten werden und dann am selben Abend eine nahezu identische Stellungnahme abgeben.

Der Tagesschau-Korrespondent gestern Abend sprach von einer Stellungnahme, die wie vom Blatt abgelesen wirkte.

Für mich sieht die ganze Sache aus, als ob da jemand bewusst Polonium-Spuren legt. Fragt sich nur wer und wieso.

Laut dem Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, stammt die Methode, gezielt Oppositionelle durch radioaktive Strahlung umzubringen, aus Russland.

Man darf also davon ausgehen, dass Ex-KGB'ler wie Litwinenko über den Umgang mit radioaktivem Material, zumindest mit Alpha-Strahlern wie Polonium-210, durchaus informiert sind. Ihnen dürften derart schlampige Fehler nicht so ohne weiteres unterlaufen.

Inaktiver User
14.12.2006, 16:02
Es sei denn man trägt Handschuhe, z.B. solche wie sie jedem Haarfärbemittel beiliegen oder wie man sie überall für den Verbandskasten kaufen kann.

Ihr habt anscheinend alle noch nie in einem Labor gearbeitet ...

Was meinst Du, warum immer mal wieder Laboranten auch in HOCHSICHERHEITSLABOREN an irgend welchen hochpathogenen Virenerkrankungen sterben ....? Weil so kleine Krankheitserreger - und natürlich erst recht winzigste Partikel wie Atome - halt auch die noch so hochwertigem Sicherungen nicht immer beherrschbar sind.

Und durch Friseurhandschuhe erst recht nicht.:freches grinsen:

setshu
14.12.2006, 16:37
Ihr habt anscheinend alle noch nie in einem Labor gearbeitet ...

Was meinst Du, warum immer mal wieder Laboranten auch in HOCHSICHERHEITSLABOREN an irgend welchen hochpathogenen Virenerkrankungen sterben ....? Weil so kleine Krankheitserreger - und natürlich erst recht winzigste Partikel wie Atome - halt auch die noch so hochwertigem Sicherungen nicht immer beherrschbar sind.

Und durch Friseurhandschuhe erst recht nicht.:freches grinsen:

So breit wie die Spur ist, ist da keinem ein Atom abhanden gekommen.

Da wurde schon im "großen Stil" geschlampt.

Die Latex-Handschuhe in der Haarfärbe Packung Sch........ sind die gleichen wie sie im Labor benutzt werden. Nitrilhandschuhe trägt man i.d.R, wenn man mit hautgängigen Cancerogenen wie Ethidiumbromid arbeitet.

Aber egal, sowohl Latex- wie Nitrilhandschuhe lassen sich locker per Katalog beschaffen und wer das Geld für Polonium-210 locker hat, wir auch die 3-4 Euro für eine Packung mit 100 Stück Handschuhe übrig haben.

Über Europa verteilt hat Kowtun Polonium-210, der Kowtun.

Inaktiver User
25.05.2007, 23:54
Bin gerade hierrüber "gestolpert"

http://de.rian.ru/society/20070522/65890116.html




LONDON, 22. Mai (RIA Novosti). Sechs Monate nach dem mysteriösen Tod des ehemaligen FSB-Mitarbeiters Alexander Litwinenko in London hat die britische Staatsanwaltschaft am heutigen Dienstag gegen den russischen Unternehmer Andrej Lugowoj Anklage wegen Vergiftung erhoben. Das teilte der Chef der britischen Staatsanwaltschaft, Ken McDonald, mit.
"Die Beweise, die von der Polizei zur Verfügung gestellt wurden, reichen aus, um Lugowoj wegen vorsätzlicher Vergiftung anzuklagen“, sagte er weiter. Großbritannien werde eine Auslieferung von Lugowoj aus Russland fordern.

und wer sich für die Entwicklung bis dahin interessiert,

hier gibt es mehr dazu (http://de.rian.ru/trend/litwinenko/)