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Swim
07.12.2006, 08:40
Hallo zusammen,
viellleicht könnt Ihr mir einen Tipp geben.
Freunde von uns haben eine Tochter mit einer unheilbaren Krankheit und nun ist es wohl sehr bald so, dass sie sterben wird.
Natürlich haben wir unseren Freunden schon angeboten, dass sie sich jederzeit melden können, wenn sie Hilfe brauchen.
Meine Bitte nun an Euch - was hat Euch in dieser schwierigen Zeit besonders geholfen? Habt Ihr einen Rat für mich, wie wir unsere Freunde noch unterstützen können?
Vielen Dank im Voraus!
Swim

ness
07.12.2006, 10:36
hey.
vielleicht hilft, wenn ihr immer wieder betont, dass ihr da sein wollt, dass ihr wollt, dass sie sagen, was ihnen gut täte und was sie brauchen können.
dass ihr in "warteposition" steht, falls ihr gebraucht werdet...
vielleicht so in der art???
liebe grüße und alles, alles liebe für euch, dem armen kindlein und den eltern
ness

londongirl2000
07.12.2006, 11:55
Hallo,

also, ich fände es schöner, etwas konkreter zu werden, als "Gib mir Bescheid, wenn Du was brauchst" zu sagen. Ist aber auch nur meine Meinung, jeder ist da anders.... Meine Oma ist vor 3 Wochen gestorben (war für mich wie meine Mutter), und ich bin immer schier geplatzt vor Wut, wenn jemand zu mir sagte "Ruf mich an , wenn was ist". Aber vielleicht habe ich auch nur zuviel erwartet. Ich meine, was soll denn NOCH sein? Der wichtigste Mensch in meinem Leben ist weg und ich soll anrufen, "wenn was ist"? Ich bin da eher der Typ der bei den Leuten vor der Türe steht und sagt "Hier bin ich". Ich würde das mal versuchen.... Ist alles nicht so einfach, ich weiss...

Viele Grüße
londongirl2000

Inaktiver User
07.12.2006, 12:44
Hallo Swim,
wie schön, dass du dich um deine Freunde kümmern möchtest und nicht wie so viele sagst "ich kann das nicht mitansehen".

Wie die Art deiner Hilfe aussehen könnte, ist auch geprägt von der konkreten Situation der Familie.

Sind noch andere Kinder da?
Sind sie finanziell in Bedrängnis?
Können sie noch ihre üblichen "Geschäfte" regeln? Oder ist ihnen im Moment alles gleichgültig?
Oder brauchen sie einfach jemanden, der ihnen die Fenster putzt, einen Vorratseinkauf macht, mit dem Hund rausgeht usw.

und dann: möchten sie sich ihren Kummer von der Seele reden - oder wären sie dankbar, wenn sie einfach schweigen dürfen und in Ruhe gelassen werden vom "Leben da draußen" ?

Bitte frage deine Freunde konkret, was du für sie tun könntest.

Meine Freundin hat damals mich täglich im Hospiz besucht, und auch mal nach draußen gelockt.... zum Spazierengehen, zum Essen eingeladen,oder mal ins Büchergeschäft geschleift....

im Grunde wollte ich nicht raus, nicht weg - aber im Nachhinein gesehen, war es gut, so gut!

Wobei auch Hilfe vllt. nötig sein könnte, ist die Organisation der Beerdigung

Hängt auch alles davon ab, wie erschöpft die Eltern sind und wie sehr sie akzeptieren können, dass nun kommt, was unausweichlich ist

es ist emotional schwierig sich in die Vergangenheit hineinzudenken und zu erinnern, aber ich weiß noch, was mich am meisten genervt hat, war der Satz: "Ich wünsche dir viel Kraft"
warum weiß ich auch nicht
vielleicht, weil ich schon so lange keine Kraft mehr hatte
Kraft? Was war das doch noch gleich??

und diese seichten Trostbücher, die es in jedem Laden zu kaufen gibt! nee, mir waren die am liebsten, die ganz bittergrau waren und den Schmerz beim Namen nannten - von diesen Büchern fühlte ich mich ernst genommen, die haben mir wirklich "Kraft" gegeben

und noch eins: stell dich bitte darauf ein, dass "danach" für lange Zeit Hilfe nötig sein wird, überfordere bitte deine Freunde nicht mit gutgemeinten Aufmunterungsausflügen oder ähnlichem
immer fragen:
Wie fühlst du dich und was möchtest du jetzt am liebsten?
und wenn die Antwort lautet:
ich fühle mich gar nicht und will ins Bett, dann ist das auch okay (wenn es kein Dauerzustand wird)

Inaktiver User
07.12.2006, 14:45
Nachdem mein Partner gestorben war, habe ich mich in mein Schneckenhaus zurückgezogen und wollte mit niemandem mehr sprechen und niemanden mehr sehen. Um so dankbarer war ich denjenigen, die immer wieder auf mich zugekommen sind, sich zum 100sten Mal meine Trauer angehört haben und die 100sten Tränen getrocknet haben. Wohltuend waren eben die, die einfach da waren, mich in den Arm nahmen und weinen liessen.

Ich hätte selbst gar nicht die Kraft gehabt, auf andere zuzugehen und um irgendetwas zu bitten oder zu fragen. Ich wurde von vielen Menschen - unbewußt, unbeabsichtigt - behandelt, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Damals habe ich erlebt, dass Tod einsam macht. Weil die Meisten Angst vor dem Tod haben, machen Sie um alles und jeden einen großen Bogen, die sie mit dem Tod und dessen Existenz konfrontieren.

Kranich

Swim
07.12.2006, 15:03
Danke, Lavendelmond, dass Du mir so ausführlich von Deinen Erfahrungen berichtet hast, genau das hatte ich mir erhofft.
Danke natürlich auch für die anderen Antworten!
Ich werde morgen mit meinem Sohn (er ist gleichaltrig und kennt das Mädchen auch seit Geburt) einen Besuch machen und nochmal konkret nachfragen, wie wir noch helfen können. Hilfe für praktische Sachen wie Einkaufen etc. habe ich schon angeboten und das Angebot für sie da zu sein steht sowieso...
Heute ging es dem Mädchen wieder besser, vielleicht bleibt uns ja doch noch ein bisschen Zeit mit ihr...
Andere Kinder sind nicht da, die medizinische Betreuung ist recht gut, Putzfrau gibt es auch, und die Krankenkasse macht zum Glück wegen der nun höher werdenden Kosten auch keine Probleme.
Vielen Dank nochmal - und wenn Euch noch was einfällt, bin ich jederzeit offen dafür.

Liebe Grüße
Swim

Inaktiver User
07.12.2006, 15:27
Mir hat es geholfen, daß wirkliche Freunde still gekommen sind, ohne Anspruch, was Tolles zu leisten.
Selbst auf die dringendsten Ermahnungen: "ruf an, wir sind immer da" war ich nicht fähig, zu reagieren. Es nur zu sagen, war nicht genug. Ich konnte es nicht umsetzen.

Wenn sie da waren, war ich dankbar.

Und die "verwaisten Eltern" im Internet sind selbst im Vorfeld jetzt schon ansprechbar. Erlebe gerade eine Betreuung in Mainz mit und bin schier sprachlos über deren Hilfsangebote (gibt etl. Regionalgruppen.)