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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Größenwahn a la Dubai



aussenseiter
06.12.2006, 22:22
Gerade kam ein Bericht über das neue Dubai im TV. Da reden sogar Amis inzwischen über Umweltschutz, Gore dreht Filme, um seine Landsleute aufzurütteln, und dann sieht man, wie in Dubai der Größenwahn wuchert. Ein halbes Dutzend Wolkenkratzer über 400 m Höhe im Bau, der größte davon ca. 900 m hoch. Dann "Ski Dubai", ein gigantischer Hallenskikomplex, der enorm viel Strom frisst, denn das Ding wurde mitten in den heißen Wüstensand gesetzt. Manchmal fragt man sich echt, woher dieser kranke Ehrgeiz kommt? Warum kann Dubai sich nicht damit abfinden, dass es dort keinen Schnee hat? Andere Länder sind auch nicht besser, Bahrain oder China etwa.
Warum meint der Mensch immer, haben zu müssen, was er natürlicherweise nicht hat? Muss jeder erst einen Fehler machen, bevor er erkennt, dass es ein Fehler war? Sollte der Mensch nicht in der Lage sein, aus den Fehlern anderer zu lernen?

Opelius
07.12.2006, 11:16
Aber was soll denn der Emir von Dubai mit seinen gigantischen Öleinnahmen denn sonst machen? Er baut sich eine Welt aus tausendundeiner Nacht und noch ein paar Träume dazu: Die größten Wolkenkratzer http://www.hotelangebote.dubai-city.de/burj_al_arab/index.htm, ( das kann man für 50 US-Dollar besichtigen, wenn man sich die Übernachtung für 1000 US-Dollar nicht gönnen mag,), eine Formel-1-Rennstrecke,die ständig von Sand geräumt werden uss, jetzt halt eine Hallenskianlage, http://www.skidubai.dubai-city.de/, die halt viel Strom frisst. Oder gar die schönste Ferienanlage für Schlauchbootbesitzer: The Palm. http://www.thepalm.dubai-city.de/

Und er kann ganz gewiss sein, dass es viele europäische und amerikanische Touristen geben wird, die das alles mal sehen und erleben wollen. Sind wir nicht alle ein wenig Paris Hilton? Nur mit dem Unterschied, dass die meisten von uns das sich beim besten Willen nicht leisten können.

Soll der Emir von Dubai etwa sein gutes Geld in so sinnlose Sachen wie Erziehung oder gar Soziales verschleudern?

aussenseiter
07.12.2006, 13:10
Na ja, bald ist es mit Dubais Petrodollars zu Ende, denn seine Ölquellen sind erschöpft.
Hinsichtlich Erziehung und Soziales steht Dubai sogar sehr gut da, das Gesundheitssystem ist hervorragend und kostenlos, wenn ich mich nicht irre.
Aber du hast insofern Recht, als es natürlich angesichts der bald ausbleibenden Öleinnahmen und Unzuverlässigkeit der Tourismusbranche (ein gesprengter Wolkenkratzer genügt) bestimmt konstruktivere Möglichkeiten gibt, das Geld in die Zukunft zu investieren. In Forschung etwa, wo die arabische Welt weit hinterher hinkt. Nicht zuletzt deshalb sind es fast ausnahmslos Ausländer, die Dubais Protzprojekte entwickeln und bauen.

Und ja, das Leben in Dubai ist schweineteuer, nicht nur für Touristen. Es gibt Leute dort, die lieber ins kalte Kanada auswandern, weil sich in Dubai nur noch alles ums Geld und Kaufen dreht.

Muna
07.12.2006, 17:00
Hallo zusammen!

Auf jeden Fall ist es richtig, dass Schulausbildung und Gesundheitsversorgung für alle Dubaiiten kostenlos sind.
Dann hat Dubai von allen Emiraten, ganz zu schweigen im Verhältnis zu den anderen “ großen “ Ölländern, die mit Abstand geringsten Ölreserven ( allerdings auch eine geringe Einwohnerzahl ).
Die Protzbauten werden von den Medien immer gern aufgegriffen( macht sich gut und past in die Erwartungshaltung vieler ). Und natürlich gibt’s die Protzbauten auch und zwar in Mengen.Trotzdem: Schon 1990 hat der verstorbene Staatslenker, Scheich Raschid, mit der von ihm entworfenen “ Vision 2010 “ eine Vielzahl von Technologieprojekten auf den Weg gebracht, damit das Emirat bis zum Jahr 2010 nicht mehr ( so sehr ) von den Öleinnahmen abhängt. Die Vorräte reichen noch 10, maximal 20 Jahre.
Dubai Internet City und Dubai Media City passen z.B. ausgesprochen gut in diese Zielvorgaben des Scheichs, die heute von seine Bruder weiterverfolgt werden.
Viele Grüße

Muna

aussenseiter
07.12.2006, 17:15
Bist du aus Dubai? Wäre schön, einen solchen "Exoten" hier zu haben :smile:

Und sind Erziehung und Gesundheitsversorgung auch für die Ausländer gratis? Wie Kuwait hat vermutlich auch Dubai eine Menge Inder etc.

Dann bin ich ja mal gespannt, ob sich Dubai internettechnisch in Zukunft hervortun wird. Qatar versucht auch, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Sollte der Westen Ernst machen mit Solartechnik, Brennstoffzellen, etc., könnte für die ganze Golfregion 1001 Nacht bald zur schlaflosen Nacht werden.

Muna
08.12.2006, 12:18
Hallo Aussenseiter,
nein, ich bin keine Dubaiitin bzw. kein in D. lebender Expat, war aber im Rahmen meiner Tätigkeit für die ARD schon 10 x dort. Manchmal geht es mir dann ein bißchen auf die Nerven, dass von den Kollegen die immer gleichen Stereotypien kolportiert werden - deshalb mein Beitrag hier.

Gesundheitsversorgung und Schulausbildung sind nur für Dubaiiten frei. Die Gastarbeiter - man verzeihe mir, wenn dies zynisch klingen mag - gelten als austauschbar und müssen für sich selbst Sorge tragen.

Viele Grüße

Muna

aussenseiter
08.12.2006, 15:28
Die Einstellung zu den Gastarbeitern habe ich in Kuwait auch als etwas seltsam empfunden. Ich denke, die Golfaraber verachten Westler und sonstige Ungläubige tief in ihren Herzen, benötigen Sie aber für hochqualifizierte Jobs sowie für die Dreckarbeit.

Wulfom
13.12.2006, 07:26
Man sollte Vorurteile nicht einfach teilen, vorallem nicht wenn es vom Fernsehen kommt.
Ja Dubai hat die Gigantomanie, aber es steht eine Absicht dahinter. Dubai hat die geringsten Oileinnahmen in der VAE und schwimmt nicht im Oil wie Abu Dhabi. Aus diesem Grund versucht Dubai andere Einnahmequellen aufzutun und es gelingt. Ueber 60% des Staatshaushaltes wird inzwischen durch oilunabhanegige Einnahmequellen abgedeckt.
Ja Dubai ist im Augenblick eine endlose Baustelle, und es besteht aus Shopping Centers, Hotels, verstopfte Strassen und Sand. Wie auch immer, man entwickelt eine Art Hassliebe fuer diese Stadt. Man spuert die Dynamic dieser Stadt die kaum mit etwas anderem vergleichbar ist, man fuehlt den Puls des Lebens dort, aber man ist dann auch mal wieder froh nach einem Wochenende herauszukommen. Es gibt dort, wie in jeder deutschen Stadt Licht und Schattenseiten, aber es ist sicherer fuer eine Frau bei Nacht herumzulaufen als in den meisten deutschen Staedten.
Die Entwicklung in Dubai fuehrt dazu, dass andere Laender im Gulf Dubai versuchen nachzuahmen.
Zu den Einheimischen: es gibt ca. 30 % Locals and 70% Auslaender. Es ist etwas schwerere mit ihnen in Kontakt zu kommen aber moeglich. Wenn man dann mal eingeladen wird kommt die sprichwortliche arabische Gastfreundschaft zutage, etwas was in Europa schwer vorstellbar ist in dieser Form.
Um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen sollte man in den Oman reisen (4 Stunden oder 450km von Dubai) und man erlebt einen Menschenschlag der sehr hoefflich und zuvorkommend ist, mit denen man leicht ins Gespraeche kommt. Frauen werden sehr zuvorkommend behandelt (Ueberraschung?).

wulfom
15 Jahre Oman, 2 Jahre Dubai

Lukulla
13.12.2006, 08:51
Das finde ich sehr spannend, dass jemand authentisch aus Dubai berichten kann.

Ich gehöre auch zu denjenigen, die diese Gigantomie mit Kopfschütteln verfolgen, sauge aber auch immer Berichte aus Dubai auf, also scheint es mich auch zu faszinieren, aber vielleicht nur mit Grauen?

In das Meer gesetzt oder besser aus ihm herrausgerungen eine riesige Anlage privater Vierthäuser (Schuhmacher hat natürlich schon eines gekauft), das erscheint mir so absurd, weil es kein Mensch wirklich braucht.

Der Luxus des Prachthotels Burj-al-Arab ist schon aufgrund der mannshohen Aquarien, in denen immer, also 24 Stunden lang, ein Taucher von innen die Scheibe säubert, ein unvorstellbarer Luxus. Wieviel Blattgold im Gebäude verarbeitet wurde, weiss ich nicht mehr, aber mir erscheint es wie ein überdimensionaler Prachtbau, bei dem selbst Versailles in all seiner Verschwendung blass aussieht.

Über das Leben in Dubai weiss ich gar nichts. Leider sieht man in den Dokus immer nur Scheichs, die in diesen langen weissen Gewändern runlaufen, die ich sehr schön und kleidsam finde, nein, würdevoll geradezu, aber nie Frauen.

Lukulla
13.12.2006, 08:53
Ueber 60% des Staatshaushaltes wird inzwischen durch oilunabhanegige Einnahmequellen abgedeckt.

Tourismus?


Wenn man dann mal eingeladen wird kommt die sprichwortliche arabische Gastfreundschaft zutage, etwas was in Europa schwer vorstellbar ist in dieser Form.

Ach, erzähle doch bitte mal, wie so eine Einladung dann aussieht.

aussenseiter
13.12.2006, 17:07
Ach, erzähle doch bitte mal, wie so eine Einladung dann aussieht.

Das würde mich auch interessieren. Ich habe noch nirgends auf der Welt erlebt, dass Gastgeber nicht gastfreundlich gewesen wären, sofern man die regionalen Sitten beachtet. Selbst bettelarme Afrikaner teilen mit dem Gast ihr bestes und letztes Essen, dass es einem Europäer fast peinlich sein kann, davon zu essen. Auch in Indien ist der Gast König. Und selbst in England oder Deutschland werden Gäste im privaten Rahmen sehr gut behandelt.
Hotels sind eine andere Geschichte, aber da kauft man sich ja Gastfreundschaft, was sowieso nirgendwo auf der Welt aufrichtig ist.