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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Depression: Wenn Mama traurig ist



BRIGITTE Community-Team
15.08.2014, 12:07
Liebe Userinnen und User,

von einem Tag auf den anderen wird die Mutter eines achtjährigen Jungen von so großer Traurigkeit gepackt, dass ihr Leben in Stücke zerbricht. Die Diagnose: schwere Depression. In der neuen MOM (ab 19. August 2014 am Kiosk) beschreibt die junge Mutter, wie sie ihrem Sohn ihre Krankheit erklärt (http://mom.brigitte.de/mitfuehlen/depression-als-mutter-1207426/) und berichtet über ihre Angst, ihrem Sohn damit die unbeschwerte Kindheit zu nehmen.

Haben Sie Ähnliches erlebt? Als Betroffene, Freundin oder Verwandte?

Freundliche Grüße
Ihr BRIGITTE MOM-Team

phaden
16.08.2014, 23:49
Ich glaub' s ja kaum.
Die Mutter fällt von einem Tag zum anderen in eine tiefe Depression?
Und dabei weiß sie, dass sie seit der Geburt ihres Kindes mit ihm in einer unerträglichen Symbiose lebt und dass sie einen menschenverachtenden Chef hat, der sie seit eben dieser Geburt drangsaliert.
Und sie zwingt sich selbst sehenden Auges in ein Korsett des schlechten Gewissens und der Unzulänglichkeit.
Das dürfte sich also innerhalb von 8 Jahren entwickelt haben.
Das Kind ist 8 Jahre alt und es geht "nichts zwischen sie und ihn". Das ist kaputt.
Dem Jungen erzählt sie, dass der "böse Chef im Büro" sie krank gemacht hat und der Junge will sie vor ihm beschützen. Nochmal kaputt.
Trotz Depression sollte eine (liebende) Mutter die Kraft haben, ihrem Kind zu versichern, dass der Papa und die beiden Omas in der Lage sind, sie zu beschützen und dass es nicht die Aufgabe eines Kindes ist, die Mutter zu vervollständigen.
Auch sind der Papa, die Omas und vielleicht noch andere willens, das Kind zu beschützen.
Nein, der Kleine muss mit der Mama in die Klinik und dort den Therapeuten machen.
Noch kaputter geht es nicht.

Inaktiver User
17.08.2014, 10:18
mir geht es ähnlich beim lesen...warum konnte man das kind nicht aus dem ganzen raushalten,indem man ihm erklärt,dass die mutter krank ist und er aber sich nicht zu große sorgen machen soll und ganz normal sein leben weiterlebt?
stattdessen wird das kind aus seinem eigenen alltag gerissen und muss eine krankheit mit therapieren,mit der er eigentlich nichts zu tun hat?
vielleicht hätte es der mutter auch entlastung bedeutet von ihren eigenen ansprüchen herunter zu kommen und zu sehen,dass auch ein loslassen des kindes nichts schlechtes für das kind ist?
stattdessen wird das kind nun zurück gestossen,weil die mutter es manchmal körperlich nicht erträgt und das muss das kind beim therapeuten aufarbeiten...ein merkwürdiges und unnötiges konzept...wenn da großeltern und ein vater sind ,die sich zwischenzeitlich kümmern würden...

Sophie2
19.08.2014, 17:22
Ich bin diese schreckliche Mutter und mir war klar, das mich die Leserinnen eher nicht loben werden... Ich möchte alkerdings folgendes klarstellen: es handelt sich um einen winzigen Auszug unserer Geschichte, mir ging es gut nachdem die schwere Krankenhauszeit, vorbei war. Was depressionen sind wusste ich nicht, mehr als das was man meint nun sei mal nicht so depri, war diese krankheit nicht. 2. Den chef bekam ich erst 7 monate bevor ich umfiel.3. Wer hilfe in meiner Situation sucht, hat es trotz des deutschen Gesundheitssystems nicht leicht. 4. Wie soll man sich denn vor einem menschen mit dem man zusamnen lebt derartig verstellen? Kinder checken alles! 5. Mein Kind musste nicht mein therapeut sein, ich habe was ging getan um ihn da raus zuhalten, aber wie gesagt kids haben antennen und mir war wichtig das er weiss, das nicht er der grund für meine "launen" ist. Das er weiss ich liebe ihn! 6. Mein Sohn Wird nicht wegen mir therapeutisch betreut sondern aus anderen nicht tragischen aber wichtigen gründen. Aber ich habe darum gebeten, dass man wenn er dort ist, auch auf diesen Bereich achtet. Noch eine Frage zum Schluss: Hättet ihr Euch Monate lang ohne kontakt zu Euern Kindern in eine Klinik begeben können und wollen? Macht das dem Kind keine Angst? Wenn Mama es verlässt? Ich habe mein bestes getan, immer!

phaden
19.08.2014, 22:56
Ich bin diese schreckliche Mutter (...)Nein, Du bist keine schreckliche Mutter, Du bist einfach schlecht beraten worden. Und das nicht erst seit dem Ausbruch Deiner Krankheit.
Deinen Sohn so eng an Dich zu binden, nur weil er einen schweren Start ins Leben hatte, ist einfach nicht gut für Dein Kind. Vielleicht war es gut für Dich, um diese Anfangszeit zu verarbeiten oder aus welchen Gründen auch immer.
Aber als Mutter (und als Vater) sollte das Wohl des Kinder immer im Vordergrund stehen und nicht das Wohlbefinden der Mutter (oder Vater). Auch ein krankes oder behindertes Kind hat ein Recht auf eine eigene Kindheit resp. eigenes Leben. Und dazu gehört das Loslassen der Eltern.
Die Eltern sind für das Kind da. Das Kind ist nicht für die Eltern da.

(...) es handelt sich um einen winzigen Auszug unserer Geschichte, mir ging es gut nachdem die schwere Krankenhauszeit, vorbei war. So war das nicht erzählt.
Und für mich ist es auch nicht wirklich interessant (verzeih mir), ob es Dir gut geht, sondern ob es Deinem Kind gut geht.
Du bist ein Stück verantwortlich für Deine Krankheit. Du hast das Nachdenken anderen überlassen, Dich nicht gewehrt und Deinen Sohn für Dich in Anspruch genommen.
Dein Sohn ist völlig ohne eigenes Zutun in diese Situation gekommen. Er konnte noch nicht nachdenken (sich Hilfe holen, sich aussprechen usw.), er konnte sich auch nicht wehren (für sich selbst einstehen gegen den Chef) und er war Dir ausgeliefert, weil klein und hilf-und sprachlos.

Den chef bekam ich erst 7 monate bevor ich umfiel.Sieben Monate lang Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, dass diese Situation menschenverachtend ist und man sich dagegen nicht nur wehren kann, sondern auch muss.

Wer hilfe in meiner Situation sucht, hat es trotz des deutschen Gesundheitssystems nicht leicht. Du kannst Dich jederzeit als Notfall in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen.
Du kannst Dich jederzeit durch Bücher oder Internet schlau machen, was gerade mit Dir passiert. Ich kenne keinen Depressiven, dem nicht klar ist, was mit ihm los ist.

Wie soll man sich denn vor einem menschen mit dem man zusamnen lebt derartig verstellen? Kinder checken alles!Redest Du von Deinem Mann? Der hätte nicht nur Dir, sondern auch seinem Sohn helfen können. Redet Ihr miteinander? Kinder checken nicht alles, aber vieles was sie nicht einordnen können.
Das muss man dann für sie richtig ordnen.

und mir war wichtig das er weiss, das nicht er der grund für meine "launen" ist. Das er weiss ich liebe ihn! Du erzählst ihm, dass der böse Chef für Deine Launen verantwortlich ist und er will Dich beschützen. Er wird in eine Rolle gedrängt, die er nicht ausfüllen kann. Das macht ihn erst recht hilflos.
Weshalb musst Du ihm Deine Liebe versichern? Das ist eigentlich klar für ihn. Dadurch rufst Du erst recht Unsicherheit hervor. Du beschädigst das Urvertrauen.

Mein Sohn Wird nicht wegen mir therapeutisch betreut sondern aus anderen nicht tragischen aber wichtigen gründen. Aber ich habe darum gebeten, dass man wenn er dort ist, auch auf diesen Bereich achtet. So wurde das nicht geschildert.

Noch eine Frage zum Schluss: Hättet ihr Euch Monate lang ohne kontakt zu Euern Kindern in eine Klinik begeben können und wollen? Macht das dem Kind keine Angst? Wenn Mama es verlässt? Eine klare Antwort von mir: Ja, ich wäre allein in die Klinik gegangen.
Und was heißt ohne Kontakt? Gibt es kein Telefon? Was ist mit den Wochenenden? Du bist doch mit Sicherheit schon vorher Wochenenden zu Hause gewesen, um den Alltag zu proben?
Ich schrieb schon oben, Du bist für Dein Kind da und nicht umgekehrt, Dein Kind ist nicht für Dich da.
Stelle Dir mal vor Du hättest eine ansteckende Krankheit (Ebola!!!). Würdest Du Dein Kind dann auch bei Dir haben wollen? Nur weil es dem Kind vielleicht Angst macht, ohne Mama zu sein?
Es ist doch nur Deine Angst, dass Du nicht mehr die wichtigste Person in seinem Leben bist. Dabei hat er seinen Vater und zwei Omas.
Du nimmst in Kauf, dass Dein Sohn an Deiner Persönlichkeit zweifelt und vielleicht auch erkrankt, nur weil er denken könnte, Du verlässt ihn. Das denkt er nicht, sein Vater wird es ihm erklären und für ihn da sein.
Du zweifelst an der Liebe Deines Sohnes. Wofür brauchst Du ihn eigentlich?

Ich habe mein bestes getan, immer!Nein.

Sig
19.08.2014, 23:48
Wer hilfe in meiner Situation sucht, hat es trotz des deutschen Gesundheitssystems nicht leicht.

Würde ich im Gegensatz zur Vorrednerin bestätigen. Für psychische Leiden angemessene Behandlung zu finden kann sehr schwierig sein.


Ich habe mein bestes getan, immer!

Davon gehe ich aus. Du wirst sicher nicht überlegt haben, wie Du Deinem Kind wohl am besten schaden kannst. Immer jeweils das Richtige zu tun, vor allem wenn man selbst angeschlagen ist, ist unmöglich.

Sophie2
20.08.2014, 06:56
Ich denke DU weisst nicht was depressionen wirklich bedeuten. Genauso wenig wie ich es wusste. Und bis zu diesem Tag an dem ich umfiel war ich der Ansicht, dass ich mit der Situation im Job umgehen kann. Ich brauche übrigens den Job zum Leben und nicht als Selbstbestätigung. Ich hatte mir über Jahre hinweg etwas sehr gutes im Unternehmen aufgebaut, das schmeisst keiner in der heutigen Zeit einfach hin! Zumindest ich konnte mir das nicht leisten! Ehrlichgesagt denke ich, das Du kein Recht hast über mich so zu urteilen! Und dieses Nähe nicht ertragen, das kam mit meinem Zusammenbruch. Vorher war alles anders! Und trotz meiner krankeit habe ich für mein kind und meine familie gekaempft. Ich brauche keine vorwuerfe, ich haette hilfe aus dem umfeld brauchen koennen, aber "freunde", nachbarn haben sich versteckt. Mein mann hat versucht zu helfen, aber das ist eine sehr schwere Aufgabe.

Sophie2
20.08.2014, 06:59
@sig danke. Genau das ist es. Man ist wie gelämt, aber muss um Hilfe und Behandlung kämpfen...

Inaktiver User
20.08.2014, 09:00
@ Sophie2,

bitte rechtfertige Dich nicht !! Du hast getan,was Du konntest ! :blumengabe:

niemand sollte über einen anderen urteilen, wenn er nicht eine Meile in dessen Schuhen gelaufen ist! :smile:

mein Tipp für DIch:

hier weder lesen noch schreiben! Das hilft Dir nicht!! Ganz im Gegenteil....

suche Dir UNterstützung im real life und finde Deinen ganz persönlichen Weg!

Du schaffst das! Alles Gute! :blume:

Inaktiver User
20.08.2014, 09:05
Tipp für Betroffene:

"Wenn Mama nicht mehr funktioniert" von Cristina Trentini
Ratgeber für Jugendliche (und ältere KInder), die mit der Depression eines ELternteils konfrontiert sind

BRIGITTE Community-Team
20.08.2014, 11:05
Liebe Userinnen und User,

wir bitten alle darum, gerade bei diesem sehr sensiblen Thema auf Bewertungen und Beurteilungen von Meinungen oder Verhalten anderer zu verzichten. Wir möchten hier Betroffenen bzw. Freunden und Verwandten von Betroffenen einen Ort bieten, an dem sie sich über ihre Erfahrungen, Fragen und Ängste ohne Rechtfertigungsdruck austauschen können.

Wir bitten alle, das zu akzeptieren.

Freundliche Grüße
das BRIGITTE Community-Team

Inaktiver User
20.08.2014, 12:18
Ich bin diese schreckliche Mutter und mir war klar, das mich die Leserinnen eher .................Noch eine Frage zum Schluss: Hättet ihr Euch Monate lang ohne kontakt zu Euern Kindern in eine Klinik begeben können und wollen? Macht das dem Kind keine Angst? Wenn Mama es verlässt? Ich habe mein bestes getan, immer!
hallo sophie,
erstmal alles gute von mir! und ich möchte deine frage ganz ehrlich beantworten.
ja ,aus liebe und um gesund zu werden hätte ich auf den kontakt verzichtet ,obwohl dass nicht mal nötig wäre ,denn es gibt sicher auch besuchszeiten an denen man sein kind sehen könnte.
gesunde kinder sollten in dem alter schon genug freunde haben ,um das gut zu verkraften,gerade wenn man dem kind erklärt ,dass die mutter momentan selbst ganz viel kraft braucht ,um gesund zu werden.und wenn ich den artikel richtig gelesen habe ,wäre auch die familie für ihn da gewesen? ich glaube auch nicht ,dass ein geliebtes kind das in frage stellen würde ,dass die mutter ihn nicht mehr liebt ,wenn sie krank ist.

ein schulkind monatelang aus seinem sozialen umfeld zu reissen ,finde ich einen zu großen schritt für das kind und nur ,wenn es eben gar nicht anders geht ,da keine betreuung da wäre.
aber ich will dir kein schlechtes gewissen machen und mich wundert es nur ,dass das anscheinend nicht thematisiert wurde,wird? ich könnte mir vorstellen,dass dein anspruch eine gute mutter zu sein mit einer liebevollen bindung vielleicht auch ein zusätzlicher druck ist?

man kann nicht mehr tun als sein bestes geben ,dennoch ist es eben nicht immer das beste für andere,ich glaube ,das gilt es oft im leben einfach anzunehmen.

ich kann mich in deine frühchengeschichte hereindenken(allerdings hatte ich mir auch vorgenommen,dass ich mich immer wie eine normale mutter verhalten wollte und das nicht zum anlass nehme ,da ein zu enges verhältnis ,vielleicht auch noch durch angst geprägt,entwickeln zu lassen,da ich mir dieser gefahr schon sehr bewusst war)depressionen habe ich glücklicherweise bis jetzt immer umschiffen können,da fehlt mir die erfahrung.
deshalb wünsche ich dir von herzen,dass du die dinge dort ,wo du bist ,vielleicht lernst in einem anderen licht zu betrachten und natürlich ganz viel kraft entwickelst ,um aus diesem teufelskreis depression herauszukommen und perspektiven entwickeln kannst ,um bald ein möglichst unbeschwertes leben im kreise deiner familie leben zu können.

alles liebe wünscht dir ryoshi

Duffeline
20.08.2014, 12:32
@ Sophie2,

bitte rechtfertige Dich nicht !! Du hast getan,was Du konntest ! :blumengabe:

niemand sollte über einen anderen urteilen, wenn er nicht eine Meile in dessen Schuhen gelaufen ist! :smile:

mein Tipp für DIch:

hier weder lesen noch schreiben! Das hilft Dir nicht!! Ganz im Gegenteil....

suche Dir UNterstützung im real life und finde Deinen ganz persönlichen Weg!

Du schaffst das! Alles Gute! :blume:

Dem schließe ich mich an.
...

Schütze dich davor.

Ich wünsche dir alles Gute.

Blue2012
20.08.2014, 13:31
Liebe Sophie2,

ich danke Ihnen für Ihren mutigen und ehrlichen Artikel. Ich persönlich lese ihn mit viel Respekt und Achtung.

Ihr Sohn hat großes Glück, in Ihnen eine verantwortungsvolle und durch und durch lebensbejahende Mama vorzufinden. Denn wer den Mut hat, sich einer Depression zu stellen, der hat auch den Mut, sich selbst und das Leben zu spüren - und dies auszuhalten oder zu verändern.

Und das ist wahrlich eine Kunst, die nicht jedem von uns gelingt.


Beste Grüße
Blue

phaden
20.08.2014, 14:06
Ich denke DU weisst nicht was depressionen wirklich bedeuten. Genauso wenig wie ich es wusste. Da denkst Du falsch. Ich weiß sehr gut, was Depression bedeutet und vor allem wie es auf Angehörige, insbesondere Kinder, wirkt.
In meinem Umfeld, auch in der engsten Familie, habe und hatte ich mit schlimmster Depression zu tun. Was es mit Kindern macht, habe ich tragisch erlebt. Von zerstörtem Leben bis hin zum Suizid.
Ich schreibe hier nicht aus Lust und Laune, sondern aus tiefster Betroffenheit.
Diese Krankheit ist nicht unbekannt, jeder kann sich darüber informieren, Du wirst auch schon davon gehört haben, bevor es Dich erwischt hat.

Und bis zu diesem Tag an dem ich umfiel war ich der Ansicht, dass ich mit der Situation im Job umgehen kann.Ich denke, Dein Chef hat Dich seit 7 Monaten drangsaliert. Und ein Verhältnis zu einem 8jährigen Buben in dem "nichts dazwischen geht", mit dem Du als Mutter Inliner fahren musst und nicht seine Freunde, ist auch nicht das, was man als "normal" bezeichnen kann.
100% in zwei Bereichen macht 200%. Wie soll das gehen?

Ich brauche übrigens den Job zum Leben und nicht als Selbstbestätigung. Ich hatte mir über Jahre hinweg etwas sehr gutes im Unternehmen aufgebaut, das schmeisst keiner in der heutigen Zeit einfach hin! Zumindest ich konnte mir das nicht leisten! Das ist doch auch nicht nötig. Aber Deinen Chef hättest Du in seine Schranken weisen können/müssen. Da kann man sich Unterstützung holen.

Ehrlichgesagt denke ich, das Du kein Recht hast über mich so zu urteilen! Ich kann nur darüber meine Meinung äußern, worüber ich gelesen habe. Wenn im Nachhinein doch alles anders ist, dann ist es schwierig.
Wenn ich eines im Umgang mit Depressiven gelernt habe, dann ist es, ehrlich zu sein und Probleme anzusprechen, denn die sollten angegangen werden.
Es hilft doch nichts, den Umständen die Schuld zu geben und dann nichts daran zu ändern bzw. es noch nicht einmal ansprechen zu dürfen.

Und dieses Nähe nicht ertragen, das kam mit meinem Zusammenbruch. Vorher war alles anders!Das ist normal bei dieser Krankheit. Du hast Dich zurückgezogen, das ist ein Selbstschutz, das muss man respektieren, Du selbst auch.

Und trotz meiner krankeit habe ich für mein kind und meine familie gekaempft. Was meinst Du damit? Wie und wofür hast Du gekämpft?

Ich brauche keine vorwuerfe, ich haette hilfe aus dem umfeld brauchen koennen, aber "freunde", nachbarn haben sich versteckt. Mein mann hat versucht zu helfen, aber das ist eine sehr schwere Aufgabe.Was sind für Dich Vorwürfe? Wenn man eine andere Meinung hat?
Du wirst es in der Therapie doch gelernt haben, dass man kritisch mit sich selbst seinem Umfeld umgehen muss. Auch unangenehme Fragen muss man zulassen. Eine Auseinandersetzung mit sich selbst ist unumgänglich.
Weshalb warst Du nicht in der Lage, Dich am Arbeitsplatz durchzusetzen? Weshalb kannst Du Dein Kind nicht altersgemäß loslassen? Das wird doch in der Therapie Thema gewesen sein.
Ich gehöre zu denen, die sich nicht zurückziehen, ich spreche aber auch alles an.


niemand sollte über einen anderen urteilen, wenn er nicht eine Meile in dessen Schuhen gelaufen ist! :smile:
Es soll hier nicht über jemanden geurteilt werden, sondern die Problematik ist zur Diskussion gestellt worden.
Man kann sich nicht nur zu dem Thema äußern, wenn man selbst depressiv war, sondern auch, wenn man unter Depressiven (z.B. Müttern) gelitten hat. Ich denke, das ist hier das Thema: Was macht es mit dem Kind.

hier weder lesen noch schreiben! Das hilft Dir nicht!! Ganz im Gegenteil....Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Sophie wieder gesund, sie schrieb es geht ihr gut.
Und wozu diese Veröffentlichung, wenn weder schreiben noch lesen hilft. Ich verstehe den Sinn dann nicht.

suche Dir UNterstützung im real life und finde Deinen ganz persönlichen Weg! Diese Geschichte wird in einer Zeitschrift veröffentlich und hier zur Diskussion gestellt!


man kann nicht mehr tun als sein bestes geben ,dennoch ist es eben nicht immer das beste für andere,ich glaube ,das gilt es oft im leben einfach anzunehmen.So sehe ich das auch.
Und wenn der Sinn in der Veröffentlichung darin liegt, dass andere Mütter das lesen können und sich Gedanken darüber machen können, wie sie sich im Falle einer Erkrankung verhalten können, dann wäre es schon sinnvoll, verschiede Aspekte zu beleuchten.
Nicht nur das Mitgefühl für den Erkrankten, sondern auch der Blick auf das dazugehörige Umfeld.
@Sophie, ich gehe davon aus, dass Du mit kritischer Sichtweise umgehen kannst, sonst hättest Du Dich von der Redaktion besser beraten lassen sollen und Deine Geschichte nicht an die Öffentlichkeit bringen dürfen.

Blue2012
20.08.2014, 14:20
..hatte ich mit schlimmster Depression zu tun. Was es mit Kindern macht, habe ich tragisch erlebt. Von zerstörtem Leben bis hin zum Suizid.

Hallo phaden,

das ist sehr traurig. Vielleicht ist das Thema daher für dich ganz besonders "brizzelig".
Oft, weil viel Eigenes noch nicht verdaut werden konnte. Und dann spiegelt man sich an einem anderen Lebensverlauf (um das Eigene aufzuarbeiten).
Als ich den Artikel beispielsweise las, dachte ich bei jeder zweiten Zeile: "Ja! Genau SO geht's los mit den Depris. Ja! Genau SO zeigt es sich...Jaja, genau SO ist der Vorlauf vorm inneren Crash..."

Daher bin ich auch so dankbar um den Beitrag. Weil Depressionen - gerade bei Mamas - sind ein gesellschaftliches Tabu.

Liebe Grüße
Blue

phaden
20.08.2014, 14:37
Daher bin ich auch so dankbar um den Beitrag. Weil Depressionen - gerade bei Mamas - sind ein gesellschaftliches Tabu. Das sehe ich ein wenig anders.
Gerade in der heutigen Zeit ist diese Krankheit durchaus anerkannt.
Die sogenannte Wochenbettdepression ist ein Dauerbrenner. Ich erinnere mich an die Geburt meines ersten Kindes, wo ich im Krankenhaus eine Stinklaune hatte, weil die Brust spannte, die Säuglingsstation der Besitzer meines Kindes war und ich mich nur fremdbestimmt fühlte.
Das fanden alle ganz normal, die Mutti hat eine Wochenbettdepression. Ich hätte jedem die Augen auskratzen können. Zu Hause habe ich mein Ding gemacht und alles war gut.
Unzufriedenheit, Unglücklichsein, Überforderung oder Ausgebranntsein wird schnell als Depression diagnostiziert und schon beginnt der Kreislauf mit Medikamenten, Therapien oder Klinikaufenthalt.
Dabei würde manchmal schon eine Veränderung der Lebensumstände helfen.
Dazu muss allerdings die Bereitschaft bestehen, seine Problem anzuerkennen und Veränderungen anzunehmen.
Depression bzw. Schwermut bei Frauen insbesondere Müttern war in bestimmten Kreisen früher sehr anerkannt. Die Fremdbestimmung und Hilflosigkeit der Frauen in "höheren" Gesellschaftskreisen wurde so beschönigt. Sigmund Freud hat sich daran hochgearbeitet.
Depression bei Männern war und ist gesellschaftlich nicht sehr anerkannt, das gilt als Schwäche und die ist Frauen vorbehalten.
Alkoholismus und Aggressivität dagegen ist eine anerkannte Männerkrankheit. Eine tragische Geschichte.

maryquitecontrary
20.08.2014, 15:50
Ein Teil meines Berufes ist die Arbeit mit Familien, in denen ein Elternteil (manchmal auch beide) psychisch belastet/krank sind und sich dies auf die Kinder auswirkt.

Was ich für wesentlich halte:
-die Erwachsenen müssen so viel Hilfe bekommen, dass sich die Kinder nicht als in der Pflicht erleben. denn Kinder sind sehr loyal und springen in jede Bresche, wenn sie erleben, dass sich sonst keiner kümmert.
-die Kinder brauchen ausreichend Information über das, was von des Erwachsenen Erkrankung sie selbst betrifft, was erklärt, was sie erleben, warum was wie ist, und eine Perspektive. und zwar altersangepasst und nicht-ängstigend.
-wenn ein Elternteil weniger Verantwortung tragen kann, muss ein anderer Erwachsener/das Netzwerk einspringen und auffangen.
-es ist immens wichtig, dass die Behandler der Erwachsenen Kompetenz darüber besitzen, was das für Kinder bedeutet, und dies im Blick haben, ggfs. weiter überweisen.



Bei einer ernsthaften Depression nach der Geburt ist es ganz wichtig, nicht nur die Depression der Mutter zu behandlen sondern auch die Interaktion Mutter-Kind. Viele Mütter, die in einer frühen Periode depressiv waren, berichten später von Bindungsschwierigkeiten gegenüber dem Kind.

Beispiel: heute sprach meine Kollegin mit der Mutter eines Babies (und zweier älterer Kinder). Sie war in der Schwangerschaft immer unruhiger, ängstlicher und affektiv instabiler geworden, hatte Angst, wieder in eine Depression abzugleiten wie bei den Geburten vorher (ganz schlimm beim ersten Kind, einem Sohn, wo sie über ein Jahr mit einer unbehandelten Depression lebte. Beim zweiten Kind waren wir dann schon eingeschaltet und konnten helfen). Jetzt. nach erfolgter erneuter Behandlung durch uns und durch die Psychiatrie (also Behandlung des Erwachsenen) geht es ihr sehr gut, gleichzeitig trauert sie um die "verpasste" Zeit und das verpasste Gefühl gegenüber insbesondere dem ersten Kind, das sie bis heute nicht so ganz "angenommen" hat im Gefühl. Sie bat um Hilfe dazu, und die wird sie bekommen.


Wenn man hier nur antidepressiv und/oder nur mit Blick auf den Erwachsenen behandelt, sieht man etwas ganz Wesentliches nicht. Die betroffenen Kinder bekommen keine Hilfe, die Eltern ebenfalls nicht in ihrer Rolle als Eltern. Wenn nun das erstgeborene Kind dieser Frau gross wird und immer leicht das Gefühl hat, zu kurz zu kommen oder leer auszugehen oder nicht geliebt zu sein oder weniger wert zu sein (was ja auch depressive Gefühle sind)...und wenn er dann wieder nur im erwachsenen Rahmen behandlet wird ohne Blick auf das Familiengeschehen - dann greift die Behandlung zu kurz.
Es gibt regelrechte Familienschicksale, wo etwas weitergegeben wird in den Generationen, ohne dass man die Zusammenhänge sieht.


Am liebsten begleiten wir schon ab der belasteten Schwangerschaft. Und werden ansonsten von der Psychiatrie konsultiert, wenn ein Elternteil erkrankt, um zu sehen, ob die Kinder/Eltern Hilfe brauchen.

Inaktiver User
20.08.2014, 16:24
Ich habe mir die Geschichte gerade durchgelesen und denke auch, dass diese Situation für das Kind alles andere als gut ist.

Du möchtest es sicher richtig machen, Sophie, aber wenn ich manches lese, gruselt es mir: Dein Sohn will dich beschützen (dabei ist er das Kind und nicht du), er weiss angeblich, dass du es nicht böse meinst, wenn du ausflippst…wenn du schroff reagierst, zieht er sich nicht zurück…er fühlt sich verantwortlich, er glaubt, der Starke sein zu müssen…

…..all das ist schon für erwachsene Partner von Depressiven sehr schwierig und belastend, ein Kind überfordert man damit total.

Es macht dich traurig, dass Tom das erleben muss. Dann erspar es ihm doch bitte!

Du schreibst, dein Mann und beide Omas wären eingesprungen, aber du wärst doch Toms Mutter und er bräuchte dich….ich fürchte, das ist ein Irrtum. Was dein Sohn braucht, ist eine gesunde Umgebung. Du bist im Moment depressiv und kannst ihm das nicht bieten. Dass du seine Mutter bist, spielt dabei keine Rolle.

Ich kann verstehen, dass du deswegen Schuldgefühle hast (das ist typisch für Depressive), aber das macht die Sache nicht besser. Du bist im Moment nicht gut für ihn, weil du ihn in deine Krankheit mit hinein ziehst (das lässt sich leider nicht vermeiden, wenn ihr dauernd zusammen seid, denn er spiegelt dich automatisch).

Depressionen können ansteckend sein. Selbst für erwachsene Partner ist es enorm schwierig, in einer solchen Situation bei sich selbst zu bleiben und sich zu schützen. Ein Kind kann das nicht.

Ein gesundes Kind hat meiner Meinung nach in einer Rehaklinik für Erwachsene auch nichts zu suchen. Gerade dann, wenn es so eine schwere Belastung zu tragen hat, bräuchte es eine "gesunde" Umgebung, Freunde und vor allem: Normalität, um wieder Kraft tanken zu können.

phaden
20.08.2014, 17:05
Es gibt regelrechte Familienschicksale, wo etwas weitergegeben wird in den Generationen, ohne dass man die Zusammenhänge sieht.Genau das ist das große Problem.
Manchen stehen auf dem Standpunkt, dass Depression vererbbar ist. Damit wird der gelebte Einfluss negiert, die ein krankes Elternteil auf die Kinder haben kann.
Kinder, die das Verhalten eines oder beider Elternteile nicht einordnen können, zweifeln an sich selbst, an ihrer Wahrnehmung (gestern hat sich die Mutter über etwas gefreut, heute will sie von dem gleichen nichts wissen). Das versteht kein Kind. Selbst wenn man ihm erklärt, die Mutter ist krank, deshalb verhält sie sich so.
Kinder glauben, das Verhalten der Eltern beeinflussen zu können (wenn ich lieb bin, freut sich die Mutter), sie tun alles, was in ihrer kindlichen Macht steht und trotzdem reagiert die Mutter nicht.
Das Kind gibt sich die Schuld, weil es denkt, falsch gehandelt zu haben.
Dieses Schuldbewusstsein beeinträchtigt das gesunde Selbstbewusstsein. Das Kind wird manipulierbar, traurig und entwickelt selbst Depressionen.
Das Tragische an dieser übertragenen (oder vererbten) Depression ist, dass man an den Umständen nichts mehr ändern kann. Die liegen in der Generation davor. Wenn die Mutter, wie in unserem Beispiel, noch ihre Belastung und ihre falsche Vorstellung von Mutter-Kind-Bindung hätte korrigieren können, so wird der Sohn nur eine diffuse Traurigkeit spüren, die er nicht einordnen kann.
Das zerstört Leben.


Depressionen können ansteckend sein. Selbst für erwachsene Partner ist es enorm schwierig, in einer solchen Situation bei sich selbst zu bleiben und sich zu schützen. Ein Kind kann das nicht. Genau so ist es.

Inaktiver User
20.08.2014, 17:36
Kinder glauben, das Verhalten der Eltern beeinflussen zu können (wenn ich lieb bin, freut sich die Mutter), sie tun alles, was in ihrer kindlichen Macht steht und trotzdem reagiert die Mutter nicht.

Nicht nur Kinder glauben das. Auch für Erwachsene ist es ganz selbstverständlich, dass in jeder menschlichen Kommunikation Sender und Empfänger auf einander reagieren. Dazu muss man noch nicht einmal mit einander sprechen, das passiert ganz automatisch.
Dann gibt es noch die bewusste Kommunikation: Sprache, Blicke, Gesten. Man lernt schon als Kind, dass man damit andere Menschen beeinflussen kann: Man kann sowohl freundliche wie ärgerliche Reaktionen bei anderen auslösen.

Ist das Gegenüber aber gerade in einer schweren depressiven Phase, bricht diese grundlegende Kommunikation ab. Er/sie ist nicht mehr ansprechbar, reagiert nicht mehr.
Das grundlegende Ping-Pong menschlicher Kommunikation ist gestört, der/die Depressive wirkt wie ein Zombie, zu dem man keine Kommunikation mehr aufbauen kann.

Das ist irritierend. Für ein Kind, das all diese Mechanismen erst lernt, muss das äußerst verstörend sein, weil es auf seine Signale plötzlich keine Antworten mehr bekommt, die es einordnen kann. Einmal reagiert die Mutter, dann wieder nicht, einmal reagiert sie auf Freundlichkeit ebenso freundlich, dann wieder explodiert sie ohne Grund…..

Wie soll ein Kind in einer solchen Situation Vertrauen in die Welt und die Verlässlichkeit der Reaktionen anderer aufbauen?

Das Tragische daran: Der/die Kranke ist nicht schuld daran, er kann nur an seiner Genesung arbeiten. Und er kann das Leid seiner Angehörigen nicht erkennen, weil sein eigenes noch viel größer ist.

Inaktiver User
20.08.2014, 17:49
an die Moderation:

leider funktioniert der link (Ausgangsartikel S.2) nicht- bitte kann er repariert werden?

"Mehr zum Thema bei der Bundesarbeitsgemeinschaft "Kinder psychisch erkrankter Eltern" unter BAG KipE | Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder psychisch erkrankter Eltern (http://www.bag-kipe.de) "

Danke :smile:

maryquitecontrary
20.08.2014, 17:53
Wir sehen bei Babies und Kleinkindern unterschiedliche Entwicklungen, wohl auch davon abhängig, wie erreichbar das Elternteil ist.

Wenn die Kinder erleben, dass sie durch grosse Anstrengung durchdringen können, durch Lächeln, Handlungen, Worte, dann wird das verstärkt und sie richten sich danach aus. Das wird dann schliesslich sog. "overbright", nicht mehr mit der Empfindung des Kindes verbunden, sondern suchend nach aussen gerichtet (sog. Falsches-Selbst-Entwicklung).
Ich habe neulich eine Beobachtung bei einem solchen Kind mitgemacht, das -für mich sehr unangenehm zu erleben - mit einer künstlich munteren Stimme sprach, mich nicht aus den Augen liess, lächelte, sang, tanzte, kurzum eine kleine Vorstellung für mich abhielt - es hat das so gelernt, weil es auf diese Weise den Vater kurzzeitig engagieren kann, der ansonsten in seiner Depression (und Trauer um die tote Kindsmutter) versinkt.


Wenn hingegen alles nichts nützt, erlöschen die Kinder, werden flach in Mimik und Ausdruck, leise, ziehen sich in sich selbst zurück.


Leider verarbeiten Kinder oft auf sich selbst bezogen, das heisst sie entwickeln dann die Vorstellung (wie Phaden schon schrieb, meine ich), das hinge mit ihnen selbst, mit einem Mangel oder mangelnder Liebe zusammen. Das ist ja schon eine depressive Grundlage...und wenn z.B. die elterliche Depression unentdeckt bleibt, dann haben diese Kidner später als Erwachsene keine Verbindung mehr zu dem, was einst geschehen ist.


Ein (sehr guter, leider auf Norwegisch erschienener) Artikel zeigt in seinem Titel, worum es gehen kann "Die unmögliche Trauer, wenn die innere Mutter stirbt" - was geschieht mit dem inneren guten Objekt, wenn es in die Depression verschwindet. Es bleibt dann oft eine wort- und erklärungslose Leere, und das Kind verarbeitet es zum Teil so, als habe es selbst das bewirkt - da die angenommenen Handlunsgschuld immerhin noch leichter eträglich scheint als die absolute Ohnmacht.

Inaktiver User
20.08.2014, 18:44
Vielen Dank für deine äußerst informativen Beiträge, maryquitecontrary.

Kommt es auch vor, dass Kinder - besonders Jungen - versuchen, durch aggressives Verhalten die Aufmerksamkeit des depressiven Elternteils zu bekommen? So nach dem Motto: Ausgeschimpft werden ist immer noch besser als gar nicht beachtet werden?

Wirkt sich die Depression je nach Geschlecht unterschiedlich aus, je nachdem, ob Mutter oder Vater betroffen sind? Und sind die Wirkungen auf Söhne und Töchter dieselben?

Inaktiver User
20.08.2014, 19:43
Ich habe mir die Geschichte gerade durchgelesen und denke auch, dass diese Situation für das Kind alles andere als gut ist.

Du möchtest es sicher richtig machen, Sophie, aber wenn ich manches lese, gruselt es mir: Dein Sohn will dich beschützen (dabei ist er das Kind und nicht du), er weiss angeblich, dass du es nicht böse meinst, wenn du ausflippst…wenn du schroff reagierst, zieht er sich nicht zurück…er fühlt sich verantwortlich, er glaubt, der Starke sein zu müssen…

…..all das ist schon für erwachsene Partner von Depressiven sehr schwierig und belastend, ein Kind überfordert man damit total.

Es macht dich traurig, dass Tom das erleben muss. Dann erspar es ihm doch bitte!

Du schreibst, dein Mann und beide Omas wären eingesprungen, aber du wärst doch Toms Mutter und er bräuchte dich….ich fürchte, das ist ein Irrtum. Was dein Sohn braucht, ist eine gesunde Umgebung. Du bist im Moment depressiv und kannst ihm das nicht bieten. Dass du seine Mutter bist, spielt dabei keine Rolle.

Ich kann verstehen, dass du deswegen Schuldgefühle hast (das ist typisch für Depressive), aber das macht die Sache nicht besser. Du bist im Moment nicht gut für ihn, weil du ihn in deine Krankheit mit hinein ziehst (das lässt sich leider nicht vermeiden, wenn ihr dauernd zusammen seid, denn er spiegelt dich automatisch).

Depressionen können ansteckend sein. Selbst für erwachsene Partner ist es enorm schwierig, in einer solchen Situation bei sich selbst zu bleiben und sich zu schützen. Ein Kind kann das nicht.

Ein gesundes Kind hat meiner Meinung nach in einer Rehaklinik für Erwachsene auch nichts zu suchen. Gerade dann, wenn es so eine schwere Belastung zu tragen hat, bräuchte es eine "gesunde" Umgebung, Freunde und vor allem: Normalität, um wieder Kraft tanken zu können.

Sehe ich ganz genauso.
Sophie, du und dein Kind, ihr tragt ein Trauma mit euch herum. Du das Trauma, dass dein Kind hätte sterben oder eine schwerwiegende Behinderung erwerben können.

Dein Kind hat gleich nach der Geburt dem Tod ins Auge geblickt und musste um sein Leben und seine Gesundheit kämpfen.

Ich kenne das, bei meinem Kind war das genauso. Anstelle des Mutterglücks stehen überwältigende Sorgen im Vordergrund, deine Akkus werden schnell leer, aber du hast keine Gelegenheit, sie wieder aufzufüllen. Hinzu kommt die Sorge um den Alltag. Du läufst psychisch seit der Geburt praktisch auf Reserve. Da reicht dann ein blöder Zwischenfall, um das ganze System zum Kippen zu bringen.

Die enge Bindung an dein Kind ist nicht nur Liebe, sondern auch eine gehörige Portion Verlustangst. Das ist mehr als verständlich, aber für das Kind nicht so gut. Gib dein Kind ab. Dass nicht nur ein Vater, sondern auch die Omas da sind, ist doch einfach super! Die schaffen das.

Ich selber bin Kind einer depressiven Mutter und hatte meine ganze Kindheit hindurch ein schlechtes Gewissen, dass ich lebe. Es wäre nicht gut, wenn dein Sohn ähnliche Gefühle entwickelt.

Denk jetzt erst mal NUR an dich. Du kannst nur eine gute Mutter sein, wenn es dir gut geht, also konzentriere dich nur auf dich selbst. Lass dein Kind ein Stück weit los, reduziere deinen Perfektionsanspruch. Nimm dir den Raum, den du brauchst, um deine Akkus wieder aufzufüllen.

Das hört sich alles sehr einfach an, ist aber SEHR SCHWER. Aber die Mühe lohnt sich.

Sophie2
20.08.2014, 20:04
Liebe Monika, danke fuer deine worte. Ich habe depressionen früher auch nicht verstanden bis ich erlebt habe das das keine krankeit der faulen ist... Nicht einfach nur mal schlechte laune. Bis ich erlebt habe wie schrecklich weh die Seele tun kann... Ich habe gekaempft und bin seit 6 monaten stabil. Ich bin wieder im Alltag habe vieles geändert, und achte auf mich und uns. Mein kind hat freunde. Aber wir haben auch immer gerne was zusammen unternommen und das ist denke ich normal in familie, und so soll es auch wieder sein. Lg Sophie

Sophie2
20.08.2014, 20:13
Hallo Blue, vielen Dank für diese aufbauenden Worte. Ich wollte schildern wie schwer es ist in dieser Situation Mutter zu sein. Leider haben viele hier das nicht verstanden. Ich bin alle Wege gegangen, um gute mutter zu bleiben, auch wenn die kraft kaum noch da war. Für mein kind, meinen Mann und meine familie habe ich versucht aufrecht zubleiben, das war mein einziger antrieb nicht einfach liegen zu bleiben. Liebe Grüsse Sophie

Inaktiver User
20.08.2014, 20:24
Liebe Monika, danke fuer deine worte. Ich habe depressionen früher auch nicht verstanden bis ich erlebt habe das das keine krankeit der faulen ist... Nicht einfach nur mal schlechte laune. Bis ich erlebt habe wie schrecklich weh die Seele tun kann... Ich habe gekaempft und bin seit 6 monaten stabil. Ich bin wieder im Alltag habe vieles geändert, und achte auf mich und uns. Mein kind hat freunde. Aber wir haben auch immer gerne was zusammen unternommen und das ist denke ich normal in familie, und so soll es auch wieder sein. Lg Sophie

Liebe Sophie,

es freut mich sehr, das Du nun "stabil" bist und auf Dich achtest- möge es so bleiben! :blume:

Inaktiver User
20.08.2014, 21:56
Hallo Blue, vielen Dank für diese aufbauenden Worte. Ich wollte schildern wie schwer es ist in dieser Situation Mutter zu sein. Leider haben viele hier das nicht verstanden. Ich bin alle Wege gegangen, um gute mutter zu bleiben, auch wenn die kraft kaum noch da war. Für mein kind, meinen Mann und meine familie habe ich versucht aufrecht zubleiben, das war mein einziger antrieb nicht einfach liegen zu bleiben. Liebe Grüsse Sophie
liebe sophie ,mich würde interessieren wie lange du in einer klinik warst und was du therapeutisch für dich mit nach hause nehmen konntest ,um in zukunft nicht wieder in die gleiche situaion zu kommen ?
arbeitest du inzwischen wieder?
wie gehst du mit diesem chef um?
die zeitlichen abläufe wurden im artikel nicht so klar.
es gibt den begriff ...aus einem leeren brunnen kann man nicht schöpfen und dieses bild kommt mir in den sinn ,wenn ich an depression denke...was haben deine therapeuten und ärzte zu deinem mutterbild gesagt? hat man mit dir da nicht an einer entlastung gearbeitet ,um dir deinen druck zu nehmen,eine gute mutter sein zu wollen?
das thematisierst du gar nicht ,was mich wundert ,denn das ist doch das thema wie du als mutter mit deinem kind umgegangen bist.
was denkst du heute darüber?
oder ist es die erkenntnis ,dass du so dicke mit deinem sohn bist ,die du erst anschliessend hattest?
lieben gruß von ryoshi