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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gleichberechtigung



Shayma
09.06.2014, 14:22
Habe mich sehr über einen Beitrag in BRIGITTE Nr. 11/2014 geärgert: Liebe - killt die Gleichberechtigung den Sex?
Und das sogar außer im Heft auch noch auf dem Titel der BRIGITTE! Was hat sich die Redaktion nur bei dieser missverständlichen Überschrift gedacht? Da drängt sich ja sofort der Gedanke auf: Frauen zurück zu den 3 K's: Küche, Kirche, Kinder. Erst dann ist alles wieder paletti in Sachen Liebe und Sex. Und das auch noch verfasst von einem Autor, den ich bislang sehr schätzte: Till Raether.
Gut fand ich einen Leserbrief zu dem Beitrag 2 Hefte später. Darin schreibt eine Frau, dass ihrer Meinung nach die Hektik der Alltags schuld ist an weniger gutem Sex und nicht die Gleichberechtigung! Erstaunlich fand ich, dass dieser Leserbrief der einzige zu diesem Thema war. Kann das wirklich sein??

Inaktiver User
09.06.2014, 16:41
Du schreibst, dass der Titel missverständlich war. Worum ging es denn tatsächlich in dem Artikel?

aguywithaquestion
16.12.2014, 03:16
Es gibt Anhaltspunkte (Women have it all but are less happy than forty years ago... | Daily Mail Online (http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1189894/Women-happy-years-ago-.html)) nach denen Frauen als Gruppe betrachtet so unglücklich sind wie nie zuvor.

SeverusSnape
16.12.2014, 09:03
Da ist auch der Titel wieder falsch - Gleichberechtigung ist ein juristischer Begriff und gibt vor allem einen Anspruch gegenüber staatlichem Handeln. Was die Partner machen, da sollte sich der Staat raushalten.
Gleichstellung ist etwas ganz anderes und fast notwendig mit der Benachteiligung eines Geschlechts (meist des männlichen) verbunden.
An der Studie könnte etwas dran sein - aussagekräftig ist sie aber nur, wenn auch die Männer untersucht werden. Ich glaube nämlich, dass die Menschen insgesamt über die letzten Jahrzehnte unglücklicher geworden sind - obwohl es den meisten (ökonomisch gesehen) so gut geht, wie nie.
Seneca meinte sinngemäß:

Willst du glücklich sein, dann mehre nicht deinen Besitz, sondern mindere deine Wünsche.

Unser Wirtschaftssystem beruht aber darauf, dass wir immer mehr wollen sollen. Menschen, die mit dem zufrieden sind, sind für die Volkswirtschaft schädlich. Daneben dürfte sich die Wahrnehmung der Welt durch die Medien geändert haben. Wir bekommen eben alle schlechten Nachrichten mit: Nicht nur der berühmte Sack Reis, der in China umfällt sondern eben auch die Überschwemmungen, Geiselnahmen, etc. Und wir können als Zuschauer dennoch sehr wenig dagegen tun. Das macht unglücklich unabhängig vom Geschlecht.
Severus

Inaktiver User
16.12.2014, 09:26
Gleichstellung ist etwas ganz anderes und fast notwendig mit der Benachteiligung eines Geschlechts (meist des männlichen) verbunden.

Das ist ja mal eine aparte Interpretation.

Wie kann sich jemand "benachteiligt" fühlen, wenn alle Menschen "GLEICHgestellt" sind? Das trifft doch wohl nur auf Menschen zu, die bislang anderen gegenüber Vorteile hatten ... was man als "unfair" bezeichnen könnte ... und wohl kaum als "Benachteiligung", wenn dies abgeschafft wird.

SeverusSnape
16.12.2014, 10:32
Das ist ja mal eine aparte Interpretation.

Wie kann sich jemand "benachteiligt" fühlen, wenn alle Menschen "GLEICHgestellt" sind? Das trifft doch wohl nur auf Menschen zu, die bislang anderen gegenüber Vorteile hatten ... was man als "unfair" bezeichnen könnte ... und wohl kaum als "Benachteiligung", wenn dies abgeschafft wird.
Das ist keine aparte Interpretation. Gleichberechtigt bedeutet, dass bei der Olympiade alle 400 Meter laufen müssen und gleichzeitig starten und die ersten drei kriegen die Medaillen. Gleichgestellt bedeutet, dass alle 400 Meter laufen und egal wie schnell sie laufen, alle kriegen die gleiche Medaille. Gut der letzte wird sich vielleicht freuen, die vorne werden diskriminiert, weil ihre Leistung nicht gewürdigt wird.
Wird es nun deutlich?
Gleichberechtigung bedeutet, dass Männer und Frauen Schuhe kaufen dürfen.
Gleichsstellung bedeutet, dass beide genausoviele Schuhe kaufen müssen. Entweder die Frauen kaufen weniger, damit sie genausowenig Schuhe haben wie die Männer oder die Männer müssen mehr kaufen, damit sie soviele haben wie die Frauen. Nur dann sind sie gleichgestellt. Ergo werden entweder die Frauen oder die Männer benachteiligt im Rahmen der Gleichstellung. Deine Nachfrage - Nischenprodukt - zeigt mir, dass die jahrelange Vermischung von Gleichberechtigung und Gleichstellung sich in den Köpfen festgesetzt hat und Ungleichheit dazu noch mit Diskriminierung verwechselt hat. Ich denke, das Schuhbeispiel macht deutlich, dass Ungleichheit nichts mit Diskriminierung zu tun haben muss (wohl aber kann).
Severus

Inaktiver User
16.12.2014, 11:01
Ja, so schreibst du hier dauernd, das macht es nicht richtiger.

Es geht ums dürfen, das ist eine ganz andere Baustelle.

Aber Männer, die nun nicht mehr aufgrund ihres Mannseins automatisch Vorteile genießen, müssen sich über sowas natürlich beschweren. Verstehe ich voll.

SeverusSnape
16.12.2014, 11:11
Aber Männer, die nun nicht mehr aufgrund ihres Mannseins automatisch Vorteile genießen, müssen sich über sowas natürlich beschweren. Verstehe ich voll.
Vielleicht zeigst du mir einmal die Punkte, an denen die Männer automatisch bevorzugt werden.
Die sogenannten Gleichstellungsgesetze sehen eine Gleichstellung nämlich nur vor, soweit Frauen damit bevorzugt werden. Der Fall der Gleichstellungsbeauftragten, die es wagte sich auch für benachteiligte Männer einzusetzen, ist mir noch in Erinnerung. Die musste dann gehen.
Severus

Inaktiver User
16.12.2014, 11:23
Nee, ist mir zu ermüdend, wurde in anderen Strängen ja schon zur Genüge ausgebreitet; zumal es darum hier ja gar nicht geht, wir also eher OT sind.

Saetien
16.12.2014, 12:02
Ahm die aktuelle Frauenquote ist tatsächlich eine Geschlechterquote, es sind nicht nur 30% Frauen sondern auch 30% Männer vorgeschrieben, so z.B.

SeverusSnape
16.12.2014, 12:16
Ich kenne nur die Regelung in Rheinland-Pfalz: Dort beginnt das Landsgleichstellungsgesetz (http://landesrecht.rlp.de/jportal/portal/t/r2p/page/bsrlpprod.psml/action/portlets.jw.MainAction?p1=i&eventSubmit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&showdoccase=1&doc.hl=0&doc.id=jlr-GleichstGRPV2P15&doc.part=S&toc.poskey=#focuspoint) mit dem allgemeinen Blabla - dass alle gleich sind und dann kommend die Paragraphen 5 - 19 die sich mit der Frauenförderung beschäftigen sowie damit, dass nur Frauen Gleichstellungsbeauftrage werden dürfen.
Severus
PS: Die "automatische" Männerbevorzugung muss wahrscheinlich ebenso intensiv gesucht werden, wie das Beispiel der Frau, die angeblich 23 % weniger Verdient als der Mann für die gleiche Arbeit. Ich kenne keine bei der das der Fall ist - und ich kenne auch niemanden, der eine kennt, bei der das der Fall ist.

Inaktiver User
16.12.2014, 15:10
(…) wie das Beispiel der Frau, die angeblich 23 % weniger Verdient als der Mann für die gleiche Arbeit. Ich kenne keine bei der das der Fall ist - und ich kenne auch niemanden, der eine kennt, bei der das der Fall ist.

Das ist die einzig richtige Empirie - und deshalb muss es wahr sein. [/Sarkasmus off]