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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben



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Inaktiver User
13.06.2003, 08:03
Wollen wir hier diese so hilf- und trostreichen schönen Gedichte sammeln, die es gibt, zum Thema Tod und Sterben?


Zum *immer-wieder-nachlesen* wenn wir der Stärkung bedürfen?


Ich mache mal den Anfang mit Khalil Gibran


und hoffe, ihr macht weiter!




eure MiraMaureen










***********************************************


Ihr möchtet wissen, um das Geheimnis des Todes.


Doch wie solltet Ihr es entdecken,


so ihr nicht danach forschet im Herzen des Lebens?


So ihr wahrhaftig den Geist des Todes erschauen wollet,


öffnet weit euer Herz dem Leibe des Lebens.


Denn Leben und Tod sind eins,


so wie Fluß und Meer eins sind.


Und was ist Sterben anderes,


als nackt im Wind zu stehen


und sich in der Sonne aufzulösen?


Und was heißt, nicht mehr zu atmen, anderes,


als den Atem zu befreien vom rastlosen Lauf,


damit er ungehemmt aufsteige und sich entfalte -


zu GOTT hin?


Erst wenn ihr aus dem Fluß des Schweigens getrunken habt,


werdet ihr wahrhaft singen.


Und erst wenn ihr den Gipfel des Berges erklommen habt,


werdet ihr zu steigen beginnen.


************************************************

Inaktiver User
15.06.2003, 21:37
Aus den Kindertotenlieder


von Friedrich Rückert




Du bist ein Schatten am Tage


und in der Nacht ein Licht;


du lebst in meiner Klage


und stirbst im Herzen nicht.




Wo ich mein Zelt aufschlage,


da wohnst du bei mir dicht;


du bist mein Schatten am Tage


und in der Nacht mein Licht.




Wo ich auch nach dir frage,


find´ ich von dir Bericht,


du lebst in meiner Klage


und stirbst im Herzen nicht.




Du bist ein Schatten am Tage


und in der Nacht ein Licht;


du lebst in meiner Klage


und stirbst im Herzen nicht.




*************************************






Ein Fest ohne Ende




Eines Tages


werden wir Körper haben


deren Leichtigkeit die Schmetterlinge neiden


mit einer Vollkommenheit


die die Engel staunen lehrt




wir werden Körper haben


von Licht umschmeichelt


von Sonne durchstrahlt


wir werden lächelnde Weite sein




und wir werden diejenigen sein


die sich zärtlich


an die warme Erde schmiegen


die lustvoll das Wasser umarmen


die lachend im Feuer tanzen


und kraftvoll mit den Winden fliegen




wir werden dazu gehören


unsagbar schön


unendlich leicht




kein Schmerz und keine Narben


kein Hinken und Stolpern


keine Lähmung, kein Sterben


und keine Träne wird mehr sein




und dieses Fest


werden wir feiern


mit all jenen


die uns trotzdem


dennoch oder gerade darum liebten


und unsere Schönheit immer schon ahnten




ein Fest ohne Ende


so ist es uns verheißen




© Bernadette Grabner

Inaktiver User
16.06.2003, 22:39
Beim Aufgang der Sonne


und bei ihrem Untergang


erinnern wir uns an sie;




Beim Wehen des Windes


und in der Kälte des Winters


erinnern wir uns an sie;




Beim Öffnen der Knopsen


und in der Wärme des Sommers


erinnern wir uns an sie;




Beim Rauschen der Blätter


und in der Schönheit des Herbstes


erinnern wir uns an sie;




Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht, erinnern wir uns an sie;




Wenn wir müde sind


und Kraft brauchen,


erinnern wir uns an sie;




Wenn wir verloren sind


und krank in unserem Herzen


erinnern wir uns an sie;




Wenn wir Freude erleben,


die wir so gern teilen würden


erinnern wir uns an sie;




So lange wir leben,


werden sie auch leben,


denn sie sind nun ein Teil von uns,


wenn wir uns an sie erinnern.




Aus den Toren des Gebets Reformiertes jüdisches Gebetbuch

Inaktiver User
16.06.2003, 22:52
und sollt´ich geh´n


solange du noch hier....




...so wisse, dass ich weiterlebe,


nur tanz´ich dann zu einer anderen weise


und hinter einem schleier,


der mich dir verbirgt.


sehen wirst du mich nicht,


jedoch hab nur vertrauen.


ich warte auf die zeit, wo wir


gemeinsam neue höhen erklimmen


- einer des anderen wahrhaftig.


Bis dahin leere du den becher deines lebens bis zur neige,


und wenn du mich einst brauchst


lass nur dein herz mich leise rufen


....ich werde da sein.

Inaktiver User
16.06.2003, 23:06
Dieses Gedicht wurde 1929 vom Bruder (Erich) meiner Oma geschrieben. Sein Sohn Rolf starb 5-jährig (ich weiß aber nicht mehr woran). Meine Oma hat mir dieses (und weitere von ihrem Bruder selbstverfasste Gedichte) vererbt.




Am Grab




Da liegst du nun, mein lieber kleiner guter Junge,


still in einem kühlen Grab.


Von Leid erfüllt schweigt meine Zunge,


weil ich dich ja so lieb gehabt.




Inhalt warst Du meines Lebens,


des Schaffens froh war ich für Dich,


nun scheint mir sinnlos alles Streben,


denn du gingst fort, wie schmerzt es mich.




Könnt ich noch einmal dich in meine Arme schließen,


nur halten deine liebe kleine Hand,


doch du liegst steif und kalt zu meinen Füßen,


und zwischen uns ist Erde, Staub und Sand.




Blumen blüh´n auf deinen nied´ren Hügel,


ich weiß: du liebtest sie so sehr,


als Engel hast du sicher gold´ne Flügel,


die Blumen schöner noch und mehr.




Du brachtest manchesmal von einer Wiese


ein kleines Sträußchen mir ins Haus,


und gabst wohl acht daß ich´s nicht ohne Wasser ließe,


sie haben Durst! schaltst du mich aus.




Im Geiste seh´ich Dich noch spielen


im Garten hinten und in der Stube auf dem Tisch


mit deinen Autos, all den vielen,


du brauchtest manchesmal dazu auch mich.




Am Abend legte ich Dich nieder,


mit Deinem Peter fest im Arm,


des Morgens früh erwachtest Du dann wieder


in Deinem Bettchen mollig weich und warm.




Doch nun schläfst Du in der Ewigkeit


Gott schenkte Frieden Dir und Ruh´,


ich muß noch warten, noch hab ich Zeit,


doch einst da schlaf auch ich so fest wie Du.




Zur Erinnerung an meinen lieben Rolf.


Erich Oestreich, 1929

Inaktiver User
16.06.2003, 23:24
Teil 2




Es war einmal




Es war einmal ein kleiner Junge, den hatte ich sehr lieb,


mit seinem Plappermäulchen war er ein rechter Herzensdieb.


Blank waren seine Äuglein - wie Sterne in der Nacht,


die gaben mir viel Sonnenschein aus ihrer dunklen Pracht.


Oft strich mir seine kleine Hand zart über´s Angesicht,


das war ein süßes Kosen, ach ich vergess´es nicht.




Er drückte mir sein kleines Herz so innig an die Brust,


und machte mir des Lebens Leid zu seelig süßer Lust.


Zwei Ärmchen im Verlangen schlang er so fest um mich,


und seine runden Wangen, die küßte ich.


Sein silberhelles Lachen war Jubel, Glück und Freud´,


ich dacht: so könnt es immer sein; doch weiß ich´s besser heut´.




Grad als ich so glücklich war trat Gott in meine Tür


und sprach gib mir Dein Kind, ich nehme es zu mir.


Da war es plötzlich still um mich, so öde und so leer,


in meinem Schmerze wünschte ich oh wär´ich selbst nicht mehr.


Doch als ein Strom von Tränen sich mir in die Augen drängt,


hör ich, wie eine Stimme leise an zu sprechen fängt.




Bitte, bitte weine nicht, sieh´ doch, es geht mir gut!


Trüb nicht Deiner Augen Licht, ich bin in sich´rer Hut.


Mach Dir nicht das Leben schwer, sieh´mein Bild Dir an,


denk, daß wir uns wiederseh´n und lächle dann.


denk, ich sei ein Märchen, aus einer anderen Welt,


wie du mir so manchesmal am Bettchen eins erzählt.




Beim Träumen und beim wachen will ich stets vor dir steh´n,


will mit dir scherzen, lachen - ist das nicht wunderschön?


ich will Dir Blumen pflücken, ein Sträußchen in der Hand´


komm´ ich dann lieber Vati, zu Dir ins Haus gerannt.




Es gibt so viele Märchen, so wunderbar und fein,


doch dies ist wohl das schönste - Gott laß es bitte Wahrheit sein.




........


Zur liebevollen Erinnerung an meinen lieben Rolf


Erich Oestreich, 1929

Inaktiver User
16.06.2003, 23:39
mehr als zwei jahre habe ich diese beiden gedichte nicht mehr in die hand genommen.




sie berühren mich (immer wieder) sehr. zumal den vielen gedichten auch ein foto beiliegt, das den kleinen rolf zeigt...




dieses foto erhielten damals die familienmitglieder nach der beerdigung.


auf der rückseite des fotos steht:




oh rätselhafte dunkle augen,


was blickt ihr mich so seltsam an?


als wolltet ihr mich etwas fragen,


worauf ich selbst nicht antwort finden kann.




ihr kleinen süßen roten lippen,


was schweigt ihr ohne ende?


so sprecht doch, sagt mir ein wort


ach, daß ich wieder froh sein könnt.




vergebens war nun alles bitten,


auch diese hände halten still,


und strecken sich uns nicht entgegen,


weil es gott so haben will.




.....

rotbraun
17.06.2003, 11:36
Ihr Lieben,


ich bin mir nicht ganz sicher, ob das folgende Gedicht als Trauergedicht gelten kann und doch finde ich es schön, deshalb stelle ich es auch ein.


Es soll in keinster Weise die Trauerarbeit schmälern und verurteilen, vielleicht hilft es aber doch dem einen oder anderen. Eigentlich ist es eher ein Abschieds- bzw. Neuanfang-Gedicht.






Stufen




Wie jede Blüte welkt und jede Jugend


Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,


Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend


Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.


Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe


Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,


Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern


In andre, neue Bindungen zu geben.


Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.




Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,


An keinem wie an einer Heimat hängen,


Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,


Er will uns Stuf´um Stufe heben, weiten.


Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise


Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;


Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise


Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.




Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde


Uns neuen Räumen jung entgegensenden,


Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden....


Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.






Hermann Hesse

Inaktiver User
20.06.2003, 18:19
Memento
Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem dieses wiederfuhr
Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eigenen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der anderen muß man Leben.

(Mascha Kalèko)

Inaktiver User
20.06.2003, 18:28
Denk dir ein Bild, weites Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und
gleitet hinaus in die offene See.
Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen,
verschwindet es.
Da sagt jemand: Nun ist es gegangen.
Ein anderer sagt: Es kommt.
Der Tod ist ein Horizont,
und ein Horizont ist nichts anderes als die Grenze unseres Sehens.
Wenn wir um einen Menschen trauern,
freuen sich andere, ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.

MariaLisa
22.06.2003, 14:12
abschied

Inaktiver User
24.06.2003, 14:10
Der Tod ist groß.Wir sind die Seinen
Lachenden Mundes.Wenn wir uns mitten
Im Leben meinen,wagt er zu weinen mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

Inaktiver User
24.06.2003, 17:57
Du kannst Tränen vergießen, weil sie gegangen ist
oder Du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.

Du kannst Deine Augen schließen und beten dass sie zurückkommen wird oder Du kannst Deine Augen öffnen und sehen was von ihr geblieben ist.

Dein Herz kann leer sein weil Du sie nicht mehr sehen kannst oder es ist voll von der Liebe die sie mit Dir geteilt hat.

Du kannst dem Morgen den Rücken drehen und im Gestern leben oder Du kannst dankbar für das Morgen sein, eben weil Du das Gestern gehabt hast.

Du kannst immer nur daran denken, dass sie nicht mehr da ist, oder Du kannst die Erinnerungen an sie pflegen und sie in Dir weiterleben lassen.

Du kannst weinen und Deinen Geist verschließen, leer sein und Dich abwenden oder Du kannst tun was sie wünschen würde: Lächeln, die Augen öffnen, lieben
und weitermachen...

Das Original:

You can shed tears that she is gone
or you can smile because she has lived.

You can close your eyes and pray that she'll come back
or you can open your eyes and see all she's left.

Your heart can be empty because you can't see her
or you can be full of the love you shared.

You can turn back on tomorrow and live yesterday
or you can be happy for tomorrow because of yesterday.

You can remember her only that she's gone
or you can cherish her memory and let it live on.

You can cry and close your mind, be empty and turn your back or you can do what she'd want: smile, open your eyes, love and go on...

Inaktiver User
27.06.2003, 19:35
Wenn der Mensch eine Mutter hätte, die ihn aufnimmt am Ende, wie eine Mutter ihn hergab am Anfang - wie leicht wäre der Tod.

Inaktiver User
29.06.2003, 19:49
Es gibt ein Land der Lebenden
und ein Land der Toten
und die Brücke ist die Liebe...
Das einzige Überleben.
Der einzige Sinn.

Thornton Wilder

Inaktiver User
29.06.2003, 19:54
Eher ein Gedicht für die Lebenden als Trost:

Lebendig ist, wer wach bleibt
Sich dem anderen schenkt
Das Bessere hingibt
Niemals rechnet
Lebendig ist, wer das Leben liebt
Seine Begräbnisse, seine Feste
Wer Märchen und Mythen
auf den ödesten Bergen findet

Lebendig ist, wer das Licht erwartet
in den Tagen des schweren Sturms
Wer die stillen Lieder
ohne Geschrei und Schüsse wählt
Sich dem Herbst hinwendet
und nicht aufhört zu liebenl

Luigo Nono

Inaktiver User
04.07.2003, 21:43
Der Tod ist dein Geburtsrecht.
Er ist ein Geschenk,
auf das jeder Anrecht hat.
Er ist eine Ruhestätte für die Erschöpften,
eine Zuflucht für Gejagte,
eine Lehre für diejenigen, die auf Abwege geraten sind,
ein Meilenstein für den Pilger
und ein Paradies für die Gläubigen.

Sai Baba

Inaktiver User
04.07.2003, 21:48
Von Khalil Gibran:

Die Wirklichkeit des Lebens ist das Leben selbst, das weder im Mutterleib beginnt noch im Grab endet. Die Jahre, die vergehen, sind nur ein Augenblick im Angesicht der Ewigkeit. Die Welt der Materie und alles, was zu ihr gehört, ist nur ein Traum im Vergleich zu dem Erwachen , das wir den Schrecken des Todes nennen.




Die Seele ist wie ein Embryo im Körper des Menschen:
Der Tag des Todes ist der Tag ihres Erwachens.
Dann beginnt ihre große Zeit der Wehen, ihre Stunde der Schöpfung.




Möglicherweise ist ein Begräbnis unter Menschen ein Hochzeitsfest unter Engeln.




Sturm und Schnee vernichten wohl die Blumen,
aber ihre Samen können sie nicht töten.

Inaktiver User
05.07.2003, 09:29
Du bist gestorben


Du bist gestorben
Alles was ich war
Und gewesen sein sollte
War dahin
In den Strahlen des Mondes

Du hattest mein Abbild
Mitgenommen
In Deinen Tod
Als Erinnerung
Im letzten Brechen Deiner Augen

Doch Dein Atem
Ist fruchtbar geworden
Nach Deinem Tode
Zum ewigen Leben
Im bleibenden Wort
Aus Liebe
-----------------------------------------------

Zurück


Jeder Schritt auf ein Ziel
Läßt von einem anderen dich entfernen
Und Hinaustreten ins warmes Licht
Ist Aufgeben schützender Dunkelheit

Unstetes Sein
Auf der Suche nach Heimat
Findet die Seele
Im Leben
Keine Ruhe

Wie sie gezwungen
Das Licht der Welt zu erblicken
Wird sie am Ende
Müde und sehnsuchtsvoll
In den Schutz der Finsternis zurückkehren
Wissend des Behütet Werdens


beide K.-U. Götz

Inaktiver User
06.07.2003, 11:36
Nur zu Besuch
- ein Lied von den Toten Hosen -

Immer wenn ich dich besuch´ fühl ich mich grenzenlos. Alles andere ist von hieraus so weit weg. Ich mag die Ruhe hier zwischen all den Bäumen - als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt.

Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt. Ja, ich hab ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt. Ich habe Blumen mit - weiß nicht ob du sie magst. Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut. Wenn sie dir nicht gefallen störe dich nicht weiter dran. Sie werden ganz bestimmt bald wieder weggeräumt. Wie es mir geht, die Frage stellst du jedes Mal. Ich bin O.K., will nicht, dass du dir Sorgen machst.

Und so red´ ich mit dir wie immer, so als ob es wie früher wär, so als hätten wir jede Menge Zeit. Ich spür´ dich ganz nah hier bei mir, kann deine Stimme im Wind hören, und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst - bis die Sonne scheint; bis sie wieder scheint.

Ich soll dich grüßen von den anderen - sie denken alle noch ganz oft an dich. Und dein Garten, es geht ihm wirklich gut, obwohl man merkt, dass du ihm doch sehr fehlst. Und es kommt immer noch Post, ganz fett adressiert an dich, obwohl doch jeder weiß, dass du weggezogen bist.

Und so red´ ich mit dir wie immer, und ich verspreche dir, wir haben irgendwann wieder jeder Menge Zeit. Dann werden wir uns wiedersehen - du kannst dich ja kümmern, wenn du willst, dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab schein - dass die Sonne scheint, dass sie wieder scheint...

Inaktiver User
08.07.2003, 23:31
Magisch ist die Nacht
der Mond ihr Herz,
die Wolken ihr Körper,
die Luft ihre Haut,
die Sterne ihre Liebe..

Hans Kruppa

Inaktiver User
09.07.2003, 16:08
Seelenscherben

von Ingmar Kursawe


Eine Kugel heult
der Schuß schlägt durch Seele wie durch Glas
verfehlt des Wahnsinns Ziel

die Hand am Abzug wird zur Lüge
eine Umarmung Strangulation

die Hand löst sich von der Waffe
ist kalt

die Hand streichelt den Körper
wie Eiswasser
fließt über Gänsehaut hinweg
Quecksilbertropfen rollen
Seelenbruchstücke glitzern in den Augen

niemals wohl wird sich
diese Hand
so warm anfühlen
wie zuvor
:Knatsch:

Inaktiver User
17.07.2003, 18:07
Die Erinnerung ist das einzigste Paradies,
aus dem wir nicht vertrieben werden können. <font color="orange"> [/COLOR] <font color="green"> [/COLOR]

Inaktiver User
17.07.2003, 18:12
http://mitglied.lycos.de/trauer1971/postkarten/engel.jpg

Noora
19.07.2003, 14:54
und noch ein paar von hesse

Durch des Lebens Wüste
irr ich glühend
und erstöhne unter meiner Last
aber irgendwo, vergessen fast
weiß ich schattige Gärten
kühl und blühend

Aber irgendwo in Traumesferne
weiß ich warten eine Ruhestatt
wo die Seele wieder Heimat hat
weiß ich Schlummer warten,
Nacht und Sterne



Sommerwanderung

Weites, goldnes Ährenmeer
wogt im Wind auf reifen Stengeln
Hufbeschlag und Sensendenglen
klingen fern vom Dorfe her

Warme, düfteschwere Zeit !
Zitternd in der Sonne Gluten
wiegen sich die goldnen Fluten
reif und schon zum Schnitt bereit

Fremdling, der ich ohne Pfad
suchend pilgere auf Erden
werd ich reif befunden werden
wenn auch mir der Schnitter naht ?




Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht
jeder Morgen Abend werden
ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren
halte, Blatt, geduldig still
wenn der Wind dich will entführen

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht
laß es still geschehen
laß vom Winde, der dich bricht
dich nach Hause wehen


lg -noora

Elsa
21.07.2003, 10:08
Letzte Worte

Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
So weint mir keine Träne nach;
Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,
Dort leuchtet mir ein ewiger Tag!
Wo aller Erdengram verschwunden,
Soll euer Bild mir nicht vergehn,
Und Linderung für eure Wunden,
Für euren Schmerz will ich erflehen.
Weht nächtlich seine Seraphsflügel
Der Friede übers Weltenreich,
So denkt nicht mehr an meinen Hügel,
Denn von den Sternen grüß ich euch!

Rüschhaus 1846 Annette von Droste-Hülshoff

Inaktiver User
21.07.2003, 17:38
Unter folgendem Link findet ihr viele Gedichte und Zitate zum Thema Sterben und Tod.

http://www.festpark.de/trauer.html

Liebe Grüsse
savita

Inaktiver User
22.07.2003, 09:20
Hermann Hesse

Traurigkeit

Die mir noch gestern glühten,
Sind heute dem Tod geweiht,
Blüten fallen um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.
Ich seh sie fallen, fallen
Wie Schnee auf meinen Pfad,
Die Schritte nicht mehr hallen,
Das lange Schweigen naht.
Der Himmel hat nicht Sterne,
Das Herz nicht Liebe mehr,
Es schweigt die graue Ferne,
Die Welt ward alt und leer.
Wer kann sein Herz behüten
In dieser bösen Zeit?
Es fallen Blüten um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.




(kontrastiv....?)

Rilke (Stundenbuch?)

Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Inaktiver User
22.07.2003, 09:22
Der Tod der Geliebten

Er wußte nur vom Tod was alle wissen:
daß er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten
und ihre Weise wohlzutun:

da wurden ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße -
Und tastete es ab für ihre Füße.


Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil
(Rilke, …mein liebstes…)

Inaktiver User
22.07.2003, 09:25
Tears in Heaven

Would you know my name if I saw you in heaven?
Would it be the same if I saw you in heaven?
I must be strong and carry on,
'Cause I know I don't belong
here in heaven.

Would you hold my hand if I saw you in heaven?
Would you help me stand if I saw you in heaven?
I'll find my way through night and day,
'Cause I know I just can't stay
here in heaven.

Time can bring you down, time can bend your knees.
Time can break your heart, have you begging please,
begging please.
Beyond the door there's peace I'm sure,
And I know there'll be no more
tears in heaven.

Would you know my name if I saw you in heaven?
Would it be the same if I saw you in heaven?
I must be strong and carry on,
'Cause I know I don't belong
here in heaven.

(E.Clapton)

morgendaemmerung
23.07.2003, 14:18
abschied

komm, bring mich noch zum bahnhof
und sage mir adieu
die treppe steigt so angsterregend hoch
drum lass mich nicht allein und geh
nicht fort, bevor ich eingestiegen bin
wink mir noch nach, bis der zug entschwindet
versprich es mir, bei allem, was uns zwei verbindet
voll sentiment und wehmut ist mein sinn
erst wenn ich eine weile fort bin
dreh dich um und geh

geh still nach haus, versunken und gefangen
und denk an das, was nun vergangen
an uns und unser glück
an unser leben
dann raff dich auf und sichte fein
behutsam, was ich dir gelassen
ich werd dabei im geist noch um dich sein
erst nach und nach entschweben
und wohl auch verblassen
doch lass ich dich getröstet dann zurück

du wirst es schaffen, glaube mir
warst immer stark und hast mir kraft gegeben
hab dank, die zeit war gut mit dir
doch nun adieu, du sollst leben

Dierk Schäfer

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und sollt´ich geh´n
solange du noch hier....

...so wisse, dass ich weiterlebe,
nur tanz´ich dann zu einer anderen weise
und hinter einem schleier,
der mich dir verbirgt.
sehen wirst du mich nicht,
jedoch hab nur vertrauen.
ich warte auf die zeit, wo wir
gemeinsam neue höhen erklimmen
- einer des anderen wahrhaftig.
Bis dahin leere du den becher deines lebens bis zur neige,
und wenn du mich einst brauchst
lass nur dein herz mich leise rufen
....ich werde da sein.

Verfasser unbekannt

Noora
23.07.2003, 19:47
An dem Tag, wenn der Tod an deine Tür klopfen wird,
was wirst du ihm anbieten?
Ich werde meinem Gast
Das volle Gefäß meines Lebens vorsetzen.
Ich werde ihn nicht mit leeren Händen gehen lassen.

Tagore


Alles fügt sich und erfüllt sich
Mußt es nur erwarten können
Und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen

Bis du eines Tages jenen
Reifen Duft der Körner spürest
Und dich aufmachst und die Ernte
In die tiefen Speicher führest

Christian Morgenstern



Und so lang du das nicht hast
Dieses: Stirb und werde
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde

Johann Wolfgang von Goethe



An die Erde das lauschende Ohr
Und ihr werdet hören, durch den Schlaf hindurch
Werdet ihr hören
Wie im Tode
Das Leben beginnt

Nelly Sachs




Was ist der Tod? An einer alten Brücke in Wien steht die Inschrift:

Alles ist nur Übergang
Merke wohl die ernsten Worte,
von der Stunde, von dem Orte
treibt dich eingepflanzter Drang,
Tod ist Leben
Sterben Pforte,
alles ist nur Übergang.




In jedem steckt ein Bild, des, was er werden soll
Solang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll

Angelus Silesius

Inaktiver User
24.07.2003, 20:18
<font color="orange">

Trennung ist wohl Tod zu nenn. Den wer weiß wohin wir gehen. Tod ist nur ein kurzes Trennen. Auf ein baldig wiedersehen.

© by Joseph von Eichendorff
[/COLOR]

Daisy
26.07.2003, 08:27
diese Gedicht hab ich für meine Mama am 24.1.03 geschrieben....am 28.1.03 ist sie gestorben:

*********************************************

Bald wirst Du gehen, doch ein Stück von Dir bleibt,
danke liebe Mama für unsere schöne Zeit.
Traurig steh ich da, ich schaue empor,
siehst Du es schon, dieses Dich erlösende Tor?
Du wirst es durchschreiten, Du, die ich so lieb,
was würde ich drum geben gegen diesen Abschied.
Etwas von Dir wird bleiben, der Rest wird gehn,
ich wünsch mir nur eins, Dich irgendwann wiederzusehn.
Mitnehmen kannst Du mich nicht in die schwarze Nacht,
ich muss weiterleben, das ist höhere Macht.
Ich bin mir sicher, Du schaust auch weiterhin auf mich,
bin ja immer noch Dein kleines Mädchen für Dich.
Vermissen werd ich Deine Liebe und Deine Kraft,
mich aufzumuntern hast Du immer geschafft.
Mit Tränen in den Augen schreib ich Dir diese Zeilen,
jede Minute die uns bleibt werd ich bei Dir verweilen.
Und wenn es das letzte ist was ich tu,
ich bleib bei Dir bis Du machst Deine Augen zu...

*********************************************

Daisy
26.07.2003, 08:29
und dieses hier schrieb ich am 8.2.03:

*********************************************

Jetzt bist Du fort, Dein Platz ist leer,
Du fehlst mir so, vermiss Dich so sehr.
Wo ist es nur dieses unbekannte Land,
ich kann nie wieder spüren Deine warme Hand.
In jedem Raum liegt noch Dein Duft,
komm ich dort hinein krieg ich keine Luft.
Du warst meine Freundin und hast mich unterstützt,
ich fühlte mich immer von Dir beschützt.
Man konnte lachen und weinen mit Dir,
jetzt bist du tot, einfach nicht mehr hier.
Ich steh am Grab und kanns nicht begreifen,
obwohl wir bekamen so manche Zeichen.
Man nimmts nicht wahr, wills einfach nicht sehn,
es ist so schwer das Ganze zu verstehn.
Die Trauer um Dich lässt sich schwer ertragen,
ich hätte Dir noch so viel zu sagen.
Viele Tränen sind in meinem Gesicht,
doch wegen diesen schäme ich mich nicht.
Erinnerungen an früher stellen sich ein,
sie sind so schön, ich könnt nur noch schrein.
Abschiednehmen ist immer so schwer,
obwohl ich wusste es gab keine Hoffnung mehr.
Ein Abschied ohne Wiederkehr.....
Loszulassen von Dir das war so schlimm,
ich sah im ersten Moment in nichts mehr einen Sinn.
In meinem Herzen wirst Du immer weiterleben,
ein Wiedersehen zwischen uns das wird es geben.
Auch ich muss einmal gehen von hier fort,
und dann treff ich Dich an diesem Ort...
Ein Ort der Dich befreit hat von Deinen Schmerzen,
wie ich Dich kenn wirst Du auch dort viel scherzen.
Ich weiss Dir gehts gut, Du fühlst Dich befreit,
für immer wirst Du dort bleiben bis in alle Ewigkeit.

Mama, Du fehlst mir.
Ich hab Dich so lieb.....

*********************************************

sie fehlt mir unendlich.....

Inaktiver User
27.07.2003, 03:06
...

Inaktiver User
27.07.2003, 09:21
Liebe Daisy

deine Gedichte haben mich sehr angerührt. Danke, dass du dies mit uns teilen magst. Wie schön, dass du wohl so eine wunderbare Mutter hattest. Auch wenn sie nun von dir gegangen ist, in deinem Herzen wird sie niemals sterben und die Erinnerungen an sie kann dir keiner nehmen.

Liebe Grüsse
savita

Inaktiver User
02.08.2003, 09:18
"Gegen die Traurigkeit"
von Hella Zahrada
(gefunden in der neuesten BIO Zeitschrift)


Mein Herz weiß längst, wo es dich suchen soll.
Es weiß geborgen dich, im lichten Land.
Mein Aug nur, unbelehrbar, sehnsuchtsvoll,
Sieht immer noch dein irdisches Gewand,
Geliebtes Bild im leer gewordenen Raum.
Doch Nächte kommen, wo du nah mir bist,
Und manchmal hebst du mich zu dir im Traum
Und sagst mir, dass mein Schmerz der Schleier
ist, der dich verhüllt. Und ich gelobe dir,
Was mir am andern Tag so schwer erscheint:
In Glanz und Glück zu gehen, Du dort,
ich hier.
In Gottes Großem Licht sind wir vereint.

Inaktiver User
03.08.2003, 13:26
Das Folgende ist der Refrain von "Herzensschöner" von Rosenstolz.
Meine komplette Familie hat mich damals beraten, es nicht in der Todesanzeige drucken zu lassen.
Es sei zu persönlich.

Heute tut's mir leid, dass ich es nicht doch gemacht habe.
Ich höre das Lied sehr oft.

Mach's gut, mein Herzensschöner, nun lasse ich dich zieh'n,
vergiss, was ich gewollt hab. Auch Scherben können blüh'n.
Mach's gut, mein kühles Feuer, und lass mich weiter frier'n,
wer weiß, im nächsten Leben wird ich dich nicht verlier'n.

Inaktiver User
09.08.2003, 16:27
Schaut euch doch mal die Gedichte unter folgendem Link an!

http://www.trauer-um-florian.de/gedichte.htm

Liebe Grüsse
savita

Inaktiver User
10.08.2003, 16:39
Zwischen Weinen und Lachen

Zwischen Weinen und Lachen
schwingt die Schaukel des Lebens.
Zwischen Weinen und Lachen
fliegt in ihr der Mensch.

Eine Mondgöttin
und eine Sonnengöttin
stoßen im Spiel sie
hinüber, herüber.
In der Mitte gelagert:
Die breite Zone
eintöniger Dämmerung.

Hält das Helioskind
schelmisch die Schaukel an,
übermütige Scherze,
weiche Glückseligkeit
dem Wiege-Gast
ins Herz jubelnd,
dann färbt sich rosig,
schwingt er zurück,
das graue Zwielicht,
und jauchzend schwört er
dem goldigen Dasein
dankbare Treue.

Hat ihn die eisige Hand
der Selenetochter berührt,
hat ihn ihr starres Aug,
Tod und Vergänglichkeit redend,
schauerlich angeglast,
dann senkt er das Haupt,
und der Frost seiner Seele
ruft nach erlösenden Tränen.
Aschfahl und freudlos
nüchtert ihm nun
das Dämmer entgegen.
Wie dünkt ihm die Welt nun
öde und schal.

Aber je höher die eine Göttin
die Schaukel zu sich emporzieht -
je höher
schießt sie auch drüben empor.
Höchstes Lachen
und höchstes Weinen,
eines Schaukelschwungs
Gipfel sind sie.

Wenn die Himmlischen endlich
des Spieles müde,
dann wiegt sie sich
langsam aus.
Und zuletzt
steht sie still
und mit ihr das Herz
des, der in ihr saß.

Zwischen Weinen und Lachen
schwingt die Schaukel des Lebens.
Zwischen Weinen und Lachen
fliegt in ihr der Mensch.

(Christian Morgenstern)

Hortensia
17.08.2003, 15:49
Beim Tode Nahestehender

Nun bevölkert sich das hohe Drüben
langsam für den alternden Gefährten
und ermahnt ihn, liebe Pflicht zu üben.

Was sie hier vielleicht ihm nicht gewährten:
dass er ihnen helfen durfte leise,
zart befruchtend ihrer Seele Zärten,

darf er jetzt in geistigerer Weise.
Darf ins Labyrinth der Geister ihnen
folgen und auf ihrer Geisterreise

durch Gedanken und Gefühle dienen.

Christian Morgenstern

Inaktiver User
18.08.2003, 00:49
weißt du eigentlich,
wie lieb ich dich hab?

der kleine hase sollte ins bett gehen,
aber er hielt sich noch ganz fest an den
langen ohren des großen hasen.

der kleine hase wollte nämlich ganz sicher sein, dass der große hase ihm auch gut zuhörte.
"rate mal, wie lieb ich dich hab" sagte er.

" oh" sagte der große hase,
"ich glaube nicht, das ich das raten kann"
"so sehr", sagte der kleine hase und breitete seine Ärmchen aus,
soweit er konnte.
der große hase hatte viel längere arme.
"aber ich hab dich sooo sehr lieb" sagte er.
hm, das ist viel , dachte der kleine hase.
" ich hab dich lieb, so hoch ich reichen kann", sagte der kleine hase.
"ich hab dich lieb, so hoch ich reichen kann, sagte der große hase.
das ist ziemlich hoch, dachte der kleine hase.
wenn ich nur auch so lange arme hätte.
dann hatte der kleine hase eine gute idee. er machte einen handstand und streckte die füße am baum hoch.
" bis zu meinen zehen hoch hab ich dich lieb", sagte er.
"und ich hab dich bis zu deinen zehen hoch lieb", sagte der große hase und schwang den kleine hasen in die luft.
"ich hab dich so hoch wie ich hüpfen kann lieb!"sagte der kleine hase lachend...
....und hüpfte auf und ab.
"aber ich hab dich lieb, so hoch wie ich hüpfen kann",
sagte der große hase lächelnd und hüpfte so hoch, dass seine ohren die zweige berührten.
tolle hüpferung, dachte der kleine hase. wenn ich auch nur so hüpfen könnte.
" ich hab dich den ganzen weg bis zum fluss runter lieb". sagte der kleine hase.
"ich hab dich bis zum fluss und über die berge lieb",
sagte der große hase.
Oh, das ist sehr weit, dachte der kleine hase. er wahr schon so müde, dass er sich gar nichts mehr ausdenken konnte.
dann schaute er über die büsche und bäume hinaus in die große, dunkle nacht. es konnte ja wohl nichts weiter weg geben als den himmel.
"ich hab dich lieb bis zum mond", sagte der kleine hase und machte die augen zu.
" oh, das ist weit", sagte der große hase. "das ist sehr, sehr weit."
der große hase legte den kleinen hasen in sein blätterbett,
beugte sich über ihn und gab ihm einen gutenachtkuss.

Dann kuschelte sich der große hase an den kleinen hasen und flüsterte lächelnd:"bis zum mond...
....und wieder zurück haben wir uns lieb."

Sam McBratney/Anita Jeram

Inaktiver User
18.08.2003, 12:18
http://www.branchenkompass.de/ecards/cards/cards/blumen05.jpg

Ein kleines Licht am Ende des Tunnels
ein kleiner Blickfang für den neuen Tag
möchte dir sagen wie sehr ich dich mag
denke an dich - jeden Tag.
Du bleibst unvergessen in meinem Herzen
Tage kommen , Tage gehen mit Schmerzen
eines Tages lachst du wieder
Der Tod ist nur die Brücke zur Ewigkeit
und eines Tages werden wir uns wiedersehen
das macht mich glücklich.
Danke , das es dich gegeben hat!
Vermisse dich sehr....

marta
26.08.2003, 15:36
Der Tod hat keine Bedeutung-ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe, wer ich bin, und auch ihr bleibt dieselben zusammen.
Was wir einander bedeuten, bleibt bestehen.
Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprecht in der gewohnten Weise mit mir und ändert euren Tonfall nicht!
Hüllt euch nicht in Mäntel aus Schweigen und Kummer-
lacht wie immer über kleine Scherze, die wir teilen.
Wenn ihr von mir sprecht, tut es ohne Reue und ohne jegliche Traurigkeit.
Leben bedeutet immer nur Leben-es bleibt so bestehen-immer-ohne Unterbrechung.
Ihr seht mich nicht, aber in Gedanken bin ich bei euch-
irgendwo, ganz in der Nähe- nur ein paar Straßen weiter.

Henry Scott Holland (1847-1918)

Inaktiver User
26.08.2003, 21:52
Die Perle

Eine Auster sprach zu ihrer Nachbarin:" Ich trage großen Schmerz in mir. Schwer ist er und rund, und ich habe große Not."
Die andere Auster antwortete mit überheblicher Selbstzufriedenheit:" Gelobt sei der Himmel und das Meer, denn ich habe keine Schmerzen. Es geht mir gut, innen und außen."
In diesem Augenblick kam ein Krebs vorbei und hörte die beiden Austern. Daraufhin sagte er zu derjenigen, die innen und außen unversehrt war:" Ja, dir geht es wohl gut; doch der Schmerz, den deine Nachbarin in sich trägt, ist eine Perle von hinreißender Schönheit."

Khalil Gibran


Meine beiden Gesichter

Geht es dir gut,
werde ich gefragt
im Vorübergehn.
Doch, gut, sage ich
und zeige
das passende Gesicht:
Mein gutgehendes Gesicht.
Mein anderes Gesicht
verberge ich liebevoll
unter meiner Kleidung.
Zuhause ziehe ich
mich aus.
Dann darf es
seine Trauer tragen.

Renate Salzbrenner


Du bist da
Ich sehe Dich nicht.
Dein Körper wurde mit Erde zugedeckt.
Ich höre Dich nicht,
Deine Stimme rückt ferner von Tag zu Tag.
Meine Hände fassen nach Dir
Und greifen ins Leere.
Aus Deinen Kleidern
verfliegt mir der letzte Duft.
Und doch
Bist DU da - in mir.

Renate Salzbrenner

Inaktiver User
27.08.2003, 08:03
Aus Anam Cara
John O'Donohue

An dem Tag, an dem
die Last auf deinen Schultern
unerträglich wird
und du strauchelst,
möge die Erde tanzen,
dir das Gleichgewicht wiederzugeben.

Und wenn deine Augen
hinterm grauen Fenster
zu Eis erstarren
und das Gespenst des Verlustes
sich in dich einschleicht,
möge ein Schwarm von Farben,
Tiefblau, Rot, Grün
und Azur, herbeikommen,
dich auf einer Au der Freude
aufzuwecken.

Wenn die Leinwand der currach *
Des Denkens spröde wird
Und ein Fleck Ozean
Schwarz unter dir wächst,
möge ein Pfad gelbem Mondlichts
sich über die Wellen legen
dich sicher ans Ufer zu führen.

Möge Nahrung der Erde dein sein,
möge Klarheit des Lichts dein sein,
möge das Wasser des Ozeans dein sein,
möge der Schutz der Ahnen dein sein.

Und möge ein sanfter
Wind diese Worte
Der Liebe um dich schmiegen, wie einen
Unsichtbaren Mantel,
der dein Leben behüten soll.

* irisches Fischerboot

Inaktiver User
17.09.2003, 09:55
und HOCH damit! /community/foren/images/graemlins/smile.gif

Inaktiver User
06.10.2003, 11:27
Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.



<font color="green">von Dietrich Bonhoeffer [/COLOR]

Inaktiver User
10.10.2003, 17:39
Sie ist gegangen

Du kannst darüber weinen, dass sie gegangen ist,
oder du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.
Du kannst deine Augen schließen und beten,dass sie wiederkommt,
oder du kannst sie öffnen und sehen,
was sie zurückgelassen hat.
Dein Herz kann leer sein, weil du sie nicht sehen kannst,
oder es kann voll der Liebe sein, die sie für dich und andere hatte.
Du kannst immer daran denken, dass sie gegangen ist,
oder du kannst sie im Herzen tragen und in dir weiterleben lassen.
Du kannst weinen und ganz leer sein
Oder du kannst tun, was sie von dir wollte:
Dass du lächelst, deine Augen öffnest,
Liebe gibst und weitergehst.

(Autor mir unbekannt)

Inaktiver User
12.10.2003, 18:01
das folgende gedicht habe ich letztes jahr in igendwo hier im forum gefunden. leider ohne autorenangabe.

Do not stand at my grave and weep,
I am not there, I do not sleep,
I am the thousand winds that blow,
I am the diamond glint on snow,

I am the sunlight on ripened grain,
I am the gentle autumn rain,
I am the shining star at night,
When you awake to the morning light.

My time has come, I am at rest,
I am the sunset in the west,
I am the clouds that race above,
Where I watch over those I love.

Do not stand at my grave and cry,
I am not there, I do not die,
So hear these words that here I say,
I am the love that guides your way.

Meatloaf
13.10.2003, 11:45
Do not stand at my grave and weep.

Do not stand at my grave and weep,
I am not there, I do not sleep.

I am a thousand winds that blow.
I am the diamond glint on snow.
I am the sunlight on ripened grain.
I am the gentle autumn rain.

When you wake in the morning hush,
I am the swift, uplifting rush
Of quiet birds in circling flight.
I am the soft starlight at night.

Do not stand at my grave and weep.
I am not there, I do not sleep.
(Do not stand at my grave and cry.
I am not there, I did not die!

Mary Frye (1932)


Do not stand at my grave and weep.
I am not there, I do not sleep.

I am the song that will never end.
I am the love of family and friend.
I am the child who has come to rest
In the arms of the Father who knows him best.

When you see the sunset fair,
I am the scented evening air.
I am the joy of a task well done.
I am the glow of the setting sun.

Do not stand at my grave and weep.
I am not there, I do not sleep.
(Do not stand at my grave and cry.
I am not there, I did not die!

Wilbur Skeels (1996)

Elsa
13.10.2003, 20:33
Wie wenn das Leben wär nichts anderes
als das Verbrennen eines Lichts!
Verloren geht kein einzig Teilchen,
jedoch wir selber gehen ins Nichts!

Denn was wir Leib und Seele nennen,
so fest in eins gestaltet kaum
es löst sich auf in tausend Teilchen
und wimmelt durch den öden Raum.

Es waltet stets dasselbe Leben.
Natur geht ihren ewigen Lauf;
in tausend neu erschaffnen Wesen
stehen diese tausend Teilchen auf.


(Theodor Storm)

Elsa
23.10.2003, 21:12
Meine Gräber

Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut;
meine Gräber liegen zu weit zerstreut,
weit zerstreut über Stadt und Land,
aber all in märkischem Sand.

Verfallene Hügel, die Schwalben ziehn,
vorüber schlängelt sich der Rhin,
über weiße Steine, zerbröckelt all',
blickt der alte Ruppiner Wall,
die Buchen stehn, die Eichen rauschen,
die Gräberbüsche Zwiesprach tauschen,
und Haferfelder weit auf und ab, -
da ist meiner Mutter Grab.

Und ein andrer Platz, dem verbunden ich bin:
Berglehnen, die Oder fließt dran hin,
zieht vorüber in trägem Lauf,
gelbe Mummeln schwimmen darauf.
Am Ufer Werft und Schilf und Rohr,
und am Abhange schimmern Kreuze hervor,
auf eines fällt heller Sonnenschein, -
da hat mein Vater seinen Stein.

Der Dritte, seines Todes froh,
liegt auf dem weiten Teltow-Plateau,
Dächer von Ziegel, Dächer von Schiefer,
dann und wann eine Krüppelkiefer,
ein stiller Graben die Wasserscheide,
Birken hier und da eine Weide,
zuletzt eine Pappel am Horizont, -
im Abendstrahle sie sich sonnt.
Auf den Gräbern Blumen und Aschenkrüge,
vorüber in Ferne rasseln die Züge,
still bleibt das Grab und der Schläfer drin, -
der Wind, der Wind geht drüber hin.


(Theodor Fontane)

Heroica
28.10.2003, 20:53
Man geht niemals so ganz.
Irgendwas bleibt immer hier und hat seinen Platz neben mir.

dhaula
29.10.2003, 18:27
Vorgelesen bei der Beerdigung meiner Mutter am 30. September 2003:

"Ich gehe langsam aus der Welt heraus
In eine Landschaft jenseits aller Ferne,
und was ich war und bin und was ich bleibe
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus
In eine Zukunft jenseits aller Sterne,
und was ich war und bin und immer bleiben werde
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
als wär ich nie gewesen oder kaum." (Hans Sahl)

alima
30.10.2003, 17:03
ein Gedicht von Rilke; wie ich finde gerade zu dieser Jahreszeit passend

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Eskimofrau
12.11.2003, 20:27
Die bisher schönste Übersetzung die ich für das englische Gedicht "do not stand at my grave..." gefunden hab:

Steh nicht weinend an meinem Grab
Ich liege nicht dort in tiefem Schlaf.
Ich bin der Wind über brausender See.
Ich bin der Schimmer auf frischem Schnee.
Ich bin die Sonne in goldener Pracht.
Ich bin der Glanz der Sterne bei Nacht.
Wenn Du in der Stille des Morgens erwachst,
Bin ich der Vögel ziehender Schar,
Die kreisend den Himmel durcheilt.
Steh nicht weinend an meinem Grab, denn ich bin nicht dort.
Ich bin nicht tot. Ich bin nicht fort.

Eskimofrau
12.11.2003, 20:33
und noch ein paar Gedichte die ich aus Todesanzeigen gesammelt hab weil sie mich so berührten.

Wie geht’s es weiter ohne dich?

wir sollten heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns kann niemals enden.
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

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Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst!

Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff
-----------------------------------------------------------------------

Keiner wird gefragt
wann es ihm recht ist
Abschied zu nehmen
von Menschen, Gewohnheiten
sich selbst
irgendwann
plötzlich
heisst es
damit umzugehen
ihn auszuhalten
diesen Abschied
diesen Schmerz des Sterbens
dieses Zusammenbrechen
um neu aufzubrechen

Margot Bickel

-----------------------------------------------------------------------

Du warst mein Nord, mein Süd, mein Ost und West
Meine Arbeitswoche und meine Sonntagsruhe.

Mein Tag , meine Nacht, mein Gespräch, mein Lied
Ich glaubte, diese Liebe wäre für die Ewigkeit -
ich habe mich geirrt.

Alles auf dieser Erde ist nur geliehen

-----------------------------------------------------------------------

Sag morgens mir ein liebes Wort,
bevor Du gehst von zuhause fort.
Es kann so viel am Tag geschehn,
wer weiss, ob wir uns wieder.
Sag lieb ein Wort zur guten Nacht,
wer weiss, ob man noch früh erwacht.
Das Leben ist so schnell vorbei,
und dann ist es nicht einerlei,
was Du zu mir zuletzt gesagt,
was Du zuletzt mich hast gefragt.
Drum lass ein liebes Wort das Letzte sein -
bedenk, das Letzte könnt’s für immer sein.

H.I. Rütimann

-----------------------------------------------------------------------

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es Dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne habe, die lachen können.

Antoine de Saint-Exupéry

-----------------------------------------------------------------------

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern - eines.
Ein einziges Blatt man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.

Doch dieses eine Blatt,
war Teil von unserem Leben.
Darum wird dies einzige Blatt allein
uns immer wieder fehlen.

-----------------------------------------------------------------------

Ich möchte noch einmal mit dir zusammensein
Mit dir, mein Lieber, ganz allein
Ich möchte noch einmal diene Nähe spüren
Und sachte diene Hände berühren
Ich möchte mit dir durch die Wälder streifen
Wenn in den Baumwipfeln die Vögel pfeifen
Wenn am Wegrand die Blumen blühen
Und am Himmel die Wolken weiterziehen
Ich weiss, es ist alles ein Traum von mir
Doch er war schön, der Weg mit dir.

A. Greuter

-----------------------------------------------------------------------

Wir gehörten zusammen,
Du warst uns so lieb,
nun hast Du uns verlassen -
voll Schmerzen stehen wir hier.
Für uns, die Dich liebten,
stirbt nie so ein Herz,
bist Du uns auch vorausgeeilt,
es kommt die Stund,
die uns alle vereint.

Inaktiver User
10.03.2004, 05:57
Schups nach vorne:


Christina Rossetti - When I am dead, my Dearest

When I am dead, my dearest,
Sing no sad songs for me:
Plant thou no roses at my head,
Nor shady cypress tree:
Be the green grass above me
With showers and dewdrops wet;
And if thou wilt, remember,
And if thou wilt, forget.

I shall not see the shadows,
I shall not feel the rain;
I shall not hear the nightingale
Sing on, as if in pain;
And dreaming through the twilight
That doth not rise nor set,
Haply I may remember,
And haply may forget.

Inaktiver User
10.03.2004, 10:37
Nicht alle Schmerzen sind heilbar,
manche schleichen sich tiefer und tiefer ins Herz hinein
und während Tage und Jahre verstreichen
werden sie zu Stein

Du sprichst und lachst, als wenn nichts wäre
sie scheinen zerronenn wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
bis in den Traum

Der Frühling kommt mit Wärme und Helle
die Welt wird ein Blütenmeer
aber in meinem Herzen ist eine Stelle
da blüht nichts mehr


(Ricarda Huch)

semiramis
10.03.2004, 10:59
Habe ich hier irgendwann und irgendwo einmal hier gelesen, es läßt mich nicht los, ich finde es wunderschön.

Ich bin nicht tot.
Ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in Euch und
geh' durch eure Träume.

(Michelangelo)

Inaktiver User
11.03.2004, 07:49
Semiramis: Hier der komplette Text:


Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot,
ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch,
ich geh`in eure Träume,
da uns, die wir vereint,
Verwandlung traf.
Ihr glaubt mich tot,
doch dass die Welt ich tröste,
leb ich mit tausend Seelen dort,
an diesem wunderbaren Ort,
im Herzen der Lieben.
Nein, ich ging nicht fort,
Unsterblichkeit
vom Tode mich erlöste.

nach Michelangelo

Und hier noch ein Gedicht, dass mir besonders gut gefällt!



Novalis:

Wer Schmetterlinge lachen hört

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiss, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn r will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.

Er weiss, dass er nichts weiss,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiss er was die anderen
und er noch lernen müssen.

Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört,
von Furcht sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf,
den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiss wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.

Inaktiver User
20.03.2004, 12:27
Ein Blatt im Wind -
so vielen Stürmen tapfer widerstanden
und dich festgehalten

Doch dieser letzte war zu stark
- für uns alle -

und hat dich von uns fortgetragen...............

kumpel
26.03.2004, 19:28
Nicht alle Schmerzen kann man lindern,
manche schleichen sich tief ins Herz hinein,
und während Tage und Monde vergehen,
werden sie zu Stein.
Man spricht und lacht, als wenn nichts wäre,
die Trauer scheint zerronnen wie Schaum,
doch man spürt die lastende Schwere bis in den Traum.
Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer,
aber im Herzen da ist eine Stelle, da blüht nichts mehr

knuffi
26.03.2004, 20:28
Du gingst, ohne das ich mich verabschieden konnte,
Hinterlist eine unendliche Leere, die niemand füllen kann.

Ich steh an D E I N E M Grab,
doch ich kann nicht glauben, dass DU darin liegst.

Ich ersticke an dem Schmerz und an der Trauer

Niemand, so scheint es, kann diesen Schmerz mildern,
denn NIEMAND wird DICH je ersetzen können.

Doch der Schmerz wird verblassen,
irgendwann, denn ich werde begreifen,
dass DU für mich niemals sterben kannst.

WEIL DU IN MEINEM HERZEN EWIG LEBST

Pemaus
06.04.2004, 17:24
Lauter kleine goldene Sonnen,
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Lauter kleine goldene Sonnen
leuchten aus dem Wiesengrün,
lauter große goldene Träume
stolz in meiner Seele blühn.

Jeder Baum in voller Blüten,
jeder Vogel jubelt laut,
jeder Halm und jede Rispe
ist mit Tropfen schwer betaut.

Und ich gehe,dein gedenkend,
durch das taubeperlte Ried,
in den Augen feuchtes Glänzen,
in der Brust kein Frühlingslied.
(Hermann Löns)


Liebe Grüße
Petra mit Claudia im Herzen

Inaktiver User
15.04.2004, 13:56
ich habe gestern eine völlig unerwartete Todesanzeige erhalten und mal wieder in lange nicht gelesenen Gedichten geblättert.

Noch einen Blick ins Angesicht, das blasse
auf dem ein Lächeln schwebt
Mein Vater, hilf mir, dass ich es recht fasse:
Mein Kind, das lebt!
Noch einmal lass mich dich mit Blumen schmücken
von Herbstesduft durchweht
dann gläubig auf den ewgen Frühling blicken
wo mein Kind lebt.
Noch einen Blick, dann schließt die enge Klause
zum letzten Gang sie hebt.
Begrabt den Leib, die Seele ging nach Hause:
Mein Kind, das lebt.


Auch im Buch des Lebens hat jedes Blatt zwei Seiten.
Die eine, obere, schreiben wir Menschen
mit unseren Plänen, Wünschen, Hoffnungen,
aber die andere füllt die Vorsehung
und was sie anordnet
ist selten unser Ziel gewesen.


Wenn ich sterbe, weine nicht.
Ich bin nicht richtig tot, musst du wissen.
Es ist das Heimweh, das ich hinterließ.
Tot bin ich erst, wenn du dies vergessen hast.

Und wenn ich sterbe, traure nicht
Ich bin nicht richtig tot, musst du wissen.
Es ist das Verlangen, das ich hinterließ.
Tot bin ich erst, wenn du dies vergessen hast.

Und wenn ich sterbe, weine nicht.
Ich bin nicht richtig tot, musst du wissen.
Es ist nur der Körper, den ich hinterließ
Tot bin ich erst, wenn du mich vergessen hast.


Du stehst an meinem Grabe-doch traure nicht,
denn ich liege nicht hier und schlafe.
Ich bin der Wind, der dich umspielt,
die Sonne über den Feldern,
ich bin die Schneeflocke in der Luft,
der Regen über den Wäldern.
Ich bin der Vogel, der singend ruft,
der Stern, der dich ruft aus der Ferne.
Ich bin bei dir, wenn die Sonne sinkt-
du weißt doch, ich sah es so gerne.
Ich bin bei dir, ob Nacht oder Licht,
geh ruhig zum Grabe, doch weine nicht,
denn ich liege nicht hier und schlafe.


Aus dem Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall":

Haltet alle Uhren an
lasst die Telefone abstellen
hindert den Hund daran,
den saftigen Knochen anzubellen
Klaviere sollen schweigen
und mit gedämpftem Trommelschlag
lasst die Trauernden nun kommen
tragt heraus den Sarg.

Lasst Flugzeuge kreisen,
klagend im Abendrot
an den Himmel schreiben
die Botschaft: ER IST TOT!
Lasst um die weißen Hälse der Tauben
Kreppschleifen schlagen
und Verkehrspolizisten schwarze
Baumwollhandschuhe tragen.

Er war mein Nord, mein Süd,
mein Ost, mein West
Meine Arbeitswoche und
mein Sonntagsfest.
Mein Gespräch, mein Lied
mein Tag, meine Nacht
ich dachte, LIEBE WÄHRET EWIG
FALSCH GEDACHT

Die Sterne sind jetzt unerwünscht
löscht jeden davon aus
verhüllt auch den Mond
und nieder reisst die Sonn
Fegt die Wälder zusammen
und gießt aus den Ozean
weil nun
NICHTS MEHR JE
WIEDER GUT WERDEN KANN.

Inaktiver User
24.04.2004, 12:16
Das hat mir heute gut gefallen:

Du bist von uns gegangen
- nur einen Augenblick-.
Wenn wir dahin kommen,
wohin du gegangen bist,
werden wir uns fragen,
warum wir geweint haben.

Inaktiver User
07.05.2004, 15:32
Kein Gedicht, aber ein, wie ich finde treffendes Zitat:

"Wäre es möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit grösserem Vertrauen ertragen, als unsere Freuden.
Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes.
Unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt."

R.M. Rilke

Inaktiver User
09.05.2004, 10:01
Ich lebe mit Mächten

Im Dunkeln liegen
ängstlich und traurig
und plötzlich kommt
jemand
und zündet eine Kerze an.
Und die stille Flamme
tröstet und wärmt.

Im Dunkeln stehen,
den Kopf müde gesenkt,
und plötzlich kommt
jemand
und weist zum Himmel.
Und du staunst
über die Vielzahl
der leuchtenden Sterne.

Im Dunkeln liegen,
schlaflos die Nacht
durchweinen,
und plötzlich kommt
jemand
und zeigt nach draußen,
wo über den Dächern
die Morgenröte aufsteigt
und den neuen Tag ankündigt.

Im Dunkeln gehen,
fern von den anderen,
und plötzlich kommt
jemand
und lädt dich ein,
in sein erleuchtetes Haus
und in den Kreis seiner Freunde.

Ute Latendorf

Inaktiver User
11.05.2004, 11:10
Ich habe leider kein Gedicht, aber eine Frage: Bei fast jeder Beerdigung, die ich miterlebte, sprach der Geistliche ganz bestimmte Worte, die mir in ihrer Schönheit immer wieder einen Schauer über den Rücken schicken und die ich so köstlich tröstend finde.Ich kann nur Bruchstücke davon wiedergeben: ."Mein...ist der Herr. Er weidet mich auf grüner Au und tränkt mich an.... Wassern" usw.. Kennt jemand den vollständigen Wortlaut und die Quelle ?

Inaktiver User
11.05.2004, 13:58
Urselchen:

Hier kommt der komplete Psalm:

EIN PSALM DAVIDS.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

© Psalm: Die Bibel

Liebe Grüsse
savita

Inaktiver User
12.05.2004, 15:15
Liebe Savita, ganz herzlichen Dank für deine Mühe. Es sind sehr schöne Worte. Viele Grüße U.

Nefernefer
12.05.2004, 22:20
Guten Abend,

DER TOD ist heute vor mir
wie die Genesung nach einer Krankheit
wie ein erstes Aufstehen nach einem Leiden.

DER TOD ist heute vor mir
wie der Duft der Myrrhe
wie eine Rast unter einem Schutzdach
an einem stürmischen Tag.

DER TOD ist heute vor mir
wie der Duft der Lotosblumen
wie ein Augenblick im Freudenrausch.

DER TOD ist heute vor mir
wie ein Weg nach dem Regen
wie eine Rückkehr nach Hause
nach einem Krieg in der Ferne.

DER TOD ist heute vor mir
wie eine Aufklarung
in einem von Wolken bedecktem Himmel
wie die Sehnsucht nach dem Unbekannten.

DER TOD ist heute vor mir
wie die Freude, die man empfindet,
sein Haus wiederzusehen
nach langen Jahren der Gefangenschaft.


Auszug aus dem Dialog eines lebensmüden Menschen mit seiner Seele
um 1300 v. Chr.

murmeltier
21.05.2004, 03:13
Es gibt ein Lied von PUR, welches so wunderschön ist, dass ich oft geweint habe, wenn ich es gehört habe. Ich denke, es passt auf sehr viele Menschen:

"In Gedanken"

Sie stand mitten im Leben - hat das Glück angelacht
Für den Mann und die Kinder die treibende Kraft

Sie war liebeswert, freundlich - was man herzensgut nennt
Jemand der gerne hilft - den man auch gerne kennt

Sie war noch zuversichtlich nach dem ersten Befund
Und sie glaubte und hoffe, denn es gab keinen Grund

Von Gerechtigkeit hielt diese Krankheit nicht viel
Sie verfolgte heimtückisch und sinnlos ihr Ziel

Das Grab längst verschlossen
Die Schmerzen vergeh`n
Die Tränen vergossen
Doch es kann keiner verstehn
Die Zeit bringt vergessen
Doch was auch geschieht
Sie lebt in Gedanken
Und in diesem Lied - in diesem Lied

All die Operationen, all die Therapien
Begannen dem Körper die Kraft zu entziehen

Doch sie wollte kein Mitleid - mit Löwinnenmut
lachte sie weiter, als ginge es ihr gut.

Ich sah sie und weinte - sie tröstete mich
Ja das war echte Größe - mir war jämmerlich!

Sie hat sich auf`s nächste Konzert so gefreut
Dass sie`s nicht mehr erlebt hat, tut mir mehr als leid

Das Grab längst verschlossen
Die Schmerzen vergeh`n
Die Tränen vergossen
Doch es kann keiner verstehn
Die Zeit bringt vergessen
Doch was auch geschieht
Sie lebt in Gedanken
Und in diesem Lied - in diesem Lied

Sogar jetzt habe ich Tränen in den Augen... das berührt mich so sehr...

Es ist auch musikalisch sehr schön und anrührend - ich kann es nur empfehlen (auf der CD "Abenteuerland")

Pur hat auch noch andere schöne Lieder zu dem Thema gemacht, z.B. "Noch ein Leben", worin es um den Selbstmord eines jungen Menschen geht.

Liebe Grüße

Natalie

murmeltier
21.05.2004, 03:25
Weiterhin gibt es ein wirklich wunderschönes Lied von den Böhsen Onkelz: "Der Platz neben mir"

Ich werde es nur auszugsweise widergeben, weil es sehr lang und auch sehr situationsspezifisch ist, aber die schönsten Stellen sind:

Ich warte schon so lange auf ein Wort von Dir
Ein nie endendes Verlangen nach dir lebt in mir

Ich warte schon so lange auf ein Wort von Dir
Der Schmerz ist vergangen
Geblieben ist die Leere und der Platz neben mir

Es ist einsam ohne dich
Ohne dich mein Freund
Ich vermisse dich

Du kehrst wieder als mein Traum
Nur für die Dauer eines Augenblicks
Bist du real für mich

Eines Tages folge ich dir
In die Ewigkeit
Gib mir Zeit

Ich pflücke Rosen für dein Grab
Du bist nicht mehr hier
Doch du lebst in mir!

Auch dabei muss ich regelmäßig weinen.

Vielleicht gefällt es einem von euch auch.

Liebe Grüße

Natalie

kumpel
31.05.2004, 03:20
(Sternenkinder)

Still, seid leise,
es waren Engel auf der Reise.
Sie wollten ganz kurz bei euch sein.
Warum sie gingen, weiß Gott allein.
Sie kamen von Gott, dort sind sie wieder,
wollten nicht auf unsere Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihnen zurück,
in unseren Herzen ein großes Stück.
Sie werden jetzt immer bei euch sein.
vergesst nie,
sie waren so klein.
Geht nun ein Wind an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.
Und wenn ihr fragt, wo mögen sie sein?
Ein Engel ist niemals allein.
Sie können jetzt alle Farben sehn
und barfuss durch die Wolken gehn.
Vielleicht lassen sie sich hin und wieder
bei den Engelskindern nieder.
Und wenn ihr sie auch sehr vermisst,
weil sie nicht bei euch sind,
so denkt, im Himmel, wo es sie nun gibt,
erzählen sie stolz: WIR WERDEN GELIEBT!

knuffi
04.06.2004, 08:20
Du gingst, ohne das ich mich verabschieden konnte,
Hinterlist eine unendliche Leere, die niemand füllen kann.

Ich steh an D E I N E M Grab,
doch ich kann nicht glauben, dass DU darin liegst.

Ich ersticke an dem Schmerz und an der Trauer
niemand, so scheint es, kann diesen Schmerz mildern,
denn NIEMAND wird DICH je ersetzen können.

Doch der Schmerz wird verblassen,
irgendwann, denn ich werde begreifen,
dass DU für mich niemals sterben kannst.

WEIL DU IN MEINEM HERZEN EWIG LEBST


diesen spruch habe ich auf das grab meiner geliebten omi gelegt, als sie am 13.6.03 gestorben ist.

knuffi /community/foren/images/graemlins/frown.gif

Inaktiver User
25.07.2004, 10:46
schups nach oben!

Dreimal





Dreimal ging die Witwe übers Ödland,

Da war kein Frühling, kein Sommer, kein Herbst noch Winter.

Mitten im Ödland saß ihr Mann, ihr Liebster,

Und das erste Mal kniete sie nieder, umfing seinen Schoß,

Sagte, wir haben die Kürbisse eingelegt

Sauer und süß. Wir sammeln die ersten Nüsse.

Die Kinder schreiben das A und das O,

Leb wohl, und der Tote nickte.



Dreimal ging die Witwe übers Ödland.

Da war kein Tag, keine Nacht, kein Morgen noch Abend.

Mitten im Ödland saß ihr Mann, ihr Liebster,

Und das zweitemal legte sie ihm ihre Hand auf die Brust,

Sagte, ein Schnee ist gefallen, die Fenster blühn,

Der Igel hält seinen Winterschlaf,

Die Kinder backen Monde und Sterne.

Leb wohl, und der Tote nickte.



Dreimal ging die Witwe übers Ödland,

Da war kein Wasser, kein Feuer, keine Luft noch Erde.

Mitten im Ödland saß ihr Mann, ihr Liebster,

Und das drittemal sah sie ihn an, berührte ihn nicht.

Sagte, wir haben die Beete abgedeckt,

Die Erde in unserem Garten ist schwarz und fett,

Die Kinder verbrennen den Winter.

Leb wohl, und der Tote nickte.



Zum anderenmal ging die Witwe, fand das Ödland nicht mehr.

Hoch stand das Gras, verwachsen starrten die Hecken,

Margeriten blühten und Rosen, die Sichel ging.

Leb wohl, und die Sonne nickte.



[ Marie Luise Kaschnitz ]

Feinsinn
18.08.2004, 08:40
Es wird aussehen, als wäre ich tot,
und das wird nicht wahr sein...
Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.
Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen,
gerade so zum Vergnügen...
Und Deine Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst
und lachst.

(Antoine de Saint-Exupéry)

Feinsinn
18.08.2004, 08:51
Begräbnis-Blues


Haltet alle Uhren an,
laßt das Telefon abstellen,
Hindert den Hund daran,
den saftigen Knochen anzubellen,
Klaviere sollen schweigen,
und mit gedämpften Trommelschlag,
Laßt die Trauernden nun kommen,
tragt heraus den Sarg.

Laßt Flugzeuge kreisen,
klagend im Abendrot,
An den Himmel schreibend
die Botschaft Er ist tot;
Laßt um die weißen Hälse der Tauben
Kreppschleifn schlagen,
Und Verkehrspolizei schwarze
Baumwollhandschuh' tragen.

Er war mein Nord, mein Süd,
mein Ost und mein West,
Meine Arbeitswoche
und mein Sonntagsfest,
Mein Gespräch, mein Lied,
mein Tag, meine Nacht,
Ich dachte, Liebe währet ewig:
Falsch gedacht

Die Sterne sind jetzt unerwünscht,
löscht jeden aus davon,
Verhüllt auch den Mond
und nieder reißt die Sonn',
fegt die Wälter zusammen
und gießt aus den Ozean,
Weil nun nichts mehr
je wieder gut werden kann

April 1936 (W.H. Auden)


Funeral Blues

Stop all the clocks,
cut off the telephone,
Prevent the dog from barking
with a juicy bone,
Silence the pianos
and with muffled drum
Bring out the coffin,
let the mourners come.

Let aeroplanes circle
moaning overhead
Scribbling on the sky
the message He Is Dead,
Put cr´`epe bows round the white necks
of the public doves,
Let the traffic policemen
wear black cotton gloves.

He was my North, my South,
my East and West,
My working week
and my Sunday rest,
My noon, my midnight,
my talk, my song;
I thought that love would last for ever:
I was wrong.

The stars are not wanted now;
put out every one;
Pack up the moon
and dismantle the sun;
Pour away the ocean
and sweep up the wood;
For nothing now
can ever come to any good.

Inaktiver User
23.08.2004, 11:30
Für A.

Immer wenn ein Tag zur Neige geht,
gibt es in jeder Nacht,
einen Brunnen,
in dem Klarheit gefangen ist.

Wir müssen am Rande
des Brunnens der Dunkelheit sitzen
und nach hinabgestürztem Licht fischen,
voller Geduld.

Pablo Neruda

Inaktiver User
04.10.2004, 12:58
Den Toten bringen Menschen Blumen,
Warum denn nur im Leben nicht.
Warum so sparsam mit der Liebe
und warten bis das Auge bricht.
Den Toten freuen keine Blumen.
Er spürt im Grabe keinen Schmerz.
Würd man im Leben Liebe üben,
schlüg länger manches Menschenherz.

...aus meinem Poesiealbum 1961 geschrieben von meiner Oma (gestorben 2002)

Liebe Grüsse
savita

Brumm57
19.10.2004, 16:02
Dieses Gedicht habe ich aus einem Buch, das über den Unfalltod eines bekannten Bergsteigers berichtet:

Wenn ich einst tot bin, geh nicht an mein Grab!
Den kleinen Hügel lass von Gras umwehen.
Du sollst das bunte Leben wieder sehen,
das dir und mir so manche Freude gab.

Ich selbst bin zwar woanders, nein, nicht weit,
wie könnte ich mich jemals von dir trennen?
Du wirst mich nur mit andern Namen nennen.
Was ich verlor? Ein abgelegtes Kleid.

Vielleicht, an einem heißen Sommertag,
werd ich im Windhauch deine Stirne kühlen,
wirst du auf einmal meine Nähe fühlen,
wie meine Hand, die oft auf deiner lag.

Vielleicht, wenn du im Winter stehst und frierst
und kalte Schauer durch die Glieder drangen,
bin ich der Sonnenstrahl auf deinen Wangen,
bin ich die Wärme, die du plötzlich spürst.

Vielleicht bin ich die Schutzkraft, die dich hüllt,
die Liebe, die dich hält und heilt und segnet,
die dir verwandelt überall begegnet
und unser Leben hier und dort erfüllt.

von Marianne Junghans

Vonganzemherzen
29.10.2004, 16:13
Aus: Fynn, Hallo Mister Gott, hier spricht Anna


Wenn ich sterbe...

Wenn ich sterbe,
dann tu ich das selber.
Niemand tut es für mich.
Wenn es soweit ist,
Dann sag ich:
"Fynn, stell mich hin."
Und dann guck ich rum.
Und dann lach ich.
Dann fall ich hin
Und bin tot.

Inaktiver User
05.11.2004, 09:39
mit Einverständnis von Windrose rüberkopiert:


AUCH TRAUER HEIßT LEBEN
= = = = = = = = = == = = = = = = ==

Abschied von einer Freundin

Und ein Hauch von Tod eilt durch den Raum,
ich wende mich ab,
will es nicht sehn,
war bestimmt nur ein Traum.

Ich trete an Dein Bett,
mitten in der Nacht,
Dein Gesicht einst so schön,
ist bleich im Mondlicht zu sehn.

In mir schreit die Angst,
ein Traum war es nicht,
das erkenn ich nun
an dem schmerzgewandelten Gesicht.

Du wirst auf die Reise gehn,
auf der ich Dich nicht begleiten kann,
ich denk an Deine Kinder,
denk an Deinen Mann.

Oh Freundin Du,
ich halt Deine Hand,
bleich scheint das Mondlicht nun an die Wand,
ein Stöhnen Deinem Munde entweicht,
mein Herz steht fast still.

DU HAST DEIN ZIEL ERREICHT!!

(windrose-AS)

windrose
05.11.2004, 10:38
Es wird aussehen, als wäre ich tot,
und das wird nicht wahr sein...
Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.
Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen,
gerade so zum Vergnügen...
Und Deine Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst
und lachst.

(Antoine de Saint-Exupéry)




so müßte es jedem ergehen!!!

Midnightblue
05.11.2004, 17:58
ANA von May Ayim

es gibt keine richtigen und keine falschen worte
für etwas das unaussprechlich ist
es gibt kein richtiges und falsches verhalten
für das was unbegreiflich bleibt

ANA ist tot

die einen zeigen schmerz
indem sie weinen und schreien
die anderen zeigen verlust
indem
sie keine worte finden

einen moment lang
lachen und tanzen
weil wir wissen
daß wir
ANAs ideen und worte und pläne
weitertragen werden

dann wieder
weinen und schreien und schweigen
weil wir es sind die sprechen und fühlen und
leben

das heitere lachen die laute stimme
und aufrichtige widerspenstigkeit
fehlt
nicht ihr
fehlt
uns

ANA

wir kannten und mochten dich
auf unterschiedliche weise
oder kannten und mochten dich nicht
egal wie du warst und egal wie du nicht warst
egal wie wir waren und egal wie wir nicht waren:

du lebtest
so wie du warst
durch uns
mit und ohne uns
willensstark
mit
einer meinung
an der sich
gedanken und gefühle
mal spiegelten mal vereinigten mal zerstritten

ANA du bist

ohne den tod zu verachten
aus dem leben gegangen
lebhaft
für ein leben
das wir weitertragen werden
ein leben
das
wenn es vergeht
schmerz hinterläßt und sehnsucht und hoffnung
und liebe
ein leben
das nicht nur etwas sondern
sehr viel zurückläßt
was wert ist weitergetragen zu werden

danke ANA



für euch alle, die ihr wisst wie sich "vermissen" anfühlt
midnightblue

Inaktiver User
07.12.2004, 23:51
What ist dying?
A ship sails and I stand watching till she fades on the horizon, and someone at my side says: "She is gone." Gone where? Gone from my sight, that is all; she is just as large as when I saw her...
The diminished size and total loss of sight is in me, not in her, and just at the moment when someone at my side says"she is gone", there are others who are watching her coming, and other voices take up a glad shout, "there she comes!" ....and that is dying. (Bishop Brent)

Ein so beruhigender Gedanke - das Gedicht habe ich in London in einer Kirche gefunden.

Es grüßt Euch der Kranich

Finbaerin
08.12.2004, 23:36
Du warst ein Kind der Hoffnung,
unsere Liebe um hüllte dich,
unsere Fantasie schmückte dein Leben aus.

Du warst ein Kind der Freude.
Wie eine Blüte ging unser Herz auf,
denn wir erwarteten dich voller Sehnsucht.

Du warst ein Kind des Lebens.
Wir wollten Leben weitergeben
und uns selbst beschenken lassen.

Du bleibst unser Kind.
du bist ein Kind der Sehnsucht,
das zu einem Kind der Trauer wurde.

Du hast sie nicht gesehen,
den Sonnenglanz und die Mondsichel.
Du hast nicht in unsere leuchtenden Augen geschaut.

Nun aber siehst du das Licht,
das strahlende, wärmende Licht
der Liebe Gottes.
auch du wohnst im Hause Gottes,
wo viele Wohnungen sind.

Du bist gesegnet
du Kind der Hoffnung, der Freude
und des Lebens.
Und mit dir ist gesegnet
unsere Trauer um dich,
du Kind bei Gott.

aus "Segen strömt aus der Mitte" von Hanne Straeck

Finbaerin
10.12.2004, 11:16
Nachricht gel&ouml;scht durch Finbaerin
Grund:

Finbaerin
10.12.2004, 11:21
American Indian
Steh' nicht weinend an meinem Grab,
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

Ich bin tausend Winde, die weh'n,
Ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
Ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn,
Ich bin der sanfte Regen im Herbst.

Wenn du erwachst in der Morgenfrühe
Bin ich das schnelle Aufsteigen der Vögel
Im kreisenden Flug.
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.

Steh' nicht weinend an meinem Grab,
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

Finbaerin
10.12.2004, 11:22
Mascha Kaléko
Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr;
- Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Finbaerin
10.12.2004, 11:23
(Verfasser unbekannt)
Auf der anderen Seite des Weges

Der Tod ist nichts,
ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt,
sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht nicht eine andere Redensweise,
seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Betet, lacht, denkt an mich,
betet für mich, damit mein Name im Hause ausgesprochen wird,
so wie es immer war,
ohne irgend eine besondere Bedeutung,
ohne Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das,
was es immer war, der Faden ist nicht durchgeschnitten.
Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.

Finbaerin
10.12.2004, 11:23
(Verfasser unbekannt)
Stirbt ein Elternteil, so stirbt die Vergangenheit,
stirbt der Partner, so stirbt die Gegenwart,
stirbt ein Kind, so stirbt die Zukunft.

Finbaerin
10.12.2004, 11:34
Hermann Hesse
Auf den Tod eines kleinen Kindes

Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
Und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unsern welken Jahren
Wir Alten noch gefangen sind.

Ein Atemzug, ein Augenspiel,
Der Erde Luft und Licht zu schmecken,
War dir genug und schon zu viel;
Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken.

Vielleicht in diesem Hauch und Blick
Sind alle Spiele, alle Mienen
Des ganzen Lebens dir erschienen,
Erschrocken zogst du dich zurück.

Vielleicht, wenn unsre Augen, Kind,
Einmal erlöschen, wird uns scheinen,
Sie hätten von der Erde, Kind,
Nicht mehr gesehen als die deinen.

Finbaerin
10.12.2004, 11:35
Ludwig Uhland
Auf den Tod eines Kindes

Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
Ein flüchtger Gast im Erdenland;
Woher? wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Inaktiver User
11.12.2004, 06:30
Weit, weit weg
Jetzt sind die Tag schon kürzer word'n,
und Blattln falln a von die Bäum,
und auf'm Almasattl liegt schon Schnee.

A kalter Wind weht von die Berg
die Sonn is a schon untergangen
und ich hätt di gern in meiner Näh.

Jetzt bist so weit, weit weg,
so weit, weit weg von mir
des tuat mir schiach und wie

Du warst wie der Sommerwind
der einifahrt in meine Haar,
als wia a warmer Regen auf der Haut.

I riech noch deine nassen Haar,
i spür noch deine Händ im G'sicht
und wie du mir ganz tief in d'Augen schaust.

Jetzt bist so weit, weit weg,
so weit, weit weg von mir
des tuat mir schiach und wie

Jetzt is bald ein Monat her,
dass mir uns noch g'halten habn
und in unsere Arm versunken san.

Manchmal ist's mir gestern war's
und manchmal wia a Ewigkeit
und manchmal hab i Angst es war a Traum.

Jetzt bist so weit, weit weg,
so weit, weit weg von mir
des tuat mir schiach und wie

Goisern, Hubert von

Inaktiver User
13.12.2004, 08:49
Herbst

Die Blätter fallen. Fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Inaktiver User
16.12.2004, 06:23
Die schwersten
Wege werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.

Stehenbleiben und sich Umdrehen
hilft nicht. Es muß
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne tritts
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt
und in deinem Haus
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimme wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Hilde Domin

aus: Ich weiß nicht, ob ich bange Ein Lesebuch für Nachdenkliche
gesammelte Gedichte Frankfurt am Main 1987

Gela2
15.01.2005, 08:15
Wenn uns die Menschen, die wir lieben, genommen werden, dann können wir sie trotzdem behalten, indem wir nie aufhören, sie zu lieben.

Lieben Gruß an Alle

MarieCurie
03.02.2005, 23:12
Hier noch was von Wolfgang Borchert, wenn man auch so mal traurig ist !!

Wir müssen den Becher trinken,
den das Leben uns reicht.
Auch wenn er voll Leid ist,
Wir müssen den Weg gehen,
den das Leben uns weist.
wenn er auch weit ist.
Wir wollen das Schöne bewahren
und über das Heilige wachen,
wir wollen in dunklen Jahren
durch unsere Tränen lachen.

MarieCurie
03.02.2005, 23:21
Hier noch was (war in der Todesanzeige meines Vaters)

Dein Name wird uns begleiten,
deine Stimme, dein Gesicht, dein Lächeln
haben wir tief in unser Gedächtnis geprägt,
es wärmt uns in dunklen Zeiten und es leuchtet
wie ein Licht auf den Straßen
wenn uns kalt der Wind entgegen schlägt.

Mein Vater ist jetzt schon/erst 5 Jahre tot, aber wenn ich das noch mal schreibe und lese, krieg ich wieder einen dicken Kloss im Hals !!

Inaktiver User
20.02.2005, 15:56
Abschied

Das Gute
fliegt jetzt davon
dorthin
wo alles nicht immer
in die Vergangenheit fällt,
sondern täglich
auf- und untergeht
wie die Sonne

Erich Fried

SammyJo
06.03.2005, 10:29
Ich weiss nicht, ob es hier schon steht (habe nicht den ganzen Strang gelesen), aber falls nicht: ich fand folgendes Gedicht von Heinrich Heine wunderschön, das wir für die Anzeige zum Tod meines Vaters ausgesucht hatten (muss es nun auswendig aufschreiben, ich hoffe, ich bring nichts durcheinander:)

Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden
unter Linden an dem Rhein?
Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.

Hui, treibt mir schon wieder die Tränen in die Augen, aber ich wollte es doch so gerne mit Euch teilen - ich finde es wunderschön.
Alles Liebe - SJ

Inaktiver User
06.03.2005, 15:18
Das ist sehr schön, SammyJo, und sehr tröstlich. :wangenkuss:

LG Selma

Inaktiver User
12.03.2005, 15:29
Auf meines Kindes Tod

Joseph von eichendorff

Freuden wollt ich Dir bereiten;
Zwischen Kämpfen, Lust und Schmerz
Wollt‘ ich treulich dich geleiten
Durch das Leben himmelwärts.
Doch du hast’s allein gefunden,
Wo kein Vater führen kann,
Durch die ernste dunkle Stunde
Gingst du schuldlos mir voran.
Wie das Säuseln leiser Schwingen
Draußen über Wald und Kluft
Ging zur selben Stund‘ ein Singen
Ferne durch die stille Luft.
Und so fröhlich glänzt der Morgen,
s war, als ob das Singen sprach:
Jetzo lasset alle Sorgen;
Liebt ihr mich, so folgt mir nach!
Ich führt‘ dich oft spazieren
In Winter-Einsamkeit;
Kein Laut ließ sich da spüren,
Du schöne, stille Zeit!
Lenz ist’s nun, Lerchen singen
Im Blauen über mir;
Ich weine still – sie bringen
Mir einen Gruß von dir.
Von fern‘ die Uhren schlagen,
Es ist schon tiefe Nacht,
die Lampe brennt so düster,
das Bettlein ist gemacht.
Die Winde nur noch gehen
Wehklagend um das Haus,
Wir sitzen einsam drinnen
Und lauschen oft hinaus.
Es ist, als müßtest leise
Du klopfen an die Tür,
Du hätt’st dich nur verirret
Und käm’st nun müd‘ zurück.
Wir armen, armen Toren!
Wir irren ja im Graus
Des Dunkels noch verloren, -
Du fand’st dich längst nach Haus.

Inaktiver User
19.03.2005, 12:44
Ein alter Mann beklagt sich über den Tod
seiner schon lange nicht mehr geliebten Frau

Aber ... Jetzt ist sie tot, einfach weg
Nun sitz ich da, bin starr vor Schreck
Das hat sie bestimmt aus Gemeinheit gemacht
Hört ihr, wie sie da oben lacht?
Das geht mir mächtig an die Nieren
Wer, wer wird mich jetzt so schikanieren
so, wie sie es nur verstand?
Wie sie mich immer reizte
wenn sie beim Kaffeetrinken den kleinen Finger spreizte!
Und dann hatte sie so eine Art, sich zu räuspern
laut und verächtlich
das ärgerte mich immer mächtig
Und dann schnalzte sie knallend mit der Zunge
Junge, Junge, Junge!
Am liebsten hätt’ ich ihr den Hals umgedreht
- aber dazu ist es nun leider zu spät
Ja, und wie sie beim Essen immer schmatzte
und mir den ganzen Appetit verpatzte
Und im Bett
da lag sie nun, dick und fett
Das Nachthemd hättet ihr sehen sollen
gnädig verdeckte es die schlaffen Titten meiner Ollen
Und dann fing sie auch noch zu schnarchen an
o Mannomannomann!
Das war wirklich optimal
aber egal, egal!
Jetzt ist sie tot
ließ mich allein mit meiner Not
Was soll ich nur machen ohne sie?
Das verzeihe ich ihr nie, nie, nie!!!



Lotti Huber aus: Jede Zeit ist meine Zeit

windrose
24.03.2005, 18:12
AUF WIEDERSEHEN AUF DER ANDERN SEITE DER ZEIT!

Unser Lachen war wie ein Duett,
wir fanden uns beide immer nett,
waren uns so vertraut,
haben lange Zeit aufeinander gebaut,
und das Leben floss weiter.
Neue Ziele, neues Glück,
Wenn wir uns dann trafen,
schauten wir zurück.
Konnten lachen und uns freuen,
dass wir einander kannten.
Wenn wir uns dann voneinander abwandten,
im vertrauen darauf,
uns wiederzusehen,
begleitete unser Lächeln den andern.
Noch einmal werd ich einen Weg mit Dir gehen,
doch diesmal wird es anders sein,
werde Dein Lächeln nie wieder sehen,
werde einsam unsere Wege gehen.
DU KOMMST NICHT MEHR.
Auf Wiedersehen auf der andern Seite der Zeit.

(windrose-AS)

Inge17
27.03.2005, 00:04
In einer Todesanzeige las ich diesen großartigen Gedanken:

Niemand kennt den Tod.
Es weiß auch keiner,
Ob er nicht das größte Geschenk
Für den Menschen ist.

Sokrates

Inaktiver User
10.04.2005, 19:19
ich wei? nicht ob dieses Gedicht schon hier reingeschrieben wurde, weil ich es noch nicht geschafft habe mir alle Gedicht durch zu lesen.

Welkende Rosen



Möchten vielen Seelen dies verstehen,

Möchten viele Liebende es lernen:

So melodisch flüsternd zu verhallen,

So im Traumel auseinander wehen,

So in rosiges Blätterspiel zerfallen,

Lächelnd sich vom Liebesmahl entfernen,

So den eigenen Tod als Fest begehen,

So gelöst dem Leiblichen entsinken

Und in einem Kuß den Tod zu trinken.


Herman Hesse

Monkele
18.04.2005, 16:29
Noch ein schönes Gedicht:

Wenn wir sterben
du
ich
soll nicht am Ende
ein Fragezeichen
stehen
sondern einfach
ein Punkt

wir haben
in der Kürze
der Zeit
Zeit genug
wenn wir
sie uns
schenken

Inaktiver User
19.04.2005, 11:21
Wer ich bin
willst Du wissen.
Ich war der Himmel
am anderen Ende der Welt.
Später war ich die Sonne,
die durch Deine Adern rauschte
und Dich wärmte.
Am Ende will ich der Stern sein,
der Dich am dunklen Himmel führt...

Pummel
19.04.2005, 21:44
Hier die Übersetzung von 'Kranich's' englischem Text:

Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte
wie es am Horizont verschwindet.
Jemand an meiner Seite sagt: "Es ist verschwunden."
Verschwunden wohin?
Verschwunden aus meinem Blickfeld - das ist alles.
Das Schiff ist nach wie vor so groß wie es war
als ich es gesehen habe.
Dass es immer kleiner wird und das dann völlig aus
meinen Augen verlieren ist in mir, hat mit dem Schiff
nichts zu tun.
Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben
mir sagt, es ist verschwunden, gibt es Andere,
die es kommen sehen, und andere Stimmen,
die freudig Aufschreien: "Da kommt es!"
.... und das ist sterben. (Bishop Brent)

Finde ich persönlich sehr töstend.

Monkele
20.04.2005, 21:28
Das hat mir heute eine liebe Person geschickt und ich finde, es passt hier auch gut rein.

Warum,
Warum erwachen wir immer erst, wenn die Sonne schon am Himmel steht und wir uns nur noch fragen können, wie schön ihr Aufgang wohl gewesen wäre
Warum merken wir immer erst mitten im kalten Winter, wie warm die Regentage im Sommer noch waren
Und doch ziehen wir uns auch dann erst etwas Warmes an, wenn wir schon frieren und es eigentlich dafür schon zu spät ist
Aber warum?
[Patrick Simmen]

Tszimisce
22.04.2005, 11:31
Ich weiß nicht, ob es paßt: ein frühes Gedicht von mir zum Selbstmord eines Mitschülers, zu dem ich einige Zeit vorher ein recht enges Verhältnis gehabt hatte.

Den Tränen so nah
mal wieder geweint
Du bist nicht mehr da
nie wieder vereint.

So einsame Nächte
Verzweiflung und Wut
ich höre noch heute
Deine Worte von Mut.

Zwischen Träumen und Wachen
in dieser Nacht
hör' ich dich lachen
was hast du gemacht?

Dem Tode so nah
hörst du mich noch?
Du bist nicht mehr da
ich liebe dich doch!

Inaktiver User
03.05.2005, 12:49
Dieses Gedicht habe ich geschrieben wo meine Großeltern beide noch lebten.Nun ist meine OPa vor 4 Jahren gestorben und meine Oma letzten Donnerstag 28.04.05...Es ist schwer und tut sehr sehr weh....

Ihr zwei......


Ihr zwei seit für mich...
wie das Salz in der Suppe.
Ihr zwei seit für mich...
wie die Sonne für die Frucht.
Ihr zwei seit für mich...
wie der Regen nach der trockenheit.
Euch danke ich ein Teil meines Lebens,
bei euch fängt für mich alles an.
Ihr zwei habt bei mir immer einen Platz,
in meinem Herzen!
Ich weiß der Tag kommt,
da bleibt nur noch die Erinnerung an Euch.
Doch immer werde ich euch beide,
mit Respekt vor eurem Leben,
in meinem Herzen tragen!

Für Opa Bruno und Oma Marianne!
Eure Alex :wangenkuss:

Pummel
08.05.2005, 12:58
In der WE-Zeitung für ein junges Mädchen:
Dein herzhaftes Lachen ist nicht mehr zu hören, es ist still u. doch wirst du in unseren Herzen weiterleben.

'Frag nicht WARUM, frag nicht WOZU,
dann kommt dein Herz niemals zur Ruh!
Auf dein WOZU, auf dein WARUM,
bleibt doch des Schicksal Mund nur stumm.
Gott weiß WARUM, Gott weiß WOZU,
dies Wissen gibt dem Herzen Ruh!'

Inaktiver User
09.05.2005, 13:50
Letzter Frühling

Nimm die Forsythien tief in dich hinein
und wenn der Flieder kommt, vermisch auch diesen
mit deinem Blut und Glück und Elendsein,
dem dunklen Grund, auf den du angewiesen.

Langsame Tage. Alles überwunden.
Und fragst du nicht, ob Ende, ob Beginn,
dann tragen dich vielleicht die Stunden
noch bis zum Juni mit den Rosen hin.

Gottfried Benn

Inaktiver User
09.05.2005, 14:23
NÄNIE
Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist herrlich,
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

Friedrich Schiller

almuth
10.05.2005, 11:48
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
wenn der Wind darübergeht,
so ist sie nimmer da,
und ihre Stätte kennt sie nicht mehr

Ps 103, 15-16

almuth
10.05.2005, 11:54
Rainer Maria Rilke starb am 29. Januar 1926 an Leukämie. Er wurde in Raron im Kanton Wallis begraben.

In seinem Testament vom 27. Oktober 1925 wünschte er sich folgenden Grabspruch:

Rose, oh reiner Widerspruch,
Lust, Niemandes Schlaf zu sein
unter soviel Lidern.



Zur Bedeutung des Spruches...

Zeit seines Lebens ist die Rose, dieses alte abendländische Symbol der unio mystica, für Rilke ein Grund des Entzückens und der grübelnden Andacht gewesen. Hier nun wird sie zum Gleichnis des "reinen", das heißt versöhnten und als Weltgesetz in den eigenen Willen aufgenommenen Widerspruchs. Als Niemandes Schlaf unter soviel Lidern, als Fülle des Nichts, wird sie zur symbolischen Blüte des Weltsinns. Gleichzeitig ist sie hier die Chiffre für das Sein und Wesen des toten Dichters: Lider ist doppeldeutig und bezeichnet nicht nur die Schutzhaut des menschlichen Auges, sondern auch die Lieder, die der Genius des toten Sängers hinterlassen hat. Hinter ihnen, hinter der vollen, strahlenden, duftenden Blüte seines Werkes, verschwindet er selbst, der Verfasser dieser einzigartigen Grabschrift, als ein Nichts, ein Schlaf, den niemand schläft.

Aus: Hans Egon Holthusen: Rainer Maria Rilke. Hamburg: Rowohlt, 1958

almuth
10.05.2005, 12:13
Todeserfahrung
von R. M. Rilke (aus ‚Neue Gedichte, 1907)


Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Haß
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so daß wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

almuth
10.05.2005, 12:14
Ich löschte das Licht, um den Schnee zu sehen.
Und sah den Schnee durch das Fenster und sah den Mond.
Doch dann sah ich, daß Schnee und Mond nur wieder Fenster sind,
und durch dieses Fenster sahst Du mich an.

(Ernesto Cardenal)

almuth
10.05.2005, 12:18
Amazing grace, how sweet the sound
That saved a wretch like me
I once was lost but now am found
Was blind but now I see

´Twas grace that taught my heart to fear
And grace my fears relieved
How precious did that grace appear
The hour I first believed

The Lord has promised good to me
His word my hope secures
He will my shield and portion be
As long as life endures

Through many dangers, toils and snares
I have already come
´Tis grace that brought me safe thus far
And grace will lead me home

How sweet the name of Jesus sounds
In a believer´s ear
It soothes his sorrows, heals his wounds
And drives away his fear

Must Jesus bear the cross alone
And all the world go free?
No, there´s a cross for everyone
And there´s a cross for me

When we´ve been there ten thousand years
Bright shining as the sun
We´ve no less days to sing God´s praise
Than when we first begun

Allelujah, Allelujah
Allelujah, Praise God!
Allelujah, Allelujah
Allelujah, Praise God!

Amazing grace has set me free
To touch, to taste, to feel
The wonders of accepting Love
Have made me whole and real

almuth
10.05.2005, 13:05
From Irish Lyrics:

Oh Danny boy, the pipes, the pipes are calling
From glen to glen, and down the mountain side
The summer's gone, and all the flowers are dying
'Tis you, 'tis you must go and I must bide.
But come ye back when summer's in the meadow
Or when the valley's hushed and white with snow
'Tis I'll be here in sunshine or in shadow
Oh Danny boy, oh Danny boy, I love you so.

And if you come, when all the flowers are dying
And I am dead, as dead I well may be
You'll come and find the place where I am lying
And kneel and say an "Ave" there for me.

And I shall hear, tho' soft you tread above me
And all my dreams will warm and sweeter be
If you'll not fail to tell me that you love me
I'll simply sleep in peace until you come to me.

I'll simply sleep in peace until you come to me.

almuth
10.05.2005, 13:13
Aus dem wogenden Meer der Menge
sprang ein Tropfen lieblich zu mir,
Flüsternd: "Ich liebe dich, ich vergehe bald,
Weither bin ich gereist, einzig um dich zu sehen
und dich zu berühren,
Denn ich konnte nicht sterben,
ehe ich dich nicht einmal sah,
Denn ich fürchtete dich hernach zu verlieren."

Nun haben wir uns getroffen und uns gesehen,
nun sind wir geborgen,
Kehre in Frieden zurück in das Meer, mein Geliebter,
Auch ich bin Teil dieses Meers, mein Geliebter,
wir sind nicht so sehr voneinander getrennt,
Sieh das erhabene Rund, den Allzusammenhang, wie vollkommen!
Dich und mich ist die unwiderstehliche See bestimmt zu trennen,
Für eine Weile uns auseinander zu tragen, doch nicht für immer;
Habe Geduld - eine kleine Spanne - wisse, ich grüße die Luft,
das Meer und das Land
Jeden Tag bei sinkender Sonne um deinetwillen, Geliebter.


Walt Whitman (1819-1892)

almuth
10.05.2005, 13:39
Und als er starb, so leicht wie ohne Namen,
da war er ausgeteilt: sein Samen rann
in Bächen, in den Bäumen sang sein Samen
und sah ihn ruhig aus den Blumen an.
Er lag und sang.


Rainer Maria Rilke, 19. und 20.4.1903, Viareggio

almuth
10.05.2005, 14:45
Zum Kriegsende vor 6O Jahren


Es lang schon lang ein Toter vor unserm Drahtverhau,
die Sonne auf ihn glühte, ihn kühlte Wind und Tau.

Ich sah ihm alle Tage in sein Gesicht hinein,
und immer fühlt´ich´s fester: Es muss Dein Bruder sein.
Ich sah ihn alle Stunden, so wie er vor mir lag,
und hörte seine Stimme aus frohem Friedenstag.

Oft in der Nacht ein Weinen, das aus dem Schlaf mich trieb,
mein Bruder, lieber Bruder – hast Du mich nicht mehr lieb?
Bis ich, trotz aller Kugeln, zur Nacht mich ihm genaht
und ihn - geholt - begraben - ein fremder Kamerad.

Es irrten meine Augen, mein Herz, du irrst dich nicht,
es hat ein jeder Toter des Bruders Angesicht.

almuth
10.05.2005, 14:51
Unklar und nebelhaft ist der Anfang aller Dinge, doch nicht ihr Ende,
und ich hätte gern, dass ihr meiner gedenkt als ein Anfang.
Das Leben uns alles, was lebt, ist im Nebel gezeugt und nicht im Kristall.
Und wer weiß, vielleicht ist ein Kristall nichts anderes ist als Nebel in Verwesung?

Khalil Gibran
‚Der Prophet’

almuth
10.05.2005, 15:05
DER KREIS

Du hast bestimmt bemerkt, dass ein Indianer alles rund macht, weil die Weltenkraft immer in Kreisen wirkt und alles rund sein will. Der Wind wirbelt kreisförmig bei seiner größten Kraftentfaltung. Die Vögel bauen runde Nester ... Die Sonne geht im Bogen auf und auch wieder unter. Der Mond macht dasselbe, und beide sind rund. Das Leben eines Menschen ist ein Kreislauf von Kindheit zu Kindheit, und so ist es überall, wo Energie fließt.

Hehaka Sapa (Black Elk), Ältester der Oglala Indianer (Teton), Dakota
(A. W. Schaef / Botschaften der Urvölker)

Inaktiver User
16.05.2005, 22:36
Jeder hat seine eigene,
geheime, persönliche Welt.
Es gibt in dieser Welt
den besten Augenblick,
es gibt in dieser Welt
die schrecklichste Stunde;
aber dies alles ist uns verborgen.

Und wenn ein Mensch stirbt,
dann stirbt mit ihm sein erster Schnee
und sein erster Kuss und sein erster Kampf...
all das nimmt er mit sich.

Was wissen wir über die Freunde, die Brüder,
was wissen wir schon von unserer Liebsten?
Und über unseren eigenen Vater
wissen wir, die wir alles wissen, nichts.

Die Menschen gehen fort...
Da gibt es keine Rückkehr.
Ihre geheimen Welten
können nicht wieder entstehen.

Und jedes Mal möchte ich von neuem
diese Unwiederbringlichkeit hinaus schreien.


Jewgenij Jewtuschenko

FrannieAdams
05.08.2005, 14:16
Remember

Remember me when I am gone away,
Gone far away into the silent land;
When you can no more hold me by the hand,
Nor I half turn to go yet turning stay.
Remember me when no more day by day
You tell me of our future that you planned:
Only remember me, you understand
It will be late to counsel then or pray.
Yet if you should forget me for a while
And afterwards remember, do not grieve:
For if the darkness and corruption leave
A vestige of the thoughts that once I had,
Better by far you should forget and smile
Than that you should remember and be sad.

Christina Georgina Rosetti

Pseudoglamour
12.08.2005, 02:21
... es ist nicht wirklich ein gedicht ... ich hab es in der nacht vor dem tod meines vaters in einem buch gefunden ... wie zufällig ... und ich wusste in dem moment ... dass diese worte ... auf seiner sterbeanzeige stehen sollen ... ein gruss zum abschied und ein aufruf zum weiterleben ...

Ein Riss durch alles hindurch,
immer wieder dieser Riss.
Und unter einem zerfetzten Himmel
den aufgerissenen Boden unter den Füßen,
nehme ich mich zusammen,
wie man die vier Enden eines Bündels knüpft
und trage geborstenes Vertrauen,
Brocken von Angst,
Bilder und Gedankensplitter,
trage mich weiter
von Ort zu Ort,
mich und das Unerträgliche.

aus dem Buch "Marisa" von Erika Pluhar

Inaktiver User
12.08.2005, 18:30
Aus dem allgemeinen Forum ein Eintrag von Lorelli! Danke!

Dä letzte Weg

Dä letzte Wäg, für dä mer bange,
dä letzte Wäg, dä jeder geiht,
dä Wäg, an dem vill Trone hange,
dä Wäg geiht in die Iwigkeit.
Dä letzte Wäg weed mer gefahre,
dann weed mer in die Ähd gedon,
e Hätz hät opgehot zo schloge,
un keiner brengk it mih zum gon.
Mer künnen uns ent Weltall schwinge,
Atome künne mer zerschlon,
doch keiner kann dä Dud bewinge,
wann dä dich röf, dann musst do gon.
Dann kann kei Leed dich mih erfreue,
denn keine Ton dringk in ding Gruff,
un wann ich tausend Ruuse streue,
sie blieven für dich ohne Duff.
Dat Leid kann keiner met dir deile,
ston mer am Grav met feuchtem Bleck,
die Zick weed zwar die Wunden heile,
dich iwig bliev en Ketsch zoröck.

Inaktiver User
13.08.2005, 07:37
Übersetzung, so gut ich es noch kann nach mehr als 30 Jahren weg von "Daheim"

Also...

Der letzte Weg

Der letzte Weg, wovor uns bangt.
Den letzten Weg, den jeder geht.
Der letzte Weg, an dem viel Tränen hängen
Der Weg geht in die Ewigkeit.
Der letzte Weg, den wird man gefahren
dann wird man in die Erde getan,
das Herz hat aufgehört zu schlagen
und keiner bringt es mehr zum gehn.
Wir können uns ins Weltall schwingen,
Atome können wir zerschlagen,
doch keiner kann den Tod bezwingen,
wenn er dich ruft, dann musst du gehn.
Dann kann kein Lied dich mehr erfreuen,
und kein Ton dringt mehr in die Grube
und wenn ich tausend Rosen streue,
sie bleiben für dich ohne Duft.
Das Leid kann keiner mit dir teilen,
wir stehn am Grab mit feuchtem Blick,
die Zeit wird zwar die Wunden heilen,
aber eine Narbe bleibt immer zurück.

Inaktiver User
18.08.2005, 17:45
Denk an mich

Denk an mich, denk an mich zärtlich,
wie an einen Traum.
Erinnere Dich! Keine Macht trennt uns,
außer Zeit und Raum.
An den Tag wann er auch kommen mag,
an dem Du Abschied nimmst von mir.
Lass das Gestern weiter leben.
Schließ es ein in Dir.
Natürlich war von allem Anfang klar,
daß ich dich irgendwann verlier
Aber wenn Du dich zurücksehnst,
such mein Bild in Dir.

Denk an unsre Zeit im Sonnenschein,
denk nicht an das, was nicht hat sollen sein.
Denk an mich, sieh meine Zeichen,
wenn Du dich verirrst.
Versuch für mich, Stärke zu zeigen,
wenn du müde wirst.
Dann denk an mich und quälen Sorgen dich
dann träum dich heimlich her zu mir
und wo immer Du auch sein magst,
such mein Bild in Dir.

Was entsteht, auf dieser Welt vergeht.
Und eines Tages gehen auch wir.
Doch Gefühle sind unsterblich.
Ich bleib ja bei dir.

aus dem Phantom der Oper

Inaktiver User
18.08.2005, 17:48
Die Rose

Liebe ist wie wildes Wasser,
Das sich durch Felsen zwängt.
Liebe ist so wie ein Messer,
Das Dir im Herzen brennt.
Sie ist süß, und sie ist bitter,
Ein Sturmwind und ein Hauch.
Für mich ist sie eine Rose,
Für Dich ein Dornenstrauch.

Wer nie weint und niemals trauert,
Der weiß auch nichts vom Glück.
Wer nur sucht, was ewig dauert,
Versäumt den Augenblick.
Wer nie nimmt, kann auch nicht geben,
Und wer sein Leben lang
Immer Angst hat vor dem Sterben
Fängt nie zu Leben an.

Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht,
Fängst Du an, die Welt zu hassen,
Die nur and're glücklich macht.
Doch vergiss nicht, an dem Zweig dort,
Der im Schnee beinah' erfror,
Blüht im Frühjahr eine Rose
So schön wie nie zuvor.


Amanda MCBroom
Übersetzung: Michel Kunze

Inaktiver User
21.08.2005, 08:36
Es gibt so bange Zeiten

Es gibt so bange Zeiten,
es gibt so trüben Mut,
wo alles sich von weitem
gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
so ängstlich leise her;
und tiefe Nächte decken
die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
kein Halt der Zuversicht;
der Wirbel der Gedanken
gehorchen dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
gib stiller Sehnsucht Raum,
aus ihm geht eine Flamme
und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
gerettet auf den Strand,
du schaust voll Freuden nieder
in das gelobte Land.

Novalis

Inaktiver User
21.08.2005, 08:45
Ich bitte nicht um Glück der Erden,
Nur um ein Leuchten nun und dann,
Daß sichtbar deine Hände werden,
Ich deine Liebe ahnen kann;
Nur in des Lebens Kümmernissen
Um der Ergebung Gnadengruß:
Dann wirst du schon am besten wissen,
Wie viel ich tragen kann und muß.

Anette von Droste Hülshoff

Inaktiver User
27.08.2005, 10:09
Graue Tage


Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten ..
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,

und du dir selbst ein fremder Traum ..

...als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf ..

und plötzlich flimmert's durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!

Cäsar Flaischlen (1864-1920)

Tweety21
08.09.2005, 15:39
Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn es ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war ein Teil von meinem Leben.
Drum wird dieses eine Blatt allein
mir für immer fehlen.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Söhne Mannheims - Und Wenn Ein Lied

Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,
Dann nur damit Du Liebe empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst,
Damit Du keine Ängste mehr kennst.


Sag ein kleines Stückchen Wahrheit und sieh,
Wie die Wüste lebt.
Schaff' ein kleines Stückchen Klarheit.
Und schau wie sich der Schleier hebt.
Eine Wüste aus Beton und Asphalt,
Doch, sie lebt und öffnet einen Spalt.
Der Dir neues zeigt, zeigt das altes weicht.
Auch dann, wenn dein Schmerz
Bis an den Himmel reicht.


Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,
Dann nur damit Du Liebe empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst,
Damit Du keine Ängste mehr kennst.


Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,
Dann nur damit Du Liebe empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst,
Damit Du keine Ängste mehr kennst.

Dieses Lied ist nur für Dich.
Schön, wenn es Dir gefällt.
Denn es kam so über mich.
So wie die Nacht über die Welt.
Schnellt Gefahr aus der Dunkelheit,
Bin ich zum ersten Schlag bereit.
Ich bin der erste, der Dich befreit.
Und einer der letzten, der um Dich weint.

Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,
Dann nur damit Du Liebe empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst,
Damit Du keine Ängste mehr kennst.

In unserer Sanduhr fällt das letzte Korn.
Ich hab gewonnen und ebenso verlor'n.
Jedoch missen möcht ich nichts,
alles bleibt unser gedanklicher Besitz.
Und eine bleibende Erinnerung.
Zwischen Tag und Nacht legt sich die Dämmerung.

Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,
Dann nur damit Du Liebe empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst,
Damit Du keine Ängste mehr kennst.

Damit Du keine Ängste mehr kennst.

Passt vielleicht nicht sehr gut aber ich höre ihn sehr gerne wenns mir schlecht geht.

Tweety

Inaktiver User
28.09.2005, 10:31
Marie Luise Kaschnitz (1962)



Interview

Wenn er kommt, der Besucher,

Der Neugierige und dich fragt,

Dann bekenne ihm, daß du keine Briefmarken sammelst,

Keine farbigen Aufnahmen machst,

Keine Kakteen züchtest.

Daß du kein Haus hast,

Keinen Fernsehapparat,

Keine Zimmerlinde.

Daß du nicht weißt,

Warum du dich hinsetzt und schreibst,unwillig, weil es dir kein Vergnügen macht.

Daß du den Sinn deines Lebens immer noch nicht Herausgefunden hast, obwohl du schon alt bist.

Daß du geliebt hast, aber unzureichend,

Daß du gekämpft hast, aber mit zaghaften Atmen.

Daß du an vielen Orten zu Hause warst,

Aber ein Heimatrecht hast an keinem.

Daß du dich nach dem Tode sehnst und ihn fürchtest.

Daß du kein Beispiel geben kannst als dieses:

Immer noch offen.

Inaktiver User
29.09.2005, 11:12
Hesses Stufen sind nicht nur große Literatur, sie haben die Anleitung zum Leben, zum Leben bewältigen schlechthin, aus Hesses anthroposophisch geprägter Sichtweise natürlich. Und sie passen in die Trauersituation, aber nicht um dort stehen zu bleiben und zu verweilen, sondern um zu reflektieren und auszuhalten und anzunehmen. Ab und an verwende ich die Stufen in meinen Trauerfeiern, lasse sie aber nicht so stehen, weil sie dann nur schöne Worte bleiben, die man wieder vergißt. Von der Trauer zu sagen in Zeiten der Trauer ist nicht genug, die Betroffenen wissen selbst, daß sie tarurig sind, sie brauchen etwas Versöhnliches, etwas Sinnstiftendes, etwas, das über ihre Trauer hinausweist.
Mir gefällt unter unzähligen anderen der Vers von Margarete Dierks sehr gut;

Die Zeit ist eine blühende Flur,
ein großes Lebendiges ist die Natur,
und alles ist Frucht, und alles ist Samen.

Oder von Anne Steinwart

Vielleicht ist es kein Weggegehn
sondern zurückgehen?
Sind wir nicht unterwegs mit ungenauem Ziel
und unbekannter Ankunftszeit
mit Heimweh im Gepäck?
Wohin denn sollten wir gehen
wenn nicht nach Hause zurück.

Gruß Smilla

Inaktiver User
29.09.2005, 11:16
Leider nicht ganz richtig wiedergegeben;

Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten.
Die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe,
das Einzig-Bleibende, der einzige Sinn.

Mandalas

Inaktiver User
29.09.2005, 23:40
Ich habe Euch nicht verlassen,
ich habe nur das Haus gewechselt.

Wenn Ihr schlaft,
wandere ich durch Eure Träume.

(von wem auch immer das sein mag)

shakti

Inaktiver User
30.09.2005, 10:55
Nachtgebet

Junge Leute werden manchmal wach
Und wissen, dass sie sterben müssen.
Dann erschauern sie kurz,
Und sie sehen verschiedene Bilder,
Und denken: Jeder muss sterben, und
Es ist noch Zeit.

Alte Leute werden manchmal wach
Und wissen, dass sie sterben müssen.
Dann wird ihr Herz bang,
Denn sie haben gelernt,
Dass niemand weiß, wie Sterben ist,
Dass keiner wiederkam, davon zu künden,
Dass sie allein sind, wenn das Letzte
kommt. Und wenn sie weise sind,
Dann beten sie. Und schlummern wieder.

(Carl Zuckmayer)

Inaktiver User
30.09.2005, 10:59
Unterricht

Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der durstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben wir für uns,
nie wieder.
Was wüssten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen
auf die wir gelegt sind
wenn wir verlassen werden.
Diese Waage, ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können die Lehre nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner
der nächste Unterricht:
So hell, so deutlich,
dass es gleich dunkel wird.

(Hilde Domin)

Fuchs
30.09.2005, 17:43
Hallo,
ich war heute auf der Trauerfeier für meinen Cousin und habe dort ein wirklich tröstliches Gedicht von Dietrich Bonhoeffer gehört - über Lücken die der Verstorbene läßt und dass diese Lücken nicht gefüllt werden sollen / können da sie unsere Verbindung zu ihm sind.
Kennt das einer von Euch?
Liebe Grüße
fuchs

KatiEngelchen
04.10.2005, 00:43
Dieses Gedicht habe ich heute erst in eine Beileidskarte geschrieben. Die Cousine meiner Mutter hat es uns vor zwei Jahren geschrieben, als meine Opas gestorben sind. Ich fand es auch sehr tröstlich:
"Es gibt nichts, was uns die Anwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen. Man muß es einfach aushalten und zugleich durchhalten. Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost, denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt: Gott füllt die Lücke aus. Er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander, wenn auch unter Schmerzen, zu bewahren. Je schöner und wertvoller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit wandelt die Qual der Erinnerungen in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muß sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immer betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden, und es sonst auch nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiß ist, besitzt. Dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus."

Sternla
04.10.2005, 08:53
Habe zwar kein Gedicht, aber folgende liebe Worte von einer Freundin bekommen, die jetzt - auf einen Stern geschrieben - neben meinem kleinen Engel stehen:

Menschen, die man liebt, sind wie Sterne,
sie können funkeln und blinken - noch lange nach ihrem Erlöschen.

Immer, wenn es mir nicht so gut geht, lese ich es.

Monkele
05.10.2005, 17:34
Heute habe ich Folgendes in einer Todesanzeige gesehen:

Zum Engel der letzten Stunde,
den wir so hart Tod nennen,
wird uns der weichste, gütigste Engel zugeschickt,
damit er gelinde und sanft das niedersinkende Herz
des Menschen vom Leben abpflücke
und es in warmen Händen und ungedrückt
aus der kalten Brust
in das hohe, wärmende Eden trage.

Lollchen2
13.10.2005, 20:50
Ich glaube, dass, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von dem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.
Arthur Schopenhauer

Inaktiver User
05.11.2005, 19:32
Falls der Tod aber gleichsam
ein Auswandern ist
von hier an einen anderen Ort
und wenn es wahr ist, was man sagt,
dass alle, die gestorben sind,
sich dort befinden,
welch ein größeres Glück gäbe es als dieses?


Sokrates

Hummelchen
05.11.2005, 21:10
And Death Shall Have No Dominion

And death shall have no dominion.
Dead men naked they shall be one
With the man in the wind and the west moon;
When their bones are picked clean and the clean bones gone,
They shall have stars at elbow and foot;
Though they go mad they shall be sane,
Though they sink through the sea they shall rise again;
Though lovers be lost love shall not;
And death shall have no dominion.

And death shall have no dominion.
Under the windings of the sea
They lying long shall not die windily;
Twisting on racks when sinews give way,
Strapped to a wheel, yet they shall not break;
Faith in their hands shall snap in two,
And the unicorn evils run them through;
Split all ends up they shan't crack;
And death shall have no dominion.

And death shall have no dominion.
No more may gulls cry at their ears
Or waves break loud on the seashores;
Where blew a flower may a flower no more
Lift its head to the blows of the rain;
Though they be mad and dead as nails,
Heads of the characters hammer through daisies;
Break in the sun till the sun breaks down,
And death shall have no dominion.

Dylan Thomas

knuffi
06.12.2005, 23:27
Dies habe ich vor 2 1/2 jahren bei google gefunden als meine so geliebte omi starb, ich habe es ihr auf das grab gelegt.

Du gingst, ohne dass ich mich verabschieden konnte,
Hinterlist eine unendliche Leere, die niemand füllen kann.
Ich steh an D E I N E M Grab,
doch ich kann nicht glauben, dass DU darin liegst.
Ich ersticke an dem Schmerz und an der Trauer
Niemand, so scheint es, kann diesen Schmerz mildern,
denn NIEMAND wird DICH je ersetzen können.
Doch der Schmerz wird verblassen,
irgendwann, denn ich werde begreifen,
dass DU für mich niemals sterben kannst.

WEIL DU IN MEINEM HERZEN EWIG LEBST

Littleflower
19.12.2005, 21:54
Hallo Zusammen,

schreibe hier mein Gedicht, zu dem Tod von meinem Lebenspartner, der vor 10 Jahren an Leukämie verstorben ist...wir waren ziemlich oft zusammen tanzen, bis zum schluß...!

Mein Tanz

Meine Beine tragen mich,
meine Augen führen mich,
das Gefühl auf die Reise zu gehen, bewegt mich.

Mitreisende kommen und müssen leider schon gehen.
Ich bleibe stehen.
Die Nähe im Gepäck,
plözlich ist sie weg.

Die Reise kann weitergehen.
Genauer hinzuschauen erlaube ich mir,
es dauert bis das unbekannte Land, hab ich erkannt.
Viel gibt es zu entdecken, zu checken,
welche Sprache spricht der Mensch?
können wir uns verstehen?

Meine Beine tragen mich,
meine Augen führen mich.
Ich kann mich nicht verstecken!
Ich muss jetzt gehen...

P.H. NOVEMBER 1995




:knicks: Littleflower

Monkele
19.12.2005, 22:47
Das ist aber schön, Littleflower!
Herzliche Grüße von einem berührten
Monkele

PeggySue
20.12.2005, 22:22
Georg Trakl - Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunde Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

Inaktiver User
15.01.2006, 12:57
Seelentief

Die letzte Strophe
deines Liedes war verklungen,
als er deinen Namen rief.

In mir jedoch
wirds nie verstummen.

Es singt ganz leise.
Seelentief.




EMB

Inaktiver User
15.01.2006, 13:04
In stiller Trauer

Still ist sie nicht, meine Trauer.
Sie ist mehr wie ein weinendes Kind,
das sich danach sehnt, gestillt zu werden.
Sie ist wie ein tosender Sturm,
der alles in mir aufwirbelt
und nichts hinterläßt, als ein Trümmerfeld.

Still ist sie nicht, meine Trauer,
sie schreit und tobt und wütet,
fällt unerwartet über mich her
und verlangt meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Sie zieht mir blitzartig
den Boden unter den Füßen weg
und fragt mich ganz unbefangen
nach dem Sinn meines Lebens.

Still ist sie nicht, meine Trauer
und doch plötzlich
wird sie ganz unbegründet
und ohne Vorwarnung
ganz unerträglich still.

Inaktiver User
15.01.2006, 20:32
Paula, beide Gedichte gefallen mir ganz besonders gut. Sie berühren mich sehr. Alles Gute für dich :blumengabe:.

Inaktiver User
17.01.2006, 16:05
komm, bring mich noch zum bahnhof
und sag mir adieu
die treppe steigt so angsterregend hoch
drum laß mich nicht allein und geh
nicht fort, bis dass der Zug entschwindet
versprich es mir, bei allem, was uns zwei verbindet
- voll sentiment und wehmut ist mein sinn -
erst wenn ich eine weile fort bin
dreh dich um und geh
still nach hause, versunken und gefangen
und denk an das, was nun vergangen
an uns und unser glück
an unser leben
dann raff dich auf und sichte fein
behutsam, was ich Dir gelassen
ich werd dabei im geist noch um dich sein
erst nach und nach entschweben
und wohl auch verblassen
doch laß ich dich getröstet dann zurück
du wirst es schaffen, glaube mir
warst immer stark und hast mir kraft gegeben
hab dank, die zeit war gut mit dir
doch nun adieu - und du sollst leben

Dierck Schäfer

Inaktiver User
17.01.2006, 16:28
Ich nähre mich von Tränen,
und meine Kraft ist ausgeschöpft.
Der Weg wächst ohne mich
zum Horizont,
denn ich bin hingesunken.
Das ist der letzte Schritt,
den ich aus eigner Kraft getan.

Doch manchmal scheint sich
wer zu nah`n
in meinem Rücken, der gebeugt
der Dinge harrt, wie sie auch sei`n.
Und meine Seele spürt ein Wehn
von Flügeln sacht - mit ist
als wär`n es Engel, die da kämen.

Judith Magdalena Kornev-Rietmann

Inaktiver User
18.01.2006, 10:36
Tausend Tränen reden ewig ungestillt-
Und in einer jeden spiegelt sich Dein Bild.

R.M. Rilke

Inaktiver User
21.01.2006, 23:28
Du -
ich gehe in Deinem Gesichtchen spazieren.
Alles ist vertraut.
Dein Mund, Dein Näslein, Deine Sommersprossen.
Ich fühle Deine weiche Haut
und muß halten
bei den lachenden Augen.
Ich zähle die kleinen Falten,
kuschle mich in Deinen Arm,
fühle mich geborgen,
Du bist so warm.

Danke, dass Du meine Tochter warst!

Monkele
26.01.2006, 11:02
Alles ist eins

Es ist der Tod, der wie ein Stern
unverhofft vom Himmel fällt
und irgendwo am Horizont
lautlos im Meer versinkt.

Und wenn er kommt, hab keine Angst,
jedes Ende ist ein Neuanfang.
Um zu sterben leben wir ein Leben lang,
alles ist eins und gehört zusammen.

Unsere Zeit ist immerzu
nur auf der Flucht vor uns,
irgendwann holen wir sie ein,
das wird unser Ende sein.

Und wenn es kommt, hab keine Angst,
es ist nur ein Neuanfang.
Was wäre ein Leben ohne Tod,
was wäre die Sonne ohne Mond?

Das Leben und der Tod sind ein Liebespaar,
was wäre der Tag ohne Nacht?
Alles ist eins und gehört zusammen,
es gibt immer wieder einen Neuanfang

Inaktiver User
27.01.2006, 14:27
Zwar kein Gedicht, aber ein wunderschöner Spruch, den ich in einer Todesanzeige gelesen habe. Ich finde, es steckt viel Wahrheit darin...

Menschen, die man liebt, sind wie Sterne.
Sie können funkeln und leuchten
noch lange nach ihrem Erlöschen.

Gruss von Catgirl

Inaktiver User
06.02.2006, 21:15
Mein Trauerkleid


Als ich mein Trauerkleid anlegte,
tröstete man mich:
Warte, bald trägst du wieder Rot.

Ich kaufte mir ein Blaues und Rotes und Goldgelbes.
Zog es über das Schwarz,
das mir anwuchs wie eine zweite Haut.

Siehst du, hörte ich sie sagen,
es geht schon wieder.
Die Zeit heilt eben alles.

Ab und zu stiehlt sich ein Loch in das Bunt,
lässt einen Blick zu auf das schwarze Darunter.
Wohlmeinende nähen es rasch mir zu.

Wieviel ehrlicher wäre es mit den Löchern!




R.Salzbrenner

Inaktiver User
06.02.2006, 21:15
Mein Trauerkleid


Als ich mein Trauerkleid anlegte,
tröstete man mich:
Warte, bald trägst du wieder Rot.

Ich kaufte mir ein Blaues und Rotes und Goldgelbes.
Zog es über das Schwarz,
das mir anwuchs wie eine zweite Haut.

Siehst du, hörte ich sie sagen,
es geht schon wieder.
Die Zeit heilt eben alles.

Ab und zu stiehlt sich ein Loch in das Bunt,
lässt einen Blick zu auf das schwarze Darunter.
Wohlmeinende nähen es rasch mir zu.

Wieviel ehrlicher wäre es mit den Löchern!




R.Salzbrenner

Inaktiver User
10.02.2006, 17:53
anders besser

es wird besser, sagen die andern,
es wird anders, sage ich,
denn der schmerz hat sich gewandelt,
doch verlassen will er mich nicht.

es ist anders, sagen die andern,
es ist besser, sage ich,
denn das leben ist jetzt klarer
und viel tiefer auch für mich.

es wird leichter, sagen die andern,
es wird schwerer, sage ich,
denn seit dem zweiten jahr, mein kind,
spricht kaum noch jemand über dich.

es ist schwerer, sagen die andern,
es ist leichter, sage ich,
denn dies leben ist befristet,
ja, ich freue mich auf dich.

anders - besser,
schwerer - leichter,
nichts ist, wie es vorher war.
und mein weg geht nie zu ende,
ich laufe vorwärts, jahr um jahr.

doch für mich ist alles anders,
ob es vorher besser war,
kann ich gar nicht mehr so sagen,
eines ist mir aber klar:

du lebst dort ganz sicher weiter,
anders, besser, leichter, schön!
hast das schwere schon bestanden,
ich kann dich im licht nur sehn.

du scheinst mit hinein ins dunkel,
das mich oft umgibt, mein kind,
hilf mir, an das licht zu glauben,
bis wir dann zusammen sind.

Littleflower
10.02.2006, 21:05
Hallo Paula,

bin tief berührt....sehr schönes Gedicht, genauso fühlt es sich an. Danke für die passenden Worte...

Sei gegrüßt
Littleflower

Inaktiver User
23.02.2006, 15:05
Gott schaute in seinen Garten
und sah einen freien Platz.
Dann schaute er zur Erde hinunter
und sah dein müdes Gesicht.
Er sah, dass dein Weg schwer wurde,
dass er zu schwer war, weiterzugehen.
Er schloß deine müden Augen
und schenkte dir seinen Frieden.
Er legte seinen Arm um deine Schultern
und hob dich empor zur Ruhe

Inaktiver User
26.02.2006, 23:08
Ob man nicht dennoch hätte Klagefrauen auftreiben müssen?
Weiber, welche weinen für Geld, und die man so bezahlen kann,
dass sie die Nacht durch heulen, wenn es still wird.
Gebräuche her! Wir haben nicht genug Gebräuche.
Alles geht und wird verredet.
So musst du kommen, tot, und hier mit mir Klagen nachholen.
Hörst du, dass ich klage?
Ich möchte meine Stimme wie ein Tuch hinwerfen
über deines Todes Scherben
und zerrn an ihr, bis sie in Fetzen geht,
und alles, was ich sage, müsste so
zerlumpt in dieser Stimme gehn und frieren.

Rainer Maria Rilke

LEBENSWEG
06.03.2006, 12:29
... wenn Liebe eine Weg zum Himmel fände
und Erinnerungen Stufen hätten,
dann würden wir hinaufsteigen
und dich wieder zurückholen...

allen Traurigen, die einen geliebten Menschen loslassen mussten, viel Kraft und Mut...

Inaktiver User
07.03.2006, 16:54
Gloomy Sunday

Sunday is gloomy
My hours are slumberless
Dearest, the shadows
I live with are numberless
Little white flowers will
never awaken you
Not where the black coach
of sorrow has taken you
Angels have no thought
of ever returning you
Would they be angry
if I thought of joining you
Gloomy Sunday

Sunday is gloomy
with shadows I spend it all
My heart and I have
decided to end it all
Soon there'll be flowers
and prayers that are sad
I know, let them not weep
let them know
that I'm glad to go
Death is no dream
for in death I'm curessing you
with the last breath of my
soul I'll be blessing you
Gloomy Sunday

Dreaming
I was only dreaming
I wake and I find you
asleep in the deep of
my heart dear
Darling I hope that my dream
never haunted you
My heart is telling you
how much I wanted you
Gloomy Sunday

(S.Lewis/R.Seress 1936)

Inaktiver User
02.04.2006, 20:44
Nicht nichts
ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht mehr viel


-Erich Fried-

Monkele
04.04.2006, 12:10
Wenn du
die Sterne nicht mehr siehst
und im Dunkel
den Sinn nicht mehr findest,
wenn tastend du
nur noch an Wände stößt
und die Decke
bedrohlich auf den Kopf dir fällt.
so reiß das Fenster auf:
vielleicht
brennt irgendwo
ein Laternenlicht.
(Annette Gonserowski)

Inaktiver User
17.04.2006, 08:55
Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle,
die mir erlauben,
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.

Gesegnet seien alle,
die mir zuhören,
auch wenn das, was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle,
die mich trösten und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.

Marie-Luise Wölfing

Inaktiver User
24.04.2006, 10:20
Von dem Menschen,
den wir lieben, wird immer etwas
in unseren Herzen bleiben;
etwas von seinen Träumen,
etwas von seiner Hoffnung,
etwas von seinem Leben,
alles von seiner Liebe.

-Unbekannt-

Inaktiver User
05.05.2006, 17:09
Die Trauer Freund, macht meine Hände dumm,
Wie soll ich aus dem schwarzen Blut der Grachten Kränze
winden?
Das Leid mein Freund, macht meine Kehle stumm,
Wo bist du Freund, ich muss dich wieder finden.

Die Tränen sterben mir, denn du bist tot,
Zerbrochne Gräber, scheinen mir die Sterne.
Es fließt, es fließt der Strom der großen Not
Aus jedem Grab der unerreichten Ferne.

Ich möchte einen Mantel weben aus dem Leid
Einsamer Stunden, kann man Tote noch beschenken?
Man kann nur dankbar sein für jede Stunde Zeit
die Gott noch gibt, um liebend zu gedenken.

Irmgard Keun
(Für Joseph Roth Ein Gedächnisbuch 1949)

Hacki
12.05.2006, 14:05
Das Wunder

Wenn man es Erlebt
ist es nie vollkommen.

Erst die Erinnerung
macht es dazu.

von erich maria remarqu

Trauriger_engel
15.05.2006, 01:30
Es ist Zeit…

Wenn Trauer den Körper befällt,
und man den Schmerz fühlen kann.
Wenn Kummer von Hass verdrängt wird,
und in Wut umschlägt.
Wenn Fäuste gegen Wände schlagen,
als könnten sie so den Schmerz lindern.
Dann ist es Zeit zu verstehn,
dass man nichts ungeschehen machen kann.

Trauriger Engel Mai 2006

Karli
22.05.2006, 20:14
"Erinnerungen sind kleine Sterne,
die tröstend in das Dunkel unserer
Trauer leuchten."

"Menschen treten in unser Leben
und begleiten uns eine Weile.
Einige für immer,
denn sie hinterlassen ihre Spuren
in unseren Herzen."

Mein Schatz, mein Herz ist voll von dir. Ich liebe dich.

Inaktiver User
23.05.2006, 22:24
Neulich sah mein kleiner Sohn
den ersten Totenwagen,
er gab keinen Ton
und stellte keine Fragen.

Dann, nach ein paar Tagen
begann er, zögernd, leis.
Was konnte ich schon sagen?
Wo man doch selbst nichts weiß.

Das Schulrezept: Botanik!
Vom Werden und Verderben
erzielte nichts als Panik:
"Mama, auch du kannst sterben?"

Es schien nicht pädagogisch
vom Fortbestand der Seelen
und viel zu theologisch
vom Himmel zu erzählen.

Und mangels akkuraten Berichten
aus jenen Sphären
erschien es mir geraten
zu trösten - statt zu lehren.

Im Kreis der Aufgeklärten
bin ich deshalb verfemt.
Verzeiht, ihr Herrn Gelehrten,
wenn mich das nicht sehr grämt.

Eure Bücherweisheit ist bankrott.
Der Blinde führt den Blinden.
Und mal ehrlich: Gäbe es keinen Gott
man müsste ihn doch erfinden.

(Mascha Kaleko)

Inaktiver User
31.05.2006, 10:59
Du weißt, wie klein, wie arm, wie einsam die Menschen sind, wie empfindlich und
verletzlich. Du weißt, dass es Tränen gibt, und keiner kann trösten. Du weißt,
daß kaum größere Traurigkeit ist als in einem Herzen, das keiner versteht. Du
weißt für manche Menschen ist das Leben eine unerträgliche Qual.

Sei sanft! Tu dein Bestes, um die Menschen zu begreifen, um zu helfen. Geh
hinein in ihr Leid, in ihre Verlassenheit. Steig herab von dem Hügel deiner
Selbstgenügsamkeit ins Tal der Menschen, die allein sind und die leiden, zu den
Menschen in der Ebene ohne Schutz und ohne Geborgenheit. Sei nicht hart, auch
nicht hart in deinem Urteil.

Sei sanft und suche zu verstehen das unsägliche Heimweh nach Glück in den
manchmal dummen Lüsten. Dann wirst du selbst glücklich sein. Dann kommen in
deine eigene Einsamkeit und in deine eigene Schwachheit wunderbare Augenblicke,
die dich herausheben aus dem täglichen Trott des Lebens. Du wirst ein Herz
haben, das alle Menschen in die Arme schließt und alle umfängt.

In der Sanftmut liegt der unendliche Trost für alle Menschen, die in unserer
formulargesteuerten frostigen Gesellschaft frieren.

Phil Bosmans

Inaktiver User
20.06.2006, 11:35
Du bist nicht mehr hier,
doch ich kann Dich sehen
-manchmal-
hinter den Wolken
-manchmal-
im Spiegeln des Wassers
-manchmal-
in den Strahlen der Sonne
-manchmal-

Du bist nicht mehr hier
und doch kann ich Dich hören
-manchmal-
im Rauschen des Windes
-manchmal-
im Rascheln der Blätter
-manchmal-
im Plätschern des Wassers
-manchmal-
und manchmal sogar
hör ich Dein vergnügtes Glucksen
hier im Haus.

Du bist nicht mehr hier
und doch kann ich Dich spüren
-manchmal-
Du streichst mit dem Wind durch mein Haar
-manchmal-
heilst mit der Liebe mein Herz
-manchmal-
wärmst mit der Sonne meine Haut
-manchmal-

Du bist nicht mehr hier,
doch Deine Spuren sind da,
überall.
Niemand kann sie verwischen.
Ich kann sie sehen,
ich kann sie hören
und ich kann sie spüren.
Überall sind Spuren von Dir geblieben,
denn etwas von Dir ist noch hier.

Nur ist "manchmal" oft zu fern ...

Inaktiver User
22.06.2006, 23:26
Die Brücke

Lange stand ich vor einer schmalen Holzbrücke,
die sich mit ihrem sanften Bogen spiegelte.
Es war eine Brücke zum Hin - und - Hergehen, hinüber und herüber.
Einfach so, des Gehens wegen und der Spiegelungen.
Die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber.
Hinüber, dorthin, wohin der andere ging.
Und zurück, dorthin wo man mit ihm war,
und alle Jahre des gemeinsamen Lebens.

Und dieses Hin - und - Hergehen ist wichtig.
Denn da ist etwas abgerissen.
Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder.
Da ist etwas verloren gegangen.
Die Erinnerung sucht es auf und findet es.
Da ist etwas von einem selbst weggegangen.
Man braucht es. Man geht ihm nach.
Man muss es wiedergewinnen, wenn man leben will.
Man muss das Land der Vergangenheit erwandern,
hin und her, bis der Gang über die Brücke
auf einen neuen Weg führt.

Nicht das ist das Ziel, dass die Toten zurückkommen
oder das wir sie festhalten,
sondern dass wir ihnen nachgehen;
dass wir ihren Weg auf dieser Erde so gehen,
dass er uns näher zu ihnen führt.
Ich glaube, dass die Toten es wohl empfinden,
mit welchen Gedanken wir zu ihnen hindenken.
Also schicke Deine besten Empfindungen hinüber,
Deine Liebe und Dankbarkeit
und Deine Bereitschaft loszulassen.
Schick Dein Gebet hinüber, für ihn, für sie, für alle, die drüben sind.
Gib ihnen ihren Weg frei
Und bereite Dich darauf vor, sie zu finden,
wenn Du selbst hinüber kommst.

(Jörg Zink)

Inaktiver User
23.06.2006, 14:46
Nicht alle Schmerzen sind heilbar,
denn manche schleichen
sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
und während Tage und Jahre verstreichen,
werden sie immer mehr zu Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
sie scheinen zeronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
bis hinein in den tiefsten Traum.

Der Sommer kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen da ist eine Stelle,
da blüht und wärmt und lacht nichts mehr.

-R. Huch-

Kathleen1
23.06.2006, 14:52
Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen – um zu wissen wies dir geht
Wie lebst du dort?
Wo lebst du fort?

Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen – dass die Tränen versiegen
Wie konnte das sein?
Warum sind wir hier nun allein?

Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen der Hoffnung
Siehst du mich hier sitzen?
Und mich erinnern in Liebe?

Ich sehn mich nach dir.
So sehr fehlst du mir.

Ich sehn mich nach dir.
Dein Anglitz, Sprach und Tun
Das alles war dein und mein zuhause.
Doch die Erinnrung schmerzt auch ab und zu
Dann fällts schwer die Augen zu zutun.

Ich sehn mich nach dir.
Lass mich deinen Worten erinnern
Und du, bitte, erinner’ dich auch mir

So kann ich irgendwann verstehn,
warum wir hier alleine nun müssen weiter gehn.


In Erinnerung an meine Oma „Sophie“

Inaktiver User
24.06.2006, 09:36
die Zeit "danach"




das Leben aber
schleicht sich zurück
in die verstreichenden Tage

unmerklich
und plötzlich merken wir

ich LEBE

ich kann wieder LACHEN
und finde auch Kraft für neues LEID, wenn es denn kommt, trotz allem...

Dann sind die Tage wieder mit echtem Leben erfüllt!

Inaktiver User
27.06.2006, 08:56
"Das Leben, Freund, mißt nicht nach Tag und Nacht,
mißt wie ein Buch, nach dem, was drin zu lesen:
Je mehr du hast erlebt, gefühlt, durchdacht, je länger ist dein Erdenpfad gewesen."


(Viktor Blüthgen)

Frenchie
27.06.2006, 10:15
Ein schöner Link!

Traueranzeigen und Gedichte (http://www.gedichte-garten.de/forum/forum18.html)

Inaktiver User
28.06.2006, 21:26
Ich träume, und der geliebte Mensch ist mir nahe.
Ich erwache und bin allein. Leer ist meine Welt.
Unergründlich die Tiefe die alles verschlang.
Aber die Liebe und Wärme vergangener Tage
weht zu mir herüber. Fast wie ein Trost.

- Weöres Sandor -

_Beate_
29.06.2006, 04:24
Der letzte Tod /
hat mich fast umgebracht-Ich warte /
auf das neue Sterben.

- Rose Ausländer -

Inaktiver User
01.07.2006, 17:52
Dance With My Father

Back when I was a child, before life removed all the innocence
My father would lift me high and dance with my mother and me and then
Spin me around 'til I fell asleep
Then up the stairs he would carry me
And I knew for sure I was loved
If I could get another chance, another walk, another dance with him
I'd play a song that would never, ever end
How I'd love, love, love
To dance with my father again

...

Sometimes I'd listen outside her door
And I'd hear how my mother cried for him
I pray for her even more than me
I pray for her even more than me
I know I'm praying for much too much
But could you send back the only man she loved
I know you don't do it usually
But dear Lord she's dying
To dance with my father again

Luther Vandross

_Beate_
01.07.2006, 20:36
"To Where You Are"

Who can say for certain
Maybe you're still here
I feel you all around me
Your memories so clear

Deep in the stillness
I can hear you speak
You're still an inspiration
Can it be
That you are mine
Forever love
And you are watching over me from up above

Fly me up to where you are
Beyond the distant star
I wish upon tonight
To see you smile
If only for awhile to know you're there
A breath away's not far
To where you are

Are you gently sleeping
Here inside my dream
And isn't faith believing
All power can't be seen

As my heart holds you
Just one beat away
I cherish all you gave me everyday
'Cause you are mine
Forever love
Watching me from up above

And I believe
That angels breathe
And that love will live on and never leave

Fly me up
To where you are
Beyond the distant star
I wish upon tonight
To see you smile
If only for awhile
To know you're there
A breath away's not far
To where you are

I know you're there
A breath away's not far
To where you are


(Music: Richard Marx
Lyrics: Linda Thompson)
Made popular by Josh Groban


Zum anhören ... Klick! (http://www.mollisgarden.com/music/2whereuare.mp3)

Inaktiver User
01.07.2006, 20:40
Wunderschön, Beate! :blumengabe:

_Beate_
01.07.2006, 20:44
:smile:

Kondukteur
01.07.2006, 22:17
Es fragt uns keiner, ob es uns gefällt,
ob wir das Leben lieben oder hassen,
wir kommen ungefragt auf diese Welt
und müssen sie auch ungefragt verlassen.

Inaktiver User
06.07.2006, 14:31
viel zu viel zukunft
ist da
und nicht genug von
dir
um sie zu überstehen

_Beate_
11.07.2006, 01:05
Der Schmerz ist ein an deinen Namen angekrallter Adler

Wessen ist mein Schmerz, wenn ich ihn verjage
und er doch mir gehört? Ich trage
auf meiner Schulter den Adler, und sein Auge
macht an meinem Namen das Sein fest. Aber ich bin
auch der Andere, der vor seiner Kralle flieht, und trage
den Adler auf meiner Schulter. Freiheit
ist Qual.

In mein Fleisch geschlagen,
weckt mich seine Kralle auf,
um mir bewußt zu machen, daß ich lebe.

Aber sein Schrei ist tödlich.

© Pablo Antonio Cuadra

Inaktiver User
13.07.2006, 13:17
bleib!

langsam
muß ich mir die bilder von dir genauer anschauen,
um mir dich vorzustellen.
langsam erwarte ich nicht mehr,
daß ein blonder lockenkopf in der tür erscheint
und strahlend "mama" sagt.
langsam wende ich mich offen anderen blonden lockenköpfen zu
und ertappe mich dabei, daß ich mich schuldig fühle.
langsam verblasst die erinnerung
wie die farben auf einem bild,
das zuviel sonne abgekriegt hat.

und ich hab so angst,
daß du dann ganz verschwindest.

Inaktiver User
14.07.2006, 10:46
schmerzliche trennung von dir
nie ganz überwunden -
aber:
neues entdeckt.
gleich dem frühling
komme ich heraus
aus meinem bunker,
diesem geistigen winter
und spüre in aller deutlichkeit,
daß mein leben
nicht nur aus vergangenheit besteht.

es war gut mit dir.
es ist gut mit dir.

windrose
14.07.2006, 11:22
Wenn ich gestorben bin, kommt zu meinem kleinen Grab!
Kommt nur, wenn ihr Zeit habt, und je öfter, desto besser.
Alles, was euch auf der Seele lastet, wenn es euch nicht gut geht,
oder ihr habt etwas, das euch betrübt -
kommt zu mir und bringt euren Kummer mit an mein kleinen Grab
und erzählt mir alles wie einem Lebenden und ich werde euch hören,
und dann wird euer Kummer schnell verflogen und ganz vorüber sein!
Für euch lebe ich noch und werde ewiglich leben.

(Der heilige Starez Serafim von Sarow +1833)

Inaktiver User
19.07.2006, 16:22
geigend, singend und tanzend

der himmel hat mir hoffnung gegeben,
die heiligen hände mich tröstend von oben berührt.

der vater hat sein lied über mich gesungen,
der sohn die geige dazu gespielt
und der geist mich an der hand genommen
und zum tanzen geführt.

tanzen durch die scherben des schmerzes,
durch die angst der nacht des alleinseins,
durch die erschöpfung der trauer -
tanzen in das licht der hoffnung.

die geige inmitten der scherben und schmerzen,
inmitten der angst der nacht des alleinseins,
inmitten der erschöpung der trauer -
die geige bis in das licht der hoffnung.

gesungen über den scherben des schmerzes,
über die angst der nacht des alleinseins,
über die erschöpfung der trauer -
gesungen herbei das licht der hoffnung.

der himmel hat mir hoffnung gegeben,
geigend, singend, tanzend trete ich ihm entgegen ...

LEBENSWEG
19.07.2006, 16:57
:blumengabe:
Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug
(Hilde Domin
:blumengabe:
Das sind die Starken, die unter Tränen lachen,
eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.
(Franz Grillparzer)
:blumengabe:
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr
- und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der anderen muß man leben.
aus mascha Kalekos "Memento"
:blumengabe:
Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
(unbekannte Quelle)

Vemi
20.07.2006, 12:15
Mama gibt Dir ihre Hände, wenn Du grad am Fallen bist.
Mama gibt Dir ihre Liebe, wenn sie Deine Wangen küsst.
Mama deckt Dich abends zu, ist die Decke nicht mehr da.
Mama ist an Deinem Bett, wenn der Traum so schrecklich war.

Mama lacht mit Dir zusammen, wenn Dein Tag ein schöner ist.
Mama nimmt Dich in die Arme, auch wenn Tränen Du vergießt.
Mama kocht Dein Lieblingsessen, welches Du so gerne magst.
Mama hält Dich übern Kopf, dass Du über alle Leute ragst.

Mama pustet auf die Stelle, wenn Du grad gefallen bist.
Mama sucht Dein Lieblingsspielzeug, welches Du schon lang vermisst.
Mama liest mit Dir zusammen Märchen aus der fernen Welt.
Mama singt so schöne Lieder, weil Dir das so gut gefällt.

Mama hört Dir zu bei Sorgen, hilft Dir immer, wenn es geht.
Mama findet eine Lösung, wenn die Möglichkeit besteht.
Mama streichelt Deine Angst weg, die die Dunkelheit Dir gibt.
Mama verscheucht alle Monster, weil sie Dich über alles liebt.

Mama wird auch einmal alt sein, Spiele gibt es dann nicht mehr.
Die Hände, die Dich festgehalten, sind eines Tages plötzlich leer.
Jedoch das Herz ist so voll Liebe, am meisten liebt sie Dich.
Wenn Du dann für sie da bist, was schöneres gibt es für sie nicht.

Halte einfach ihre Hände, nimm sie ganz fest in den Arm.
Hülle sie in ihre Decke, dann wird ihr auch ganz sicher warm.
Sing ihr ein Lied aus Kindertagen, welches sie Dir beigebracht.
Mit einem leisen Lächeln geht sie dann in die unendliche Nacht.

Mama hat Dich so geliebt, wie kein anderer Mensch der Welt.
Mama war so stolz auf Dich, für sie warst Du der Held.
Mama bleibt in Deinem Herzen, denke oft an sie zurück.
Dir beim Schlafen zuzusehen, war für sie das grösste Glück.

Noora
21.07.2006, 20:09
@ lebensweg :blumengabe:

(...)

Noora
21.07.2006, 20:16
heinz piontek

jenseitserwartung

da wird ein ufer
zurückbleiben
oder das ende eines feldweges

noch über letzte lichter hinaus
wird es gehen

aufhalten darf uns niemand und nichts
da wird sein
unser mund
voll lachens

die seele
reiseklar

das all nur eine schmale tür
angelweit offen

Inaktiver User
22.07.2006, 10:13
Tröstende Worte ...


Wenn ich tot bin,
darfst Du gar nicht trauern -
meine Liebe wird mich überdauern
und in fremden Kleidern Dir begegnen
- und Dich segnen -.

Lebe, lache gut!
Mache Deine Sache gut!


-Ringelnatz-

Noora
22.07.2006, 18:11
heiterer trost

von michael ende

ein schnurps grübelt

also, es war einmal eine zeit,
da war ich noch gar nicht da -
da gab es schon kinder, häuser und leut'
und auch mama und papa,
jeden für sich -
bloß ohne mich

ich kann mir's gar nicht denken. das war gar nicht so
wo war ich denn, eh es mich gab?
ich glaub ich war einfach anderswo,
nur, daß ich's vergessen hab,
weil die erinnerung daran verschwimmt -
ja, so war's bestimmt!

und einmal, das sagte der vater heut,
ist jeder mensch nicht mehr hier.
alles gibt's noch: kinder, häuser und leut',
auch die sachen und kleider von mir.
das bleibt dann für sich -
bloß ohne mich.

aber ist man dann weg? ist man einfach fort?
nein, man geht nur woanders hin.
ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
ja, so wird es sein!

Inaktiver User
26.07.2006, 09:51
Sprechen zu dürfen
von Dir
mit denen, die Dich kannten,
Dich liebten
Sprechen zu können
von Dir
wie du warst,
Dich in Worten
wiederbeleben
nur ein paar Stunden lang
und dann
einschlafen
vor dem nächsten Alleinsein,
das doch
unausweichbar wartet

-Gitta Deutsch-

Inaktiver User
26.07.2006, 10:19
morgen
werde ich wieder weinen.

heute
trauere ich um dich im lachen,
höre dein lachen neben mir,
fühle dich ganz nah.

Heroica
06.08.2006, 03:43
Kein Wesen kann in Nichts zerfallen,
das Ewige regt sich in allen.

Johann Wolfgang von Goethe

Heroica
06.08.2006, 03:43
Alles hat seine Zeit.
Es gibt eine Zeit der Stille,
eine Zeit des Schmerzes und der Trauer,
aber auch eine Zeit
der dankbaren Erinnerung.

Heroica
06.08.2006, 03:44
Tausend Tränen reden ewig ungestillt-
Und in einer jeden spiegelt sich Dein Bild.

R.M. Rilke

Kerma
06.08.2006, 12:38
Hallo...

... die folgenden Worte haben für mich eine ganz besondere Bedeutung... ich finde sie wunderschön uns sehr trostreich...

Wir erinnern uns

Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns an dich,
beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters erinnern wir uns an dich,
beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers erinnern wir uns an dich,
beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes erinnern wir uns an dich,
zu Beginn des Jahres und wenn es zuende geht, erinnern wir uns an dich,
wenn wir müde sind und Kraft brauchen, erinnern wir uns an dich,
wenn wir verloren sind und krank in unseren Herzen, erinnern wir uns an dich,
wenn wir Freude erleben, die wir so gerne teilen würden, erinnern wir uns an dich
so lange wir leben, wirst auch du leben, denn du bist ein Teil von uns, wenn wir uns an dich erinnern.
(nach: Tore des Gebets, Wenn das Leben mit dem Tod beginnt, 1994)

LG
kerma

Monkele
22.08.2006, 21:59
Auf der Suche nach einem schönen Gedicht, habe ich gerade dieses gefunden:

Auf der Wanderung des Lebens,
sind wir uns nur auf Zeit geschenkt.
Da ist kein Weg zu weit, vergebens,
wenn uns das Herz auf ihn gelenkt.

Alles, was ich fühl für dich
streichle ich sanft in deine Hand,
tränend Blicke küssen sich
auf diesem Pfad ins Andersland.

Du bist nun auf der letzten Reise,
doch brennt dein Licht in mir nie aus,
und unsre Liebe blüht ganz leise,
weit über Tod und Grab hinaus.

© wabe

Als ich es gelesen habe, musste ich ganz stark an Silu denken...-

Inaktiver User
24.08.2006, 14:11
die erwähnung
des namens meines kindes
bringt tränen in meine augen
doch sie bringt auch immer
musik in meine ohren

wenn du mein freund bist,
lass mich die musik ihres namens hören.
sie besäftigt mein herz
und singt zu meiner seele

doyo
26.08.2006, 23:05
Leuchtende Tage-
nicht weinen dass sie vorueber,
sondern laecheln,
dass sie gewesen

Inaktiver User
30.08.2006, 17:10
Zum Tod (m)einer Mutter:

Alles, was schön ist,
alles, was heilig ist,
nennt das Wort dir:
eine Mutter

Alles, was Leid heißt,
trostlos entbehren,
klingt in dem Wort dir:
keine Mutter

(Ricarda Huch)



gewidmet allen Müttern, geliebt und unvergessen....

Bloodyzicke
31.08.2006, 08:55
Der Tod hat keine Bedeutung -
ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe, wer ich bin,
und auch Ihr bleibt dieselben.

Was wir einander bedeuteten, bleibt bestehen.
Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprecht in der gewohnten Weise mit mir
und ändert Euren Tonfall nicht!

Hüllt Euch nicht
in Mäntel aus Schweigen und Kummer.
Lacht wie immer
über die kleinen Scherze, die wir teilten.

Wenn Ihr von mir sprecht, so tut es ohne Reue
und ohne jegliche Traurigkeit.
Leben bedeutet immer nur Leben
- es bleibt so bestehen, immer -
ohne Unterbrechung.

Ihr seht mich nicht,
aber in Gedanken bin ich bei Euch.
Ich warte eine Zeit lang auf Euch
- irgendwo, ganz in der Nähe -
nur ein paar Straßen weiter.

Henry Scott-Holland

Inaktiver User
31.08.2006, 09:15
Wenn du bei Nacht den
Himmel anschaust,
wird es sein, als lachten
alle Sterne,
weil ich auf einem von
ihnen wohne,
weil ich auf einem von
ihnen lache
Du allein wirst Sterne
haben, die lachen können!
Und wenn du dich
getröstet hast,
wirst du froh sein, mich
gekannt zu haben

(Antoine de Saint-Exupery)

Pummel
09.09.2006, 22:11
Kühler die Sonne und blasser das Licht,
stumpfer die Farben der Welt ohne dich.
Der Abend steht hinter den Feldern bereit,
wo sind sie, die Stunden des Glückes zu zweit?
Das Sonnenlicht trägt diesen herbstlichen Ton,
die Tage sind kühler und kürzer schon.
Schau' dankbar und traurig auf liebende Zeit,
kein Jahr keinen Tag, keine Stunde bereut!

Inaktiver User
11.09.2006, 15:36
herbstblätter

herbstblätter fallen,
brechen meine wunden auf,
streicheln sanft über meine seele,
legen sich flüchtig auf mich,
beflügeln meinen kummer
im zuge ihrer tanzenden umarmung:

wie schön -
du bist gekommen,
um mich zu berühren!

Pummel
11.09.2006, 21:37
You'll never walk alone

Freunde sterben nicht.
Was sie uns in ihrem Leben
an Kraft und Liebe je gegeben
strahlt weiter als ein stilles Licht,
Freunde sterben nicht.

_Beate_
13.09.2006, 01:10
Nachtfarben

dein Arm und Wort
reichen noch immer in mich

du fehlst

dein Geruch legt sich schlafen
unter mein Zwerchfell
tausendfingrig rührt
dein dunkler Schmerz an meinen

du fehlst

und jedes deiner Lächeln strahlt in mir
dein grüner Blick umspühlt
meine geschlossenen Augen

Nachtfalter tanzen auf Wangenknochen
den letzten Tanz
bevor sie sterbend
in die Nacht stürzen

Dörte Herrmann

Klick! (http://www.gedichte.vu/mp3/Doerte_Herrmann_-_Nachtfarben.mp3)

_Beate_
15.09.2006, 04:11
Durch die Ketten deines Lebens
erdnah und erdfern,
immer dir zu Häupten,
hält ein Engel deinen Stern.

Und befreit die Todesstunde
deine Wesens wahren Kern
heimwärts, in die ewige Heimat
trägt dein Engel deinen Stern.

Manfred Kyber

Inaktiver User
17.09.2006, 21:44
Ich habe nicht den ganzen thread gelesen und vielleicht ist es doppelt:

Die Erinnerung ist ein Fenster
aus dem ich immer rausschaue,
wenn ich Dich sehen möchte.

....

Karli
19.09.2006, 14:52
Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen -
Aber fragt mich nur nicht, wie?

Heinrich Heine

Ich wollt - ich wäre schon so weit dies sagen zu können.
Lieben Gruß Karli

LEBENSWEG
22.09.2006, 15:23
Wenn du einaml stirbst,
und dein Körper sich in tausend Sterne verwandelt,
wird jeder, der in den Himmel sieht
sich in die Nacht verlieben.

Allen Lesenden viel Kraft,- LEBENSWEG

_Beate_
27.09.2006, 05:35
Wenn es gelingt

die Trauer
zu tauchen
ins Lächeln

wenn es gelingt

die Trauer
zu locken
ins Licht

wenn es gelingt

die Trauer
zu verwandeln
in Leben

was
wenn es gelingt

(A. Schnitt)


Paula, ich denk an Dich!

Inaktiver User
28.09.2006, 15:20
NICHTS
steht uns zu,
es gibt keinen anspruch
auf ein schönes leben,
auf ein langes leben,
auf ein gesundes leben.

ALLES
ist nur ein feuerwerk
vorüberhuschender möglichkeiten,
das am dunklen himmel niederbrennt.

doch DASS es etwas gibt,
das niederbrennen kann,
etwas, so kostbar,
dass sein erlöschen schmerzt,
ist ungeheuerlich.

Inaktiver User
28.09.2006, 15:31
Vielleicht war es schon, egal. Meine Freundin hat es bei der Beerdigung ihres kürzlich verstorbenen Sohnes gelesen.
Für Dich, Sebastian

Ein indianisches Gebet
Am Ende meines Weges ist ein tiefes Tal.
Ich werde nicht weiter wissen.
Ich werde mich niedersetzen und verzweifelt sein.
Ein Vogel wird kommen und über das Tal fliegen
und ich werde wünschen ein Vogel zu sein.
Eine Blume wird leuchten jenseits des Abgrundes
und ich werde wünschen eine Blume zu sein.
Eine Wolke wird über den Himmel ziehen
und ich werde eine Wolke sein wollen.
Ich werde mich selbst vergessen.
Dann wird mein Herz leicht werden wie eine Feder,
zart wie eine Margerite,
durchsichtig wie der Himmel.
Und wenn ich aufblicke,
wird das Tal nur ein kleiner Sprung sein
zwischen Zeit und Ewigkeit.

Inaktiver User
05.10.2006, 22:21
Sometimes
(Marsha Updike)

Manchmal
sind Erinnerungen wie ein Regenguss
kommen auf dich herab,
erwischen dich ganz unvermutet.

Manchmal
sind Erinnerungen wie Gewitter,
schlagen auf dich ein,
gnadenlos in ihrem Auftauchen,
und dann, wenn sie aufhören,
lassen sie dich ermüdet und geschafft zurück.

Manchmal
sind Erinnerungen wie Schatten,
schleichen sich heimlich von hinten an,
verfolgen dich rundherum,
dann verschwinden sie,
lassen dich traurig und verwirrt zurück.

Manchmal
sind Erinnerungen wie eine Daunendecke,
umgeben dich mit Wärme,
üppig, überreichlich
und manchmal bleiben sie,
hüllen dich in Zufriedenheit.

Monkele
06.10.2006, 20:24
Für Paula

Noch ist es nicht zu fassen,
doch es scheint zu sein...
Wie eine Blume,
die man plückt,
so schnell vergangen...

So steh ich hier und kann nicht fassen
was Leben heisst,
so flüchtig scheint es,
so zerbrechlich...

Karli
08.10.2006, 23:45
Ich habe dieses Gedicht hier gefunden und es hat eine ganz große Bedeutung für meine Tochter und mich.
Es sagt alles über meine Gefühle für meinen heute vor einem Jahr verstorbenen Mann und Papa aus.

Wir erinnern uns

Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an dich,
beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an dich,
beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an dich,
beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an dich,
zu Beginn des Jahres und wenn es zuende geht,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir müde sind und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir verloren sind und krank in unseren Herzen,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir Freude erleben, die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir uns an dich

so lange wir leben, wirst auch du leben,
denn du bist ein Teil von uns, wenn wir uns an dich erinnern.

Inaktiver User
12.10.2006, 15:21
Sein Unglück sagen können ...
in Worten - in wirklichen Worten,
die zusammenhängen und Sinn haben
und die man selbst noch verstehen könnte
und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte

- und weinen können -

das wäre schon fast wieder Glück.

(Erich Fried)

_Beate_
13.10.2006, 00:06
HALTET DIE WELT AN
ES FEHLT EIN STÜCK SIE SOLL STEHEN
UND DIE WELT DREHT SICH WEITER UND DASS SIE SICH WEITER DREHT
IS´ FÜR MICH NICHT ZU BEGREIFEN MERKT SIE NICHT, DASS EINER FEHLT
HALTET DIE WELT AN ES FEHLT EIN STÜCK
HALTET DIE WELT AN SIE SOLL STEHEN

SEITDEM DU WEG BIST IST SO MANCHES O.K.
DAFÜR, DASS ES KORREKT IST TUT ES ABER GANZ SCHÖN WEH
ICH BIN WIRKLICH GESEGNET HATTE GLÜCK UND VIELES
IST SUPER WIE ES IST BIS AUF DIE LÜCKE DIE NICHT SCHLIESST
ES IST EIN PERFEKTER KREIS VON 280 GRAD
DER RETTENDE BEWEIS DEN ICH LEIDER GERAD´ NICHT HAB´
ES IST DER SINN DES LEBENS DEN KEINER MIR VERRÄT
MAN MUSS WIRKLICH KEIN GENIE SEIN
UM ZU MERKEN, DASS WAS FEHLT – BEI GOTT ES FEHLT EIN STÜCK


ES IST NICHT ZU BESCHREIBEN WIE KALT UND LEER ES IST
ICH VERSUCHE NICHT ZU ZEIGEN WIE SEHR ICH DICH VERMISS´
MEINE FREUNDE TUN IHR BESTES ABER DAS BESTE IST NICHT GUTGENUG
FÜR DAS WAS DU MIR WARST HAT DIESE WELT KEIN SUBSTITUT
DIES IST EIN AKT DER VERZWEIFLUNG EIN STUMMER SCHREI
EINES MENSCHEN VOLLER LEID UND SEINER WUNDE DIE NICHT HEILT
ES IST EIN LETZTER KAMPF GEGEN DAS WORAN ES LIEGT
WIE EIN VOGEL MIT NUR EINEM FLÜGEL
DER BESTIMMT NICHT FLIEGT – BEI GOTT ES FEHLT EIN STÜCK


ES IST LEICHT ZU ERKENNEN UND SCHWER ZU ERTRAGEN
WIE KONNTE MAN UNS TRENNEN MEIN HERZ TRÄGT DEINEN NAMEN
ES IST DIE ALTE GESCHICHTE WENN JEMAND STIRBT
ES FEHLT EIN STÜCK VOM PUZZLE DAS SO NIEMALS FERTIG WIRD
MAN SAGT MIR: "HALB SO SCHLIMM ES GEHT WEITER WIE DU SIEHST"
UM ZU SEHEN, DASS DAS NICHT STIMMT BRAUCHT ES KEINEN DETEKTIV
ICH KANN MEINEN ZWECK NICH´ ERFÜLLEN WIE EINE KERZE OHNE DOCHT
DIESES SCHIFF GEHT LANGSAM UNTER
MERKT IHR NICHT ES HAT EIN LOCH – BEI GOTT ES FEHLT EIN STÜCK

HALTET DIE WELT AN
ES FEHLT EIN STÜCK SIE SOLL STEHEN
UND DIE WELT DREHT SICH WEITER UND DASS SIE SICH WEITER DREHT
IS´ FÜR MICH NICHT ZU BEGREIFEN MERKT SIE NICHT, DASS EINER FEHLT
HALTET DIE WELT AN ES FEHLT EIN STÜCK
HALTET DIE WELT AN SIE SOLL STEHEN

- Glashaus -

Inaktiver User
19.10.2006, 13:55
dein name bleibt:

mit meinem herzen
schrieb ich in den sand:

dein name bleibt.

auch wenn die winde
tausend tänze tanzen
und wilder wirbel
zu zerstören droht
was nicht
in mir
zerstörbar ist.

dein name bleibt.

auch wenn's im muschelgang
des herzens
flüsternd raunt
warum?
auch wenn das silberrad des lebens
wie ungefragt
und selbstverständlich weiterläuft -
roulette des seins?

du lebst
in meinen träumen fort
ganz wie ein blütentraum
voll duftender
erinnerung.
denn du warst gestern
und du wirst morgen sein

dein name bleibt -

in mir die atemwunde
weil ich
in mir
dich nicht
vergessen kann.

Eisbaer71
24.10.2006, 13:25
Mit der Zeit lernst du,
dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln.
Und dass Liebe nicht anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit.
Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen.
Und du beginnst, deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen, mit der Würde eines Erwachsenen und nicht maulend wie ein Kind.
Und du lernst all deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
weil es das Morgen noch nicht gibt.
Mit der Zeit erkennst du,
dass sogar Sonnenschein brennt, wenn du zuviel davon bekommst.
Also bestell deinen Garten und schmücke dir selbst die Seele mit Blumen statt darauf zu warten, dass andere dir Kränze flechten.
Und bedenke, dass du wirklich standhalten kannst...
und wirklich stark bist.
Und dass du deinen eigenen Wert hast.

(Kelly Priest)

Inaktiver User
24.10.2006, 14:09
Wie schön, dass es dich gab

Freundin, für viele Jahre.
Offenes Ohr für meine Sorgen.
Tröstende Worte, in Kummer und Leid.
Einigkeit.
Lachen und glücklich sein.
Viele Dinge gemeinsam erleben…
Auseinandersetzung -
und das Wissen:
Du bist immer für mich da.
Ich vermisse dich!

Tod, grüße sie von mir.

Atis
25.10.2006, 01:19
Nicht wirklich Gedichte - aber sehr schön und tröstlich, finde ich:

" Wenn wir die Prüfungen, die uns auf der Erde aufgegeben waren, bestanden haben, dürfen wir den Abschluß machen. Wir dürfen unseren Körper ablegen, der unsere Seele gefangenhält, wie ein Kokon den zukünftigen Schmetterling einschließt; und wenn die Zeit reif ist, können wir ihn loslassen. Dann werden wir frei sein von Schmerz, frei von Angst und frei von Kummer...frei wie ein schöner Schmetterling, der zu Gott heimkehrt...zu einem Ort, an dem wir niemals einsam sind, an dem wir weiter wachsen und singen und tanzen, an dem wir mit unseren Lieben zusammen sind und von mehr Liebe umgeben werden, als wir uns vorstellen können..."
(Elisabeth Kübler-Ross)



"Meine Mutter und meine Schwester müssen sehr glücklich sein, weil sie bei Gott sind. Ich bin sicher, dass ihre Liebe und ihre Gebete mich immer begleiten. Wenn ich zu Gott heimgehe - denn der Tod ist nichts anderes als ein Heimgehen zu Gott - dann wird das Band der Liebe für alle Ewigkeit bestehen."
(Mutter Teresa)

Liebe Grüße, Atis.

Eustachia
25.10.2006, 19:35
Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
So weint mir keine Träne nach.
Denn wo ich weile, dort ist Frieden
dort leuchtet mir ein ew`ger Tag.

Wo aller Erdengram verschwunden
Soll euer Bild mir nicht vergehn,
Und Linderung für eure Wunden
Für euern Schmerz will ich erflehn.

Weht nächtlich seine Seraphsflügel
Der Friede übers Weltenreich,
So denkt nicht mehr an meinen Hügel,
Denn von den Sternen grüß ich euch!

Annette von Droste - Hülshoff

Sanne_Pieper
26.10.2006, 13:12
Du fragst nach dem Geheimnos des Todes.
Aber wie kannst du es jemals begreifen,
außer du suchst es un Herzen des Lebens?

Willst du wirklich den Geist des Todes erkennen,
öffne dein Herz weit für den Körper des Lebens.
Denn eins sind Leben und Tod,
so wie der Fluss und das Meer eins sind.

Erst wenn du vom Fluss des Schweigens trinkst, wirst du wirklich singen.
Und wenn du den Gipfel des Berges erreicht hast,
wird dein Anstieg erst beginnen.
Und wenn die Erde deinen Körper zu sich ruft,
dann erst wirst du wahrhaft tanzen.

(Khalil Gibran)

Inaktiver User
31.10.2006, 15:27
Auch von mir mal ein kleines Gedicht ... gewidmet meiner Frau die nun fast 4 Jahre tot ist....sie starb mit 41 an Herz- Kreislaufversagen. Seitdem bin ich nun mit meiner heute 17 jährigen Tochter alleine und kein tag vergeht wo ich nicht an sie denke


Heaven can wait,

aber einmal da ist es zu spät,

da steht man vor dem Himmelstor,

es ist so leicht wie nie zuvor,

alle Sorgen sind dahin,

wenn ich es schaff und soweit bin.

Ich hab versucht alles richtig zu machen,

hab nur geschafft ganz wenig Sachen,

mein Herz stirbt langsam Stück für Stück,

das gibt mir keiner mehr zurück.

Ich kann nicht mehr denken oder fühlen,

sitze hier wie zwischen Stühlen,

daß ich noch liebe..... tut mir leid,

daß bleibt auch in der Ewigkeit!

Du fehlst mir mein Schatz..... aber irgendwann sehen wir uns wieder... Ich liebe Dich!

Eisbaer71
07.11.2006, 09:15
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben

unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit,

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit,

klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit,

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit,

behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit,

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit.

(aus Prediger 3,1-7)

Pummel
07.11.2006, 20:52
Der Wind treibt Fragen durch Täler der Nacht,
Tage verweh'n, keine Sonne je lacht.
Der Regen peitscht Tropfen kalt ins Gesicht,
so sieht man die Tränen der Trauer nicht.
Heimlich, im Dunkeln, wo haltlos man weint,
man fühlt in Gedanken sich ewig vereint.
Tief drinnen, im Herzen, da brennt ein Licht,
das löschen auch Wind und Regen nicht!