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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angebot machen - oder lieber nicht?



MistressWeatherwax
25.11.2006, 18:14
Ich bin in einer kleinen Zwickmühle - ich (Freiberufler) habe letztens einen Kontakt mit einem Kunden geknüpft, der Arbeit für mich hätte. So weit, so gut, ich habe auch schon ein Angebot ausgearbeitet und alles. Nur: Allzu begeistert schien der von mir nicht zu sein. Gut, ich erwarte auch keine Vorschusslorbeeren, meinetwegen.
Aber ich fand den potentiellen Kunden auch außerordentlich unsymphatisch, das beruht also auf Gegenseitigkeit.
Die gute Sache ist, dass es mir auf diesen Auftrag wirklich nicht ankommt - dementsprechend könnte ich also das Angebot machen und loslegen, Arbeit schändet nicht und so weiter.
Schlecht ist allerdings, dass das ein wirklich, wirklich unangenehmer Typ ist - was tun?
Nach dem Mammon greifen oder lieber drauf verzichten, weil die Geschichte auf lange Sicht mehr an Nerven kostet als an Geld bringt?

Tourmalin
26.11.2006, 09:11
Hi MistressWeatherwax,

bei der emotionalen Stimmungslage dient das Angebot doch bestenfalls zum Vergleich. Da kann man's doch gleich lassen ...

Didi50
26.11.2006, 13:22
Ich denke, auch bei einer Kundenbeziehung muss die Chemie stimmen. Du musst ihn nicht lieben, aber wenn er dir ganz unangenehm ist, lass die Finger davon.

Meint Didi
... die seit 25 Jahren selbständig ist.

MistressWeatherwax
26.11.2006, 15:50
Hm, ich hatte das auch schlecht formuliert: Das Angebot ist fertig, ich hab es aber nicht abgeschickt.
Ich weiß ja auch nicht - meine anderen Klienten würde ich auch nicht heiraten (das würde dem Gemahl auch nicht gefallen), aber so zuwider wie der ist mir da auch keiner.
Andererseits könnte ich da mal etwas ganz anderes machen als sonst und wie gesagt - Geld stinkt eben nicht.
Ach!

AlexRR
27.11.2006, 11:18
Magst Du eine kleine Übung zur Entscheidungshilfe machen?

Denk' Dir mal 3 Personen aus.. ganz unterschiedliche... die Dir irgendwas bedeuten... ob persönlich bekannt oder nicht... z.B. ein Unternehmer, ein Philosoph und und und...

Bill Gates, Mahatma Ghandi, Bugs Bunny
oder
Edison, Winnetou, Genscher
...

- Stell einem Deine Frage (soll ich den Auftrag annehmen?)
- Setz Dich auf einen anderen Stuhl (als Mahatma Ghandi...) und beantworte die Frage
- Geh wieder auf Deinen Platz zurück, tu so, als ob Du die Antwort gehört hast....

... und mach so mit den anderen 2 Personen, die Du Dir ausgedacht hast weiter....

und vielleicht... zum Schluss noch eine Abschlussrunde... : Bill Gates, Mahatma Ghandi, Bugs Bunny, Ihr habt jetzt gehört, was die anderen gesagt haben... wollt Ihr noch was ergänzen?

Alex
Coach

Promethea71
27.11.2006, 16:35
Hallo,

wenn du denn Kunden zwar nicht magst, aber trotzdem für ihn arbeiten könntest (also keine enge Zusammenarbeit erforderlich ist) und du aber andererseits nicht auf den Kunden angewiesen bist, dann schlag auf dein Angebot nochmal 25 % drauf ehe du es dann abschickst.

Wenn du daraufhin den Auftrag nicht bekommst - gut.

Wenn du daraufhin den Auftrag bekommst - gut und dazu ein nettes Schmerzensgeld.

Vielleicht eine gute Chance deine Preise neu auszutesten, einfacher als bei einem Auftrag, den du auf jeden Fall haben willst.

HTH

Inaktiver User
27.11.2006, 17:30
Würde es ähnlich wie Promethea machen. Bin selber freiberuflich tätig (und leider nicht in der Situation, es mir leisten zu können, Aufträge abzulehnen...) und habe, wie wohl bereits jeder von uns, Erfahrungen mit Kunden gemacht, die mir unsympathisch waren. Mal ging das trotzdem völlig professionell über die Bühne, mal war es extrem nervig. Kommt eben auch ganz darauf an, ob eine enge Zusammenarbeit und häufiger Kontakt notwendig sind.

Andererseits habe ich mit sympathischen Kunden auch schon jede Menge Scherereien gehabt. Persönliche Sympathien sind leider kein verlässliches Kriterium für eine reibungslose Zusammenarbeit.

However, wenn Du das Gefühl hast, dass die Aversion auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint, wird er dich möglicherweise sowieso nicht beauftragen und die Sache erledigt sich von selbst.

Gruß, Spellbound

MistressWeatherwax
27.11.2006, 23:21
Hm, ich habe auch einen Kunden seit Jahren, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, dass er mich genauso tief und ehrlich hasst wie ich ihn und die Zusammenarbeit klappt professionell und gut.
Ich werde mal die Gesprächsrunde durchdenken und danach vermutlich das Angebot abschicken - der 25% Aufschlag *hust* ist da übrigens schon drin.
Und vermutlich löst sich das sowieso auf die eine oder andere Art in Wohlgefallen auf.

jacobsen
19.12.2006, 09:08
Hallo MistressWeatherwax,

in welchem Metier arbeitest Du denn? Ich selbst bin Designer. Soll heißen, meine Arbeit ist zu einem Großteil eher subjektiv zu bewerten und in extremer Weise von der Kommunikation mit meinen Kunden abhängig. Mittlerweile nehme ich dementsprechende Projekte kaum noch an, da sie sich immer als schwierig und unbefreidigend erwiesen haben... Sie setzen halt ein Vertrauensverhältnis voraus. Mehr Nerven als Geld, wie du schon sagtest...

Inaktiver User
19.12.2006, 19:08
Hm, ich würde den Auftrag auch nur annehmen, wenn dann aber wirklich das "Schmerzensgeld" mehr als üppig ist. Aber so könntest Du ja das Angebot so sehen, daß Du einfach mal siehst, ob Dein Marktwert nicht vielleicht viel höher liegt als Du bisher dachtest, denn: bekommst Du den Auftrag kannst Du bei allen anderen vielleicht auch etwas mehr nehmen in Zukunft. Gibt ja auch Selbstbewusstsein.
Und wenn Du den Auftrag nicht bekommst musst Du wenigstens keine Nerven lassen bei so 'nem Typen.

MistressWeatherwax
20.12.2006, 17:52
Huch,
das sich da noch jemand meldet - ist ja alles schon eine Weile her. Vielen Dank jedenfalls.
Ich habe mich dann nach einigem Hin und Her dagegen entschieden, weil ich wirklich schon genug zu tun habe und nicht noch einen wirklich nervigen Kunden vertragen kann - schnöder Mammon, ach, ade!

Calimero
28.12.2006, 13:34
Na, eigentlich ist es ja zu spät aber:
Ich bin schon lange selbständig, aber einen Auftrag abgelehnt, weil der Kunde unsympatisch ist, habe ich noch nie.
Angebot machen Auftrag holen und dann vernünftige Arbeit anliefern. Wenn der Kunde dann zahlt ist doch alles O.K.


Calimero

MistressWeatherwax
29.12.2006, 11:42
Kann ich per se verstehen, aber ich hatte den Auftrag noch nicht, sondern hätte das Angebot noch richtig schick fertig machen müssen UND (und das ist ein wahrlich großes und) ich hatte und habe wirklich schon genug (bis zu viel) zu tun, um mir noch zusätzlichen Stress aufzuhalsen.
Mache ich sonst aber auch nicht, war das erste Mal. Gelegentlich ist's aber auch ganz schön, mal "nein" zu sagen.

Calimero
29.12.2006, 12:21
Ist sicherlich auch eine Frage der Persönlichkeit. Mir geht es Moment ähnlich wie Dir. Ich ersticke in Arbeit. Inventur, Mwst.Umstellung und neue Software, Schreibtisch aufräumen, mal 5 Minuten aus dem Fenster schauen, Kinder und Familie.
Ich nehme trotzdem jeden Auftrag an. Vielleicht ist es ja besser manchmal "nein" zusagen. Irgendwie beineide ich Dich. Na ja ,jeder wie erkann, guten Rutsch und viele Aufträge 2007!:blumengabe:

BlauerHimmel
30.12.2006, 17:22
Bill Gates, Mahatma Ghandi, Bugs Bunny

...

Alex
Coach
Sorry, aber: Wer denkt sich solche unseriösen Spielchen aus? Mit sinnvoller Abwägung hat das wenig zu tun, von Entscheidungstheorie ist das meilenweit entfernt. Mal ganz davon abgesehen, dass das Entscheidungsverhalten von den Prominenten, die du da aufzählst, gar nicht nachzuvollziehen ist. Ich sehe in diesem Spiel eine Scharade, die letztlich den Leuten nur vordergründig ein gutes Gefühl vermitteln soll ("Mahatma Ghandi hat mir bestätigt, dass ich das Regal mit den Toastern und Eierkochern lieber zwei Meter weiter links hinstellen sollte, Chef!")

Gruß
BlauerHimmel

Inaktiver User
22.01.2007, 05:56
Hallo.

Also ich gehe sehr stark nach der Chemie. Wenn die Wellenlänge nicht passt, dann lasse ich die Finger davon. In den letzten 15 Jahren bin ich damit ganz gut gefahren und diese Vorgehensweise hat mir sicher viele kaputte Nerven erspart.

In den Fällen in denen ich trotz Abneigung zugesagt hatte, mußte ich meist später meinen Fehler eingestehen. Gott sei Dank sind das nicht allzuviel Fälle. Trotzdem finde ich die Idee:


Hallo,

wenn du denn Kunden zwar nicht magst, aber trotzdem für ihn arbeiten könntest (also keine enge Zusammenarbeit erforderlich ist) und du aber andererseits nicht auf den Kunden angewiesen bist, dann schlag auf dein Angebot nochmal 25 % drauf ehe du es dann abschickst.

Wenn du daraufhin den Auftrag nicht bekommst - gut.

Wenn du daraufhin den Auftrag bekommst - gut und dazu ein nettes Schmerzensgeld.

Vielleicht eine gute Chance deine Preise neu auszutesten, einfacher als bei einem Auftrag, den du auf jeden Fall haben willst.

HTH

einfach gut. Ich denke, das ist auf jeden Fall einen Versuch wert.
Das einzige Risiko dabei wäre in meinem Fall, daß sich solche einzelnen Hochpreis-Angebote herum sprechen und es dann heißt: "Beim ... brauchst Du gar nicht erst anzufragen. Ich hab da erst kürzlich ein Angebot abgefragt und der ist derartig teuer..." Wäre natürlich nicht ideal...

Liebe Grüße

justii