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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Enttäuscht durch fehlenden Beistand?



londongirl2000
16.11.2006, 10:54
Hallo,

also, ich weiss nicht, ob ich vielleicht zuviel verlange, aber meine Oma ist vorgestern gestorben, und der Beistand, der aus meinem "Freundeskreis" kommt, ist nur noch lachhaft. Da ruft zwar jemand an und lässt so Sprüche los wie "Hach, ich denke an dich, ruf mich an, wenn was ist". Ich meine.. HALLO?? Ja, es IST was!! Warum kommen die Leute nicht zu mir nach Hause, um persönlich mal in aller Ruhe zu reden? Selbst meine älteste Freundin, mit der ich seit 33 Jahren befreundet bin, ruft nur mal kurz an, kommt aber nicht auf die Idee, bei mir vorbeizukommen. Das ganze kotzt mich dermassen an, und das ärgert mich dermassen, dass ich nachts vor lauter Wut nicht schlafen kann. Warum muss man in so einer Situation noch nach Beistand betteln? Ich würde doch auch bei Freunden einfach vorbeigehen und da sein und nicht so schlaffe Sprüche bringen wie: "Ruf an, wenn Du mich brauchst." Darauf geschissen! Ich weiss gar nicht, wie ich darauf reagieren soll, bin nur noch stinkesauer und geladen und will von gar niemandem mehr was hören.
Oder verlange ich einfach zu viel?

Viele Grüße,
londongirl2000

Karli
16.11.2006, 11:28
Es tut mir leid, dass dir keiner hilft deine Trauer um die Oma zu verarbeiten. Aber bei dir bewahrheitet sich leider mal wieder der Spruch "Erst in der Not erkennt man seine wahren Freunde".
Fühl dich unbekannterweise von mir ein wenig umarmt. Es ist immer schwer jemanden zu verlieren.

Contiki
16.11.2006, 12:19
Hallo Londongirl,
erstmal mein herzliches Beileid zum Tod Deiner Oma.

Ich sehe es allerdings nicht ganz so wie Karli.
Ich habe mich beim lesen gefragt, ob Deine Freunde wissen, wie viel Dir Deine Oma bedeutet hat?
Ich kenne es bei mir aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (ungefaehr gleiches Alter wie Du) dass die meisten zu Ihren mittlerweile doch sehr betagten Grosseltern wenig Kontakt haben oder diese sogar, falls schon laenger pflegebeduerftig oder in Heimen, eher als eine Belastung empfinden - vor allem, wenn der Kontakt vielleicht nie so intensiv war.
Von daher ist es bei den meisten meiner Freunde auch immer nur so eine Mitteilung im Gespraech am Rande gewesen (ach ja, meine Oma / mein Opa ist jetzt gestorben) - es war (bei meinen Freunden und auch bei mir, als meine Grosseltern vor Jahren starben) keine grosse Trauer vorhanden, allenfalls ein leichtes Gefuehl der Wehmut oder Mitleid fuer die Eltern, die es meistens doch haerter traf.
Aus diesem Grund wuerde ich, wuerde mir eine Freundin / Bekannte vom Tod eines Grosselternteiles erzaehlen, auch eher nur mein Beileid aussprechen, aber nicht automatisch davon ausgehen, dass sie dieser Verlust jetzt so besonders hart trifft.
Etwas anderes ist es natuerlich, wenn ich weiss, dass eine Freundin ein besonderes Verhaeltnis zu ihrem verstorbenen Grosselternteil hatte.

Ich hoffe, Du verstehst was ich meine - ich moechte auf keinen Fall die Bedeutung eines Grosselternteils runterspielen; ich kenne halt nur aus dem Bekannten- und Freundeskreis niemanden, in dessen Leben die Grosseltern eine besonders grosse Rolle spielen und die deren Tod so treffen wuerde wie Dich.

Vielleicht musst Du Deinen Freunden deutlicher zeigen, wie es Dir geht und was Du jetzt brauchst?
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass der Umgang mit Menschen, die gerade jemand verloren haben, schwierig ist und viele Scheu haben, auf so jemand offen zuzugehen und Hilfe / Reden anzubieten. Meine Eltern sind vor ein paar Jahren im Abstand von ca. 2 Jahren verstorben - ich habe immer mit meinen Freunden ueber meine Gefuehle geredet und versucht zu verstehen, dass es auch fuer sie schwierig ist, zu wissen, was ich jetzt gerade brauche, ob ich ueber meine Eltern reden will, lieber alleine sein will oder jemanden um mich brauche etc.
Da ich dann aber immer sehr offen mit dem Thema umgegangen bin habe ich auch viel Beistand und von vielen Seiten Unterstuetzung / Mittrauern erhalten.

Alles Liebe fuer Dich!

ness
16.11.2006, 16:32
hey!!!
ich wünsche dir mein zutiefst empfundenes beileid!!!
ich habe am 9.april 2006 meinen lieben opi verloren.
und ich weiß ganz ganz genau, wie es dir geht.
leider muss ich gestehen, dass ich früher aber auch ned verstanden habe, was es für die anderen heißt, wenn die großeltern versterben. ich hatte nie sonderlich viel kontakt mit meinen großeltern. erst, als mein opi vor 5jahren das erste mal krebskrank wurde, habe ich mehr zeit mit ihm verbracht und mir viele gedanken um ihn gemacht. die volle wucht des verlustes hat mich dennoch sehr umgehauen. noch dazu bin ich in der glücklichen lage gewesen, zuvor noch niemanden aus meiner familie verlieren zu müssen.
jetzt hab ich mich bei meiner besten freundin dafür entschuldigt, dass ich während ihrer trauer wegen ihrer omi nicht bei ihr gewesen bin. ich hab es einfach ned verstanden. und das tut mir sehr leid.
leider gibts auch in meiner umgebung ned sehr viele leute, die dieses thema mit mir noch besprechen. ich denke, sie haben es einfach vergessen, dass ein todesfall in meinem leben war...es ist ja auch schon ein halbes jahr her.....:knatsch:
und dann ist es auch ein ganz komisches gefühl...anfangs hatte ich in diesem forum sogar hemmungen über meinen GROSSVATER zu schreiben...schließlich war er ja schon alt und hat sein leben gelebt und blabla eben... wohingegen einige hier den lebensgefährten ganz jung verloren haben!!! verstehst du?? das fühlt sich an, als ob man deswegen keine berechtigung hätte auch zu trauern...v.a. schon ein halbes jahr!! ich weiß ned, ob du nachvollziehen kannst, was ich sagen will?!
aber ich bin hier sooo lieb aufgenommen worden! ich finde hier verständnis! ich bin auch berechtigt meine trauergeschichte hier zu lassen.
und so kannst auch du hier deine geschichte lassen, londongirl, und mit uns mittrauern! und mußt dich ned alleine fühlen!
sei gedrückt von mir - sofern du das möchtest!!!
ich denke an dich
ness

Inaktiver User
16.11.2006, 16:39
londongirl,

die Menschen trauern verschieden.
Ich fände es unangemessen, "einfach vorbeizukommen" - man weiß doch gar nicht, ob der andere das möchte. Eigentlich gilt die Regel, dass man sich von einem Trauerhaus fernhält und nur dann kommt und selbstverständlich hilft, wenn darum gebeten wird. Und solche Hilfe eben zurückhaltend anbietet.
Und Du würdest vermutlich auch nicht wollen, wenn plötzlich 10 Leute gleichzeitig bei Dir auf der Matte stehen würden, oder?

Insofern finde ich die Reaktionen Deiner Freundinnen nicht daneben. Sie sagen: "sag, wenn etwas ist, wenn wir etwas tun können." Und darauf könntest Du sagen: "Ich fände schön, wenn Du vorbeikämest." Warum empfindest Du das als Betteln?

Ruf an und sage, wie sie Dir helfen können. Und erst wenn dann keiner reagiert, wäre Deine Schlussfolgerung richtig, dass keiner Dir beisteht. Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird.

Ich drück' Dich

Gruß, Leonie

LEBENSWEG
16.11.2006, 16:55
Leibe(s) londongirl,
unbekannter weise drücke auch ich dir mein tiefempfundenes mitgefühl aus und wünsche dir herzlich viel kraft in den kommenden zeiten.
ich habe mich nach dem tod meiner mutter vor einem jahr auch über viele menschen gewundert, von denen ich dachte, ich hätten ein offenes+gleichzzeitig enges verhältnis zu ihnen, das
guten bestand in alllen lebenslagen hätte. PUSTEKUCHEN.
Selbst meine schwiegermutter fragte mich nach drei wochen, was denn mit mir los sei. als ich kurz-ab sagte, "sorry, meine mutter ist verstorben", meinte sie, "naja, das mit der trauer kann ja wohl noch was andauern, aber was ICH noch sagen wollte..." und schon war sie bereits wieder bei IHRER tagesordnung. FRUSTRIEREND, sich so "mutterseelen"-allein zu fühlen.
Richtige Teilnahme hat eigentlich nur meine beste freundin gezeigt, und sie ist als trauerbegleiterin ausgebildet...!
das thema tod ist in unserer gesellschaft weitestgehend tabuisiert und fällt somit besser unter den tisch... viele menschen sind unsicher und erzählen in situationen, in denen sie mit dem tod konfrontiert werden lieber eine menge unsinniger sachen, die einem weiss-gott nicht helfen, als vielleicht einfach nur da zu sein und zuzuhören oder einen in den arm zu nehmen.

Ich wünsche dir, dass du jemanden findest, der dir in deiner trauer um deine omi wirklich beisteht. alles gute für dich.
LW

Nanne54
16.11.2006, 23:33
Liebes Londongirl, ich möcht Dir mein Mitgefühl aussprechen und viel Kraft für die kommende schwere Zeit.
Weißt Du ich glaube viele Menschen können gar nicht nachempfinden ,daß der Tod von Oma und Opa auch sehr schmerzlich sein kann ,je nachdem wie stark die Bindung gewesen ist.
Ich habe auch erleben müssen wie Menschen sein können, wenn das leben von heute auf morgen ganz anders ist.
Das war fünf Jahren , als mein Bruder sich selber getötet hat.
Es war teilweise so unverschämt, so verachtent den Gefühlen mir als Schwester gegenüber, das ich fast alle Kontakte mit meinen vermeintlichen Freunden und Verwandten rigoros abgebrochen habe, solche Menschen brauch ich nicht.
Meine Schwiegereltern bekamen sich in die Haare wegen irgendeinem Blödsinn, nachdem sie mir kondoliert hatten,
das erste was gefragt wurde war, wie teuer die Beisetzung denn würde.Ich bin bald zusammengeklappt, diese Frage bekam auch meine Mutter zu hören, die Schwester meines Mannes konnte nicht nachvollziehen, das man nach einem halben Jahr noch trauert,vermeintliche Freunde gaben mir die Schuld am Tod meines Bruders, weil ich es nicht verhindert habe, das meiste von dem was ich erleben mußte spielte sich in dem Zeitraum ab ,als mein Bruder noch in der Gerichtsmedizin lag.Eine Freundin sagte, ach da brauche ich ja nicht zur Trauerfeir kommen, wenn es im kleinen Rahmen abgehalten werden soll.
Als es in guten Zeiten was zu feiern gab ,sind alle immer gerne gekommen, in so einer Situation hat es keiner nötig mal anzurufen, soll ich kommen, kann ich Dir irgendwie helfen, mit denen habe ich Format C gemacht.
Es gab einige ganz wenige, die uns zur Seite standen, das werde ich diesen Menschen auch nie vergessen, das sind Freunde.


Ich wünsche Dir alles liebe ,sei gedrückt von mir ,
Nanne

londongirl2000
17.11.2006, 13:42
Hallo,

vielen Dank für eure lieben Worte! Da ist sehr viel Sinn dabei, und ich lasse mir das alles genau durch den Kopf gehen. Mir geht´s ja mittlerweile auch ein kleines bisschen besser. Wenn einem so etwas passiert, ist man ja auch extrem empfindlich und legt jedes Wort auf die Goldwaage (naja, ICH zumindest). Also habe ich meiner einen Freundin (die, die schon seit dem Kindergarten kenne) gestern gesagt, dass es mir lieb wäre, wenn sie mal vorbeikommen könnte. Hat sie dann auch sofort getan und ich war sehr froh, dass ich sie darum gebeten habe. Alles war dann wieder in bester Ordnung. Für diesen "Tritt in den Hintern" von euch war ich dann schon sehr dankbar.

Bei mir ist es nur so, dass ich sonst keine Familie um mich rum habe, d.h. die Freunde wissen eigentlich schon, dass ich alleine daheim sitze und mir die Augen aus dem Kopf weine. Ich habe zwar noch eine Mutter, die mich aber so im Stich gelassen hat, wie es schlimmer nicht sein könnte, von daher sage ich: keine Familie mehr. Von daher habe ich irgendwie erwartet, dass dann einfach jemand vorbeikommt....

Ich habe hier auch noch die hammermässige Ergänzung zu Nanne54´s Erzählung: Meine Tante (angeheiratet!!..:-)) fragte diese Woche, wann denn nun die Beerdigung sei, weil sie doch dringend einen Friseurtermin braucht, und sie kann ja wohl schlecht gehen, wenn die Beerdigung stattfindet... jessas!

Mir tat es auch weh, zu lesen, was euch anderen passiert ist. Ich kann das aber total gut nachvollziehen, dass man mit gewissen Leuten dann bricht. Ich meine, was wäre denn das für ein Verhältnis? Da denkt man doch, da ist jedes Wort zuviel und jede Minute, die man mit diesen Leuten verbringt einfach Verschwendung!

Zu Ness: Ja, ich verstehe, was Du sagen möchtest, und ich verstehe auch Deine anfänglichen Hemmungen, über den Verlust Deines Opis zu schreiben. Ich meine, wenn man hier durch das Forum stöbert, läuft es einem ja kalt über den Rücken, wenn man so sieht, was den Menschen alles zustösst, z.B. Verlust eines Kindes. Ich glaube, das ist wohl das Schrecklichste, was einem passieren kann. Das kann man wohl gar nicht richtig nachvollziehen, wenn es einem nicht selbst passiert ist. Aber trotzdem hast Du auch einen lieben Menschen verloren und die Trauer hierfür ist auch mehr als berechtigt. Es tut so gut, darüber zu reden (bzw. schreiben), und man kann ja auch nicht sagen, dass in 6 Monaten alles vorbei ist, die Trauer, meine ich. Es wird mit der Zeit bestimmt etwas besser, aber trotzdem darf man doch noch traurig sein, gell?

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und nochmal vielen herzlichen Dank für eure Beiträge! Und einen dicken Gruppen-Drücker an alle zurück!!

Liebe Grüße,
londongirl2000

Hagazussa
17.11.2006, 16:26
hallo londongirl, ich bin 58 jahre alt, arbeite halbtags, was mir zwar hilft und gleichzeitig sehr viel kraft kostet.ich kann deine gefühle total nachempfinden, meine erfahrungen waren ähnlich, leider konnte ich die wut, die du beschreibst, nicht so empfinden ... ich hab versucht, verständnis für meine umgebung zu zeigen, hat aber keinen sinn, wie ich inzwischen weiss. mein "bekannten- und freundeskreis" hat sich drastisch reduziert, was mir einerseits wehgetan hat, weil ich erkennen musste, dass menschen, von denen ich glaubte, ihnen liegt etwas an mir, mich inzwischen nicht mehr kontaktieren. andererseits hat es mir halt die augen geöffnet für die menschen, die mir nach wie vor zur seite stehen, es sind wenige, aber dafür kann ich mich auf diese wenigen verlassen. ach ja, ich sollte mal sagen,was bei mir passiert ist: mein sohn bastian ist am 24.8.05 tödlich verunglückt mit 28 jahren ... ich hab noch einen sohn, sven, er ist 31, bin zwar verheiratet, lebe aber getrennt - und der tod von meinem sohn bastian hat uns noch weiter auseinandergebracht. auch meine mutter (86) will eher von mir trost als dass sie mir hilft. manchmal ist es sehr schwer für mich, das alles irgendwie durchzustehen, ich habe aber noch zwei freundinnen, die mir trotz allem geblieben sind und mir helfen, genau wie mein sohn sven, für den das alle auch sehr schwer ist. irgendwie lebe ich auf zwei ebenen - die alltägliche und eine, die eigentlich nur für mich zugänglich ist.
ich habe festgestellt, dass es am besten für mich ist, wenn ich meine gefühle nicht unterdrücke (bis auf die wut - die konnte ich bis jetzt noch nicht rauslassen!!!) und keine rücksicht auf meine "Umgebung" nehme. ich gehe viel spazieren, bin allein, aber das tut mir gut, wie ich gemerkt habe. was mir auch geholfen hat, ist eine gruppe, die nennt sich verwaiste eltern, vielleicht gibt es so was auch für trauernde sozusagen allgemein oder speziell auf deine trauer bezogen. verständnis bekommt man nur bei menschen, denen ähnliches passiert ist.
alles liebe hagazussa

Inaktiver User
17.11.2006, 17:26
hi, londongirli

ich kann dir nur aus beobachtungen sagen: dass wahnsinnig wenig menschen gibt, die in solchen situationen wirklich wissen, was sie tun sollten..

es ist die unsicherheit..
sie wissen es wirklich nicht..!!

leo

ChJane
17.11.2006, 17:40
Hi Londongirl,

es jemandem, der trauert, recht zu machen, ist fast unmöglich. Eigentlich ist das Gespräch über den Toten eine Art Therapie, es überhaupt zu realisieren. Andererseits gibt es viele Menschen, denen es zuviel wird, darauf angesprochen zu werden, weil sie noch viel zu viel mit sich selbst zu tun haben oder aber noch unter Schock stehen. Ich finde die Reaktion deiner Freunde gar nicht schlimm, und es ist schön, dass du das Hilfsangebot deiner Freundin ganz einfach angenommen hast. Mir ist es auch schon passiert, dass ich (als Teenie noch) auf Abstand zu einer Freundin gegangen bin, als sie meine Hilfe gebraucht hätte. Später haben wir darüber gesprochen und ich habe daraus gelernt. Wenn nun aber deine Freunde noch keine oder gegenteilige Erfahrungen gemacht haben, können sie es eigentlich nicht wissen, was sie tun sollen.
Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter, die, selbst verwitwet, völlig verstört war, dass der Mann einer Bekannten gestorben war. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie hat dann ein Kärtchen mit ein paar persönlichen Worten geschrieben und ihre Hilfsbereitschaft und ihr Verständnis ausgedrückt. Und ihre Bekannte hat sie dann angerufen, um mit ihr zu sprechen.

Gruß
Jane

Nanne54
17.11.2006, 17:56
@Leo, ich muß Dir vollkommen recht geben.
Sie wissen wirklich nicht was sie tun sollen, daß ist in unserer Kultur diese verdammte Ignoranz im Umgang mit dem Leben, dem Sterben und dem Tod.
Es sollte sich aber bitte doch jeder Mensch mal vor die Augen halten, das auch er von einer Minute zur Nächsten in genau diese Situation kommen kann, in der wir hier alle schon waren.
Und was ist dann?
Wer soll da dann Beistand geben, was erwarten sie dann von ihren Mitmenschen?
Als mein Schwiegervater vor 2 Jahren starb, haben mein Mann und ich uns total zurückgehalten, wir haben ein Gesteck für ihn bestellt, wir waren auch auf der Trauerfeier und der Urnenbeisetzung,ich hatte einen kleinen Strauß für das Grab, aber als wir gebeten wurden zum Kaffee ins Haus seiner Schwester zu kommen, haben wir dankend abgelehnt.
Wir haben meinen Schwiegervater auf dem letzten Weg begleitet,da kann uins keiner was nachsagen, aber mit Menschen die mal nicht sehr nett zu uns waren Kaffee trinken, nein Danke.

Glaubt mir, ich habe oft geweint als ich mit meinem Schmerz so alleine war, es hat niemanden betroffen gemacht, als ich auf einmal in ganz kurzer Zeit fast 20 kg abgenommen habe, weil ich einfach nicht mehr essen konnte, da wurden nur so blöde Bemerkungen gemacht ich hätte wohl Probleme mit meinem Alter, meine Schwiegermutter und Schwägerin einschließlich mein Herr Schwager können sich gar nicht in andere hinein versetzen.
Er war ja nur mein Bruder...................

Liebe Grüße an Euch Nanne

londongirl2000
18.11.2006, 00:04
Das glaubt mir keiner, was mir heute abend passiert ist: Eine "Freundin" war diese Woche im Urlaub, kam heute zurück. Da ich diese Woche nach dem Tod meiner Oma einfach Trost gesucht habe (und sie auch immer nach meiner Oma gefagt hat, wie es ihr geht etc.) habe ich ihr eine SMS in den Urlaub geschickt und sie gefragt, wann sie denn eigentlich wieder nach Hause käme (wusste ich nicht mehr auf den Tag genau), da ich ihren Trost bräuchte. Heute, aus dem Urlaub zurück, bäfft sie mich nur noch an, warum ich sie damit in ihrem Urlaub belasten würde. Jetzt die Frage: Ist die Welt bekloppt oder bin doch ICH es? Ich habe mich jedenfalls bei ihr "entschuldigt", dass ich mich wegen so einer Lapalie bei ihr gemeldet habe, und das wars für mich. Endgültig. Ich bin vor lauter Wut und Enttäuschung nur am Zittern und weiss nicht, wie ich heute schlafen soll. Was meint ihr dazu?

Nanne54
18.11.2006, 00:18
Liebes Londongirl, bitte reg Dich nicht so auf, ich kann gut verstehenwas in Dir jetzt vorgeht, aber versuche ruhig zu bleiben.
Diese Frau wird auch noch ihr Fett abbekommen glaube es mir, es ist unverschämt und außerordentlich dumm sich so zu benehmen.
Aber tu mir den Gefallen und vor allen Dingen Dir selber, koch Dir einen Tee und versuche Dich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen, es kann ja wohl nicht sein das Du wegen so einer Person nicht schlafen kannst, Du mußt jetzt nur an Dich denken und das das Leben auch wieder schön werden wird für Dich.
Denke an Deine liebe Omi, die hätte bestimmt nicht gewollt das ihr Enkelkind so traurig ist.
Ich drücke Dich ganz ganz fest und denke an Dich
Liebe Grüße von Nanne

ness
18.11.2006, 20:08
Hey
Wie Nanne sagt, bitte konzentriere dich auf dich! viell versteht sie es ned besser. viell wird sie sich eines tages noch sehr schämen dafür. es tut zwar weh, dass man sieht, wie menschen, von denen man gedacht hat, sie verstehen einem, so völlig unverständig reagieren oder sogar den kontakt vermeiden. aber so trennt sich wenigstens die spreu vom weizen.
ich weiß ned, wie das bei dir sein könnte, von deiner familie her. aber ich konnte auch in dieser schwierigen zeit erkennen, dass meine eltern und meine beiden geschwister einfach total wichtig für mich sind - und auch bei mir sind, wenn es mir schlecht geht.
das hat mir sehr gut getan.
lg

Nanne54
19.11.2006, 00:01
ich weiß ned, wie das bei dir sein könnte, von deiner familie her. aber ich konnte auch in dieser schwierigen zeit erkennen, dass meine eltern und meine beiden geschwister einfach total wichtig für mich sind - und auch bei mir sind, wenn es mir schlecht geht.
das hat mir sehr gut getan.


@Ness, ich weine...............es waren diese Jahr 30 Jahre als mein Vater mit 47 gehen mußte,ich zitiere sehr ungern, aber meine eigene Mutter hat mich mit 21 Jahren beschudigt....
Ja ich bin es in Schuld das Papa überhaupt sterben mußte,da wißt ihr doch wie ich weitergelebt habe....

ness
19.11.2006, 12:16
Nanne!!!
du meine güte!!! sie hat DICH beschuldigt? ich kenne die geschichte dahinter ned, aber 30jahre mit schuld zu leben...du arme, arme Nanne!!!das tut mir leid! wie gehts dir heut damit? hattest du unterstützung?
ganz, ganz dicke umarmung für dich, liebe Nanne, wenn du möchtest!!!

Nanne54
19.11.2006, 12:44
@Ness
Der Hintergrund war eine falsche Diagnose, Gallenblase anstatt wie es richtig gewesen wäre
akute Bauchspeicheldrüdenentzündung.
Er war innerhalb von 8 Wochen tot.
Ich bin bei verschiedenen Ärzten gewesen und habe da auch meine Schuldproblematik geschildert und ich bin auch behandelt worrden,aber so richtig geht es nicht weg, ich leide zwar nicht mehr so, aber ein Rest wird wohl bleiben. Ich habe meine Mutter darauf angesprochen, das letzte Mal im Februar diesen Jahres, weil meine Söhne bei einem Unfall fast tot gewesen wären.
Weißt Du was sie dazu zu sagen hatte?Sie hätte nicht gewußt was sie damals gesagt hätte.Und es war wie ein Kreislauf, wann immer ich Probleme hatte im Leben, ich war Schuld, egal was es war.Es würde hier den Rahmen sprengen, alles zu schildern,aber es war teilweise sehr fatal.

Liebe Grüße Nanne

Dank Dir für Deine Umarmung liebe Ness

ness
20.11.2006, 10:03
Nanne!
das kann ich mir schon vorstellen, dass das für dich wohl leider nie mehr ganz gut wird...schade auch, dass es anscheinend zur zeit keine möglichkeit der richtigen aussprache mit deiner mutter gibt. vielleicht hat sie es selbst noch nicht richtig verarbeitet und kann sich ihrer verantwortung, die sie mit der schuldzuweisung übernommen hat, noch nicht stellen???
bei uns gibt es leider in der größeren familie auch große differenzen. anscheinend ist das thema "schuld" bei einem trauerfall wohl sehr präsent...leider manchmal sogar mehr als die trauer selber, hab ich das gefühl!!!
ich wünsch dir, dass du dich weiter von dem schuldzuspruch distanzieren kannst, liebe Nanne!!!

londongirl2000
20.11.2006, 14:40
Liebe Nanne,

vielleicht stehe ich gerade auch auf dem Schlauch, aber wieso hat man DIR eine falsche Diagnose vorgeworfen?
Das ist ja entsetzlich, dass Du mit so einer Schuld lebst, das tut mir unendlich leid. Unvorstellbar... ich bin grad ganz fix und foxi....

Einen herzlichen, dicken Drücker schickt Dir
londongirl2000

Nanne54
20.11.2006, 22:48
@Londongirl, sie hat mir nicht die falsche Diagnose zum Vorwurf gemacht, nein sie fing mit Dingen aus meiner Teenagerzeit an.Ich hatte damals halt so meine Mucken, wir waren sowieso die erste Generation, die sich den Eltern gegenüber total aufgelehnt hat, daß hat sie mir zum Vorwurf gemacht.Das hörte sich so an:

Und Du hast Papa immer soviel geärgert, dehalb mußte er sterben!
Das saß!!!!!!!!

Ich habe ihr am 24 .Frebruar diesen Jahres dann ganz klipp und klar und in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß sie es nicht noch einmal wagen sollte, mir überhaupt noch mal für irgendwelche Vorfälle eine Schuld zuzuweisen.
Reden kann man mit ihr nicht, was daß alles sollte, sie blockt.
Das habe ich auch zu ihr gesagt, du hast soviel über mich richten können, was habe ich dir denn getan? Jetzt wo ich wissen will was das alles sollte blockierst du, aber ich will jetzt auch nicht mehr mit dir darüber reden.
Aber sie weiß ganz genau, woran sie mit mir ist und das ist auch gut so.Ich hätte das alles schon viel früher machen sollen, aber da hatte ich immer Angst vor der Konfrontation mit ihr.
Genau wie sie immer sagt, sie hätte ja schließlich ihren Jungen verloren und sie hätte ja nur noch einen Sohn.
Was ist das für eine Aussage? Ich konter dann aber und sage zu ihr, vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte mir den Strick genommen, oder wie hättest du es gerne gehabt? Dann ist sie sofort ruhig und lenkt ab....Themenwechsel!
Wenn ich was wegen meinen Bruder zu ihr gesagt habe, hat sich mich hingestellt, als wenn ich Märchen erzählen würde.Vieleicht hätte er ja auf seine Mutter gehört?Und wäre endlich mal in ärztliche Behandlung gegangen.

So ihr Lieben genug davon, ab und an kommt es mal hoch, es tut gut wenn man seine Altlasten ein bischen loslassen kann,
ich drücke Euch ganz doll, ganz liebe Grüße Nannne

Eva39
22.11.2006, 13:43
Als ich 8 Jahre als war, habe ich mit meinen Brüdern zusammen gespielt. Einer war 11, der jüngere Bruder 4. Der jüngere Bruder ist dabei durch eine Glasscheibe gestürzt und wurde lebensgefährlich verletzt. Ich war auch leicht verletzt.

Man hat mir bis ich etwa 25 Jahre alt war regelmäßig vorgeworfen und eingeredet, dass ich schuld an seinem Unfall gewesen sein soll!! Ich habe das als Kind geglaubt und gedacht, ich sei ein böses Mädchen. Mit 25 habe ich ihnen deutlich gemacht, dass ich das nie mehr hören will. Wie kann ich als kleines Mädchen alleine schuld an einem Unfall gehabt haben? Meine Verletzung hat damals niemanden interessiert. Das kommt noch dazu. Sie haben auch niemals gesagt, dass das auch nur passieren konnte, weil sie es versäumt hatten, Sicherheitsglas einzubauen. Es war ein neues Haus. Wir waren damals frisch eingezogen. Sie haben uns auch nicht ermahnt, als wir herumtobten. Außerdem hat auch mein älterer Bruder mitgespielt. Wieso war er nicht schuld? Wieso ich? Ich habe es nie verstanden. Aber solche Kinder gibt es einfach. Schwarze Schafe nennt man sie für gewöhnlich.

Ich wünsche Euch allen den Beistand, den Ihr für Euch braucht. Ich bin mit Euch!

Alles Liebe

Eva

Margali62
23.11.2006, 11:32
Ich möchte zum ersten Anliegen antworten.

Fast alle Leute sind sehr unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Es betrifft nicht nur die Trauer bei einer Verstorbenen, sondern z.B. auch der Umgang, wenn jemand schwer erkrankt ist.
Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht als mein Mann 2001 schwer erkrankte. Eine Freundschaft anzweifeln, das würde ich nicht. Man muß vieles erst lernen im Leben, dazu gehört auch, in Krisen angemessenes Verhalten an den Tag zu legen.

Ich selbst bin so, dass ich zunächst total in Ruhe gelassen werden will. Auch das verstehen viele nicht. Und ich warte andererseits nicht auf irgendein Verhalten, sondern wenn ich Hilfe brauche, dann sage ich es.