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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sucht nach Ablenkung - wie helfe ich meinem Mann



julivert
15.11.2006, 11:51
Ich bin seit knapp einem Jahr mit einem Mann zusammen der sein Leben nicht geregelt bekommt. Er ist 32 und studiert schon seit 10 Jahren auf Lehramt, kein Ende in Sicht und kein wirklicher Lebensplan der ihn motiviert. Er wird Lehrer, aber fühlt sich selbst noch nicht dazu im Stande zu unterrichten. Es fällt ihm schwer erwachsen zuwerden, das sagt er selbst. Er bekommt von zu Haus eauch noch finanzielle unetrstützung, hat noch nicht einmal richtig gearbeitet. Was macht man mit so jemandem? Ich bin überfragt und übervordert mit der Situation und merke das es mich und unsere Beziehung zunehmend belastet. Ich habe vieles von anfang an gesehen und aufgefangen.

Nun habe ich festgestellt, er neigt zu extremen und suchtartigem Verhalten was Medienkonsum betrifft. Er lässt sich ablenken und sucht gezielt nach Zerstreuung. Ob Internet , Filme oder Fernsehn, er muss sich immer berieseln lassen und findet kein Ende. Er sagt selbst das er latent internetsüchtig ist. er ist aber auch Kino, TV und sonstwas süchtig.
Ich habe ihn gebeten eine Therapie oder ein Coaching zu machen. Was kann ich sonst tun? Ich bin der Motor für ihn und pushe ihn voran, bringe ihn auf Spur. Aber das kanns ja nicht sein.
Gebt mir ein Feedback, damit ich wieder klar sehe. :wie?:
Danke

Welli24
15.11.2006, 12:38
Hallo Julivert,
ich habe den Eindruck, daß Du Dir ein Muttersöhnchen
an Land gezogen hast.
Mama und Papa geben ihm Geld und Du organisierst sein Leben.
Statt in die Schule geht er studieren - ist eigentlich das Gleiche
in grün.
Er übernimmt nicht einmal Verantwortung für sich selbst......

julivert
15.11.2006, 15:40
Danke für Dein Feedback Welli.
Muttersöhnchen bringt es wohl auf den Punkt. Ätzend, und das mir! Muttersöhnchen und Powerfrau ist ne denkbar schlechte Kombi. Aber ich soll wohl was draus lernen...

Bibigrrl
15.11.2006, 16:05
Also mir ist ganz spontan eingeschossen, dass er vermutlich ein "unentdeckter" ADS-Mensch ist (Attention Deficit Syndrome).

Google mal ein bisschen danach, ich könnte mir vorstellen, dass das einiges erklären könnte ... > aber die Diagnose sollte von einem Fachmenschen kommen.

B.

Rosengarten
18.11.2006, 18:40
Hallo Julivert,

nach dem was du schreibst, würde ich sagen, daß du ein ausgeprägtes Helfer-Syndrom hast! "..ich bin der Motor für ihn" !

Wenn du ihn bemutterst, wird er nie erwachsen und selbständig, warum sollte er auch? Also ehrlich, wenn ich so eine Übermutter an meiner Seite hätte, würde ich auch keinen Sinn sehen, irgendetwas selbst machen zu müssen.

Vielleicht brauchst du diesen Mann, damit du dagegen als echte "Powerfrau", die alles im Griff hast, glänzen kannst! Nimm das bitte nicht negativ auf, sondern denke einfach mal darüber nach. Was du tun kannst? Nimm dich zurück! Kinder werden nur dann erwachsen, wenn sie selber laufen lernen.

Es gibt ein Buch: Robin Norwood = Wenn Frauen zu sehr lieben - die heimliche Sucht, gebraucht zu werden

Das Buch kann ich sehr empfehlen. Anderen Menschen Hilfe zu geben, ist ein erhebendes Gefühl und ist gut und richtig, aber --
zu viel des Guten ist wiederum schlecht.

LG
Rosengarten

sandfloh
19.11.2006, 16:52
Hallo Julivert,

du schreibst, dein Freund wäre (latent) internet-/spielesüchtig.

Ich empfehle dir, dich über Co-Abhängigkeit zu informieren. Du kannst nicht für ihn sein Leben in den Griff bekommen - die Motivation muss von ihm selbst kommen.

Schöne Grüße,
sandfloh

julivert
20.11.2006, 15:25
Was ihr schreibt liest sich gut denn es ist viel Wahres dran. Danke für jedes einzelne Feedback, es hat mich ein Stück weiter gebracht. Ich antworte gesammelt.

Klar habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht, was mein Anteil in dieser Beziehung ist und warum ich mir den Typen ausgesucht habe. Gerade so einen mit einer derartigen Problemstellung...

Ist ja immer auch ein Spiegelbild der eigenen Unzulänglichkeiten. Ja ich will ihn unterstützen, aber nein ich will bestimmt nicht sein Leben managen. Der schmale Grad das eigene Verhalten entsprechend dieser Haltung zu kontrollieren ist wohl die Lösung. Ich arbeite dran, für mich meine Grenze bewusst zu ziehen.

Ich hab mich auch schlau gemacht was das Aufmerksamkeits Defizit Syndrom betrifft und und zu 88% passen die Symptome tatsächlich auf sein Verhaltensmuster.

Der Hinweis auf Co-Abhängigkeit ist denke ich nicht mein Thema.

Ich nehme mich nun seit einer Woche ganz bewusst zurück, halte mich raus und kommentiere sein Verhalten nicht weiter. Ich lasse ihn machen wie er will und beisse mir auf die Zunge wenn nötig.

Er hat es nicht mal eine Woche durchgehalten sein eigens auferlegtes Lern- und anti Internetprogramm durchzuziehen. Ihm ist es unangenehm vor mir. Ich sage dazu nichts. Das war sein Plan nicht meiner. Er tut es für sich nicht für mich.
Aber das genau scheint er gar nicht zu checken.
Ich beobachte was mit uns passiert.

Goldammer
20.11.2006, 20:43
Ich bin der Motor, bringe ihn auf Spur!!!!
Als ich das gelesen habe, dachte ich zuerst das kann doch nicht "Wahr" sein.
Keinen Menschen kann man ändern, (ausser sich selbst,) außer er sieht SELBER ein das es notwendig ist. Wenn seine "Fehler" eure Beziehung stören/zerstören, dann überlege was du von dieser Beziehung hast. Jemanden auf den richtigen Weg zu bringen, sollte Therapeuten oder Sozialarbeitern überlassen bleiben.
Wenn er sich "wirklich" ändern will, dann muß er bereit sein sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen und sich Hilfe von Fachleuten holen(aber dazu muß die Bereitschaft von ihm kommen)
wenn nötig. Dann kannst du ihn dabei unterstüzen. doch solltest du aufpassen, daß du dir nicht die Rolle der leidenden Partnerin überstülpst - sonst bleibt keinem eine Chance, weder dir noch Ihm.

Lg. Goldammer


Man sollte nicht auf Dinge warten, die man selbst möglich machen kann.

Hija-de-la-luna
02.12.2006, 22:52
Hallo Julivert,
dein Problem kenne ich gut. Es regt einen einerseits tierisch auf, anderseits will man helfen weil man ja liebt. Ich habe mich auch schon oft gefragt ob mein Partner nicht mal ganz alleine da stehen müsste und notfalls auf die Schnauze fallen und merken: so nicht, ich muss mein Leben in die Hand nehmen. Die Antriebslosigkeit die dur beschreibst könnte auch auf Depression hinweisen. Das Buch "Wenn der Mensch den du liebst depressiv ist" fand ich gut. Es hilft, die Wut zu bekämpfen und mehr Geduld und Verständnis aufzubringen. Klar ist, dass man nicht immer verständnisvoll sein kann und geben. Du brauchst auch eine Starke Schulter...und die kann er dir nicht geben. Ich denke es ist wichtig dass du Kontakte zu Freunden pflegst und dir dort Rat und Kraft holst. Ich wünsche dir alles Gute!

Wildrose
03.12.2006, 17:12
Hallo Julivert,
ich kenne seit ein paar Monaten auch so einen Mann, der im Jahr zuvor einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt hinter sich hatte. Er hatte auch jahrelang studiert und im Referendariat hat seine unentdeckte Depression und Internetsucht zum Zusammenbruch geführt. Mittlerweile ist er gut im Beruf gelandet, hat aber immer noch therapeutische Begleitung nötig. Hintergrund ist oft eine tiefe Not, Bindungsängst, frühkindliche Erfahrungen o.ä.
Vielleicht liegt sowas bei "Deinem" auch (noch unentdeckt) vor?
Gruß,
Wildrose