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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mutter nicht mehr an gutem Verhältnis interessiert?



Inaktiver User
14.11.2006, 22:33
Hallo Ihr,

ich habe ein Problem mit meiner Mutter, das mich sehr belastet, und ich hätte gerne mal Eure Meinungen dazu bzw. würde gerne wissen, ob andere ähnliche Erfahrungen machen.

Meine Eltern leben schon lange getrennt. Das Verhältnis zu meinem Vater ist gut, das zu meiner Mutter schon lange probematisch. Wir sind sehr verschieden, und noch dazu hat sie die Trennung von meinem Vater nicht wirklich verkraftet und lädt noch sehr viel Wut auf ihn bei mir ab. Außerdem hat sie eine chronische Krankheit (nichts Lebensbedrohliches, aber eben auch gar nicht schön), die sie oft sehr runterzieht. Es ist schon lange so, dass ich mit meiner Mutter meistens nicht mehr richtig reden kann - ich bekomme oft nur Wut, Sorgen, Selbstmitleid und Aggressionen auf alles Mögliche zu spüren. Oft komme ich bei Telefon- oder auch persönlichen Gesprächen kaum zu Wort.

Nun ja, im Mai hatten wir einen riesigen Streit. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber es war heftig. Ich war unheimlich verletzt uns schockiert über ihr Verhalten, aber wir beide haben uns falsch verhalten in dieser Situation; ich auch. In dem Moment ist mir allerdings bewusst geworden, wie sehr ich die ganzen Jahre unter ihrem Verhalten gelitten habe und dass sich bei mir auch unheimlich viel hilflose Wut angestaut hat. Ich habe diesen Streit dann zum Anlass genommen, um unser Verhältnis mal zu überdenken. Am Anfang stand der Streit aber so sehr im Vordergrund, dass ich mich kaum auf was Anderes konzentrieren konnte, vor allem weil ich das Gefühl hatte, dass ich meinen Fehler bei dem Streit eingesehen und mich auch aufrichtig entschuldigt habe und sie ihrerseits aber nicht. Na ja, ich hab ihr dann gesagt, dass ich erstmal nicht mehr mit ihr telefonieren möchte (das waren sowieso meist unangenehme Gespräche) und sie auch erstmal nicht mehr sehen möchte, sondern dass wir uns ja vielleicht Briefe schreiben können, weil mir aufgefallen ist, dass in unseren Gesprächen nie wirklich eine Verständigung zustande kommt, und weil ich gehofft habe, dass es beim Schreiben vielleicht besser geht. Sie fand diesen Vorschlag auch gar nicht schlecht.

Seit Juni schreiben wir uns Briefe, so ein, zwei pro Monat. Sie hat sich dann auch entschuldigt für ihr Verhalten bei dem Streit, und ich habe ihr auch viele Sachen geschrieben, die mich von früher noch belasten, auch darauf ist sie eingegangen. Ich hatte schon den Eindruck, dass diese Kommunikation über die Briefe besser klappt als das ganze Reden. Nur war es irgendwie so, dass meine Mutter keine Überlegungen einbrachte, wie es in Zukunft vielleicht mal besser laufen könnte. Ich habe mich dann mit vertrauten Menschen darüber unterhalten, und alle meinten, dass ich dann eben einfach mal sagen soll, was ich in Zukunft nicht mehr bzw. anders haben möchte. Nun hab ich das gemacht und ihr vor zwei Wochen einen langen und wirklich sehr persönlichen Brief geschrieben, in dem ich auch gesagt habe, was ich in Zukunft einfach nicht mehr will bzw. was ich auch einfach nicht mehr ertragen kann. Ich habe auch klar gemacht, dass ich mich gerne besser mit ihr verstehen möchte, aber dass man dafür eben auch etwas tun muss. Ich habe aufgezählt, was ich mir anders wünsche und geschrieben, dass sie sich ja vielleicht mal dazu äußern kann und mir auch sagen kann, wie sie sich eine gute Mutter-Tochter-Beziehung vorstellt. Ich habe keine "Forderungen" gestellt oder so, sondern nur Wünsche geäußert und ich hätte mich gefreut, wenn sie ihre Wünsche auch geäußert hätte. Statt dessen war es so, dass sie fast zwei Wochen gar nicht geantwortet hat und heute kam eine Karte. Vorne war ein Text aufgdruckt, der in wirklich lieben Worten äußerte: Ich vermisse dich. Hinten stand nur drauf: vom Mami für Dich. Das war's. Da hab ich erstmal gedacht, mein Brief wäre vielleicht gar nicht angekommen. Ich hab sie kurz angerufen (wir hatten in den letzten Monaten zwei, drei Mal ganz kurz telefoniert) und gefragt, ob sie meinen Brief bekommen hat. Da meinte sie, ja, aber sie hätte "keine Lust" mehr auf die Schreiberei und hätte gehofft, dass ich auf die Karte hin mal anrufe. Dann fragte sie in einem (meiner Ansicht nach irgendwie provozierenden Stimme), ob ich fände, dass sie es sich zu einfach macht. Ich hab gesagt, dass ich das sehr wohl finde und dass ich es zum K... finde, dass sie nicht wenigstens mal Bescheid gesagt hat, dass mein Brief angekommen ist. Sie meinte, sie hätte in den letzten beiden Wochen so viel zu tun (warum weiß der Geier; sie geht nicht arbeiten und hat eigentlich nicht wirklich viel zu tun), und dass sie bei dem ganzen Stress keinen Nerv gehabt hätte, sich damit zu beschäftigen. Dann kam in dieser fürchterlichen "Opferstimme", die sie manchmal hat: "ja, ich hab es zur Kenntnis genommen, was du willst, und ich akzeptiere alles." Toll! Ich hab ihr gesagt, dass ich mir aber gewünscht hätte, dass SIE auch mal sagt, was sie sich wünscht oder wie sie sich ein gutes Mutter-Tochter-Verhältnis vorstellt, und da meinte sie nur: "Das weiß ich nicht." Und das in einem absolut kalten Tonfall. Da war ich dann richtig fertig und hab nur gesagt, wenn das so ist, dann soll sie mir meine Ruhe lassen, bevor ich aufgelegt und losgeheult hab. Ich weiß auch nicht, mich macht das fertig. Ich habe mir sehr viel Mühe mit dem Brief gegeben und es hat mich auch viel Energie gekostet. Und ICH habe ihr geschrieben, obwohl ich total viel Stress an der Uni habe und kaum noch Zeit für irgendwas. Aber das mit meiner Mutter ist mir wichtig, und dafür hab ich mir dann eben die Zeit genommen! Ich habe geglaubt, dass wir auf eine Versöhnung und ein besseres Verhältnis zusteuern, aber anscheinend wohl nicht. Ich frage mich, ob ich ihr überhaupt noch wichtig bin. Ich bin einfach nur noch traurig. :heul:

Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht?

Liebe Grüße

Tigerette

Inaktiver User
15.11.2006, 18:42
Hallo Tigerette,

ja, ich habe ähnliche Erfahrungen mit meiner Muter, wenn auch in einer anderen Konstellation. Meine Eltern sind noch zusammen, und sie verteidigt meinen jähzornigen und oftmals sehr ungerechten Vater bis zur eigenen Unkenntlichkeit und vor allem im Streit auch gegen mich, auch wenn die Situation noch so absurd ist. Ich empfinde das als Verrat. Ein wirklicher Austausch zwischen uns beiden findet außerdem schlicht nicht statt. Eine Zeit lang habe ich mich trotzdem aktiv um ein Verhältnis zu meiner Mutter bemüht - wohl, weil ich mir eben diesen Austausch wünschte. Mittlerweile bin ich ehrlich gesagt aber dabei, es aufzugeben. Die emotionale Erpressung per Vorwürfen und Leidensmiene/-stimme kenne ich übrigens auch. Ätzend.

Ich kann absolut nachvollziehen, dass Du enttäuscht bist, und das vermutlich nicht zum ersten Mal. Nüchtern betrachtet könnte man es aber so sehen: Was hat Deine Mutter davon, sich mit Dir auseinanderzusetzen? So wie Du es schilderst, kann sie eigentlich in der Auseinandersetzung nur verlieren, muss vermutlich Zugeständnisse machen, die sie durch ihre bisherigen Verhaltensweisen (totquatschen, Vorwürfe) vermieden hat. Und dagegen scheint sie sich zu wehren. Ich kann Dir nur empfehlen, beharrlich weiter Deinen Standpunkt zu vertreten, wenn er aus Deiner Sicht berechtigt ist. Es nutzt nichts, sich um anderer Menschen willen zu verbiegen, auch wenn es nahe Verwandte sind.

Viel Glück und Kopf hoch,

MaryP.

putzmuffel
15.11.2006, 18:49
Also, den Schluß habe ich nur noch quer gelesen.

Du kämpfst um ein gutes Mutter - Tochter Verhältnis, wirst du nie haben, verabschiede dich davon. Nicht Jedes Kind passt zur Mutter.

Als ich mit 24 Jahren zu hause ausgezogen bin - die Worte meiner Mutter: Wenn du jetzt ausziehst brauchst du dich bei mir nie wieder blicken lassen - habe ich auch getan und bin in psychologische Behandlung gegangen, 8 Wochen Krankenhaus.

Damit du meine harten Worte besser verstehst.

Nun wird sie aber alt und hätte doch gerne Hilfe, aber ich bin wie mein Vater und mit mir kann sie nicht auskommen, dabei habe ich so viel von ihr.