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LEBENSWEG
14.11.2006, 12:21
Guten Tag allen hier,...
ich war soeben bei der Beerdigung einer alten Dame, (der Mutter einer Bekannten, die sehr unerwartet starb) und konnte mich am offenen Grab gar nicht gut zusammen nehmen, da mich die Situation all zu sehr an die Beisetzung meiner Mutter erinnerte, die vor einem Jahr ebenfalls sehr plötzlich verstarb. ich habe dann einfach die Flucht ergriffen und mich nicht mehr zum Kaffeetrinken begeben,- ich bin einfach abgehauen. Ich dachte, mein Abstand zu solch traurigen Begebenheiten habe sich vergrößert, offenbar ist dies aber nicht der Fall.
Ich muss dies an dieser Stelle (von der man zuweilen mehr Verständniss und Einfühlsamkeit erfährt, als im Verwandten -oder Bekanntenkreis) einfach einmal loswerden...

Herzliche Grüße, Kraft und gute Gedanken allen Menschen, deren Trauer auch schon lange bzw. immer noch andauert.
LW

ness
14.11.2006, 14:51
ich versteh allzugut, was du meinst!!!!
das passiert mir in letzter zeit oft, dass ich denke, ich bin mit meiner trauerarbeit ein gutes stück weitergekommen. und dann is was, wo ich plötzlich merk, dass ich doch nicht so weit bin, wie ich dachte.
wo die wunde vielleicht wieder neu aufgerissen wird und sich alles wieder frisch anfühlt.
aber tröstend, dass man wenigstens hier verstanden wird, nicht wahr?
ganz liebe grüße
ness

Inaktiver User
14.11.2006, 15:07
manchmal reicht dafür nur ein einziges WORT, um Erinnerungen zu wecken die einen dann überrollen...
das muss nicht mal ein offenes Grab sein, was ja jedem an die Nieren geht
1 Jahr ist gar nicht lang, nach einem Jahr hat man noch keinen "Schutz" innerlich aufbauen können

neulich hörte ich im Fernsehen das Wort "Wunschkost" (bekommen Schwerstkranke und Sterbende) - da war dieses Gefühl des Entsetzens und der Ohnmacht wieder da, schlagartig - und dabei habe ich schon 4 Jahre Abstand zu den Ereignissen



Ihr Lieben, paßt gut auf euch auf, überfordert euch nicht


liebe Grüße
Lavendelmond

Inaktiver User
14.11.2006, 20:15
"Leider" hat Lavendelmond recht. Mein Lebensgefährte war letzte Woche 5 Jahre tot. Kurz vor seinem Tod hatte ich ihn das letzte Mal gesehen als Vollmond war. Nun ging es mir eigentlich das ganze Jahr wieder gut. Er hat seinen Platz in meinem Herzen, aber ich fühle mich zu jung, als dass ich immer trauern wollte. Dank Trauerbegleitung und intensivem Auseinandersetzen mit seinem Selbstmord dachte ich Anfang des Jahres, ich wäre drüber weg, habe sogar eine kleine Affäre anfangen können. Ich hatte auch aufgehört, den Mond zu beobachten.

Und letzte Woche, nicht an seinemTodestag, war ich abends mit Freunden unterwegs, ging aus dem Restaurant zum Auto, sah den Vollmond und fing einfach an zu weinen. Und bin weinend nach Hause gefahren und war soo unglücklich. Jetzt nach 1 Woche berappele ich mich wieder so langsam, aber jetzt weiß ich auch: Es wird immer diese Momente geben, in denen auch heute noch die Welt unterzugehen droht.

Und - mit einer Woche Abstand - finde ich es sogar beruhigend: Ich bin jetzt sicher, dass ich ihn niemals verlieren werde. Ich bin sicher, dass ich mein Leben auch ohne ihn gut und erfreut führen kann, und ihn trotzdem bei mir behalte. Ich hatte nämlich davor ein wenig Angst: dass ich in 20 Jahren plötzlich denke, da war doch mal jemand. Und deswegen habe ich mich bewußt und unbewußt auch immer wieder gehindert, zu viel Freude zu haben.

Vielleicht versteht ihr, was ich meine?!

Kranich

Nanne54
16.11.2006, 23:52
Ich glaube es wird immer wieder Momente und Situationen im Leben geben, wo die Erinnerung da ist und alles wieder zurück kommt, der Schmerz, die Tränen. Ich kann z.B. das Lied Time to say goodbye nicht hören, ohne anzufangen zu weinen, das wurde als letztes Lied bei der Trauerfeier für meinen Bruder gespielt.

Liebe Kranich ich verstehe was Du meinst, laße für Dein Leben wieder ganz viel Freude zu,und nicht nur ein bischen, wohl dosiert. Er hätte es bestimmt auch so haben wollen.


Unsere Toten sind nicht abwesend,
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer.

Seid ganz lieb gedrückt von Nanne

LEBENSWEG
17.11.2006, 07:53
Hallo Nanne,
ein schöner Spruch...
"Unsere Toten sind nicht abwesend,
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer."
ich habe einmal von meiner verstorbenen Mutter geträumt, in diesem Traum hat sie mich mit strahlend blauen Augen angesehen.
Sie fehlt mir so.
LW

ness
19.11.2006, 12:10
Lieber Lebensweg!
gestern hab ich an dich denken müssen!!!
ich hab ein kinderbuch gesehen - zufällig: "mein opa hat einen schwarzen anzug an". es geht um ein kind, das seinen opa im sarg sieht. dadurch soll es besser verstehen, was da grad passiert.
ich sollte das buch anschauen und mit anderen darüber diskutieren, ob das kindergerecht is und ob ich sowas meinem kind auch kaufen würd.
mir sind die tränen in die augen geschossen und ich hatte mühe, ned vor allen anzufangen zu heulen. und auch jetzt , beim schreiben, laufen mir die tränen runter.
es hat mich sehr schockiert, dass mich das soo unerwartet wieder aus der bahn geworfen hat.
ich fühle mit dir, lieber Lebensweg!
alles, alles Liebe dir
ness

Miriam68
26.11.2006, 19:54
Hallo LW

Habe Deinen Beitrag erst jetzt gesehen. Ich kenne das so gut ... meinte kürzlich, ein bisschen Abstand gewonnen zu haben, obwohl der Tod meiner Schwester erst anderthalb Monate her ist.

Dann sah ich kürzlich jemanden mit einem Haarschmuck in Form einer Sonnenblume - und musste den Raum fluchtartig verlassen.

Sonnenblumen waren die Lieblingsblumen meiner Schwester ...

Ich kann momentan kein Pink Floyd mehr hören und auch nicht Katie Melua - die Musik wurde bei der Trauerfeier gespiert.

Hab kürzlich den TV frustriert abgeschaltet, weil sich eine süsse Liebeskomödie sich plötzlich als Drama entpuppte (die Frau hatte Krebs; meine Schwester starb an lungenkrebs).

Was mir persönlich hilft: Immer wieder ganz bewusst Dinge tun, die MIR Freude machen. Mir allein. Die ich immer bewusst für mich getan habe, die mit keinen traurigen Erinnerungen verbunden sind.

Bei mir kann das was Triviales sein wie: Zum 10. Mal die Herr-der-Ringe-Trilogie anschauen. Oder irgend nen Science-Fiction-Kracher. Weil ich diese Art von Filmen liebe ... meine Schwester konnte sie übrigens nicht ausstehen.

Was mir auch gelegentlich guttut: Geistige Zwiesprache halten. Meiner Schwester mitteilen, dass es uns gut geht, dass wir unseren Weg unbeirrt weiterverfolgen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen.

Ich merke schon ... ich sollte von meiner eigenen Medizin schlucken ...

Liebe Grüsse

Miriam68