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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zivildienst direkt nach Lehre?



Sitta05
13.11.2006, 10:05
Liebe Bricom,

unser Sohn macht gerade seine theoretische Prüfung als Feinwerkmechaniker, Mitte Februar ist er nach der praktischen Prüfung mit seiner Ausbildung fertig und kann nicht vom Lehrbetrieb übernommen werden (Uni, da gibts keine neuen Stellen mehr...). Er meint, dass er sich nirgends bewerben kann, solange er nicht gemustert ist. Jetzt hat er auf Nachfrage vom Kreiswehresatzamt in zwei Wochen einen Musterungstermin bekommen. Dann kann er gleich angeben, dass er Zivildienst machen möchte.
Zwischenzeitlich habe ich aber erfahren, dass Jungs aus dem vorhergehenden Jahrgang gleich eine neue Stelle angetreten haben, obwohl sie noch nicht gemustert waren. Ist das jetzt blöd, dass er sich mustern lässt und vielleicht gleich am März eine Zivistelle annimmt und dann nach 9 Monaten keine Stelle kriegt, weil er gar keine Berufserfahrung im Lehrberuf hat und seine Ausbildung dann zu lange zurückliegt bzw. nicht mehr aktuell genug ist?

xanidae
13.11.2006, 13:07
weil er gar keine Berufserfahrung im Lehrberuf hat und seine Ausbildung dann zu lange zurückliegt bzw. nicht mehr aktuell genug ist?

hm, kommt darauf an, wo er zivildienst macht. möglicherweise kann er seine fähigkeiten als zivi einsetzen (behindertenwerkstatt z. b.).
auch kann der arbeitgeber es positiv werten, dass er den zivildienst schon hinter sich hat. auch kann ein gutes zivizeugnis (muss man glaube ich verlangen) die lehrstellensuche positiv beeinflussen. bei meinem kollegen stand drin, dass er sehr pünktlich sei - alleine diese aussage hat einen meister dazu bewogen ihn zu nehmen. er wolle endlich mal einen pünktlichen lehrling haben (kollege hat gleich nach dem abi, zivi gemacht und sich dann für eine lehre entschieden).

Inaktiver User
14.11.2006, 11:32
hmm - bei uns ists derzeit so, dass ein mitarbeiter, der gerade seit diesem Jahr hier ist, im Februar seinen Zividienst antritt - und Cheffe ärgert sich schon, dass er ihn eingestellt hat, weil gerade nach so kurzer Zeit wieder ein Wechsel stattfindet.

von daher würde ich sagen - erst Zividienst, und dann währenddessen bewerben für neuen Job, oder? dann weiß jeder, dass er auch voll auf ihn zählen kann und er nicht mehr gezogen werden kann.

Blondine
14.11.2006, 13:12
Naja, das Ganze geht doch wohl von Deinem Sohn aus.
Er hat die Musterung angeleiert, sich einen Termin geben lassen.

Den wird er jetzt so einfach bestimmt nicht wieder los, egal ob Du es gut und sinnvoll findest.

Wieso mischt Du dich eigentlich in seine Lebensplanung ein.
Glaubst Du, er hat das nicht umrissen, daß er noch keine Beufserfahrung hat?
Evtl. hält er es für wichtiger, einem künftigem Arbeitgeber sagen zu können, ich bleibe dann für fest, habe schon Zivildienst geleistet. Könnte auch als Pluspunkt gewertet werden.

Und, es gibt da noch die Überlegung, warum es ihn sofort zum Zivildienst hinzieht, evtl. möchte er in seine Beruf gar keine Berufserfahrung erwerben und lieber was Soziales machen und nutzt den Zivildienst als Absprung.
Ich kenne einige, die es so gehandhabt haben.

Aber, das sind doch wohl Überlegungen die sich Dein erwachsener Sohn macht.
Also, laß das doch alles Deinen Sohn entscheiden und regeln.
Ist doch sein Leben. Er bekommt es doch offensichtlich auch hin.
Wie alt ist er nochmal, der Junge, doch bestimmt längst volljährig, oder?

Gruß, B.

Inaktiver User
14.11.2006, 17:02
Egal, wer schuld ist *g*: Zuerst Zivildienst/Wehrdienst, dann neuer Job (ich bin die "Arbeitgeberseite").

Sitta05
15.11.2006, 08:45
Liebe B.

zu der Frage von mir gibt es noch ein paar Infos, die in meinem posting nicht aufgetaucht sind und wohl deshalb auch zu deiner verständlichen Reaktion geführt haben - da muss ich noch einiges zur Klärung beitragen. Beim Kreiswehrersatzamt habe ich angerufen, weil mein Sohn (inzwischen 19) sich zwar zu vielem Gedanken macht, es aber an der Umsetzung hapern lässt. Und die Vorstellung, dass er im Februar nach der prakt. Prüfung erst mal anfängt darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll, schien mir nicht so optimal.
Er war bis zu Beginn seiner Ausbildung in einem Internat, weil er psychische Probleme hatte und hat dort 5 Jahre bis zum Schulabschluss verbracht. Er wurde in der Schule zuhause lange gemobbt, konnte sich nicht wehren und sich in einem großen Klassenverband nicht behaupten. Im Internat, in einer überschaubaren Kleingruppe mit individueller Förderung lief vieles für ihn besser und die Ausbildung macht er auch in einem relativ überschaubaren Rahmen und nicht in einer großen Firma, aber er ist "der Welt da draußen" in vielem noch nicht gewachsen. Deshalb ist es immer für uns eine Gratwanderung, inwieweit wir ihn unterstützen und ihm Dinge abnehmen und wie er möglichst selbständig wird. Er wohnt bei uns und holt noch ganz viel Nestwärme nach - deshalb ist es nur auf den ersten Blick ungewöhnlich, dass wir uns soviel "einmischen". Er hat ein sehr enges Verhältnis zu uns und ist froh darüber, dass wir ihm bei solchen Dingen helfen - dass er Zivildienst machen möchte, ist aber für ihn schon länger klar. Aber er hat eben so gar keine Vorstellungen, was er weiter tun möchte, weil er sich einfach nichts zutraut. Klar muss er manche Erfahrungen selber machen und Entscheidungen treffen. Abe

Blondine
18.11.2006, 11:09
Hm, wäre es nicht die gelungenste Lösung, wenn sie ihn Ausmustern?
Da wird sich schon ein Grund finden lassen.
Da würde ich mich an Deiner stelle mal irgendwie kundig machen, wie das am einfachsten geht ...
Soll aber klappen, ich hab es jedenfalls schon öfter mal erzählen hören.
Denn die Bundeswehr und der Zivildienst können schon auch recht schlecht laufen. Manche versumpfen richtiggehend.
Ich kenne einige, die in dieser Zeit ganz schön abgebaut haben und hinterher nur schwer aus dem Schlendrian wieder raus gefunden haben.

Gruß, B.

Monschum
18.11.2006, 22:29
Hallo Sitta,

hat dein Sohn denn Vorstellungen davon, was er in seinem Zivildienstjahr machen will?
Wenigstens eine Planung, in welche Richtung es gehen soll?
Ist auch schon reichlich spät um sich auf die Socken zu machen.

Ich finde es gar nicht schlimm, wenn du ihm hilfst. Das habe ich damals bei meinem Sohn auch gemacht.(Ich habe ihm eine Stelle in einer Klinik verschafft. Allerdings wusste ich nicht, was da auf ihn zukam. Oh Schreck!.)
Unsere männlichen Häschen sind halt immer ein wenig zerstreut und wenn man da nicht mal ein bisschen schiebt.....

Ich denke, Zividienst an der richtigen Stelle kann deinem Sohn zu einer Stabilität verhelfen.
Selbstverständlich kein Dienst bei der Bundeswehr, da wäre er das geborene Opfer.

Er sollte, wenn er zur Musterung geht, sich die Papiere genau ansehen.
Sie sind voller Tücken und eigentlich nur dafür da, die Jugendlichen zum Wehrdienst zu erfassen.
Mein Sohn hat sich damals furchtbar darüber aufgeregt und gleich einem anderen noch geholfen, der sich beinahe nicht nur für den normalen Wehrdienst eingetragen hatte, sondern auch gleich noch für den Auslandseinsatz. Dabei wollte er Zivildienst machen und hatte auch schon eine Stelle.

Also warne deinen Sohn vor.

Ich wünsche dir, dass alles gut geht und er eine Stelle findet, die ihm Spaß macht, dann kann der Zivildienst eine richtig gute Sache für sein Selbstwertgefühl werden.

Viele Grüße mon