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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Parkplatzunfall = automatisch 50% Mitschuld?



eimert
08.11.2006, 18:36
Hallöle,
meine Frau ist als Geschädigte in einen "Parkplatzunfall" verwickelt. Die gegnerische Versicherung will nur 50% der Reparaturkosten bezahlen. Dieser Unfall ist insofern "untypisch", als meine Frau WÄHREND des Ausparkens bemerkt hat, dass ein gegenüberstehendes Fahrzeug mit dem Ausparken BEGINNEN wollte (Rückfahrscheinwerfer leuchtete auf). Daraufhin STOPPTE meine Frau ihren Wagen, um dem anderen Fahrer Zeit zu geben, sich zu orientieren. Dieser fuhr jedoch mit großem Schwung, offenbar ohne sich umzuschauen, aus der Parklücke und fuhr auf unseren STEHENDEN Wagen auf. Dafür haben wir auch einen Zeugen. Die gegnerische Fahrerin gestand sofort ihre Schuld ein und alles würde über ihre Versicherung geregelt (Kostenabtretung an Werkstatt). Die Versicherung hat dem auch telefonisch zugestimmt. Jetzt, nach der Reparatur und meinem Widerspruch gegen die 50%ige Zahlung, fordern sie einen Unfallbericht und Fotos und behaupten, Aussage würde gegen Aussage stehen (ohne den Zeugen befragt zu haben und obwohl die Fahrerin auch der Versicherung gegenüber gesagt hat, dass sie auf ein stehendes Fahrzeug aufgefahren ist). War schon beim ersten Anwalt, der hat aber abgelehnt, den Fall zu übernehmen, da der gegnerische Versicherungshalter der Bürgermeister ist! Er meint auch, dass ich bei einer Klage schlechte Karten hätte, da in der Regel die 50% Regelung eintritt. Dies ist aber m.E. kein Regelfall mit gleichzeitigem Ausparken etc. Habe gerade einen zweiten Anwalt kontaktiert, aber noch keine Antwort. Welche Optionen hätte ich denn noch, und wie ständen meine Chancen vor Gericht (habe leiner noch keine Rechtsschutzversicherung).
MfG,
K.E.

Tante_dorothee
09.11.2006, 08:53
parkplatzunfälle sind immer heikel.

sowas ist meinem mann mal passiert, er hat sogar noch gehupt, was die ausparkende unfallgegnerin aber nicht hören konnte, weil sie so laut musik anhatte.
er hat die polizei gerufen.
die hat dann erklärt, auf dem parkplatz gelte nun mal der grundsatz der gegenseitigen rücksichtnahme und somit wären beide schuld.

daher haben wir es gelassen, irgendwas zu unternehmen und mein zu dem zeitpunkt 6 monate altes auto hatte eine stoßstange mit eingerissenem lack. hat es immer noch.

ich weiß natürlich nicht, wie hoch der schaden an eurem auto ist. außerdem habt ihr ja einen zeugen.

ohne rechtsschutzversicherung ist es allerdings ziemlich heikel und kann teuer werden.
denn m.e. kannst du jetzt auch keine mehr abschließen, die dann die kosten für diesen fall übernehmen würde.

eimert
09.11.2006, 19:42
parkplatzunfälle sind immer heikel.

sowas ist meinem mann mal passiert, er hat sogar noch gehupt, was die ausparkende unfallgegnerin aber nicht hören konnte, weil sie so laut musik anhatte.
er hat die polizei gerufen.
die hat dann erklärt, auf dem parkplatz gelte nun mal der grundsatz der gegenseitigen rücksichtnahme und somit wären beide schuld.

daher haben wir es gelassen, irgendwas zu unternehmen und mein zu dem zeitpunkt 6 monate altes auto hatte eine stoßstange mit eingerissenem lack. hat es immer noch.

ich weiß natürlich nicht, wie hoch der schaden an eurem auto ist. außerdem habt ihr ja einen zeugen.

ohne rechtsschutzversicherung ist es allerdings ziemlich heikel und kann teuer werden.
denn m.e. kannst du jetzt auch keine mehr abschließen, die dann die kosten für diesen fall übernehmen würde.

Vielen Dank für die Antwort. Das deckt sich leider mit den meisten Aussagen, die ich bis jetzt gehört habe. Was mich dabei so ärgert, ist das zumindest sehr fragwürdige Vorgehen der Versicherung in diesem Fall. Von Nichthabenwollen meines Unfallberichtes über Nichtbefragung der Zeugen bis zur nachträglichen Forderung von Fotos. Vielleicht hilft ja eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über dieses Vorgehen. Keine Ahnung, ob das irgendeine Auswirkung auf meinen Fall hätte, aber vielleicht würde es ein korrekteres Verhalten der Versicherung in Zukunft fördern...
Besten Dank,
K.Eimert

Inaktiver User
13.11.2006, 19:40
Und was lernen wir daraus?

Daß ein privater Beweissicherungs-Service (vor allem wenn er fast nichts kostet) für Autofahrer durchaus sinnvoll sein kann. Infos kann man wie folgt anfordern: ***


dann links oben"Automobilclub" klicken
dann links "Angebotsformular" anwählen und ausfüllen.

Im Kommentarfeld einfach angeben, daß Du Infos über den privaten Beweissicherungs-Service haben möchtest und dann absenden...

Dieser wird umso wichtiger als die Polizei bei Bagatell-Fällen meist überhaupt nicht mehr kommt und den Schaden aufnimmt. So kommt sofort ein Sachverständiger und sichert die Beweise. Er fotografiert und fertigt ein Schadensgutachten an. Bis auf einen kleinen Selbstbehalt zahlt das alles .....

Also mir ist es das wert!
lg. justii

Minniemaus
13.11.2006, 21:27
Mir ist Ende letzten Jahres auch ein Parkplatzunfall passiert. Da die Eigentümerin des anderen Fahrzeugs nicht nach wenigen Minuten aufkreuzte, habe ich die Polizei telefonisch informiert, die dann auch anrückte. Vom Unfallgeschehen in der Unfallsituation hatte ich sofort Fotos via Handy gemacht, damit, falls mein Unfallgegner Ansprüche geltend machen würde, keine Chance hatte noch irgendwelche "zusätzliche" Schäden anzugeben.....
Es wurde durch die Polizei ein Unfallbericht geschrieben und auch die Handyfotos wurden nach Begutachtung des anderen Fahrzeugs (durch Eintreten der Dunkelheit nur mit Taschenlampe möglich) angesehen.

Glücklicherweise hatte ich, nachdem sich die Unfallgegnerin am nächsten Tag telefonisch bei mir meldetet, an dem anderen Fahrzeug keinen Schaden verursacht, sondern war nur ganz leicht "angetickt".

Trotzdem kann ich immer wieder nur empfehlen bei Zusammenstössen von Fahrzeugen sofort Bilder (wenigstens auf Handy) von der Unfallsituation zu machen und auf jeden Fall die Polizei zu verständigen und den Unfall aufnehmen zu lassen, damit man auf der sicheren Seite ist.

Jetzt im Nachhinein ist es immer schwer die oben beschriebene Situation des Ausgangsposters tatsächlich wiederzugeben.

LG
die Minniemaus

Inaktiver User
13.11.2006, 21:58
...vor vieeeeeeelen Jahren hatte ich einmal einen Unfall.

Ich bin auf schneeglatter Strasse hinter einem VW-Passat an einer Ampel zum Stehen gekommen. Vor uns war schon eine kleine Schlange an Fahrzeugen, die alle anfuhren nachdem die Ampel wieder auf Grün gewechselt hatte.

Auch der Passat vor mir fuhr an...
und bremste sofort wieder. Dies führte dazu, daß mein etwas schwererer Mercedes den Passat noch leicht antippte (so leicht, daß nicht einmal das Schneehäubchen auf den Fahrzeugkennzeichen umgefallen waren). Dies konnte nur passieren, weil ich ja an der Ampel näher auf den Vordermann aufgefahren war. Während der Fahrt halte ich ansonsten ziemlich genau die notwendigen Sicherheitsabstände ein. Der Passatfahrer sprang sofort laut schreiend aus dem Auto und wedelte mit einem Formular herum, welches sich als Schuldeingeständnis heraus stellte. Dieses habe ich selbstverständlich nicht unterzeichnet, worauf mir der Unfallgegner seine Personenangaben verweigerte.

Ich habe daraufhin zunächst die Polizei gerufen und den Fall geschildert, die Zeugen aufgeschrieben und meine Gattin hat in der Zwischenzeit Fotos vom Schadensort und den beiden Fahrzeugen gemacht. Mit dem Kennzeichen konnte ich ja über den Zentralruf auch die Daten des Unfallgegners erfragen...

Die Polizei lehte jedoch ein Kommen ab, da es sich um einen Bagatellschaden ohne Personenschaden handelte, worauf wir uns, nicht ganz friedlich, trennten.

Nach einigen Tagen bekam ich einen Kostenvoranschlag von weit über tausend D-Mark von einer VW-Werkstätte durch den gegnerischen Versicherungsvertreter zugestellt. Diese habe ich an meine damalige Versicherung weitergeleitet, mit den Zeugendaten und mit den Fotos...

Resultat: Von meiner Versicherung wurde ein Gutachter beauftragt, um den gegnerischen VW-Passat zu überprüfen. Nachdem mir der Termin bekannt gegeben wurde habe ich mir gedacht "da will ich dabei sein". Ich fuhr also zum angegebenen Zeitraum dort hin. Wir groß war mein Erstaunen, als der Passat mit einer vollkommen beschädigten Heck-Stoßstange dort ankam.

Das glaubst Du ja nicht! Hatte der tatsächlich ein vollkommen kaputtes Heck! Der Gutachter püfte die Höhe der beiden Fahrzeuge und stellte an meine Person gerichtet fest: "Ich kann nicht definitiv ausschließen, daß der Schaden durch Sie kommt. Die Fotos können natürlich zu jeder beliebigen Zeit geschossen worden sein und haben deshalb keinen Beweiswert. Die Versicherung wird wohl zahlen müssen..."

Und so kam es auch. Aufgrund dieser beachtlichen Gutachterleistung wurde jeder weitere Schritt zur vergeblichen Mühe. Selbst die Zeugen hatten plötzlich keinen effektiven Wert mehr. Lange Rede kurzer Sinn... Schlußendlich muße ich für den Schaden aufkommen, den ich so gar nicht verursacht hatte.

.... warum hatte der Vordermann sofort nach dem Anfahren wieder gebremst?
.... warum hatte er sofort ein Schadenseingeständnis-Formular zur Hand?
.... wie konnte der Unfallgegner an eine tatsächlich stark beschädigte Heck-Stoßstange kommen ohne daß beim Schaden eine Beschädigung festgestellt werden konnte?
... Fragen über Fragen, die vielleicht nie mehr geklärt werden können.

Vielleicht ist jetzt zu verstehen, warum ich so sehr auf diesen privaten Beweissicherungs-Service schwöre. So etwas hätte nicht passieren können, wenn sofort ein Gutachter an die Schadensstelle gekommen wäre...

lg. justii
PS: Naja, und seit 15 Jahren bin ich ja jetzt auch schon vom Fach und ich würde auf dieses und jenes noch besser achten...

Prijon
14.11.2006, 08:17
Mir im Mai passiert (das Verfahren ist noch anhängig)

Ich stehe ganz unschuldig in einer Fahrzeugschlange auf dem Parkplatz, als meine Vorderfrau bemerkt, dass direkt vor ihr ein Fahrzeug ausparkt. Um Platz zu machen, knallt sie den Rückwärtsgang ein und und brettert in meine vordere Stoßstange. Die haucht ebenso wie der Nebelscheinwerfer ihr unschuldiges Leben aus. Gleichzeitig handyfonieren und rückwärtsfahren konnte die Gute wohl nicht so gut.

Polizei? Wäre im Grunde gekommen - "aber wir haben einen anderen Einsatz, sie müssten 45 Minuten warten". Ob wir nicht zur Klärung des Sachverhaltes zur Wache kommen könnten.

Dort großes Palaver und Besichtigung der Fahrzeuge. Ansage des Polizeibeamten: Das war Unachtsamkeit beim Rückwärtsfahren. Die Frau solle sich "gütlich" mit mir einigen, ansonsten ziemlich happiges Bußgeld (wg. Hauptunfallursache und so)

Die Einigung sah dann so aus, dass sie zusagte, sich am nächsten Tag mit mir in der Werkstatt meines Vertrauens (keine Markenwerkstatt, also eher preiswerter) zu treffen.

Dort Besichtigung des Schadens durch den Meister und vorsichtige Kostenschätzung: Mindestens 1000 Euro.

Großes Gezetere: Das sei viel zu teuer. Sie übernehme den Schaden. Aber reparieren soll das Auto "ein Bekannter". Und Originalteile müssten es ja wohl auch nicht sein.

Da war ich es leid und habe einen Gutachter beauftragt (der kam auf 1600 Euro). Nach wochenlangem Hickhack der Bescheid ihrer Versicherung: Es sei alles ganz anders gewesen und man trage nur 50 Prozent des Schadens. Überwiesen wurden 600 Euro oder so.

Inzwischen liegt die Sache beim Anwalt, unklar ist im Moment, wer wen verklagt. Meine Versicherung hat sich nämlich bisher geweigert, die plötzlich aufgetretenen Forderungen der Unfallgegnerin anzuerkennen.

Mein Anwalt ist recht optmistisch, weil die Dame sowohl dem Polizeibeamten als auch dem Meister meiner Werkstatt gegenüber ihre Schuld an meinem Schaden eingeräumt hat.

Prijon