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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Miezen aneinander gewöhnen??



sabinemaria
08.11.2006, 15:50
Hallo!

Ich habe seit vier Jahren zwei Katzen (Findelkatzen, gleich alte Damen, keine Geschwister) - es sind Wohnungskatzen. Am Wochenende "musste" ich nun eine kleine, wilde Halbperserkatze retten, die mit einem Zentimeter Schnee bedeckt zitternd bei meiner Oma im Garten saß. Mein Herz ist soooo groß, wenn es um arme Kreaturen geht... :ooooh:

Lange Rede, kurzer Sinn: Fritzi (auch Mädchen, ca. vier Monate alt) ist bei uns eingezogen. Nach zwei Tagen "Quarantäne" im Badezimmer darf sie seit Montag raus. Meine zwei Damen waren sehr reserviert, bei weniger als einem Meter Entfernung gabs schon Gefauche.

Mittlerweile halten sich alle drei in einem Raum auf - freiwillig. Fini kommt auch schon ganz gut mit dem kleinen "Monster" zurecht, meine Mini ist allerdings sehr sehr zurückhaltend, fast schon kommt sie mir traurig vor. :niedergeschmettert:

Was kann ich für die "Alten" tun? Sie kriegen natürlich viel Zuneigung und Aufmerksamkeit. Wenn ich nachhause komme, werden natürlich die beiden zuerst begrüßt, erst dann das kleine Energiebündel. Aber was kann ich noch tun? Abwarten und Tee trinken? Bachblüten verabreichen? :wie?:

Danke für Eure Ratschläge!
Sabine

sabinemaria
09.11.2006, 11:49
Schubs!

Weiß denn niemand Rat??? Meine arme Mini ist nur halb so hoch wie normal und traut sich nicht mal richtig an dem kleinen Monster vorbei... :-(

Inaktiver User
09.11.2006, 12:04
Gib den Tieren Zeit !!!

Eine halbe Woche ist doch garnichts - oder würdest Du jemand innerhalb von ein paar Tagen ins Herz schließen, der gegen Deinen Willen bei Dir eingezogen ist ? :freches grinsen:

Das dauert schon so einen Monat, bis sich das eingespielt hat.

Und frag noch mal beim Tierheim nach bzw. schau in die Zeitung oder nach Anschlägen - vielleicht wird die kleine Katze irgendwo vermißt ?

Frau38
09.11.2006, 12:18
Hallo,

also Zeit brauchen die Miezen wohl wirklich.

Ich habe einen Kater zu meinen beiden "alteingesessenen" dazugeholt und habe es die ersten Wochen bitter bereut weil mir - vor allem das Mädchen - so leid tat, weil sie sich absolut zurückgesetzt fühlt (kam mir jedenfalls so vor). Mittlerweile gibt es nur noch ab und an Gefauche, in einem Raum sind sie alle drei nur dann wenn ich auch drin bin, ansonsten haben sie sich Etagen aufgeteilt - der neue Kater oben, die anderen beiden unten; ich habe sogar Futter, Wasser und Klos auf die Etagen aufgeteilt; langsam aber sicher kommen sie sich näher (das ist jetzt ein gutes halbes Jahr her) - manchmal gibt es "Katzenküsschen" - sprich kleine Nasenstüber, und direkt danach Gefauche - dann merken sie wohl: eigentlich mag ich den/die doch gar nicht ;-))

Ich habe alles mögliche versucht, von Bachblüten über Feliway bis zu zwangsweisem zusammensitzen - nichts hat geholfen; das ist wohl ähnlich wie bei Menschen - entweder man mag sich oder man mag sich nicht.

Die Folge ist dass mein kleines Mädchen super verwöhnt wird weil ich meine ich müßte was wieder gut machen.

Ich drück die Däumchen dass Du mehr Erfolg hast.

Islabonita
09.11.2006, 12:26
Ein paar Tage sind wirklich noch eine sehr kurze Zeit für das Aneinandergewöhnen. Als ich ein Geschwisterpaar (8 Jahre) zu meinem 11-jährigen Kater dazugeholt habe, hat die neue Katze mindestens 1 Woche lang fast nur unter dem Bett gesessen, weil sie vor unserem Kater und uns Angst hatte.
Unser Kater war auch anfangs nicht wirklich begeistert. Der Ablauf war ungefähr so:
1. Tag - gegenseitiges Gefauche
2. Tag - Gefauche, wenn Mindestabstand unterschritten wurde
3. Tag - gemeinsames Fressen in Küche, nur noch wenig Gefauche
dann in den ersten 2 oder 3 Wochen: austesten, wie weit man beim anderen gehen kann - das waren primär die beiden Kater, es gab dann das eine oder andere Gerangel, aber nix Ernstes.
Mittlerweile - nach knapp 4 Monaten: gegenseitige Akzeptanz, aber keine große Liebe.

Übrigens gab es eine Phase, so nach 2 bis 3 Wochen, da hat sich unser Altkater von uns zurückgezogen, weil ihm die "Neuen" zu präsent waren. Und es gab eine Pinkelaktion, weil ihm 2 Katzentoiletten nicht reichten, das hat sich aber auch gegeben.

Also: Geduld und Liebe ist der Schlüssel. Immer die Altkatzen bevorzugen, beim Füttern zum Beispiel. Und abwechselnd streicheln, vor allem am Kopf, damit sie sich an den Geruch gewöhnen.

Viele Grüße

Einspluszehn
09.11.2006, 13:28
über das aneinandergewöhnen gibt es hier schon einige stränge, da findest du sicher noch ein paar nützliche tipps.

was mir jedoch als erstes durch den kopf ging: du schreibst, du hast das kätzchen gerettet, das spricht für dich. was ich aber in deinem posting vermisse, sind infos darüber, ob du irgendwelche anstrengungen unternommen hast, herauszufinden, wo die kleine hingehört, ob sie noch ein zuhause hat und dort eventuell vermißt wird. hast du den tierschutz informiert, beim tierheim und tierärzten nachgefragt?

mir sind in meinem leben als katzenbesitzer nämlich schon zwei kater abhanden gekommen. der erste ein reiner wohnungskater, war uns unbemerkt ins treppenhaus entwischt und dann von wohlmeinenden handwerkern nach draussen gelassen worden, der andere ein freigänger, der immer seltener und irgendwann gar nicht mehr nach hause kam.

alle such- und zettelaktionen unsererseits blieben ohne jedwedes echo und ich denke heute noch oft an die beiden und gehe davon aus, dass sie irgendwo untergekrochen sind, wo sich niemand gedanken darüber gemacht hat, ob sie nicht doch ein zuhause haben.

nicht alle katzen, die vermeintlich verlassen draussen aufgefunden werden, sind ausgesetzt worden.

lg elf

sabinemaria
09.11.2006, 15:49
Hallo elf!

Die Kleine - rund vier Monate alt - ist mit Sicherheit eine wilde, streunende Katze. Sie war nicht wirklich gepflegt, hatte jede Menge Haarlinge und Dreck in den Ohren. Ihre Mutter lebt schon seit Jahren in der Wildnis hinter dem Haus meiner Oma. In unserer Gegend gibt es einfach viele wilde Katzen, es ist sehr ländlich hier. Und daher auch die herren- und frauenlosen Katzen. Wir beobachten das seit Jahren. Und meine Mini ist eben auch aus diesem Garten und eine Halbschwester von der Neuen.

Auch war Fritzi nicht wirklich handzahm. Nur die Haushaltshilfe meiner Oma durfte sie streicheln. Und die hat sie dann auch - nach einigem Kampf - gefangen. Sie hat sich allerdings schnell an uns gewöhnt. Mit der Tierärztin habe ich gesprochen. Keine Katzensuchenden in Sicht.

Also - Du siehst, es war nicht unüberlegt. Es war kalt. Fritzi hätte die kalten Nächte nicht überlebt. Sie ist sie jetzt bei mir und genießt es von a bis z.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich die drei Damen aneinander gewöhnt haben.

LG Sabine

Inaktiver User
09.11.2006, 16:43
Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich die drei Damen aneinander gewöhnt haben.

Gewöhnen werden sie sich garantiert aneinander, aber erwarte besser nicht, daß sie sich lieben werden.

Unter Katzenweibern, die nicht zusammen aufgezogen wurden oder ähnliches, herrscht oft Zickenalarm vom Feinsten.

Meine Weiber haben es sogar in einer Zweizimmerwohnung (70 qm)geschafft, so zu tun, als sei die andere nicht da .... :smirksmile:

junia
09.11.2006, 20:04
Hallo,

wie schon gesagt heißt das Schlüsselwort ZEIT. Katzen sind Gewohnheitstiere, sie haben einen absolut geregelten Tagesablauf, Zeiten in den sie schlafen, Zeiten in denen gefressen wird, Zeiten in denen *man* sich trifft. Auf diesen Ablauf beharren die meisten, wenn dann so eine neue Katz dazukommt, muss plötzlich alles neu aufgeteilt werden - was für die Katzen auch Streß bedeutet.
Die *neue* muss nun aufs genauste beobachtet werden, noch richt sie auch fremd (hier kannst du unterstützen!), sie benimmt sich fremd und spricht nicht die gleiche *Rudelsprache*. Alle sind wachsamer, der Schlaf ist deutlich leichter.
Du kannst den Gewöhnungsprozess unterstützen - aber schön langsam und Schritt für Schritt. Mit dem Geruch anzufangen ist immer gut - z.B. alle mit einem von dir getragenen T-Shirt abreiben. Die neue Katze sollte mit dem Spielzeug deiner Katzen spielen - dann gewöhnt sie sich an den Geruch. Wenn alle wach sind kannst du auch allen eine kleine Stelle des Fells mit Butter beschmieren. Sie werden sich dann putzen und signalisieren damit *Zutrauen* und *Entspanntheit*. Spiele mit ihnen - wenn einer zu wild wird und das Spiel an sich reist, kannst diese Katze mal für 2min in den Katzenkorb oder unter einen Wäschekorb verfrachten und zugucken lassen.
Knurren und auch mal Fauchen ist erstmal nicht bedenklich sollte aber beachtet werden von der Katze die angefaucht wird.
Eine Kuschelbeziehung wie sie öfter zwischen Geschwisterkatzen herrscht ist übrigens selten und sollte nicht der Masstab für eine erfolgreiche Zusammenführung sein.
Eine Katzenzusammenführung kann dauern (bis zu einem halben Jahr) meist sieht es aber nach 14 Tagen schon ganz gut aus.

Gruß Junia

Inaktiver User
09.11.2006, 20:11
Eine Kuschelbeziehung wie sie öfter zwischen Geschwisterkatzen herrscht ist übrigens selten und sollte nicht der Masstab für eine erfolgreiche Zusammenführung sein.


Genau Junia, da vertun sich viele bei Katzen. Die sind nun mal GNADENLOSE Individualisten.

Mein Mann (als erst spätberufener Katzenfan :freches grinsen: :smirksmile: ) meint oft, unsere Katzen (Kater + Katz) hätten eine "Haßliebe" - dabei sind die sich innig zugetan. Für Katzenverhältnisse zumindest... :freches grinsen: :smirksmile:

Anemone
12.11.2006, 11:02
Gerade vor zwei Wochen haben wir den vierten Kater bekommen. Daher kennen wir das Eingewöhnen schon von den drei vorhergehenden Exemplaren. Bei diesen ersten Neuankömmlingen gab es überhaupt keine Konflikte, jetzt beim letzten schon etwas mehr. So wie schon vorher geschrieben: Erst Fauchen, Knurren von Seiten des Neuen, aus Angst natürlich. Die anderen lauerten, warteten ab. Dann schon mal wildes Jagen durch die Wohnung, kleine Raufereien. Jetzt ist es eigentlich schon ganz friedlich. Der Älteste (Vorgänger, sehr verschmust, siehe Foto) zickt immer noch etwas rum, da eifersüchtig, aber die anderen haben sich sozusagen "schulterzuckend" abgefunden und man akzeptiert einander einigermaßen. Ich hatte anfangs auch ziemlich Angst, weil es einige ziemlich aggressive Situationen gab, aber es ist wirklich so: Geduld!!!
Übrigens hat sich unser erster Kater bei der Ankunft des zweiten auch tagelang sehr zurückgezogen. Unterm Bett, unterm Sofa, sehr schüchtern. Aber das wurde dann auch immer besser, und jetzt ist er völlig relaxed und abgeklärt. So nach dem Motto: "Ach, schon wieder ein Neuer?" *gähn*.
Kann auch aus meiner Sicht nur sagen: Geduld!!

sabinemaria
12.11.2006, 13:56
Ich danke Euch für Eure Antworten. Es wird wirklich von Tag zu Tag besser. Fini geht schon relativ entspannt an das kleine Mistviech :-) heran. Sie schnuppert schon mal an ihrer Schnauze oder an ihrem Hintern. Fauchen tut sie nur noch selten.

Mini hat da schon noch größere Probleme. Sie lässt Fritzi kaum auch nur vorbeigehen, ohne zu fauchen. Sie zieht sich auch zurück. Aber es ist auch schon ein bisserl besser geworden.

Geduld ist jetzt angesagt, das wissen mein Mann und ich eh. Wir hoffen halt, dass sie sich gut verstehen. Vor allem Fini und die kleine. Meine arme Mini hat Krebs und wird vermutlich nicht alt werden - sie ist jetzt viereinhalb. Ich bin sehr traurig darüber, weil ich ihr das Leben gerettet habe und sie nur überlebt hat, weil ich sie gefangen und mitgenommen habe.

Dass jetzt Fritzi zu uns gestoßen ist, haben wir halt auch ein wenig als Schicksal gesehen - wir hätten uns sowieso wieder eine zweite Katze genommen, wenn Mini irgendwann einmal gehen muss... Vor diesem Tag fürchte ich mich schon. Mini ist meine erste Katze, von der ich mich verabschieden muss. Ich hatte schon mal eine Katze, aber Cassie ist zu meiner Mutter übersiedelt und lebt dort immer noch. Sie ist jetzt 13 Jahre alt.

Auf jeden Fall werden wir alles tun, damit die "Alten" nicht eifersüchtig werden und sie die Kleine nicht allzu sehr aufführt. :-)

Danke und LG
Sabine

Tatra
13.11.2006, 12:08
Was mir überhaupt nicht klar wird ist: Warum müssen sich Deine Katzen unbedingt an eine neue gewöhnen? Zumal wenn eine davon krank ist und ein möglichst gutes Immunsysthem braucht und von daher jeglicher Streß Gift ist. Es sind reine Wohnungskatzen von daher sind sie ohnehin sehr viel empfindlicher auf alle Veränderungen. Warum suchst Du dem Kleinen keine neue Stelle, er ist jung genug um das problemlos zu verkraften? Hat Deine kranke Katze kein Recht auf ein Zuhause nach ihren Vorstellungen? Soll sie jetzt die verbliebene Zeit unbedingt mit einem Eindringling in ihrem Revier durchstehen nur weil Du jetzt schon einen Ersatz für sie willst?

Tatra

sabinemaria
13.11.2006, 12:23
@ Tatra
Wie ich schon ausführlich geschrieben habe, habe ich diese Katze vor dem Winter gerettet. Zum zweiten habe ich lange darüber nachgedacht. Und nicht zuletzt habe ich intensiv mit der Tierärztin, einer Freundin von mir, gesprochen. Auch sie hat mir vor Wochen, als ich diese Katze retten wollte, gesagt, ich solle keine dritte nehmen. Gut, habe ich dann auch nicht.

Jetzt, beim Wintereinbruch, habe ich die Tierärztin wieder angerufen und gefragt, ob sie nicht einen Platz weiß für die Kleine. Sie wusste keinen, meinte aber, ich solle die Katze mitnehmen, um sie vor dem Tod zu bewahren. Und nach zwei Tagen war Fritzi eben immer noch bei uns, auch noch nach drei Tagen. Und ich kann ja eine kleine Katze wohl kaum über Tage im Badezimmer eingesperrt lassen...

Jedenfalls habe ich mich dann nochmal ausführlich mit der Tierärztin unterhalten. Und sie meinte dann eben, ich solle es als Schicksal sehen, dass Fritzi zu uns gekommen ist. Und das tu ich auch.

Ich will mich nicht rechtfertigen, das habe ich nicht verdient, aber Du sollst wissen, dass da sehr wohl etliche Überlegungen im Spiel waren und dass wir nicht aus Jux und Tollerei die Kleine zu uns genommen haben. Früher oder später wäre sowieso eine neue Katze dazu gekommen, jetzt war es eben früher.

Mini bleibt freiwillig im gleichen Raum, frisst neben der Kleinen und schläft entspannt im gleichen Raum. Nur einen Abstand von 20 Zentimeter muss das kleine "Monster" einhalten, sonst wird gefaucht. Und in dieser einen Woche haben sich die drei schön aneinander gewöhnt - so viel halt in einer Woche möglich ist. Und hergeben tun wir sie nicht mehr.

Und unsere Mini bekommt Extra-Streicheleinheiten und alle Aufmerksamkeit dieser Welt.

Sabine

Islabonita
13.11.2006, 13:45
Sabine,

ich kann Tatras Reaktion nicht ganz nachvollziehen. Wenn Deine Altkatze einen Mega-Stress mit der Kleinen hätte, dann schon. Aber so wie Du das beschreibst, ist es eine ganz normale Eingewöhnungsphase. Und klar ist auch, dass es für die gesunde Altkatze irgendwann einmal sehr bitter werden würde, wenn ihre Kameradin stirbt und sie dann alleine ist. Daher finde ich jetzt die "3-Katzen-Lösung" für alle Beteiligten sehr gut, natürlich vor allem für das kleine Findelkind.
Du hast jedenfalls meinen Respekt, dass Du die Mieze aufgenommen hast.

Gruß

Tatra
13.11.2006, 14:14
Vielleicht könnt ihr es nachvollziehen, wenn ihr euch mit der einschlägigen Literatur der Verhaltensforschung und Verhaltenstherapie befaßt. Ich empfehle da Prof. Leyhausen und Dr. Peter Neville.
Katzen bilden zwar Zweckgemeinschaften aber sind prinzipiell Einzelgänger und auch wenn sie sich gezwungenermaßen mit Neuankömmlingen arrangieren oder sich auf bestimmte andere Katzen sozialisieren wenn sie mit diesen aufwachsen, ist eine erzwungene Gemeinschaft wie die hier beschriebene nicht das was sie von sich aus wählen würden und der Streßlevel steigt enorm. Fakt ist, daß Verhaltensprobleme bei Katzen fast ausschließlich bei Katzen in reiner Wohnungshaltung und in Mehrkatzenhaushalten auftreten, verursacht schlicht und ergreifend durch Streß. Ich frage mich deshalb mit schöner Regelmäßigkeit warum man Katzen zur sozialen Gemeinschaft zwingen und in wochenlanger Arbeit daran gewöhnen muß wenn sie doch mehr als deutlich kundtun daß sie das nicht möchten. Katzen sind nunmal keine Hunde die vom genetischen Programm her in Gruppen leben und die alteingesessenen Katzen hier haben ja bereits eine Gesellschaftskatze mit der sie sich ein soziales Systhem erarbeitet haben. Das sie sich nach mehreren Wochen damit arrangieren weil ihnen schlicht und ergreifend nichts anderes übrigbleibt heißt nicht daß sie es auch begrüßen und ob eine Katze einen "Megastreß" hat kann man nicht immer unbedingt an fauchen und ähnlichen Reaktionen festmachen.

Ich bezweifel ja auch gar nicht, daß es richtig war die kleine Katze erstmal aufzunehmen aber es ist kein Problem einen neuen Platz für eine kleine Katze zu finden wenn man sich eine Weile umschaut, ich bin da gerne behilflich.

Tatra

Inaktiver User
13.11.2006, 14:31
Und klar ist auch, dass es für die gesunde Altkatze irgendwann einmal sehr bitter werden würde, wenn ihre Kameradin stirbt und sie dann alleine ist.

Also, meine Katze hat sozusagen die Champagnerkorken knallen lassen, als ich ihre "Kameradin" einschläfern lassen mußte .... :freches grinsen: (Obwohl die Katzen auch keinen offensichtlichen Stress miteinander hatten).

Ich finde Tatras Worte durchaus bedenkenswert.

Islabonita
13.11.2006, 14:50
Anscheinend habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht. Mein Kater ist regelrecht depressiv geworden, als die Mitkatze gestorben ist. Er war völlig auf seine Menschen fixiert und man hat ihm angesehen, dass er gelangweilt und unglücklich war.

Mit den neuen Katzen fühlt er sich wohler und die "Neuen" haben sich auch relativ schnell an ihn gewöhnt.

Allerdings würde ich nie mehrere Katzen auf engem Raum zusammen halten, das ist klar. Wir haben allerdings ein Haus mit 2 Etagen, da hat jede Katze genug Rückzugsmöglichkeiten. Ich habe auch beobachtet, dass alle 3 einige Plätze haben, an denen nur sie liegen und keine von den anderen Katzen. Leider gilt das nicht für mein Kopfkissen :freches grinsen:

Gruß

Anemone
13.11.2006, 15:17
als VierKaterBesitzerin stelle ich einerseits fest, dass Katzen sehr individuelle Charaktereigenschaften haben, andererseits man aber nicht verallgemeinern sollte, was "man" ihnen zumuten kann/sollte/nicht sollte. Einer von unseren Katern könnte genauso gut allein leben. Er stört sich aber nicht an den anderen. Einer ist so viel draußen unterwegs, dass er die Gemeinschaft der anderen lässig hinnimmt, wenn er mal da ist. Einer BRAUCHT andere Katzen (vielleicht rassetypisch? Siamese(Balinese), weil er Spielkameraden braucht, der Neue hat vorher eine Katzenbande von drei anderen betüttelt, incl. Köpfchen geleckt, gekuschelt, usw. Also ganz verschiedene Typen !
Unsere können allerdings raus und nutzen das gerne.

Tatra
13.11.2006, 15:49
und eben das ist der springende Punkt, sie haben genügend Ausweichmöglichkeiten das macht es ihnen leicht sich zu arrangieren denn sie können gehen wenn es ihnen zu stressig wird. Wenn sie sehr sozial eingestellt sind wie dein Siamese sehen sie klare Vorteile für sich. Aus der Verhaltensforschung weiß man, daß Katzen sich Reviere teilen aber dafür zeitliche Arrangements treffen wer es wann nutzt. Und das sie Zweckgemeinschaften bilden, z.B. zur Kinderaufzucht auf Bauernhöfen mit unkastrierten Katern die ihre Jungen töten würden (auch da sind es verwandte Weibchen) oder die zeitlichen Zusammenkünfte von Straßenkatzen die i.R. daher rühren daß sie zu bestimmten Zeiten gefüttert werden.
Ich selber habe zwei Schwestern die zusammen aufgewachsen sind und immer Freigänger waren, sie verstehen sich sehr gut und liegen auch oft zusammen. Trotzdem waren sie nicht bereit einen 3 Monate alten Kater in ihrem Revier aufzunehmen. Ich habe ihn deshalb weitergegeben anstatt sie zu zwingen. Wenn eine von beiden sterben würde glaube ich nicht, daß die andere eine andere Katze als neue Gesellschaft schätzen würde.
Außerdem kenne ich mehrere Haushalte mit sehr großen Katzenanzahlen weil Pflegetiere vom Tierschutz da sind. Alle arrangieren sich, die kleineren spielen auch miteinander aber es sind auch immer unsaubere Katzen darunter und wenn man ihnen eine Weile zuschaut sieht man wieviel erzwungene soziale Arrangements sie ständig treffen müssen, trotz Freigang und wie viele Katzen darunter sind die einen sehr hohen Druck dadurch bekommen.

Tatra

Inaktiver User
13.11.2006, 16:13
Anscheinend habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht. Mein Kater ist regelrecht depressiv geworden, als die Mitkatze gestorben ist. Er war völlig auf seine Menschen fixiert und man hat ihm angesehen, dass er gelangweilt und unglücklich war.

Ich habe manchmal den Eindruck, daß kastrierte Wohnungskater viel anhänglicher und sozialer sind als Katzen ....

Wie gesagt, meine Katze kam mal als Zweitkatze zur Erstkatze .... Nur Zickenkrieg, irgendwann hat die erste resigniert + sie sind sich aus dem Weg gegangen, bis die erste gestorben ist.

Sami war happy ....:jubel:
Obwohl sie dann jahrelang ziemlich viel allein war, da ich mit einem Katzenallergiker liiert und von daher viel weg war. Der Katze gings gut und sie war sehr ausgeglichen.

Habe dann irgendwann einen jüngeren (aber erwachsenen) Kater dazu geholt ... Geht ganz gut mit den beiden, der Katze hat's insofern gut getan (aus meiner Sicht :freches grinsen: ) daß sie vigilanter + schlanker wurde, da sie miteinander spielen und rumtoben. Sie schlafen auch oft nah beieinander, mit 10 cm Abstand.
Trotzdem bin ich sicher, daß es der Katze total schnurz wäre, wenn der Kater sterben würde / weg wäre ... Umgekehrt wäre es sicher nicht so.

Islabonita
13.11.2006, 16:23
Ich habe manchmal den Eindruck, daß kastrierte Wohnungskater viel anhänglicher und sozialer sind als Katzen ....


Damit kannst Du Recht haben. Bei uns ist es so, dass unser Altkater und der "Neue" von unserem Geschwisterpaar sich oft in der Nähe aufhalten. Keine große Liebe, aber gemeinsam den Keller inspizieren, gemeinsam die Einkaufstüten kontrollieren, zusammen im Flur sitzen, wenn ich nach Hause komme usw. Die Katze hält sich eher für sich und faucht sehr oft den eigenen Bruder an, weil er sich z.B. herausnimmt gleichzeitig mit ihr gestreichelt werden zu wollen (Frechheit, aber auch.....). Bei ihr kann ich mir auch eher vorstellen, dass sie sich alleine wohlfühlen würde, vorzugsweise in Gesellschaft "ihrer" Menschin (auf den Mann legt sie nicht ganz so gesteigerten Wert.) Weiber halt.....

Gruß

junia
13.11.2006, 19:54
Hallo,

aus meinem Dreikatzen Haushalt kann ich im Brustton der Überzeugung sagen: nie wieder eine Einzelkatze (es sei denn sie wurde als solche sozialisiert). Als wir unseren damals ca. 5jährigen Kater bekamen hat dieser mit schöner Regelmässigkeit in die Wohnung gepinkelt sowie er allein war (wir länger als 2h aus dem Haus). Wir haben eine Kätzin dazu genommen obwohl wir nicht wussten ob unser Kater schon jemals in seinem Leben andere Katzen gesehen hat und seit diesem Tag hat er nie (!) wieder in die Wohnung gepinkel. Das ist jetzt 2 Jahre her und wir waren in dieser Zeit auch schon ein Woche im Urlaube und die Katzen wurden von den Nachbarn 2 mal am Tag gefüttert. Es ist nie wieder was passiert. Ich schliesse daraus, das auch Katzen sehr einsam sein können und eine weitere Katze dieses Einsamkeitsgefühl mildern kann. Wir haben inzwischen 2 Kater und eine Katze und auch wenn sie erst jetzt im Winter wieder anfangen miteinander zu kuscheln und sich zu putzen (nicht besonders oft) so spielen sie doch täglich miteinander, jagen sich freundschaftlich(!) durch die Wohnung oder sitzen einfach nur beieinander. Sie schauen sehr viel von einander ab (leider auch die Dummheiten) und achten auch auf einander.

Ich habe weder Siam noch Maine Coon Katzen die als sehr sozial gelten sondern einfach nur Katzen die in einer Katzengruppe sozialisiert wurden.

Für alle die sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen kann ich das Buch: Alle guten Katzen sind..? von S.Schroll empfehlen.

Gruß Junia

Anemone
13.11.2006, 21:54
@junia, was ist das für ein Buch? Wovon handelt es?

Gerade eben konnten wir wieder einmal wunderbar beobachten, wie sich unsere beiden Orientalen aneinander gewöhnen. Erst spielt der eine hingebungsvoll mit seinem Fellmäuschen, der andere schaut interessiert zu, dann verliert er die Lust und geht ein anderes Spielzeug suchen, schon spielt der "Wartende" weiter. In genau der selben Art, als wolle er es mal ausprobieren. Es sieht alles so entspannt aus, völlig ruhig und locker.
Dass es auch bei normalen Hauskatzen so gut laufen kann, weiß ich auch. Aber man weiß es halt nie im voraus. Wir hatten mal zwei Geschwisterkatzen, die als Jugendliche wunderbar miteinander rumgetollt sind und gespielt haben. Dann wurden beide läufig und bekamen Junge, und seit dem Zeitpunkt des Erwachsenwerdens wurden sie Feindinnen. Bzw. die eine konnte ihre Schwester nicht mehr ausstehen. Gut, dass sie meist draußen waren und sich wegen des großen Gartens und der Felder ringsum gut aus dem Weg gehen konnten.

junia
14.11.2006, 21:20
in dem Buch wird sehr detailiert darauf eingangen wie Katzen in Gruppen *funktionieren*, wie und welche Tiere zusammenpassen (oder eben nicht), wie man Katzen (auch schwierige Fälle) aneinander gewöhnen kann und wie die kätzische Kommunikation abläuft. Die Autorin geht vorallem auf Problemfälle ein - z.B. auch der Tod einer Mitkatze, pinkelnden/markierende Katzen etc. und gibt Tipps wie man das lösen kann. Ist allerdings auch sehr interessant wenn man keine Probleme mit seinen Katzen hat - man kann viele Dinge anschliessend besser deuten.

Gruß Junia