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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : *Gebrauchter* Hund - worauf achten?



petersilie
02.11.2006, 08:31
Meine Freundin rief mich gestern abend an, um mir zu erzählen, dass sie sich morgen einen Hund anschauen wollen, der in der Zeitung *aus Zeitgründen abzugeben* war. Es handelt sich um einen Labrador, kastrierter Rüde, 2,5 Jahre alt. Sie fragte mich, worauf sie denn wohl achten sollte im Verhalten des Hundes, denn sie wünschen sich einen Familienhund. Da wir unsere Hunde immer als Welpen bekommen haben, konnte ich ihr das nicht so richtig beantworten und würde diese Frage gerne an die Hundekenner hier weitergeben.

Es geht primär um Verhaltensauffälligkeiten, wie kann man diese in relativ kurzer Zeit feststellen? Ist es für einen zunächst mal Fremden sinnvoll bzw. möglich, zu überprüfen, ob der Hund gehorcht, also die wichtigsten Kommandos kennt?

Weiß jemand, ob es sinnvoll ist, mit einem Hund dieses Alters evtl. nochmal zur Hundeschule zu gehen?

Also, falls sich das überhaupt so beantworten lässt, worauf würdet ihr achten?

Und auch, wenn es unwichtig ist, der Hund hat einen 3-silbigen Namen, der sich schlecht rufen lässt, wie sie findet. (Ferguson) Macht es Sinn, den Hund noch umzunennen? Oder würde man ihn damit nur verwirren? Schließlich ist es schon schlimm genug für das Tier, seine Ursprungsfamilie verlassen zu müssen.

Kann uns jemand helfen? Ich sage schon mal Danke!

aok
02.11.2006, 09:06
Also 2,5 J. ist nicht zu alt, um in eine Hundeschule zu gehen!
Umnennen kann man schon noch, aber der Name sollte ähnlich klingen.
Unsere Dame war 2 J. als wir sie bekamen, sie brauchte in keine Hundeschule, war erzogen, und wir nannten sie um ohne Problem.

petersilie
02.11.2006, 09:16
Woran habt ihr denn gemerkt, meist ja doch so auf die Schnelle, dass sie erzogen war? Oder hat sich das halt später rausgestellt?

Einen Namen zu finden, der ähnlich wie Ferguson ist, wird wohl schwierig werden, aber dann bleibt es eben bei F., es gibt Wichtigeres.

Inaktiver User
02.11.2006, 09:53
Das merkt man doch sehr schnell, wenn man schon Hundeerfahrung hat. Und wie du schreibst, hattest du ja schon einige Welpen bzw. sie dann vermutlich auch selbst erzogen. Du könntest ja deiner Freundin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Was für Hunde hattest du denn?

petersilie
02.11.2006, 12:28
Ich werde sie sowieso begleiten, das steht eh fest.

Wir hatten meistens Mischlinge, derzeit einen Appenzeller Sennenhund-Boarder-Collie-Mischling. Davor einen Mix aus Airedaleterrier und Bobtail, in dem wiederum Riesenschnauzer steckte. Aber die kamen eben frisch von der Mutter, quasi völlig unbeleckt, da ging man in die Welpenschule und erzog den Hund selber.

Ich denke, wir werden uns wohl auf unser Gefühl verlassen. Es bleibt halt immer so ein Restrisiko, weil man ja nie weiß, was der Hund schon hinter sich hat. Und den derzeitigen Besitzern guckt man eben auch nur VOR den Kopf. Andererseits, möglicherweise lässt sich ja schon viel daran erkennen, wie sie mit dem Hund umgehen und wie der Hund auf sie reagiert. Sie wird jedenfalls ihre Kinder mitnehmen, dann sieht man schon mal, wie das klappt.

Ich werde berichten.

Danke erstmal für eure Antworten.

Avocado
02.11.2006, 14:07
Hi Petersilie,

mir wäre vor allem wichtig, wie der Huund auf seine potentiellen neuen Besitzer reagiert und ob und wie er auf sie zugeht. Und wie er im Umgang mit seiner jetzigen Familie ist (und umgekehrt). Und ich würde unbedingt mit auf einen großen Spaziergang wollen, um zu kucken, wie der Hund sich anderen Menschen und Hunden gegenüber benimmt!

Wichtig: das Verhalten eines Hundes ist nicht einmal "anerzogen" und dann starr programmiert (ebenso wenig wie die "Erziehung"). Kann sein, dass der Hund sich bei einer neuen Familie von einer etwas anderen Seite zeigt.

Genauso ist es mit dem Befolgen von Kommandos - das hängt immer vom Verhältnis zwischen dem Hund und dem jeweiligen Besitzer ab. Selbstverständlich sollte Deine Freundin weiter mit dem Hund arbeiten - es geht ja darum, dass er versteht, was SIE von ihm will (und sie drückt das vielleicht anders aus als seine vorherigen Besitzer - Hunde achten sehr auf Körpersprache und Stimmlage).

Wenn irgend jemand daherkäme und würde meinem Hund "Komm" rufen, würde gar nichts passieren. Warum auch? Bei uns heißt das anders - ist ein ganz anderes Wort.

Ob der Hund also "Sitz" macht oder nicht, wenn Deine Freundin ihm das dort sagt, heißt noch nicht viel.

Klar kann Deine Freundin mit dem neuen Hund in eine Hundeschule - war ich mit meiner Omi auch ein paar Stunden, als ich sie gekriegt hab (mit 11 Jahren - Alter des Hundes, nicht meins :freches grinsen:). Hauptsächlich damit die Trainerin uns im Zusammenspiel beobachten und mir sagen konnte, was ich besser machen kann. (Merke: die Hundeschule ist vor allem für die Menschen da, damit sie lernen, wie sie mit ihrem Hund umgehen sollen!)
Wenn Deine Freundin noch keine Hundeerfahrung hat (klingt so?) und die Schule vernünftig ist, wär das bestimmt gut.

Das Allerbeste wäre wahrscheinlich, wenn Deine Freundin und ihre Familie den Hund erstmal oft besuchen und mit ihm rausgehen können und sich eine Weile "beschnuppern", um zu kucken, ob sich alle sympathisch sind.

Ach und wegen dem Namen: wir haben unsere Hunde nicht umbenannt. Aber meine Omi hört inzwischen auf "Olle", "Süße" und "Schnegge" genauso gut wie auf ihren Namen! :smirksmile: Unser Kleiner hat auch einen dreisilbigen Namen. Der ist klangvoll, aber unpraktisch, läßt sich aber wunderbar auf die ersten beiden Silben verkürzen. Wäre "Fergus" nicht eine schöne Alternative? (Würde zumindest mir gut gefallen!)

petersilie
02.11.2006, 16:13
Vielen Dank, liebe Avocado, du hast uns sehr geholfen.

Ja, du hast Recht, meine Freundin hat keinerlei Hundeerfahrung, daher dachte sie wohl, ich könnte ihr weiterhelfen.

So ähnlich dachte ich das auch, dass sie sich erstmal anschauen soll, wie der Hund auf seine eigenen Leute reagiert, wie er auf Fremde, die sie ja erstmal sein wird, reagiert. Und ich hab auch noch nie ausprobiert, ob mein Hund reagiert, wenn jemand Fremdes ihm ein Kommando gibt, selbst wenn er dieses kennt. Ist ja prinzipiell auch nicht wünschenswert, wenn jeder den Hund kommandieren kann.

Das mit den häufigen Besuchen wird wohl nicht hinhauen, die Familie hat es wohl sehr eilig mit der Abgabe, auch wenn das nicht so günstig ist.

Und der Gedanke mit der Hundeschule stimmt so natürlich, ich bin einfach von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen, nämlich wie beim Welpen, Sozialisierung, Gehorsam und so. Aber dass so eine Trainerin dem neuen Halter auch sagen kann, wo die Kommunikation gestört ist, wo was falsch läuft, darauf bin ich nicht gekommen. Danke für den Hinweis!

Wir hoffen, dass wir die Möglichkeit zu einem ausführlichen Kennenlernen haben, bei dem wir den Hund näher beschnuppern können und er uns!

Wahrscheinlich sollten wir uns auf unser Gefühl verlassen. Man will halt nix falsch machen, immer wieder liest man von Tierheimhunden und irgendwelchen Vorfällen, auch wenn dabei fast nie von Labradoren die Rede ist, aber wer weiß? Die Vorbesitzer können uns ja ne Menge erzählen, oder?

Also, ich werde berichten, wie es gegangen ist.

Danke erstmal an die, die uns weitergeholfen haben.

canislupa
02.11.2006, 16:51
Hallo!
Ich finde es klasse, dass sich Deine Freundin für einen "second hand" Hund interessiert.
Ich würde so ein Kennenlernen so gestalten:
Mit dem Hund spazieren gehen und schauen, wie reagiert er auf andere Hunde, auf Kinder,Radfahrer, Jogger, Spaziergänger, Vögel und Katzen?
Wie reagiert er auf mich, schaut er mich hin und wieder an, interessiert er sich für mich, reagiert er, wenn ich ihn rufe oder ein Geräusch mache (schnalzen, pfeifen...)?
Ist er verspielt? (Dann kann man ihm viel beibringen).
Ist er verfressen? (Dann kann man ihn gut erziehen).
Unbedingt fragen, ob er gerne und gut Auto fährt, ob er auch mal alleine bleiben kann, ohne die Nachbarschaft zusammenzujaulen und das Mobiliar zu zerstören!
Als Namen fände ich das irische "Fergus" klasse. Aber es geht auch jeder andere Name, der gefällt. Neues Leben, neuer Name. Gar kein Problem, versprochen!
Ich wünsche toi, toi, toi!
Erzähl doch bitte mal, ob und wie es geklappt hat und wie sich Deine Freundin entschieden hat.
Bis bald,
C.

petersilie
02.11.2006, 17:01
Danke für die Tipps!

Dass er verfressen ist, darauf wette ich jetzt schon, ist schließlich ein Labrador. :freches grinsen: Bei denen ist das ja Serienausstattung, genau wie das Jugendschwimmabzeichen von Geburt an.

Ja, ich werde berichten.

Avocado
03.11.2006, 04:06
Hi Petersilie,

schön, dass ich ein bisschen helfen konnte. Das freut mich ja!


Das mit den häufigen Besuchen wird wohl nicht hinhauen, die Familie hat es wohl sehr eilig mit der Abgabe, auch wenn das nicht so günstig ist.Das hatt ich schon befürchtet, oh jeh ... armes Kerlchen.
Wir drücken ganz fest Daumen und Pfoten, dass Deine Freundin und ihre Kinder und Fergus sich mögen und dass er bald ein schönes neues Zuhause hat!


Wahrscheinlich sollten wir uns auf unser Gefühl verlassen.Auf jeden Fall ... in meine freche Hundeomi hab ich mich auf den ersten Blick verguckt. Aber es gibt auch eine Menge Hunde, mit denen ich nix anfangen kann. Ist wie bei Menschen ... mit den einen "funkts" und mit anderen wirds nie was. Das sollte man dann auch gar nicht versuchen.


Man will halt nix falsch machen, immer wieder liest man von Tierheimhunden und irgendwelchen Vorfällen:wie?: Bist Du sicher, dass solche Aussagen nicht eher auf Vorurteilen beruhen als auf Tatsachen?
Hier gibts durchgeknallte Züchterhunde, die nie ein Tierheim von innen gesehen haben. Und andererseits kennen wir eine Menge freundlicher Ex-Tierheim- oder Tötungsstationsinsassen.
Nicht alle Tierheimhunde haben einen schweren Schaden!!
Viele Tiere landen im Tierheim, weil die Besitzer sterben oder krank werden oder eine neue Familie haben, wo der Hund nicht mehr reinpasst oder feststellen, dass die Hundehaltung doch etwas mehr Aufwand erfordert als gedacht - wie es bei Fergus´ Familie ja auch der Fall zu sein scheint. Nicht weil sie irgendwie gestört wären.

Unsere Hunde würden vermutlich auch wieder im TH landen, falls mein Mann und ich z.B. einen tödlichen Autounfall hätten - es wäre einfach keiner da, der sie nehmen könnte. Schrecklicher Gedanke ... aber möglich.

Ich glaube, dass sehr sehr viel davon abhängt, wie man mit dem Hund umgeht und dass man mit Geduld und Einfühlungsvermögen und etwas "Hundewissen" viele Macken "ausbügeln" kann.

Aber Fergus (ich nenn ihn schon mal so :cool:) ist ja (noch?) gar kein Tierheimhund, nur ein vermutlich temperamentvoller, unterbeschäftigter Jungspund, dessen Familie keine Lust mehr hat, sich um ihn zu kümmern. (Echt, so was versteh ich überhaupt ned ... ich find das empörend und furchtbar traurig. Ein Armutszeugnis für die Menschen! :knatsch:)


auch wenn dabei fast nie von Labradoren die Rede ist, aber wer weiß?Öhem ... in der letzten Beißstatistik, die mir unter die Augen gekommen ist, waren Labbis ganz gut vertreten. (Was natürlich auch daran liegt, dass die Rasse so in Mode war in letzter Zeit.)

Was mir noch eingefallen ist in Sachen Fergus:
bitte nach Krankheiten fragen (auch ob er z.B. manches Futter nicht verträgt oder Allergien hat oder so was). Freiwillig werden die jetzigen Besitzer sicher nix sagen, die wollen den Hund ja möglichst unkompliziert loswerden.

Und dann würde ich Deiner Freundin noch raten, die wichtigste Grundausstattung schon mal bereitzuhalten, bevor sie ihren zukünftigen Hund (wer auch immer das sein wird) abholen geht. Schlafkissen, Näpfe, Leine etc. Erspart Stress, wenn man nicht deshalb rumrennen muss, wenn Hund schon da ist :smirksmile:. (Vielleicht kann sie die Sachen ja auch vom Noch-Besitzer übernehmen? Das wär natürlich das allerbeste, sollte aber geklärt sein.) Und sich Futter mitgeben lassen, damit das arme Tier nicht auch gleich noch eine Nahrungsumstellung erlebt.

Hat Deine Freundin einen eingezäunten Garten, wo sie den Hund frei laufen lassen kann? Ansonsten würde ich für den Anfang eine 5- oder 10-Meter-Leine ("Suchleine" = Nylonschnur mit Schlaufe - mehr nicht. Super leicht, klein verstaubar, nimmt praktisch keinen Dreck an) empfehlen. Und ein Geschirr! Eine lange Leine nicht am Halsband befestigen, das kann sonst übel die Wirbelsäule schädigen, wenn Hund da reinrennt.
Am Anfang wärs mir zu unsicher, den Hund abzuleinen, solang er noch nicht gelernt hat, auf Ruf zu kommen. (Vor allem, falls er doch umgetauft werden soll ... btw "Gus" find ich auch noch nett.) Und an ner normaler 1,5-Meter-Leine hat das Tier nicht viel vom Spaziergang. (Und Flexleinen sind blöd, weil sie den Hund zum Ziehen ermuntern ...)

Was fällt mir noch ein? Am Anfang dem Hund viel Ruhe geben - der muss sich erst einleben und hat genug damit zu tun, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. (Das dauert länger, als Mensch glaubt. Der Hund weiß ja nicht, was das alles soll ... bei meiner Süßen hatte ich z.B. den Eindruck, dass sie so nach 3 Wochen unsere Wohnung als ihr neues Zuhause akzeptiert hat und einigermassen sicher war, dass sie da jetzt bleiben soll. Und bis sie richtig "angekommen" war, warens ungefähr 3 Monate.) Auch die Kinder bitte bremsen, die sollen das neue Familienmitglied nicht bedrängen. Knuddeln kann man später noch genug.

Und viel Geduld haben, wenn nicht alles gleich perfekt klappt!

Bin wirklich sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht ...
(hoffentlich gut!!!)

petersilie
03.11.2006, 10:16
Vielen, vielen Dank für die vielen Tipps und für die Gedanken, die du dir gemacht hast. Das mit der Suchleine werde ich ihr sofort weitergeben. Es geht einem ja so manches durch den Kopf, eben zum Beispiel auch das mit dem Spazierengehen.

Ja, ich werde sie ermutigen, sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Und ich bin ja dann auch noch dabei. Wir werden das älteste Kind mitnehmen, 13, da muss man nicht damit rechnen, dass der Hund sofort zerquetscht wird. Aber die Reaktion auf die *Neuen* kann man dann ganz gut testen, denke ich.

Wir haben uns einen langen Spaziergang vorgenommen, mit oder ohne die Vorbesitzer, dann werden wir sehen.

Näpfe und Leine wird sie vermutlich vom Vorbesitzer bekommen, was soll der noch damit? Und wenn nicht, dann gibt es hier genügend Tierhandlungen, bei denen wir alles Nötige besorgen können. Und ich bin ja auch noch da, am Futter soll es nicht mangeln.

Sie hat dem Hund schon einen ruhigen Platz ausgesucht und hofft, dass der Hund seine Decke mitbringen kann, damit er sich nicht total verloren fühlt.

Also, ich danke für die Unterstützung und werde bei Gelegenheit berichten. Danke auch für den Hinweis, dass es möglicherweise länger dauern kann, bis er sich eingelebt hat. Das muss man sich ja auch klarmachen, welche Umstellung das für ihn bedeutet.

Übrigens: angeblich ist der Hund, nachdem sein Frauchen neuerdings ganztags arbeiten muss, zuviel alleine, ganz abgesehen vom Gassigehen, und darunter leidet er sehr. Daher wollen sie ihn schweren Herzens abgeben. Sagen sie. Wir werden sehen.

Liebe Grüße

Petersilie

Avocado
03.11.2006, 16:30
Hi Petersilie,

klingt, als kriegt der zukünftige Hund einen guten Platz bei Deiner Freundin, toll!
*weiterfleissigdaumendrück*

Noch was zur "Suchleine": hat den Vorteil, dass man sie (im Gegensatz zur Flex) einfach mal fallen lassen kann - z.B. bei Hundebegegnungen oder um ein bisschen den Freilauf zu üben, und man kann Hund dann unauffällig wider "einfangen", ohne ihn direkt an Halsband oder Geschirr packen zu müssen.

Für den "Freilauf mit Zugriffsmöglichkeit" gibts auch noch die Schleppleinen - langes Gurtband, allerdings ohne Schlaufe, damit sich selbige nicht irgendwo verhakt, wenn Hund mal durchs Gebüsch dackelt. Ich mag die Dinger nicht, weil man sie nicht gescheit festhalten kann und sie leicht "durchrutschen" (aua), aber im Winter mit Handschuhen wärs noch ne Möglichkeit, Hund erstmal etwas Radius zu gönnen.

Am besten wär natürlich ein eingezäuntes Gelände zum entspannten Freilaufen ...

Sodele, jetzt warten wir gespannt auf Berichte über "Fergus live"!

petersilie
06.11.2006, 13:47
Also, dann will ich mal erzählen:

wir sind am Freitag nachmittag hingefahren, wir zwei Frauen und die 13-jährige Tochter meiner Freundin.

Es handelt sich um einen Labrador-Riesenschnauzer-Mix, was so nicht in der Anzeige stand, sonst hätten wir direkt nach der Größe gefragt. Ein superschönes Tier, gut gepflegt, offensichtlich gut ernährt. Er war sehr freundlich und zugänglich, kam sofort zu uns, eroberte unsere Herzen im Sturm. Wir haben dann lange im Wohnzimmer der *Verkäufer* gesessen, sie haben erzählt, was der Hund so macht, was er kann, wie er sich verhält im Umgang mit anderen Hunden, was er isst usw. usf. Er kennt keinerlei Befehle, weder Sitz noch Platz, geht nicht bei Fuß und kann nicht mit anderen Rüden, häufig aber gar nicht mit anderen Hunden. Er hört nicht auf seinen Namen und lässt sich aus keiner Situation abrufen. Auf meine Frage, wie er den Hund denn zu sich zurückkriegt, antwortete der Besitzer, zu diesem Zwecke hätte er einen kleinen Ball in der Hosentasche, den er dann hochwirft und damit rumspielt, darauf würde der Hund ziemlich schnell reagieren, weil er sehr verspielt ist. Er hatte übrigens schon 3 Vorbesitzer, der Hund, meine ich. Die jetzige Besitzerin erzählte, dass sie nur mit ihm rausgeht, wenn sie sicher ist, keinem anderen Hund zu begegnen. Hmmm....

Wir sind dann alleine mit dem Hund gegangen, um uns sein Verhalten mal selber anzuschauen. Dabei haben wir festgestellt, dass er sehr zieht an der Leine und dass wir ihm kräftemäßig fast gar nicht gewachsen sind. Schulterhöhe 65 cm, Gewicht 40 kg, nach Aussage der Besitzer.

So schön wir das Tier fanden, die fehlende Erziehung macht uns doch Sorgen. Klar, man kann in die Hundeschule gehen. Aber erstens, wie soll es so lange gehen, bis er besser hört? Meine Freundin kann nicht garantieren, dass ihr im Wald keine anderen Hunde begegnen. Und was das dann bedeutet, konnten wir dann selber erleben: wir trafen eine junge Labradorhündin, angeleint, 4 Monate alt. Ferguson hat sie sofort angegriffen, es kam zu einer Beißerei, wildes Gebelle, kein *Spiel-mit-mir*-Gebelle, sondern pure Aggression. Ich fand es bedenklich, dass Ferguson keinerlei Welpenschutz vermuten ließ, schließlich handelte es sich um einen sehr jungen Hund, m. M. nach sollte sich ein älterer Hund anders verhalten, aber bitte.

Meine Freundin hat sich dann eine Bedenkzeit ausgebeten, die Verkäufer wollten sich auch noch andere Leute anschauen, hätten den Hund aber wohl gerne an meine Freundin abgegeben.

Das Problem ist, dass meine Freundin darauf angewiesen ist, dass auch mal eines ihrer Kinder mit dem Hund geht (alle schon größer, die Jüngste ist 13, der Große 22). Aber selbst meine Freundin mit ihrer normalen Statur kriegt den Hund kaum in den Griff, wenn er erstmal loslegt.

Eben rief sie mich jedenfalls an, um mir zu sagen, dass sie sich gegen Ferguson entschieden hat, eben aus den o. g. Gründen.

Und ich finde, das ist eine verantwortungsvolle Entscheidung.

Sie hat nur wenig Hundeerfahrung, würde weder sich noch dem Tier einen Gefallen tun. Und nach dem Gespräch mit der bisherigen Besitzerin bin ich auch fest davon überzeugt, dass sie den Hund auch nur abgeben, weil er ihnen über den Kopf wächst.

Also, kurz: ein prima Hund, sehr brav, lag im Wohnzimmer die ganze Zeit auf unseren Füßen, bettelte nicht, bellte nicht groß, als jemand klingelte, aber draußen, vor allem im Umgang mit anderen Hunden: eine Katastrophe!

Nun ist meine Freundin ganz traurig, aber da muss die Vernunft siegen, so schwer das ist.

Ich danke euch, im Namen meiner Freundin, sehr für eure Hilfe und hoffe, bald von einer erfolgreichen *Adoption* erzählen zu können.

Liebe Grüße

Petra

Avocado
06.11.2006, 20:40
Hi Petra,

schade für Fergus ... aber bestimmt die richtige Entscheidung von Deiner Freundin! Mit so einem großen problematischen Hund sollte nur jemand gehen, der sich besser auskennt.

Fergus tut mir schrecklich leid. Wie kann es sein, dass ein 2 1/2jähriger Hund nicht mal Sitz kann? Haben die Besitzer echt gar nix mit ihm gemacht? Das ist soooo traurig ... Dass Fergus ein gestörtes Verhältnis zu anderen Hunden hat, ist ja klar, wenn er nie rauskommt und welche treffen kann ... aber so was zu ändern ist sicher zu viel für hundeunerfahrene Menschen.

:heul:

Wir halten Deiner Freundin natürlich weiterhin Daumen und Pfoten, dass sie bald den richtigen Hund trifft!
(Würd mich freuen, wenn Du weiter berichtest ...)