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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues vom Tierheimkater



Inaktiver User
01.11.2006, 15:01
Hallo an alle,

ich bin zu faul meinen alten Strang zu suchen und wollte denjenigen, die in anderen Threads immer wieder einmal nachgefragt haben, "Bericht erstatten".

Im Juli ist ja - leider - mein Kater weggelaufen und nicht wieder aufgetaucht. Es tut immer noch weh, wenn ich an ihn denke... Ich frage mich oft, lebt er noch, wenn ja, wo und geht es ihm gut oder ist er tot und musste er leiden, ging es schnell... Schlimme Gedanken, die ich versuche, abzustellen, weil ich nie eine Antwort erhalten werde.

Wir haben uns vor einigen Wochen dann entschlossen, wieder einen Kater zu uns zu nehmen, weniger für uns, als wegen unseres anderen Katers, der sehr unter dem Verlust seines Kumpels gelitten hat.

Ein Tierheimkater, der seit drei Jahren dort war - sein ganzes Leben lang und der endlich etwas anderes kennenlernen sollte, nämlich unseren Kater und uns. Das wollte er jedoch in der ersten Zeit überhaupt nicht und hat sich abwechselnd unter Bett oder Sofa verkrochen.

Wir wussten ja schon, was auf uns zukommt, dass es nicht leicht werden würde, denn auch im Tierheim war er sehr ängstlich, beinahe neurotisch und ließ sich nicht blicken geschweige denn anfassen.

Tja und außer, dass er das Sofa vollgepinkelt und in die Blumentöpfe gesch... hat, haben wir von diesem Kater in der ersten Zeit wirklich rein gar nichts gesehen...

Seit zwei Wochen nun tut sich etwas. Er liegt nun nicht mehr unter sondern auf dem Sofa, rennt auch nicht mehr wie von der Tarantel gestochen weg, wenn wir uns ihm nähern und er nimmt Fressen aus der Hand an. Aber vor allem: Er spielt!

Eine Maus an ein Schnürchen gebunden und ab geht es. Zwar erschreckt er sich mitunter auch beim Spielen (wohl über seine eigene Courage), aber es wird immer besser.

Angefasst habe ich ihn noch immer nicht und wir hüten uns auch, es von uns aus zu tun. Vielleicht entdeckt er ja schon bald, dass neben Spielen auch Streicheln sehr schön sein kann und viel Freude macht.

Ach ja und wow - das schönste Erlebnis hätte ich ja beinahe vergessen. Kürzlich kam er zum ersten Mal als ich nach Hause gekommen bin in den Flur um mich zu begrüßen! Naja, ich habe es halt mal, optimistisch wie ich bin, als Begrüßung ausgelegt.

Er macht es seither immer. Ich bin es von unserem entlaufenen Kater ja schon gewohnt, dass man viel Geduld und Ausdauer braucht, mit so einem Tierheimkätzle. Leo fordert uns da noch ein bißchen mehr als das bei meinem anderen Kater der Fall war, er wurde deutlich schneller zutraulich.

Beide haben jedoch eines gemeinsam und das wird letztlich auch der Knackpunkt sein: Neugierde. Und die siegt immer öfter über die Angst...

Es ist schön. Es passiert wenig und nur in ganz kleinen Schritten, aber jeder einzelne ist ein kleines Erfolgserlebnis.

Daher noch mal die Bitte: Wenn Ihr mit dem Gedanken spielt, eine Katze zu Euch zu holen - seht im Tierheim nach und gebt auch älteren Tieren eine Chance. Katzenbabies sind putzig, keine Frage. Aber sie sind nur ganz kurze Zeit Babies. Und Babies will jeder. Die älteren Katzen sind schwerer zu erziehen, häufig weniger zugänglich und oft sehr stark von ihren Erlebnissen geprägt. Aber es ist umso schöner, wenn sich dann etwas tut, man sich annähert und vor allem - ein Tier, das evtl. sein Leben lang im Tierheim gehockt hätte (je älter umso geringer die Chance auf Vermittlung) bekommt ein schönes Zuhause.

Vielleicht schon bald eines bei Euch...

LG Morcheeba

Noodie
01.11.2006, 16:00
Och, Mann, ist das schoen zu lesen!

"Ein Tierheimkater, der seit drei Jahren dort war - sein ganzes Leben lang" *heul* Der Arme! Und umso schoener dass es fuer ihn jetzt so eine gute Wende gab! Find ich super dass ihr ihn zu euch genommen habt!

Ich freu mich echt total, fuer den Kater und auch fuer dich.

Schnuppert er denn schon am Finger? Meiner Noodle, die auch anfangs sehr scheu war und auch jetzt noch immer mal wieder irgendwelche Paniksekunden durchlebt, hilft es wenn ich ihr den Finger vor die Nase halte, den beschnuppert sie dann und reibt die Gesichtsseite dran und alles ist wieder gut.

Leo ist auf dem richtigen Weg und da ihr die noetige Geduld und Liebe fuer ihn habt wird er sicher bald auch zutraulicher werden und sich anfassen lassen. Wie kommt er denn mit eurem anderen Kater klar?

Die Gefuehle die du fuer deinen entlaufenden Kater hast kann ich nur zu gut verstehen. Meine Lucy ist vor 3 Jahren weggelaufen und nie wiedergekommen und ich denke immernoch an sie ... aber die schlimmen Gedanken, die ich anfangs natuerlich auch viel hatte und die mich fast wahnsinnig gemacht haben, lass ich nicht mehr zu. Wenn sie damals gestorben ist, leidet sie nicht mehr. Und wenn sie nicht gestorben ist geht es ihr sicher gut.

Ich freu mich fuer euch! Berichte bitte weiter!

LG Noodie

Toxy
01.11.2006, 16:22
Daher noch mal die Bitte: Wenn Ihr mit dem Gedanken spielt, eine Katze zu Euch zu holen - seht im Tierheim nach und gebt auch älteren Tieren eine Chance. Katzenbabies sind putzig, keine Frage. Aber sie sind nur ganz kurze Zeit Babies. Und Babies will jeder. Die älteren Katzen sind schwerer zu erziehen, häufig weniger zugänglich und oft sehr stark von ihren Erlebnissen geprägt. Aber es ist umso schöner, wenn sich dann etwas tut, man sich annähert und vor allem - ein Tier, das evtl. sein Leben lang im Tierheim gehockt hätte (je älter umso geringer die Chance auf Vermittlung) bekommt ein schönes Zuhause.

Vielleicht schon bald eines bei Euch...

LG Morcheeba
:schild genau: :schild genau::schild genau: Meine Rede!
Schöne Einstellung von Dir! :blumengabe:

Islabonita
01.11.2006, 17:03
Hallo Morcheeba,

es tat richtig gut, Deinen Beitrag zu lesen und das, was Du über ältere Katzen geschrieben hast, kann ich nur unterschreiben.
Wir haben uns Ende Juli ein 8-jähriges Geschwisterpaar aus einem privaten Tierheim geholt, sie waren seit drei Monaten dort, weil die bisherige Besitzerin krank wurde.
Wir haben uns die beiden zur Gesellschaft für unseren verwaisten Kater geholt, auch schon im reiferen Alter.
Der neue Kater hat sich ganz schnell eingelebt, gar kein Problem. Aber die Katze ist sehr sehr ängstlich und es hat rund zwei Wochen gedauert, bevor sie sich aus ihrem Versteck herausgetraut hat, wenn wir in der Nähe waren. Dann war sie allerdings sehr verschmust, aber immer noch etwas schreckhaft. Leider mussten wir Anfang Oktober mit ihr zum Tierarzt und anschließend war sie fast so verschreckt wie zuvor. Es hat wieder einige Tage gedauert, bevor sie zutraulich wurde.
Aber jetzt - liegt sie wieder auf meinem Schoß, begrüßt mich, wenn ich nach Hause komme und ist, tja, irgendwie Mamas Liebling....
Fazit: es lohnt sich einfach, um das Zutrauen eines Tieres zu werben und Zeit zu investieren. Die Belohnung ist umso schöner, finde ich.

Gruß

Inaktiver User
01.11.2006, 17:33
Morcheeba, das freut mich so für Dich und natürlich für den Kater auch!
Ich kann mich noch gut an Deinen alten Strang erinnern.
Hätten nur mehr Menschen Deine Einstellung, eine Bekannte von der Katzenhilfe erzählte mir erst vor kurzem, bei der Vermittlung seien die Katzenbabies sofort "weg", die älteren Tiere blieben meist für immer in den Pflegestellen hängen.

Gruss von Catgirl

Inaktiver User
01.11.2006, 17:51
Noodie - wie schön, ich ahnte schon, dass Du die Erste sein würdest! Danke an Euch alle für Eure aufmunternden Berichte...

Die Geschichte hat einen Haken und der treibt mich um: Leo, wie wir ihn jetzt nennen, hat im TH seine Schwester zurückgelassen. Ich habe die Tierpflegerin explizit gefragt, ob die beiden Katzen nicht sehr unter dem Verlust leiden würden. Die Antwort war positiv - die beiden Katzen würden nicht aneinander hängen.

Nun gut, damit war ich zufrieden, denn nicht alle Katzengeschwister lieben sich - das ist wohl wie bei den Menschen auch...

Vor zwei Wochen schrieb ich dem TH eine Email - dass es Leo gut geht, aber dass er alles vollpinkelt und habe nach Rat gefragt. Tja und die wirklich sehr nette Tierheimleiterin hat mir auch tatsächlich sehr hilfreiche Tipps gegeben und ihr Mail damit beschlossen, dass Leo seine Schwester wohl sehr vermissen würde, die beiden hätten sehr aneinander gehangen und ob wir sie nicht auch zu uns nehmen könnten... Sie hat sogar angeboten, dies auf Probe zu tun... Probe ist nicht, entweder oder, wenn das Katzenmädel erst mal hier ist, bleibt sie auch...

Ihr seht schon, wo meine Gedanken hingehen - eine dritte Katze?! Mein Herz schreit "ja" - die arme Katze hat genauso geringe Chancen auf Vermittlung wie das bei Leo der Fall war, wenn nicht noch weniger - denn sie hat sich überhaupt nicht blicken lassen, ist wohl noch scheuer. Mein Verstand sagt "nein".

Drei Katzen sind heftig viel. Alles dreifach. Andererseits sage ich mir, wo zwei Katzen ein Zuhause finden, haben auch drei Platz.

Und wenn Lutz wiederkommt? Das ist sehr unwahrscheinlich, aber dann sind es vier...

Mein Freund war nicht abgeneigt... Und ich schwanke ständig zwischen einem klaren "Jein".

Aber die Katzendame geht mir nicht mehr aus dem Kopf... Es ist auch zu dumm, dass man uns über das Verhältnis der beiden Katzen nicht in Kenntnis gesetzt hat. Mensch.

Noodie
01.11.2006, 17:58
Natuerlich bin ich dafuer! Habt ihr genug Platz und finanzielle Mittel?
Die arme Maus, drei Jahre im TH und jetzt auch noch ihr Bruder verschwunden .... ich hoffe du entscheidest dich fuer sie. Natuerlich muss es stimmig sein, aber mein Gefuehl ist dass es das bei euch ist.

Islabonita
02.11.2006, 07:37
Hallo Moncheeba,

meine Antwort - sofern die Wohnung nicht zu klein ist und Finanzen kein Problem sind - ist natürlich JA.
Ich hatte schon oben über meine Erfahrungen mit dem 8-jährigen Geschwisterpaar geschrieben. Es sind übrigens Perserkatzen, mein Altkater auch. Also doch ziemlich viel Arbeit und ich war anfangs nicht begeistert über drei Katzen, wollte eigentlich nur zwei.
Mein Mann war es, der mich überredet hat und der sich auch an der Pflege beteiligt. Deswegen habe ich es schließlich gemacht und heute sind wir überglücklich über unsere drei Wuschel!
Daher meine Meinung: mach es und möglichst schnell! Du machst sicher zwei Katzen sehr glücklich und letzendlich Dich auch, denn so wie ich Dich nach Deinen Postings einschätze, wirst Du ewig ein schlechtes Gewissen haben, wenn Du es nicht machst.

Liebe Grüße

Islabonita
02.11.2006, 07:39
Noch was: und ob man zwei oder drei Katzennäpfe füllt und etwas mehr "Hinterlassenschaften" aus den Katzentoiletten entfernen muss, das fällt nicht wirklich in's Gewicht.

Gruß