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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nach welcher Frist kann ich die Krankenakte bekommen?



Holzsplitter
01.11.2006, 14:28
Hallo, vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen. Meine Schwester ist vor 2 Monaten im Alter von 43 Jahren verstorben. Leider hat sie Monate vor ihrem Tod den Kontakt zur Familie abgebrochen. Sie hat immer viel Arbeit vorgegeben, und wenn sie nach Hause kam, hat sie angeblich zu nichts Lust gehabt. und da sie weiter weg gewohnt hat, haben wir nicht gemerkt, wie es um sie stand. Sie wollte nicht, dass einer von uns oder die Freundinnen vorbeikommen. Auch Hilfe, die ich ihr schriftlich angeboten habe, hat sie nicht angenommen. Ans Telefon ist sie auch nicht gegangen. Ihr Arzt, den ich angerufen habe, hat sich auf seine Schweigepflicht berufen und mir mitgeteilt, ich sollte ihren Wunsch respektieren. Da sie bis kurz vor ihrem Tod noch gearbeitet hat, haben wir uns gedacht, dann kann es ja nicht so schlimm sein. Wir wussten nichts um ihre Krankheit. Ich kann immer noch nicht loslassen und grübele jeden Tag. Ich habe vor, demnächst einen Termin mit ihrem Arzt zu machen, vielleicht sagt er mir jetzt etwas näheres. Und warum sie keine Hilfe wollte... und warum sie in den letzten Stunden allein sein wollte...
Warum niemand ihre Hand halten durfte....
Und es gibt so viele Fragen zu ihrer Krankengeschichte, wann habe ich die Möglichkeit, eine Kopie der Krankenakte zu bekommen? Kennt sich jemand damit aus?
Viele Grüße
Holzsplitter

Kappuziner
01.11.2006, 14:40
Erstmal mein Beleid zum Tod Deiner Schwester... wie traurig, mit 43...
Zu Deiner Frage: Die Krankenakte ist das Eigentum des Kranken und nach dessen Tod das der Erben.
Die Krankenhäuser sehen diese Tatsache nur ungern und ich mußte mit einem Anwalt drohen, um die Akte meiner Mutter zu bekommen. Ich denke, die befürchten, ihr wollt denen aus irgendeinem Grund Ärger machen.
Aber wer einen Erbschein von deiner Schwester hat, kann verlangen, dass die Akte herausgegeben wird. Es gibt ja z.B. Erbkrankheiten und anderes mehr, was die Familie interessieren könnte. Auch die Behandlung und die Messwerte, manche Leute möchten das halt gerne wissen (in unserem Fall war es die Befürchtung einer Erbkrankheit).
Wenn ihr euch das wirklich antun wollt mit der Akte, dann könnt ihr das tun, ohne Frist.
Es geht mich ja nichts an, aber ich würde es nicht tun.
Warum auch immer sie sich zu diesem einsamen Schritt entschlossen hat, in der Akte wird es nicht stehen. Vielleicht seid ihr am Ende noch trauriger und verwirrter als vorher. Krankenakten sind so nüchtern. Vielleicht solltet ihr besser so an sie denken wie sie war, offenbar ein sehr stolzer Mensch.

frangipani
02.11.2006, 09:29
Hallo

meine Mutter hat die Krankenakte und den Pathologiebericht meines Bruders nach gut einem 3/4 Jahr angefordert.
Auch da musste sie den Arzt am Telefon beruhigen, dass sie es nur fuer sich brauchte, um abzuschliessen, und nicht, um dem Krankenhaus etwas anzuhaengen (lange Geschichte, Krebs - OP - Sepsis - multiples Organversagen...)

Fuer sie war es gut, sie hat durch den Pathologiebericht erkannt, dass er so oder so sehr schwer krank gewesen ist und 'keiner richtig schuld war'. Fuer sie war es ein richtiger Abschluss der schlimmen 6 Monate, der Krankheit und des Sterbens.

So denke ich, ist es vielleicht auch ein bisschen bei Dir - ein Schritt zur Aufarbeitung und zum Abschliessen, ich hoffe, der Arzt kann Dir etwas helfen.

Ich wuensch dir alles Gute, liebe Gruesse
frangipani

Holzsplitter
06.11.2006, 09:58
Hallo, vielen Dank für Eure Nachrichten. Es ist so, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, um auch zu verstehen, warum meine Schwester diesen Weg so gegangen ist. Mir fehlen einfach ein paar Monate. Es hätte der ganzen Familie geholfen, wenn Sie uns zum Abschied etwas schriftlich mitgeteilt hätte, warum und weshalb u.s.w., da wir nicht an sie rangekommen sind. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr habe ich den Drang, es nochmal zu versuchen, mit dem Arzt zu sprechen, weil er sie in den letzten Tagen gesehen hat.
Viele Grüße
Holzsplitter