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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doppelt falscher Beruf - was sollen wir tun?



lucilla
31.10.2006, 18:46
Hallo!

Bei uns gibt es ein Problem, das uns schon beschäftigt, seid wir zusammen sind (4 1/2 Jahre).
Als ich meinen Freund kennengelernt habe, waren wir beide im Studium, er als Informatiker, ich als Lebensmitteltechnologin.

Zu meinem Freund: Schon im dritten Sem. hat er gemerkt, dass ihm das Programmieren/Informatik/Technik... keinen Spaß macht. Da seine Eltern ihn aber finanziell unterstützten, hatte er Angst sie zu enttäuschen. Außerdem wußte er auch einfach nicht, was er stattdessen machen wollte. Er hat es dann immer weiter verdrängt, wollte kurz vor seiner Diplomarbeit alles hinschmeißen und hat auf mein Einreden hin dann doch den Abschluß gemacht, sogar mit Note 2.
Danach hat er über Beziehungen einen job bekommen, in dem er mehr oder weniger eine "ruhige Kugel" schieben konnte, da es eine Art Projektarbeit war, bei der er ohne irgendwelchen Druck von außen arbeiten konnte. Unzufrieden war er aber trotzdem und hat immer wieder gesagt, er würde gerne was anderes machen. Aber Was? Seit 3 Monaten arbeitet er in einer anderen Softwarefirma und ist immer unzufriedener. Er sieht keinen Sinn mehr in dieser Arbeit. Er sagt immer wieder, er versteht das Programmieren auch nicht, es ist einfach zu schwer für ihn.
Anfangs dachte ich immer, ach, das vergeht. Wenn er erst mal arbeitet und Geld verdient, dann wird das schon. Aber bald hab ich erkannt: Er ist kein "typischer IT´ler", er sitzt nicht stundenlang vorm Bildschirm und hackt irgendwelche Dinge ein. Er ist eher ein gesellliger Mensch mit Handwerklichem Geschick. Er ist von vielen Dingen begeistert, aber was er wirklich will, das weiß er nicht. manchmal kommen so Sachen wie: Landwirt, Tierpfleger, dann wieder Zahntechniker,.... zur Zeit ist es Fotograf (das ist sein Hobby).

Zu meiner Lage: Als Lebensmitteltechnologin ist es in meiner Stadt sehr schwer was zu finden. Meine jetzige Arbeit geht noch bis März 2007, dann ist Schluß. Die meisten meiner Studienkollegen sind in alle Himmelsrichtungen verstreut. Nur 1 oder 2 haben in meinem Bundesland was gefunden. Ich arbeite momentan auch auswärts, d.h. ich pendele jedes WE 250 km. Das ist auch eine Belastung für unsere Beziehung. Deshalb will ich unserer Stadt bleiben, wo ich aber mit Sicherheit nichts finden werde, da kaum Möglichkeiten sind.

Fast jedes WE drehen sich unsere Gespräche um das Thema Beruf und wie es weitergehen soll. Wir sind beide total frustriert.:niedergeschmettert: Haben schon an Selbständigkeit gedacht, aber womit? Oder an eine zweite Ausbildung, aber was? Und vor allem wovon?:wie?:

Meine Fragen also:

Geht/Ging es jemandem ähnlich?
Wie soll man entscheiden, was man machen soll?
Bekommt man für eine Ausbildung noch Stütze vom Staat, wenn man vorher studiert und BaföG erhalten hat?
Was soll man gegen die Angst machen, was wohl die Familie/Freunde,... darüber denken/sagen werden?

Eure verzweifelte Lucilla

Inaktiver User
31.10.2006, 19:04
Liebe Lucilla,

erst mal habt ihr doch einen großen Trumpf, beide: Ein abgeschlossenes Studium. Auch wenn man sich mit seinem Studienfach nicht 100 Pro identifiziert - wer tut das schon - kann man irgendwo eine Nische finden, in der es einem dann doch Spaß macht. Aber das kann ein paar Jobs dauern :zahnschmerzen:

Bei deinem Freund ist aber wohl die Unentschlossenheit das größte Problem. Wenn er was anderes machen würde, stünde er vielleicht nach einem Jahr genauso frustriert da.

Vielleicht denkt ihr mal ein bisschen in Richtung Aufbaustudium? Da gibt es doch eine Menge Angebote, auch als Fernstudium. Für deinen Freund vielleicht was in Richtung Medien/Design, das käme doch dem Fotographieren nahe und er könnte seine Fachkenntnisse nutzen. Eine Finanzierung wird sich irgendwie finden, wichtiger ist erst mal, überhaupt zu einem Entschluss zu kommen. Was Freunde und Verwandte sagen, ist doch erst mal nicht entscheidend - DIE müssen ja den öden Job nicht machen.

Oft ist es so, dass sich eine Änderung erst ganz langsam abzeichnet, nach vielen Gesprächen. Da seit ihr ja jetzt bei, also auf dem besten Weg. Nicht verzweifeln, das wird schon.

Apfeltasche

Fcl
31.10.2006, 21:09
Aber bald hab ich erkannt: Er ist kein "typischer IT´ler", er sitzt nicht stundenlang vorm Bildschirm und hackt irgendwelche Dinge ein.


Hallo Lucilla,

also, das Berufsbild eines Informatikers ist doch etwas breiter als des des Programmierers ohne Tageslicht. Da gibt es noch die Datenbank-Administration, dann die technische Informatik (nah an der E-Technik), dann die Netzwerker (Router, Switche & Co), dann den Service-Bereich (Support), dann die System-Administration (Recherbetreuung), Bio- & Medizin-Informatik, Web,...usw. usw.



Er ist eher ein gesellliger Mensch mit Handwerklichem Geschick. Er ist von vielen Dingen begeistert, aber was er wirklich will, das weiß er nicht. manchmal kommen so Sachen wie: Landwirt, Tierpfleger, dann wieder Zahntechniker,.... zur Zeit ist es Fotograf (das ist sein Hobby).


Ich bin mal ehrlich, was ich denke: Der Kerl weiß nicht, was er will. Der hat auf Druck seiner Eltern studiert, sich nicht auf eine Richtung festgelegt, ist jetzt ein "Mitarbeiter" und träumt alle Wochen von 'was Neuem'.



Geht/Ging es jemandem ähnlich?


Ich kenne ein paar ähnliche Charaktere aus der Schul- und Studienzeit. Nicht der Rede wert...



Wie soll man entscheiden, was man machen soll?


"Wir hatten das Ziel aus den Augen verloren, aber ruderten mit doppelter Kraft".

Schon mal überlegt, ihm kräftig in den Hintern zu treten? Ist ihm Eure (finanzielle) Lage so klar wie Dir?

Gruß, fcl :allesok:

Keela
01.11.2006, 07:36
Ich empfehle gerade bei solchen Fragen immer wieder gerne ein Coaching. Das kann in wenigen Stunden klären.
LG Keela

Reffre
01.11.2006, 11:45
Erst zu dir: wenn dir dein Job gefällt, sehe ich keinen Grund zu wechseln. Wenn du in der Stadt, in der dein Freund arbeitet keinen Job findest, muss sich dein Freund eben nach dir orientieren und sich dort bewerben wo du Arbeit hast. Als ITler ist er sicher flexibler als du.

Zu deinem Freund: dein Freund scheint allgemein etwas antriebslos und nörgelig zu sein. Es gibt keinen Job, der einen zu 100 % ausfüllt und super spannend ist. So ist nun mal das Berufsleben. Es gehört nun mal auch Überwindung und Disziplin dazu. Dein Freund wird auch mit einem weiteren Studium nicht glücklich werden. Er scheint ja von nichts überzeugt zu sein.

Inaktiver User
01.11.2006, 12:05
Hallo Lucilla,

doch das gibt es! Meinem Mann und mir geht es ähnlich. Nur sieht es bei uns noch etwas blöder aus. Mein Mann hat nämlich nicht mal eine Ausbildung (hat lange in der IT-Branche gearbeitet und ist jetzt arbeitslos). Spaß macht ihm die Computer-Arbeit auch nicht mehr. Und ich bin brotlose Journalistin, mein Job ist auch befristet, macht mir wenig Spaß, und ich habe keine Ahnung, wie es danach weiter gehen soll. Das Thema beschäftigt mich auch fast ständig.
Die Frage "was sagen Eltern dazu" kenne ich auch. Bei mir ist es leider so, dass ich mir sehr schnell unter Druck setzen lasse und mich vom Einfluss meiner Eltern auch nicht frei machen kann, obwohl ich weiß, dass es blöd ist.
Was willst Du denn jetzt tun? macht Dir denn Dein Job grundsätzlich spaß? Dann fände ich es glaube ich am besten, wenn Du Dich bundesweit bewirbst, und Dein Freund sich dann nach Dir richtet.
Viele Grüße
cat

lucilla
01.11.2006, 20:04
Hallo Lucilla,
Ich bin mal ehrlich, was ich denke: Der Kerl weiß nicht, was er will. Der hat auf Druck seiner Eltern studiert, sich nicht auf eine Richtung festgelegt, ist jetzt ein "Mitarbeiter" und träumt alle Wochen von 'was Neuem'.


Ja, das trifft es ganz gut. Aber ich denke, er war vor seinem Studium einfach noch nicht so weit, eine "bessere" Entscheidung zu treffen. Nicht jeder Mensch hat klare, konkrete Vorstellungen, was er beruflich werden will. Das geht doch vielen so, dass sie erstmal irgendwas machen und dann merken, das ist es nicht. Nur hören die meisten dann rechtzeitig auf und machen was Neues. Oder aber sind ihr Leben lang frustriert.



Schon mal überlegt, ihm kräftig in den Hintern zu treten?


Wozu? Was soll das bringen? Ich meine, wenn jemand mal über seinen job klagt, dann ist das normal. Wie du schon sagtest, sehr wenige sind rundrum mit ihrer Arbeit zufrieden. Aber wenn du dich wirklich jeden Tag zur Arbeit quälst und merkst, dass es dir einfach nicht liegt, dass du auch mit noch so großer Anstrengung nicht dahinter steigst, oder überhaupt keinen Sinn in dem siehst, was du da machen mußt......Und wenn das über Jahre so geht....
Was ich sagen will: es ist kein Problemchen, das man mal so lapidar vom Tisch fegt, oder sagt: "Reiß dich zusammen!" Außerdem kann ich nicht über sein Leben entscheiden. Ich möchte nicht für immer mit ansehen wie deprimiert und frustriert er ist. Und irgendwann wirft er mir vielleicht vor, dass ich ihn nie unterstützt habe. Ich denke. bißchen Druck machen ist okay, ihn unterstützen so gut wies geht, noch besser.

@Apfeltasche:

Zitat: "Auch wenn man sich mit seinem Studienfach nicht 100 Pro identifiziert - wer tut das schon - kann man irgendwo eine Nische finden, in der es einem dann doch Spaß macht. Aber das kann ein paar Jobs dauern"

Danke für die Aufmunterung, das hoffe ich inständig!
Vielleicht weiß er einfach nur nicht von den Möglichkeiten, die er hätte. Auch das mit dem Aufbaustudium ist ne gute Idee. Das werd ich ihm auf jeden Fall noch mal vorschlagen.

@cat74:

Zitat:"Was willst Du denn jetzt tun? macht Dir denn Dein Job grundsätzlich spaß? Dann fände ich es glaube ich am besten, wenn Du Dich bundesweit bewirbst, und Dein Freund sich dann nach Dir richtet."

Ja, mein job macht mir Spaß und ich würde gerne in der Firma bleiben, weil das Klima, die Kollegen und alles eigentlich stimmt. Ich arbeite dort erst seit Juni, hatte aber zur Studienzeit dort meine Diplomarbeit geschrieben. War dann ein Jahr woanders, dann haben sie mich gefragt, ob ich nicht wechseln und bei ihnen einsteigen will. Das hab ich gemacht. Nach einem Monat habe ich dann mitbekommen, dass die Abteilung geschlossen wird. Sie wollten mich daraufhin nach Frankreich oder Belgien schicken, das hab ich abgelehnt. Aus Kulanz wollen sie mir jetzt bei der jobsuche helfen. Momentan bin ich in einer anderen Abteilung untergebracht, wo aber keine Aussicht besteht, sich dort "einzunisten". Pech gehabt, würd ich sagen.
Weiß jedenfalls nicht, wies weitergehen soll. Hoffe, dass ich vielleicht doch in meiner Gegend was finden werde, vielleicht nur nicht sofort. In ein anderes Bundesland...... Hm, das wird wohl die allerletzte Lösung sein. Bin sehr heimatverbunden, auch wenn das heutzutage "out" ist. Unsere beiden Familien wohnen ca. 80km von uns entfernt und das reicht schon. Außerdem bin ich jetzt zum dritten Mal "Pendlerin" und langsam reichts. Irgenwann möcht ich auch mal an Familienplanung usw. denken.
Mein Freund wollte übrigens gern dahin kommen, wo ich jetzt arbeite. Aber nach dieser Pleite ist das jetzt eh passè und beim nächsten Mal würde ich da vorher auch sehr vorsichtig sein, einfach alles aufzugeben und weg zu gehen.
Und was werdet ihr tun?

LG

Lucilla

Fcl
01.11.2006, 21:13
Hallo Lucilla, :ahoi:


Aber ich denke, er war vor seinem Studium einfach noch nicht so weit, eine "bessere" Entscheidung zu treffen. Nicht jeder Mensch hat klare, konkrete Vorstellungen, was er beruflich werden will. Das geht doch vielen so, dass sie erstmal irgendwas machen und dann merken, das ist es nicht. Nur hören die meisten dann rechtzeitig auf und machen was Neues. Oder aber sind ihr Leben lang frustriert.


Äh, ich würde statt "machen was Neues" sagen, "entscheiden sich für etwas Neues" - Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Frustiert sein ist einfach, da sind die anderen Schuld und man kann ja nichts ändern. Frust hat jeder im Beruf. Entweder akzeptiert man die Rahmenbedingungen, oder man ändert sie (ggf. mit allen Konsequenzen).



.....Und wenn das über Jahre so geht....

Dann hat einen das nicht wirklich gestört.... Oder?



Was ich sagen will: es ist kein Problemchen, das man mal so lapidar vom Tisch fegt, oder sagt: "Reiß dich zusammen!" Außerdem kann ich nicht über sein Leben entscheiden.

Richtig! Genau das sollst Du nicht tun - der sucht nämlich jemanden, der ihm die Verantwortung abnimmt. Stell ihm eine Frage: "Okay, wie willst Du das ändern?" Der Freund ist - so würde ich aus Deinen Worten ableiten - bisher durchs Leben gekommen, ohne entscheiden zu müssen (und damit auch Verantwortung übernehmen zu müssen).



Ich möchte nicht für immer mit ansehen wie deprimiert und frustriert er ist. Und irgendwann wirft er mir vielleicht vor, dass ich ihn nie unterstützt habe.

Gut, dann kennst Du seine Waffen, um Dir die Verantwortung für sich zuzuschieben!



Ich denke. bißchen Druck machen ist okay, ihn unterstützen so gut wies geht, noch besser.

Unterstützen bei was?

Ich hoffe, Du verstehst meine deutlichen Worten... Ich habe über Jahre an der Uni Studenten betreut (Tutorien, Seminar, Diplomarbeiten) und betreue nun in geringerem Umfang Diplomarbeiten. Heute bin ich für eine Handvoll Leute und Hiwis verantwortlich und das Verhaltensmuster Deines Freunds ist mir sehr gut bekannt. :knatsch:

Gruß, fcl

Mathilde
02.11.2006, 09:35
Hallo Lucilla,

ich gebe Fcl in allen Punkten uneingeschränkt recht. Vielleicht noch ergänzend dazu:

bei Dir hört sich "unterstüzten" im Augenblick so an wie "Rücksicht nehmen" Und das halte ich für den völlig falschen Weg.

Narürlich ist nicht jeder direkt nach der Schule so weit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber mit 18 ist man volljährig, darf wählen, darf Kredite aufnehme, darf kaufen, was man will und Verträge schließen, sogar heiraten darf man mit 18. Die Dinge, die ich gerade aufgezählt habe, sind teilweise mindestens so entscheidend für das weitere Leben wie die Berufswahl.

Bei den meisten dieser Dinge ist es auch keine Frage, daß man, wenn man in die Kloschüssel gefaßt hat mit seiner Entscheidung, die Konsequnezen tragen muß. Genau das tut Dein Freund m.E. im Augenblick nicht. Er nölt Dich voll und wird mit seiner Unzufriedenheit für Dich irgendwann zur Belastung. Und wenn er seinen Job schmeißt, auch noch finanziell.

Wie alt ist er jetzt? Abitur, Ausbildung, 4 1/2 Jahre Job....da kommen doch +/- 30 Jahre raus, oder? Und da überlegt er sich alle 14 Tage etwas anderes, was es denn beruflich sein könnte????

Mathilde

Inaktiver User
02.11.2006, 12:39
Hallo Mathilde,

ich finde, als Außenstehende ist es natürlich leicht, so zu urteilen. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute es gibt, die unzufrieden mit Ihrem Job sind. Ich gehöre auch dazu, obwohl ich schon 32 Jahre alt bin! Aber vieles lässt sich mit 18 eben noch nicht einschätzen. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren verändert. Natürlich, da gebe ich Dir recht, bringt es auf Dauer nichts, sich nur zu beklagen. Irgendwann muss man aus der Unzufriedenheit auch Konsequenzen ziehen und etwas tun. Aber auch das ist manchmal leichter gesagt als getan. Ich verweise nochmal auf die heutige Arbeitsmarktsituation! Wer stellt denn da so einfach einen 30-Jährigen ein, der vorher etwas total anderes gemacht hat?
also: so einfach ist es nicht. Und eine Veränderung muss man sich glaube ich wirklich gut überlegen. Was ja nicht heißt, dass es unmöglich ist.

@Lucilla: ja, diese Probleme mit pendeln, Familienplanung etc. haben einige meiner Freunde auch. Ist wirklich schwierig, und ich wüsste auch nicht, was ich Dir da raten soll.
Ich überlege die ganze Zeit hin und her, ob ich auf "Lehramt" wechseln soll. Ich hätte da als Quereinsteigerin ganz gute Chancen. Der Vorteil wäre: Es ist ein krisensicherer Job, wichtig auch, weil ich ein Baby habe und auf das Einkommen meines Mannes im Moment nicht so wirklich bauen kann. Andererseits bin ich halt nicht so sicher, ob Lehramt das richtige für mich ist!
Mein Mann bewirbt sich weiterhin auf IT-Jobs, auch wenn er das nicht so toll findet. Aber ich glaube, in einem anderen Bereich hätte er mangels Berufserfahrung überhaupt keine Chance. Und eine prickelnde Alternative fällt ihm auch nicht ein.
Ich kann Dich echt verstehen, diese Berufsfragen können einen ganz schön zermürben.
Liebe Grüße
cat

Mathilde
02.11.2006, 13:03
Hallo Cat,

daß es leicht ist, das hat ja niemand gesagt. Auch ich nicht. Ich schreibe das auch unter dem Gesichtspunkt, daß mir als Beraterin viele Menschen begegnen, denen es um das Thema Veränderung geht. Manche wollen, inkl. der Konsequenzen, wirklich etwas bei sich bewegen und da klappt das häufig auch. Nicht immer in Richtung der Idealvorstellungen, aber doch in eine Richtung, mit der man gut leben kann.

Und dann gibt es die, bei denen man sich als Berater abzappeln kann bis zum Abwinken. Dabei sind viele, bei denen ich den Eindruck habe, daß sie im Stadium des Jugendlichen, der VOR allen Entscheidungen steht, gerne beibehalten wollen, die scheinbar nicht wirklich Verantwortung für ihr Leben übernehmen wollen.

Wenn jemand 30 Jahre ist und gar eine akademishe Ausbildung hat, dann erwarte ich, daß er oder sie in der Lage ist, seine Fragen und Überlegungen zu strukturieren oder, wenn man das alleine nicht schafft, jemanden zu suchen, der einen dabei unterstützt. Wenn man dann noch für diese Beratungsleistung bezahlt, umso besser. Nicht (nur) für den Coach, sondern vor allem für den Ratsuchenden, der dann nämlich in der Regel viel besser versteht, was sein Hin und Her im Entscheidungsprozess kostet.

Ziemlich unakzeptbabel wäre es in einer Beziehung für mich, wenn ich eigentlich zufrieden bin mit dem, was ich gelernt habe, mein Partner aber nicht und ich in einem Forum posten muß "Doppelt falscher Beruf - was sollen WIR tun?" Ich denke, WIR können da gar nichts tun, ER muß was tun!

Viele Grüße

Mathilde

Keela
02.11.2006, 14:10
Fcl, Mathilde
eure Beschreibungen entsprechen auch meinen Erfahrungen.
Lucilla hat allerdings doch auch ein Problem: sie möchte ihren erlernten Beruf ausüben in ihrem Bundesland, so heimatnah wie möglich.

lucilla

Bekommt man für eine Ausbildung noch Stütze vom Staat, wenn man vorher studiert und BaföG erhalten hat? In euren beiden Situationen nicht. Es gibt nur finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wenn ihr in euren erlernten Berufen mittel bis langfristig keine Anstellungen bekommen könntet. Das ist bei euch nicht so.

Was soll man gegen die Angst machen, was wohl die Familie/Freunde,... darüber denken/sagen werden?
Ich glaube es geht nicht darum gegen die Angst etwas zu machen. Aus meiner Sicht könnte es darum gehen mit der Angst/trotz der Angst das zu machen von dem du ein tiefes inneres Gefühl hast, dass das für dich richtig ist.

Wie soll man entscheiden, was man machen soll?
In Bezug auf meinen vorangegangenen Satz: Mach dich auf die Suche nach dem tiefen, inneren Gefühl was für dich richtig ist - unter den vorhandenen äußeren Umständen.
Gerne wiederhole ich mich da auch: eine professionelle Beratung/ein Coaching kann da innerhalb weniger Stunden klären.

:smile: freundlichst
Keela

Inaktiver User
02.11.2006, 14:10
Hallo Lucilla,
das sehe ich ähnlich wie mathilde - du kannst ihm seine entscheidungen nicht abnehmen. natürlich sollte man sich in einer partnerschaft unterstützen und dem anderen auch mit ideen und ratschlägen zur seite stehen, aber eine entscheidung, einen weg, sollte er in der lage sein irgendwie selbst zu finden.
aber ich kenne das problem selbst auch - nachdem ich wieder arbeitslos geworden bin, weiß ich langsam auch nicht mehr weiter...
@ mathilde:
was erwartet einen eigentlich bei einem solchen coaching-gespräch? ein bekannter von mir hat mir ein solches kostenfrei angeboten, aber es ist mir irgendwie unangenehm - gerade weil er der freund einer freundin ist und kein völlig fremder.
grüße,
lillan

Mathilde
02.11.2006, 14:33
Hallo Lillian,

es tut nicht weh, so ein Coaching, ehrlich! Daß Du bei einem Bekannten das nicht so gerne möchtest, kann ich gut verstehen. Ich trenne da für mich sehr genau!

Wie man vorgeht, ist unterschiedlich, aber im Grunde geht es immer um eine Bestandsaufnahme (die lasse ich in der Regel vorher schriftlich machen, damit man schon mal eine Grundlage hat und auch Zeit und damit Geld gespart wird. Es geht auch immer darum, die Entscheidungen zu reflektieren, die einen zum augenblicklichen Punkt geführt haben, Annahmen von der Wirklichkeit in Beruf / persönliches Leben / regionale Bindung etc. zu beschreiben und zu überprüfen (sozusagen ein Realitätscheck!) und darauf basierend realistische (!!!!!) Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Einen großen Teil dieser Aufgaben kann der Ratsuchende selbst erledigen; ich sehe ein coaching eher als eine Prozessbegleitung!


Grüße

Mathilde

Inaktiver User
02.11.2006, 20:23
Hallo Mathilde,
mal ne Frage: Wie kommt man denn an einen guten Coach ran? Hast du da vielleicht Adressen? (gerne auch per PN, falls man das hier wg. Werbeverbot nicht schreiben darf)
Und was kostet denn so was im Schnitt?

Vielen Dank schon mal!

Laetitia

Mathilde
02.11.2006, 20:39
Ja, wie kommt man an einen guten Dienstleister? Gute Frage! Wenn ich einen Frisör suche, dann stelle ich mich vor die Tür und schaue, wie die Leute auf dem Kopf aussehen, die rauskommen.

Also so ähnlich...

Eine gute Möglichkeit finde ich sind Foren, in den mit dem realen Namen geschrieben wird und in denen berufliche Themen behandelt werden. Da kann man die einzlenen Coaches, die da mitschreiben, schon mal in Aktion erleben und entscheiden ohne persönliche Kontaktaufnahme, ob einem jemand zusagt oder nicht. Speziell bei openbc (kennst Du das?) gibt es dazu verschieden Foren, in einem davon moderiere ich mit noch jemandem. Das ist allerdings für Männer und Frauen, aber sehr lebendig und voll von Informationen zum herumlesen. Femity ist auch eine Community, allerdings nur für Frauen. Auch da kannst Du suchen.

Die Preise, ein leidiges Thema! Es gibt Leute, die bieten eine Stunde schon für 30 € an. Das halte ich für Dumpingpreise, davon kann niemand, der das freiberuflich macht, leben. Und ich bin mir da mit der Qualität auch nicht sooo sicher, ohne über Kollegen herziehen zu wollen. Nach oben gibt es keine Grenzen. Bei www.in-eigener-sache.de kostet Telefoncoaching 1 € die Minute.

Ist das erst mal genug an Infos? Sonst frag weiter!

mathilde

lucilla
02.11.2006, 21:07
Danke erst mal für eure unterschiedlichen Meinungen. Es ist gut, die verschiedenen Sichtweisen von Außenstehenden zu hören.

@Fcl:



Dann hat einen das nicht wirklich gestört.... Oder?


Das stimmt. Im Grunde seh ich es auch so. Wenn mich etwas total stört, dann MUSS ich es IRGENDWIE ändern. Weiß nicht,...vielleicht hat er nicht genug Mut.



Der Freund ist - so würde ich aus Deinen Worten ableiten - bisher durchs Leben gekommen, ohne entscheiden zu müssen (und damit auch Verantwortung übernehmen zu müssen).


Auch das stimmt. Den ersten job hat er wirklich über Beziehungen bekommen. Den zweiten jedoch nur durch harte Arbeit (er mußte ein Programm zur Probe schreiben). Allgemein hat er aber tatsache nie wirkliche Probleme gehabt, was zu finden, bzw. zu entscheiden.
Ich mußte mich z.B. entscheiden, ob ich eine Arbeit weitermache, die total stressig, schlecht bezahlt und bei der das Arbeitsklima grottenschlecht war oder ob ich eine super Chance nutze, bei der ich dafür Haufen zusätzliche Kosten durch Zweitwohnung und Fahren in Kauf nehmen mußte. Hab mich für letzteres entschieden.

@Mathilde:

Zitat: "Wie alt ist er jetzt? Abitur, Ausbildung, 4 1/2 Jahre Job....da kommen doch +/- 30 Jahre raus, oder? Und da überlegt er sich alle 14 Tage etwas anderes, was es denn beruflich sein könnte????"

Er ist 29 und ja, so ähnlich ist es wirklich.
Ich hab ihm auch schon oft gesagt:
"Du mußt doch wissen, was du gerne machen willst!"
"Denk doch mal ganz scharf nach oder geh zum Berufsberater oder informier dich im Internet über verschiedene Berufe, oder, oder, oder..."
"Schreib endlich Bewerbungen, von nichts kommt nichts"
"Hör dich um nach Weiterbildungsmöglichkeiten, zusätzlichen Ausbildungen,bla bla bla"

Langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich würde ihm gerne helfen, weiß aber nicht wie. Und vielleicht liegt ja wirklich da der Hund begraben: Zitat von Mathilde:

"Ich denke, WIR können da gar nichts tun, ER muß was tun!"

Hm, weiß ich ja, weiß ich.

Je mehr ich über eure Antworten nachdenke.......
Aber was soll ich ihm sagen?

"Ist mir egal, sieh zu..."?
"Mach was oder lass es"?
"Aus dir wird nie was"?

Soll ich ihn verlassen, aus Angst, dass er finanziell nichts mehr "bieten" kann?

Um noch mal klar zu stellen: Ich liebe diesen Mann und wünsch mir ja auch nur, dass er glücklich ist. Mit mir ist er das (hoffe ich :smirksmile: ), fehlt nur noch die Arbeit.

Also los, jetzt her mit der ultimativen Lösung!!!

Mathilde
02.11.2006, 21:14
Druck diese Diskussion aus und zeig sie ihm. Ohne Kommentar oder nur mit dem Hinweis: so geht es mir, diese Gedanken mache ich mir und ich will, das sich das ändert. Und vielleicht: Ich will mit einem erwachsenen Mann zusammen leben.

Das wäre jedenfalls mein Weg.

Mathilde