PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Engl.-deutsche Anrede?



Kunigunde
30.10.2006, 07:43
Nächste Woche habe ich ein Ganztagsmeeting plus Abendessen mit 3 englischen Kollegen (intern und extern) und einem Vertreter aus Deutschland. Nun stell ich mir das schon gerade wieder vor. Die Engländer nehmen selbstverständlich den Vornamen, die Deutschen den Nachnamen. Wir haben also Peter, Paul and Mary und Herrn Ingo Meyer und Frau Kunigunde Müller.

Peter, Paul und Mary sagen also Ingo, ich sag Herr Meyer. Herrn Meyer geht es ebenso, er sagt Peter, Paul, Mary und Frau Müller.

Wie löst man dieses Durcheinander? Oder kann man das gar nicht lösen ohne Anstandsregeln zu verletzen? Wer von uns Deutschen bietet denn evtl. an, auch den Vornamen zu nennen? Macht das Herr Meier oder mach ich das? Nach Alter kann nicht gehen, wenn ich richtig weiß, sind wir der gleiche Jahrgang.

Eure ratlose
Kunigunde

Tszimisce
30.10.2006, 09:00
Im Zweifelsfall vertrau auf dein Gefühl. Üblicherweise (wenn man so Schmonzetten wie "business knigge" ranzieht) bietet der "Ranghöhere" (oder besserverdienende ;-)) die Namensnennung an. Persönlich würde ich es danach richten, wie du mit Herrn Meier stehst. Wenn ihr euch eh schon ständig seht und mögt, ist das eine gute Gelegenheit, um zum Du überzugehen. Wenn ihr ansonsten keinen weiteren Kontakt habt und euch vielleicht einmal im Jahr über den Weg lauft, bleib lieber beim Sie.

Außerdem ist nicht gesagt, daß die Engländer "selbstverständlich" die Vornamen nehmen. Es sind keine Amis. Laß es auf dich zukommen, das wird schon werden.

Inaktiver User
30.10.2006, 09:07
Ich würde den deutschen Kollegen im Vorfeld einfach fragen, wie ihr das handhaben wollt:
* wie redet Ihr Euch an? Ingo und "You" oder Mr. Meyer und "You"
* wenn ihr gleichaltrig sein, dann hat er Dich eigentlich vorzustellen in der Runde. Wenn er der Unbekannte bei dem Meeting ist, stellst Du ihn vor, mit Vor- und Nachnamen.

Tante_Karla
30.10.2006, 12:27
Nun stell ich mir das schon gerade wieder vor. Die Engländer nehmen selbstverständlich den Vornamen, die Deutschen den Nachnamen.

Stellst Du Dir das vor oder weisst Du aus Erfahrung, dass es so ablaufen wird?
Die Engländer, die ich beruflich kennengelernt habe, haben sich und mich auch mit Nachnamen angesprochen - wie schon gesagt wurde, es sind Engländer und keine Amis.

Butterkeks
30.10.2006, 13:04
Stellst Du Dir das vor oder weisst Du aus Erfahrung, dass es so ablaufen wird?


Das würde mich jetzt auch interessieren.
Wie handhaben denn das andere in der Firma in der Du bist?

Bei uns sehe ich das nie wirklich als Problem und käme auch nicht auf den Gedanken eine Schnellzwangsverbrüderung durchzuführen. Die deutschen Kollegen reden sich so an wie immer und die Engländer (sind bei uns auch Vornamensager) bzw. Amerikaner eben mit Vornamen.

Niemand zwingt dem anderen seine Gewohnheiten auf. Du erwartest doch auch nicht das die englischen Kollegen sich plötzlich mit Mr. XXX anreden. Weshalb solltest Du Deinen Chef oder Kollegen dann plötzlich vertraulich "Fritz" nennen.

Wenn im Gespräch bezuggenommen wird auf jemanden sagt man dann sowieso Vor- und Zunamen und nicht Herr/Frau XXX.

Kunigunde
30.10.2006, 14:21
Es ist nicht nur meine Vorstellung sondern es läuft immer so ab. Und nun wollte ich ganz einfach mal wissen, ob es eine Alternative dazu gibt. Denn mit dem Herrn Meyer bin ich nicht per DU und möchte es eigentlich auch gar nicht sein. Ich kennihn zwar schon seit Jahren aber nur vom Job. Er ist Verkäufer und ich Einkäuferin.

honzina
30.10.2006, 14:33
Es ist nicht nur meine Vorstellung sondern es läuft immer so ab. Und nun wollte ich ganz einfach mal wissen, ob es eine Alternative dazu gibt. Denn mit dem Herrn Meyer bin ich nicht per DU und möchte es eigentlich auch gar nicht sein. Ich kennihn zwar schon seit Jahren aber nur vom Job. Er ist Verkäufer und ich Einkäuferin.

Peter, Paul und Mary sind ja aber auch nicht per Du, sondern nennen sich beim Vornamen. Das ist nicht dasselbe :-)

(Ich wuerde ebenfalls die deutschen Kollegen genauso anreden, wie immer. Dann ploetzliche Ingo und 'You' zu sagen, wirkt doch eher gekuenstelt, wenn ihr es sonst nicht tut.

Honzina

Tante_Karla
30.10.2006, 14:38
Es ist nicht nur meine Vorstellung sondern es läuft immer so ab. Und nun wollte ich ganz einfach mal wissen, ob es eine Alternative dazu gibt. Denn mit dem Herrn Meyer bin ich nicht per DU und möchte es eigentlich auch gar nicht sein. Ich kennihn zwar schon seit Jahren aber nur vom Job. Er ist Verkäufer und ich Einkäuferin.

Ich würde dann eben mit dem Durcheinander leben also die Engländer mit Vornamen anreden und mich auch anreden lassen und mit Herrn Meyer beim "Sie" bleiben.

Polarstern
30.10.2006, 15:46
Hallo Kunigunde,

ich schließe mich meinen Vorschreiberinnen an; gemixt weitermachen!
Ich habe mal einen internationalen Workshop organisiert, bei dem ich viele der Teilnehmer gut kannte, aber einige (gerade die Deutschen) noch nie gesehen hatte. Den Deutschen ist manchmal auch der Titel viel wichtiger.
Es endete also wie folgt: die Ausländer wurden durch die Bank geduzt (egal welcher Titel), diejenigen, mit denen ich schon zusammengearbeitet hatte auch, und die "neuen Deutschen" mit Titel und Namen angesprochen. Das hat sich auch in 5 Tagen nicht geändert, die Bewußt-Titelträger haben niemandem das "Du" angeboten.

Insgesamt war es etwas schräg, weil ich echte Koryphäen in unserem Fach geduzt habe, während die kleineren Ränge sich stur siezen liessen. Aber jeder wie er mag :smirksmile:.

Wenn Du den deutschen Kollegen sonst kaum siehst und Ihr nicht außerordentlich gut klarkommt, würde ich es beim gewohnten Modus belassen.

Liebe Grüße
Polarstern

Aviva
30.10.2006, 16:28
Ich wuerde wahrscheinlich versuchen, es zu vermeiden, den deutschen Kollegen in so einer Situation direkt mit Namen anzureden. Wenn Du mit dem englischen Besuch ueber den deutschen Kollegen sprichst (z.B. wenn Du ihnen einen Deutschen vorstellen sollst), wuerde ich einfach den Vor- und Nachnamen sagen und (so vorhanden) den Titel unter den Tisch fallen lassen.

Kunigunde
30.10.2006, 16:36
Vielen Dank für Eure Antworten. Dann lass ich es wie es ist!
Gut ist, dass Ihr mir bestätigt habt, dass es richtig ist so wie es jetzt läuft.

LG
Kunigunde

Patch54
31.10.2006, 12:43
Hallo, Kunigunde,

wenn sie eine Konstellation häufiger vorkommt (deutsche Kollegen, mit denen du dich eigentlich siezt und Engländer), gibt es langfristig vielleicht noch die Zwischenlösung: Vorname und Sie. Kommt einem erstmal ein wenig komisch vor, ich habe mich aber damals schnell dran gewöhnt.
Hier in Holland kommt das relativ häufig vor; man redet sich eigentlich fast immer mit Vornamen an, es gibt aber dann noch den Unterschied mit Du und Sie. Gerade bei Kollegen, die weit über einem stehen oder mit denen man eigentlich gar nicht so gerne vertraulicher werden will, finde ich das ideal.

LG
Patch

Inaktiver User
01.11.2006, 20:53
bei uns ist es recht üblich, wenn man in einem gespräch mit dem englischsprachigen geschäftspartner den namen eines kollegen, den man selbst aber nur mit "Sie" anredet, erwähnt, den nachnamen auszulassen. hm, was für ein satz :unterwerf:. rede ich über meinen kollegen herrn meyer, nenne ich ihn matthew gegenüber aber fritz. auch wenn fritz ranghöher ist. liegt aber auch daran, dass fritz meyer und matthew sich mit vornamen anreden.

ich finde das alles aber auch immer recht verwirrend. spreche ich mit einem kunden in spanien oder portugal, bin ich irgendwie irritiert, wenn die mit ihrem vornamen auftreten. was mache ich denn im gegenzug, wenn mich jemand (vll sogar ein noch eher unbekannter) am ende eines telefonats nochmal nach meinem namen fragt? gewohnterweise nenne ich ja meinen nachnamen. ist das nicht aber irgendwie unhöflich, wenn er/sie mir in der gleichen situation "carmen" antwortet bzw antworten würde?

lg
luci

Edelherb
01.11.2006, 21:13
bei uns ist es recht üblich, wenn man in einem gespräch mit dem englischsprachigen geschäftspartner den namen eines kollegen, den man selbst aber nur mit "Sie" anredet, erwähnt, den nachnamen auszulassen. hm, was für ein satz :unterwerf:. rede ich über meinen kollegen herrn meyer, nenne ich ihn matthew gegenüber aber fritz. auch wenn fritz ranghöher ist. liegt aber auch daran, dass fritz meyer und matthew sich mit vornamen anreden.

Das kenne ich auch und es stört mich nicht.

Lustig wird es auch in der E-Mail-Kommunikation. Ich schicke englische E-Mails an ganze Projektgruppen. Da wird auch auf Vornamenebene gearbeitet und ich unterschreibe entsprechend nur mit Vornamen.

Manchmal anworten mir auch Deutsche auf Englisch (z.B. weil noch jemand anders in cc ist), dann läuft es weiter mit Vornamen. Gibt es einen rein deutschen Kontakt, wird plötzlich wieder der Nachname verwendet. Ich find's einfach witzig.


ich finde das alles aber auch immer recht verwirrend. spreche ich mit einem kunden in spanien oder portugal, bin ich irgendwie irritiert, wenn die mit ihrem vornamen auftreten. was mache ich denn im gegenzug, wenn mich jemand (vll sogar ein noch eher unbekannter) am ende eines telefonats nochmal nach meinem namen fragt? gewohnterweise nenne ich ja meinen nachnamen. ist das nicht aber irgendwie unhöflich, wenn er/sie mir in der gleichen situation "carmen" antwortet bzw antworten würde?

Ich würde dann einfach den vollen Namen sagen: Luci Meier. Dann können sie sich aussuchen, was sie davon nehmen.

Grüße,
Edelherb

Inaktiver User
01.11.2006, 21:40
Ich würde dann einfach den vollen Namen sagen: Luci Meier. Dann können sie sich aussuchen, was sie davon nehmen.


genau das habe ich gestern mal getestet. nun ist mein realer vorname eher ungewöhnlich. man kann ihn deutsch aussprechen (so ist er richtig), aber es gibt ihn auch in der gleichen schreibweise in spanien und portugal und wird dort jeweils natürlich widerum anders ausgesprochen. nun spreche ich ihn natürlich in so einer situation nicht spanisch/portugiesisch aus und hänge dann meinen deutschen nachnamen ran. also sprach ich beides deutsch aus und die frau verstand von meinem vornamen nur die zweite silbe, die zufälligerweise auch einem spanischen namen (bzw einer kurzform) entspricht.

im englischen etwas einfacher. da sage ich meist nur meinen vornamen und dann habe ich auch kein problem, ihn englisch auszusprechen. zumal es ihn auch im englischen gibt. tja, merkwürdig irgendwie...

Kunigunde
02.11.2006, 09:06
wie schön, dass wir alle die gleichen Problemchen haben. Wobei es ja gar keine Probleme sind, sondern nur Eigenarten der verscheidenen Länder. Und wenn das dann alles gemischt wird, dann wirds lustig!

Ich werds jetzt auch von der lustigen Seite sehen!