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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kein Gefühl fürs Baby...



SammyJo
19.10.2006, 22:30
... war der Titel einer Sendung der Reihe 37°, die heute im Vorabendprogramm auf 3Sat lief. Es ging dabei um Wochenbettdepressionen. Ich muss sagen, als Nicht-Betroffene war ich schockiert, wie schlimm sowas sein kann. Manche Mütter saßen wie paralysiert neben ihrem vor Hunger schreienden Baby und konnten nichts tun, andere haben versucht, sich umzubringen, wieder andere hofften, dass das Baby sterben möge.

Ich habe nicht alles gesehen, aber Quintessenz war, dass es sich hierbei um eine ernstzunehmende Krankheit handelt, die behandelt werden muss; sie basiert wohl auf irgendwelchen Stoffwechselproblemen und trifft immerhin 10-20% aller Mütter! Ohne Therapie liegt die Heilungschance nur bei 30%, mit Therapie dagegen bei über 90%.

Leider schämen sich die Betroffenen oft, damit zum Arzt zu gehen oder anderweitig um Hilfe zu bitten, dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten so gut. Es gab auch Literaturhinweise, vielleicht kann man die über's Inet noch bekommen.

Ich schreibe das hier nur, weil in diversen Foren manchmal werdende Mamas posteten, die ein bischen in diese Richtung gehen. Vielleicht ist das ja hilfreich.

Lieben Gruß - SJ

Laborschnecke
20.10.2006, 13:54
Liebe Sammy Jo,
ich habe diese Sendung mangels Fernseher nicht gesehen.
Hätte aber mal eine Frage: Äußern sich die Symptome erst nach der Geburt des eigenen Kindes oder ist man dann auch bei "fremden" Kindern, nicht in der Lage, irgendetwas zu unternehmen (wobei da die Abgrenzung zum "Ist ja nicht mein Kind und Mutter ist nicht weit" sicher schwierig ist.
Gibt es denn Abstufungen? Zum Beispiel kenn ich einige Mütter, die sich nicht rühren können, wenn das Kind sich verletzt hat.
Gruß
Laborschnecke

Jo68
20.10.2006, 14:03
Nein, eine echte Wochenbettdepression bekommt nur bei eigenen Kindern und nur nach der Geburt. Eine leichte Form davon macht fast jede Mutter mit, das ist der berühmte Babyblues meist am dritten Tag nach der Entbindung. Im Normalfall ist das auf die Hormonumstellung zurückzuführen und verschwindet nach ein paar Stunden wieder von selbst.

Es gibt aber ganz schlimme Fälle. Ich weiß z.Bsp. von einer jungen Mutter, die noch ein Jahr nach der Geburt stationär behandelt wurde und nicht in der Lage war, nach Hause zu gehen und ein normales Leben zu führen. Die Unfähigkeit zu handeln bezieht sich dann auch nicht nur auf das Kind, sondern wie bei einer "normalen" Depression auf das gesamte Leben. Zwischen ein paar Stunden Babyblues und stationärer Einweisung gibt's so ziemlich jede Abstufung.

Übrigens: Tom Dummschwätzer Cruise hat ja auch dazu mal wieder seinen Senf abgegeben. Brooke Shields hat nach der Geburt ihres ersten Kindes einige Wochen an Wochenbettdepressionen gelitten. Sie hat eine Therapie gemacht und öffentlich darüber gesprochen, was ich toll und mutig finde, denn wie SammyJo schreibt, ist es ein ziemliches Tabuthema. Mr Cruise meinte daraufhin, dass sie völlig falsch gehandelt hätte, ein paar Vitamine hätte sie einschmeißen sollen (und zu Scientology konvertieren), dann wär's gut gewesen. :gegen die wand:

Laborschnecke
20.10.2006, 14:23
Ok., unter dem Titel Wochenbettdepression kann man sich ja schon einiges mehr vorstellen (den hat SammyJo nicht benutzt, oder?)

Tom Cruise... ich weiß nie, was meine Altersgenossinen an dem fanden, DAMALS. Und ein Idiot ist er immer noch, man hört es immer wieder.

Laborschnecke
20.10.2006, 14:24
Oh doch, sie hat ihn benutzt, hab ich glatt überlesen... Man verzeihe mir meine Unkonzentriertheit.

SammyJo
20.10.2006, 17:09
Es kann auf jeden Fall schon in der Schwangerschaft beginnen und äußerte sich in den geschilderten Fällen in Unfähigkeit, irgendeine Aktivität zu unternehmen, in lähmender Angst vor dem Baby etc.

Den schlauen Spruch vom dämlichen Cruise kenne ich auch und genau da fängt das Problem an. Wochenbettdepression ist eine richtige, behandlungsbedürftige Krankheit. Leider hören wohl viele so super Sprüche wie "Reiß Dich mal zusammen" was regelrecht kontraproduktiv ist, da sich die Betroffenen meist schon genug für ihre mangelnden Gefühle schämen.

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,3985748,00.html

Hier gibts die Inhalte der Sendung und die Literaturtipps. Ich hoffe, der link funktioniert, ansonsten kam ich über www.3sat.de (http://www.3sat.de), sendungen von A-Z und dann 37° an die richtige Stelle.

Laborschnecke
23.10.2006, 11:57
Hallo SammyJo,
danke für den Link, er funktioniert. Werde aber später erst lesen.

Mit den Depressionen ist es ja grundsätzlich so, dass Nicht- betroffene sich nicht ohne weiteres vorstellen können, wie man sich fühlt- habe selbst unter depressiven Verstimmungen gelitten (ohne Baby) und habe auch immer wieder gesagt bekommen, ich solle mich nicht so gehen lassen.

Gruß
Laborschnecke

Elschen
23.10.2006, 12:50
Hallo,

also was ich ganz besonders interessant fand, war die Tatsache, dass es auch Frauen getroffen hat, die ihr Wunschkind bekommen haben. Das macht doch schon klar, wie machtlos man dagegen ist und dass es eben nicht zu beeinflussen ist.

Ich bin sehr froh, dass wir hier auch darüber "reden" können. Das Schlimmste ist wirklich, wenn so etwas ein Tabuthema ist und die Betroffenen sich selber die Schuld dafür geben.

Elschen

Keja2004
23.10.2006, 13:43
Hallo,

ja, das Schlimmste ist wirklich, dass diese Krankheit fast totgeschwiegen wird. Die Ursachen sind wohl wirklich Stoffwechselprobleme, aufgrund der hormonellen Umstellung, oft sind sie durch die Schilddrüse verursacht.
Die Auswirkungen sind wirklich dramatisch. Vor ein paar Jahren hat sich im entfernten Bekanntenkreis eine junge Mutter das Leben deswegen genommen. Sie hat das Baby gestillt, hingelegt und sich das Leben genommen. Es war der erste Arbeitstag vom Mann.

Ich hoffe, dass alle die daran erkranken auch geholfen wird!

Viele Grüße an Euch,
keja

SammyJo
24.10.2006, 13:58
Mir ist ein wenig klar geworden, wie man sich fühlt, als ich den Babyblues hatte. Man weiss, es sind die Hormone, aber man kann NICHTS dagegen tun, fühlt sich ohne Grund unendlich traurig und heult wie ein Schloßhund.

Ja, so einen Selbstmordfall kenne ich auch, das "Nachbargrab" von meinem Vater, dort liegt auch so eine junge Mutter.

Ich schließe mich an: hoffe auch, dass möglichst vielen Müttern geholfen wird! :blumengabe:

Inaktiver User
24.10.2006, 14:13
Puh, das ist schon ein harter Schlag, so ein Selbstmord einer jungen Mama. Man kann nur hoffen, dass in den nächsten Jahren bez. dieses Themas noch sehr viel Aufklärungsarbeit betrieben wird und die Betroffenen rechtzeitig Hilfe bekommen.

Meine RüBi-Hebamme hat auch mal von so einem Fall erzählt. Im KH ist eine junge Frau von Zwillingen entbunden worden. Irgendwie wurde das vorher auf dem US nie erkannt und sie hat die ganze SS in dem Glauben gelebt, nur ein Kind zu erwarten. Sie hat dann das zweite Kind überhaupt nicht akzeptieren können, weil sie einfach nicht glauben konnte, dass es ihres ist. Nach ein paar Tagen ist sie dann im KH aus dem Fenster gesprungen. Die Schwestern hatten den "Fall" einfach nicht ernst genug genommen.

Sehr traurig!

Danke jedenfalls für diesen Strang, liebe SammyJo. Wer weiss, wem du damit vielleicht schon ein bißchen geholfen hast.

Inaktiver User
24.10.2006, 17:35
Dazu kann ich auch etwas sagen:

Ich war betroffen. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich hatte so schreckliche Angst!! Ich begann meinen Suizid und den meines Babys zu planen. Gott möge mir verzeihen.
Wegen meiner Migräne geriet ich an einen Neurologen, der auch Psychiater ist. Als wir mit dem Gespräch fertig waren, meinte er: Ist da sonst noch etwas, das sie bedrückt?? Da wusste ich: Ich bin gerettet!!
Ich bekam Antidepressiva, konnte wieder schlafen und bald war der Spuk vorbei.

Sollte jemand betroffen sein: Es gibt Hilfe, am besten ihr redet als erste mit euren Hebammen darüber. Schämt euch nicht , ihr seid gute Mütter, aber momentan psychisch angeschlagen!!

Irgendwie ist dieser Strang im falschen Forum...

herbstfrau

SammyJo
25.10.2006, 06:23
Das mit dem "falschen Forum" habe ich auch schon überlegt, aber ich dachte, dass man hier die meisten Schwangeren erreicht! In welchem Forum wäre der Strang denn besser aufgehoben? Von mir aus kann er gerne verschoben werden, ich bin für alles, was hilft.

Traurige Geschichten, Sanna und Herbstfrau. Schön, Herbstfrau, dass es bei Dir eine gute Wendung genommen hat..

AnnaK
25.10.2006, 14:42
Huhu SJ, huhu Herbstfrau,

falsch finde ich den Strang hier nicht, ganz im Gegenteil. Aber vielleicht wäre ein Crossposting sinnvoll?

Lizzie64 ist Moderatorin im "Ängste"-Forum und könnte z.B. dort einen Hinweis auf diesen Strang erstellen, falls das das Forum ist, das Herbstfrau meint?

LG, Anna

Inaktiver User
26.10.2006, 08:49
Huhu SJ, huhu Herbstfrau,

falsch finde ich den Strang hier nicht, ganz im Gegenteil. Aber vielleicht wäre ein Crossposting sinnvoll?

Lizzie64 ist Moderatorin im "Ängste"-Forum und könnte z.B. dort einen Hinweis auf diesen Strang erstellen, falls das das Forum ist, das Herbstfrau meint?

LG, Anna


Perfekt!!!:smile:

herbsfrau

AnnaK
26.10.2006, 14:15
So. Ich habe den Strang einfach mal hierher kopiert - und hoffe, dass das für alle ok ist.

:blumengabe:
Anna

Tabea57
03.12.2006, 13:12
Oh, ich kenne das auch und denke mit Schrecken zurück...

Bei meinem ersten Kind ging es mir so. Nicht diese schlimme Ausprägung, die hier weiter oben ja auch schon mehr fach beschrieben ist, aber es ging mir so schlecht! Okay, die Geburt (Saugglocke + Zange) war hart, aber das alleine kann´s nicht gewesen sein.
Als ich zu Hause war, hatte ich regelrecht Angst vor dem Baby. Ich verstand nicht, warum ich nicht glücklich war, fühlte mich nur unfähig und schlecht und war mir sicher, dass NIEMAND anderer so fühlt und dass ich mit keinem darüber reden kann.
Jedes Schreien setzte mich unter Druck (was will das Baby? Was muss ihc machen?Warum hört es nicht auf?). Dazu kam, dass sie mir im KH gesagt hatten, dass ich mein Baby nicht schreien lassen sollte wg. Kopfverletzungen von der Zange. Nun, ich wollte es ja nicht schreien lassen, es schrie aber trotzdem, egal, was ich machte!
Mein vorherrschendes Gefühl war Unzulänglichkeit und dass ich eine schlechte Mutter sei. Ich verstand mich selber nicht und habe mich schlecht gefühlt. Und ich wollte mein Kind doch lieben, aber vor allem hatte ich Angst, da war kein Platz für Liebe, die kam erst später.
Wenn ich damals gewusst hätte, was mit mir los ist, hätte ich mir Hilfe geholt.
Und erst beim zweiten Kind, drei Jahre später, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ganz anders sein kann. Obwohl ich vor der zweiten Schwangerschaft/Geburt/Wochenbett große Angst hatte. Aber da war alles besser.