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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine liebe Oma...



redfraggle
24.10.2006, 00:13
Ich habe gerade nach einem Forum gesucht, wo ich meine Trauer und meine Gedanken lassen kann. Schön, dass ich hier fündig geworden bin.

Innerhalb eines guten halben Jahres sind mein Opa und meine Oma gestorben.
Morgen wird meine Oma beerdigt und ich glaube, es wir ein sehr schwerer Gang für mich werden. Sie hat mich mit großgezogen, weil meine Mama früher halbtags arbeiten gegangen ist. Sie hat mit mir gesungen, gebetet, Blumen gepflanzt, gespielt...
Nachdem Opa im Februar starb merkten wir, dass sie keine Lust mehr hat. Ihre Kräfte ließen rapide nach, sie wurde sehr schnell dement und es kamen gleich 3 Krankheiten auf einmal zum Ausbruch. Sie hat sich ein Leben lang nur um andere gekümmert, war bescheiden und wollte niemandem zur Last fallen.

Eben las ich in einem anderen Thread etwas, das mir auch immer wieder durch den Kopf geht: Ich hätte öfter dort sein sollen, für sie sorgen oder einfach nur da sein sollen.
Ich habe vieles einfach nicht mit ansehen können, weil es mir so wehtat, die beiden so zu sehen. An einem bestimmten Punkt habe ich so etwas wie einen "Selbstschutz" eingeschaltet und das war einerseits auch gut so.
Andererseits habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mehr hätte tun sollen.

Meine liebe Oma ist nicht mehr da... So langsam wird mir das erst bewusst und sie wird bei mir eine riesige Lücke reißen.

Ich wollte einfach mal meine Gedanken loswerden...

ness
24.10.2006, 15:16
hey!!!!
ich drücke dich ganz fest, wenn du das okay findest und fühle mit dir.
mehr kann man gar ned sagen.
ganz ganz liebe grüße
ness

Giselle
24.10.2006, 18:10
Liebe redfraggle,

erst einmal herzlich Willkommen! Du bist hier genau richtig gelandet - als meine Oma im Juli gestorben ist, habe ich auch ganz viel hier geschrieben und sehr viele nette Antworten bekommen. Mir hat das alles sehr gut getan und ich denke, auch Du wirst hier immer jemanden zum "reden" finden!

Es tut mir sehr leid, dass Du innerhalb so kurzer Zeit Deinen Opa und Deine Oma verloren hast. Ich kann so gut verstehen, wie Du Dich jetzt fühlst und ich wünsche Dir für die schwere Zeit ganz viel Kraft!

Deine Oma und Dein Opa sind jetzt wieder zusammen und ich bin mir sicher, dass Deine Oma nicht gewollt hätte, dass Du Dir jetzt Gedanken darüber machst, ob Du oft genug bei ihr warst usw. Glaub' mir, Du brauchst wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben, Deine Oma weiß doch, wie lieb Du sie hast. Geh' zum Friedhof und rede mit ihr oder auch daheim - mir hat das immer sehr gut getan und ich mache es auch jetzt noch sehr oft.

Ich drücke Dich ganz fest und schicke Dir ganz liebe Grüße,

Giselle :blumengabe:

Inaktiver User
24.10.2006, 18:54
Ich wünsche dir viel Kraft für den morgigen Tag.

herbstfrau

redfraggle
24.10.2006, 21:16
Danke für Eure aufmunternden Worte.

Es war wirklich sehr schwer, heute zum Friedhof zu gehen. Meine beste Freundin hat im Gottesdienst Omas Lieblingslied gespielt und damit die ganze Trauergemeinde in einen Tränensturm gestürzt.

Wenigstens war dieses Mal der Geistliche netter. Bei Opa war das Ganze sehr steif und unpersönlich und hat uns alle überhaupt nicht angesprochen.

Ich hoffe, dass ich das Bild von Oma gestern Abend beim Rosenkranzgebet wieder aus dem Kopf bekomme - sie sah so völlig fremd aus und ich möchte sie in einer anderen Erinnerung behalten. So, wie sie wirklich war.

Sie hat immer gesagt, wir sollen nicht traurig sein, wenn sie stirbt. Aber das sagt sich so leicht...

redfraggle
12.11.2006, 23:09
Es ist jetzt schon über 3 Wochen her, dass Oma tot ist und ich WILL trauern. In meinem Bauch ist ein dicker Kloß, aber ich kann nicht weinen, dabei würde es mir doch so helfen...

sabinemaria
13.11.2006, 12:07
Mir ist es heuer genauso gegangen wie Dir, mein Opa starb im März und meine Oma im September. Drei Wochen später habe ich geheiratet - unsere Hochzeit war extra noch für heuer angesetzt, damit meine Oma sie noch erlebt. Ist sich nicht ausgegangen.

Ich muss sagen, ich habe eigentlich auch nicht sehr viel geweint. Ja, an dem Tag, an dem sie gestorben ist und an dem Tag, an dem sie begraben wurde. Seitdem aber nicht mehr. Aber ich mache mir deswegen keine Vorwürfe oder so. Ich habe sie so leiden sehen, das war nicht schön. Für mich ist sie jetzt erlöst und bei ihrem Mann, mit dem sie 60 Jahre verheiratet war.

Tränen kommen dann, wenn ihre Zeit da ist. Denke nicht zu viel daran, weinen oder trauern zu müssen. Das kommt dann schon. Und auch wenn Du trauern willst - erzwingen kannst Du nichts. Kommt Zeit, kommt Rat. Setz Dich nicht unter Druck.

LG und alles Gute
Sabine

londongirl2000
14.11.2006, 18:32
Hallo,

heute ist meine Oma gestorben. Die einzig normale Frau in unserer verkorksten Familie. Vielleicht sickert es mal langsam in mein Gehirn, wenn ich es aufschreibe. Mir geht es ähnlich wie in dem ersten Beitrag beschrieben. Ich habe auch das Gefühl, dass ich hätte viel mehr tun sollen. Wobei ich eigentlich immer dachte, ich tue schon, was ich kann. Die Vorwürfe, die man sich selbst macht, sind am schlimmsten. Ich hoffe nur, dass sich das mit der Zeit gibt.

redfraggle
15.11.2006, 21:54
Hallo londongirl,

ja, es ist wirklich schwer, damit umzugehen. Für mich auch nach wie vor. Ich denke, das alles bracuht seine Zeit. Auch, bis die richtige Trauer kommt. Bei mir funktioniert das irgendwie nicht, aber ich habe im Moment auch das Gefühl, dass ich zu viel um die Ohren habe und mir irgendwie "dafür Zeit nehmen will". Ich weiß nicht, ob das jemand verstehen kann.
Ich weiß, wie es Dir geht und fühle mit Dir.

Ninchen1
22.11.2006, 02:42
:*-//

Meine liebe Oma ist heute auch gestorben, ich bin so unendlich traurig wein..ich hätte nie damit gerechnet, daß es jetzt doch so schnell geht..ich weiß, es ging ihr schon eine Weile nicht mehr gut, aber es gab die Hoffnung, daß es doch nochmal aufwärts gehen kann, sie ist fast 83 geworden, das schaffen viele nicht, aber doch kennt man wieder viele die noch älter geworden sind. Ich weiß, es ist normal, daß Menschen nicht alle 100 werden können, aber ich hatte mir so sehr gewünscht, daß sie das nächste Jahr noch erlebt, daß es wenigstens enmal noch mit ihr hier bergauf geht, daß sie meinen Freund kennenlernt, es tut so weh alles, es tut so wahnsinnig weh und heute hatte auch mein Vater Geburtstag (sie ist aber die Mutter meiner Mutter) und falls es einen tieferen Sinn gibt warum es diesen Tag getroffen hat, ich verstehe ihn nicht lieber Gott. Ich verstehe ihn nicht. In diesem Jahr ist schon ein Familienmitglied am Geburtstag seines Partners gegangen. Ich verstehe das alles nicht und es tut so weh. Weil ich hier Nachts so alleine damit sitze, habe ich Deinen (Threaderöffnerin) Beitrag gefunden und mich deshalb registriert, um mir meinen Kummer Ausdruck zu verleihen und dir auch zu zeigen, daß du nicht mit deiner Trauer allein bist hier. Liebe Grüße:*-/

Ninchen1
22.11.2006, 02:45
Entschuldige an alle, daß ich der threaderstellerin schrieb "damit du weißt, daß du nicht die einzige bist"..ich habe eben erst gelesen, daß es auch anderen so geht, ich habe zuerst nur ihren Beitrag gelesen, wein, ich realisiere erst jetzt, daß ich sie nie wieder in den Arm schließen kann in dieser Welt und ich habe sie doch so sehr lieb..

Kater67
28.11.2006, 21:11
meine großmutter liegt wohl im sterben, sie ist vor drei wochen noch operiert worden (oberschenkelhalsbruch) und seither geht es rapide bergab, meine cousine sagt, sie kriegt morphium und spricht nicht mehr und hat heute nicht mal mehr "tschüß!" gesagt.

jetzt habe ich vor, morgen hinzufahren, um mich zu verabschieden (es sind ca. 150 km von hier) und ich habe einerseits das bedürfnis, nochmal ihre hand zu nehmen und ihr zu sagen, was sie mir bedeutet hat, andereseits habe ich eine riesen angst vor dem, was mich im krankenhaus erwartet.

ich war vor gut einer woche schon da, aber da hatte sie wohl ein "zwischenhoch" und war ganz gut drauf, nachdem alle schon dachten, sie stirbt direkt nach der op. aber es war anscheinend nur dieser sonntag, an dem ich da war.

und ich habe auch dieses schlechte gewissen: hätte ich nicht schon früher viel öfter hinfahren können und mich um sie kümmern können?

ich finde den gedanken, dass sie tatsächlich mal nicht mehr da sein könnte, gerade total skurril. denn sie war ja immer da. sie ist 92. irgendwie eine institution. und ich denk echt, sie lebt ewig.