PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einsamkeits-/Verlassenheitsgefühle



Inaktiver User
21.10.2006, 13:36
Hallo!
Ich bin auf der Suche nach Rat, Hilfe, Unterstützung...

Objektiv betrachtet bin ich nicht alleine: Ich habe sehr viele, sehr gute Freunde und meine Mutter, die mir sehr nahe steht. Außerdem lebe ich in einer Beziehung.

Trotzdem fühle ich mich, seit mein Mann sich vor zwei Jahren von mir getrennt hat, sehr einsam, vielmehr verlassen und ich bekomme dieses Gefühl nicht mehr in den Griff. Es legt sich über mich wie ein dunkler Schatten, nimmt mir bisweilen die Luft zum Atmen und macht mir Angst.

Ich habe mich in der ersten Zeit sehr unsicher in der Beziehung mit meinem Mann gefühlt, es war ein ständiges Auf und Ab von seiner Seite... Schließlich, so glaubte ich, hatte er sich nach sechs Jahren für uns, für mich entschieden - wir haben geheiratet. Die ersten Jahre waren sehr schön - ich habe mich sicher, geborgen, aufgehoben und gut gefühlt. Dann kam die Entfremdung, es zog mir den Boden unter den Füßen weg, zu spüren wie er sich mehr und mehr von mir entfernte und schließlich, dieses Mal, endgültig von mir trennte.

Meine neue Beziehung ist noch relativ jung, aber inzwischen ebenfalls geprägt von Up and Downs und Trennungsgedanken von Seiten meines Freundes. Es muss wohl an mir liegen, dass Männer, die sich in mich verlieben, mir zwar sehr starke Gefühle entgegenbringen, aber es letztlich nicht wirklich mit mir aushalten können. Er zieht sich mehr und mehr zurück, seine anfängliche Begeisterung für mich hat sich in ein latentes Genervtsein gewandelt...

Das trägt natürlich nicht unbedingt dazu bei, dass ich mich gut fühle - im Moment habe ich ein Deja-vu, es fühlt sich alles so an, wie in der Zeit, als mein Mann sich mehr und mehr von mir zurückgezogen hat, nur dass ich glaube, es dieses Mal aktiv beeinflusst zu haben. Unbewusst - immer wenn es besonders schön zwischen meinem Freund und mir war, habe ich einen Keil zwischen uns getrieben. Aus Angst vor echter Nähe? Vorsorglich, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, dass ich mich wieder geborgen fühle und es sich als Trugschluss herausstellt?

Ich war als Kind sehr viel alleine, ich kann auch gut alleine sein, es gibt viele Dinge, die ich bevorzugt alleine mache - es ist dieses Einsamkeitsgefühl, das mir so zu schaffen macht.

Und ganz blöd - manchmal sehe ich mich vor meinem inneren Auge einsam und alleine sterben. Das ist fast meine größte Angst, auch wenn ich bis dahin hoffentlich noch ein wenig Zeit habe...

Es ist ein wenig durcheinander, mein Geschreibsel und bestimmt wirkt manches auch befremdlich, aber ich habe erst einmal alles so aufgeschrieben, wie ich es empfinde - unzensiert.

LG Color

Schatzkaestchen
21.10.2006, 18:54
Hallo Color 740,
Ich habe Dein Problem verstanden und teile teilweise deine Ängste. Ich finde es klasse, dass du selbst siehst, dass es auch an dir liegt. Ich denke aber, dass du damit ohne einenTherapeuten nicht ertig werden kannst. Wie du selbst sagst stammt das Problem schon aus deiner Kindheit und ist deshalb nicht so schnell zu lösen.
Ich habe sehr viel Erfahrung mit Angst und Depressionen und kann dir gerade deshalb raten so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Sonst bleiben dir die Probleme nicht nur treu sondern verschlimmern sich rasant.

Britney
22.10.2006, 08:56
Hallo Schatzkästchen,
auch ich leide unter Depressionen und Angst, seit sich mein
Freund von mir getrennt hat. Diese Zustände habe ich eigentlich in den letzten 1o Jahren immer wieder. Nur dieses Mal glaube ich ich komme da nicht mehr raus. Es sind auch diese Einsamkeits-
gefühle, die mir den Tag schwer machen. Ich stehe morgens auf, und weiss nicht wie ich den Tag überstehen soll. Ich nehme schon
Tabletten dagegen. Meine beste Freundin hat sich während meiner
Beziehung immer weiter von mir zurückgezogen, wir hatten mal eine Ausssprache, aber leider hat sich dann ´doch nichts daran geändert,
ich habe ihr gesagt, dass sie mir wichtig ist. Aber letzt endlich
hat sie sich auf meine SMS nicht mehr gemeldet.
Ich habe im Moment keinen Bekanntenkreis und muss ganz von
vorn anfangen. Ja und das fällt mir so schwer. Wie bist du mit deinen Depressionen und Angstzuständen umgegange.

Sunny76
22.10.2006, 20:17
Hallo Color,
ich verstehe dein Problem nur zu gut und unsere "Geschichte" stimmt in vielen Punkten überein. Ich hatte auch eine Trennung nach fast 10 Jahren Beziehung...wir waren sogar verheiratet. Habe danach ne weitere Beziehung gehabt. Ich lasse mich bei meinem Partner immer schön "fallen" und genieße das Zusammensein...bin auch teilweise nur glücklich, wenn ich mit ihm zusammen bin. Allein bin ich einsam und weniger wert.... Wenn mein Freund für ein paar Tage weg wollte (eltern besuchen) bin ich in Tränen ausgebrochen, ohne zu wissen warum, und ich konnte mich nicht beruhigen.
Mein Problem: Eltern waren nie da, bin quasi mal bei dem und dann bei wem anderen untergekommen. Meine Tanten, meine Großtante und mein Opa haben mich erzogen. Ich war ein "leises" Kind, habe nie rebelliert. Mein Nochehemann ist auch immer häufiger weg gewesen abends und letztendlich hat sich rausgestelllt, dass er mich betrogen hat. Jetzt ist mein Verlassenheitsgefühl natürlich total akut gewesen.... Nicht förderlich für eine Beziehung. Fange im November eine "Therapie" bei einer Ärztin und Heilpraktikerin deswegen an....und weil ich scheinbar immer an die "falschen" Männer gerate (Weicheier) bietet sich das doppelt an. Ich denke du bist da ähnlich gestrickt und "klammerst" vielleicht bei deinem Partner....könnte ich mir vorstellen.
Allein schafft man das wohl eher nicht.
Wünsche dir viel Erfolg und gute "Besserung", sofern man das in dem Zusammenhang sagen kann.

tollekirsche
14.03.2007, 11:16
hallo Color!

habe deinen Beitrag gelesen und kann teilweise nachvollziehen, wie es dir geht. Auch ich fühlte mich lange halb und einsam. Und du siehst ja auch, dass es zum Teil an dir liegt.
Aus unaufgelösten Gefühlen, die vielleicht mit deinem Bindungsstil zu tun haben (du schilderst, dass du viel alleine als Kind warst) entsteht häufig so ein Grundgefühl (Unsicherheit), dass man als Erwachsener natürlich auch hat. Das schlimme ist aber, dass man sich sein Gefühl immer bestätigt durch seine Handlungen- und das hast du geschrieben.
Die gute Nachricht ist, dass Gefühle nicht imer so bleiben müssen- das sehe ich bei mir. ich habe in Bezihungen auch immer die Einsamkeit gespürt und dass ich keinen Seelenverwandten habe...Ich habe vor 2 Jahren ein Studium begonnen (mit 29J) und habe neue Leute und vielmehr EIGENE INTERESSEN entwickelt. Die Beschäftigung mit diesen Inhalten gibt mir die Stärke zu wissen, dass sie immmer da sind und ich die KOntrolle habe, sie verlassen mich nicht.

Sag mal, warum diese Männer dich verlassen wollen? Gibst du ihnen vielleicht das Gefühl, dass du es nicht wertvoll bist. Klagst du viel? Kannst du den Männern auch mal sagen, wenn sie sich nicht sicher sind, sollen sie überlegen, ob sie mit dir sein wollen und vertrauen, dass alles gut wird.

TK
PS: Was ist mit deinem Vater? Wo ist er? was war mit ihm?

Inaktiver User
14.03.2007, 12:53
Ich kenne das Problem aus eigener Erfahrung, ich war immer eigenständig, aber nach dem Tod meines Partners habe ich nicht mehr zu mir gefunden.
Ich habe drei Jahre vor mich hin vegetiert, zwar prima funktioniert, aber wie ein Zombie.
Meine Familie und mein Sohn und seine Frau haben mich zwar sehr gut abgepuffert, aber dennoch.
Erst eine Psychotherapie hat mir wieder zu mir selbst geholfen.

Ich bin stärker als je zuvor und glücklicher und zufriedener als jemals in meinem Leben, habe sogar eine völlig neue Lebensstruktur aufgebaut - mit 59.

Ich rate Dir, hole Dir professionelle Hilfe - das geht am schnellsten und am wenigsten schmerzhaft.

Liebe Grüsse
Elke