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lyon
19.10.2006, 20:25
Schreibe hier einfach mal und erzähle, was mich traurig macht. Im Juli ist meine Mama gestorben, mit 54 Jahren und nach 10 Monaten Kampf gegen Krebs, 10 Monate, die für uns alle voller Angst und Stress waren.

Vor fünf Jahren waren wir noch alle zusammen mit meinen Großeltern und haben zusammen Geburtstage gefeiert und waren füreinander da. In den letzten vier Jahren hat sich die Familie nun halbiert. Das kann ich einfach nicht fassen, dass das nun alles vorbei ist, ich fühle mich furchtbar einsam und allein.

Ich fühle auch, dass meine Trauer immer größer wird, ich vermisse meine Mama jeden Tag mehr und manchmal habe ich das Gefühl, ich halte es gar nicht mehr aus. Es ist, als ob ich einen eiskalten schmerzenden Klumpen in meiner Brust habe anstelle eines Herzens. Ich möchte so gerne noch einmal mit ihr sprechen, lachen, sie um einen Rat fragen... und dass das alles nie mehr möglich sein soll, ist für mich derartig unfassbar, dass es mich fast verrückt macht.
Irgendwie ist es für mich auch komisch, nun die einzige Frau in der Familie zu sein, weil meine Omi, meine Mutter und ich früher immer so ein gutes Frauenteam waren. Manchmal träume ich jetzt davon, selber eine Tochter zu haben.

Was ich seltsam finde: Nachdem direkt nach dem Tod die Beileidsbezeugungen vorbei waren, fragt mich nun NIEMAND mehr, wie es mir geht. Ist denn die Trauer nach 2 Wochen vorbei? Wenn ich meine Mutter erwähne, habe ich das Gefühl, es ist den anderen unangenehm.

Ich fühlte mich speziell von meiner Mama immer bedingungslos geliebt, auch wenn sie nicht immer unkritisch mir gegenüber war. Vielleicht fühle ich mich auch so einsam, weil ich fürchte, dass ich so viel Liebe nie wieder erfahren werde.

Inaktiver User
19.10.2006, 21:11
liebe lyon

ich mag nicht daran denken, dass es mich auch einmal treffen wírd, dass meine mami gehen muss.

trauer ist nie wirklich vorbei. sie wandelt sich, schmerzt weniger.
doch manchmal wird der schmerz auch wieder gross.
die, die wir lieben tragen wir immer in unseren herzen mit uns.
manchmal ist nur die sehnsucht so gross, dass es so sehr weh tut.

du wirst eine andere liebe finden. eine, die dich ebenso glücklich machen wird, aber eben eine andere.

hier ist ein schöner ort zum trauern, weil es so viele gibt, die ebenso fühlen wie du. menschen die dich verstehen.


fühl dich ganz lieb virtuell gedrückt,
evchen

einalem
19.10.2006, 21:48
Liebe Lyon,

bin gerade ganz nahe bei Dir.

-


LG
einalem

Thelma76
20.10.2006, 15:02
Hallo Lyon,

ich kann dein Leid nur allzu gut spüren. Meine eltern sind in september bei einem autounfall beide ums leben gekommen, papa war sofort tot, mama 3 tage später im krankenhaus, ohne zu sich zu kommen. ich habe jetzt nur noch meinen bruder.
Es ist für andere sehr sehr schwer, nachzuvollziehen, was in einem vorgeht. die leute sind verlegen und wissen nicht, was sie machen sollen: fragen oder nicht fragen, anrufen oder nicht. nimm es den anderen nicht so übel, es ist wirklich schwer. rufe mal selber an, scheue dich nicht davor, es wird sich zeigen, wer ein richtiger freund ist und wer nicht.
für mich ist es ganz wichtig, dass ich in meinem leben irgendeine struktur habe, um das chaos nach dem tod zu bewältigen. zB bin ich jetzt wieder auf arbeit, das lenkt ab, gibt sicherheit, dass man doch einiges bewältigen kann. ich denke, man braucht zZ gewisse routine-abläufe, die einem zeigen, dass man noch nicht ganz verrückt ist.

ich versuche zZ mehr an die "erbschaft" zu denken, die meine eltern hinterlassen haben: die liebe, die stärke, die sie mir gegeben haben. dass sie es geschafft haben, 2 kinder großzuziehen, die beide reife, starke menschen sind. was mir auch hilft, ist der gedanke daran, was meine eltern sich für mich gewünscht hätten in einer solchen situation. sie hätten sich bestimmt gewünscht, dass ich weiter mache, mein leben weiter lebe, diese erbschaft, die ich vorhin erwähnt habe, auch an meine kinder weiter gebe.

ich kann dir auch ein gutes buch dazu empfehlen, es ist sehr einfach geschrieben, mit teilweise banalen weisheiten, die aber dennoch hilfreich sind. das heißt "Es wird alles wieder gut, aber nie mehr wie vorher. Begleitung in der Trauer" von Jochen Jülicher.

vielleicht helfen dir meine ausführungen. ich wünsche dir viel kraft.
und: man denkt, man stirbt an diesem schmerz, aber das tut man nicht. du wirst es schaffen.
gruß
Thelma

Muschelhaus
22.10.2006, 09:32
Hallo Lyon,
ich kann deinen Schmerz und deine Trauer nachempfinden,
auch meine Mutter ist vor einem Monat gestorben. Sie fehlt mir,
ich kann es immer noch nicht fassen, daß sie nicht mehr da ist, das ich ihre Stimme nie wieder hören werde, daß ich sie nicht einfach anrufen kann. Es ist so unwirklich, wenn ich auf dem Friedhof bin -
nein, da liegt doch nicht meine Mutter - sie war noch nicht alt, vor 2 Monaten noch aktiv, ging wegen Rückenschmerzen zum Arzt und 2 Monate später ist sie tot - mir kommt es immer noch so unwirklich vor.
Gestern war ich beim Familientreffen, meine Mutter hat sich alle 14 Tage mit ihren Schwestern (sie war die Jüngste) und deren Männern getroffen, gestern bin ich mit meinem Vater hin. Es war schön aber auch sehr traurig, wir vermissen sie alle sehr, jeder auf seine Art.
Mein Vater leidet sehr, für ihn war meine Mutter "alles" .
Mein Verhältnis zu meinen Eltern war nicht immer das Beste, aber im letzten JAhr ist es wieder sehr gut und ehrlich geworden, wir haben viele offene Gespräche geführt - aber nun ist alles anders.

Mich fragt auch kaum noch jemand, wie es mir geht, ich glaube weil das Thema "Sterben / Tod immer noch ein Tabu-Thema ist, und wer es nicht selbst erlebt hat, verdrängt alle Gedanken daran.
Gerade deswegen ist dieses Forum eine schöner Ort, wo wir uns austauschen können, über unsere Gedanken und Gefühle schreiben können.

Wäre schön wenn du dich wieder meldest, wie es dir geht.

Liebe Grüße und alle die geschrieben haben, eine Umarmung, wenn ihr mögst. Muschelhaus

swimmi
22.10.2006, 13:34
Liebe Lyon

als ich heute deinen Beitrag zu diesem Thema gelesen habe, ging es mir wieder ganz schön schlecht und es ist alles wieder hochgekommen. Auch meine Mutter ist im August an Krebs gestorben, hat 1 1/2 Jahre gekämpft - aber doch verloren! Sie war grade mal 52, ihren Geburtstag haben wir noch mit Kuchen im Krankenhaus gefeiert.
Die ersten 2 Wochen nach ihrem Tod mussten meine Schwester und ich (meine Eltern waren geschieden) alles regeln, aber so langsam ist auch der Alltag wieder eingekehrt. Es ist schwer, damit klar zu kommen, neimand fragt mehr, wie es einem geht, alle behandeln einen ganz normal, udn wenn man mal schlecht drauf ist, wundern sie sich, warum, denn schließlich ist es ja schon ein paar Wochen her. So ist es vielleicht für die, die den geleibten Menschen nicht näher gekannt haben, aber für die nähsten Angehörigen ist auch auch Jahre danach glaub ich noch schlimm. auf jeden Fall tut es sehr sehr weh und momentan funktioniere ich auch eigentlich eher, als dass ich selber lebe. Schlimm sind auch diese Stimmungsschwankungen. mal geht es einem gut, aber schwupps - hört man z.B. ein bestimmtes Lied oder erinnert sich an eine Situation - ist man total traurig und der Tag ist gelaufen. aheb da momentan echt mit zu kämpfen. Zwar sagen alle "Es geht nach ner Zeit vorbei". Aber ich habe für mich noch nicht den Anschein, als dass es besser würde...

Fühlt euch gedrückt!

swimmi

lyon
25.10.2006, 19:58
Hallo Ihr alle,

ich möchte mich für die lieben und ausführlichen Antworten bedanken. Ich fühle mich jetzt tatsächlich ein bisschen getröstet. Es ist doch ein Unterschied, ob man sich aus der Vernunft heraus sagt: Du bist nicht allein mit Deiner Trauer und es gibt noch ganz viele Menschen, die Ähnliches (oder viel Schlimmeres!) erleben oder erlebt haben - oder ob einem einige dieser Menschen ein paar ernst gemeinte und mitfühlende Worte schreiben. Das hat mir wirklich sehr gut getan!

Derzeit erlebe ich die Stimmung, dass es mir "eigentlich" nicht schlecht geht, ich aber ganz schnell anfange bei irgendwelchen Gelegenheiten zu weinen, sei es dass ich irgendwo ein rührendes Bild sehe - glückliche lachende Kinder z.B. - oder mir irgendwas ganz Banales schiefgeht, runterfällt oder so. Meine scheinbare Ausgeglichenheit ist also nur extrem oberflächlich und schnell durchbrochen. Vielleicht ist es das, was Du, swimmi, mit Stimmungsschwankungen meintest?

Am Sonntag habe ich mit meinem Papa Erde aufs Grab gebracht und zwei große Schalen mit schönen Blumen gepflanzt. In der vergangenen Woche ist der Grabstein gebracht worden, und als ich zum Grab kam, war es wie ein Schock: Den Namen meiner Mama dort zu lesen, es hatte so etwas Endgültiges. Und es kam mir unendlich traurig vor, sie alleine in diesem Grab zu wissen, auch wenn sie vermutlich kein Alleinsein oder Kälte fühlt. Ich habe so sehr geweint, und dann war auch noch so ein schöner Herbsttag mit Sonne und leuchtenden Farben, genau "ihr" Wetter! Nachher, als alles schön bepflanzt war, fühlte ich mich etwas besser und habe kurz über den glatten, kühlen Stein gestreichelt, das hatte etwas Tröstliches.

Wie geht Ihr mit dem Gedanken "Warum?" um? Ich weiß, dass es die sinnloseste Frage ist, weil man ganz bestimmt keine Antwort darauf finden wird, deswegen versuche ich sie immer zu verdrängen. Ich kann mich zwar damit trösten, dass die ganze Welt und alles Leben von etwas Höherem bestimmt werden, und es einfach zu simpel wäre, wenn wir die Frage nach dem Warum beantworten könnten. Aber trotzdem kommt der Gedanke manchmal, und bei Euch sicher auch, oder?

Eine andere Sache: Ich habe irgendwie Angst davor, selber nicht alt zu werden, da meine Ur-Omi, meine Omi und meine Mutter alle relativ früh an Krebs gestorben sind. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, gesund und fröhlich alt zu werden - und habe auch Angst, dass es meinen Bruder "treffen" wird. Zwar glaube ich daran, dass Pessimismus auch nicht gerade gut für den Gesundheitszustand ist, aber die Angst kommt einfach so, ich kann gar nichts dagegen tun, obwohl mich der Gedanke ärgert, weil ich nicht so leben möchte, mit dem ständigen Hintergedanken "Ich könnte krank werden und sterben".

Alles Liebe wünscht Euch
lyon

Inaktiver User
25.10.2006, 21:22
Hallo Lyon,
ich bin sehr betroffen von deiner geschichte. mein mom lebt zwar und ist gesund und munter, aber ich kenne auch die angst davor, dass sie oder ich selbst an krebs erkranken könnten. ihre mutter und ihre schwester sind nämlich beide jung an krebs gestorben. und ich habe tierische angst um sie, mich selbst, meine cousinen, meinen bruder..
ich kann dir keinen tipp geben, wie man mit dieser angst umgehen kann. wollte dir nur schreiben, dass du nicht die einzige bist, die diese gedanken kennt.
alles, alles gute für dich!!
Lillan

Aishwarya
25.10.2006, 22:45
Auch ich kann Deinen Schmerz sehr gut nachempfinden. Mein Vater, der mir sehr viel bedeutete, ist vor 3 1/2 Jahren gestorben - von einem Tag auf den anderen mit 62 Jahren. Abschied nicht möglich. Da meine Eltern geschieden waren, haben meine Schwester und ich auch das Gefühl "nur noch uns" zu haben. . Auch in unserer Familie gab es in den letzten 6 Jahren etliche Todesfälle, so dass meine Schwester und ich das Gefühl haben, "in der ersten Reihe zu stehen". Niemand nimmt uns etwas ab, niemand kann uns helfen - so dachten wir. So langsam haben wir uns ein Netzwerk um uns aufgebaut, von Leuten, die uns in vielen Dingen (Thema Erbschaft) beraten haben.. Das hat uns gut getan..

Dazu kam natürlich der emotionale Schock. Manchmal kann ich es bis heute nciht begreifen, dass er tot ist. Ich habe meine Trauerarbeit folgendermaßen geleistet: ich habe mich bewusst jeden Tag 30 Minuten mit seinem Bild hingesetzt und abgeheult. Dann musste ich die ganzen Dinge erledigen... natürlich hatte ich aber auch zwischendurch immer Einbrüche...
Nach den 3 1/2 Jahren muss ich sagen: ich hätte nie gedacht, dass ich es schaffe, das alles so gut zu verarbeiten und mein Leben ohne ihn und seine Ratschläge hinzukriegen. Aber ich habe gemerkt, dass es genau das war, was auch er mir mitgegeben hat: weitermachen, sich nicht hängen lassen, auch nicht SEINETWEGEN. Freundinnen von mir denken wie ich, dass unsere Eltern wollten, dass es weitergeht, sogar ohne sie.. Mein Vater sagte auch immer: Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass Eltern vor ihren Kindern sterben. Umgekehrt ist es schlimmer!

Nichtsdestotrotz war es bei meinem Vater "zu früh" für seinen Tod - und bei Euren Eltern erst recht, wenn ich es so lese..

Ich wünsche Euch allen viel kraft und alles Gute!

swimmi
29.10.2006, 12:15
Liebe Lyon,

leider melde ich mch jetzt erst, bin momentan nicht ganz so oft hier.Das was du schreibst in Bezug auf Stimmungsschwankungen ist bei mir genau der Fall.
Alle sagen immer, mit der Zeit wird die Trauer weniger, kann bei mir noch nix erkennen!

Fühl dich gedrückt!

Swimmi

Inaktiver User
29.10.2006, 12:50
Liebe Lyon,

leider melde ich mch jetzt erst, bin momentan nicht ganz so oft hier.Das was du schreibst in Bezug auf Stimmungsschwankungen ist bei mir genau der Fall.
Alle sagen immer, mit der Zeit wird die Trauer weniger, kann bei mir noch nix erkennen!

Fühl dich gedrückt!

Swimmi


Swimmi, Lyon.... leider kann dieser Prozeß Jahre dauern
Die Stärke des Trauergefühls nimmt tatsächlich ab, bzw. es haut einen nicht mehr so oft aus der eigenen Mitte heraus.
Aber es geschieht immer wieder mal. Meist dann, wenn man es nicht erwartet - oder wenn es einem grad körperlich schlecht geht oder man zuviel Stress hat.
Dann macht es sich bemerkbar, dass da unter der Oberfläche doch so einiges schlummert.
:niedergeschmettert:
Ich selber bin grad wieder in einer "Tief-Phase", nach einem langen, wundervollen "Hoch". Ausgelöst durch eine simple Erkältung !



Alle Gute euch


Lavendelmond

swimmi
29.10.2006, 13:26
Du hast ganz recht, Lavendelmond.
Immer dann wenn man es nicht erwartet, haut es einen
regelrecht um. Wenn ich mal besonders gute Laune hab in dieser schwierigen Zeit, brauch mich nur eine Kleinigkeit an meine Mutter erinnern und schon ist der Tag gelaufen. Es ist so wahnsinnig schwer, richtig damit umzugehen. Die Leute um einen herum wissen wahrscheinlich auch nicht, wie sie mit einem umgehen sollen, aber ist es richtig, einfach so zu tun, als wäre nichts geschehen oder sobald ich mal von ihr erzähle direkt das Thema zu wechseln? Ich verstehe ja, dass es nicht unbedingt einfach ist, darüber zu reden (natürlich für mich auch nicht) aber ist es das richtige Verhalten?

Einen schönen Sonntag!

Lieben Gruß von swimmi

Muschelhaus
29.10.2006, 15:12
Hallo,
gestern vor einem Monat haben wir meine Mutter endgültig auf dem Friedhof begraben - für mich ist das immer noch unfassbar und wenn ich dort stehe, ich war gestern mit meinem Vater gemeinsam dort,
dann kommt es mir immer noch so unwirklich, so fremd vor - da soll
meine Mutter liegen, nie wieder ihre Stimme, ihr Lachen oder auch ihre Meinung hören? Der Kopf weiß das, das die Realität ist, aber die Seele, das Bauchgefühl, oder was immer es ist, hat es noch nicht akzepiert.
Ich war gestern bei einer lieben Freundin, wir haben uns wunderbar unterhalten, irgedwie kamen wir auf ein Thema, wo mir etwas von meiner Mutter zu einfiel und schon liefen die Tränen :heul:
Meine Freundin hat dann ein wenig mit mir über meine Mutter geredet und dann haben wir gemeinsam über etwas anderes geredet. Mir hat es wieder ein Stück weitergeholfen - hoffe ich jedenfalls. Denn ich will nicht verdrängen, sondern verarbeiten.
Ob und wann das gelingt, ich weiß es nicht.
@ Lavendelmond : Ich bin diese Woche beim Anbrick einer Gruppe älterer Leute in Tränen ausgebrochen und der Tag war für mich gelaufen. So habe ich mir meine Mutter irgendwann mal vorgestellt, so werde ich sie nie erleben!

Nun wünsche ich euch allen trotz Trauer, Traurigkeit, Tränen, schönen und traurigen Gedanken einen schönen Restsonntag
Muschelhaus

Madame_butterfly
29.10.2006, 20:30
:blumengabe: Liebe Lyon,

es ist hier so vieles gesagt worden, dem sich mein Herz anschließt. Diese Momente der tiefen, tiefen Traurigkeit, die einen immer wieder einholen, wenn man überhaupt nicht damit rechnet, wenn man glaubt, dass man gerade jetzt ganz stark sei. Und doch schleichen sie sich immer wieder ein. Der Tod steht uns gegenüber wie ein stummer, grausamer und bleierner Feind, den man nicht abschütteln kann. Er zerreißt das Herz, er drückt auf die Schultern und lässt einen an manchen Tagen ganz klein und ohnmächtig werden. Es ist furchtbar – und es dauert, dass man ‚seinen’ Weg findet, mit diesem unendlichen Verlust, der unendlichen Not und der unendlichen Traurigkeit umgehen lernt – und es dann irgendwann hoffentlich schafft, die Traurigkeit und die Sehnsucht in das Leben zu integrieren und auf das Band unserer niemals enden Liebe zu vertrauen, die uns das Wiedersehen verspricht.

Bei mir war die Trauer ganz bestimmt ein spiritueller Erfahrungsprozess. So habe ich den Worten gelauscht, die mir unser Töchterchen ins Ohr geflüstert hat, damit sie mich durch die dunkelsten Stunden tragen ... In vielen traurigen Momenten habe ich mir diesen Satz, der für mich zu einem »Leitmotiv« geworden ist, vor Augen geführt: »Mami, folge deinem Stern entgegen allem (Dunklen), das dich halten mag …« Ja, ich glaube nämlich, dass die Trauer uns irgendwie umschließt und festhält. Und wir können ihr erst einmal nicht entrinnen. Doch dann, irgendwann, habe ich bemerkt, dass ich nicht mit unserem verstorbenen Töchterchen sprechen kann, wenn ich so tief, tief traurig bin. Dann ist es, als ob kein Licht durch das Dunkel gelangen kann.

Doch, Lyon, es ist ja eigentlich erst gestern geschehen, dass Deine Mama in ihre Welt jenseits der sichtbaren Grenze zurückgekehrt ist. Da braucht es Zeit, viel Zeit. Und das erste Trauerjahr ist einfach das Schlimmste. 365 Tage und Nächte nicht endender Sehnsucht. 365 Tage und Nächte, angefüllt mit Tränen und unendlicher Liebe, die Du in den Himmel zu Deiner Mama schickst. Das erste Jahr, dass Du alle Gedenktage und Feiertage mit Deiner Erinnerung an Deine Mama und allein mit Deiner Liebe durchleben musst.

Doch wenn Du dieses erste Jahr geschafft hast, dann bist Du vielleicht ausgestattet, um auch die nächsten Jahre zu durchstehen. Und vielleicht - ganz bald oder irgendwann - wirst Du feststellen, dass Du weiterhin mit Deiner Mama sprechen kannst, dass Deine Gedanken, Deine Worte, Deine Liebe sie erreichen. Ja, irgendwann, das wird allein die Zeit Dir zeigen, wirst Du vielleicht auch die Antworten Deiner Mama ganz tief in Deinem Herzen spüren. Liebevolle Antworten, die Du als wirkliche, wahrhaftige Antworten zulassen kannst und zulassen magst. Antworten, die Dich und Dein gebrochenes Herz trösten werden. Diese »Dialoge« werden dann Dein Herz berühren und Du wirst die Liebe spüren, wirst spüren, dass Deine Mama immer bei Dir ist – ganz fern und doch ganz nah ... Und das allein ist es, was ich Dir und Deiner Mama und Eurer Liebe mit meinem ganzen Herzen wünsche.

Die schmerzliche Lücke aber, die wird immer bleiben. Doch diese Lücke, so hat mir einmal meine liebste Freundin aus Hong Kong geschrieben, diese Lücke kann bedeuten: »… Du und ich, Mama …«

Liebe Lyon, ich wünsche Dir die unendliche Kraft Deines Herzens und ganz bald einen wundervollen Dialog mit Deinem Himmel und Deiner Mama, der ein klein wenig Deine Tränen trocknet,
Deine
madame butterfly

:blumengabe: Liebe @Muschelhaus, :blumengabe: liebe @Swimmi: »… Du und ich, Mama …«
:blumengabe: Liebe @ Aishwarya: »… Du und ich, Papa …«
:blumengabe: Liebe @Thelma: »… Mama und Papa und ich …«

Kappuziner
29.10.2006, 23:52
Meine Ma ist vor einem Jahr und drei Monaten gestorben, ein Jahr davor mein Vater.
Ich merke schon manchmal, dass die Trauer anders wird. Sie dominiert nicht mehr so sehr. Ich weine manchmal noch spontan und manchmal werde ich plötzlich ganz furchtbar und untröstlich traurig.
Aber die Zeiten, in denen man es akzeptiert, in denen die Trauer stiller ist, ruhiger, die werden mehr. Manchmal sehe ich am Himmel eine schöne Wolke und ich stelle mir vor, dass sie zu mir heruntersieht und ich lächle zu ihr hoch.
Ich erzähle jetzt oft kleine Anekdoten von ihr, oder Sprüche, so dass ich sage "meine Mutter hätte jetzt gesagt...", also so, dass die anderen mitbekommen, sie ist tot, aber ich sage das jetzt nicht aus einer Trauer heraus, sondern weil ich sie nach wie vor in mir drinhabe, mit vielen kleinen Erinnerungen, und das ist auch liebevoll, ich bin nicht mehr so bitter und wütend, dass sie so relativ jung gestorben ist.

Ich glaube auch, es wird nie mehr so wie früher. Aber man lernt, es zu akzeptieren und man lernt auch, dass man nun selber die nächste Generation ist, dass man erwachsen werden muss und niemanden mehr hat, der einfach immer da war und immer da sein wird.
Es wird immer ein "Stich" bleiben.
Meine Mutter war selber tottraurig, als ihre Mutter starb, auch noch 20 Jahre nach ihrem Tod war sie oft unendlich traurig. Aber sie war gleichzeitig auch glücklich und stolz auf ihr eigenes Leben.

Vemi
06.11.2006, 11:19
Schreibe hier einfach mal und erzähle, was mich traurig macht. Im Juli ist meine Mama gestorben, mit 54 Jahren und nach 10 Monaten Kampf gegen Krebs, 10 Monate, die für uns alle voller Angst und Stress waren.

Vor fünf Jahren waren wir noch alle zusammen mit meinen Großeltern und haben zusammen Geburtstage gefeiert und waren füreinander da. In den letzten vier Jahren hat sich die Familie nun halbiert. Das kann ich einfach nicht fassen, dass das nun alles vorbei ist, ich fühle mich furchtbar einsam und allein.

Ich fühle auch, dass meine Trauer immer größer wird, ich vermisse meine Mama jeden Tag mehr und manchmal habe ich das Gefühl, ich halte es gar nicht mehr aus. Es ist, als ob ich einen eiskalten schmerzenden Klumpen in meiner Brust habe anstelle eines Herzens. Ich möchte so gerne noch einmal mit ihr sprechen, lachen, sie um einen Rat fragen... und dass das alles nie mehr möglich sein soll, ist für mich derartig unfassbar, dass es mich fast verrückt macht.
Irgendwie ist es für mich auch komisch, nun die einzige Frau in der Familie zu sein, weil meine Omi, meine Mutter und ich früher immer so ein gutes Frauenteam waren. Manchmal träume ich jetzt davon, selber eine Tochter zu haben.

Was ich seltsam finde: Nachdem direkt nach dem Tod die Beileidsbezeugungen vorbei waren, fragt mich nun NIEMAND mehr, wie es mir geht. Ist denn die Trauer nach 2 Wochen vorbei? Wenn ich meine Mutter erwähne, habe ich das Gefühl, es ist den anderen unangenehm.

Ich fühlte mich speziell von meiner Mama immer bedingungslos geliebt, auch wenn sie nicht immer unkritisch mir gegenüber war. Vielleicht fühle ich mich auch so einsam, weil ich fürchte, dass ich so viel Liebe nie wieder erfahren werde.
Hallo,
ich drücke dich mal.
Ich fühle wirklich mit dir,denn ich habe meine Mama auch an den hinterlistigen Krebs verloren.
Sie hat so sehr gekämpft-am meisten wohl für uns.
Sie starb im Januar 2005-da war mein Sohn 3 Monate alt,einmal durfte sie ihn halten...
Die Phasen,wo ich "klarkomme" werden langsam häufiger und länger,aber wenn ichdann am wenigsten damit rechne überfällt mich ein grausamer Schmerz und ich möchte nur schreien,schreien
.....Sie kommt NIE MEHR,das ist so unbegreiflich,schmerzhaft,brutal.Sie fehlt IMMER und überall-wie es scheint aber nur mir.
Ich kann deinen Eindruck nur bestätigen,dass es "den anderen"unangenehm scheint über sie und von ihr zu sprechen,erst Recht,wenn ich erzähle, dass ich von ihtr geträumt habe und traurig erwachte.
Ich bin innerlich schon längst zerbrochen,es merkt nur keiner.
Diese Wunde wird immer da sein.
V.

lindenblatt
29.11.2006, 20:13
Liebe Lyon!

Leider habe ich deine Zeilen hier erst jetzt gelesen. Sie haben mich sehr berührt, und ich spreche dir von ganzem Herzen mein Mitgefühl aus.

Du hast so schöne, warmherzige Antworten bekommen. Sie enthalten alles, was ich dir auch hätte schreiben wollen. Darum schließe ich mich ihnen gerne an. Und es freut mich so, dass du hier ein wenig Trost gefunden hast, wie du schreibst.

Ich weiß nicht, ob dein Strang mit dem letzten Beitrag vom 06.11.`06 beendet war. Aber vielleicht schaust du ja noch mal herein. Und für den Fall, dass du das tust, kann vielleicht auch ich dir mit folgender Idee ein wenig helfen:
Versuch doch mal, deiner Mama Briefe zu schreiben, in denen du ihr von deinem Leben erzählst und davon, wie sehr sie dir fehlt. Du könntest für diese Briefe ein schönes Kästchen einrichten, in das du sie hineinlegst, um sie dort zu sammeln. Oder aber du vergräbst sie an einem ruhigen Ort, an dem deine Mutti gern war. Letzteres würde dir sicher noch eher die Vorstellung vermitteln, dass deine Mama und deine Briefe sich finden. Oder binde sie mit hübschen Bändern locker an die Äste eines Baumes, der etwas abseits steht. Irgendwann wird der Wind sie aus dem Geäst lösen und mit sich fort tragen - hin zu deiner Mama.

Auch ich habe mich schon von einigen Menschen, die mir sehr nahestanden, für immer verabschieden müssen und weiß, wie du dich fühlst. Noch nicht von meiner Mutter, aber mein Vater ist vor drei Jahren gestorben. Ich habe mir in der Nacht danach einen Stern gesucht und daran gelaubt, dass er das neue Zuhause meines Vaters ist. Meine Befürchtung, diesen einzigen Stern in den folgenden Nächten nicht mehr wiederzufinden, hat sich nicht bestätigt. Ich habe mir den Himmel angesehen und jedes Mal aufs Neue zu wissen gaglaubt: DORT - DAS ist der Stern! Und dann habe ich alle meine Gedanken für meinen Vater zu diesem Stern fliegen lassen. Das hat mir geholfen - sogar dabei, einiges Unausgesprochene zwischen meinem Vater und mir auf sanfte, tröstliche Weise loszuwerden, so dass es mich immer weniger bedrücken konnte. Und so ganz allmählich vermochte ich zu akzeptieren, dass alles ist, wie es ist. Eine Wunde bleibt noch lange, aber man kann spüren, wie sie sich langsam schließt und verheilt. Was dann zurückbleibt, ist eine Narbe, die auch weiterhin manchmal weh tut. Aber nun weiß ich, dass das so sein muss. Dieser Schmerz ist nicht völlig verschwunden, aber er hat seinen Schrecken verloren. Diese Erfahrung wirst du auch machen - ganz sicher!

Ich wünsche dir alles Liebe! :wangenkuss:
lindenblatt

Muschelhaus
02.12.2006, 08:01
Guten Morgen Lindenblatt,

ich habe deinen Beitrag gerade gelesen und finde ihn wunderschön.
:blumengabe:
Ich wünsche dir und allen die um einen lieben Menschen trauern
viel Kraft und jede(r) findet seinen Weg mit diesem Verlust fertig zu werden.
Allen eine schöne Vorweihnachtszeit :kerze:
Liebe Grüße Muschelhaus

PS: Ich finde es schade, das lyon sich nicht mehr meldet

Inaktiver User
02.12.2006, 12:35
Ihr Lieben,

auch meine Mama ist vor einigen Monaten gestorben. Ich hab sie im Arm gehalten, als sie ihren ´letzten Atemzug gemacht hat. Sie war schon betagt, aber das macht den Schmerz nicht geringer. Seit sie gestorben ist, ist kein einziger Tag vergangen, an dem ich nicht um sie geweint habe. Meist unter der Dusche, da fällt es nicht auf.
Ich glaube, sie war der einzige erwachsene Mensch, der mich je geliebt hat. Ich bin oft bei ihr auf dem Friedhof.
Jetzt kommt das erste Weihnachten ohne sie und ich habe Angst, in der Kirche in Tränen auszubrechen.
Ach könnte ich nur die Zeit zurückdrehen....


herbstfrau

Muschelhaus
21.12.2006, 06:42
Guten Morgen, :kerze:

ich stelle hier heute eine virtulle Kerze auf, denn vor drei Monaten
ist meine Mutter gestorben und ich vermisse sie so sehr :heul:

Große Sorgen mache ich mir auch um meinen Vater, er trauert ganz stark, läßt mich nicht an sich heran. Er kann es nicht ertragen, Weihnachten zu hause bzw. mir mir zu verbringen, daher fährt er bis ins neue Jahr weg.
Ich habe keinen Urlaub mehr und über das Weihnachtswochenende ist das Hotel ausgebucht. Außerdem will er mich nicht dabei haben. Meine Familie gibt es nicht mehr.
Dabei hat meine Mutter mich gebeten, meinen Vater an Weihnachten nicht alleine zu lassen und nun läßt er mich alleine.

Traurige Grüße von Muschelhaus

PS: Lyon, wie geht es dir? Magst du dich nicht mehr melden? :nikolaus:

lyon
12.04.2007, 20:25
Hallo,

jetzt ist es schon sooo lange her, dass ich geschrieben habe, dass wahrscheinlich niemand mehr hier liest. Ich schreibe trotzdem noch mal!

Mein Leben ist voll mit alltäglichen Erledigungen. Ich habe viel zu tun, und ich genieße viele Dinge sehr: reisen, feiern, lachen, mich über schöne Klamotten freuen oder über tolle Lieder. Mein Leben ist in sofern wieder leichter geworden, als keine ständigen Fahrten über 70 km ins Krankenhaus oder zu meinen Eltern nach Hause anstehen. Keine Angst mehr, dass sie sterben könnte, denn dieser schlimmste Fall ist eingetreten! Kein Kummer mehr darüber, einen geliebten Menschen leiden zu sehen, denn sie muss nie wieder leiden.
Es mag seltsam klingen, aber diese Last wenigstens ist fort, und ich kann so vieles, gerade die scheinbar oberflächlichen Dinge des Lebens, wieder schöner erleben.

Aber jeden Tag denke ich an sie. Und oft kommt es vor, dass es mich wie ein heißer Schrecken durchfährt und mich das Entsetzen packt, weil unvermittelt die Bilder vor mir stehen: wie schrecklich ausgezehrt sie am Ende aussah, wie geschunden ihr Körper war, wie furchtbar ihre letzten zwei Tage waren, an denen wir Tag und Nacht an ihrer Seite waren und versucht haben, ihr noch so viel Pflege und Liebe wie möglich zu geben - und dann schnüren mir diese entsetzlichen Gedanken buchstäblich fast die Luft ab. Ich möchte schreien und muss weinen und kann es nicht fassen. Und ich sehne mich danach, wieder mehr schöne Bilder von ihr zu sehen, denn es gibt sie, die tausenden schöner Erinnerungen! Aber ich muss sie mir ins Gedächtnis zwingen, denn noch sind die schrecklichen Bilder - und auch nächtlichen Träume - vorherrschend. Und deswegen hat es mir Angst gemacht, hier zu lesen, meine eigenen Einträge zu lesen, denn ich wollte den Schrecken nicht hervorholen. Heute fühle ich mich ausnahmsweise stark genug dazu.

Zwei Seiten des Lebens: Genießen und sich an Dingen erfreuen -und Schreckensbilder, die die banalen schönen Alltagserlebnisse umso wertvoller erscheinen lassen. Ich hoffe, dass die Schreckensbilder nur eine "Phase" sind und sich irgendwann zugunsten aller schönen, dahinter liegenden Erinnerungen aus dem Staub machen. Es wäre ungerecht, wenn wenige erlebte Wochen so viele Jahre verdrängen würden, oder?

Vor einigen Wochen war ich in Frankreich, dem Land, dass meine Mutter sehr geliebt hat, und diese Liebe hat sie an uns weitergegeben. Ich stand auf einer Brücke über den Fluss, die ersten Frühlingssonnenstrahlen blitzten auf dem Wasser, die Stadt war hell und lebendig, und tatsächlich fing in diesem Moment ein Straßenmusiker an zu spielen! Plötzlich war meine Mutti so nah, ich hörte ihr Lachen und konnte fühlen, wie sie es genossen hätte! Da musste ich mich an der Brüstung festhalten - und weinte.

lyon
12.04.2007, 21:07
Nachtrag:

Ich wollte noch danke sagen für die lieben und guten Hinweise, Trauer zu bewältigen. Das Schreiben kann sicherlich helfen. Aber soweit bin ich (fast) noch nicht.
Bis 2002 habe ich fast zehn Jahre lang Tagebuch geschrieben. Es war eine ganz normale Angewohnheit, fast jeden Tag etwas aufzuschreiben über Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Ich brauchte es auch. Dann, 2002, als ich 22 war, starb meine Omi, die ich sehr lieb hatte. Sie starb unter ähnlichen Umständen wie jetzt meine Mutter. Aber es gab einen Unterschied: Ich hatte bis zuletzt daran geglaubt, dass sie überleben würde. Wenn ich über ihre Krankheit und ihren Zustand verzweifelt war, sagte man mir: Kopf hoch, es wird bestimmt wieder! Und: Die Hoffnung stirbt zuletzt! - Ich habe gehofft und geglaubt. Und weiter gehofft. Die Hoffnung starb tatsächlich zuletzt - aber sie starb, im gleichen Moment wie meine Omi. Und es war ein solcher Schock für mich. Ein paar Tage später, oder vielleicht waren es auch ein paar Wochen, nahm ich mein Tagebuch wie gewohnt zur Hand und wollte etwas schreiben - aber mir fehlten die Worte. Ich wollte ansetzen, aber ich war sprachlos, schreib-los, stumm. Ich habe es einige Zeit später wieder versucht, aber ich konnte nicht. Ich habe nie wieder etwas geschrieben, meine Tagebücher enden im September 2002.

Diese Beiträge hier im Forum sind die ersten Versuche, wieder etwas Privateres als einen Brief zu formulieren. Und vielleicht war es auch die Angst vor erneuter Sprachlosigkeit, die mich so lange zwischendurch hat zurückschrecken lassen.

Auf Wiedersehen sagt
lyon

Libellchen
20.04.2007, 15:41
:blume: :blume: Auch ich habe am Silvester 2003 meine Mutter verloren.Es gab Tage mit tiefer Trauer und Tage,an denen es mir gut ging.Ich hatte immer ein kleines Objekt,das ich fest in die Hand nahm oder ans Herz drückte,wenn es mich wieder mal beinahe zerriss.Es ist ein Herzdöschen,das etwas von ihrer Asche enthält,die ich zufällig aus der Urne rinnen sah.Ich hatte die Urne 4 Wochen zu Hause stehn und in der Zeit hab ich mich oft auf die Treppe gesetzt und sie im Arm gewiegt und geschaukelt.Ich hab' sie gehört,wie sie mir sagt,ich solle aufhören ,es werde ihr schwindlig--muss heute noch grinsen,wenn ich daran denke.Gut erzogen habe ich halt aufgehört sie zu wiegen,ich wollte ja nicht,dass ihr schwindlig wurde!:peinlich:
Die erste Zeit nach ihrem Tode habe ich, dieses Döschen mit mir rumgetragen,wenn ich in die Ferien ging oder habe es in die Jackentasche gesteckt,wenn ich Motorrad fuhr und habe ihr so die Gegend gezeigt.Ihr Leben lang hat sie für uns geschuftet und konnte es auch nachher nicht recht geniessen.Auch an meinem 50. Geburtstag trug ich sie bei mir.
Dann kam die Zeit wo ich das Döschen nicht oder kaum mehr brauchte,es reichte mir es zu sehen-es steht in der Küche aufm Regal,da wo ich immer dran vorbei gehe.Letztes Jahr habe ich sie wieder mitgenommen,weil ich mit ihrer jüngsten Schwester meinen Geburtstag gefeiert habe und da fand ich ,dass sie dazu gehörte.Ich dachte schon daran,dieses im Garten zu begraben,aber noch bin ich nicht wirklich soweit und es steht da und sie ist bei mir.
Mir fehlte am allermeisten,dass ich ihr nichts mehr erzählen konnte und sie nichts mehr fragen---es ist,als ob der Faden nach hinten abgerissen sei.
Ansonsten weiss ich ,dass es ihr gut geht da oben.Ich denke sehr oft an sie ,wenn ich was sehe oder höre,das sie geliebt hat ,oder wenn ich was von ihr in den Fingern habe!
Seit jener Zeit steht bei uns auf dem Balkon ein Glas mit einer Kerze drin,die wir von Zeit zu Zeit abends anzünden,damit sie für meine Mutter leuchtet.Wenn jemand aus dem Freuneskreis stirbt leuchtet sie für den/ die Verstorbebe/n.Das ist etwas was mir Trost spendet und Kraft gibt.:blume: :blume:

Muschelhaus
21.04.2007, 07:42
Hallo Lyon,
schön das du dich nochmal hier gemeldet hast.
Heute vor 8 Monaten ist meine Mutter gestorben und ich kann
es immer noch nicht fassen. Mein Vater verschliesst sich immer mehr in seiner Trauer, läßt nichts und niemanden an sich heran. Er will nur meiner Mutter nah sein und verbringt tägl. viele Stunden auf dem Friedhof, alles andere ist ihm egal, alles erscheint ihm sinnlos. Ich versuche immer wieder ihm Mut zu machen, ihn zu trösten, einfach dasein, zuhören - dabei brauche ich selbst Trost.

Hallo Libellchen,
das mit dem Döschen und der Kerze finde ich sehr schön. Ich habe ein Foto meiner Mutter auf das ich immer wieder schaue und dann rede ich manchmal mit ihr.

Vorgestern bin ich Fahrrad gefahren, der Sonne entgegen, ein paar Wolken waren am Himmel. Es sah fast so aus, wie am Todestag meiner Mutter und mit einem Mal liefen die Tränen.

Nachher werde ich zum Friedhof fahren und um sie trauern, vergessen werde ich sie nie :blumengabe:

Muschelhaus

Libellchen
21.04.2007, 09:43
Vorgestern bin ich Fahrrad gefahren, der Sonne entgegen, ein paar Wolken waren am Himmel. Es sah fast so aus, wie am Todestag meiner Mutter und mit einem Mal liefen die Tränen.
Muschelhaus[/QUOTE]
Lass den Tränen freien lauf,es spielt keine Rolle was andere denken könnten,das gehört zur Trauerarbeit und erleichtert Dich!
Ich habe ,wie ich das 1.mal mitm Moto neben dem Augenspital durchgefahren bin,wo sie noch operiert wurde laut in meinem Helm geweint und sie angerufen.Es war einfach zuviel in dem Moment.Nahher stand ich im Stau und hatte mehr wie genug Zeit ,meine Tränen weg zu wischen.Es ist eine lange Arbeit und gehört zu unserem Leben und ist das ,was uns reifen lässt.
Du wirst sie nie vergessen,denn sie lebt jetzt in Dir.Du trägst sie immer mit Dir rum und warst ihr nie so nahe,vergiss da nicht.Sie ist immer bei Dir wenn Du sie brauchst!!!!:blume: Grüsse Deinen Vater von mir und sag ihm das!!!Vielleicht gibt es auch ihm etwas Trost!:blume: :blume:

teichmuschel
02.05.2007, 14:36
Am Montag hat sich der Todestag meiner Mutter gejährt. Als ich anfing hier zu lesen und zu schreiben konnte ich nicht glauben, dass es mir irgendwann einmal wieder besser geht. Und doch ist es so gekommen. Ich vermisse meine Mutter nach wie vor, doch das Weinen ist ein "leises" geworden, der Schmerz zerreißt mich nicht mehr. Manchmal will mein Herz immer noch nicht verstehen, dass sie nie mehr wieder kommt, ich ihr Lachen nicht mehr höre und sie mir nicht mehr mit einem verschmitzten Lächeln Geschichten aus dem Dorfleben erzählt.
Ich hatte so viel Angst vor so vielen Tagen, Geburtstage ohne SIE, Weihnachten ohne SIE, Muttertag ohne SIE, Feiertage ohne SIE - ich dachte ich würde diese Tage nicht überleben. Und doch ging das Leben weiter und es wurde auch einfacher.
Am Montag hatten wir uns alle (Geschwister, Partner) bei meiner Mutter im Garten getroffen und mit einem Gläschen Prosecco ihrer gedacht.

Ein ganzes Meer von :blume: für meine beste Mutter.

Teichmuschel

fuechsine
02.05.2007, 16:27
:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Sehnsuchtsrose
20.05.2007, 19:20
Hallo,

auch ich sitze hier mit zerissenem Herzen und fühle mich als ob ich ein ganzes Hochhaus als Last auf meinem Rücken tragen muß.

Meine Mama ist im Februar verstorben.Nachdem sie 5 Wochen nach einer OP im Koma gelegen hat.

Und das Schweigen und die Stille wird mich mein ganzes Leben verfolgen.

Außerdem bin ich im siebten Monat schwanger.Unser erstes Kind.
Meine Mama durfte nur noch erfahren, dass ich schwanger bin.

Mehr werden wir nicht mehr zusammen erleben.

Ich frage mich im Moment,ob ich nochmal jemals richtiges Glück oder Leichtigkeit im Leben empfinden kann.Mir fällt im Moment alles schwer.Und meine Umwelt erwartet dass ich mich auf unseren Nachwuchs konzentriere.Ich freu mich ja auch.Aber die Freude ist so sehr überschattet vo meiner Trauer.
29 Jahre,mein ganzes bisheriges Leben war meine Mama für mich da und ich lieb sie so sehr....

Jetzt ist sie nicht mehr da.

Dir traurige Sehnsuchtsrose

Inaktiver User
20.05.2007, 19:26
Liebe Rose der Sehnsucht :blumengabe:

Ich verstehe dich gut!
Mein Papa ist gestorben an einem Herzinfarkt als ich im 6. Monat war, mit meinem ersten Kind. Er hat keines meiner Kinder kennenlernen können, was mich bis heute, 22 Jahre danach, immer noch etwas traurig macht.

Ich denke aber, dass er "vom Himmel aus" Teil genommen hat an unserem Leben.

Du wirst aber wieder Freude empfinden können, keine Angst !
Dein Kindchen wird dein Herz erhellen.

Der Trauerschmerz und die Sehnsucht werden aber immer wiederkommen, stell dich darauf ein. Vor allem zu Festtagen und besonderen Daten, das ist einfach so.
Wird aber mit jedem Jahr etwas weniger heftig.


Es tut mir sehr leid, dass du das durchmachen musst :blumengabe:

Wenn du reden möchtest, weil dein Herz überquillt - hier ist immer einer für dich da !

Inaktiver User
20.05.2007, 21:27
Ich kann nicht wirklich mitreden. Meine Eltern leben noch beide - da für bin ich auch dankbar. Aber mir ist es schon oft aufgefallen: Einer kommt - einer geht. In meiner Umgebung ist es immer wieder so, dass kurz bevor ein Kind geboren wird, ein Großelternteil stirbt. Als es bei einem meiner guten Freunde so war, habe ich ihm eine Geschichte dazu geschrieben. Ich glaube, dass sich die Seele, von demjenigen, der geht, mit der Seele, von demjenigen der kommt, trifft. Und ich glaube, dass sich diese beiden Seelen austauschen, dass der Gehende viel von seinem Wissen, seiner Erfahrung weitergibt. Wenn man einem Neugeborenen in die Augen schaut, hat man das Gefühl, das diese Augen alles Wissen in sich tragen. Das sit für mich das Wissen, das es von seinem Großelternteil bekommen hat, als deren beider Wege sich in der Zwischenwelt getroffen haben.

Kranich

Sehnsuchtsrose
21.05.2007, 11:21
Hallo Lavendelmond,


das ist sehr lieb dein Angebot.Und so wie du deine schlimmen Erlebnisse schilderst,wirst du meine Gedanken verstehen können.

Mit unserem Kind kommt soviel neues auf meinen Mann und mich zu.Ich habe Angst ohne mein großes Vorbild nicht die Mutter werden zu können,die ich so gerne sein will.Bisher hatte ich immer meine Mutter bei mir. Die Beziehung zwischen uns war eine besondere,wunderschöne,einzigartige Verbindung.Sie war (muß ich jetzt immer war sagen!?) gezeichnet von blindem Vertrauen,unendlicher Liebe und Fürsorge undundund.

Die Gespräche mit ihr,ihr Rat und ihre Erfahrung.Jede Umarmung,Handhalten,Lächeln alles fehlt mir.Wir haben es doch gewusst was wir aneinander hatten.Da hätte diese schreckliche Krankheit sie mir nicht nehmen müssen.

Ich habe zu Gott gefleht und flehe immer noch.Aber ich weiß,dass er diese Grenze zwischen Leben und Tod gesetzt hat.Das irdische Leben ,wo ich hier bin ohne meine Mama, weitergehen wird und ich nur versuchen kann mir vorzustellen ,wo sie jetzt ist.

Gott hat uns die absolute Freiheit geschenkt.Den freien Geist,das freie Denken und Handeln.Der Preis dafür ist, dass er keinen Einfluß auf das irdische Leben nimmt.Kann sich zwar jeder seine Ansicht vielleicht gerade zurechtbiegen,wenn es passt.Aber ich glaube das Glück oder Unglück was uns auf Erden widerfährt,kommt nicht von Gott.
Der Gott an den ich glaube, hat uns dieses irdische Leben geschenkt,damit wir die Möglichkeiten des menschlichen Bewußtseins ,die Vielzahl der Gefühle,kennenlernen.Die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit eines jeden menschlichen Wesens.

Unser Kind wird sicherlich auch Ähnlichkeit mit meiner Mama und uns haben.Logisch.Aber meine Mutter ist bei Gott.Und ihr Schicksal hat überhaupt nichts mit dem unseres Kindes zu tun.
Das wär dann eher Aberglaube.Nicht zu verhindernder,grausamer Zufall wie er auf dieser Welt leider vielerorts passiert.Sorry,mit diesem blöden Gemunkel "einer kommt,einer geht" kann ich wirklich nichts anfangen.Ist wirklich nicht bös gemeint,aber solche Ansichten zerstören meiner Meinung nach das Besondere und die Bedeutung des einzelnen Menschen.Aber da hat eben jeder eine andere Einstellung...

Ach Lavendelmond.Ein langer Weg liegt da vor uns allen.Mal mit kleineren oder größeren Steinen.Mal wirken die Steine kleiner,weil man sie mit mehr Anlauf überspringt und mal riesig,weil man sie wie ein winziger Käfer mühsam schleichend überwindet.Der Stein der Trauer scheint mir immer auf dem Weg oder irgendwann am Wegesrand mitzurollen.

Das Leben eben.Manches im Leben kann man ändern, anderes ist unveränderlich und endgültig.

Liebe Grüße von der
Sehnsuchtsrose

Sehnsuchtsrose
21.05.2007, 12:06
Liebe Lyon,


deine Beiträge zu lesen tut richtig gut.Du sprichst mir aus der Seele und es gelingt dir sehr gut deine Gefühle auszudrücken.

Laß die Sprachlosigkeit nicht zu.Durchbreche die Stille und erzähl uns von deiner wunderbaren Mama.

Ich hab auch so eine wunderbare Mama. Sie liebt die Insel Kreta über alles.Lavendel und Pfingstrosen liebt sie.Im Jahr 2003 haben wir
ihr eine Reise nach Kreta geschenkt,wo wir bereits schon mal gemeinsam waren.Ich habe zwei wunderschöne Wochen dort mit ihr verbracht.Gemeinsam haben wir in einer kleinen Taverne an einem einsamen Strand gesessen.Köstliches Essen gegessen und glücklich zusammen auf das unendlich schöne Meer und den Strand geschaut.Dieser Augenblick hätte von mir aus ewig andauern können.

Du sagst,du hast dich von deiner Angst befreit gefühlt nach dem Tod deiner Mama.Die Last der Angst und ständigen Sorge ist von dir gefallen.So ging es mir auch.Fünf Wochen jeden Tag auf der Intensivstation.Beatmungsgerät,Kabel,Schläuche.Der durchlittene Körper meiner geliebten Mama.Jeden Tag dort und das Leid sehen.
Einen Tag mehr Hoffnung,den anderen wieder Schreckensnachrichten der Ärzte.Das alltägliche Leben zieht an einem vorüber.Die Zeit auf der Intensivstation scheint stillzustehen.Dort zählt nur Leben oder nicht Leben.Draussen ist das Leben selbstverständlich.Radfahren,gehen,Straßenbahn fahren.Den Menschen da draussen ist gar nicht bewußt was alles zum Leben gehört.Das sie in diesem Moment leben,sich bewegen können.Meine Mama lag nur da und ihr Körper konnte alleine fast nichts mehr.Nicht mal mehr atmen.Diese Bilder fesseln einen,verfolgen mich auch.Weil man sie doch so sehr liebt!
Und dann so schlimmes sehen muß!

Rufe dir die schönen Erinnerungen an deine Mama in den Kopf.Ich schreibe alles auf.Versuche es,Lyon.Damit alle schönen Erinnerungen lebendig und genau bleiben.Und man sie im Gedanken
immer wieder durchleben kann.

"Mögen dich die Erinnerungen an deine liebe Mama wie ein wärmender Sonnenstrahl begleiten!" hat meine liebe Freundin mir geschrieben.Und das wünsche ich dir auch.

Ich würde mich sehr freuen,wenn ich weiter von dir hier lesen kann.Es ist schön dir zuzuhören.

LG

Die Sehnsuchtsrose

Muschelhaus
21.05.2007, 14:25
Hallo Sehnsuchtsrose,
fühl dich mal virtuell von mir gedrückt (wenn du magst).:blumengabe:

Meine Mutter ist im September gestorben und obwohl ich nie so ein Verhältnis zu ihr hatte, wie du zu deiner Mutter, fehlt sie mir und ich habe sie sehr geliebt. Oft rede ich mit ihr und es gab auch schon Momente (in der Natur, ohne andere Leute um mich herum), da war ich mir sicher, daß sie bei mir ist.

Du wirst sicher eine wunderbare Mutter für dein Kind, deine Mutter hat dir in all den Jahren soviel "gegeben", davon kannst du manches weitergeben. Kennst du das Lied : "Niemals geht man so ganz" ? der Text geht weiter : "irgendwas von dir bleibt hier" .

Alles Liebe für dich und deine kleine Familie
Muschelhaus

Sehnsuchtsrose
23.05.2007, 12:44
Liebe Muschelhaus,

ich drücke dich ganz fest zurück.Danke!

Jede einzelne Beziehung unter Menschen hat ihre Besonderheit und ihre Einzigartigkeit.So sind es vielleicht bestimmte Lebensumstände gewesen,die dich vom Gefühl her nicht immer so nah bei deiner Mama haben sein lassen.

Aber in jeder deiner Beiträge und Worte spüre ich die Liebe und Sehnsucht, die du zu ihr hast. Und das alleine zählt.Ich habe auch vieles,was ich gerne der Beziehung zu meiner Mutter noch hinzufügen würde.Aber jetzt bleibt es unveränderlich.Man wird es nie schaffen alles zu sagen und zu geben,was man möchte.

Du scheinst auch eine schwere Aufgabe mit der Trauer deines Vaters zu haben.Leider sieht man in seiner Trauer manchmal nur noch sich selbst.So geht es mir manchmal.Dein Vater scheint ähnlich zu sein.Vergess über die Anstrengung deinen Vater zu stützen,nicht,dass du auch Kraft und Unterstützung brauchst.

Ich habe schon gemerkt, dass die Umgebung,d.h. Freunde und Familie oft abwartet wie der Trauernde reagiert.Habe viele Hilfs-und Gesprächsangebote bekommen.Aber sie in Anspruch zu nehmen.Einen Schritt aus dem Schweigen und der Stille zu machen,ist schwer.Ich werde jetzt einfach reden.Reden,reden,reden und hoffe dass ich es so irgendwie schaffe diesen Verlust zu bewältigen.Mein Mann wartet förmlich nur darauf,dass ich endlich rede,mich mitteile.Und sagt dies auch immer wieder.Man macht sich vielzuoft Gedanken,ob es gerade bei Freunden der passende Moment ist,um über seine Trauer zu reden.Aber genau dafür sind doch Freunde da:in wichtigen Momenten zuhören,an unserer Seite sein.

Bin froh zu hören,dass du auch mit deiner Mama redest.Ich schaue
jeden Morgen und Abend in den Himmel und auf das Foto meiner Mutter und wünsche ihr einen guten Tag/eine gute Nacht.
Ich red auch sonst mit ihr ab und an.Manchmal denke ich,ich muß was zu ihr sagen,weil ich mir ja nicht sicher sein kann,dass sie meine abertausenden täglichen Gedanken an sie lesen kann.

Ich fühle mich ihr auch sehr nahe,wenn ich alleine und/oder in der Natur bin.

Danke, dass du mir Mut machst für meine kleine Familie.Das ist ein
Ziel für mich:die Liebe und Fürsorge meiner Mama an unser Kind weitergeben.

Alles Gute für dich und viel Kraft

Liebe Grüße
Sehnsuchtsrose

Passanger
31.05.2007, 21:44
Liebe Sehnsuchtsrose, aber auch alle anderen,

meine Mutter ist letzten Juni an Krebs gestorben - 55 Jahre, 3 Jahre Krankheit, die sie mit Kraft und anscheinend ohne Angst (nur uns gegenüber?) getragen hat, die letzten 7 Wochen ein schreckliches Leiden, das Bild von ihr auf dem Sterbebett, unsäglich hilflos und schmerzerfüllt, nie mehr auszulöschen.

Bevor die schlimme letzte Phase begann, hat sie meine 6-wöchige Tochter ein einziges Mal - schon im Krankenhaus - gesehen. Meinen jetzt 2,5-jährigen Sohn hat sie noch mehr erlebt, aber ich bilde mir ein, er muss ihre Krankheit gespürt haben - er hat sich nie wohl gefühlt bei ihr, obwohl sie sehr lieb zu ihm war.

Es geht mir jetzt auch mehr bei meiner Tochter so, dass ich traurig werde, wenn ich daran denke, dass keine von beiden die andere mehr kennenlernen und erleben wird. Aber beiden Kindern erzähle ich immer wieder von ihrer Oma - dass sie tot ist natürlich nicht, aber so wie von jemandem, der zur Familie gehört, aber sehr weit weg ist. Ich möchte, dass meine Erinnerung an meine Mutter meine Kinder begleitet, und dass sie als Teil der Familie zumindest in den schönen Gedanken weiterlebt.


Ihren Geburtstag habe ich gerade in mühsamer Verdrängung überstanden, ihr 1. Todestag kommt näher, übernächste Woche. Ein Jahr, und ich kann es immer noch nicht glauben.

Das Wichtigste, was ich aus dem zu frühen Tod meiner Mutter gelernt habe: Die Liebe zu meinen Kindern, meinem Mann und allen anderen, die mir wichtig sind, zu pflegen und nicht leichtfertig damit umzugehen.
Du wirst sehen, dass es, besonders die ersten drei Monate, manchmal furchtbar anstrengend sein wird mit dem neuen Baby, dass der Schlafmangel, das Schreien, die Auszehrung durch`s Stillen (nicht zu unterschätzen - genug trinken!) und das ständige Sich-Fragen "was hat es denn, was kann ich tun, mach` ich denn alles richtig" Dich völlig in die Verzweiflung drängen kann - und dann auch noch keine Mama, bei der Du Dich ausheulen kannst und die Dir immer den Rücken stärken wird. Aber wenn Du in solchen Momenten daran denkst, dass auch Deine Mutter das alles mit Dir durchgemacht hat und Dir ihre ganze Kraft geschenkt hat, so dass Du groß geworden bist und jetzt den Mut hast, Mutter zu werden, kann Dich die riesige Verantwortung für das kleine hilflose Wesen wieder unglaublich stark machen. Die Liebe Deiner Mutter und zu Deiner Mutter ist die Vergangenheit, die Dich trägt, die Liebe zu Deinem Kind ist die Zukunft, die auf Euch wartet.

Es gab mal so einen holländischen (?) Film über eine jüdische Familie, der hieß "Geh` niemals ohne ein ich liebe Dich" wo der Vater auch nach dem ärgsten Streit die Kinder nie aus dem Haus ließ ohne ein "Ich liebe Dich", denn es könnte ja sein, dass man sich nie wiedersieht, dass einer stirbt. Das ist zwar ziemlich paranoid, aber für mich ist es die symbolisierte Zuspitzung des Gedankens, dass man viel zu oft die Zeit, die man gemeinsam hat, mit unnötigem Streit verbringt, oder aber man den Menschen, die man liebt, das zu selten zeigt oder viel zu wenig Zeit für sie aufbringt.
Das in den Beziehungen zu meinen Lieben, die noch leben, zu ändern - damit bekämpfe ich die Verzweiflung und das immer wieder aufkommende Gefühl der Sinnlosigkeit.

Aber es hilft nicht immer. Keiner um mich herum bekommt es mit, denn ich wirke wohl sehr tough. Deswegen bin ich froh zu spüren, dass Du und Ihr anderen Töchter Eurer Mütter wisst, wie man sich so fühlen kann.

Alles Gute Dir und Deiner Familie, von ganzem Herzen.

Passanger

Passanger
31.05.2007, 21:56
Eine andere Sache: Ich habe irgendwie Angst davor, selber nicht alt zu werden, da meine Ur-Omi, meine Omi und meine Mutter alle relativ früh an Krebs gestorben sind. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, gesund und fröhlich alt zu werden - und habe auch Angst, dass es meinen Bruder "treffen" wird. Zwar glaube ich daran, dass Pessimismus auch nicht gerade gut für den Gesundheitszustand ist, aber die Angst kommt einfach so, ich kann gar nichts dagegen tun, obwohl mich der Gedanke ärgert, weil ich nicht so leben möchte, mit dem ständigen Hintergedanken "Ich könnte krank werden und sterben".




Hallo Lyon und alle anderen,

diese Frage war der eigentliche Anlass, mich heute auf dieses Forum zu begeben, denn mich quält jetzt, fast ein Jahr nach dem Krebstod meiner Mutter, ein konstantes, unterschwelliges und nicht abzuschüttelndes dumpfes Gefühl, dass mir das Schicksal eines frühen Todes vorgezeichnet sei: Oma mit 45 schwer krank gestorben, Mutter mit 55, und wann bin ich dran? Und dann noch die Angst, dass sich die Tradition bei meiner Tochter fortsetzt, wo sich doch so ungünstige Gene vereint haben: auch die Mutter meines Mannes ist viel zu früh (mit 35) an Krebs gestorben.

Und ich bin besessen von dem Gedanken, dass genau dieser Gedanke selbst mich so krank machen wird, dass es dann auch Wahrheit wird, also als self fulfilling prophecy wirken wird. Rational kann ich mir tausend Mal sagen, dass das Schwachsinn ist, aber ich werd`s nicht los! Was tut Ihr dagegen, was hilft????

Passanger

teichmuschel
04.06.2007, 08:41
Hallo Passenger,

wenn ich eine Patentlösung für Deine Dich quälenden Ängste hätte, ich würde Dir diese Lösung von Herzen gerne geben - aber ich glaube es gibt keine. Es ist ein schwerer Weg sich mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen.
Meine Mutter wurde wohl fast "74 Jahre" alt und starb an den Folgen eines Schlaganfalles.
Seither quälen mich Ängste unterschiedlichster Art. Kurz nach dem Tod meiner Mutter hatte ich Angst ebenso schnell einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu bekommen. (Ich wollte anfangs mit unserem Hund keinen Weg gehen, wo ich wusste, dass dort nur sehr wenige Menschen entlanglaufen).
Angst irgendwann einmal ganz alleine dazustehen, Angst, dass erneut jemand aus meiner Familie oder Freundeskreis stirbt, Angst mit dieser Situation nicht umgehen zu können und ganz "zusammenzubrechen, Zukunfts- bzw. Existenzängste. Angst ohne meine Mutter nicht existieren zu können. Sie war eine der wichtigsten Personen in meinem Leben, da mein Vater sehr früh gestorben ist.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein "Gerüst" meine Mutter war und mit Ihrem Tod mein ganzes Leben ins Wanken geraten ist. Manchmal gelingt es mir dieses Leben wieder einigermaßen zu festigen, z. Zt. eher wieder mal nicht.
Ich bin letztes Jahr dann zu einem Psychologen gegangen, bei dem ich mich auch sehr gut aufgehoben fühle. Aber es ist ein langer und schwieriger Weg mein Leben wieder ein bißchen in den Griff zu bekommen.

Wenn Deine Ängst Dich nicht zur Ruhe kommen lassen, dann probiere es vielleicht einmal mit einer Therapie. Gehe auch regelmäßig zu den Krebsvorsorgeuntersuchungen. Dies gibt vielleicht schon ein kleines Gefühl der Sicherheit, dass alles in Ordnung ist.

Liebe Grüße
Teichmuschel

Inaktiver User
19.06.2007, 16:19
Hallo ...

meine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben und
in letzter Zeit vermisse ich sie irgendwie wieder
einmal sehr, sehr ... Ich habe das Gefühl, das es wieder
total stark ist, diese Trauer um die eigene Mutter.
Es ist, wie bereits erwähnt wurde, dass ich das Gefühl habe,
dass mich nie wieder jemand so bedingungslos lieben wird.
Sie war immer für mich da.

Als sie starb, bin ich zurück in das Haus meiner Eltern
gezogen und wohne jetzt mit meiner Schwester und
meinem Vater in dem Haus.

Mein derzeitiges Problem ist "die Neue" von meinem Vater.
Ich weiß nicht, ob das kindisch ist von mir, aber irgendwie
stört mich die Tatsache ziemlich, dass die Neue Freundin
von meinem Vater neuerdings jedes Wochenende in
das Haus kommt und mit meinem Vater im ehebett schläft,
wo früher meine mama geschlafen hat. Das macht mich
echt ... wütend. Ich hab immer das Gefühl, das sie sich
in das "gemachte nest" setzt, da mein vater viel geld
hat und sie eben nicht und zudem nichtmal einen job hat.
:knatsch:
Wisst ihr, ich weiß, dass diese Gedanken, die ich habe
ein wenig kindisch und daneben sind, aber ich kriege
jedesmal einen Anfall, wenn sie kommt. Ich ignorier sie
und bin betont kühl zu dieser Frau. Zudem verstehe ich
nicht, wie sie einfach so im Ehebett schlafen kann, irgendwie
würde MIR das nie im Leben einfallen, wenn die Kinder
im Hause sind. Das hat doch was mit Anstand zu tun ...

Diese Gedanken verstärken sich momentan bei mir,
da mein vater uns neulich fragte, ob wir denn etwas
dagegen hätten, wenn sie bei uns ganz einziehen könnte,
da sie momentan eine fernbeziehung führen. Die beiden
kennen sich noch nicht lange ... :ooooh:
und er redet jetzt schon von einziehen ...
irgendwie behagt mir das überhaupt nicht.
kann mir das jemand nachempfinden?

ich möchte einfach nicht, dass sie in das haus
einzieht, für das meine mutter so lange drum gekämpft hat.
und dass sie jetzt alles voila aufs silvertablett bekommt,
von dem ich weiss, dass meine mutter sich dafür den hintern
damals aufgerissen hat.:knatsch:

:heul: :regen:

danke fürs lesen

Muschelhaus
20.06.2007, 16:37
Hallo Shizzle,

ich kann gut verstehen, daß du deine Mutter vermisst, es gibt immer wieder Situationen bzw. Momente in denen es schmerzt und uns wird klar, sie kommt nie wieder, wir können nicht mehr mit ihr reden, mit ihr Nähe und Vertrautheit spüren und sie um Rat fragen usw.

Auch dein Vater wird sie sehr vermissen und hat sicher getrauert und vergessen wird er sie NIE ! Niemand kann deine Mutter ersetzten. Aber dein Vater lebt und er hat sich für das LEBEN entschieden, soll er den Rest seines Lebens trauern und deine Mutter täglich schmerzlich vermissen, seine eigene Einsamkeit vor Augen? Du schriebst nicht wie alt er ist.

Kannst du dich nicht freuen das dein Vater wieder lebendig wird, das es nochmal glücklich ist? Egal wie er lebt, deine Mutter kommt nicht zurück. Das es schwierig ist die andere Frau in deinem Elternhaus, kann ich verstehen, aber wäre es dir lieber, dein Vater würde das Haus verkaufen und mit der neuen Frau ein anderes Haus kaufen?

Mein Vater trauert so sehr, er redet nur noch von der Vergangenheit (mit meiner Mutter), geht jeden Tag -zig Stunden auf den Friedhof, will bei ihr sein. Er wird immer dünner, immer trauriger, ich glaube er wartet auf seinen Tod um bei meiner Mutter zu sein, um der Einsamkeit, der Trauer zu entkommen. Sein Leben ist in seinen Augen total sinnlosgeworden. Das macht mir schwer Sorge, das hätte meine Mutter nicht gewollt. Ich wäre froh, er würde wieder lebendig, würde das Leben noch geniessen, auch wenn es anders ist, als er sich das Alter gedacht hat. Eine andere Frau, wieder Interesse am Leben, das würde ich mir für ihn wünschen - aber er will nicht - das ist seine Entscheidung.

Liebe Grüße Muschelhaus

teichmuschel
09.07.2007, 13:23
Liebe Mama,

du hättest heute Deinen 75. Geburtstag gefeiert. Letztes Jahr hast Du noch darüber nachgedacht, wo und wie Du diesen feiern möchtest.
Ich vermisse Dich nach wie vor so sehr und hätte Dir heute so gerne gratuliert und Dich feste in den Arm genommen. So bleibt mir nur Dir auf diesem Wege ganz herzliche Glückwünsche zu schicken.

Ich weiß nicht ob ich es je schaffe mich mit Deinem Tod auszusöhnen.

Liebe Grüße und viele :liebe:
von Deiner Tochter

fuechsine
09.07.2007, 20:16
:kerze:

Kappuziner
17.07.2007, 21:37
Meine Ma (so nannte sie sich immer, wenn sie mir SMS schickte "Deine Ma")
sie wäre heute 70 geworden :heul:
Sie war eine wunderschöne und lustige Frau und sie hätte bestimmt ein rauschendes Fest heute gemacht, mit ihren Geschwistern, ihren vielen Freundinnen, ihren ehemaligen Schülern, wenn mein Vater noch gelebt hätte, er hätte bestimmt eine seltene Pflanze gefunden und nach ihr benennen lassen und wir Kinder hätten ihr geholfen, die Enkelkinder wären herumgerannt in dem Garten, hätten Sachen in den Teich geworfen und Frösche gejagt...
Ihre liebste Freundin wäre aus der Schweiz gekommen.

Das letzte "Fest", was in dem Garten gefeiert wurde, war vor zwei Jahren, nach ihrer Beerdigung. Alle waren da und wir haben auch tapfer eine gute Miene gemacht, so wie es bei uns üblich ist. Mein Onkel, ihr Lieblingsbruder, sagte "Wir Kölner weinen, wenn wir lachen, und lachen, wenn wir weinen".

Heute ist das Haus leer und steht zum Verkauf. Deine Bilder sind bei mir und die Briefe, die du mit Papa geschrieben hast, vor eurer Hochzeit, auch. Sonst habe ich nicht viel genommen. Na ja, die Küchenmaschine, eine schöne Kitchen Aid. Wie viele Weihnachtsplätzchen hast du damit gemacht?

Du fehlst mir!!!!!!!

Kalip
22.07.2007, 20:54
Meine Mama ist vor 3 Wochen gestorben.
Sie fehlt mir so!!! Auch wenn ich sie die letzten Jahre nicht viel besucht hatte, weil es die Umstände einfach nicht ermöglicht haben.... Sie ist mir jetzt viel näher wie sie mir jemals war! Ich behalte sie in Erinnerung mit viel Liebe und wenn ich an sie denke, sehe ich nur das schöne, lustige, was wir gemeinsam erlebt haben. Auch wenn es viele Streitigkeiten gab - daran will ich gar nicht mehr denken. Vor ein paar Jahren hat sie mich um Verzeihung gebeten, für die Fehler die sie gemacht hat. Ja, sie hat Fehler gemacht - aber sie hat auch ganz ganz viel richtig gemacht, meine liebe Mutti!
Du fehlst mir so!!!! Ich liebe Dich!!!!!

Jogni
18.08.2007, 00:56
... Mein Vater hat am 21. Dezember Geburtstag.

Meine Mutter ist gerade im Krankenhaus ... Herzschrittmacher, Wasser, Diabetes, Polyneuropathie ...
... das Ende ... ??? Schwiegermutter auch ... ?

... meine Schwägerin (Krankenschwester) findet Herzschrittmacher nicht so gut ... der alte Mensch hat Schmerzen, möchte sterben, aber das geht nicht, weil ... das Herz schlägt, schlägt, schlägt ...

Tochter

Muschelhaus
23.12.2007, 09:39
:kerze: :kerze: :kerze: :kerze:

Das 2.Jahr ohne meine Mutter - es tut immer noch so weh!!!
Mein Vater ist wieder in die Vergangenheit geflüchtet - da habe
ich auch keinen Platz
für meine eigenen Töchter existiere ich nicht mehr -

warum soll ich mich da auf Weihnachten freuen?

Traurige Grüße an alle
Muschelhaus :kerze: :kerze: :kerze: :kerze:

wolfsmond
23.12.2007, 09:50
Liebe Muschelhaus,

:in den arm nehmen: wenn ich darf!

Es gibt wohl sehr, sehr viele hier, die sich nicht auf Weihnachten freuen können. Du bist also nicht allein!

Pass gut auf Dich auf!!!

vlg
wolfsmond

teichmuschel
27.12.2007, 17:49
Das 2. Weihnachten ohne meine Mutter ist vorbei und es wird nie wieder ein Weihnachten geben wie es mal war - als sie noch bei uns war. Und ich glaube ich werde auch nicht mehr so wie ich einmal war.
Ich vermisse sie so sehr.

Teichmuschel

macana
29.05.2008, 14:39
Liebe Lyon,

meine Mama ist mit 56 Jahren an einem Schlaganfall gestorben, aber hatte davor 7 Jahre Krebs.

Ich kann Dich voll und ganz verstehen und fühle im Herzen mit Dir. Ich fühle mich so wie Du, diese Endgültigkeit macht mich verrückt, ich darf gar nicht daran denken, doch manchmal habe ich das Gefühl, dass muss doch irgendwann vorbeigehen, wenn ich dann merke, dass wird es nicht, dass meine mama nicht mehr da ist, dann bin ich nahe dem Wahnsinn. Auch meine Umwelt hat dafür wenig Verständnis, auch nicht nach 3 Monaten. Das passt halt nicht in deren Leben. Ich versuche mir durch Therapie und Trauerverein und dem Schreiben hier zu helfen.

Das Schlimmste ist, dass dich nur deine Mutter so geliebt hat und keiner Dich so je lieben wird. Für mich ist es auch schlimm, dass ich aber meine Mama so sehr brauche, ich brauche das, dass ich das Kind bin. Obwohl ich selber Mutter bin.

Ich verstehe Dich so sehr.

Allerliebste Grüße

Macana

Jogni
30.05.2008, 00:10
Meiner Mutter und Schwiegermutter ging es letztes Jahr sehr schlecht und wir waren auf das Schlimmste gefasst.
Vor zwei Wochen waren sie beide hier, alles dem Enkel Nr. 1 zuliebe, der heiratete. Es war schon anstrengend, aber unser Sohn hat sich ganz lieb bedankt, dass sie beide die Reise gewagt haben. Sie waren eine ganze Woche hier. Wir haben im Sanitätshaus Rollstühle ausgeliehen und Ausflüge in die Umgebung unternommen. Eigentlich wollten wir Haus und Garten vor der Hochzeit noch auf Vordermann bringen, aber egal, der Rasen blieb ungemäht, die Türen ungeputzt, aber wir hatten sehr schöne Ausflüge und den Eltern damit einige neue Gesprächsthemen (außer Krankheiten) verschafft.