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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie sage ich es meinem Herzen?



Signora
15.10.2006, 11:02
Oje, ich bin grad in einer ganz schlimmen Verfassung....

Der Betrug meines Freundes ist jetzt ca. ein halbes Jahr her. Ich war damals schwanger, unsere Tochter ist jetzt 4 Monate alt.

Ich bin damals komplett zusammen gebrochen, mit Aufenthalt in der Psychiatrie. Mich erinnerte die ganze Situation massiv an die Schwangerschaft mit meiner großen Tochter (15 J.), die Trennung von ihrem Vater war damals während der Schwangerschaft.

Mein Freund befand sich damals für sich ebenfalls in einer massiven Lebenskrise.

Wir machen Paartherapie, ich kann im Großen und Ganzen auch sagen, dass das Verständnis füreinander wesentlich größer geworden ist. Ich liebe ihn und weiß, dass er mich liebt (nur Sex gibt es in unserer Beziehung noch nicht wieder).

Mein Kopf kann die ganze Situation richtig klasse analysieren, ich sehe ihn, ich sehe meine Anteile, ich kann die Verantwortlichkeiten "richtig" zuordnen.

Aber ab und zu bekomme ich so heftig meine Krise, dass ich nichts anderes mehr sehe.

Ich trauere sehr, sehr heftig um eine schöne Schwangerschaft, die es hätte sein können, aber eben dadurch nicht war. Ich habe Gewaltphantasien, möchte ihm und ihr einfach nur weh tun. Meinen eigenen psychischen Schmerz spüre ich richtiggehend körperlich- ich habe das Gefühl, innerlich zu brennen.

Ich falle in ein totales Loch - und obwohl mein Kopf mir sagt, es ist gut, und ich das Gefühl habe, mich selbst beobachten zu können (und was ich sehe, gefällt mir gar nicht), finde ich nicht wieder heraus.

Ich weiß vom Kopf, die Zeit lässt sich nicht zurück drehen, aber ich habe das Gefühl, soviel verloren zu haben (die Schwangerschaft, mein Selbstvertrauen, mein Selbstverständnis als Frau, meine Grundsicherheit), dass dieser kindliche Wunsch, "alles auf Anfang zu stellen", manchmal übermächtig wird. Ich stehe da und will einfach nur zurück, was ich verloren habe- und weiß, es geht nicht.

Wie kommt mein Herz dem hinterher, was mein Kopf doch weiß???

Inaktiver User
15.10.2006, 11:36
hi,

du musst unbedingt, deine therapie fortsetzen!!!!!!!!!!!
du bist nicht über dem berg...

viel glück
leo

Monseure111
15.10.2006, 11:49
Gertraud Rauhaus

Cumulus


Ein dicker, fetter Cumulus
ejakuliert' als Regenguss
millionenfachen Samen.
Da wurd' die Erde richtig nass,
die Blümlein freuten sich im Gras
und alle, alle kamen...:lachen: :schlaf gut: :tassenkasper: :wangenkuss:

schneeflocke46
15.10.2006, 12:40
Cara Senora,

ich habe deine Geschichte mit viel Mitgefühl gelesen.
Ich verstehe deine tiefe Trauer über zwei Schwangerschaften, die beides mal nicht unbelastet, sondern mit einem tiefen Trauma verbunden waren.


Wie kommt mein Herz dem hinterher, was mein Kopf doch weiß???

Ich weiß nicht, welche Art von Therapie du machst.
Aber ich glaube auch, es geht nicht darum, die Dinge verstandesmäßig zu durchschauen, sondern darum, dass das Herz und die Seele heilen.

Natürlich stellt sich immer wieder die Frage: Warum ?

Ich würde dir hierzu sehr eine Familienaufstellung ans Herz legen.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung, und aus der Erfahrung von Freunden - und es kann sehr heilsam sein ....

Nimm deinen Schmerz an ...

Liebe Grüße und eine Umarmung,
Schneeflocke

Inaktiver User
15.10.2006, 13:04
Signora,

ich finde, Du machst das ganz wunderbar - Du bist aufmerksam für Dich, für Euch, Du suchst nach Wegen aus der Krise, Du lässt Dich auf schmerzhafte Themen ein.

Das alles ist ein grosser Kraftakt, der viel Energie kostet. Hinzu kommt, dass Du ja auch noch relativ frischgebackene Mutter bist - allein das ist für viele Frauen bereits eine Situation, die als kräftezehrend und ermüdend empfunden wird.

Dass all das in der Summe für Dich zermürbend ist und Du das Gefühl hast, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, halte ich für selbsterklärend. Du hast meinem Empfinden nach hohe Erwartungen an Dich - aber wie Du merkst, sind es zwei Paar Schuhe, etwas auf der einen Seite rational zu begreifen und zu durchleuchten, und auf der anderen Seite auch emotional zu konsolidieren, abzuschliessen, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Trauerarbeit - und gerade leistest Du eine Menge davon - braucht Zeit, Heilung braucht Zeit. Wieviel Zeit das sein wird, ist nicht vorherzusagen, sondern ein individueller Prozess. Wichtig finde ich, dass Du Dir bewusst machst, dass Du verdammt viel dazu beiträgst, die für Dich notwendigen Prozesse zu durchlaufen. Du kannst stolz darauf sein, dass Du so mutig bist, Dich diesen schmerzhaften Themen zu stellen.

Kannst Du zusätzlich auch liebevoll und geduldig mit Dir sein, Dir die Zeit zugestehen, die es braucht, anerkennen, dass Du traurig, wütend, enttäuscht sein DARFST, dass es gesund ist, diese Gefühle zuzulassen, weil Du sie nur dann anschauen, durchleben und irgendwann auch wieder hinter Dir lassen kannst? Dass sie Dir dabei helfen, Deine Kopfarbeit überhaupt zu leisten, Seismographen in einer verwirrenden Landschaft sind, ein Kompass, der Dir immer wieder verdeutlicht, was gerade in Dir passiert?

Kannst Du Dir vor allem wirklich ZEIT geben? Ein halbes Jahr ist eine so kurze Zeit, noch dazu wurde durch die Affäre Deines Partners ein altes Trauma wieder aufgerissen - das ist ein fetter Batzen, und ein halbes Jahr im Vergleich ein extrem kurzer Zeitraum, liebe Signora. Ich weiss, dass es nervt, immer und immer wieder Schleifen zu drehen, aber Heilung gibts nun einmal nicht im ICE Tempo.

Wenn Du glaubst, mit Deiner Trauer nicht voran zu kommen, oder vielleicht sogar befürchtest, Dich am Riemen reissen und die ganze Sache im Eiltempo abschliessen zu müssen, könntest Du ggf. neben der Paartherapie auch eine Therapie für Dich selbst beginnen - Du bist nicht nur Teil eines Paares und Mutter, und vielleicht wäre es hilfreich, Dich eine Weile explizit mit Dir selbst zu beschäftigen, Dir eine Insel zu schaffen, in der Du für Dich da bist, schaust was Du brauchst und was gerade für Dich wohltuend, richtig und wichtig ist.

Eine Familienaufstellung solltest Du NUR im Rahmen einer therapeutischen Begleitung in Betracht ziehen, also nur dann, wenn gewährleistet ist, dass Du nach der Aufstellung einige Stunden therapeutisch begleitet wirst - isoliert und unbegleitet ist so etwas ein unkalkulierbares Risiko.

Grüssle
Seawasp

Signora
15.10.2006, 20:14
Danke Seawasp,

du hast mir mit deinen Worten über den heutigen Tag geholfen, es ist wieder Licht zu sehen...

Sabbi
15.10.2006, 20:43
Hallo Signora,

ich fand die Tips von Seawasp auch sehr gut. Es ist am wichtigsten, was nun mit Dir ist, sei gut zu Dir u. nimm` Dir die Zeit für die Therapie. Wenn Du gefestigt bist u. klar siehst, kannst Du noch entscheiden, ob Du diesen Mann noch möchtest.
Es ist wichtig, dass Du irgendwann die Opferrolle verlassen kannst. Du spielst die Hauptrolle in deinem Leben.
Ich finde es supergemein, dass er dich i.d. Schwangersch. betrogen hat, denn du trugst ja Euer Kind aus.
LG Sabbi

Signora
16.10.2006, 09:22
Wenn Du gefestigt bist u. klar siehst, kannst Du noch entscheiden, ob Du diesen Mann noch möchtest.


Das steht für mich außer Zweifel...

Ja, er hat sich in der Zeit sehr schwammig verhalten - und doch, ich konnte seine Zerrissenheit sehen, spüren. Es ging um viel mehr, um ganz anderes als nur mal eben fremd zu v..., der Sex war nur ein "Nebenprodukt".

Inzwischen bin ich manchmal sogar schon so weit anzuerkennen, dass wir für unsere Beziehung einen solchen "Umsturz" brauchten. Ohne diese Krise - auch wenn ich es mir wirklich anders gewünscht hätte - wären wir nie da gelandet, wo wir heute schon stehen - und wir haben grad mal angefangen, diesen "neuen" Weg zu gehen...

Und - es mag paradox klingen, aber mein Vertrauen ist heute größer als vorher. Vorher hatte ich manchmal so meine ganz tief sitzenden Zweifel, wie er zu unserer Beziehung steht. Heute weiß er 100%, wo er sein möchte, nämlich bei mir - und das spüre ich auch.