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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: Welche Rolle spielen die Eltern in Ihrem Leben?



BRIGITTE Community-Team
06.10.2006, 18:04
Liebe User/innen,

mehr lesen Sie auch hier (http://www.brigitte.de/frau/familie/meine_eltern/index.html).

Viel Spaß beim Diskutieren wünscht Ihre

Redaktion Brigitte.de

Inaktiver User
06.10.2006, 22:56
Liebe User/innen,

mehr lesen Sie auch hier (http://www.brigitte.de/frau/familie/meine_eltern/index.html).

Viel Spaß beim Diskutieren wünscht Ihre

Redaktion Brigitte.de
Hallo Brigitte Team ! Thema"Welche Rolle spielen....

Als Kind mißhandelt,seelische Verletzungen,die mein Leben und verhalten geprägt haben. Hoffnung das Eltern,später einsehen,sich entschuldigen,gab es nicht,ich habe meine Hoffnung aufgegeben. Wenn Eltern sich in den Nebelschleier des Vergessens hüllen,was also kann man klären? Ich habe gelernt,begriffen mein Leben anders gestaltet,auch wenn es oft verdammt schwer war. Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich,auch Eltern und ich werde mich nicht für sie verantwortlich fühlen. Auch werde ich nicht verzeihen, wollen und können. Weshalb sollte ich das tun ? Es gibt keine Schauspielerei in meinem Leben,die Gage habe ich schon bezahlt!
Es spielt keine Rolle mehr, jeder lebt sein Leben, so wie er es für sich gut findet. Melia

hexenkind
09.10.2006, 12:19
wenn ich an meine eltern denke - dann kommt sofort das thema missbrauch hoch -
schon so lange her, und es tut noch so weh.

meine mutter ist tot - mit ihr kann ich nicht mehr reden
mein vater wohnt weit weg - zum glück, auch nach vielen jahren kann ich ihm nicht gegenüberstehn, mich nicht mit ihm auseinandersetzten, habe viel zu viel angst vor ihm!!!
Eltern, das ist für mich die hölle

luftballon
09.10.2006, 20:40
ich habe die konflikte aufgearbeitet...sie verletzen nicht mehr und das gepräch gesucht.. was nicht immer möglich war..aber ich lernte indirekte antworten zu lesen und nicht den bisherigen konflikt fortzusetzen..

dazu half mir die auseinandersetzung mit der ns-zeit.. die frage nach schuld verantwortung mitwirkung und das schweigen darüber..

ich glaube sie hatten wie günter grass kein empfingen was sie uns mit dem schweigen antun..
aber irgendwann war es nicht mehr wichtig dass sie so waren.. irgendwann .sie sind schon länger tot.lernte ich ihre konflikte..ihre schlimmen erfahrungen auch zu sehen und wie viel persönliches leid sie verstummt hat..

und nun kann ich sehen
wie viel sie doch für mich getan haben
wie sie eigentlich sehr gute eltern waren,,
auch wenn es riesen konflikte gab..

. denn ich konnte .meinen eigenen weg dadurch finden und meine irrwege und guten wege machen..auch wenn wir konträr waren,sie ließen mich ausprobieren..

jetzt wo meine kinder herangewachsen sind, hoffe ich dass sie auch nicht nur meine rolle reflektieren ,sondern einfach dieses gefühl haben..da war ein zuhause--

gruß luftballon

Inaktiver User
10.10.2006, 17:55
Meine Eltern haben viel fuer mich getan. Vor allem in finanzieller Hinsicht. Soviel zum Positiven.

Meine Mutter hat mich geschlagen, immer wieder und oft zu Unrecht (ins Gesicht). Sie hat meine SChwester wieder und wieder geschlagen (einmal hatte sie Nasenbluten, ein anderes Mal ein blaues Auge). Zeit meines Lebens haben meine Eltern sich gegenseitig bis aufs Blut bekriegt. Ich erinnere mich fast nur an Schreierei in meinem Elternhaus und an dramatische Situationen. Einmal wollte sich meine Mutter das Leben nehmen (ich war dabei), einmal hat sie meinen Vater vom Stuhl gestossen (ich war dabei) und er hat keine Luft mehr bekommen.... Nun sind sie fast 70 und es geht weiter. Es wird nicht enden. Sie werden nie verstehen, wie schlimm das fuer mich war. Ich werde nie verstehen, warum sie sich nicht mal zusammen reissen konnten, wenn ich zu BEsuch war.

Und nun bin ich ueber 30. Wie ist das Verhaeltnis? Was spielen sie fuer eine Rolle?

Keine mehr. Ein Glueck. Ich hab es endlich geschafft mich abzukapseln, nachdem ich jahrelang unter der Situation verdammt gelitten habe und schlaflose Naechte hatte.

Es kommt, wie es kommt. Ich kann es nicht aendern. Ich lebe mein Leben und ich arbeite weiterhin daran, noch mehr Abstand zu bekommen.

Inaktiver User
18.10.2006, 10:44
Meine Eltern sind schon lange tot.
Ich vermisse meine Mutter, die zwar ihre Ecken und Kanten hatte, die mir aber sehr viel Liebe und gewissen Urvertrauen gegeben hat, das mir bis heute erhalten geblieben ist. Sie hat mir vorgelebt, niemals aufzugeben, sich nicht unterkriegen zu lassen und Mut zu haben. Sie hat den Krieg irgendwie überstanden, die schwere Zeit danach, sie war tapfer und auf ihre Weise eine Überlebenskünstlerin.
Sie hat gerne gelacht und getanzt, bis sie schwer krank wurde.
Sie hat das halbe jahr, das die Ärzte ihr noch gegeben haben, immerhin auf 5 Jahre ausgedehnt...und wurde in der Zeit ihrer Krankheit sehr nachdenklich, ruhiger, aber nicht verbittert.

Mein Vater wirkt dagegen klein.
Er war streng, unbarmherzig in seinen Anforderungen was Tischmanieren angeht, er hat mit mir manchmal Hausaufgaben gemacht und mir durch seine restriktive Art den Spaß am lernen genommen. Er konnte nicht lachen, war kontaktarm, konnte keine KOnflikte austragen sondern schwieg dann einfach - oft wochenlang vor sich hin. Er war fleissig, intelligent, konnte liebenswert sein, aber wir beiden hatten keine großartige Beziehung zueinander. manchmal war er wochenlang unterwegs, dienstlich, er hat viele Länder bereist, war gebildet, aber nicht herzlich. Dennoch: er hat mir einen Rahmen gegeben, sich um mich gesorgt, mich Art gefördert.
Aber ob er mich geliebt hat?? Auf seine Art - vielleicht...
Als meine Mutter starb, fand er nach einiger Zeit eine neue Frau, die er nach bald heiratete. Ich wurde in seinem Leben immer unwichtiger, die 2te Frau mochte mich nicht so, er suchte kaum noch Kontakt oder blockte ab, wenn ich Kontakt suchte.
Er hat Prioritäten gesetzt, wie immer in seinem Leben.
---
Meine Eltern haben mir Wurzeln gegeben, hatten ihre Fehler, aber ich bin ihnen sehr dankbar und traurig, dass sie beide früh sterben mussten.
Die Beziehung Eltern/Kind ist was einmaliges, und ihr Tod hinterlässt eine große Lücke. Manchmal fühle ich mich sehr alleine..Ruby

Inaktiver User
18.10.2006, 11:15
@Australia
Dein posting ist furchtbar traurig; ich denke, gut wird es dir erst gehen, wenn du deine Eltern verstehst, wie immer du es schaffen wirst, dir Zugang zum Verständnis für ihr Verhalten zu erarbeiten.
Vermutlich wirst du gedanklich zu deinen Gross- oder Urgrosseltern zurückgehen müssen, wenn du überhaupt diese Möglichkeit hast.
Ich wünsche dir alles Gute!
Colonna

Anij
18.10.2006, 21:41
@Australia:
Deine Mutter hat Dich IMMER zu Unrecht geschlagen - wer Kinder schlägt ist nie im Recht.

meta1
19.10.2006, 10:28
Mir fehlen meine Eltern.
Mein Vater lebt schon 23 Jahre nicht mehr, meine Mutter 7 Jahre. Und ich würde beide heute mehr denn je brauchen.

Inaktiver User
19.10.2006, 18:25
Tja,

welche Rolle spielen meine Eltern in meinem Leben?

Mein Vater glänzte mein Leben lang durch Abwesenheit.
Ich habe ihn mal kennengelernt, aber das hätte ich mir auch schenken können.

Die zentrale Rolle in meinem Leben spielte er nur dann wenn meine Mutter sagte: "Du bist genau wie dein Alter."- aber dann halt mehr als das große Unbekannte.

Das bekam ich öfter zu hören, konnte aber nie verstehen warum meine Mutter einen so heftigen Frust auf den Mann schiebt.

Ich glaube sie hat es nie überwunden das er sie mit 16 geschwängert hat und nicht in der Lage war ihr das zu geben, was sie wollte. Geld, Liebe, Sicherheit- obwohl er 16 Jahre älter ist als sie.

Mit 18 Jahren hat sie ihn verlassen.

Manchmal habe ich das Gefühl sie denkt heute immernoch, wenn ich nicht gekommen wäre, hätte sie glücklich mit ihm sein können.

Meine Mutter hat die Rolle der verbitterten Säuferin gespielt. Sie schiebt heute gerne noch alles auf "die Idioten da draussen".

Ich habe Jahre gebraucht um den ganzen Männerhasser-und Unabhängigkeitsschwund den sie mir als Kind in den Kopf gepflanzt hat, auszumisten.

Seit ich mit 16 von zu Hause weg bin spielt sie, nach einem langen Weg der Verarbeitung, nur noch eine untergeordnete Rolle.
Ich bin immer ganz groß wenn ich was für sie machen soll/kann.
Ansonsten kräht kein Hahn nach mir und meinen Kindern.
Ich nehme sie so wie sie ist, aber nur in der Dosis wie ich sie situationsbedingt vertragen kann.

Wie in dem Artikel beschrieben kann ich mir aber garnicht vorstellen sie zu pflegen.
Schon allein sie anzufassen würde mir Probleme bereiten, besonders wenn ich mir vorstelle sie waschen zu müssen, auch an den intimen Stellen.
Ich habe als Kind jahrelang mitbekommen wie sie beim Sex mit ihren Lovern geschrien und gestöhnt hat.
Der Ekel ist manchmal kaum zu unterdrücken. Ich vermeide nach Möglichkeit jeden Körperkontakt.

Ich denke der Kontakt wird immer auf dem jetzigen Level bleiben, nett, freundlich aber nie Mutter-Tochter-mäßig.
Ich weiß das sie, aus welchen Gründen auch immer meinen Vater in mir sieht und das auch nicht aus ihrem Kof bekommt und von daher niemals so etwas wie Verbundenheit entstehen kann.

Ich werde nie das von ihr bekommen wonach ich mich lange Zeit in meinem Leben gesehnt habe: Anerkennung und Mutterliebe.

Ich akzeptiere das völlig.

Dies alles hat mich natürlich auch zu dem Menschen werden lassen der ich jetzt bin.

Man hat ja immer zwei Möglichkeiten:

Entweder genauso oder ganz anders werden.

Ich habe mich für Letzteres entschieden und freue mich heute wenn meine Kinder sagen dass ich für sie die beste Mutter der Welt bin.

Ich bin gespannt darauf wie meine Kinder in 20 Jahren auf die Frage antworten welche Rolle mein Mann und ich in ihrem Leben spielen.

Euch allen liebe Grüße.

Die Krausi

carverin
13.11.2006, 19:41
Hallo Fories,
momentan spielen meine Eltern gar keine existente Rolle in meinem Leben. Ich habe seit ca. 4 Jahren keinen Kontakt mehr mit ihnen. Und ich denke, unter den momentanen Umständen ist diese Situationen für meine persönliche Entwicklung die optimalste Lösung. Mein Vater hat uns Kindern immer gepredigt, wie wichtig die Familie ist und das man sich auf die Familie immer verlassen kann.
Ich habe aber erst 36 Jahren alt werden müssen um zu erkennen, dass der Begriff "Familie" für meinen Vater ein sehr einseitige Lebenskostellation darstellte. Oder anders formuliert: Pflichten resultierten aus diesem Sozialgefüge für uns Kinder immer, jedoch keine Rechte. Nur wenn mein Vater seine persönlichen Vorteile sah, wurde der Begriff "Familie" favorisiert.
Meine Mutter, ja irgendwie existierte sie, jedoch nicht in der Art und Weise, wie man sich eine Mutter vorstellte.
Sicher meine Eltern haben durch den 2. Weltkrieg und dem
3. Reich eine schreckliche Zeit durchlebt, aber man hätte wenigstens sich selbst ändern können.
Ich glaube auch, dass die "Familie" in Deutschland etwas anderes bedeutet als z. B. in Belgien.
Da ich seit ca. 5 Jahren in Belgien lebe, habe ich auch andere Erkenntnisse über diesen Begriff erfahren.
"Famile" in Belgien bedeutet wirklich Zusammenhalt, Hilfe und Unterstützung auf beiden Seiten. Und dies in einem Ausmass und mit einer Selbstverständlichkeit, die ich noch nie in Deutschland erlebt haben.

Ich hoffe das die nächsten Generationen in Deutschland realisieren das "Familie" immer ein gegenseitiges Nehmen und Geben bedeutet.

Übrigens in Belgien steigen die Geburtenraten von Jahr zu Jahr.

Wenn Enkelkinder hier geboren werden, fühlen sich die Grosseltern hier verpflichtet, ihren Kindern zu helfen und zu unterstützen (z. B. durch Kinderbetreuung).

hermeshuntress
15.11.2006, 20:48
Mein Freund ist Belgier und ich kann Deiner Beobachtung des belgischen Familienzusammenhangs nur zustimmen; auch ich habe ähnliche Erfahrungen mit seiner Familie und dem ganzen Umfeld in Belgien gemacht.

Meine eigenen Eltern? Ich habe in einem anderen Strang schon einmal darüber geschrieben. Sie sind in gewisser Weise emotionale Autisten. Akademiker, ein Leben lang in einem guten Beruf tätig, nie Existenzprobleme, auf Mutterseite sehr privilegierte Familie, die ihrer einzigen Tochter, meiner Mutter, einen gehobenen Lebensstandard und eine sehr gute Ausbildung ermöglicht hat.

Jedoch nicht nur das. Meine Mutter - Typ "höhere Tochter" - hat Ansichten über die heutige Gesellschaft, die ich mir nicht ruhigen Blutes anhören kann. Absurd, gestrig, absolut diskriminierend.

Gut jedoch war ihre Karriereorientierung, die mir gezeigt hat, dass man einen qualifizierten Job problemlos mit dem Familienkram vereinbaren kann. Allerdings waren die Startbedingungen in den Siebzigern für Akademiker ganz andere.

Mein Vater glänzte in meiner Jugend durch Abwesenheit (obgleich er da war, hat er fast nie mit mir gesprochen - auch kaum mit anderen) und heute hat er eine attestierte "narzisstische Persönlichkeitsstörung", dazu Demenz. Wer die Krankheitsbilder kennt, weiss, welche Szenen sich im familiären Leben abspielen, wenn eine Person derart in sich gefangen ist.

Positiv war jedoch sein Reisefaible. Er hat mich überall hin auf seine Reisen mitgenommen. Auch wenn wir kaum kommunizieren, habe ich doch durch ihn andere Kontinente kennengelernt - ein weiterer Welt- und Gesellschaftshorizont, von dem ich heute profitiere.

Beide waren in den schlimmsten Krisen meines Lebens nicht da. Wirtschaftlich haben sie weniger für mich getan, als andere Eltern in vergleichbarer Position. Emotional sind sie frostiger als Kühlschränke. Wenn ich erwähne, dass ich als Selbständige sehr kämpfen muss und mir Sorgen mache, sagt meine Mutter "ach, ich muss den Fernsehtechniker anrufen". Das war schon immer so ähnlich.

Ich habe seit einigen Jahren keinen regelmässigen Kontakt mehr zu ihnen. Ein Telefonat im Monat ist schon viel. Von ihrer Seite aus kommen auch niemals Nachfragen oder Einladungen.

Am schwierigsten ist es, erstens mit dieser Leere auszukommen und zweitens, deren falsche Suggestionen zu überarbeiten. Meine Eltern haben mir jahrelang gepredigt, dass ich nie erfolgreich sein werde, nie einen Partner finde etc.

Inaktiver User
28.11.2006, 14:10
ich komme aus "einfachen Verhältnissen". meine Eltern waren beide Kinder bzw. Jugendliche, als der Krieg zuende war und haben durch die erlebnisse im und nach dem Krieg warscheinlich großen Schaden erlitten. Von meiner Mutter weiß ich einiges, mein Vater redet nicht darüber.
Mein Vater und meine Mutter sehen sich als die "große Liebe", und ich denke, wir sind nur deshalb auf der welt, weil es in den 50er und 60er jahren so üblich war, Kinder zu bekommen.
Als Kind bin ich so nebenbei groß geworden, was ich so genau treibe, hat niemanden so richtig interessiert, so eine schleichende Verwahrlosung. Was mich da wütend macht, ist, dasss die Lehrer und andere doch was mitbekommen haben müssen?

Meine Ausbildung habe ich alleine finanziert, ein Studium haben sie mir nicht zugetraut. Zur Diplomfeier sind sie nicht gekommen, sowas ist doch immer so langweilig.....

In den Krisensituationen in meinem Leben waren meine Eeltern natürlich auch nicht für mich da, es ist wie früher, ich kann machen was ich will, es interessiert keinen. Es ist schwer das zu akzeptieren. ich würde ihnen gerne nahe sein und versuche es immer wieder und werde immer wieder vor den Kopf gestoßen.

Nun gut, ich bin mittlerweile 45 und lebe 100 km von ihnen entfernt, wir sehen uns wenn es hochkommt, dreimal im Jahr.
aber auch vorher, als ich noch in der alten heimat lebte, haben sie mich nicht besucht.

Dieses jahr werde ich wohl Weihnachten nicht hinfahren, aus den o. a. Gründen. Aber gut gehts mir damit nicht.

VW68
01.12.2006, 12:26
Liebe User/innen,

mehr lesen Sie auch hier (http://www.brigitte.de/frau/familie/meine_eltern/index.html).

Viel Spaß beim Diskutieren wünscht Ihre

Redaktion Brigitte.de
Hallo,

In der dieser Brigitte-Ausgabe war ein Interview mit einer Psychologin, die zum Thema "Kriegskinder als Eltern" sprach.
Ich fand das hoechst aufschlussreich, und es bestaetigte meinen Verdacht, dass wir 68iger Kinder (Jahrgang) eigentlich die Elternrolle fuer unsere Eltern uebernehmen, weil diese keine Kindheit hatten. Als Folge haben wir keine Kinder...

Gibt es diese Studie irgendwo veroeffentlicht?

Viele Gruesse
VW68

meta1
01.12.2006, 12:33
Bin ich hier die Einzige, die über ihre kriegsgeschädigten Eltern nicht klagt?
Klar, einfach war es nicht, mein Vater war sehr depressiv, aber auch sehr lieb.
Sie haben sich auch als jeweils "große Liebe" bezeichnet, die irgendwann auf der Strecke geblieben ist, aber sie waren immer hilfsbereit. Hatten es ja auch nicht leicht.
Aber sie waren gute Menschen, das kann ich mit Fug und Recht behaupten.

VW68
02.12.2006, 19:53
Hallo,

Mit "sich beklagen" hat das doch nichts zu tun! Offensichtlich teilen viele Menschen ein aehnliches Problem, naemlich mit ihren traumatisierten Eltern fertig zu werden und ein glueckliches Leben zu finden. Unsere Eltern haben zu viel Angst davor, bei sich " aufzuraemen" und ueberlassen es uns.

Dass heisst ja nicht dass man sie nicht liebt. Das heisst nur dass man sich damit auseinandersetzt.
"Sich beklagen" hilft nicht, aber drueber sprechen schon.

Lotte66
03.12.2006, 15:15
Hallo, allen erstmal einen schoenen ersten Advent ! :kerze:

Doch, ich finde schon, dass es viel mit "sich beklagen" zu tun hat, was ich hier so gelesen habe. Ich fand die Beitraege bis jetzt sehr deprimierend. :niedergeschmettert:
Natuerlich ist es verstaendlich, dass es schwer bis unmoeglich ist, Eltern zu verstehen oder zu verzeihen, die einen misshandelt haben, seelisch oder /und koerperlich. Das ist ja wohl ausser Frage, und diese Menschen meine ich auch nicht.

Aber hier ist z.B. jemand, die sich ueber ihren Vater beklagt (der krank zu sein schient, narzistisch, etc. und das auch als Krankheitsbild anerkannt zu sein scheint). "Gut war sein Faible fuer Reisen", er hat seine Tochter auf Reisen mitgenommen. Das heisst doch wohl, dass er seiner Tochter auf jeden Fall Gutes wollte, vielleicht wusste er selbst nicht, was mit ihm letztendlich nicht "gestimmt" hat, aber hat sich auf seine Weise um seine Tochter kuemmern und sie foerdern wollen.
Trotzdem konnte er anscheinend nicht genug fuer sie tun, denn die Tochter zeigt sich nicht zufrieden.
Bei einem anderen Vater scheint es aehnlich zu sein, er hat auf seine Art versucht, sich um seine Tochter zu kuemmern, aber seine Tochter bezeichnet ihn als "klein". Auch, wenn sie das vielleicht nicht zu ihm selbst gesagt hat, hat er das natuerlich gespuert, dass sie ihn irgendwie anklagt und dass er sowieso nichts richtig machen kann. Durch die zweite Frau gibt es nun noch weniger Kontakt, und "natuerlich" ist es mit die Schuld der Frau, weil sie die Tochter ihres Manns nicht so gut leiden kann.
Aber vielleicht hat die Frau auch erkannt, dass die ausgesprochenen oder "nur spuerbaren" Vorwuerfe der Tochter ihrem Mann nicht gut tun.
Das klingt mir ziemlich nach ueberheblichen Toechtern, die ihre Eltern missbrauchen, um sich selbst groesser zu machen, indem sie die Eltern - bzw. Vaeter - anklagen, was sie alles falsch gemacht haben, aber dass sie, die Toechter, trotz dieser schlechten und falschen Behandlung, ihren guten Weg gefunden hat.

Mein Vater hat seine Mutter im Krieg verloren durch einen Bombenangriff (er war gerade 12 Jahre geworden, und es gab noch 5 juengere Geschwister). Das hat ihn sicher auch nachhaltig gepraegt.
Meine Mutter ist nicht in Deutschland aufgewachsen, sondern in einem Nachbarland, und ist von einigen ihrer Bekannten sehr schief angesehen worden, weil sie einen Deutschen heiraten wollte. Aber ich hatte nie das Gefuehl, dass wir Kinder das irgendwie emotional ausbaden mussten.
Meine Eltern waren fuer uns Kinder immer da (obwohl mein Vater auch oft auf Reisen war), manchmal streng (mein Vater hat mir dreimal in meinem Leben eine geknallt :smirksmile: ), meistens verstaendnisvoll, haben Verbote ausgesprochen, wo wir es nicht echt eingesehen haben :unterwerf: , haben uns immer gezeigt oder gesagt, dass sie uns liebhaben, und haben uns unterstuetzt, auch wenn wir mal was aufgegeben haben, was wir angefangen hatten, oder wenn wir etwas vorhatten, was sie evtl. anders gemacht haetten....
Meine Eltern spielen eine grosse und gute Rolle in meinem Leben und ich bin dankbar fuer sie. Mein Mann und ich wohnen weit weg vom Rest unserer Familien, und ich fuerchte um die Zeit, wann es meinen Eltern vielleicht mal schlechter geht und ich nicht immer fuer sie da sein kann.

floh-kati
04.12.2006, 21:16
Eltern...natürlich bin ich ihnen dankbar , dass sie dafür gesorgt haben, dass ich lebe !
Meine Mutter starb mit 40, als ich gerade 14 wurde. In all den Jahrzehnten ohne sie habe ich sie immer bei mir, im Herzen, in meinen Gedanken und Träumen. Wenn mir jemand sagt, ich sei ihr sehr ähnlich, erfüllt mich das mit grossem Stolz, sie war wunderbar.
Mein Vater starb vor 13 Jahren, und ich kann nicht um ihn trauern, will nicht an ihn denken .
Das, was er mir angetan hat, ist unentschuldbar. Verstehen kann ich seine "Tat" nicht, daher auch nicht verzeihen. Im Laufe der letzten 5 Jahre habe ich mich damit arrangiert und dieses "Kapitel" abgeschlossen.

meta1
05.12.2006, 10:50
Ich finde einfach auch, dss wir auch für unsere Eltern Verständnis haben sollten. Nicht für die, die misshandeln, sondern für die Eltern, die wir dann vielleicht als unzulänglich bezeichnen würden.

Wenn meine Mutter mir vielleicht emotional nicht das geben konnte, was ich gebraucht hätte, kann ich ihr deshalb einen Vorwurf machen? Sollte ich nicht Verständnis haben und meinerseits auf sie zugehen und versuchen, bei ihr Emotionen zu wecken, von denen sie vielleicht noch nicht mal wusste, dass sie bei ihr schlummern?

Kriegserlebnisse sind furchtbar und die damaligen Kinder wurden damit vollkommen alleine gelassen. Und vielleicht ist es auch an uns, ihnen zu helfen, ihre schrecklichen Erlebnisse aufzuarbeiten.

Inaktiver User
06.12.2006, 08:48
Für nicht Betroffene ist das ganze ja auch schwer nachvollziehbar

Ich versuche seit ich denken kann, meine Eltern zu verstehen und auch Emotionen in ihnen zu wecken - ich fühle mich wie jemand, der immer hinterherläuft. Ich kann machen, was ich will, es kommt bei ihnen nicht an, oder man sucht was Negatives. Und ich habe schon einiges versucht.

Wütend macht mich, dass meine Mutter ihre schlechten Erfahrungen unreflektiert weiter gibt, warum soll jemand anders es besser haben als ich? Das hat sie wortwörtlich mir mal gesagt und gibts auch an den Enkel weiter.Weil sie als Scheidungskind ohne Vater groß geworden ist, soll ihr Enkel auch ohne Vater groß werden, sie bearbeitet derzeit meinen Bruder, seinen Sohn nicht so oft zu besuchen, der 3jährige muss lernen, dass sich seine Eltern getrennt haben und außerdem würde eine zukünftige Frau das Kind nicht akzeptieren....

emotionale Kälte, was anderes fällt mir dazu nicht ein.

Sie spielen eine große Rolle, weil sie zwar da sind aber für mich unerreichbar sind und ich versuche, jetzt Abstand rein zu bekommen. Aber es ist sehr schwer für mich, das zu akzeptieren.

Ich kenne auch andere Eltern, die Übles im Krieg erlebt haben und dieses aber irgendwie verarbeitet haben. die Eltern meines Partners haben ihren Sohn liebevoll erzogen und sind auch für mich liebevolle Schwiegereltern.
Die Schwiegermutter hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben. Wer sich für interessiert, darf ihn lesen.

meta1
06.12.2006, 11:02
Du hast bestimmt Recht, andere Eltern haben im Krieg auch schlimmes erlebt, vielleicht sogar noch viel schlimemres, als die eigenen Eltern. Aber, nicht alle Menschen sind gleich, das gilt nun mal auch für Eltern.

Dazu kommt eben auch, wie die Eltern selbst aufgewachsen sind und welches Verhalten ihre Eltern ihnen gegenüber an den Tag gelegt haben.

Klar ist es für uns Kinder oftmals nicht nachvollziehbar, warum die eigenen Eltern so sind, wie sie sind, aber wir können sie nicht mehr ändern. Sie sind so, wie sie sind. Und wir müssen dann eben versuchen uns damit zu arrangieren, abfinden und unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, wie sie für uns gut sind. Und wenn die Konsequenz dann sein sollte, mit den eigenen Eltern nichts mehr zu tun haben zu wollen, dann ist das auch unsere Entscheidung, die wir dann aber nciht den Eltern vorwerfen dürfen.

angharad
08.12.2006, 00:36
Die Eltern haben es immer gut gemeint, doch es war nicht immer gut. Alles verboten, bes. von seiten der Mutter her. Diese war überängstlich!! Hab aber doch immer gemacht, was ich wolllte, obwohl ich seelisch irgendwie krank war und dann 'ne Bandscheibennotoperation hatte. Ich finde, Eltern können ziemlich viel kapputtmachen. Wir waren nie auf einer Wellenlänge -leider. Ich habe immer das Zuhören, echt wichtiges Zuhören und Verständnis vermisst.....Netty Strauch

Eustachia
10.12.2006, 11:25
meta, kann es sein, dass du deine eltern ein wenig idealisierst, weil sie schon so lange tot sind?
mir geht das sogar so, wenn sie (82,87)von sich erzählen und ihre jugend unter hitler mir natürlich sehr grausam vorkommt und ich voller mitgefühl mit meinem vater bin, der mit 20 in den krieg musste und mit meiner mutter, die ihre kleinen geschwister in den bombennächten im keller trösten musste, obwohl sie selbst noch ein kind war.

natürlich lieben wir unsere eltern, aber wir haben - sehe ich auch so vw68 - auch die lasten ihrer vergangenheit zu tragen und sind daher auch opfer dieser zeit.

nicht umsonst steht in der bibel, dass die sünden der väter(generation) bis ins 3. und 4. generationenglied wirken.

die nazizeit bestimmt !
nach der flucht geboren, ins säuglingsheim gesteckt, bis meine eltern eine wohnung hatten und alles andere als verwöhnt durch unsere langjährige armut und die ständige arbeitsüberlastung meiner eltern bin ich trotzdem in einer idylle großgeworden, wenn ich mir die tv und pc morde heute ansehe, die unsere kleinen aushalten müssen, es hindert sie ja selten jemand dran, sich davor zu setzen - ich hätte es nicht ertragen.

sie ertragen es auch nicht, das ahnt man inzwischen.

und da die meisten eltern konsequente disziplin als abzulehnendes erziehungsmittel betrachten und daher nicht beherrschen oder als alt68er sogar bekämpft haben, wird das laufen-lassen neue probleme gebären, mit denen sie und ihre kinder sich herumschlagen müssen.

so glaube ich, dass jede generation ihr paket an problematik hat, das wir verarbeiten und damit auch den eltern verzeihen lernen müssen.

das allein bringt uns menschlich weiter - das glaube ich wirklich.

meta1
12.12.2006, 11:56
@ Eustachia, ich würde weniger sagen, dass ich sie idealisiere, als dass ich auch mit meinem zunehmenden Alter, gewisse Dinge heute anders sehe, als damals.

Warum sollte ich meinem Vater nachtragen, dass er depressiv war, auch wenn ich darunter gelitten habe. Er hat doch noch viel mehr unter seiner Krankheit gelitten, ich kann doch niemandem vorwerfen krank zu sein.

sunshinelove34
27.12.2006, 16:37
Hello
Ich kann dich sehr gut verstehen, es wird immer gepredigt Familie sei wichtig, aber dazugehört das miteinander und ncht der dominante Vater der alles an sich reißt.
Familie nach außen vorzeigbar das ist das was meine Eltern immer wollen. Eine Vorzeigbare Tochter die einen Anwalt oder Arzt heiratet und Karriere macht.
Ich habe auch das Problem dass ich meine Eltern nicht verstehe,
sie sind sehr egoistisch, wollen aber an meinem Leben teilhaben.
Aber das Problem ist sie akzeptieren mein Leben nicht. Alles was ich mache ist falsch in Ihren Augen. Ich bin mit 21 von zuhause ausgezogen, sie haben mich auch Finanziell sehr unterstützt, darüber bin ich auch dankbar, aber nun kann ich selber für mich sorgen und. Dann habe ichaber den Fehler gemacht wieder in die unmittelbare Nähe zu ziehen vor einigen Jahren. Da meinte meine Mutter es würde so bleiben, aber ich habe seitdem in 3 verschiedenen Städten gewohnt und bin nun angekommen, mit meinem Partner und meine Mutter ist eiskalt. Sie will nicht begreifen dass ich mein Leben führe wie ich es will mit meinem Partner.
Jetzt bin ich mit 34 endlich soweit dass ich mich lösen kann, weil mir dieses Jahr verschiedenes die Augen geöffnet hat.
Wenn man nur Vorwürfe bekommt und immer nur das "Kind sich melden Soll" dann ist das eine Einseitige Beziehung. Das habe ich nun gemerkt.
Ich hatte einen Autounfalll und war diese Weihnachten wieder nicht bei meinen Eltern, und meine Mutter hält es nicht mal für nötig mich zu fragen wie es mirr geht als ich ihr frohe Weihnachten gewünscht habe.
Kann sich das einer vorstellen??? Ihr ging es auch schlecht, sie konnte sich nicht melden.
sunshinelove34

sunshinelove34
27.12.2006, 21:19
-hello,
Irgendwie hört sich das an wie bei mir. Egal was und wie ich es mache, es taugt nichts.
Mein Freund ist eh nicht erwünscht, meine Mutter hat eine -Austrahlung und Wärme wie ein Eisblock gegenüber mir.
Sie will ja nur mein Bestes und so weiter. Ich habe mir mit 34 endlich vorgenommen, das ganze Theater ein für alle mal zu beenden. Ich ruf sie nicht mehr an, weil wenn Sie was will kommt sie schon. Sie hatte ja angeblich eine so schöne Kindheit und eine so tolle Mutter.
Aber so wie sie mit mir umgesprungen ist als junger Mensch, und wie sie mich jetzt drangsaliert, das lass ich mir nicht mehr gefallen.
Meine Meinung dazu ist ja auch Kinder sollten Ihren Eltern mal zeigen, dass Sie ein Leben haben und das sie so leben wollen.
Egal was deine Eltern wollen Lebe dein Leben für dich, so wie du Glücklich bist, und wie du es willst sonst wirst du krank.
und eine kranke Seele kann man sehr schwer heilen.
Man kann solche Menschen nicht ändern, im Gegenteil wenn man nicht aufpaßt dann ziehen die einen so runter dass man irgendwann selber schlecht von sich denkt!
Ich hab kein schlechtes Gewissen mehr, ich bin stark und vertráue auf meine innere Stimme.
Ich dachte auch immer meine Mutter will doch auch an meinem Leben teilhaben so wie sie immer sagt, aber dass ist nur eine Lüge.
Mein Leben muß mir gefallen, meine Arbeit, mein Partner, und mein Umfeld müssen stimmen. Ich lass mir nichts mehr was ich erreicht habe wegnehmen. Es ist schwer das geb ich zu so durch zugreifen, wenn man es Jahre lang in sich hineingeschluckt hat, aber es ist sehr befreiend.
Also Kopf hoch.
Liebe Grüße und einen Guten Rutsch
Sunshinelove34

aussenseiter
27.12.2006, 21:34
Mein Vater war ein cholerischer Säufer, meine Mutter viel zu schade für ihn.
Als Kind hatte ich immer Angst vor den Wutausbrüchen meines Vaters. Heute denke ich einfach nur, was für eine alberne Gestalt er eigentlich war und ist, wenn ich so auf ihn herabblicke. Aber auch bemitleidenswert, denn in seiner Familie hat sich das Saufen und die Gewalt wohl kulturell vererbt, wie das so oft der Fall ist. Aber das ist keine Entschuldigung.
Ich habe meine Eltern als Lehrbeispiel betrachtet, als Negativbeispiel. Ich habe an ihnen studiert, wie ich sein will und wie nicht. Als Kind denkt man automatisch, dass die Eltern alles richtig machen und Bescheid wissen, aber irgendwann merkt man dann, dass man sie längst überholt hat. Die Maske ist gefallen, sozusagen.
Ich bin froh, in einem anderen Land zu leben und sie nicht zu sehen. Wegen meiner Mutter tut es mir manchmal leid, aber wir schreiben uns regelmäßig E-Mails. Aber wir haben uns alle sehr auseinander gelebt und das ist gut so.
Meine Internetbekanntschaften sind mir wichtiger.

Inaktiver User
28.12.2006, 16:09
Hallo,

wie ich weiter vorne in Strang und auch anderswo schon geschrieben habe, ist mein Verhältnis mit meinen Eltern total zerüttet. einer meiner Brüder, der in der Nähe wohnt, geht auch nicht mehr hin, weil sie sich einfach nicht für uns interessieren.
gleichzeitig werden wir alle gegeneinander ausgespielt.(es gibt noch einen Bruder, Schwägerinnen und Enkel)
Nun wollte ich ihnen frohe Weihnachten wünschen und gleichzeitig mitteilen, dass ich nicht kommen werde. um nicht wieder zu stören.Es gab da keinerlei Absprachen Einladungen o. ä. und letztes mal wurde suggeriert, dass eine meiner Schwägerinnen wegen mir nicht kommen würde. ich kenne diese frau kaum und hatte keinen Streit mit ihr.
Das Telefongespräch ist eskaliert, ich wollte u. a. wissen, warum sie mich niemals besucht haben, mich nie im Krankenhaus besucht haben, an meinem leben nicht interessiert sind, etc.
Da kam die Antwort: Du hast uns (vor 25 Jahren) alte Spießer genannt, das haben wir dír nie vergessen.
OK, war nicht nett, bloß wer aus unserer Generation (Jg '61) hat das nicht getan? und dann immer diese nachträglichen Bestrafungen, die weit uber das "Verbrechen" hinausschießen, die gabs bei uns schon immer.
In dem Moment ist mir der Groschen gefallen: mein ganzes Leben renne ich hinter meinen Eltern her und bettele um Aufmerksamkeit! Und die beiden nehmen in keinster Weise Anteil an meinem Leben, weder bei den Guten noch schlechten Momenten waren sie dabei, obwohl sie immer informiert oder eingeladen waren.
jetzt ist Schluß, ich schaue nur noch nach vorn.

tanimun
28.12.2006, 23:42
Meine Eltern sind oft fassungslos, welches Prachtexemplar sie da großgezogen haben.
Ehrlich gesagt verstehe ich sie nicht wirklich und sie mich auch nicht.
Ich stelle einen gewissen Unterhaltungsfaktor in ihrem Leben dar.
Mehr aber auch nicht, glaube ich jedenfalls nicht.
Probleme bespreche ich lieber mit guten Freunden.
Sonst heißt es bei meinen Eltern immer sofort, warum ich plötzlich nicht so gut drauf wäre, denn sonst wäre ich ja auch immer ganz gut drauf.
Sie leben in einer quasi festbetonierten, konservativen Ehe, wie vor 1000 Jahren, beide sind berufstätig, bzw. stehen kurz vor der Rente.

sultan tanimun

aussenseiter
29.12.2006, 00:13
Meine Eltern sind oft fassungslos, welches Prachtexemplar sie da großgezogen haben.

:freches grinsen:

lindenblatt
29.12.2006, 02:19
Grüße euch!

Wer als Mutter und/oder Vater sein Kind mit einem Übermaß an Selbstzweifeln, Versagensängsten und dem Gefühl, nur für das Erfüllen überdimensionierter Erwartungen geliebt zu werden, ausstattet, verunsichert es tief und für ein ganzes Leben.

Es mag ernstzunehmende Erklärungen dafür geben, warum Eltern so sind. Man kann sie akzeptieren oder nicht. Als Entschuldigungen taugen sie niemals.

Zu schwer wiegt der Verstoß gegen die elterliche Aufgabe, ihr Kind zu lieben, es zu achten und ihm auf den Weg in sein eigenständiges Leben die Gewissheit mitzugeben, dass es die Herausforderungen an eine/n Erwachsene/n annehmen und meistern, dabei Fehler begehen, aber immer ein wertvoller, achtenswerter Mensch sein wird.

Wer das als Mutter und/oder Vater, aus welchen Gründen auch immer, nicht schafft, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, schwer versagt zu haben. Nicht nur als Mutter/Vater, sondern überhaupt als Mensch. Denn darum geht es doch: Sein Kind durch Menschlichkeit zu einem lebenstüchtigen Menschen werden zu lassen.

Dank dafür, dass man auf der Welt ist?
Wenn man lernen durfte, sich selbstbewusst mit ihr auseinanderzusetzen - ja und nochmals ja!
Wenn man ihr ein Leben lang mit dem tief verankerten Selbstbild der/des Versagerin/Versagers unsicher gegenübersteht - ein entschiedenes Nein!

Es ist wahr: Man kann sich nicht sein ganzes Leben lang auf eine lieblose, verstörende Kindheit berufen, wenn man doch eigenverantwortlich handeln muss. Aber wie viel Lebenszeit ein erwachsenes Kind dafür aufwenden muss, nachträglich zu lernen, was das ist: Verantwortung für das eigene Leben übernehmen; welche Qual es ist, sich spät von den falschen Affirmationen der Eltern befreien zu müssen; wie schmerzhaft die Erkenntnis ist, ein halbes Leben mit dem Nachholen der Selbstfindung zubringen zu müssen - das ist eine Schuld, die Mutter/Vater selbst auf sich geladen haben, während das betroffene Kind, mit seinem ewig überschatteten Lebensweg, sie irgendwann nur ausspricht. So wie hier in vielen Fällen.


Euch allen ein glückliches neues Jahr: :allesok: :yeah: :krone auf: !!

lindenblatt

floh-kati
29.12.2006, 16:29
[Monikab]
Wütend macht mich, dass meine Mutter ihre schlechten Erfahrungen unreflektiert weiter gibt, warum soll jemand anders es besser haben als ich? Das hat sie wortwörtlich mir mal gesagt und gibts auch an den Enkel weiter.

emotionale Kälte, was anderes fällt mir dazu nicht ein.

Monikab, zum Glück ist das NICHT die Regel- die eigenen schlechten Erfahrungen an die Nachkommen weiterzugeben.
Im Gegenteil- jedenfalls bei mir.
Da mir mein erstes Kind genommen wurde, weil ich noch nicht volljährig war, habe ich alles daran gesetzt, dass mein Sohn und seine damalige Frau ihr Kind bekommen und natürlich behalten...( er war 19, sie 16 )
Der kleine ist teilweise bei mir aufgewachsen, wenn sich die junge Mutter überfordert fühlte oder einfach ihre Jugend ausleben wollte und sollte !
Heute ist mein Enkel 10 und lebt mit seinem neuen "Papa"( die Ma hat wieder geheiratet) und einem kleinen Bruder, den er abgöttisch liebt.
Die Situation, die du schilderst, finde ich auch bei meiner Schwester wieder...sie hat nie gelernt, den Spiess umzudrehen und selber Mutter zu sein..sie lebt in dem Bewusstsein, noch selber das Kind unserer verstorbenen Mutter zu sein auf immer und ewig. Eine "Familien-Aufstellung" könnte allen Beteiligten vielleicht enorm helfen- erkundige dich doch mal wo das bei euch möglich ist.
Lieben Gruss
floh-kati

Inaktiver User
29.12.2006, 18:18
Hallo Floh-Kati,

toll, dass du das mit deiner Familie so gemeistert hast. Ich kenne noch so ein Beispiel, ein alleinerziehender Vater, der aus schrecklichen Verhältnissen kommt und seinen Sohn wirklich gut und vor allem liebevoll erzogen hat.aber ich glaube, das ist nicht die Regel, die meisten geben ihre Erfahrungen weiter, warscheinlich nicht so krass wie meine Mutter.
Über Familienaufstellung habe ich schon viel gelesen und das könnte man hier auch sicher gut machen, ich lebe in einer Großstadt. Mich schreckt ein wenig ab, dass man hinterher mit vielleicht erschütternden Erkenntnissen allein gelassen wird und dass es häufig wie eine "Psychoshow" aufgezoggen wird, mit zuvielen zuschauern.
Jetzt habe ich einen Partner, der mich auffangen würde (aber alles will ich dem auch nicht zumuten), aber lange Zeit habe ich allein gelebt und Angst gehabt,dadurch in ein Loch zu fallen.
mittlerweile habe ich auch so schon einige "Muster" durchschaut, ich muss nur noch lernen, loszulassen.

@Lindenblatt: schön geschrieben!


das "Unverhältnis" zu meinen Eltern hat aber auch Positives:
ich war sehr früh selbständig und musste selber Verantwortung für mich übernehmen.


lieben Gruß Monika
:blumengabe:

tollekirsche
31.07.2007, 23:03
Ich liebe und ich hasse sie.
Sie beiden sind großartig- fachlich und sachlich. dafür bewundere ich beide und achte sie. mutter mehr als vater.
beides sind chaoten und egoisten (alt-hippies). ich arbeite mit meinen eltern zusammen und sie nerven mich, aber beruflich kann ich viel machen. also bin ich der egoist. habe erst mit 30 j bvegonnen für sie zu arbieten. ich hab ziemlich viele freiheiten, die ich woanders nicht habe. mutter ist eine extrem gute person, weich, strebsam, diszipliniert im verhalten, aber sschwach wenns um vater geht, welcher der riesigste egoist ist, den ich kenne., zweigesichtrig, minderwertigkeitsverkomplexelt, undiszipliniert, unehrlich, selbstgerecht und unreflektiert. immer hält er seine intelligenz hoch, dabei kann er nicht mal ne nummer notieren. ich weiss irgentwie nicht , was mit ihm ist. er ist sehr sehr komisch, hat keine skrupel die ganze familie durch zu wirbeln nach seinen vorstellungen. ich bin ihm ähnlich- ich liebe ihn dafür, dass er so gro0zügig ist und wir alles materielle teilen können (auch bei mutter), aber emotional und von der lebensart sind wir zwar gelich intensiv, aber trotzdem anders. er ist extrem konservativ und verstümmelte uns seelisch. habe den eindruck, ich kann/will keine beziehungen führen, wegen ihm.

schwierig und verzwickt.

********************

Zeitnomade
19.10.2007, 23:17
Meine Eltern haben mich wohlbehütet und sorgenfrei aufwachsen lassen. Auch sie waren auch Kriegskinder und mein Vater mußte in den letzten Tagen des 3. Reiches noch als 17jähriger an der Front kämpfen.1945 war er dann heimatlos und Kriegsgefangener, gerade mal 18 Jahre alt. Er war jahrelang traumatisiert, kann heute noch keine Kriegsfilme sehen. Meine Mutter wuchs die Kriegsjahre ohne Vater auf, da dieser in russischer Gefangenschaft war und später als menschliches Wrack zurückkehrte. Ich bin Einzelkind und konnte mir trotz der schrecklichen Erlebnisse beider Eltern der uneingeschränkten Zuwendung und Liebe beider Eltern sicher sein. Sie haben mich begleitet, mir geholfen und sich gesorgt, wenn ich mal krank war oder anderweitig Hilfe brauchte. Wir leben zusammen in einem Haus und helfen uns immer gegenseitig. Meine Eltern sind jetzt alt, aber noch nicht pflegebedürftig.

Meine Eltern würden in kein Heim kommen, denn das bin ich ihnen schuldig. Sie waren immer für mich da und wenn sie mich brauchen, werde ich ihnen das zurückgeben, was sie für mich getan haben.

Inaktiver User
26.10.2007, 14:16
Ich war 30, als meine Mutter, und 61, als mein Vater starb.
Mit meiner Mutter hatte ich so meine Schwierigkeiten, lag vielleicht auch an meinem Alter, aber wir haben uns gegenseitig geschätzt, meinen Vater habe ich erst verehrt und dann geliebt.

Es ist seltsam, ich hatte schon immer viele, viele Freiheiten, ich konnte ab 16 eigentlich treiben, was ich wollte, hatte ihre Unterstützung, finanziell, moralisch und seelisch. Aber ich hatte doch immer irgendwie so eine Art Verpflichtung gespürt.

Als ein kleines Beispiel:
Mein Vater lebte in einem Heim, er war fast blind und wollte zu keinem seiner Kinder ziehen, wir haben alle den Platz gehabt, ihn aufzunehmen, 300 km weg von mir.
Mein Bruder ging jeden Sonntag mit ihm Essen, ich besuchte ihn alle drei Monate, meine Schwester lebt in Chile, mit ihr telefonierte er wöchentlich, es war immer 5 Uhr morgens bei ihr, aber ihm war es so praktisch, denn es war gleich nach der Sportschau....

Mich rief er sonntags um 17 Uhr an. Was bedeutete: egal, wo ich war, sonntags war ich ab 16:45 daheim. Ich hatte ihn so gebeten, unsere Telefonate doch vormittags oder montags.... zu machen, nein, sonntags 17 Uhr. Wenn ich nicht daheim war, seine Stimme am AB: wo treibst du dich denn rum. bist du nie daheim. Nicht, dass er beleidigt oder traurig gewesen wäre - nur diese Bemerkung, sie trieb mich in den Wahnsinn.

Wir alle Geschwister haben ihn beim Sterben begleitet.
Als er gestorben war, sagte meine Schwester zu mir: kein Telefonläuten um 5 Uhr mehr - wir mussten lachen, bei aller Trauer.

Was wir noch festgestellt haben: Trotz aller Freiheit und Eigenständigkeit, man bleibt Kind. Nun sind wir Waisen und können wirklich tun und lassen, was wir wollen.

Aber: Vielleicht sitzen die beiden doch oben in den Wolken und mischen ein wenig mit. Zuzutrauen wäre es ihnen.

Inaktiver User
28.10.2007, 14:03
Meine Eltern würden in kein Heim kommen, denn das bin ich ihnen schuldig. Sie waren immer für mich da und wenn sie mich brauchen, werde ich ihnen das zurückgeben, was sie für mich getan haben.

@Zeitnomade
Was mir an diesem Satz fehlt, ist das Wort "Zuneigung". Mag sein, dass du es einfach nicht geschrieben hast, weil es sich von selbst versteht, trotzdem, die Verpflichtung, die herausklingt ist es, die so manchen Kindern und Eltern das Zusammenleben erschwert.
Ich denke ja manchmal an das Alter und wie sich alles für mich ergeben wird, auch in Zusammenhang mit meinen Kindern.
Für mich erhoffe ich, dass ich mir, sollte es mal nötig sein, jemanden leisten kann, der für Geld manchmal ins Haus kommt, so dass diese Belastung für meine Kinder wegfällt. Und alles andere soll auf freiwilliger Basis geschehen.
Da meine Mutter vor langer Zeit nach kurzer Krankheit gestorben ist und mein Vater mir seit frühester Kindheit fern war, ich also von seinem Tod erst durch die Anzeige erfuhr, kam ich nicht in die Lage, mich um hilflose Eltern kümmern zu müssen/können.
Aber der Gedanke, wieviel lieber es uns ist, uns einem Säugling, einem Kleinkind, einem Kind zu widmen, als einem alten Menschen, der bald für immer verschwunden sein wird und mit ihm ein Stück unserer Biographie, berührt mich seltsam.
Meine Kindheit war nicht so unproblematisch, wie manche hier geschilderte, trotzdem denke ich es mir bereichernd, wenn eine alte Mutter noch lebt und frau in der Lage ist, ihr nahe zu sein.
Zumindest stelle ich mir das so vor, wenn ich an meine Mutter denke, die zwar ein Mimöschen war, aber humorvoll, widerstandsfähig und, fand frau die richtigen Worte, sehr wohl zur Selbstkritik aber auch zur Fremdkritik imstande.
Colonna

Inaktiver User
28.10.2007, 14:52
Ja, die Zuneigung. Ohne die geht es nicht, die Eltern den letzten Weg zu begleiten. Denn irgendwann kommen die Kinder an dem Punkt an, da das Eltern, das immer das ELTERN war, zum Kind wird - zum faltigen Pubertierenden, der genauso ungehobelt und ekelig wird, natürlich in Abstufungen, aber ich habe 4 alte Gross/Eltern den letzten Weg begleitet, so lieb ich sie alle hatte, manchmal hätte ich schon gerne Zewa gehabt.

Ohne meine Schulung als Altenpflegerin im sozialen Jahr hätte ich es nicht durchgestanden, die Vorwürfe, die Unterstellungen, die sinnlosen wiederholten Diskussionen um ein Medikament, das nicht eingenommen werden will, die Rufe nach der Bettpfanne, weil sie zu stolz waren, eine Windel anzuziehen.
Ich denke noch mit Schrecken an die Sekunden zurück, als meine Schwiegermutter mit einer verschissenen Windel in der Hand auf einen Kunden zuging und zu ihm sagte: so lässt mich meine Schwiegertochter liegen. Und das 15 Minuten, nachdem sie den Nachtstuhl verweigert hatte. Und obwohl sie normalerweise die Treppe nicht mehr gehen konnte. Ich habe übrigens nichts getan und habe es einmal meinem geliebten Lebenspartner, wir waren damals noch nicht verheiratet, überlassen, hier einzugreifen. Wir haben den Auftrag bekommen, wahrscheinlich aus Mitleid.

Na ja, es heisst dieser Strang ja nicht, was habe ich schröckliches erlebt, sondern, welche ROLLE spielen sie in meinem Leben.

Wobei mir auffällt, auch in anderen Strängen ähnlicher Thematik, dass die Menschen - meist Frauen - wohl ihre Eltern nehmen, aber selbst nicht genommen werden wollen. Also spielen die Eltern doch in den Leben die Rolle der Pflicht, die man erfüllen muss.

Dankbarkeit, - kein vernünftiges Eltern verlangt Dankbarkeit von seinen Nachkommen, das führt nur zum Fernbleiben, vielleicht nicht körperlich, aber mental.

Wir schütteln die Köpfe über das Verhalten des Eltern, finden sie verquer, mischen und krampfhaft nicht in ihre Leben ein. Und dann kommen sie in unseren Haushalt und müssen sich plötzlich UNTERORDNEN - zumindest in ihren Augen, auch wenn sie das grosse Elternschlafzimmer bekommen und man selber im Gästezimmer nächtigt, wenn plötzlich der Speiseplan geändert wird, weil das neumodische Zeugs nicht mundet. Das muss schief gehen und führt zu Spannungen. Und dann müssen wir uns einmischen...

Wobei ich ja eigentlich der Meinung bin, ich hätte genug Dankbarkeit abgeleistet an den Ostern und Weihnachten und Geburtstagen, an denen ich meine Wünsche an dieses Fest denen meiner Eltern unterworfen habe. Deshalb gibts z.B. bei mir keinen Geburtstag, Weihnachten, Ostern, Pfingsten usw. mehr seit 30 Jahren, seit dem Tod meiner Mutter. Keine Geschenke, keine Gratulation, ich will auch keine, ich mag mich gerne mit meiner etwa 50köpfigen Verwandtschaft treffen, die ausser mir und meiner Schwester noch immer an meinem Heimatort oder drum rum leben, wann immer und wo immer. Ich bin mit meinem Vater immer an unseren Geburtstagen, die eng aufeinander folgten, zum Wandern gefahren, das hat uns gut getan und wir hatten endlich mal Zeit zum Schweigen.


Ich denke mir, es ist wichtig, die Eltern KENNENZULERNEN, mit ihnen zu reden, so lange sie noch fit sind, Gespräche zu suchen, kleine Gemeinsamkeiten zu schaffen. Sie frei lassen und selbst erwachsen werden. Das ist mir so schmerzhaft aufgefallen, ich war einige Tage ziemlich neben der Spur, als ich nach dem Tod meines Vaters merkte, wie sehr ich immer noch Kind und grosse Schwester war.

In diesen letzten Tagen brechen ja auch oft (vermeintliche) Traumata wieder auf, als die Mutter das gemacht hatte und der Vater das.... da haben wir alle unsere Erinnerungen. Ich bin jedoch der Meinung, dass man mit 30 alleine für sein Gesicht verantwortlich ist und auch für das Hirn und die Seele.

Es ist wichtig, zu verinnerlichen, dass die Verhaltensweisen nicht bösartig sind, sondern Zeichen einer Nicht-Krankheit: Altern.

Liebe Grüsse
Elke

Inaktiver User
28.10.2007, 15:43
@Elke
Das alles, was du hier beschreibst, habe ich nicht erlebt, da, wie gesagt, meine Mutter früh und schnell verstarb;
offensichtlich ist es so, dass wir im hohen Alter an Empfindlichkeit zunehmen und uns die Rücksichtnahme verloren geht.
Jedoch nein, ich will meine Kinder nicht mit der Pflege an mir verschonen, weil ich sie einer Pflicht entbinden will (das natürlich auch, aber nicht in erster Linie), sondern ich will die Freiheit haben, nicht dankbar sein zu müssen, sondern für Geld Leistung zu erhalten, und zwar solche, die ich einfordern kann.
Wenn ich sehe, wie alte Mütter an Muttertagen pflichtbewusst in Restaurants geschleppt werden, da einsam vor ihren Tellern sitzen, während sie von der Verwandtschaft als sonderbare fremde Wesen behandelt werden, gruselt's mich ein wenig - aber den Muttertag feiern wir ohnehin schon seit Jahren nicht mehr.
Geburtstagsfeiern und Weihnachten und all die Jahrestage liebe ich, und, falls die der Mehrheit in der Familie zu anstrengend und daher abgeschafft würden, wäre ich traurig, ich gesteh's; dieses Durcheinander an Verwandten, der Lärm der Kinder, die Alten, die beieinander sitzen, das ist für mich das einzig Wertvolle der Bande, die uns locker zusammenhalten.
Das wünsche ich mir bis zum Tod, und ohne dass es jemandem Pflicht ist.
Gruss Colonna

Inaktiver User
07.11.2007, 06:19
hallo ,brigitte team !

leider, habe ich keine guten erinnerungen,an meine kindheit!!!!!

meine eltern,haben mir ausschließlich ihren hass und ihre tiefe verachtung gezeigt.

erst im erwachsenenalter,habe ich begriffen ,dass sie mir nur das geben konnten,was sie selbst "verinnerlicht" hatten.das,was sie selbst von ihren eltern,"mitbekommen" haben. ich habe erkannt ,dass sie nach ihren" möglichkeiten" ,gehandelt haben.

das erkennen,der hintergründe für ihr verhalten,hat mir dabei geholfen,zu verstehen.
auf keinen fall ist das,was mir meine eltern angetan haben,zu endschuldigen.

während meiner verhaltenstherapie ,habe ich diese sehr traurigen erfahrungen aus meiner kindheit und jugend,verarbeiten können.
ich habe begriffen,dass ich niemals die liebe meiner eltern ,bekommen werde,
mit der zeit,konnte ich meinen eltern verzeihen.
und ich habe erkannt,dass ich es wert bin,geliebt zu werden ,aufrichtig ,geliebt zu werden.
mittlerweile,kann ich ich mit den erlebnissen meiner kindheit,gut umgehen.

aus mir ist ein sehr lebenslustiger,optimisischer ,mensch geworden!!!!!!!

die fähigkeit zu lieben ,habe ich durch meine geschwister "erlernen" können,die mich innigst und bedingungslos lieben.

ja...,wir können die anderen nicht verändern,wir können nur etwas für uns selbst tun!!!!

das leben ist sehr schön!


liebe grüße!

doro

Inaktiver User
30.11.2007, 20:21
Welche Rolle haben meine Eltern gespielt ?

Nun, sie haben mich zu dem gemacht was ich bin.
Von ihnen habe ich gelernt zu lügen. Egal was ich machte, entweder war es in ihren Augen albern, unnütz oder total falsch.
Interessierte ich mich für Kunst, hieß es Blödsinn braucht kein Mensch. Nur was sie für wichtig und richtig hielten war es auch.
Ich lernte schnell, daß es besser war nichts zu erzählen was mich bewegte, positiv oder negativ. Meine Probleme wurden nur ins lächerliche gezogen. Auch Schläge gab es oft. Aus dem geringsten Anlaß, mit dem Teppichklopfer auf den Hintern. Heute lache ich innerlich wenn mein Vater dann sagte " Glaub mir, das ist nur zu deinem besten. Mir tut das mehr weh als dir ". Manchmal finde ich es schade, daß mich etwas blockiert ansonsten würde ich ihm gerne mal die Fresse polieren.

Um meine Ruhe zu haben fing ich an schon sehr früh zu lügen und die Wahrheit etwas verzerrter wahrzunehmen.
Wenn ich heute darüber nachdenke, dann galt es bei uns zu Hause immer nur "Mehr Schein als Sein" und es gab nur materielle Werte. Heute kann ich sagen, Liebe und Geborgenheit kenne ich nur vom hörensagen.
Eine Episode ist mir unvergessen. Zur Konfirmation bekam ich wie alle Konfirmanden Geschenke. Von meinen Eltern eine Armbanduhr, von den anderen Gästen zusammen ca. 600,-- DM.
Den Betrag haben meine Eltern gleich für mich "verwaltet". So hieß es. In Wirklichkeit hat meine Mutter das Geld für neue Klamotten, für sich, auf den Kopf gehauen. Ich habe es auf jeden Fall nie mehr gesehen.
Als ich in die Lehre kam, mußte ich das Geld (300,-- DM p/m )bis auf den Betrag für die Fahrkarte und einem Taschengeld von DM 20,-- abgeben. Ach ja Taschengeld, vom 10ten bis zum 12ten Geburtstag gab es monatlich 1,50 DM, von 12 bis zur Lehre mit 15 6,00 DM.

Dennoch gab ich mir alle Mühe zu tun was von mir erwartet wurde.
Das Lügen und manipulieren ist mir dabei zur zweiten Natur geworden. Konflikten ging ich aus dem Weg. Es war mir nicht mehr möglich zu sagen was mich bewegt. Über Gefühle habe ich nie geredet, weil ich ja gelernt hatte, daß ist alles nur Tinnef.

Als ich vor einigen Jahren mit einer schweren Krankheit in der Klinik war, der Ausgang war ungewiß, hatten meine Eltern in den vier Wochen gerade einmal für ca. 15 min. Zeit für einen Besuch. Allerdings nur um mir mittzuteilen was es bei den Nachbarn neues gibt. Wie es mir geht oder ähnliches, war nicht wichtig.

Kürzlich, nach einem Suizidversuch, bekam ich eine SMS mit folgendem Text " Meld' dich mal wenn du wieder fit bist "

Und genau das werde ich nicht tun.

Ich lerne erst jetzt in einer Therapie, daß ich niemandem etwas vormachen muß um gemocht zu werden. Das ich nicht in einer Lügenwelt leben muß um ernst genommen zu werden.
Ich lerne erst jetzt, daß ich Gefühle zeigen darf und sagen darf was mich bedrückt. Auch wenn es unbequem ist.
Dadurch, das ich all das nicht konnte, bzw. nicht erkannt hatte, habe ich viele Menschen verletzt. Menschen die mich mit offenen Armen aufgenommen hatten. Ich habe es nicht einmal erkannt was ich da mache.

Welche Rolle meine Eltern spielen ? Keine mehr. Sie sind mir egal.
Ich muß nur noch lernen das auch so zu tun.
Komisch ist, daß mein Vater es immer wieder geschafft hat mich in die Rolle eines kleinen unbeholfenen Jungen schrumpfen zu lassen. Und meine Mutter ist der verschlagenste und egoistischste Mensch den ich kenne.
Schade, ich hätte es viel früher lernen müssen, aber irgendwie kam ich ja immer durch also merkte ich es gar nicht.
Aber dann gab es ein Ereignis, das alles verändert hat. Doch das ist ein anderes Thema.

Liebe Eltern,
in meinem Leben spielt ihr keine Rolle mehr. Fahrt zur Hölle.
Euer Sohn

Valentine
04.12.2007, 07:15
hallo,

meine eltern spielen für mich mit die wichtigste rolle in meinem leben. sie haben mir nicht nur gelernt, sondern vor gelebt, zufrieden sein zu können, dinge selbst in die hand zu nehmen, und aus jeder situation des beste zu machen. dafür bewundere ich sie.
sie haben es bei 4 kindern geschafft, nie beim einem über den anderen zu reden, zu lästern, zu kritisieren. dafür bewundere ich sie noch mehr.
und heute im alter haben sie sich mit einer schwierigen lebenssituation abgefunden, haben diese akzeptiert und leben weiter ihr leben, akzeptieren dass ihre welt immer kleiner wird. und dafür bewundere ich sie am meisten. sie sind über all die zeit, die sie meine eltern sind, immer sich selbst geblieben und haben uns ermöglicht, eigenständige persönlichkeiten zu werden.
dafür danke ich ihnen

valentine

Hornilla
10.12.2007, 09:44
Meine Eltern spielen für mich auch eine sehr wichtige Rolle. Sie haben mir das gegeben, was für meine optimistische Grundhaltung gesorgt hat: ganz, ganz viel Liebe, bedingungslos, Urvertrauen, sie waren immer für mich da, ich konnte mit ihnen über alles reden... Mit meiner Mama ist das heute noch so, wir sind wie Freundinnen, und doch ist es anders, weil das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter einfach ganz, ganz anders ist als das zwischen Freundinnen.
Mein Papa ist leider vor zwei Jahren gestorben. Auch mit ihm konnte ich als Erwachsene immer noch unwahrscheinlich gut reden. Als ich im Studium war, hab ich meinen Eltern mal eine Karte geschrieben: "Wenn Ihr nicht meine Eltern wärt, wäre ich gerne mit Euch befreundet!" Das trifft es eigentlich genau.

Meine Eltern waren mein Sprungbrett in die Welt, sie haben mir Wurzeln und Flügel gegeben. Danke, Mama und Papa!:liebe: