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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie kommt man wieder zu einem "normalen" Essverhalten??



Schwarzer_Tee
05.10.2006, 12:40
Hallo Ihr Lieben,

ich hab schon einige Zeit hier mitgelesen und gemerkt, dass es einige unter Euch gibt, die - wie ich - zwischen Diät und Fressattacke pendeln. Jetzt eine Frage: habt Ihr eine Idee, wie man es schafft wieder "normal", oder wenigstens einigermaßen normal zu essen? :wie?:

Meine Diätgeschichte geht zurück bis zur Pubertät. Ich hab recht früh Busen und Hüften bekommen und fand mich auf einmal zu dick. Da gings dann los mit einem Wechsel aus Diäten und Fressorgien. Zu der Zeit war ich ca. bei einem BMI von 23. Also auch nicht dick.
Mit 18 habe ich durch eine Erkrankung und Medikamente ca. 10 Kilo verloren und konnte das erreichte Gewicht (63 kg bei 1,70) auch einige Jahre halten, bis ich mit dem rauchen aufgehört hab. Seitdem quäle ich mich von "Diät" zu "Diät" und fresse dazwischen hemmungslos. Momentan wiege ich ca. 68 Kg und möchte eigendlich unbedingt wenigstens 3 Kilo weniger wiegen. Ich weiß dass ich nicht übergewichtig bin, fühle mich so aber einfach nicht wohl.
Hab mal irgendwo den satz gelesen : "Es gibt Zeiten da nehme ich ab, es gibt Zeiten da nehme ich zu, ich habe keine Freizeit". Das trifft mein Leben eigendlich ziemlich gut.:smirksmile:

Meine "Diät" -zeiten sind eigendlich recht vernünftig (so grob an den ww punkten orientiert) und nicht einseitig. Trotzdem habe ich immer wieder Phasen, in denen ich alles in mich reinfresse. Oft fühlt es sich an wie so eine Art Kontrollverlust: wenn ich einmal etwas Süßes oder so esse, kann ich quasi nicht mehr aufhören und esse bis mir schlecht wird (ihr kennt das ja sicher :smirksmile: ). Am nächtsen Tag gelobe ich dann Besserung und halte mich wieder zurück. Zum Teil schaffe ich es 2-3 Kilo abzunehmen, bin dann ganz zufrieden, und falle dann wieder in die Fressfalle. Das setzt mich dann soo unter Druck, dass ich garnichtmehr rauskomme und schub - diwupp sind die Kilos wieder drauf.

Für mich ist das meilenweit entfernt von normalem Essverhalten. Richtiger Genuss ist da garnichtmehr drin. Entweder werden Punklte gezählt (o.ä.) oder so viel gegessen, dass es eigendlich ja auch kein genuß mehr ist.

Ich fühle mich mittlerweile schon total machtlos und süchtig. Auf jedenfall hab ich nicht das Gefühl mein Essverhalten unter Kontrolle zu haben. Verrückt macht mich vor allem, dass ich keinen Ausweg sehe. Wenn ich einfach alles esse was ich möchte, nehme ich zu, also muss ich mich Einschränken, aber die Einschränkung führt zu Essattacken....? Blöder Teufelskreis.:niedergeschmettert:

Das Rauchen aufzuhören hab ich geschafft, in dem ichs einfach gelassen hab, das sit halt beim Essen schlecht möglich.

Ich würd mich freuen, von jemandem zu hören dem es ähnlich geht oder der eine Idee hat, was Alternativen wären.

ziemlich ratlose Grüße

Schwarzer_tee

illuminate
06.10.2006, 15:25
hallo schwarzer tee

hast du denn eine vorstellung von normalen essverhalten?

ich halte mein essverhalten eigentlich für ganz vernünftig. ich versuche möglichst alles in maßen zu essen ... einschließlich ein besuch bei mcdonalds oder einem stück schokolade.

klar achte ich drauf was ich esse, immer obst zum frühstück und wenn eine hauptmahlzeit recht üppig oder fettig ausfällt dann achte ich bei der anderen halt ein wenig drauf. wenn ich weiß ich hatte mittags einen köstlichen gulasch mit nudeln, dann gibts abends halt brot oder salat aber sicher nicht nochmal warm.

ich denke der trick eines normalen essverhaltens liegt darin auf nichts zu verzichten. ich bin schokoholic und ich liebe käse.
aber ich gebe diesen gelüsten auch nach ... nicht in tafeln aber in kleinen vertretbaren mengen.

mein uni tagespack sieht aus .... ein stück obst, ein brot mit salami oder käse, ein schokoriegel, 2 liter wasser und manchmal ein joghurt ... je nachdem was es in der mensa gibt esse ich dort salat und koche mir abends zu hause was, nehme mir reste vom vortag (nudeln, reis oder kartoffeln) als salat angerichtet mit...

und ja wenn ich drauf lust habe gönne ich mir auch einmal ein eis ohne zu verzweifeln ...

ich habe sehr gute blutwerte, fühle mich fit, schlafe gut und genieße mein leben und essen ...

die frage bleibt nur noch .. ist das normal?

Hopscotch07
06.10.2006, 15:34
Hallo Tee,

schwieriges Thema. Schau Dich doch mal auf den Seiten zu Essstörungen um, z.B.

http://ess-stoerungen.net/home_essstoerungen.html

Auch wenn Du keine Bulimie o.ä. hast, der Kontrollverlust, den Du beschreibst ist ein Zeichen, dass es bei Dir nicht ganz "normal" verläuft. Irgendwo allerdings habe ich mal gelesen, dass die meisten kontrollierten Esser dazu neigen: Sobald sie dann doch ein Stück Süsses gegessen haben, können sie plötzlich nicht mehr an sich halten.

Vielleicht findest Du auf den Seiten zu Essstörungen Tipps?

Gruss
hopscotch

Mirage
07.10.2006, 20:04
Hallo Schwarzer Tee,
Postings wie deins sind ja keine Seltenheit, trotzdem tut es mir jedes Mal wieder leid, das zu lesen, weil es mir lange Zeit so ähnlich ging. Das ist jetzt inzwischen aber schon solange her, dass ich mir den Vertrauensvorschuss gebe und dir als "Geheilte´" zu antworten versuche (vollständig kurriert bin ich offensichtlich nicht, schließlich treibe ich mich immer noch gerne hier im Diät- und Ernährungsforum rum ;o). Ich bin erblich total vorbelastet von einer Dauerdiätenden Mutter (die mit ihren fast 60 Jahren immer noch in dem Kreis 10 kg rauf und runter drinnenhängt) und habe also auch relativ früh mit Diäten und akribischer Beobachtung an mir und meinem Idealgewicht rumgedoktert. Seit ein paar Jahren ist das jetzt wirklich besser und das ging so: ich habe ein wirklich tolles Buch in die Finger gekriegt (Ich weiß nicht, ob das als Werbung gilt, deshalb schreibe ich jetzt nur den Autoren: Oberbeil), das erklärt, was Ernährung und deren Bestandteile macht und wofür was gut ist und habe daraufhin angefangen, erstens umzudenken und zweitens immer mehr Nahrungsmittel in meinen Speiseplan zu integrieren, die vorher nur zu Diätplänen gehörten. Abgenommen habe ich nicht, sage ich gleich, nur langsam und sicher keine Mahlzeit ohne Gemüse und Salat runterbekommen. Mir ist klar geworden, was für ein Scheiss in einer Currywurst drinsteckt und was ich alles anstelle dessen essen kann. Ich habe also angefangen, zu ersetzen. Wenn ich abends nach einem Festle hungrig heimgekommen bin, habe ich nicht a) gefressen oder b) gehungert, sondern c) mir was gutes gemacht, zum Beispiel ein Süppchen, Tomaten mit Avokados, in Weinblätter eingewickelten Reis...und langsam habe ich das Gefühl entwickelt, dass ich alles richtig mache und dass es mir Spaß macht, gut und ausgiebig zu essen, wenn ich hungrig und gewissensfrei bin. Und das bedeutet: wenn ich ein leckeres quiche lorraine essen (ahh, sie schmort gerade im Ofen vor mir habe), dann schlemme ich nicht schon den Tag über. Und ich höre auf, wenn der Spaß aufhört und das ist dann, wenn ich nicht mehr kann. Den Spaß am übermäßig essen habe ich ungefähr vor eineinhalb Jahren endgültig verloren, da habe ich angefangen, Sport zu machen. Im Moment klingt das für dich vielleicht blöd, ich habe mir das auch nie so richtig für mich vorstellen können, aber Sport, den man einfach mal so aus Spaß und nicht um abzunehmen anfängt, bringt echte Glücksmomente. Wenn ich traurig bin, schmeisse ich mich auf mein Fahrrad, mit feiner Musik, und kurve durch die Gegend und ne Stunde später komme ich wieder heim und weiss eigentlich schon gar nicht mehr richtig, was mir gestunken hat. Oder ich gehe laufen, die Luft ist gut, man kommt rum, lernt Gleichgesinnte kennen. Wenn ich was zuviel auf die Waage bringe oder denke, da zwickt was, halte ich mich ein BISSCHEN zurück, esse aber weiterhin nur leckere Sachen, eben weniger, dann pendelt sich das von selbst wieder ein ohne irgendwelche Gelüste aufzuhäufen. Klar, ab und an kommt schon noch mal so eine Fressattacke daher, aber zunehmend selten und in keinem Fall mehr so hochkalorisch, da wird mir viel zu schlecht von, selbst am nächsten Tag liegt mir Schokolade noch beinhart im Magen. Und diese automatische Verweigerung zur Selbstverletzung, da bin ich ziemlich sicher, kommt vom Sport und davon, dass sich mein Körper anders einfach soviel besser anfühlt.
Ich würde dir außerdem raten, wenn du so einen Weg einschlagen willst, dich von der Idee, "wenigstens noch drei Kilo abzunehmen" zu verabschieden, erstmal. Versuch das, was du hast, als gegeben anzusehen, zu schaffen, dass es dir gut geht damit und dass du das Gewicht hälst und du wieder ein Gefühl dafür bekommst, was dir gut tut. Die 3 Kilo klingen vielleicht nach nicht viel, verursachen aber den Zwang, einzusparen, nachzurechnen, Unzufriedenheit und Ungeduld. Wenn du umdenken willst, denke ich, hilft dir das überhaupt nicht. Wenn du erstmal das Gefühl hast, es geht dir gut und du kennst deinen Körper und magst den auch, dann kannst du von da gucken, wie du die 3 oder 5 Kilo so nach und nach los wirst, als Souverän gegenüber deinem Körper, der gewisse Rechte hat.
Keine Ahnung, ob dir das was hilft, ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Glück, mirage

Schwarzer_Tee
08.10.2006, 13:16
Danke für Eure Antworten!!

@illuminate: für mich klingt dein Essverhalten sehr normal :smirksmile: , und ich würde mich freuen wenn meines auch so wäre.

@mirage: vielen vielen Dank für deinen langen Bericht. Vor allem macht es mir Mut zusehen, dass man es schaffen kann aus dem Diätkreislauf auszusteigen.

Sehr gut gefällt mir dein Ansatz, sich etwas GUTES zu gönnen, statt einfach zu fressen oder zu hungern. Auch die Erfahrung mit dem Sport kenne ich, allerdings steht bei mir meistens tatsächlich das Abnehmen als Motivation dahinter. Wenn ich dann das Abnehmen für eine zeit "aufgebe", gebe ich auch den Sport auf.

Der Knackpunkt ist wohl tatsächlich, das Abnehmen aufzugeben. Dieser Gedanke fällt mir aber zugegebener Maßen sehr sehr schwer. Es gibt da einen sehr mächtigen inneren Richter :smirksmile: der ständig sagt, dass es so ja nicht geht. Dabei würde es ja eigendlich schon gehen. Ich bin ja nicht mal übergewichtig.

Vielleicht wird es funktionieren, wenn ich immer mehr mein Augenmerk darauf richte, was mir gut tut, anstatt darauf was schlank macht.
Anfang des Jahres hatte ich eine schlimme magen-darm grippe und hab schnell mal meine besagten 3 Kilo abgenommen. So doof es klingt, aber danach konnte ich tatsächlich mit Genuss essen, weil der Druck weg war. Leider kam ein Kilo wieder drauf, der Druck kam wieder und damit auch die Essattacken.

Drückt mir die Daumen dabei, meine Kilos zuviel einfach mal anzunehmen :smile:

Grüße

Schwarzer_Tee

Inaktiver User
10.10.2006, 08:05
Hi,
also ich habe festgestellt, daß Freßattacken garnicht aufkommen, wenn man jeden Tag Obst in den Speiseplan einbaut. Und wenn´s nur der obligatorische Apfel ist. Eine gute Motivation sind auch die Fit für´s Leben Bücher von H. Diamond.
See you,
Janine