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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TV-TIPP: WUT



Gizmo
29.09.2006, 21:20
Islamkritischer Film wird heute um 22 Uhr (ARD) ausgestrahlt


Alles ist Spiel. Sie können sich mit dem Mörder identifizieren und am nächsten Morgen den Dackel füttern", sagt der deutsche Professor Simon Laub in seiner Vorlesung. Das Spiel beherrscht er, die Sprache der Gewalt nicht, wie sie ihm vom jungen türkischen Gangleader und Drogendealer Can (gespielt von Oktay Özdemir) entgegenschlägt: "Du Hurensohn", "du Schwuchtel", "ich ficke deine Literatur" ... Er könne ihn doch nicht durchprügeln, meint Laub, als Can seinem Sohn Felix die Schuhe wegnimmt, seine Frau erwidert: "Nein, du kannst mit ihm auch den Freiheitsbegriff von Montesquieu diskutieren". Am Ende wird Can von seinem strenggläubigen Vater verstoßen, seinen Terror gegen die Familie Laub bezahlt er mit Ertrinken: im Swimming-Pool der Laubschen Luxuswohnung.

Die ARD befand diese Bestandsaufnahme für nicht jugendfrei. Nach wochenlangen Diskussionen verbannte man den ursprünglich für vergangenen Mittwoch angesetzten Film "Wut" des Regisseurs Züli Aladag aus dem Hauptabendprogramm. Nun ist er um 22 Uhr zu sehen am heutigen Freitag; dass die Mehrzahl türkisch-muslimischer Familien an diesem Tag nicht fernsieht, sondern gemeinsam den muslimischen Sonntag feiert, dürfte erwünscht sein. Verärgert ist der WDR, der den Film produziert und ausdrücklich als "Familienprogramm" vorgesehen hat. Eben weil es um ein Thema geht, das, so WDR-Sprecherin Barbara Feiereis, "die Jugend in Deutschland auf der Straße jeden Tag mitbekommt". Auch eine Fernseh-Diskussion dazu hat man produziert - die ist nun zu nachmitternächtlicher Stunde zu sehen.

Vorauseilende Selbstzensur, wie bei "Idomeneo"? Die ARD verweist auf seine Jugendschutz-Kriterien: "Gewalt in Spielhandlungen" dürfe nicht "als Mittel der Konfliktlösung propagiert werden". In "Wut", dessen Brutalität von deutschen Krimis spielend übertroffen wird, wird aber genau das Gegenteil gezeigt: Can ist tot, die Laubs überleben, aber auf brutal zerbrochenem Fundament. Vor nichts habe er mehr Angst gehabt, als politisch korrekt zu sein, sagt der Regisseur. Wohl deshalb ist Can ein eindimensionales Monster. Trotzdem ist der Film weder unrealistisch noch einseitig. Der puren Gewalt eines Entwurzelten steht das sterile Eigenheim deutscher Gutbürgerlichkeit gegenüber, das nur deswegen so leicht zerfällt, weil jede moralische Grundlage und Lebenskraft abhanden gekommen ist. Sohn Felix verfällt dem starken Can ("Ihr habt mich falsch erzogen", "kein Volk lässt sich so viel bieten wie die Deutschen" ...), der Vater fühlt sich in seiner Männlichkeit gedemütigt, seine Frau wirft ihm Versagen vor. Nichts ist mehr heil in dieser Gesellschaft. Wut macht Angst, Angst macht Wut. Das Einzige, woran man sich am Ende halten kann, ist die Gewissheit: So kann es nicht weitergehen.


Video: Schüler zum Film Wut: "Der Film trifft genau den Nerv!" (auf Start klicken)
http://www.wdr.de/themen/_config_/mediabox/index.jhtml?url=/themen/politik/nrw02/integration/spielfilm/wut/_mo/video_060927_aks.jhtml

Video: Filmausschnitt "Wut" (auf Start klicken)
http://www.wdr.de/themen/_config_/mediabox/index.jhtml?url=/themen/politik/nrw02/integration/spielfilm/wut/_mo/filmausschnitt_wut.jhtml

MaxPower
30.09.2006, 14:09
Islamkritischer Film wird heute um 22 Uhr (ARD) ausgestrahlt


Islamkritisch war der Film im Übrigen nicht und es ging auch garnicht um den Islam...


Der puren Gewalt eines Entwurzelten steht das sterile Eigenheim deutscher Gutbürgerlichkeit gegenüber, das nur deswegen so leicht zerfällt, weil jede moralische Grundlage und Lebenskraft abhanden gekommen ist.

Das bringt den Inhalt auf den Punkt. Es ging nicht um Türke oder Deutsch, sondern im Jugend und Erwachsene. "Wut" nicht wegen der Nationalität, sondern weil die Erwachsenen so sehr emotional verwahrlost waren, daß sie nicht mehr kommunizieren und einander nur noch in infantiler Weise verletzen-und somit faktisch als Personen nicht mehr greifbar, noch glaubhaft sind und den jugendlichen Opfern wie Tätern weder Hilfe noch Grenzen aufzuzeigen vermögen.