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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst ein Hörgerät tragen zu müssen



Kristinna
27.09.2006, 11:31
Hallo,

ich habe vor kurzem durch einen Hörtest erfahren, dass ich auf einem Ohr eine leichte - in manchen Frequenzen schon eine beginnende mittelgradige - Schwerhörigkeit habe. Da ich ja schon immer gewusst habe, dass ich auf einem Ohr schlechter höre und sich das auch in letzter Zeit verstärkt hat, hätte ich eigentlich mit dieser Diagnose rechnen können.

Was mich jetzt allerdings völlig aus der Fassung bringt , ist die Aussicht , wenn nicht jetzt sofort, dann doch in absehbarer Zeit ein Hörgerät tragen zu müssen. Tja und da das andere Ohr auch im Grenzbereich liegt (was mich überrascht hat), ist die Wahrscheinlichkeit nur eines zu benötigen eher gering.

Um da allerdings etwas Genaueres sagen zu können, müsste ich ein Gerät testen. Aber dazu kann ich mich momentan einfach nicht überwinden. Ich beschäftige mich jetzt schon seit Wochen nur noch mit dem Thema "Hören". Auf jeder Veranstaltung schaue ich den Leuten auf die Ohren, in der Hoffnung, jemanden in meinem Alter mit einem Hörgerät zu entdecken. Aber Fehlanzeige.

Obwohl mir mein Verstand sagt, die Sache nicht mehr lange rauszuzögern, da ich doch schon in manchen Situationen Probleme mit dem Verstehen habe, überwiegen immer wieder die Argumente doch noch zu warten.

So langsam komme ich mir schon richtig bescheuert vor und denke, wenn das so weiter geht, bin ich bald ein Kandidat für die "Couch".

Kann mir evtl. jemand von Euch Tipps geben, wie ich die Sache irgendwie in Angriff nehmen kann? Oder vielleicht hat jemand so eine Situation selbst schon erlebt.

Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Kristinna

Inaktiver User
27.09.2006, 13:08
Meine Assistentin hat auch eines, und: nö, die Dinger sind heute so klein, man sieht überhaupt nichts, außer, Du kriechst den Leuten unter die Frisur *lach*.

Sie hat erzählt, es war ganz unkompliziert, nach einer Eingewöhnungszeit von ca. 2 - 3 Wochen ist es so, wie wenn nie was anderes gewesen wäre. Und die Lebensqualität, die sie nun hat, macht alles mehr als wett!

Wovor hast Du Angst? Daß man es sieht? Daß Du nicht zurecht kommst? Ich glaub, da kann ich Dich beruhigen. Beides lief klasse.

Alles Gute!
One

PS: Ist in etwa so wie bei einer Brille oder Kontaktlinsen, nicht mehr.

Mikki
02.10.2006, 23:02
Liebe Kristinna,

ich kann dich beruhigen, es ist wirklich nicht schlimm. Das "schlimmste" an einem Hörgerät ist das Überwinden der eigenen Hemmschwelle und zu akzeptieren, dass es einfach notwendig sein mag. Nicht ist unsexier als permanent nachzufragen, falsch zu verstehen oder sich durch Mißverständnisse "zum Deppen" zu machen. Ein Hörgerät, egal ob im Ohr oder hinter-dem-Ohr kannst du wunderbar hinter der Frisur verstecken. Aber weißt du, eigentlich brauchst du es noch nicht mal zu verstecken, denn die Brille bei Hörschwäche wird ja auch nicht versteckt.

Ich habe gemerkt (ich trage 2 Hörgeräte), dass die Menschen viel lockerer mit den Geräten umgehen, sofern ich versuche loccker damit zu sein. Die Geräte ersparen mir das peinliche Nachfragen und lassen mich stressfrei am sozialen Leben teilhaben. Ohne Geräte ist es mittlerweile schwierig für mich.

Also, nur Mut! Such dir einen Hörgeräterakustiker und trage mal probeweise eines. Es ist toll, was man dann alles wieder mitgekommt.

Liebe Grüße
Mikki

NormaL
02.10.2006, 23:43
Hi,
ich trage eins dieser Teile seit mehr als 20 Jahren und das zweite seit 5 Jahren ab und an.
Ich finde diese Teile genauso lästig wie meine Brille bzw. Kontaktlinsen.:knatsch:
Die Brille muß ich ständig putzen und bei den Hörgeräten ist im unpassenden Moment immer die Batterie alle.
Die Kontaktlinsen "kneifen" in verqualmten Kneipen und der Wind ist unangenehm laut, wenn er über das Mikro der Hörgeräte streicht, außerdem fangen die Teile zu fiepen an, wenn ich vorm Fernsehr einschlafe und mein Ohr das Sofakissen berührt und schwimmen kann ich auch nicht mit ihnen. :niedergeschmettert:

Fang nicht zu spät mit den Hörgeräten an, denn wenn Du zu lange wartest, musst Du Dich später an einige Geräusche neu gewöhnen, da Du sie lange nicht mehr gehört hast und Dein Gehirn sich wieder dran gewöhnen muß, diesen "Lärm" in den Hintergrund zu drängen.

finn
13.10.2006, 16:59
Hallo Kristinna,

ich kann dir auch nur dazu raten: WARTE nicht zu lange.
Meine Schwester hat Jahre gewartet! Weil es ihr peinlich ist, ein Hörgerät zu tragen.
Sie hat ihre Hörbehinderung von Geburt an. Unsere Eltern haben es versäumt, frühzeitig meiner Schwester die Möglichkeit zu geben, besser zu hören, besser sich in Gruppen/Freunde zu integrieren und vor allen Dingen eine gute Aussprache zu haben.
Man grenzt sich selbst damit aus. Irgendwann ist es ihr auch unangenehm gewesen ständig nachzufragen; vom Fernsehen hatte sie auch nie viel mitbekommen.
Was ist das für eine Lebensqualität?

Jetzt mit 28 Jahren hat sie, dank unserem geschwisterlichen Einsatz, die Hürde genommen. Von dem Hörgeräte-Geschäft bekam sie 3 Geräte, die auf sie abgestimmt wurden, für ein paar Wochen zum Testen ausgeliehen.
Mit den neuen, lauten, ungewohnten Geräusche tat sie sich sehr lange schwer. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass sie das gemacht hat. Es wäre auch schön, wenn sie jetzt noch an Selbstvertrauen und -bewußtsein gewinnen würde.

diadora
22.12.2006, 14:58
Hallo Kristina,

ich kann Deine Sorgen verstehen, ich trage seit über einem Jahr zwei Hörgeräte, wenn ich heute ein Foto von mir sehe, dann sehe ich sofort die Hörgeräte. Ich mag sie auch nicht besonders und teuer waren sie auch.
Trotzdem: Ich habe zu lange gewartet und wäre heute vielleicht nicht so schwerhörig wie ich jetzt bin. Am Anfang habe ich auch noch sehr "allergisch" gegen Reaktionen wie "das hat ja schon was von einer Behinderung". Ich habe mich auch von zwei Freudinnen getrennt, weil es mich wirklich getroffen hat. Meine Familie, mein Mann, meine Freunde und mein Kollege haben mich unglaublich unterstützt in der ersten Zeit. Meine Familie finanziell und die anderen moralisch und ich muss eines ganz ehrlich gestehen: Mein Leben ist seitdem wertvoller. Hört sich jetzt vielleicht etwas phatetisch an, aber ich habe Geräusche gehört, die ich nicht kannte und die wunderschön sind.
Am Anfang war ich ziemlich unsicher, weil ich einige Geräusche nicht zuordnen konnte, aber die Menschen um mich herum war so sensibilisiert, dass sie ohne weiteres herumreden einfach nur gesagt haben, was es ist.
Ich kann jedem nur empfehlen, frühzeitig ein oder zwei Geräte zu nehmen, weil mit Warten macht man es nur schlimmer.
Und heute gehe ich auch ziemlich gelassen damit um. Wenn mich jemand drückt und die Dinger übersteuern (sie pfeiffen dann), dann sag ich immer "Wenn Du einen Teddybären drückst, dann brummt er, wenn Du mich drückst, pfeiffe ich" - und ich würde sie nicht mehr hergeben - "hören" ist toll!!
Liebe Grüße
Diadora

Inaktiver User
27.12.2006, 15:52
Hallo Kristina,

stell Dir vor, Du antwortest auf die Frage "Willst du auch ein Stück Kiwi?" mit "Wie? Dir tut das Knie weh?" . Ja nun, das passiert bei Schwerhörigkeit. Man nimmt schließlich nicht mehr am normalen Leben teil. Ist ein ernstes Risiko im Straßenverkehr. Hört weder Fahrradklingel noch Martinshorn. Oder vereinsamt völlig, wie mein Opa, der zwar ein Hörgerät hat, es aber nicht benutzt.

Wie hier schon gesagt wurde: Ein Hörgerät ist kein Eimer, den man am Ohr baumeln hat. Das sieht man gar nicht! Und technisch sidn die Dinger heute so ausgereift, dass Du wirklich eine Verbesserung hast udn nicht einfach ein Laut-Hören aller Geräusche in Deiner Umgebung. Probier es aus! Ich kann Dich nur ermutigen.

Liebe Grüße
Blümchen

Inaktiver User
28.12.2006, 16:00
Mäusleins, die Threaderöffnerin antwortet seit Wochen nicht. Schade drum. Ich glaube nicht, daß irgendwas, was wir sagen, ankommt.

Inaktiver User
28.12.2006, 21:12
schade eigentlich, hab den thread heute entdeckt und hätte auch was dazu sagen wollen *seufz*

Lizzie64
28.12.2006, 22:45
schade eigentlich, hab den thread heute entdeckt und hätte auch was dazu sagen wollen *seufz*

das kannst du doch trotzdem tun! :blumengabe:

Inaktiver User
29.12.2006, 05:25
das kannst du doch trotzdem tun! :blumengabe:na gut... ich trag selbst ein Hörgerät (auf einem ohr sogar taub bzw. ein Hörgerät nützt leider nichts mehr).. meine hörgeräteakkustikerin sagt, dass es völlig normal ist, dass menschen, die später schwerhörig werden, probleme haben mit hörgeräten, sogar angst haben davor und dass es natürlich eine umstellung ist. ich hab mit ihr letztens darüber geredet, als ich mein neues hörgerät angepasst bekommen habe.
kann mich auch errinnern, dass in der schule sogar einige ihre hörgerät nicht getragen haben, was natürlich sehr nachteilig auf ihre schulleistung auswirkte.. es ist sicherlich eine umstellung und bei der hörgeräteanpassung klappt auch nicht alles auf anhieb (obwohl ich inzwischen 22 jahre eins trage, hat es dieses jahr halbes jahr gedauert, bis ich eins bekommen habe, womit ich auf anhieb zurecht komme, aber ich weiß ja worauf ich achten muss)

bei mir wars als kind so (war die ersten lebensjahre normal hörend), dass meine eltern schwierigkeiten hatten, mir nachts die hörgeräte rauszutun, da ich sie nie mehr raustun wollte, aus freude wieder etwas zu hören (war sozusagen paar monate völlig taub, weils keiner gemerkt hat).
es ist keine schande eins zutragen und ich geh auch sehr offen damit um.. hatte höchstens im berufleben ein bisschen schwierigkeiten, weil ich auf einmal telefonieren musste, was ich vorher selten getan habe (da hatte ich immer panik, wenn das telefon läutete..)

wie eine vor mir sagte: es ist wie brille tragen (und ich muss auch zugeben, meine brille trag ich im moment ungern :ooooh: , weils drückt etc.. seufz muss mich zwingen sie regelmäßig zu tragen, habs noch nicht lang)