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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Emanzipation als kulturelles Phänomen



Inaktiver User
22.09.2006, 11:24
Gestern abend stieß ich beim Durchzappen des Fernsehprogramms auf ein Gespräch zwischen einer Reporterin und ein paar jungen Männern mit Migrationshintergrund.

Sie fragte die Jungs, was sie denn tun würden, wenn ein Mann ihre Schwester anmachte. Der erste sagte: Ich würde erst mal schauen, wie sie reagiert. Wenn sie zurückflirtet, würde ich auf sie losgehen. Frage der Reporterin: warum auf sie und nicht auf den Mann? Antwort: Ich kann diesen Kerl schon verstehen, dass er Frauen anmacht, ich bin ja auch in dieser Situation. Aber ich muss darauf achten, dass meine Schwester da nicht darauf eingeht. Ein anderer sagte: also ich würde da gleich mal zuschlagen.

Als die Reporterin fragte, ob sie selbst denn auch keusch lebten, fingen sie an zu lachen: Nein, wirklich nicht, wozu auch?? Sie hatten fast alle Freundinnen.

Auf die Frage, ob sie es denn nicht ungerecht fänden, wenn sie selbst zwar unehelichen Sex haben dürften, nicht aber ihre Schwestern, guckten sie sich ganz verblüfft an. Keiner von ihnen fand eine logische Begründung für diesen Sachverhalt, aber sie waren sich alle einig: Das ist nun mal so, daran kann man nichts ändern, das muss man akzeptieren. Auf die Idee, dass daran etwas nicht stimmen könnte, kamen sie überhaupt nicht.

Für sie ist es völlig selbstverständlich, die sexuelle Bereitwilligkeit der einheimischen Frauen gerne in Anspruch zu nehmen. Geht es ans Heiraten, wird die Freundin eben entsorgt, schließlich will mann dann eine Jungfrau haben. So eine wie seine Schwester, die er vorher wie eine Leibeigene bewachte.

Ich finde es amüsant, dass wir hier ellenlang über Emanzipation und alle möglichen "Behinderungen" diskutieren, die Tatsache aber, dass sie auch in Europa je nach kulturellem Hintergrund kaum oder gar nicht vorhanden ist, völlig außer Acht lassen.

Man könnte das als Eigenheiten bestimmter kultureller Milieus abtun - wären die vorehelichen Freundinnen solcher Männer auch aus ihrem Kulturkreis. So aber schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: für ihr sexuelles Vergnügen haben sie genügend Auswahl ohne Verpflichtungen in der liberalen Mehrheitsgesellschaft und daheim halten sie sich eine Leibeigene, die ihre Kinder bekommt.

lordsofmidnight
22.09.2006, 11:33
Gerade für Migranten aus anderen Kulturkreisen gelten "eigene Gesetze". Dabei ist das verbriefte Recht oft egal, denn Sitten, Gebräuche und Traditionen stehen höher im Wert.
Ist in manchen ländlichen Gegenden Deutschlands auch noch zu sehen, wo "man sich nicht scheiden läßt". Auch dort "gehört sich sowas nicht", teilweise auch weil es sozialen Druck gibt.

Inaktiver User
22.09.2006, 12:51
Hey, kenne ziemlich viele Leute aus dem arabischen Kulturkreis - Verwandtschaft in weiterem Sinne - und kann da ähnliches berichten:
Als junger Student war ich mal bei einer auf Grund der politischen Situation in ihrem Heimatland gerade immigrierten Familie eingeladen, die hatten mehrere Kinder, zwei davon auch im Alter von jungen Erwachsenen, unterschiedliches Geschlecht.
Ich habe mich eigentlich auch mit der Frau unterhalten wollen und merkte erst nach einiger Zeit, dass der Grund, weswegen mir immer ihr Bruder antwortete und diese Frau mich nur freundlich, aber bestimmt abweisend anlächelte, darin lag, dass ich mich in beider Augen völlig unschicklich verhielt.

Die junge Frau von damals ist übrigens heutzutage verheiratet, keine Leibeigene. Auch die jungen Männer hatten keineswegs alle Freiheiten der Welt, für die Familie waren sie verpflichtet, Persönliches zum Beispiel weit zurückzustellen ( vielleicht auch die deutsche Freundin ? Aber das ist nur Spekulation. ) ...

Mal einfach so dahingestellt ... ich glaube, das Bild, die jungen Männer erlauben sich alles, die Frauen werden eingesperrt, welches die Reporterin zeichnen wollte, ist zu einfach.

Inaktiver User
22.09.2006, 13:05
Danke für deine interessante Schilderung, Mnn.

Ich könnte mir vorstellen, dass das "Geben und Nehmen" innerhalb eines Kulturkreises durchaus ausgewogener sein kann, als uns das von außen gesehen erscheinen mag. Sprich: die persönlichen Verpflichtungen innerhalb der Familie sind für alle verbindlich.

Was mich mehr verblüffte, war sozusagen das "Interkulturelle". Oft ist es ja so, dass in Migrantenfamilien zwar eine große Verbindlichkeit innerhalb des "Clans" besteht, aber kaum eine gegenüber der Gesamtgesellschaft. Während die Familien im Inneren streng darauf achten, dass sich jeder an seine Rolle hält, scheinen sie sich oft wenig darum zu kümmern, was ihre Mitglieder im "Außenraum" der Gesamtgesellschaft so treiben.

Oder werden die jungen Männer innerhalb des Clans zur Rede gestellt, wie sie sich gegenüber jungen deutschen Frauen verhalten? Das Verhalten vieler junger Migranten gegenüber Mädchen ihres eigenen Kulturkreises ist oft sehr anders als gegenüber deutschen Frauen.

Wird in den Familien darüber gesprochen, dass es unfair ist, die deutsche Freundin einfach fallen zu lassen, weil man zwar mit ihr ins Bett geht, aber eine Jungfrau möchte, wenn es ums Heiraten geht? Oder herrscht da eher die Ansicht: sie wollen es ja so?

JanaFreese
22.09.2006, 13:15
Wird in den Familien darüber gesprochen, dass es unfair ist, die deutsche Freundin einfach fallen zu lassen, weil man zwar mit ihr ins Bett geht, aber eine Jungfrau möchte, wenn es ums Heiraten geht? Oder herrscht da eher die Ansicht: sie wollen es ja so?

Keine Ahnung.

Was wird denn in den Familien der deutschen Freundinnen gesprochen? Vielleicht spiegelbildlich dasselbe? Oder auch gar nicht? War die Reporterin da auch?


All the Best
Jana

Inaktiver User
22.09.2006, 13:30
Keine Ahnung.

Was wird denn in den Familien der deutschen Freundinnen gesprochen? Vielleicht spiegelbildlich dasselbe? Oder auch gar nicht? War die Reporterin da auch?


All the Best
Jana
Nein, meines Wissens war die Reporterin da nicht.

Die Frage war an Mnn gerichtet, Jana, weil er offenbar eine Ahnung hat.

JanaFreese
22.09.2006, 13:38
Oops, sorry. Wieder nur 80% gelesen und alles durcheinander geworfen.


All the Best
Jana

Inaktiver User
22.09.2006, 13:56
Was mich mehr verblüffte, war sozusagen das "Interkulturelle". Oft ist es ja so, dass in Migrantenfamilien zwar eine große Verbindlichkeit innerhalb des "Clans" besteht, aber kaum eine gegenüber der Gesamtgesellschaft. Während die Familien im Inneren streng darauf achten, dass sich jeder an seine Rolle hält, scheinen sie sich oft wenig darum zu kümmern, was ihre Mitglieder im "Außenraum" der Gesamtgesellschaft so treiben.
Das ist so, und es ist sogar bei den jüngeren Kindern schon sehr auffällig - dieselben halbwüchsigen jungen Männer, die auf der Strasse rotzfrech und halb asozial auftreten, haben ein perfekt sozialisiertes Auftreten, wenn man ihnen z.B auf einer Hochzeit im Kreis der Familie begegnet - meistens zwei- bis dreihundert Leute.



Oder werden die jungen Männer innerhalb des Clans zur Rede gestellt, wie sie sich gegenüber jungen deutschen Frauen verhalten? Das Verhalten vieler junger Migranten gegenüber Mädchen ihres eigenen Kulturkreises ist oft sehr anders als gegenüber deutschen Frauen.

Wird in den Familien darüber gesprochen, dass es unfair ist, die deutsche Freundin einfach fallen zu lassen, weil man zwar mit ihr ins Bett geht, aber eine Jungfrau möchte, wenn es ums Heiraten geht? Oder herrscht da eher die Ansicht: sie wollen es ja so? Solche Einblicke habe ich da nun nicht, vor allem, weil ich mit dieser Familie nur in Kontakt bin, weil eben ein junger Mann mal nicht seine deutsche Freundin hat fallen lassen :zwinker:.
Und ob da die Jungfräulichkeit wirklich soooo entscheidend ist, weiss ich nun auch nicht. Es ist ja zum Beispiel durchaus so, dass bei Heirat durch Aushandelung der Familienoberhäupter eine Zahlung für den Scheidungsfall festgesetzt wird - das gibt es dort auch. Und geschiedene Frauen können und dürfen auch neu heiraten, die sind ja auch keine Jungfrauen mehr.
Deswegen würde ich eher sagen, dass es nicht so sehr auf Jungfräulichkeit ankommt, sondern darauf, seiner Familie keine Schande zu machen, also auf Ehrbarkeit - Sex/Kontakt mit jungen Männern findet für Frauen eben nur in der Ehe/unter Aufsicht statt, alles andere ist für Frauen schädlich (!) und Männer, die dies zulassen, sind Schlappschwänze.

Die jungen deutschen Frauen, die dann oft noch gerade des unverstellten Machismo dieser jungen Männer wegen deren Gesellschaft suchen, fallen halt auf allen Ebenen durch das Raster durch, welches für "schickliches" Verhalten gilt - dabei achten die Familien, die schlicht in Person ihrer Familienoberhäupter ( und mit Beteiligung der Frauen ) entscheiden, wer wen heiratet, durchaus auch darauf, ob die Brautleute zusammenpassen.

Auf jeden Fall sind die jungen Männer garnicht frei, eine sich "wie eine Nutte" verhaltende deutsche Freundin zu heiraten - auch wenn es vielen vielleicht stinkt.

Dass das Ganze tatsächlich auch in Machtausübung/Machtmissbrauch umschlagen kann, glaube ich gerne - aber ist das vielleicht nicht eher das Verhalten von Leuten, die dann auch noch sozial abgeschlagen sind ?

Na ja, keine Ahnung, hier verlassen sie mich denn :smile: .... habe ja keine Feldstudien gemacht, nicht wahr :ahoi:.

Grüße, mnn

Cariad
22.09.2006, 14:00
Wenn es nicht um Jungfräulichkeit geht, warum ist es für Männer nicht schädlich und unehrbar, mit einem deutschen Mädchen Kontakt zu haben? :wie?:

Grüße, Cariad

Cariad
22.09.2006, 14:09
Alles in allem muss man sagen: Die Einstellung "Männer dürfen, und Frauen dürfen nicht", die gab es ja im westlich-christlichen Kulturkreis bis vor wenigen Jahren auch noch.

Mal wieder ein paar feministische Literaturhinweise zu diesem Thema:
Irmgard Keuns "Kunstseidenes Mädchen" hat sich in den 30er Jahren damit geplagt.
Sylvia Plaths Heldin aus "The bell jar/Die Glasglocke" ist in den 60er Jahren daran fast zugrunde gegangen.

Grüße, Cariad

Vyras
22.09.2006, 14:21
Irmgard Keuns "Kunstseidenes Mädchen" hat sich in den 30er Jahren damit geplagt.
Wobei diese Plage ja eigentlich nur eine Suche ist nach dem Mann, der das maximale Vergnügen bei maximaler Freigiebigkeit ermöglicht. So habe ich diese Geschichte jedenfalls empfunden.

Inaktiver User
22.09.2006, 14:26
Deswegen würde ich eher sagen, dass es nicht so sehr auf Jungfräulichkeit ankommt, sondern darauf, seiner Familie keine Schande zu machen, also auf Ehrbarkeit - Sex/Kontakt mit jungen Männern findet für Frauen eben nur in der Ehe/unter Aufsicht statt, alles andere ist für Frauen schädlich (!) und Männer, die dies zulassen, sind Schlappschwänze.

Die jungen deutschen Frauen, die dann oft noch gerade des unverstellten Machismo dieser jungen Männer wegen deren Gesellschaft suchen, fallen halt auf allen Ebenen durch das Raster durch, welches für "schickliches" Verhalten gilt - dabei achten die Familien, die schlicht in Person ihrer Familienoberhäupter ( und mit Beteiligung der Frauen ) entscheiden, wer wen heiratet, durchaus auch darauf, ob die Brautleute zusammenpassen.

Auf jeden Fall sind die jungen Männer garnicht frei, eine sich "wie eine Nutte" verhaltende deutsche Freundin zu heiraten - auch wenn es vielen vielleicht stinkt.

Danke für deine ausführliche Antwort, Mnn.

Ich denke, das ist nicht so weit von dem entfernt, was auch mal für Frauen in unserem Kulturkreis galt.

Und es waren - neben den beruflichen Möglichkeiten - auch und gerade diese Punkte der persönlichen und sexuellen Selbstbestimmung, die zu den Zielen der Frauenbewegung gehörten. Also die Möglichkeit, den Partner ohne Erlaubnis der Familie auszusuchen und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Ächtung die weibliche Sexualität genauso frei leben zu können wie die männliche.

Die jungen deutschen Frauen leben diese Freizügigkeit ganz selbstverständlich und finden - wie du schreibst - den Machismo anderer Kulturen auch noch ganz sexy. Ob sie begreifen, auf welches kulturelle Mißverständnis sie sich da einlassen? Oder sind sie so "emanzipiert", dass sie die Männer auch nur als F...beziehung sehen?

An diesen kulturellen Bruchstellen zeigt sich jedenfalls, wie sehr alle gesellschaftlichen Errungenschaften an die Gesamtgesellschaft gebunden sind. So wie die Demokratie nur dann funktioniert, wenn sie auch von den Mitgliedern der Basis akzeptiert und gelebt wird, so sehr hängen emanzipatorische Ideale davon ab, dass eine Mehrheit sie mitträgt.

Und es zeigt auch, wie notwendig ein rechtlicher Rahmen ist, der die Gleichstellung garantiert, auch wenn sie von manchen gar nicht in Anspruch genommen wird.

Inaktiver User
22.09.2006, 14:27
@Cariad:
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund - das hat garnix mit Deutsch/Nichtdeutsch oder Religion zu tun, sondern mit Ungleichzeitigkeiten.

Trotzdem haben Männer anscheinend mehr Macht und die wird halt dann besonders aggressiv verteidigt, wenn es die letzte Bastion ist, die ihnen bleibt ... aber ob die Familienherrschaft über junge Männer weniger drakonisch ist, wage ich zu bezweifeln. Die Tatsache, dass sie sich ein paar sexuelle Abenteuer erlauben dürfen - die aber bitte nicht in der Familie vorstellen -, halte ich da eher für einen ziemlich armseligen Ersatz für selbstbestimmtes Leben.

Aber Deine Bücher kenne ich nicht ....

@Pia:
Ja, stimme Dir zu - aber mal was anderes, ich überlege ja schon die ganze Zeit, ob ich nicht bei dem BrigitteTeam die Einführung der Funktion "Eigene Signatur ignorieren" vorschlage :zahnschmerzen: ...

Grüße, mnn

Eva39
22.09.2006, 14:35
Ich möchte Euch zu diesem Thema etwas aus unserem Kulturkreis erzählen, was noch nicht sooo lange her ist.

Die Freundin meiner Mutter wurde vergewaltigt als sie 16 Jahre alt war. Der Vergewaltiger war ein angesehener Mann im Dorf. Der katholische Pfarrer sprach mit ihr und drängte sie darauf, in ein Kloster zu gehen. Da ist sie heute noch. Der Mann, der sie vergewaltigt hat, wurde nie bestraft.

Ich finde diese Geschichte sehr traurig.

Cariad
22.09.2006, 14:46
Wobei diese Plage ja eigentlich nur eine Suche ist nach dem Mann, der das maximale Vergnügen bei maximaler Freigiebigkeit ermöglicht. So habe ich diese Geschichte jedenfalls empfunden.

Die Geschichte ist natürlich zwiespältig, weil Keun ihre Heldin bewusst naiv darstellt. Sie will sich aus ihrer Schicht befreien und sieht keinen anderen Weg, als sich eben an reiche Männer heranzuwerfen. Gleichzeitig möchte sie ihr Leben auch sexuell genießen und erkennt zu spät, in welche Richtung das führt.

Jedenfalls stammt daraus das Zitat: "Männer dürfen, und Frauen dürfen nicht". Und die bauernschlaue Doris fragt sich sofort: "Wie sollen die Männer ihr Dürfen ausüben ohne Frauen?"

Im Deutschland der 30er Jahre übten die Männer ihr "dürfen" mit ohnehin gefallenen Mädchen wie Doris aus. Dasselbe tun wohl die Männer mit Migrationshintergrund heute hier mit den Deutschen. Und die sind am Schluss die Dummen. Insofern passt das kunstseidene Mädchen eigentlich ganz gut als Beispiel.

Grüße, Cariad

Inaktiver User
22.09.2006, 14:51
@Cariad:
Wieso sind sie die Dummen ? Sie können doch heutzutage ihr Geld selber verdienen/"ihrer Schicht" selber entkommen und haben einfach nur "gedurft".

Cariad
22.09.2006, 14:56
Naja, die Dummen sind sie dann, wenn sie eben mehr erwartet haben als das pure Dürfen, eine Beziehung mit Zukunft zum Beispiel (ganz unabhängig von Schicht und Einkommen).

Ich denke, über die Fälle, bei denen beide einfach ein paar Monate Spaß hatten und sich dann einvernehmlich trennen, müssen wir hier nicht reden. :smirksmile:

Grüße, Cariad

Vyras
22.09.2006, 15:00
Die Geschichte ist natürlich zwiespältig, weil
[...]
Im Deutschland der 30er Jahre übten die Männer ihr "dürfen" mit ohnehin gefallenen Mädchen wie Doris aus. Dasselbe tun wohl die Männer mit Migrationshintergrund heute hier mit den Deutschen.
Bis hierhin gehe ich mit.



Und die sind am Schluss die Dummen. Insofern passt das kunstseidene Mädchen eigentlich ganz gut als Beispiel.
Inwieweit sind die am Schluss die Dummen? Doris hat von den Männern, die an ihr ihr Dürfen praktiziert haben, recht lange recht gut gelebt. Was will sie mehr? Arbeiten will sie ja nicht, weil sie sich dafür zu schade ist und nicht werden will, wie Therese, die "vertrocknet und siebenunddreißig" geworden ist. Also sucht sie sich irgendeine "Großindustrie", die auch zum Sex taugt, und erhofft sich von dem die Erfüllung ihrer Träume, bis das dann irgendwann schiefläuft.

Doris ist nicht am Schluss die Dumme, sondern wenn überhaupt, die ganze Zeit über.

Cariad
22.09.2006, 15:04
Sie hat "recht lange gut gelebt"? Wir müssen ein anderes Buch gelesen haben. :smirksmile:

Dass sie vermutlich von Anfang an die Dumme war - weil sie mit ihrer Einstellung und ihren Hoffnungen keine Chance hatte - das stimmt natürlich.

Natürlich ist sie gerade keine "Emanze", die um ihr Recht am großen Kuchen kämpfen möchte. Sie versucht statt dessen, sich durchzumogeln, und das klappt eben nicht. Und am Ende ist sie in demselben Unterschichtsmief angekommen, dem sie entfliehen wollte.

Grüße, Cariad

Inaktiver User
22.09.2006, 15:05
@Cariad:

Naja, die Dummen sind sie dann, wenn sie eben mehr erwartet haben als das pure Dürfen, eine Beziehung mit Zukunft zum Beispiel (ganz unabhängig von Schicht und Einkommen).
Nun, gut, aber es gibt ja nicht sowas wie ein emanzipatorisches Recht darauf, dass andere zur Erfüllung der eigenen Lebensvorstellungen zur Verfügung stehen, nicht wahr ?
Auch wenn es sich in Büchern wie "Der Tod des Märchenprinzen" anders liest :zwinker:.

Oder, mal anders gesagt, wenn sie wirklich eine Beziehung mit einem Menschen aus einem fremden Kulturkreis eingehen wollten, dann müssen sie halt ihr Verhalten entsprechend anpassen, genauso, wie ihr Triebziel Kompromisse wird finden müssen. Denk' ich mir so ....

Grüße, mnn

Vyras
22.09.2006, 15:22
Sie hat "recht lange gut gelebt"? Wir müssen ein anderes Buch gelesen haben.
Gelesen hab' ich's auch nicht. Nur gehört als Hörbuch.

Aber stimmt doch. Sie reisst sich irgendeinen Börsenschwindler auf, kauft sich von dessen Geld eine Krokodilledertasche und andere Luxusgüter und freut sich stundenlang, einfach des Vergnügens wegen mit dem Taxi durch Berlin zu fahren.

All das hätte sie mit ihrem Intellekt durch ehrliche Arbeit nie erreicht. Irgendwann wurde der dann in Handschellen abgeführt, dann geht sie halt zum Nächsten.

Um mal auf das "Männer dürfen und Frauen nicht" zurückzukommen. Inwieweit geht es denn einem Mann aus ihrer Schicht besser? Was wäre die Geschichte von Doris' Bruder? Der wäre nicht von Gütersloh(?) nach Berlin, sondern nach Essen, Bottrop, Wanne-Eikel oder so gezogen und hätte sich während Doris in Berlin mit ihrer Krokodilledertasche Taxi fährt, unter Tage oder am Hochofen den Buckel krumm geschuftet. Und wenn er das ohne signifikanten Schaden überstanden hätte, wäre er in Stalingrad verhungert oder erfroren oder dergleichen. Ich bezweifele, dass das Schicksal der Männer aus dieser Schicht wirklich besser war, als das von Doris.

Das ganze ist kein "Männer dürfen und Frauen nicht" sondern ein "Reiche dürfen, Arme nicht".

Inaktiver User
22.09.2006, 15:33
@Pia:
Ja, stimme Dir zu - aber mal was anderes, ich überlege ja schon die ganze Zeit, ob ich nicht bei dem BrigitteTeam die Einführung der Funktion "Eigene Signatur ignorieren" vorschlage :zahnschmerzen: ...

Grüße, mnn
Ja, der Vorschlag ist nicht schlecht.
Ich finde es auch immer peinlich, wenn ich meine Signatur lese :freches grinsen:

Vielleicht sollten wir eine einträchtige Löschung in Erwägung ziehen... :cool:

Inaktiver User
22.09.2006, 15:43
Ok, ich darf meine Signatur streichen, Du darst die Farbe Deiner von Rot nach Lila ändern :blumengabe: ....

Inaktiver User
22.09.2006, 15:44
Ich möchte Euch zu diesem Thema etwas aus unserem Kulturkreis erzählen, was noch nicht sooo lange her ist.

Die Freundin meiner Mutter wurde vergewaltigt als sie 16 Jahre alt war. Der Vergewaltiger war ein angesehener Mann im Dorf. Der katholische Pfarrer sprach mit ihr und drängte sie darauf, in ein Kloster zu gehen. Da ist sie heute noch. Der Mann, der sie vergewaltigt hat, wurde nie bestraft.

Ich finde diese Geschichte sehr traurig.

Solche Geschichten gab es viele. Üblich war auch, dass der Bauer sich über seine jungen Mägde hermachte. Wurden sie schwanger, vertrieb man sie vom Hof. Oder der Bauer war "gnädig" und "duldete" den "Bastard" am Hof, wo er als herumgeschubste unbezahlte Arbeitskraft an der untersten Stelle der Hierarchie dahinvegetierte.



Im Deutschland der 30er Jahre übten die Männer ihr "dürfen" mit ohnehin gefallenen Mädchen wie Doris aus. Dasselbe tun wohl die Männer mit Migrationshintergrund heute hier mit den Deutschen. Und die sind am Schluss die Dummen. Insofern passt das kunstseidene Mädchen eigentlich ganz gut als Beispiel.

Grüße, Cariad
Allerdings üben die Männer mit Migrationshintergrund ihr "dürfen" nicht mit "gefallenen Mädchen" aus, sondern mit ganz normalen Durchschnittsmädchen. Im Gegensatz zum Durchschnittsmädchen der 30er Jahre, das sich sehr wohl bewußt war, dass es seinem "Marktwert" bei einem "seriösen Bewerber" schadet, wenn es ein zu wildes Vorleben hat, sehen das die meisten jungen Frauen heute gar nicht mehr so.

Wenn sie "die Dummen" sind, haben sie das vorwiegend ihrer eigenen Dummheit zu verdanken. Man möchte ihnen gelegentlich ein wenig mehr "interkulturelle Kompetenz" wünschen. :smirksmile:

Inaktiver User
22.09.2006, 15:49
Ok, ich darf meine Signatur streichen, Du darst die Farbe Deiner von Rot nach Lila ändern :blumengabe: ....

Sehr großzügig, Herr Administrator, da sieht man gleich, wer hier die Hosen anhat.....:cool::ooooh:

Inaktiver User
22.09.2006, 15:59
Hach, so unbesigt und -host fühl ich mich doch gleich wohler.

Schöne Grüße, mnn

Karin11555
22.09.2006, 16:12
Schade!

Übrigens "Ich bin ein Mann", musst Du das eigens erwähnen? :wie?: :freches grinsen:

Inaktiver User
22.09.2006, 16:49
Hach, so unbesigt und -host fühl ich mich doch gleich wohler.

Schöne Grüße, mnn

Schade!

Übrigens "Ich bin ein Mann", musst Du das eigens erwähnen? :wie?: :freches grinsen:
Tja, Karin, wenn er jetzt eine Webcam hätte, könnten wir das feststellen....:freches grinsen: :freches grinsen:

Inaktiver User
22.09.2006, 19:26
@Pia, Karin:
Mädels, hier noch ein Erinnerungsbild für Euch (http://www.mack-jeans.de/images/Grusskarten/G_Hose_runter.gif) :blumengabe:.

Aber jetzt nicht den Monitor ablecken :freches grinsen: ...

Inaktiver User
22.09.2006, 19:33
@Pia, Karin:
Mädels, hier noch ein Erinnerungsbild für Euch (http://www.mack-jeans.de/images/Grusskarten/G_Hose_runter.gif) :blumengabe:.

Aber jetzt nicht den Monitor ablecken :freches grinsen: ...

Immer diese geschmacklosen Krawatten! :pc kaputt:
Ich finde "Mascherl" viel schöner :blumengabe:

Karin11555
22.09.2006, 21:12
Immer diese geschmacklosen Krawatten! :pc kaputt:
Ich finde "Mascherl" viel schöner :blumengabe:

Ach, das ist ne Krawatte!!!! :erleuchtung:

Ich dachte schon :ooooh:

Inaktiver User
22.09.2006, 22:14
Zumindest weiss ich jetzt, weshalb ein gewisser Herr von Mascherl auf Krawatte umgestiegen ist! :freches grinsen:
Colonna

Inaktiver User
23.09.2006, 07:36
Zumindest weiss ich jetzt, weshalb ein gewisser Herr von Mascherl auf Krawatte umgestiegen ist! :freches grinsen:
Colonna
:schild genau: :freches grinsen::freches grinsen:

Inaktiver User
23.09.2006, 10:29
Hey, ich hatte eigentlich gedacht, mit dem pic wär' die Fütterung beendet :freches grinsen: ... sorry, aber die Fliege rutscht einfach immer runter *ggg*, das Bild bleib' ich Euch schuldig.

Ihr seid wirklich ein kulturelles Phänomen :blumengabe: ....

:ahoi:, mnn

Elwyn
27.09.2006, 09:13
Ich steig nochmal auf das Ausgangsposting ein:

Gerade bei einer kulturell übergreifenden Betrachtung weiss ich unsere "Emanzipation" und "Frauenbewegung", bei aller Kritik an ihr, sehr zu schätzen.

Die direkte Konfrontation mit streng islamischen Vorstellungen und der Unterdrückung der Frau in diesem Kulturkreis bringt mich im Hinblick auf "Emanzipation" irgendwie wieder "back to the roots". Man kann daran sehr gut sehen, wo die "Frauenbewegung" mal angefangen hat, sich zu engagieren.

Die Diskussionen hier zeigen mir lediglich, dass der derzeitige kritische Blick vieler Frauen und Männer auf unsere "Frauenbewegung" leider auch verstellt ist.

Ein krasses Gegenbeispiel der "Unterdrückung der Frau" in anderen Kulturkreisen könnte da doch eigentlich mal wieder den Blick im positiven Sinne frei machen, oder nicht?